Begraben: Dom zu Palermo
Tochter des Königs Roger
II. von Sizilien aus seiner 3. Ehe mit der
Beatrix von Rethel, Tochter von Graf Günther
Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 1406
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Konstanze, Kaiserin, Königin von Sizilien
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* 1154, + 28. November 1198
Palermo
Postum geborene Tochter König Rogers II. von Sizilien und dessen 3. Gemahlin Beatrix von Rethel
Zusammen mit ihrer Mutter verbrachte Konstanze Kindheit und Jugend am Palermitaner Königshof. Auffällig ist ihre späte Heirat (27. Januar 1186) mit dem deutschen Thronfolger HEINRICH VI., weshalb man seit dem späten 13. Jh. ein zwischenzeitliches Leben als Nonne erfand (vgl. Dante, Parad. III, 109 ff.). Die Vorgeschichte der Heirat liegt im Dunkeln, steht aber eindeutig unter politischen Vorzeichen: sie befestigte den seit 1177/83 bestehenden Frieden zwischen Sizilien und dem Reich und ließ den STAUFERN doch Hoffnung auf eine friedliche Realiserung alter Ansprüche des Reiches auf das Königreich. Eine Eventualerbfolge Konstanzes wurde 1185 von den Großen des Königreiches anerkannt, die nach dem Tod des kinderlosen Königs Wilhelm II. (1189) jedoch Tankred von Lecce als König erhoben. Nach ihrer Krönung zur Kaiserin (15. April 1191) geriet Konstanze während des ersten Eroberungszuges ihres Gemahls gegen Sizilien in Salerno in die Gefangenschaft Tankreds, der sie im folgenden Jahr dem Papst übergeben sollte. Glückliche Umstände erlaubten ihre vorzeitige Befreiung und Rückkehr nach Deutschland. Kurz nach der Eroberung Siziliens durch HEINRICH VI. gebar Konstanze in Jesi (Provinz Ancona) den Thronfolger FRIEDRICH II.(26.12.1194), der in deutscher Obhut in Folognio aufwuchs. Diese späte Erstgeburt gab schon kurz nach dem Tod Konstanzes zu mancherlei propagandistischen Gerüchten Anlaß, die von der anti-staufischen Historiographie im folgenden ausgemalt wurden. Konstanze wurde Ostern 1195 für die Dauer der Abwesenheit des Kaisers mit der Regentschaft in Sizilien beauftragt. Sie selbst hat diese Herrschaft freilich kraft eigenen Rechtes als Erbin ihres Vaters beansprucht und sich ganz in die Tradition ihrer normannischen Vorgänger gestellt. Bezeichnend ist, dass man ihr eine Beteiligung an der Verschwörung gegen den Kaiser zutraute (1197), wofür jedoch sichere Belege fehlen. Nach dem Tod HEINRICHS(+ 28. September 1197) herrschte sie als Souverän, nicht stellvertretend für ihren Sohn, der im folgenden Jahr zum sizilischen König gekrönt wurde. Bewegungsfreiheit verschaffte ihr die Ausweisung Markwards von Annweiler und aller Deutschen. Trotz intensiver Bemühungen Kaiser FRIEDRICH II.auch die Option auf das Kaiserreich offenzuhalten, scheiterte an der unnachgiebigen Haltung des Papstes; FRIEDRICH II. verzichtete mit seiner Krönung auf dem römischen Königstitel. Konstanze selbst führte den Titel einer römischen Kaiserin weiter, beschränkte sich in ihren Handlungen jedoch auf das Königreich. Nach harten Verhandlungen mit dem päpstlichen Lehnsherren um den Erhalt der Sonderrechte des sizilischen Königreiches mußte sie sich auch hier den kurialen Bedingungen beugen. Infolge ihres plötzlichen Todes konnte sie jedoch den schon ausgehandelten Lehnseid nicht mehr leisten. In ihrem bruchstückhaft überlieferten Testament setzte sie Innozennz III. zum Vormund ihres Sohnes ein. So brachte ihre Regierungszeit nicht nur eine Wiederherstellung, sondern sogar eine Verstärkung des päpstlichen Einflusses auf den sizilischen Lehensstaat.
Quellen und Literatur:
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MGH DD XI/3, ed. Th. Kölzer, 1990 - DBI XXX, 346-356
[Ders.] - Ders., Urkk. und Kanzlei der Ksn. K., Kgn. v. Sizilien, 1983
- Ders., Sizilien und das Reich im ausgehenden 12. Jh., Hjb 110, 1990,
3-22.
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Neue Deutsche Biographie: Band 12
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Konstanze, Kaiserin
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* 1154 (nach 26.2.), + 27.11.1198 Palermo
Aus dem Geschlecht DE HAUTEVILLE
Vater:
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König Roger II. von Sizilien
(+ 1154)
Mutter:
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Beatrix (+ 1185), Tochter des Grafen
Günther von Rethel (+ 1158);
oo Mailand 27.1.1186 König HEINRICH VI. (+ 1197, siehe NBD VIII);
Sohn:
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Kaiser FRIEDRICH II. (+ 1250, siehe
NBD V)
Neffe:
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König Wilhelm II. von Sizilien
(1153-1189)
Das einzige Kind aus der 3. Ehe Rogers II. erhielt den bei den HAUTEVILLE seltenen Namen Konstanze. Über ihre Jugend ist fast nichts bekannt; Konstanze lebte wohl vor allem am Königshof in Palermo. Die Behauptung einiger Quellen, sie sei geistlichen Standes beziehungsweise vor ihrer Ehe Äbtissin gewesen, beruht auf frühzeitig einsetzender Legendenbildung. Da die Ehe König Wilhelms II. von Sizilien, ihres Neffen, kinderlos geblieben war, wurde im Ehevertrag Konstanzes mit HEINRICH VI. ihre wie auch ihres Gemahls Eventualnachfolge im Königreich Sizilien festgelegt und von den sizilianischen Baronen zu Troia (1184 oder 1185), von deutscher Seite zugleich mit der Verlobung am 29.10.1184 zu Augsburg beschworen. Bei der Vermählung wurde Konstanze zur römischen Königin, 1191 bei der Kaiserweihe ihres Gemahls zur Kaiserin gekrönt. Bei dem sich an die Kaiserkrönung anschließenden Kriegszug gegen den von sizilischen Baronen erhobenen Gegen-König Tankred (von Lecce) geriet die Kaiserin in dessen Gefangenschaft, wurde aber nach ehrenvoller Gefangenschaft wieder entlassen. 1194 folgte sie dem Kaiser nach Italien. Zu Jesi gebar sie am 26.12.1194 einen Sohn, FRIEDRICH II. Im Frühjahr 1195 betrat sie das Königreich Sizilien, das sie bis zu ihrem Tode nicht mehr verlassen hat. In ihren Urkunden führt sie den Titel der "regina Sicilie", obgleich eine Krönung nicht nachgewiesen ist. Ob Konstanze tatsächlich an der Verschwörung von 1197 gegen ihren Gemahl beteiligt war, läßt sich nicht eindeutig erkennen. Gewiß ist, dass sie gegen die Vorherrschaft der Deutschen zu wirken suchte. Auf der anderen Seite verteidigte sie in politischer Übereinstimmung mit ihrem Gemahl die kaiserlichen Rechte wie die besonderen Rechte des Königs von Sizilien gegenüber dem Papst. Das Konkordat von Gravina wie das Königtum Tankreds erkannte sie ebensowenig wie HEINRICH VI. an. Nach dessen Tode versuchte sie, an dieser Politik festzuhalten. Sie erhob ihren bereits zum römischen König erwählten Sohn mit dem vollen normannischen Königstitel zum Mitregenten und ließ ihn krönen. Unter dem Druck der Verhältnisse mußte sie sich jedoch zu Zugeständnissen in einem neuen Konkordat bereitfinden; ehe es unterzeichnet werden konnte, ist Konstanze gestorben. In ihrem Testament erkannte sie die Oberlehnsherrschaft des Papstes an und setzte Innocenz III. zum Vormund des Königs und Verweser Siziliens ein.
Literatur:
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R. Ries, Reggesten der Kaiserin Konstanze, in: Quellen
und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 18, 1926, Seite
30-100; Reggesten Imperium IV, 3, Heinrich VI., neu bearbeitet von G. Baaken,
1972; W. K. Prinz von Isenburg, Die Ahnen der deutschen Kaiser, Könige
und ihrer Gemahlinnen, 1932; G. Baaken, Unio regio ad imperium, in: Quellen
und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 52, 1972, S.
219-297; Derselbe, Das Königreich Sizilien in seinen Beziehungen zum
Imperium Romanum und zum Papsttum (von 1198 bis zur Belehnung Karls von
Anjou) (in Vorbereitung).
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Frauen der Weltgeschichte: Seite 274
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Konstanze von Sizilien
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1154-22.XI.1198
Königshochzeit in der Lombardei! Die Mailänder
hatten sich von Kaiser BARBAROSSA,
der ihnen namhafte Privilegien verlieh, als besondere Gunst ausgebeten,
dass die Vermählung seines Sohnes HEINRICHS
VI. mit König Rogers
Tochter, der künftigen Erbin von Sizilien, in ihrer Stadt gefeiert
würde. Die Normannin war 12 Jahre älter als der Bräutigam;
sie hatte diese Heirat nicht gewollt, gehorchte aber dem Befehl ihres Vater
, der ihr ein kostbares Geschenk für den Schwiegersohn mitgab: das
Reichs- und Mauritius-Schwert. Auch den sarazenischen Königsmantel
Rogers
durfte des ROTBARTS Sohn sich um die
Schultern legen, aber das mit Gold und Perlen übersäte Gewand
sollte nie mehr sizilianischen Boden streifen. Die junge Königin mußte
schon bald aus den Worten und Taten Markwards von Anweiler, des politischen
Beraters ihres Mannes, mit Schrecken erkennen, dass ihre Heimat Sizilien
fortan nur eine Provinz des Reiches sein sollte. Konstanze
setzte ihre normannische Zähigkeit und die Kraft ihres überragenden
Geistes im Kampf um die Unabhängigkeit der Insel ein; sie verbündete
sich mit den Feinden König HEINRICHS,
ihres Gemahls, dessen Wesen ihr fremd blieb, dessen Politik sie abstieß
und dessen Sieg sie nicht wünschte ... Drei Jahre nach der Kaiserkrönung,
am Weihnachtstag 1194, schenkte die 40-jährige dem
staufischen Hause ihren ersten und einzigen Sohn FEDERIGO,
der später "Wunder und Wandler der Welt" genannt wurde. Die Geburt
blieb von Geheimnissen umwittert - man sprach offen von einer Kindesunterschiebung
... Nach HEINRICHS Tode übernahm
Konstanze
als Regentin die Führung der gegen die Deutschen
gerichteten sizilischen Aufstandsbewegung; mit vielen anderen mußte
ihr Widersacher Markward Sizilien verlassen. Die Krone Siziliens empfing
die Herrscherin im April 1198 - im Dom von Palermo, der wenige Monate später
ihre Grabstätte wurde.
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Nach dem erbenlosen Tode ihres Neffen, König
Wilhelms II., war Konstanze 1189
die Erbin des Normannenreiches, das ihr Gemahl jedoch erst 1194 in Besitz
nehmen konnte. 1195 wurde sie zur Regentin von Sizilien eingesetzt, führte
die Regentschaft auch für ihren Sohn FRIEDRICH
II. ROGER und ließ ihn zum König von Sizilien krönen.
Kurz vor ihre Tode bestellte sie Papst Innocenz III. zum Vormund für
ihren Sohn.
Mühlbacher Josef: Seite 48-59
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"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"
HEINRICH VI. war ein
harter, rücksichtsloser, ja grausamer, in Weltreichpläne vergrübelter
Kaiser, der "das Volk der Deutschen groß und gefürchtet gemacht
bei allen Völkern". "Dem Volk war er wenig freundlich noch wohlgesinnt",
stellte der Patriarch von Aquileja fest. Innozenz III. schrieb über
ihn: "Des Nordsturms Wut durchfährt die kalabrischen Berge mit einem
neuen Beben der Erde, und durch die Ebenen des flachen Apulien jagt er
in Wirbeln den Wanderern und Bewohnern Staub in die Augen." Wenn es von
HEINRICH
heißt, er sei wie "der Nordsturm und Winter in den Rosengarten Sizilien"
eingebrochen, so spricht daraus auch die allgemeine Abneigung der Sizilianer
und Italiener gegen die Deutschen, die ihnen als eigenwillig und rechthaberisch
galten und plump, roh und unhöflich erscheinen, deren Sprache ihnen
wie Hundegebell und Krächzen klang. HEINRICH
hat diese Urteile und Vorwürfe durch sein Verhalten in Sizilien herausgefordert.
Konstanze war kurz
nach dem Tod ihres Vaters Roger II. 1154
geboren worden, ihre Mutter, die dritte Gemahlin Rogers
II.,
Beatrix von Rethel (Ardennen), entstammte mütterlicherseits
lothringischem Adel. Konstanze
war
schön, stolz und tatkräftig und blieb auch nach ihrer Vermählung
eine normannisch-sizilische Patriotin, was den Verdacht weckte, sie sei
gegen die STAUFER mitverschworen gewesen
Der Minorit Salimbene von Parma nannte sie "ein schlechtes Weib und den
Gattinnen ihrer Brüder und der ganzen Familie zur Last."
HEINRICHS Mutter
Beatrix
von Burgund soll von Konstanze
in
schweren Träumen verfolgt worden sein. Zeichendeuter des normannischen
Hofes hatten vorausgesagt, sie werde ihr Vaterland ins tiefste Verderben
stürzen. Dass die Verbindung Konstanzes
mit
HEINRICH VI. die Vereinigung
Siziliens mit Deutschland brachte, schon das war ein unerhörtes, ein
die Welt aufschreckendes Ereignis. Konstanze
hatte jahrelang im Kloster der Basilianischen Nonnen, nahe dem königlichen
Palast in Palermo, und in anderen Klöstern, gelebt. Ob sie freiwillig
oder von ihren Verwandten veranlaßt ins Kloster gegangen war, wissen
wir nicht, auch nicht, ob sie den Schleier genommen; jedenfalls wurde ihr
zum Vorwurf gemacht, das Kloster verlassen zu haben, um zu heiraten. Vor
ihrer Vermählung wurde Konstanze 1185
nach Rieti gebracht, mit einer Aussteuer, deren Schilderungen ans Fabelhafte
grenzen. Konstanze war groß und
blond und von heller Hautfarbe, sie wirkte trotz des byzantinischen Prunks
bescheiden. Sie war 32, HEINRICH 22
Jahre alt.
Die Trauung fand am 27. Januar 1186 in Mailand statt.
Da der Dom noch nicht vollendet war, fand die Eheschließung in der
Kirche San Ambrogio statt, die aus einem Kornspeicher in einen halbwegs
würdigen Zustand versetzt worden war. Der Patriarch von Aquileja vollzog
die Vermählung ohne Zustimmung des Papstes. HEINRICH
und
Konstanze
wurden zugleich mit der Eisernen Krone der Lombarden gekrönt und Konstanze
empfing von einem deutschen Bischof die deutsche Königskrone. Nach
der Trauung begab sich HEINRICH mit
Konstanze
zur Kaiserkrönung nach Rom.
Während der Italienzuges HEINRICHS
VI. zur Eroberung Siziliens 1191 - ein Jahr nach dem Tod FRIEDRICHS
I. BARBAROSSAS - geriet Konstanze
in die kriegerischen Auseinandersetzungen, und auf die falsche Nachricht
hin, der Kaiser sei in Neapel der Seuche erlegen, in die Hände der
Gegner HEINRICHS VI. Sie wurde in einem
Turm in Salerno festgehalten, wo sie sich mutig und tapfer verteidigte,
bis sie nach ihrer Auslieferung in Messina von ihrem illegitimen Neffen
Tankred
würdig aufgenommen, aber als Geisel betrachtet wurde; schließlich
mußte sie Tankred auf Befehl des Papstes, reich beschenkt, nach Deutschland
bringen lassen.
Wenige Tage nach der Krönung zum König von
Sîzilien (Weihnachten 1194) erreichte HEINRICH
die Nachricht, dass Konstanze am zweiten
Weihnachtstag in Jesi in der Mark Ancona einen Sohn zur Welt gebracht hatte.
Die Geburt FRIEDRICHS
veranlaßte den kampagnischen Dichter und Weisen Petrus von Eboli,
Vergils 4. Hirtengedicht von der Verheißung eines Friedensfürsten
auf den Neugeborenen zu deuten; Gottfried von Viterbo begrüßte
ihn als den die Zeit erfüllenden Cäsar, als den erwarteten Weltenkönig.
Die Umstände der Geburt gaben Anlaß zu einer
überreichen, meist böswilligen Legendenbildung. Konnte das Kind
von einer 40-jährigen Frau nach 9-jähriger unfruchtbarer Ehe
geboren worden sein? Konstanze selbst
wollte befürchteten Verdächtigungen zuvorkommen. Sie habe, heißt
es, das Kind in einem Zelt zur Welt gebracht, in welchem jede verheiratete
Frau der Geburt beiwohnen konnte; sie habe sich auf dem Markt dem Volk
mit entblößten Brüsten beim Stillen des Kindes gezeigt.
Die Verdächtigungen konnten dadurch nicht aus der
Welt gebracht werden. Der Abt Albert von Stade berichtet in seinen Annalen:
Die Ärzte aus Salerno "ließen aber Konstanzes
Gebärmutter durch Arzneien allmählich anschwellen, so dass der
Kaiser fest glaubte, sie sei schwanger. Inzwischen aber sahen sich die
Ärzte nach einem Kinde um, so dass von verschiedenen schwangeren Frauen,
die zur Zeit der Niederkunft Konstanzes
gebären mußten, nach einem streng geheimen Plan ein Kind geraubt
wurde, um zur Zeit der Niederkunft Konstanzes
in den Palast an ihr Bett getragen zu werden, wo es so, obwohl woanders
geboren, gleichsam von Konstanze geboren
wurde und der Sohn eines anderen für den Sohn des Kaisers und der
Kaiserin gehalten worden ist. Man sagte aber, es sei zweifelhaft, ob jenes
Knäblein der Sohn eines Arztes oder eines Müllers oder aber eines
Falkners gewesen sei; aber die Leute beteuern wahrhaftig, es sei der Sohn
eines dieser drei gewesen." Der STAUFER-feindliche
Minorit Salimbene von Parma hat FRIEDRICH
für den Sohn eines Fleischers gehalten, was FRIEDRICH
Zeit seines Lebens vorgeworfen wurde.
HEINRICH ließ
seine Gemahlin für Ostern 1195 nach Bari kommen, wo er einen Reichstag
abhielt. Der kleine FRIEDRICHblieb
in den folgenden drei Jahren in Foligno in der Obhut des Herzogs von Spoleto,
zu dem konrad von Urslingen erhoben worden war. Nach Bari hatte der Kaiser
auf 160 Maultieren aus Palermo den Kronschatz und die Reichsinsignien bringen
lassen, die nach der Reichsfeste Trifels weiterbefördert wurden.
Als nach dem Reichstag von Bari HEINRICH
neuerdings nach Deutschland aufbrach, stellte er Konstanze
an die Spitze des Regentschaftsrates über Sizilien. Mit Hilfe ausgiebiger
Geschenke an die Fürsten ließ HEINRICH
seinen noch ungetauften 2-jährigen Sohn FRIEDRICH
zum
deutschen König wählen.
In Sizilien war das Blutgericht vom Stephanstag 1194
nicht vergessen. Die sizilianische Unabhängigkeitsbewegung gegen HEINRICHund
die Deutschen überhaupt nutzte die Abwesenheit HEINRICHS,
und es wurde vermutet, Konstanze unterstütze
oder dulde sie. In Unteritalien schürte Richard von Acerra, der Schwager
König
Tankreds, den Widerstand gegen HEINRICH.
Dieser sah sich zur Rückkehr nach Italien gezwungen. Was HEINRICH
nun an Grausamkeiten verübte, hat mit einer Bestrafung von Aufständischen
nichts mehr zu tun. Richard von Acerra ließ er von Pferden durch
die Straßen von Capua schleifen; als er nach zwei Tagen noch immer
lebte, nachdem er an den Füßen aufgehängt worden war, erlöste
ihn sein Hofnarr von den Qualen durch um den Hals gebundene Gewichte, an
denen Richard von Acerra erstickte. In Palermo ließ HEINRICH
den Grafen Giordano, der als Haupt des Widerstandes galt, auf einen eisernen
glühenden Thron setzen und ihm eine glühende Krone mit Nägeln
an den Kopf schlagen. Diesen und anderen Folterungen mußt Konstanze
an der Spitze ihres Gatten beiwohnen. Was Wunder, dass sie vor soviel Grausamkeit
zurückschreckte und mit ihren gepeinigten Verwandten und Landsleuten
fühlte? Sie wurde, vom Kanzler Walther von Pagliara bewacht, im königlichen
Palast gefangengehalten.
Am Reichstag von Bari hatte HEINRICH
einen Kreuzzug gelobt. Als sich das Heer einzuschiffen begann, brach in
Sizilien eine neuer Aufstand los - HEINRICH
versprach eine Generalamnestie. Wollte er die Sizilianer auf diese Weise
für sich gewinnen? War das nach dem, was geschehen war, noch möglich?
Auf der Jagd im Waldgebirge unterm Ätna erkrankte
HEINRICH.
Er wollte nach Palermo gebracht werden, kam aber nur bis zu dem in maurischem
Stil erbauten Schloß von Favara. In Fieberfantasien sprach der Kaiser
von dem Weltreich, das er zu schaffen gedachte. Dann diktierte er, wieder
bei klaren Sinnen, sein Testament - ein Dokument der Zerknirschung. Am
28. September 1197 "fällte ihn der Neid des Todes". Er starb an der
den STAUFERNverhängnisvollen Malaria.
Konstanze
war
anwesend - es lag schon im Stil der Zeit, sie des Giftmordes an ihrem Gemahl
zu bezichtigen. Er wurde im Dom von Palermo bestattet.
Die verwitwete, schwergeprüfte Konstanze
versuchte tatkräftig, der heillosen Verwirrung in Sizilien Herr zu
werden; es gelang ihr nicht mehr. Ein Jahr nach dem Tod ihres Gemahls erkrankte
sie. Sie ließ, wohl in der Ahnung ihres nahen Endes, ihren 4-jährigen
Sohn am 17. Mai 1198 zum König von Sizilien krönen und
übergab ihn und das Land der Obhut des Papstes. Am 27. November
starb sie, ein Jahr nach dem Tode HEINRICHS.
Sie wurde neben ihm im Dom zu Palermo, der Ruhestatt ihres Vaters beigesetzt.
27.11.1165
oo HEINRICH VI. König des Deutschen
Reiches
1165-28.9.1197
Kinder:
FRIEDRICH II. ROGER
26.12.1194-13.12.1250
Literatur:
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Benrath Henry: Die Kaiserin Konstanze. Stuttgart
Berlin Deutsche Verlagsanstalt - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa.
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hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite
17-260 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart
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- Masson Georgina: Friedrich II. von Hohenstaufen, Rowohlt Taschenbuch
Verlag Reinbeck bei Hamburg 1991, Seite 11,22,24, 26,315 - Pohl
Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von
Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 198,203,214,224 - Reisinger,
Christoph: Tankred von Lecce, Kölner Historische Abhandlung 38, Böhlau
Verlag Köln/Weimar/Wien 1992 - Rösch, Eva Sibylle/Rösch,
Gerhard: Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien, Jan Thorbecke
Verlag Sigmaringen 1995, Seite 38,42-47,73,75, 95,167 - Stürner,
Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und
Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 1,15, 32,34-38,41-58,64,80-86,90,98,111,116,139,141,249
- Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König
Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 7, 11-13,29,85
- Toeche, Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1965, Seite 5,6,38,47,100,101,111, 127,128,129,178,188,196,197,210,219,220,278,312,314-317,319,323,
335,342,346,350-352,368,446,448,451-455,467,474,503 - Wies, Ernst W.: Kaiser
Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999,
Seite 282,305,308 - Wies, Ernst W.: Friedrich II. von Hohenstaufen. Messias
oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998, Seite 14,29,23,25,27,30,33,39,45,59,134,156,184,186
- Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte,
Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker
& Humblot Leipzig 1873, Seite 9,11-13,18,20,23,26,32,36-40, 42,80,81,102,109,111,119-124,200,346,358,486,491,
497-499 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte,
Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker
& Humblot Leipzig 1873, Seite I 123,124,497 II 3-5,7,13, 17,20,22,28,29,39,48,51,59,65,70,81,93,217,277,316,
338,537455 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche
Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 4,107,141,273,277,531 -
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Frommer Hansjörg: Seite 138-176
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"Spindel Kreuz und Krone"
Das normannische Königreich Sizilien
"Die Eroberung S-Italiens und Siziliens durch die Normannen
war vielleicht nicht nur die beeindruckendste, sondern auch die romantischste
ihrer politischen Leistungen... Das Unternehmen lief unter den Augen und
in Reichweite der 4 größten Mächte der damaligen Christenheit
ab - des Byzantinischne Reichs im Osten, des deutschen Kaiserreiches im
Westen, des Papsttums und der arabisch-islamischen Reiche - und war
im Gegensatz zur Eroberung Englands das Ergebnis rein privater Initiative:
Einzelne Ritter und Rittergruppen zogen von der Normandie aus, um ihr Glück
im Süden zu machen." So sieht Richard Allen Brown die Entstehung der
normannischen Fürstentümer in Süditalien. Und in der Tat
ist der Aufstieg der Normannen eine kaum glaubliche und abenteuerliche
Erfolgsgeschichte. Der Legende nach kam 999 eine Gruppe von 40 normannischen
Pilgern auf dem Rückweg vom Heiligen Land nach Salerno und erlebte
dort, wie kopflos die Bevölkerung auf einen sarazenischen Angriff
reagierte. Sie bewaffneten sich und schlugen die Sarazenen zurück.
Zuhause in der Normandie erzählten sie von S-Italien und von der Möglichkeit,
die es beherzten und tatkräftigen Kämpfern bieten könnte.
In den folgendne Jahrzehnten kamen die jüngeren Söhne normannischer
Barone in kleinen Gruppen ins Land, verdingten sich als Söldner, gewannen
an Macht und konnten sich als Landbesitzer etablieren. Sie kämpften
mit den Byzantinern gegen Sarazenen und Langobarden, mit den Langobarden
gegen Byzanz und Sarazenen. 1030 wurde der Normanne Rainulf Graf von Aversa,
und sein Sohn Richard 1058 Fürst von Capua.
Eine besondere Rolle dabei spielten die Söhne des
Tankred von Hauteville, eines wenig begüterten, aber kinderreichen
normannischen Adligen. Der erste, Wilhelm mit dem Beinamen Eisenarm, weil
er im Zweikampf den Emir von Syrakus getötet hatte, erwarb die Bergfestung
Melfi, der zweite, Drogo, erreichte 1047 von HEINRICH
III. die Bestätigung als Graf der Normannen in ganz Apulien
und Kalabrien, und der dritte, Humfried, war der Sieger in der Schlacht
bei Civitate 1053, in der Papst Leo IX. in normannischer Gefangenschaft
geriet. Die Normannen behandelten ihn durchaus ehrerbietig, denn sie waren
christlich fromm im Sinn der westlichen Kirche, und sie wollten ihre Eroberungen
lieber als Lehen vom Papst als etwa von Byzanz oder vom Reich. In den Jahren
des Investiturstreits waren sie die Verbündeten des Papstes und konnten
ihre Herrschaft in S-Italien ungehindert und mit päpstlichem Segen
ausbauen. Der größte Held der Familie, Robert Guiskard, kam
1046 allein und mittellos an. Er war der erste Sohn der zweiten Frau Tankreds,
und seine Halbbrüder unterstützten ihn nicht. Robert unterwarf
sich Kalabrien und gewann nach dem Tod seiner Brüder auch die Herrschaft
über Apulien. 1071 fiel mit Bari die letzte byzantinische Festung,
und 1081 besiegte er bei Durazzo in Alanien den byzantinischen
Kaiser Alexios Komnenos. Byzanz
war sein Endziel, aber 1085 starb er auf der Insel Kephannonia am Typhus.
Er wurde in der Kirche von Avosa bei Melfi begraben, die er selbst als
Grablege für seine Familie gegründet hatte. Aber Robert hatte
nicht nur nach Byzanz geblickt. Auch die Eroberung des sarazenischen Sizilien
stand auf seinem Programm. Erleichtert wurde diese Aufgabe durch die Uneinigkeit
der Emire, die sich ihre Machtbereiche gegenseitig streitig machten und
dabei auch nach Verbündeten suchten. Diese Aufgabe übertrug er
seinem jüngeren Bruder Roger, der 1056 angekommen war. Von den Byzantinern
hatten die Normannen Schiffe erobert und übernommen, und mit ihnen
setzten sie unter Führung Rogers
1061 zum ersten Mal nach Sizilien über.
Mit 440 Rittern eroberte er im Handstreich Messina. 1072
wurde die Hauptstadt Palermo eingenommen, und Robert ernannte Roger
zum
Grafen von Sizilien. 1087 fiel Syrakus, und 1091 wurde die letzte sarazenische
Festung genommen. Die Normannen unter Roger hatten nicht nur ihre Fähigkeiten
im ritterlichen Kampf bewiesen, sondern auch eine bemerkenswerte Geschicklichkeit
bei der Logistik und der Organisation von Flotten entwickelt. Weder in
Unteritalien noch in Sizilien traten die Normannen in großer Zahl
auf. Sie waren eine kleine Schicht grundbesitzender Barone, die sich in
gewissem Maß mit dem vorhandenen Adel langobardischer und anderer
Herkunft vermischten und das Land und die übrige Bevölkerung
kontrollierten. Unter ihrer Herrschaft existierten die verschiedenen Bevölkerungsgruppen
mit ihrem unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergrund
weiter, die Berührung, Gegnerschaft und gegenseitige Durchdringung
griechischer, lateinischer und islamischer Traditionen. Die Normannen brachten
ihre französische Sprache, ihr fränkisch geprägtes Christentum
und eine rigide Auffassung vom Lehensstaat mit, in dessen normannischen
Ausprägungen den Rechten des Lehensmannes, vor allem der Erblichkeit,
ein hartes Zugriffrecht des Lehensherren bei irgendwelchen Verstößen
gegenüberstand. Den periodisch wiederkehrenden Aufständen der
Barone entsprach das blutige Strafgericht, mit dem der Lehensherr die abtrünnigen
Barone immer wieder überzog. Rechtssätze und Konstitutionen,
Güter- und Leistungsverzeichnisse, Rechtsschulen und Kanzleien gehörten
zum Instrumentarium des Lehensfürsten, damit er seine Barone besser
kontrollieren konnte.
Roger, der "große
Graf", starb 1101. Seinem Sohn und Nachfolger, dem erst 1095 geborenen
Roger
II. gelang es in den folgenden Jahren, die süditalienischen
Besitzungen der Nachkommen Robert Guiskards in seinen Besitz zu bringen.
Im Schisma der Päpste von 1130 verlieh ihm Anaklet II. auf der Suche
nach Verbündeten im Kampf gegen Innocenz das Recht, sich König
von Sizilien zu nennen und sich in Palermo krönen zu lassen. So war
der Enkel des Tankred von Hauteville zum Herrn des jüngsten Königreichs
aufgestiegen. Papst Anaklet endete schließlich als nicht anerkannter
schismatischer Papst, und Innocenz wollte durch einen Feldzug gegen Roger
alles wieder rückgängig machen. Aber er wurde mit seinem Heer
geschlagen und fiel in normannische Gefangenschaft, und 1139 anerkannte
auch er Roger II. als König von
Sizilien, Herzog von Apulien und Graf von Capua. In S-Italien waren die
normannischen Barone stärker und der lateinische Einfluß größer.
In Sizilien waren weniger Normannen, der größte Teil des Landes
war Krondomäne, vom König direkt bewirtschaftetes Gebiet. Die
Griechen hatten dort die Normannen als Befreier begrüßt und
spielten in der neuen Verwaltung eine große Rolle. Aber auch die
Sarazenen standen unter dem Schutz des Königs und konnten ihrer Reichslehen
nachgehen und ihre Berufe weiter ausüben. Griechisch, lateinisch und
arabisch wurden in Kanzlei und Verwaltung gebraucht, in S-Italien auch
das normannische Französisch.
Roger II. hatte
ein Gespür für wirtschaftliche Entwicklungen. So verschleppten
die Normannen 1147 die Seidenweber aus Theben und Korinth nach Palermo,
um diese Luxusindustrie unter ihre Kontrolle zu bekommen. Insgesamt wurden
Handel und Gewerbe gefördert, und der sizilische Seehandel wurde zu
einer ernsthaften Konkurrenz für die großen italienischen Seestädte
Genua, Pisa und Venedig. Mit seiner Militärmacht und seiner starken
Flotte war Roger II. ein gewichtiger
Machtfaktor im Zentrum des Mittelmeers, der sich gegen Byzanz wie gegen
das Reich oder die islamischen Küstenstaaten richten konnte. So hatte
Roger II. 20 Jahre lang Tunis unter
seiner Kontrolle.
Dem Papst hatte der König abgerungen, dass er als
päpstlicher Legat die Oberaufsicht über die Kirche in Sizilien
und Süditalien ausüben konnte. Damit war er berechtigt, die Bischöfe
auszuwählen und zu investieren. Demgegenüber machte es wenig,
dass der Papst als oberster Lehensherr anerkannt war, denn bei der strikten
Erblichkeit und der starken Betonung der Königsrechte hatte er wenig
Gelegenheit, seine Oberherrschaft anzumahnen. Die normannischen Könige
statteten ihre Bistümer großzügig aus und gründeten
und beschenkten viele Klöster. Aber die Kirche mit ihrem ganzen Reichtum
war ein sicheres Instrument in der Hand des Königs, solange er auch
die päpstlichen Rechte für sich in Anspruch nehmen konnte. Auch
für die Wissenschaften interessierte sich Roger. Salerno wurde zu
einer bedeutenden Hochschule für Medizin. Der Astronom Aristippus,
der auch Texte griechischer Philosophen ins Lateinische übertrug,
war der Lehrer des Kronprinzen, und der arabische Geograph al-Idrisi arbeitete
im königlichen Auftrag 15 Jahre lang an seinem Buch über die
Beschaffenheit der Länder und Weltteile.
Konstanzes Herkunft und Familie
Roger II. war von
1117 bis 1135 verheiratet gewesen und hatte aus dieser Ehe vier Söhne.
Der älteste, Roger, galt als Kronprinz.
Der zweite Sohn starb schon 1139, der dritte 1144. Der junge Roger
starb 1149, hinterließ aber aus einer nichtehelichen Verbindung einen
Sohn Tankred, der zwischen 1130 und
1134 geboren worden war. Aber die legitime Nachfolge des Hauses
HAUTEVILLE ruhte jetzt nur noch auf dem jüngsten Sohn Wilhelm.
Deshalb entschloß Roger II. sich
1149 zu einer zweiten Ehe und, als die junge Frau ohne Kinder starb, 1152
zu einer dritten. Die dritte Frau war Beatrix
von Rethel, eine Französin aus der Champagne in der Nähe
von Reims. Etwa zur gleichen Zeit heiratetet Rogers
Sohn Wilhelm eine Margarethe
von Navarra. Als Roger II.
am 26. Februar 1154 starb, war sein Enkel Wilhelm
gerade
geboren und seine Frau Beatrix
schwanger.
Die nach dem Tod ihres Vaters geborene Tochter wurde auf den Namen Konstanze
getauft. Sie war also die Schwester des neuen Königs
Wilhelms I. und die Tante des vielleicht ein halbes Jahr älteren
Kronprinzen
Wilhelm und eines später geborenen jüngeren Bruders
Heinrich. Ihre Mutter, ihr Bruder und dessen Frau stellten am neuen Hof
die ältere Generation, Konstanze
und
ihre Neffen die jüngere. In diesem familiären Rahmen wuchs Konstanze
auf. Das Fehlen des Vaters machte sich vielleicht nicht so bemerkbar, weil
ihr Bruder in etwa diesen Platz einnahm. Wir wissen von diesen Jahren überhaupt
nichts. Aber allen Gepflogenheiten nach hatte die Königin-Witwe
Beatrix einen kleinen selbständigen Hofstaat innerhalb
des Hofes, zu dem Konstanze gehörte.
Hier und mit ihrer Mutter sprach sie vor allem französisch. Roger
II. hatte bei seinen Kindern Wert auf eine gute Bildung gelegt,
und Wilhelm war von den besten Gelehrten
unterrichtet worden, vor allem von jenem Heinrich Aristippus, der unter
ihm in höchste Regierungsämter aufstieg. Allem Anschein nach
achtete er bei seinen Kindern genau so auf eine umfassende Erziehung und
Bildung, und Konstanze nahm mit dem
gleichaltrigen Wilhelm an allem teil.
Dazu gehörten die im Königreich Sizilien gängigen Sprachen,
Griechisch, Latein und Arabisch, und später die Texte, die in diesen
Sprachen wichtig waren, neben den Klassikern auch Gesetze und Verwaltungsmaterialien,
aus denen der komplizierte Hintergrund dieses aus so verschiedenen Traditionen
bestehenden und noch keineswegs zusammengewachsenen Königreichs verständlich
wurde. Konstanze
schöpfte aus
ihrer Jugend wohl nicht nur einen beachtlichen Hintergrund an Wissen und
Kenntnissen, sondern entwickelte auch genuines Interesse für politische
Fragen und ein Gefühl der Verantwortung für das Schicksal dieses
Königreichs, das ihr Vater Roger
geschaffen hatte und das ihr zur Heimat geworden war.
Ganz im Unterschied zum deutschen Hof führte der
Hof von Palermo ein äußerlich ruhiges und behagliches Leben,
meistens im königlichen Palast, und in den Monaten der großen
Hitze in einer Sommerresidenz in den Bergen. Solche Bedingungen waren auf
jeden Fall für die Entwicklung der Kinder günstiger als die "Heimatlosigkeit"
des deutschen Hofes. Diese größere Ruhe bedeutete jedoch nicht
eine Abschottung vom wirklichen Leben und von den grundlegenden politischen
Fragen. Denn dazu lag das Königreich Sizilien zu sehr im Mittelpunkt
der Schnittlinien zwischen den islamischen Staaten, Byzanz und dem Reich
und im Konkurrenzkampf zu den See- und Handelsmächten von Pisa, Genua
und Venedig. Auch der äußere Bestand war noch keineswegs gesichert.
Apulien und Kalabrien waren vorher byzantinisch gewesen, Sizilien hatte
zum Islam gehört. Und beide Mächte hatten darauf nicht grundsätzliche
verzichtet und strebten unter günstigen Bedingungen eine Rückeroberung
an. Dazu kam das Unabhängigkeitsstreben der normannischen Barone vor
allem in Süditalien, die nach dem Tod des starken Königs
Roger im Bund mit Byzanz und dem Papst eine große Aufstandsbewegung
auslösten. Aber Wilhelm I. reagierte
rasch und hart. Die Byzantiner wurden vertrieben und die Barone bestraft.
Der Papst hatte auf einen geschwächten Normannenkönig gehofft,
aber jetzt stand ihm ein Sieger gegenüber, und 1156 mußte er
dem neuen König dieselben Rechte zugestehen wie vorher seinem Vater,
also auch die Verfügung über die Bistümer und Abteien.
Wilhelm, Konstanze und die Heiratsprojekte
Nach der Niederwerfung des ersten großen Aufstandes
regierte Wilhelm mit einer Mannschaft
von Beamten, Beratern und Günstlingen, die vom Volk und vom Adel gehaßt
wurden. Das führte 1160 und 1162 zu Aufständen, bei denen der
Palast von Palermo geplündert und sogar der Königs-Sohn
Heinrich getötet wurde. Aber Wilhelm
konnte diese Aufstände blutig niederschlagen und seine Stellung befestigen.
Im Gegenzug baute er die verwaltungsmäßige Gliederung und Organisation,
die systematische Erhebung von Steuern und Zöllen und die juristische
Ausgestaltung der Regierungstätigkeit weiter aus. Die fortdauernden
inneren Schwierigkeiten führten allerdings dazu, dass das von Roger
eroberte Tunis aufgegeben werden mußte. Eine Bewährungsprobe
für dieses Regierungssystem war der plötzliche und unerwartete
Tod des Königs 1166. Ihm folgte sein 11-jähriger Sohn Wilhelm
II. unter der formalen Regentschaft seiner Mutter Margarethe
von Navarra. Tatsächlich führte ihr Vetter Stephan
von Perche als Kanzler die Regierung. Allein das Gerücht, Stephan
wolle Konstanze heiraten und sich mit
dieser Legitimation zum König aufschwingen, reichte zu einem neuen
Aufstand aus. Dieses Mal standen die alten Beamten Wilhelms
I. und die Barone auf der gleichen
Seite. Stephan von Perche mußte fliehen, und die Regierung lag von
da an bei einem "Familienrat" unter der Führung des Kanzlers Matheus
von Ajello und des Erzbischofs Walter von Palermo.
Wilhelm trägt
in der Geschichte den Beinamen "der Gute". Er kümmerte sich
weniger um die fortlaufende innere Politik, und er war den Baronen gegenüber
nachsichtiger. Unter ihm konnten sie ein Stück Selbständigkeit
zurückgewinnen. Auch bei den Steuern und Abgaben verzichtete auf manches,
was dem Staat zwar rechtlich als Einnahme zustand und bisher erhoben worden
war, aber letztlich doch bei den Steuereinnehmern verschwunden war. Nach
der harten Unterdrückung jeder Opposition durch seinen Vater trug
seine Großzügigkeit zum besseren Funktionieren des Staatsapparates
bei, und zu größeren Aufständen kam es nicht. Dennoch vollzog
sich in diesen Jahren ein bedeutender Wandel. Das Gleichgewicht aus griechischer,
islamischer und lateinischer Tradition, auf dem Roger
seinen Staat aufgebaut hatte, verschob sich zum Lateinisch-Romanischen,
im kirchlichen und kulturellen Bereich wie in der Verwaltung. Den Sarazenen
gegenüber kam es sogar schon zu ersten Verfolgungen und Pogromen.
Wilhelms
indirektes Regierungssystem mit einem gut eingespielten Verwaltungsapparat
brachte dem Land eine ruhige Weiterentwicklung und ließ dem König
freie Zeit zum Planen und Träumen. Dabei stand ihm vermutlich Konstanze
sehr
nahe. Sie war zwar dem Verwandtschaftsgrad nach seine Tante, aber die beiden
waren wie gleichaltrige Geschwister miteinander aufgewachsen und hatten
wohl auch eine ähnliche Art. Für Henry Benrath, der in seinen
historischen Romanen sehr viel Gefühl für psychologische Situationen
und Wahrscheinlichkeiten entwickelt, verbindet
Konstanze mit Wilhelm eine
Seelenverwandtschaft, die in einem gemeinsamen familiären und kulturellen
Hintergrund ihre Wurzeln hat und zu weitreichenden Zukunftsvisionen führt.
Allerdings sind diese bei Benrath sehr humanistisch-ideal. Konstanze
war
die Tochter Rogers II., das Königreich
Sizilien war das Ergebnis der konsequenten politischen Anstrengungen ihres
Großvaters und ihres Vaters. Aber für den Ehrgeiz der HAUTEVILLE
war
das nie das Ziel gewesen. Robert Guiskard wollte Byzanz erobern und oströmischer
Kaiser werden, und Wilhelm II. nahm
diese Pläne später wieder auf. Man kann sich schon vorstellen,
dass die beiden Halbgeschwister in ihren politischen Träumen davon
sprachen, das Kaisertum im Osten durch Eroberung für ihn und das Kaisertum
im Westen durch Heirat für sie zu gewinnen und so den Rang der HAUTEVILLE
weiter
zu erhöhen.
Auffällig ist in jedem Fall, dass Konstanze
und
Wilhelm
an dem hochfürstlichen Spiel der Allianzen und Heiratsprojekte keinen
Anteil hatten, das die STAUFER mit
den ANJOU-PLANTAGENET und den regierenden
Häusern von Aragon, Kastilien oder den Kreuzfahrer-Dynastien verband.
Die verschiedenen Verlobungen etwa der Kinder des deutschen KaiserpaaresBARBAROSSA
und Beatrix zeigen das deutlich. Die
Kinder wurden einander versprochen, aber ihr Tod oder noch häufiger
ein politischer Richtungswechsel ließen das Projekt wieder in Vergessenheit
geraten. Dagegen ist offenbar über eine Verlobung Konstanzes
nie verhandelt worden, und Wilhelm II.
stand nur einmal, im Jahr 1173, in Gespräch mit dem deutschen Hof
wegen der Verlobung mit einer BARBAROSSA-Tochter.
Der Plan scheiterte, weil er politisch eine Wendung gegen den Papst bedeutet
hätte, und das wollte Wilhelm nicht.
1177 heiratete er Johanna von Anjou-Plantagenet,
eine Tochter des englischen Königs Heinrich
und der Eleonore von Aquitanien. Deren
Schwester Mathilde war die Frau Heinrichs
des Löwen, aber zu der Zeit war der Bruch zwischen BARBAROSSAund
dem WELFEN noch nicht vollzogen. Diese
Heirat war also noch nicht vollzogen. Diese Heirat war also nicht Teil
eines anti-staufischen Bündnisses.
Sie gehörte aber zur diplomatischen Vorbereitung eines Krieges gegen
Byzanz.
Im Oktober 1184 wurde in Augsburg die Verlobung Konstanzes
mit
dem BARBAROSSA-Sohn
HEINRICHbekanntgegeben.
Diese Verbindung galt lange Zeit als ein Geniestreich der deutschen Politik,
weil sie in Italien ganz neue Dimensionen eröffnete und den Papst
in die Defensive zwang. Von welcher Seite die Initiative ausging und was
im Zusammenhang damit verhandelt wurde, ist nicht bekannt. Aber die Verlobung
machte auch von Sizilien aus Sinn. Zum einen gab sie Wilhelm die notwendige
Rückendeckung für seine Pläne gegen Byzanz, die in den folgenden
Jahren zu aktiven Kriegshandlungen führten. Zum andern war sie eine
Weichenstellung in der Erbfolge. Denn Wilhelms
Ehe
mit Johanna war nach sieben Jahren
immer noch kinderlos, und er war der letzte legitime HAUTEVILLE.
Ganz offenbar wollte Wilhelm durch
diese Ehe auch die Erbfolge für Konstanze
sichern.
Diese "Eventualerbfolge" war ein Bestandteil des Abkommens, das mit der
Verlobung geschlossen wurde. König Wilhelm
ließ die Erbfolge Konstanzes
und ihres zukünftigen Gatten auch auf einem Hoftag von seinen Beratern
und Baronen beschwören. Diese Regelung war ein wichtiges Anliegen
Wilhelms,
und sie konnte sich nur gegen die Ansprüche eines anderen Bewerbers
richten, den er damit ausschalten wollte. Dieser Bewerber war Tankred
von Lecce, der illegitime Sohn des ursprünglichen
Kronprinzen Roger. Tankred
war
20 Jahre älter als Konstanze
und
Wilhelm,
ein Vetter
Wilhelms und wie dieser
ein Neffe Konstanzes. Angesichts der
Kinderlosigkeit Wilhelms hatte er vermutlich
zum ersten Mal Ansprüche auf die Nachfolge erhoben, und Wilhelm
hatte Konstanze zur Heirat gedrängt,
um mit ihrem Mann und ihren möglichen Kindern eine Alternative zu
diesem Nachfolger zu haben.
Der Bräutigam
Konstanze war bei
ihrer Verlobung 30 Jahre alt. Ihr Bräutigam, den sie noch nie gesehen
hatte, war im November 1165 geboren worden, also 11 Jahre jünger.
Er war der zweite Sohn BARBAROSSAS
und Beatrix und bekam den Leitnamen
der SALIER, auf die sich die STAUFER
ja beriefen. Nach dem Tod seines älteren Bruders Friedrich,
eines kränklichen Kindes, das dem Namen nach Herzog von Schwaben gewesen
war, wurde um 1170 der dritte Sohn von Konrad
in Friedrich umbenannt und zum Herzog
von Schwaben gemacht. HEINRICH war
als Nachfolger im Reich vorgesehen und wurde schon im Juli 1169 zum König
gewählt und zwei Monate später als 4-jähriger in Aachen
gekrönt.
HEINRICH wuchs am
deutschen Hof im Zentrum der politischen Entscheidungen auf und wurde wohl
auch schon früh von seinem Vater einbezogen und beteiligt. Er war
klug und frühreif, und seine von Anfang an herausragende Stellung
bestärkte ihn in der hohen Vorstellung, die er von sich und seiner
Begabung und Bedeutung hatte. Die Autorität seines Vaters erkannte
er rücksichtslos an, im Unterschied etwa zu den Söhnen Heinrichs
II. von England, die sich immer wieder gegen ihren Vater stellten.
Auch in seinen persönlichen Leidenschaften und Eigenheiten war er
sehr gemäßigt. Sein großes Engagement galt der Politik,
und es ist schwer zu trennen, wie weit er sich für die Größe
des Kaisertums, die Rolle seiner Familie oder seinen persönlichen
Platz in der Geschichte einsetzte. Aber von einer Sendung als großer
Kaiser war er zutiefst überzeugt, und er war auch bereit, Widerstände
dagegen rücksichtslos zu unterdrücken.
Schon von FRIEDRICH BARBAROSSA
heißt es etwas einschränkend, er sei von Statur kleiner als
die Größten und größer als die Mittelgroßen
gewesen, aber HEINRICH war offenbar
wirklich klein, kränklich und schwächlich, also keiner, der durch
körperliche Kraftakte Aufsehen erregte. Beim Mainzer Pfingstfest 1184
empfing er zusammen mit seinem Bruder Friedrich
von Schwaben die Schwertleite, aber er glänzte sicher nicht
durch Turniersiege. Er war intellektuell überragend und hochgebildet,
aber auch anspruchsvoll und hochfahrend. Eine andere Seite seines Wesens
könnten seine Minnelieder zeigen, die zusammen mit seinem Bild die
Manessische Liederhandschrift eröffnen. Sie besingen eine Geliebte,
die ihm wichtiger ist als Macht und Herrlichkeit:
"Mir sind die Reiche und die Länder untertan,
sooft ich bei der Liebenswerten bin;
sooft ich aber da Abschied nehme,
ist all meine Macht und meinem Reichtum
dahin."
In den Gedichten kommen starke Gefühle zum Ausdruck,
aber es gibt keinen Beleg dafür, dass HEINRICH
in seiner Lebensführung je ein solches Gefühl über seine
politische Natur hätte die Oberhand gewinnen lassen. So sind sie entweder
aus einem inneren "ennui" entstanden, aus einer unerfüllten Sehnsucht
nach etwas anderem als Macht, oder aber sie waren ein Spiel, mit dem er
seine geistigen Fähigkeiten und seine intellektuelle Begabung unter
Beweis stellte, wenn er schon in Turnieren und Ritterspielen nicht glänzen
konnte.
Auf jeden Fall galten solche Gefühle nicht Konstanze.
Die Braut war für ihn ein Teil eines politischen Handels, der ihm
große Möglichkeiten eröffnete. Die Erbfolge in Sizilien,
für Wilhelm und Konstanzedie
Abwehr der Ansprüche Tankreds von Lecce und
die Sicherung der Zukunft des Königreiches, bedeutete für HEINRICH
den
Ansatz zu einer Neugestaltung der politischen Basis seiner Macht und seiner
Familie. Zur Sicherung dieser neuen Dimension war allerdings ein Sohn und
Erbe aus dieser Verbindung notwendig. Darüber hinaus hatte er vermutlich
an Konstanze kein menschliches und
persönliches Interesse. In der Familie BARBAROSSAS
standen der Vater mit den Söhnen und die Söhne untereinander
in einem engen und vertrauensvollen Verhältnis, auch wenn sicher Rivalitäten
vorhanden waren. Aber BARBAROSSA bezog
seine Frau Beatrix hier nicht ein,
und dieses Vorbild färbte auf die Söhne ab. HEINRICH
sah
in Konstanzedie Erbin Siziliens und
die mögliche Mutter seiner Kinder, aber nicht die Partnerin oder die
"consors regni", die Teilhaberin an der Regierung.
Hochzeit und erster Deutschlandaufenthalt
Die Verlobung von Konstanze
und
HEINRICHwar für die Kurie
eine Katastrophe. Deshalb gewannen dort die Gegner einer Verständigung
mit BARBAROSSA die Oberhand, und einer
ihrer Vertreter wurde 1185 als Urban III. neuer Papst. Die Hochzeit sollte
deshalb eine Demonstration der neuen politischen Machtverhältnisse
werden, und FRIEDRICH hätte gern
aus diesem Anlaß seinen Sohn HEINRICH zum
Kaiser krönen lassen. Aber das lehnte der Papst ab. So wurde als Ort
für die Hochzeit Mailand ausgewählt, die Stadt, die FRIEDRICH1162
räumen und zerstören hatte lassen. Sie war inzwischen aus den
Ruinen prächtig wieder auferstanden und stand im Bund mit dem deutschen
Kaiser.
Im Sommer 1185 brach Konstanze
in Palermo aus zu ihrer Hochzeit auf. Ihre Mutter starb in diesem Jahr,
vor oder nach ihrer Abreise. Konstanze
war noch nicht viel gereist, hatte vielleicht Sizilien und auf jeden Fall
das Königreich noch nie verlassen. König Wilhelm, ihr Neffe und
Vertrauter, geleitete sie bis an die Grenze. Konstanze
sollte keine arme Braut sein. Deshalb wurde sie von einer gewaltigen Karawane
begleitet, die Schmuck, Gold, Kleider, Stoffe und andere Wertgegenstände
mitführte. In Rieti wurde sie von einer kaiserlichen Delegation in
Empfang genommen. Sie hatte von fast allem, was ihr bisher lieb und vertraut
war, Abschied nehmen müssen, auch wenn sie natürlich einen kleinen
Hofstaat mitnahm. Jetzt war sie unter Deutschen. Zwar war Latein immer
noch Staats- und Bildungssprache, aber das Mittelhochdeutsche hatte sich
nicht nur als Umgangssprache weitgehend durchgesetzt, sondern war auch
die Sprache der modernen Dichtung. Die Deutschen fühlten sich den
Italienern überlegen, und ein Ausdruck dieser Überheblichkeit
war der selbstbewußte Gebrauch ihrer Sprache. Konstanze
hatte vielleicht neben ihren anderen Sprachen auch gewisse Kenntnisse des
Langobardischen, aber davon war das Mittelhochdeutsche doch deutlich unterschieden.
Zur übrigen Fremdheit kam also noch eine Sprachbarriere.
In Foligno traf Konstanze mit
BARBAROSSA
zusammen. Ihr Bräutigam
HEINRICH
war nicht dabei, er hatte den Sarg mit seiner im November 1184 gestorbenen
Mutter Beatrixzur Beisetzung nach Speyer
gebracht und war auf dem Rückweg.
FRIEDRICH
I. war zu dieser Zeit über 60 Jahre alt und im 34. Jahr
König. Wie kein Kaiser vorher hatte er den Schwerpunkt seiner politischen
Aktivität nach Italien verlegt und dort mit den lombardischen Städten,
den Bischöfen und Adelsherren und der Kurie um Macht und Einfluß
gestritten. Er war eine imponierende Persönlichkeit und machte sicher
auch auf Konstanze großen Eindruck.
Aber vermutlich gab er sich große Mühe, dieser nicht mehr ganz
jungen und von der Art her wohl eher spröden und zurückhaltenden
Schwiegertochter den Weg in die Fremde durch persönliche Annäherung
leichter zu machen.
Im Gefolge BARBAROSSAS reiste
Konstanze
über Piacenza und Pavia nach Mailand weiter und traf im Januar 1186
in Mailand ein. Dort trat ihr auch zum ersten Mal ihr Bräutigam HEINRICH
gegenüber. Am 27. Januar, einem Montag, fand der große Festakt
statt. Die Eheschließung war verbunden mit einer zeremoniellen Festkrönung
BARBAROSSASdurch
den Erzbischof von Vienne, der staatsrechtlich unerheblichen Krönung
HEINRICHS
zum König von Italien durch den Patriarchen von Aquileja und der Krönung
Konstanzes
zur
Königin durch einen deutschen Bischof. Die Erhebung
Konstanzes
zur
Königin war im Rahmen der ganzen Veranstaltung ein Randereignis, und
es ist nicht einmal überliefert, welcher Bischof die Weihe vollzog.
Die Veranstaltung war eine Selbstdarstellung des staufischen Reichsgedankens,
und weil der Papst sie nicht mit einer Kaiserkrönung
HEINRICHS
verbinden wollte, hatte man Mailand als Ort und die Abfolge von Krönungen
als Form gewählt. Der große Schritt wurde noch nicht getan,
aber die Tendenz zu einem von der Weihe durch den Papst unabhängigen
Kaisertum war da.
Die Hochzeit selber war also ein großer Akt staufischer
Politik und Konstanze dabei nicht viel
mehr als eine Statistin. Und in der folgenden Zeit erging es ihr nicht
besser. Bis Mitte 1188, also noch zweieinhalb Jahre lang, blieb HEINRICH
in Oberitalien, und auch Konstanze mußte
sich dort aufhalten. Aber wir haben keinen Anhaltspunkt dafür, wo
sie gelebt haben könnte, ob sie eher mit HEINRICH
mitzog oder, was wahrscheinlicher ist, in einer Pfalz lebte und auf seine
sporadischen Besuche wartete. Denn 1187 führte HEINRICHKrieg
im Kirchenstaat. Die so lange ungelösten Fragen der weltlichen Herrschaft
des Papstes, der mathildischen Güter und des imperialen Anspruchs
auch auf die Kontrolle des Kirchenstaates schienen jetzt reif für
eine endgültige Lösung im staufischen Sinn. Diplomatisch war
diese Aktion gut vorbereitet, denn seit Mai 1187 gab es ein Bündnis
der STAUFER mit dem französischen
König Philippe Auguste, das sich zwar gegen die ANJOU-PLANTAGENET
und
Heinrich den Löwen richtete, aber den Papst auch ohne Hoffnung auf
französische Hilfe ließ. Die andere große Aufgabe, mit
der BARBAROSSAseine kaiserliche Führungsrolle
zum Ausdruck bringen wollte, war der Kreuzzug, den die westliche Christenheit
unter seiner Führung unternehmen sollte, um im Osten zu einer endgültigen
und dauerhaften Sicherung der Heiligen Stätten und der Kreuzfahrerstaaten
zu kommen.
Die Nachrichten aus dem Heiligen Land waren schlecht,
denn im Juli 1187 hatte Sultan Saladin
die Kreuzfahrer geschlagen und im Oktober Jerusalem zurückerobert.
Das erleichterte dem neuen Papst Clemens III., von einigen Positionen seines
Vorgängers abzurücken, um zu einem Ausgleich zu kommen. So konnte
HEINRICH
in der 2. Jahreshälfte 1188 nach Deutschland zurückkehren, um
sich von seinem Vater die gesamten Regierungsgeschäfte übertragen
zu lassen. Konstanze
zog auch hier
mit. Sie intervenierte zweimal für Verwandte ihrer Mutter aus der
Champagne, aber sonst ist über ihren Aufenthalt nichts bekannt. Soweit
sie nicht im Gefolge HEINRICHS mitzog,
dürfte sie vor allem im staufischen
Kernland
zwischen Hagenau und Speyer residiert haben. Ihre von den STAUFERN
aus wesentliche biologische Funktion, einen Erben auf die Welt
zu bringen, hatte sie noch nicht erfüllt.
Auf einem Reichstag in Mainz im März 1188, der als
"Hoftag Jesu Christi" bezeichnet wurde, nahmen der Kaiser und sein zweiter
Sohn Friedrich von Schwaben das Kreuz,
und viele folgten ihrem Beispiel. Als Aufbruchstag wurde der 23. April
des kommenden Jahres bestimmt, der Tag des Heiligen Georg, und die Kreuzfahrer
sollten sich in Regensburg versammeln. Doch vorher war noch einiges zu
klären. In Goslar traf sich BARBAROSSA
erneut mit Heinrich dem Löwen, und er stellte ihn vor die Wahl, auf
seine Ansprüche zu verzichten, mit auf den Kreuzzug oder noch einmal
drei Jahre in die Verbannung zu gehen. Der WELFE
entschied
sich für die Verbannung und ging wieder nach England. Auch für
seine Kinder traf
BARBAROSSAklare Regelungen.
Haupthelfer HEINRICHS wurde sein dritter
Bruder Konrad, dem die fränkischen
Besitzungen und die Vertretung in Schwaben übertragen wurde. Konrad
war loyal zu HEINRICHund
ein unentbehrlicher Helfer, aber gewalttätig und skrupellos. Dem nächsten
Bruder Ottowurde Burgund übertragen,
der jüngste PHILIPP, war für
den geistlichen Stand bestimmt. Aber noch gab es aus der Reihe der Söhne
keine Kaiserenkel.
Die Katastrophe von 1191
Im April 1189 sammelten sich die Kreuzfahrer in Regensburg
und zogen dann der Donau entlang nach Osten. Der riesige Zug - die Quellen
sprechen von 100.000, aber auch die 12.000 mit denen man heute rechnet,
stellten ein erhebliches organisatorisches Problem dar - erreichte im Spätherbst
den Balkan und überwinterte dort nach Verhandlungen mit dem byzantinischen
Kaiser. Im Frühjahr 1190 setzten die Kreuzfahrer nach Kleinasien über,
und dort fand BARBAROSSA im Juni 1190
im Fluß Saleph den Tod. Sein Sohn Friedrich
führte den Kreuzzug weiter, aber er starb im Frühjahr 1191 bei
der Belagerung Akkons. Dafür erreichten englische und französische
Verstärkungen unter dem neuen englischen König Richard Löwenherz
den Kreuzzug. Aber der große von BARBAROSSAerhoffte
Erfolg blieb aus.
Seit April 1189 stand also HEINRICH
in der alleinigen Verantwortung für das Reich. Alles war gut vorbereitet
worden, er war seit langem an der Gestaltung der kaiserlichen Politik beteiligt
und davon überzeugt, dass er sie genau so fortführen könnte.
Aber der Wegfall der väterlichen Autorität machte sich sofort
bemerkbar. Schon im Oktober 1189 kehrte Heinrich der Löwe nach Deutschland
zurück. Heinrich II. von England,
sein Schwiegervater, war im Sommer 1189 gestorben, und von seinem Schwager
Richard
Löwenherz erwartete er sich keine Hilfe. An das Versprechen
gegenüber BARBAROSSA fühlte
er sich nicht mehr gebunden, auch wenn er dieses Argument erst nach dem
Tod des Kaisers benutzen konnte. Er fand bei einer Reihe von Fürsten
Unterstützung, die nach der langen Regierungszeit BARBAROSSAS
gern wieder etwas mehr die fürstliche Unabhängigkeit betont hätten.
Das war eine Herausforderung, auf die HEINRICH
reagieren mußte.
Bevor HEINRICH sich
aber gegen den WELFEN wenden konnte,
erreichten ihn bestürzende Nachrichten aus Italien. König
Wilhelm
II. von Sizilien
war überraschend am 18. November 1189 gestorben. Die Adligen
und Barone, die fünf Jahre vorher in Troia die Erbfolge Konstanzes
und HEINRICHS beschworen hatten, wollten
den Deutschen nicht als König. Der Führer der antideutschen Richtung
war der Kanzler Mattheus von Ajello. Papst Clemens III. entband die Herren
von ihrem Schwur, und sie entschieden sich für den Grafen
Tankred
von Lecce, der am 18. Januar 1190 in Palermo zum König
gekrönt wurde. Die Nachricht muß bei HEINRICH
und
Konstanze sehr verschiedene
Reaktionen ausgelöst haben. Konstanze
trauerte
um ihren Neffen Wilhelm, der ihr menschlich
so nahe gestanden hatte, und das umso mehr, weil sie in Deutschland oder
gar in ihrem Mann keinen Ersatz gefunden hatte. Den Kampf um das Erbe empfand
sie als Vermächtnis und Verpflichtung. HEINRICHdagegen
hatte keinerlei emotionale Bindung zu diesem Königreich, das er noch
nie betreten hatte. Er empfand nur ohnmächtigen Zorn darüber,
dass hier seine großen imperialen Träume gestört und vielleicht
zerstört wurden. Für ihn war es eine Rebellion, die mit Gewalt
zerschlagen werden mußte. Ob und wie weit HEINRICH
Konstanze über seine Pläne informierte oder gar ihren
Sachverstand und ihre Kenntnis der führenden Persönlichkeiten
nutzte, ist nicht bekannt, aber die Art seines Vorgehens spricht dagegen.
Die Situation in Deutschland verhinderte eine sofortige
Reaktion. Aber Heinrich der Löwe erschien jetzt als sekundäres
Problem. Im Juli 1190 wurde in Fulda ein Frieden geschlossen, auf dessen
Grundlage Heinrich der Löwe im Land bleiben und einen Teil seiner
Rechte zurückerhalten konnte. Zwei Söhne sollten als Geiseln
im Gefolge König HEINRICHS mit
nach Italien ziehen, um den Löwen an seine Versprechungen zu binden.
Die Nachricht vom Tod BARBAROSSAS,
die bald danach eintraf, verhinderte den sofortigen Italienzug. Erst im
Januar 1191 erschien HEINRICH VI. mit
einem Heer und mit Konstanze im Gefolge
in der Lombardei. Er wollte sich in Rom zum Kaiser krönen lassen und
dann in seiner neuen Würde den Kampf um Sizilien aufnehmen.
Im März starb Papst Clemens III., und die Kardinäle
wählten den Ältesten aus ihren Reihen zum Nachfolger. Coelestin
III. war ein zäher Gegner. Zuerst schob er seine Konsekrierung hinaus,
denn erst nach seiner Weihe zum Papst konnte er einen Kaiser krönen.
Um Druck auf ihn auszuüben, mußte HEINRICHsich
mit den Römern verständigen. Er lieferte ihnen die kleine Stadt
Tusculum, die die Römer als Konkurrenz empfanden und die immer kaisertreu
gewesen war, zur Plünderung und Zerstörung aus. Dafür wurde
er am Ostersonntag von dem neuen geweihten Papst zum Kaiser gekrönt.
Konstanze
war
vermutlich anwesend, aber sie wurde nicht mitgekrönt. Von Rom aus
begann HEINRICH die Eroberung Süditaliens
mit der Belagerung Neapels, das von der See her durch pisanische Schiffe
blockiert wurde. Mit der steigenden Sommerhitze nahmen Durchfallerkrankungen,
Ruhr und Malaria im deutschen Heer dramatisch zu, und HEINRICH,
der sich selbst eine Malaria zuzog, von der er sich nie mehr ganz erholen
sollte, mußte die Belagerung ergebnislos abbrechen.
Konstanze wollte
der Kaiser in seiner Nähe haben, weil ihr Erbanspruch je sein Rechtstitel
war. Sie hielt sich in Salerno auf, das sich für HEINRICH
und
Konstanze
erklärt hatte. Als die Nachricht vom Zusammenbruch der
kaiserlichen Macht eintraf, schlug die Stimmung in der Stadt um. Konstanze
konnte
nur den freien Abzug ihrer deutschen Begleitung erreichen, sie selber wurde
gefangengenommen und dem König Tankred
übergeben. Wilhelm und
Konstanze
waren Gegner Tankreds gewesen, und
nicht alle, die sich gegen HEINRICH und
für ihn als König ausgesprochen hatten, waren seine unbedingten
Anhänger. Wahrscheinlich eher wegen der Sympathien, die Konstanze
überall entgegengebracht wurden, als aus innerer Vornehmheit behandelte
Tankred
seine
20 Jahre jüngere Tante und Konkurrentin zuvorkommend. Sie erhielt
das Kastell von Neapel als Haftort zugewiesen.
Tankred wurde Mitte
1192 von Papst Coelestin als König anerkannt und offiziell mit Sizilien
belehnt. Dafür übergab er seine Gefangene Abgesandten des Papstes,
die sie nach Rom bringen sollten. Wahrscheinlich wollte der Papst sie dann
in einer großen Geste an HEINRICH
zurückgeben und damit gleichzeitig Verhandlungen einleiten. Aber unterwegs
traf die Reisegruppe auf eine bewaffnete deutsche Schar, die die Gemahlin
des Kaisers aus den Händen der Päpstlichen "befreite" und sie
an Rom vorbei nach Deutschland zurückbrachte. HEINRICHhatte
Italien schon Ende 1191 verlassen. Die großartig in Angriff genommene
Eroberung des sizilischen Erbes war kläglich gescheitert, der Papst
hatte seine Oberlehensherrschaft über Sizilien neu zum Ausdruck bringen
können, und Tankred war fest etabliert
und konnte seinen Sohn Roger zum
Mitkönig einsetzen lassen. Die Bilanz der ersten Jahre HEINRICHS
VI. war von spektakulären Mißerfolgen gekennzeichnet.
Zweiter Deutschlandaufenthalt
Der zweite Deutschlandaufenthalt
Konstanzes dauerte von Herbst 1192 bis Pfingsten 1194. Er war
noch unerfreulicher als der erste. Denn Konstanzewar
für
HEINRICHnicht nur eine Art
Geisel, ein Wechsel auf eine bessere politische Zukunft, in der er Sizilien
wieder für sich reklamieren konnte, sondern auch die Zeugin seines
Versagens, die Vertreterin des Landes, das ihn zurückgestoßen
hatte. Dazu kam der wachsende Druck, wenn ihren sicher nur sporadischen
Begegnungen nicht die langerwartete Schwangerschaft folgte, die Vorwürfe,
dass die Familie König Rogers zur
Unfruchtbarkeit und zum Aussterben verurteilt sei. Wenn die Ehe kinderlos
blieb, und das war wahrscheinlich, denn sie waren seit acht Jahren verheiratet
und Konstanze inzwischen 38, dann war
Konstanze
nur
noch der Rechtsgrund, mit dem HEINRICH
Sizilien dem STAUFER-Reich einverleiben
konnte. Konstanze hatte sich auf die
Ehe mit HEINRICH eingelassen, um die
Erbfolge Tankreds zu verhindern, aber
in ihrer jetzigen Lage mußte ihr Tankred
als König noch lieber sein als die Übernahme ihres väterlichen
Reiches durch die STAUFER.
Konstanze wird in
dieser Zeit nur einmal erwähnt, und zwar anläßlich einer
Begegnung mit dem englischen König Richard
Löwenherz
in Hagenau. Richard
war ein großer
Ritter und Kämpfer, aber gleichzeitig auch grenzenlos selbstüberzeugt,
anderen gegenüber unverschämt und in seinen Zielen und Wegen
skrupellos. So konnte es nicht ausbleiben, dass er sich überall, wo
er auftrat, auch persönliche Feinde machte. Kaiser
HEINRICH und der französische König hatten sich abgesprochen,
ihn auf dem Rückweg vom Kreuzzug abzufangen. Das hätte einer
früheren Generation noch als unritterlich und unchristlich gegolten,
aber die Zeiten hatten sich geändert. Richard
versuchte,
von Aquileja aus in Verkleidung über die Alpen zu kommen, aber er
fiel mit seinem Benehmen aus der Rolle und wurde erkannt. Den BABENBERGER
Leopold von Österreich, der ihn Ende 1192 in Haft nahm, hatte er auf
dem Kreuzzug schwer beleidigt, seine Fahne heruntergerissen und in den
Dreck getreten. Leopold lieferte ihn gegen eine Beteiligung am mutmaßlichen
Lösegeld an Kaiser HEINRICH aus.
Richard Löwenherzsaß dann
auf dem Trifels ein, nicht im tiefen Kerker, sondern in ritterlicher
Haft, während die Verhandlungen über das Lösegeld liefen.
Richards Bruder Johann
wollte die Auslösung verhindern, weil er dann König geworden
wäre, aber die englischen Städte und Grafschaften brachten gegen
seinen Willen die riesigen Summen auf. Am 4. Februar 1194 wurde Richard
Löwenherz
entlassen, nachdem er HEINRICH
für England den Lehenseid geschworen hatte. Bei dieser Gelegenheit
trafen sich Richard und Konstanze,
die beiden Faustpfänder für seinen Wiederaufstieg.
Denn mit dem englischen Geld konnte HEINRICH
einen
neuen Angriff auf Sizilien planen. Auch die Lage dort entwickelte sich
zu seinen Gunsten. 1193 waren der vertraute Kanzler Mattheus von Ajello
und Tankreds Sohn und Mitkönig
Roger gestorben, und im Februar 1194 folgte ihnen Tankred
selbst.
Sein Nachfolger wurde der unmündige Wilhelm
III. aus Tankreds zweiter
Ehe mit Sibylle von Acerra, die die
Regentschaft führte. Die süditalienischen Barone hatten sich
Tankred
nur formal gebeugt und alles versucht, um ihre frühere Selbständigkeit
wiederzugewinnen. Schon
Tankred hatte
eine Reihe von Zugeständnissen machen müssen, um überhaupt
König zu werden, und die Schwächung der königlichen Gewalt
durch seinen Tod bestärkte die Auflösungstendenzen in Süditalien.
Die Verhältnisse luden zu einem Eingreifen geradezu ein, und mit dem
englischen Lösegeld waren auch die Mittel dazu vorhanden.
Geburt des Sohnes und Rückkehr
Im Mai 1194 brach HEINRICH vom
Trifels
aus nach Italien auf, und Pfingsten feierte er in Mailand. Dort wurde
das Heer noch verstärkt und der Krieg politisch vorbereitet. Denn
um Sizilien zu erobern, brauchte man eine Flotte, und die stellten die
Handelsstädte Genua und Pisa, natürlich um den Preis von Zugeständnissen,
denn sie sahen im Königreich Sizilien vor allem die unliebsame Konkurrenz.
Von da aus ging es im Sommer nach Süditalien. Salerno, das 1191 die
Kaiserin an Tankred ausgeliefert hatte,
wurde zur Strafe zerstört. Auch sonst wurde die neue königliche
Macht unerbittlich zur Geltung gebracht. Mit der vom Reichstruchseß
Markward von Annweiler befehligten Flotte gelang die Einnahme von Palermo,
und am 20. November hielt der Kaiser dort feierlichen Einzug. HEINRICH
sah sich als von Anfang an legitimen König und die Regierung Tankreds
nur
als zeitweilige Usurpation, und er handelte entsprechend.
Die Anhängerschaft Tankreds
wurde blutig verfolgt und vernichtet. Die Königin-Witwe
Sibylle und ihr Sohn Wilhelm
kamen nach Deutschland ins Exil. Wilhelm wurde
später auf Befehl HEINRICHS geblendet.
Die königlichen Festungen ließ HEINRICHmit
deutschen Truppen belegen, und wichtige Positionen übertrug er Vertrauten
vor allem "schwäbischer" Abkunft, Angehörigen des kleinen Adels
oder Ministerialen, die hier zu hohen Ämtern aufstiegen. Sie stammten
überwiegend aus dem staufischen
Kernbereich links und rechts des Rheins, aber da die STAUFER
in Italien und Frankreich als das Schwäbische Haus bezeichnet wurden,
galten ihre Dienstleute eben als Schwaben. Den Schatz der Normannenkönige,
den ihm die Königin-Witwe Sibylle
übergeben hatte, ließ HEINRICH zur
Finanzierung weiterer Unternehmungen nach Deutschland auf den Trifels überführen.
Am 25. Dezember wurde er in Palermo zum König gekrönt.
Die blutige und gewalttätige Übernahme und
Festigung der Macht fällt vielleicht insgesamt nicht aus dem im normannischen
Königreich üblichen Rahmen, denn nur mit Härte und Brutalität
war es überhaupt möglich gewesen, dieses Königreich zu errichten
und zu stabilisieren. Und HEINRICH
verstand sich nicht als vorläufiger Regent, sondern das war für
ihn eine endgültige Besitznahme. Er hatte durchaus eine Vision von
der weiteren Entwicklung seines Hauses und seines Reiches. Neben den staufischen
Komplex aus Hausgut und Reichsgut in SW-Deutschland, der meistens pauschal
als Herzogtum Schwaben bezeichnet wird, sollte das Königreich Sizilien
als zweites direkt von den STAUFERN
kontrollierte Provinz treten. Dazwischen lag dann der Kirchenstaat und
die Lombardei, wo mit Hilfe der kaiserlichen Rechte die tatsächliche
Machtstellung ausgebaut werden konnte. Im übrigen deutschen Königreich
wie in Burgund war die kaiserlich-königliche Gewalt deutlich eingeschränkter.
HEINRICH
war hier durchaus zu großen Lösungen bereit. Mit dem Papst führte
er Verhandlungen, die die Verfügung über den Kirchenstaat wie
über die mathilidischen Güter endgültig klären sollten,
und zwar im Sinn eines Ausgleichs, der die Herrschaftsausübung beim
Kaiser ließ, der Kirche aber ein regelmäßiges Einkommen
sicherte. Ebenso verhandelte er mit den deutschen Fürsten, denen er
größere Selbständigkeit in ihren Territorien anbot, wenn
sie dafür der Erblichkeit des Königtums in der STAUFER-Familie
zustimmten. Der Besitz des Königreichs Sizilien wie der normannische
Staatsschatz spielten in diesen Plänen eine herausragende Rolle.
Konstanze war bei
der Eroberung ihres Königreichs nicht dabei. Sie war mit dem Heer
nach Mailand gekommen, und ausdrücklich bezeugt ist der Aufenthalt
der schwangeren Kaiserin im Kloster S. Vittore in Meda. Das zu dieser Zeit
nicht mehr erwartete Ereignis der Schwangerschaft war sicher ein Grund,
warum sie nicht mit dem Heer nach Süden ging, sondern sich den Sommer
über noch in Oberitalien aufhielt und erst bei nachlassender Hitze
langsam nach Süden zog. Aber vielleicht wollte sie auch bei der ersten
Inbesitznahme nicht dabei sein, aus einem Gefühl der Ohnmacht, weil
sie wußte, wie HEINRICH vorgehen
würde, und weil sie selbst anders vorgegangen wäre oder manche
der Opfer kannte. Am 26. Dezember 1194, einen Tag nach HEINRICHS
Krönung in Palermo, brachte sie in der kleinen Stadt Jesi bei Ancona
ihr Kind zur Welt. Ob der Ort Zufall war oder sie ihn bewußt ausgewählt
hat, weiß man nicht. Die Legende sagt, sie habe das Kind auf dem
offenen Marktplatz bekommen, um vor aller Welt zu zeigen, dass es wirklich
ihr Kind war. Aber das stimmte wohl nicht, und es war auch nicht nötig,
denn solche Geburten fanden immer in einer gewissen Öffentlichkeit
und unter Zeugen statt, um allen möglichen Gerüchten vorzubeugen.
In einer späteren Quelle wird berichtet, dass sie
den Sohn ROGER KONSTANTIN genannt habe,
also nach dem Namen ihres Vaters und ihres eigenen. Aber das ist keineswegs
sicher und sogar eher unwahrscheinlich, denn Petrus von Eboli, ein Kleriker
und Arzt, der 1195 ein Gedicht zum Lob HEINRICHS
und Konstanzes abschloß, nannte
das Kind ROGER FRIEDRICH,
mit den Namen
der beiden Großväter. Konstanze
war 40, als sie dieses Kind bekam, und die späte Schwangerschaft nach
8-jähriger Kinderlosigkeit war natürlich der Anlaß für
eine Reihe von Gerüchten, vor allem als dieses Kind später als
FRIEDRICH
II. in der päpstlichen Propaganda zum Antichrist und zur
Ausgeburt der Hölle umgedeutet wurde. Aber zeitgenössisch waren
diese Zweifel nicht. Konstanze schickte
offenbar eine Art "Geburtsanzeige" an verschiedene Städte, etwa nach
Lucca. Von HEINRICH ist ein Brief an
den Erzbischof Walter von Rouen vom 20. Januar 1195 enthalten, in dem er
seinen "geliebten Freund" nicht nur von der glücklichen Inbesitznahme
des Königreichs Sizilien berichtet, sondern auch die Geburt des Sohnes
mitteilt und ihn auffordert, sich mit ihm darüber zu freuen.
Konstanze behielt
den Sohn nicht lange bei sich. Sie überließ ihn schon nach wenigen
Wochen der Fürsorge der Herzogin von Spoleto. Der Herzog war ein schwäbischer
Ritter, Konrad von Urslingen, der im Gefolge des Kaisers Karriere gemacht
hatte und zu den Vertrauten HEINRICHS VI.gehörte.
Seine Frau hatte er vielleicht aus Schwaben mitgebracht, aber wahrscheinlicher
entstammte sie einer italienischen Adelsfamilie, mit der er sich verbunden
hatte. Die Familie residierte in Foligno, wo
Konstanze
vor neun Jahren zum ersten Mal mit
BARBAROSSA
zusammengetroffen war. Dort blieb das Kaiserkind drei Jahre, und Konstanze
sah den kleinen FRIEDRICH ROGER
vermutlich nur einmal bei der offiziellen Taufe, die Ende 1196 oder Anfang
1197 in Anwesenheit beider Eltern stattfand.
Konstanze reiste
allein nach Bari weiter und traf dort mit HEINRICH
zusammen.
Auf dem Reichstag von Bari an Ostern 1195 wurden weitreichende Entscheidungen
gefällt. Der jüngste Bruder des Kaisers, PHILIPP
von Schwaben, hatte 1193 auf seine geistliche Karriere verzichtet
und wurde jetzt zum Herzog von Tuszien ernannt und damit eine Art Vertreter
HEINRICHSfür
N-Italien. Konrad von Urslingen war für Mittelitalien verantwortlich.
Konstanze, die sich mit der Geburt
des Erben im staufischen Sinne "bewährt"
hatte und jetzt auch wieder als zuverlässig galt, weil sie ja ihr
väterliches Erbe für den Sohn erhalten wollte, wurde Regentin
für HEINRICH im Königreich
Sizilien und zur Königin gekrönt. HEINRICH
hatte die Angelegenheiten in Italien in seinem Sinn geordnet und konnte
nach Deutschland zurückkehren.
Konstanze residierte
wieder in Palermo. Mit PHILIPP von Schwaben
arbeitete sie vermutlich gut zusammen, er war der angenehmste und umgänglichste
der BARBAROSSA-Söhne und mehr
auf Ausgleich aus als auf gewalttätiges Durchsetzen. Auch mit Konrad
von Urslingen hatte sie keine Probleme. Konstanze
vertrat die kaiserliche und königliche Politik als "imperatrix
semper augusta et regina Sicilie". So protestierte sie 1195 beim Papst,
weil er sich in kirchliche Angelegenheiten eingemischt und damit gegen
die alten Abmachungen verstoßen hatte. In der großen Linie
gab es keine Differenzen, wohl aber in der Beurteilung der Lage in Sizilien.
In wichtigen Spitzenstellungen saßen hier Deutsche, die die Regentin
mißtrauisch beobachteten und immer Verschwörungen witterten,
wenn nur irgendwo italienisch gesprochen wurde, und erst recht, wenn Konstanze
andere als sie zu Beratungen oder Entscheidungen heranzog. Dabei wäre
eine gewisse Vermittlung notwendig gewesen, denn die harte Unterdrückung
der Gegner eines deutschen Königs, die landfremde Verwaltung und das
Ausplündern des Staatsschatzes hatten große Erbitterung hervorgerufen.
Konstanze
versuchte
vielleicht, an die Traditionen ihres Neffen Wilhelms
II. anzuknüpfen, aber in dieser Situation mußte jeder
Versuch einer Abmilderung sie in den Verdacht der Zusammenarbeit mit der
jeweils anderen Seite bringen.
In der Verantwortung für den Sohn
Ende 1196 kehrte HEINRICH VI.
nach Italien zurück. Seine großen Pläne hatte er bis jetzt
nicht durchsetzen können, aber immerhin war sein 2-jähriger Sohn
FRIEDRICH
in Deutschland zum König gewählt worden. Bei der Taufe
des Sohnes war die Familie wohl zum ersten Mal vereinigt. HEINRICH
hatte eigentlich eine großartige Feier mit gleichzeitiger
Taufe und Salbung durch den Papst gewollt. Das hatte nicht geklappt, so
wurde die Taufe im kleinen Rahmen vollzogen und nicht einmal der Tag und
der Ort sind überliefert. In Sizilien wollte HEINRICH
jedoch nicht nur die Familie sehen,
sondern noch einmal hart durchgreifen, um jeden Widerstand zu brechen.
Auf einem Hoftag in Capua im Dezember 1196 wurde der Bruder der Königin
Sibylle, Graf Richard von Acerra, verurteilt und hingerichtet.
Gleichzeitig ließ
HEINRICHeine
neue Steuer und eine Überprüfung aller bisherigen Schenkungen
und Verleihungen ankündigen. Das führte zu einer Verschwörung.
HEINRICHsollte
auf der Jagd gefangengenommen werden, aber er wurde gewarnt und konnte
nach Messina entkommen.
Von der Seite der deutschen "Besatzer" aus wurde Konstanze
offen
verdächtigt, an der Verschwörung beteiligt gewesen zu sein. HEINRICH
wird das wohl nicht geglaubt haben, denn die Verschwörer wollten einen
der Ihren zum neuen König machen. Aber es gab sicher eine tiefergehende
Auseinandersetzung um die richtige Behandlung des Königreichs, wobei
Konstanze
die Linie ihres Neffen Wilhelms "des Guten" vertrat
und für mehr Autonomie eintrat. Die Differenzen wurden auch im Rat
diskutiert und ausgetragen und waren allgemein bekannt.
Damit war ein guter Nährboden für Gerüchte
und Denunziationen gegeben. Insbesondere Markward von Annweiler scheint
ein spezieller Feind
Konstanzes
gewesen
zu sein. Immerhin sind sich die Quellen darüber einig, dass die Kaiserin
gezwungen wurde, bei den Hinrichtungen anwesend zu sein. Das war HEINRICHS
Strafe für ihre hartnäckige Widersetzlichkeit, und in ihren persönlichen
Beziehungen war ein Tiefpunkt erreicht, als der Kaiser sich Ende Juli in
Palermo verabschiedete. Er wollte sich in der Nähe von Messina erholen,
bevor er von Messina aus zu dem geplanten Kreuzzug aufbrach. Aber ein Ausbruch
der seit 1191 nie ganz ausgeheilten Malaria warf den 32-jährigen aufs
Krankenbett, und am 28. September 1197 starb er in Messina.
Der Tod HEINRICHS VI.ist
einer der tiefen Einschnitte in die deutsche und europäische Geschichte.
Ob ihm die Verwirklichung seiner Pläne gelungen wäre, wenn er
20 Jahre mehr Zeit gehabt hätte, ist eine müßige Frage.
HEINRICH
hatte zwar wegen des geplanten Kreuzzugs einige Vorkehrungen getroffen,
aber die Nachfolge war noch nicht klar geregelt. PHILIPP
von Schwabenwar beauftragt, den kleinen FRIEDRICH
zur Krönung nach Deutschland zu holen. Auf die Nachricht vom Tod des
Kaisers hin brachen in Mittelitalien überall Aufstände gegen
die Deutschen los. PHILIPP kam nicht
nach Foligno durch. Konstanze gab zwei
Vertrauten den Auftrag, ihren Sohn nach Sizilien zu holen. Mit dieser Entscheidung
setzte sie einen klaren Akzent. Sie hätte versuchen können, die
erheblichen deutschen Kräfte in Italien zusammenzuziehen und gemeinsam
mit PHILIPP von Schwaben die Lage zu
stabilisieren, um dann als Kaiserin-Witwe im Schutz ihres Schwagers in
Deutschland zu erscheinen und dort für ihren Sohn das staufische
Erbe
und die Königswürde in Besitz zu nehmen. Aber sie holte den kleinen
FRIEDRICH nach Sizilien und brach den
politischen Kontakt zur STAUFER-Familie
ab.
Diese Entscheidung Konstanzes
ist in ihrer Tragweite nicht immer ganz gewürdigt worden. Konstanze
ließ die große Vision HEINRICHS
fallen, der seine Reich auf der Basis von Schwaben und Sizilien hatte aufbauen
wollen. Vielleicht hielt sie den Plan unter den neuen Umständen für
nicht mehr realisierbar, oder sie hatte ihn immer für einen Traum
gehalten. Auf jeden Fall fühlte sie sich nicht als deutsche Königin,
ihre Erinnerungen an die Jahre in Deutschland waren nicht glücklich,
und die Verantwortung, die sie empfand, galt ihrem Königreich, dem
Erbe ihres Vaters, das sie ihrem Sohn erhalten wollte. Dafür verzichtete
sie faktisch auf seinen deutschen Anspruch und brachte ihren Schwager PHILIPP
in
eine schiefe Lage. Denn der Erzbischof von Köln, einer der hartnäckigen
Widersacher HEINRICHS, nutzte die Gelegenheit,
um gegen die STAUFEReinen eigenen König
aufzustellen. Nachdem andere Fürsten sich geweigert hatten, wurde
schließlich mit Hilfe von Richard Löwenherz
dessen Neffe OTTO von Braunschweig,
ein Sohn Heinrichs des Löwen, zum König gewählt und im Juli
1198 in Aachen gekrönt. OTTO
war
in Frankreich aufgewachsen und von Richard
zum
Grafen von Poitou ernannt worden. PHILIPP von
Schwaben mußte dieses Gegenkönigtum im Namen eines
noch nicht gekrönten Kindes bekämpfen, das unter der Obhut seiner
Mutter in Sizilien lebte und auf Anfragen nicht reagierte. Weil die Situation
für den staufischen Anhang unhaltbar
war, ließ sich PHILIPP
im März 1198 zum König wählen. Er wurde im September in
Mainz mit den richtigen Reichsinsignien gekrönt, aber welcher Gewählte
und Gekrönte nun der richtige König war, blieb offen. Der Thronstreit
in Deutschland dauerte 10 Jahre, die viel Kraft kosteten und eine aktive
Politik in Italien verhinderten.
Konstanze ließ
ihren Ehemann wie einen normannischen König im Dom von Palermo beisetzen,
in einem eigens angefertigten Porphyrsarg. Seit Dezember stellte sie die
Urkunden gemeinsam mit ihrem Sohn FRIEDRICH
aus. Dem von HEINRICH
eingesetzten
deutschfreundlichen Kanzler Walter von Pagliara entzog sie das Siegel und
ließ ihn einsperren. Alle von HEINRICH
eingesetzten deutschen Berater und Beamten wurden abgesetzt und des Landes
verwiesen. Auch diese Maßnahmen zeigen deutlich ihre Absage an eine
Weiterführung der gemeinsamen Politik und ihre Konzentration auf Sizilien.
Konstanze
wollte
ihrem Sohn die normannische Königsmacht ziemlich unbeschädigt
erhalten und weitergeben, und dafür setzte sie ihre ganze Kraft ein.
Der Verzicht auf das Bündnis mit Deutschland hatte die Lage in Sizilien
entspannt, und sie nahm die Regierungsgewalt nach innen und außen
mit großem Erfolg wahr.
Die schwierigste Frage war die Verständigung mit
dem Papst, der der Oberlehnsherr von Sizilien war und den neuen König
anerkennen mußte. Konstanze fühlte
vielleicht, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb, und dann konnte ihr unmündiger
Sohn nur mit Zustimmung und Billigung des Papstes das Königtum halten.
Der alte Papst Coelestin, der HEINRICH
so zäh widerstanden hatte, überlebte ihn nur um wenige Monate.
Sein Nachfolger seit Dezember 1197 war Innocenz III., ein italienischer
Adliger und Kirchenjurist, der in der Verbindung von Deutschland und Sizilien
eine große Gefahr für die Kirche und ihre Machtstellung in Italien
sah. Mit ihm mußte Konstanze
unter dem Zeitdruck ihrer nachlassenden Gesundheit verhandeln. Sie verzichtete
schließlich auf die besonderen Rechte, die der sizilische König
als päpstlicher Legat bisher gegenüber seiner Kirche gehabt hatte,
und für ihren Sohn verzichtete sie auch auf dessen Rechte in Deutschland.
Dafür anerkannte der Papst FRIEDRICH
als König von Sizilien. So konnte Konstanze
ihren
Sohn am 17. Mai 1198 im Dom von Palermo krönen lassen. Unter großen
Opfern hatte sie ihr Ziel erreicht. Ob sie in diesen Monaten viel Zeit
für den vertrauten Umgang mit dem Kind und für seine Unterweisung
als König hatte, ist nicht klar. Möglicherweise hat sie ihn doch
zu vielen Verhandlungen und Staatsakten mit zugezogen. Auf jeden Fall hat
FRIEDRICH
seiner Mutter und Königin immer mit großer Ehrfurcht und Dankbarkeit
gedacht. Konstanze starb am 27.
November 1198. In ihrem Testament übertrug sie dem Papst die Vormundschaft
für den knapp 4-jährigen König. Sie wurde wie ihr Mann in
einem Porphyrsarg im Dom von Palermo beigesetzt.