Agnes Tilney                                     Herzogin von Norfolk
-----------------                                    Gräfin von Surrey
um 1480
31.5.1545
 

Erb-Tochter des Sirs Hugos von Boston und Skirbeck aus dem Hause TILNEY und der N. Tailboys

Thiele, Andreas: Tafel 211a
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

THOMAS III. HOWARD
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1443
1524

  1. oo 1472
           ELISABETH TILNEY
                 
1497

Tochter und Erbin des Sir Friedrich zu Ashwellthorps und der Elisabeth Cheney
Witwe des Sir Humphrey Bourchier von Berners (
1471 gefallen, vgl. Bourchier I)
(8 Söhne/2 Töchter insgesamt)

  2. oo 1497
          AGNES TILNEY
                
1545

Tochter und Erbin des Hugo von Boston und Skirbeck und der N. Tailboys
Elisabeths Cousine
1541/42 mit der Tochter Katharina inhaftiert, da sie es unterlassen hätten, den Lebenswandel von Kartharina Howard vor ihrer Ehe mit dem König diesem anzuzeigen.
(6 Kinder)


Fraser Antonia: Seite 224,352,355-358,360,393
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"Die sechs Frauen Heinrichs VIII."

Erzbischof Cramner fungierte als Pate, wie es einst Kardinal Wolsey für Prinzessin Mary getan hatte. Die Taufpatin war Agnes, Herzogin-Witwe von Norfolk, Matriarchin der HOWARD-Familie (und Stief-Großmutter Königin Annes). Eine angemessene Wahl, hatte sie doch schon für die ältere Tochter des Königs Pate gestanden.
Selbst wenn Katherine Howard keine Schönheit war, muß sie doch gutaussehend und von jugendlicher und erotischer Ausstrahlung gewesen sein. Wie ihre Stief-Großmutter Agnes Herzogin von Norfolk später bestätigte: "Seine Hoheit der König faßte eine Neigung zu Katherine Howard beim ersten Mal, da er sie sah".
Der entscheidende Augenblick ihres Daseins kam jedoch, als sie in den Haushalt ihrer Stief-Großmutter Agnes Herzogin von Norfolk gegeben wurde, der in Chesworth bei Horsham und in Lambeth residierte. Im Falle Katherine Howard lag die Wahl des Haushaltes der Herzogin-Witwe von Norfolk nahe, von der familiären Bindung einmal abgesehen. Denn diese bemerkenswerte, zähe alte Frau in den Sechzigern (sie war Zeitgenossin Margarets von Salisburys, die jetzt im Tower saß) konnte für sich in Anspruch nehmen, die ranghöhere englische Matriarchin zu sein; besonders nachdem ihre Stief-Schwieger-Tochter Elizabeth Stafford, Herzogin von Norfolk, sich 1534 von ihrem Gatten getrennt hatte.
Als Agnes Tylney geboren, war die ältere Herzogin die zweite Gemahlin des zweiten Herzogs von Norfolk geworden, dessen erste Frau ebenfalls eine TYLNEY gewesen war (weswegen für die Eheschließung eine Dispens zweiten Grades abgefordert werden mußte). Zusammen mit ihren eigenen Kindern hatte Herzogin Agnes auch eine große Anzahl Stief-Kinder zu erziehen, die ebenfalls mit ihr verwandt waren. In den vergangenen vierzig Jahren war die Herzogin bei Hof sicherlich eine bekannte Persönlichkeit gewesen, vor allem bei jener der großartigen Zeremonien. Beispielsweise hatte sie 1501 Katharina von Aragon anäßlich ihrer Hochzeitsnacht mit Prinz Arthur aufgewartet; 1516 fungierte sie als eine von Prinzessin Marys Paten; bei der Krönung ihrer Stief-Enkelin Anne Boleyn trug sie deren Schleppe und wurde einige Monate später einmal mehr Patin, diesmal von Prinzessin Elisabeth.
Wie andere große Damen ihrer Zeit, glaubte Herzogin Agnes an die medizinische Eigenbehandlung, nicht an Pflege durch Ärzte, und war auf ihre selbsthergestellten Arzneien stolz. Später unterstellten Leute, die wie die Geier über dem ramponierten Ruf Katherine Howards kreisten, Herzogin Agnes habe so etwas wie ein Bordell der oberen Zehntausend unterhalten. Mit Sicherheit galt Herzogin Agnes, von ihre Rang abgesehen, als verantwortungsbewußte Persönlichkeit, der die Obhut über den Nachwuchs bedenkenlos anvertraut werden konnte, wie die Liste ihrer Zöglinge beweist (unter ihnen befanden sich zum Beipiel Elizaveth Knyvet oder die drei Kinder der Gräfin von Bridgewater). Doch abermals drängte sich der Vergleich mit einer riesigen Schule auf, wenn wir die enorme Größe des Haushalts der Herzogin bedenken - in Lambeth lebten über 100 Menschen - und die Skandale, die infolgedessen möglich waren. Der Herzog von Norfolk hatte bei seiner langjährigen Liaison mit Bess Holland die Größe seines Haushalts gewiß weidlich ausgenutzt.
Statt dessen unterwies Herzogin Agnes Katherine darin, "wie sie sich dem König gegenüber verhalten solle", wie einst die SEYMOURS und Sir Nicholas Carew Jane Seymour unterwiesen hatten.
Im Dezember wurde eine Anzahl wichtiger Persönlichkeiten in den Tower von London geworfen: ihr Verbrechen bestand in der "Nichtanzeige von Verrat", das heißt der Mitwisserschaft, daß jemand die Absicht hatte, Verrat zu begehen - mit anderen Worten: Verschleierung des Geheimnisses um Katherines sündige Vergangenheit. Weitere Diener und "leichtfertige junge Männer ..., eingeweiht in die Verderbtheit der Königin und Derehams", wurden verhaftet. Darunter befand sich ihre Stief-Großmutter, die alte Herzogin Agnes, die verzweifelt aber vergeblich vortäuschte, krank zu sein (die vor kurzem erfolgte Hinrichtung Margarets Gräfin von Salisbury kann sie kaum zu dem Glauben ermutigt haben, ihr Alter würde ihr einen Straferlaß einbringen). Dann waren da noch Herzogin Agnes' Stief-Kinder, die Gräfin von Bridgewater, Lord William Howard und seine Frau, Henry Howard, einer von Katherines Brüdern, mit seiner Gattin, und eine Gruppe unglücklicher Kinder, die zu diesen Gefangenen gehörten.




17.8.1497
  2. oo 2. Thomas III. Howard  2. Herzog von Norfolk
               um 1443
21.5.1524
 
 
 
 

Kinder:

  Katharina Howard
  um 1500
12.4.1554

  1. oo Rhys ap Griffith Fitz Uryan
               
1531

  2. oo Heinrich Daubeney 1. Graf von Bridgewater
               
1548

  Anna Howard
  1498/1500
1559

 1511/12
  oo Johann IV. de Vere, Graf von Oxford
       um 1490
1526

  Thomas Lord Howard
  um 1500
Oktober 1537

  Dorothea Howard
       
 

  oo Eduard I. Stanley
            
1572

  Elisabeth Howard
  um 1500
1534

  oo Heinrich I. Radcliffe
            
1557

  Wilhelm I. Lord Howard von Effingham
  1510
1573
 
 
 
 
 
 
Literatur:
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Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 120 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 224,352,355-358,360,385,393,400 - Hackett, Francis: Heinrich der Achte. Rohwolt Berlin 1936 Seite 264,287,408,438,439,451 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 406 - Smith Lacey Baldwin: Die fünfte Frau. Heinrich VIII. und Katharina Howard. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1969 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 211a -