Konstanze von Sizilien                              Deutsche Königin
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1154-27.11.1198                                      Königin von Sizilien
         Palermo

Begraben: Dom zu Palermo
 

Tochter des Königs Roger II. von Sizilien aus seiner 3. Ehe mit der Beatrix von Rethel, Tochter von Graf Günther
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 1406
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Konstanze, Kaiserin, Königin von Sizilien
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* 1154, + 28. November 1198
              Palermo

Postum geborene Tochter König Rogers II. von Sizilien und dessen 3. Gemahlin Beatrix von Rethel

Zusammen mit ihrer Mutter verbrachte Konstanze Kindheit und Jugend am Palermitaner Königshof. Auffällig ist ihre späte Heirat (27. Januar 1186) mit dem deutschen Thronfolger HEINRICH VI., weshalb man seit dem späten 13. Jh. ein zwischenzeitliches Leben als Nonne erfand (vgl. Dante, Parad. III, 109 ff.). Die Vorgeschichte der Heirat liegt im Dunkeln, steht aber eindeutig unter politischen Vorzeichen: sie befestigte den seit 1177/83 bestehenden Frieden zwischen Sizilien und dem Reich und ließ den STAUFERN doch Hoffnung auf eine friedliche Realiserung alter Ansprüche des Reiches auf das Königreich. Eine Eventualerbfolge Konstanzes wurde 1185 von den Großen des Königreiches anerkannt, die nach dem Tod des kinderlosen Königs Wilhelm II. (1189) jedoch Tankred von Lecce als König erhoben. Nach ihrer Krönung zur Kaiserin (15. April 1191) geriet Konstanze während des ersten Eroberungszuges ihres Gemahls gegen Sizilien in Salerno in die Gefangenschaft Tankreds, der sie im folgenden Jahr dem Papst übergeben sollte. Glückliche Umstände erlaubten ihre vorzeitige Befreiung und Rückkehr nach Deutschland. Kurz nach der Eroberung Siziliens durch HEINRICH VI. gebar Konstanze in Jesi (Provinz Ancona) den Thronfolger FRIEDRICH II.(26.12.1194), der in deutscher Obhut in Folognio aufwuchs. Diese späte Erstgeburt gab schon kurz nach dem Tod Konstanzes zu mancherlei propagandistischen Gerüchten Anlaß, die von der anti-staufischen Historiographie im folgenden ausgemalt wurden. Konstanze wurde Ostern 1195 für die Dauer der Abwesenheit des Kaisers mit der Regentschaft in Sizilien beauftragt. Sie selbst hat diese Herrschaft freilich kraft eigenen Rechtes als Erbin ihres Vaters beansprucht und sich ganz in die Tradition ihrer normannischen Vorgänger gestellt. Bezeichnend ist, dass man ihr eine Beteiligung an der Verschwörung gegen den Kaiser zutraute (1197), wofür jedoch sichere Belege fehlen. Nach dem Tod HEINRICHS(+ 28. September 1197) herrschte sie als Souverän, nicht stellvertretend für ihren Sohn, der im folgenden Jahr zum sizilischen König gekrönt wurde. Bewegungsfreiheit verschaffte ihr die Ausweisung Markwards von Annweiler und aller Deutschen. Trotz intensiver Bemühungen Kaiser FRIEDRICH II.auch die Option auf das Kaiserreich offenzuhalten, scheiterte an der unnachgiebigen Haltung des Papstes; FRIEDRICH II. verzichtete mit seiner Krönung auf dem römischen Königstitel. Konstanze selbst führte den Titel einer römischen Kaiserin weiter, beschränkte sich in ihren Handlungen jedoch auf das Königreich. Nach harten Verhandlungen mit dem päpstlichen Lehnsherren um den Erhalt der Sonderrechte des sizilischen Königreiches mußte sie sich auch hier den kurialen Bedingungen beugen. Infolge ihres plötzlichen Todes konnte sie jedoch den schon ausgehandelten Lehnseid nicht mehr leisten. In ihrem bruchstückhaft überlieferten Testament setzte sie Innozennz III. zum Vormund ihres Sohnes ein. So brachte ihre Regierungszeit nicht nur eine Wiederherstellung, sondern sogar eine Verstärkung des päpstlichen Einflusses auf den sizilischen Lehensstaat.

Quellen und Literatur:
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MGH DD XI/3, ed. Th. Kölzer, 1990 - DBI XXX, 346-356 [Ders.] - Ders., Urkk. und Kanzlei der Ksn. K., Kgn. v. Sizilien, 1983 - Ders., Sizilien und das Reich im ausgehenden 12. Jh., Hjb 110, 1990, 3-22.
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Neue Deutsche Biographie: Band 12
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Konstanze, Kaiserin
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* 1154 (nach 26.2.), + 27.11.1198 Palermo

Aus dem Geschlecht DE HAUTEVILLE

Vater:
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König Roger II. von Sizilien (+ 1154)

Mutter:
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Beatrix (+ 1185), Tochter des Grafen Günther von Rethel (+ 1158);

  oo Mailand 27.1.1186 König HEINRICH VI. (+ 1197, siehe NBD VIII);

Sohn:
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Kaiser FRIEDRICH II. (+ 1250, siehe NBD V)

Neffe:
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König Wilhelm II. von Sizilien (1153-1189)

Das einzige Kind aus der 3. Ehe Rogers II. erhielt den bei den HAUTEVILLE seltenen Namen Konstanze. Über ihre Jugend ist fast nichts bekannt; Konstanze lebte wohl vor allem am Königshof in Palermo. Die Behauptung einiger Quellen, sie sei geistlichen Standes beziehungsweise vor ihrer Ehe Äbtissin gewesen, beruht auf frühzeitig einsetzender Legendenbildung. Da die Ehe König Wilhelms II. von Sizilien, ihres Neffen, kinderlos geblieben war, wurde im Ehevertrag Konstanzes mit HEINRICH VI. ihre wie auch ihres Gemahls Eventualnachfolge im Königreich Sizilien festgelegt und von den sizilianischen Baronen zu Troia (1184 oder 1185), von deutscher Seite zugleich mit der Verlobung am 29.10.1184 zu Augsburg beschworen. Bei der Vermählung wurde Konstanze zur römischen Königin, 1191 bei der Kaiserweihe ihres Gemahls zur Kaiserin gekrönt. Bei dem sich an die Kaiserkrönung anschließenden Kriegszug gegen den von sizilischen Baronen erhobenen Gegen-König Tankred (von Lecce) geriet die Kaiserin in dessen Gefangenschaft, wurde aber nach ehrenvoller Gefangenschaft wieder entlassen. 1194 folgte sie dem Kaiser nach Italien. Zu Jesi gebar sie am 26.12.1194 einen Sohn, FRIEDRICH II. Im Frühjahr 1195 betrat sie das Königreich Sizilien, das sie bis zu ihrem Tode nicht mehr verlassen hat. In ihren Urkunden führt sie den Titel der "regina Sicilie", obgleich eine Krönung nicht nachgewiesen ist. Ob Konstanze tatsächlich an der Verschwörung von 1197 gegen ihren Gemahl beteiligt war, läßt sich nicht eindeutig erkennen. Gewiß ist, dass sie gegen die Vorherrschaft der Deutschen zu wirken suchte. Auf der anderen Seite verteidigte sie in politischer Übereinstimmung mit ihrem Gemahl die kaiserlichen Rechte wie die besonderen Rechte des Königs von Sizilien gegenüber dem Papst. Das Konkordat von Gravina wie das Königtum Tankreds erkannte sie ebensowenig wie HEINRICH VI. an. Nach dessen Tode versuchte sie, an dieser Politik festzuhalten. Sie erhob ihren bereits zum römischen König erwählten Sohn mit dem vollen normannischen Königstitel zum Mitregenten und ließ ihn krönen. Unter dem Druck der Verhältnisse mußte sie sich jedoch zu Zugeständnissen in einem neuen Konkordat bereitfinden; ehe es unterzeichnet werden konnte, ist Konstanze gestorben. In ihrem Testament erkannte sie die Oberlehnsherrschaft des Papstes an und setzte Innocenz III. zum Vormund des Königs und Verweser Siziliens ein.

Literatur:
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R. Ries, Reggesten der Kaiserin Konstanze, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 18, 1926, Seite  30-100; Reggesten Imperium IV, 3, Heinrich VI., neu bearbeitet von G. Baaken, 1972; W. K. Prinz von Isenburg, Die Ahnen der deutschen Kaiser, Könige und ihrer Gemahlinnen, 1932; G. Baaken, Unio regio ad imperium, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 52, 1972, S. 219-297; Derselbe, Das Königreich Sizilien in seinen Beziehungen zum Imperium Romanum und zum Papsttum (von 1198 bis zur Belehnung Karls von Anjou) (in Vorbereitung).
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Frauen der Weltgeschichte: Seite 274
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Konstanze von Sizilien
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1154-22.XI.1198

Königshochzeit in der Lombardei! Die Mailänder hatten sich von Kaiser BARBAROSSA, der ihnen namhafte Privilegien verlieh, als besondere Gunst ausgebeten, dass die Vermählung seines Sohnes HEINRICHS VI. mit König Rogers Tochter, der künftigen Erbin von Sizilien, in ihrer Stadt gefeiert würde. Die Normannin war 12 Jahre älter als der Bräutigam; sie hatte diese Heirat nicht gewollt, gehorchte aber dem Befehl ihres Vater , der ihr ein kostbares Geschenk für den Schwiegersohn mitgab: das Reichs- und Mauritius-Schwert. Auch den sarazenischen Königsmantel Rogers durfte des ROTBARTS Sohn sich um die Schultern legen, aber das mit Gold und Perlen übersäte Gewand sollte nie mehr sizilianischen Boden streifen. Die junge Königin mußte schon bald aus den Worten und Taten Markwards von Anweiler, des politischen Beraters ihres Mannes, mit Schrecken erkennen, dass ihre Heimat Sizilien fortan nur eine Provinz des Reiches sein sollte. Konstanze setzte ihre normannische Zähigkeit und die Kraft ihres überragenden Geistes im Kampf um die Unabhängigkeit der Insel ein; sie verbündete sich mit den Feinden König HEINRICHS, ihres Gemahls, dessen Wesen ihr fremd blieb, dessen Politik sie abstieß und dessen Sieg sie nicht wünschte ... Drei Jahre nach der Kaiserkrönung, am Weihnachtstag 1194, schenkte die 40-jährige dem staufischen Hause ihren ersten und einzigen Sohn FEDERIGO, der später "Wunder und Wandler der Welt" genannt wurde. Die Geburt blieb von Geheimnissen umwittert - man sprach offen von einer Kindesunterschiebung ... Nach HEINRICHS Tode übernahm Konstanze als Regentin die Führung der gegen die Deutschen gerichteten sizilischen Aufstandsbewegung; mit vielen anderen mußte ihr Widersacher Markward Sizilien verlassen. Die Krone Siziliens empfing die Herrscherin im April 1198 - im Dom von Palermo, der wenige Monate später ihre Grabstätte wurde.
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Nach dem erbenlosen Tode ihres Neffen, König Wilhelms II., war Konstanze 1189 die Erbin des Normannenreiches, das ihr Gemahl jedoch erst 1194 in Besitz nehmen konnte. 1195 wurde sie zur Regentin von Sizilien eingesetzt, führte die Regentschaft auch für ihren Sohn FRIEDRICH II. ROGER und ließ ihn zum König von Sizilien krönen. Kurz vor ihre Tode bestellte sie Papst Innocenz III. zum Vormund für ihren Sohn.

Mühlbacher Josef: Seite 48-59
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"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"

HEINRICH VI. war ein harter, rücksichtsloser, ja grausamer, in Weltreichpläne vergrübelter Kaiser, der "das Volk der Deutschen groß und gefürchtet gemacht bei allen Völkern". "Dem Volk war er wenig freundlich noch wohlgesinnt", stellte der Patriarch von Aquileja fest. Innozenz III. schrieb über ihn: "Des Nordsturms Wut durchfährt die kalabrischen Berge mit einem neuen Beben der Erde, und durch die Ebenen des flachen Apulien jagt er in Wirbeln den Wanderern und Bewohnern Staub in die Augen." Wenn es von HEINRICH heißt, er sei wie "der Nordsturm und Winter in den Rosengarten Sizilien" eingebrochen, so spricht daraus auch die allgemeine Abneigung der Sizilianer und Italiener gegen die Deutschen, die ihnen als eigenwillig und rechthaberisch galten und plump, roh und unhöflich erscheinen, deren Sprache ihnen wie Hundegebell und Krächzen klang. HEINRICH hat diese Urteile und Vorwürfe durch sein Verhalten in Sizilien herausgefordert.
Konstanze war kurz nach dem Tod ihres Vaters Roger II. 1154 geboren worden, ihre Mutter, die dritte Gemahlin Rogers II., Beatrix von Rethel (Ardennen), entstammte mütterlicherseits lothringischem Adel. Konstanze war schön, stolz und tatkräftig und blieb auch nach ihrer Vermählung eine normannisch-sizilische Patriotin, was den Verdacht weckte, sie sei gegen die STAUFER mitverschworen gewesen Der Minorit Salimbene von Parma nannte sie "ein schlechtes Weib und den Gattinnen ihrer Brüder und der ganzen Familie zur Last."
HEINRICHS Mutter Beatrix von Burgund soll von Konstanze in schweren Träumen verfolgt worden sein. Zeichendeuter des normannischen Hofes hatten vorausgesagt, sie werde ihr Vaterland ins tiefste Verderben stürzen. Dass die Verbindung Konstanzes mit HEINRICH VI. die Vereinigung  Siziliens mit Deutschland brachte, schon das war ein unerhörtes, ein die Welt aufschreckendes Ereignis. Konstanze hatte jahrelang im Kloster der Basilianischen Nonnen, nahe dem königlichen Palast in Palermo, und in anderen Klöstern, gelebt. Ob sie freiwillig oder von ihren Verwandten veranlaßt ins Kloster gegangen war, wissen wir nicht, auch nicht, ob sie den Schleier genommen; jedenfalls wurde ihr zum Vorwurf gemacht, das Kloster verlassen zu haben, um zu heiraten. Vor ihrer Vermählung wurde Konstanze 1185 nach Rieti gebracht, mit einer Aussteuer, deren Schilderungen ans Fabelhafte grenzen. Konstanze war groß und blond und von heller Hautfarbe, sie wirkte trotz des byzantinischen Prunks bescheiden. Sie war 32, HEINRICH 22 Jahre alt.
Die Trauung fand am 27. Januar 1186 in Mailand statt. Da der Dom noch nicht vollendet war, fand die Eheschließung in der Kirche San Ambrogio statt, die aus einem Kornspeicher in einen halbwegs würdigen Zustand versetzt worden war. Der Patriarch von Aquileja vollzog die Vermählung ohne Zustimmung des Papstes. HEINRICH und Konstanze wurden zugleich mit der Eisernen Krone der Lombarden gekrönt und Konstanze empfing von einem deutschen Bischof die deutsche Königskrone. Nach der Trauung begab sich HEINRICH mit Konstanze zur Kaiserkrönung nach Rom.
Während der Italienzuges HEINRICHS VI. zur Eroberung Siziliens 1191 - ein Jahr nach dem Tod FRIEDRICHS I. BARBAROSSAS - geriet Konstanze in die kriegerischen Auseinandersetzungen, und auf die falsche Nachricht hin, der Kaiser sei in Neapel der Seuche erlegen, in die Hände der Gegner HEINRICHS VI. Sie wurde in einem Turm in Salerno festgehalten, wo sie sich mutig und tapfer verteidigte, bis sie nach ihrer Auslieferung in Messina von ihrem illegitimen Neffen Tankred würdig aufgenommen, aber als Geisel betrachtet wurde; schließlich mußte sie Tankred auf Befehl des Papstes, reich beschenkt, nach Deutschland bringen lassen.
Wenige Tage nach der Krönung zum König von Sîzilien (Weihnachten 1194) erreichte HEINRICH die Nachricht, dass Konstanze am zweiten Weihnachtstag in Jesi in der Mark Ancona einen Sohn zur Welt gebracht hatte.
Die Geburt FRIEDRICHS veranlaßte den kampagnischen Dichter und Weisen Petrus von Eboli, Vergils 4. Hirtengedicht von der Verheißung eines Friedensfürsten auf den Neugeborenen zu deuten; Gottfried von Viterbo begrüßte ihn als den die Zeit erfüllenden Cäsar, als den erwarteten Weltenkönig.
Die Umstände der Geburt gaben Anlaß zu einer überreichen, meist böswilligen Legendenbildung. Konnte das Kind von einer 40-jährigen Frau nach 9-jähriger unfruchtbarer Ehe geboren worden sein? Konstanze selbst wollte befürchteten Verdächtigungen zuvorkommen. Sie habe, heißt es, das Kind in einem Zelt zur Welt gebracht, in welchem jede verheiratete Frau der Geburt beiwohnen konnte; sie habe sich auf dem Markt dem Volk mit entblößten Brüsten beim Stillen des Kindes gezeigt.
Die Verdächtigungen konnten dadurch nicht aus der Welt gebracht werden. Der Abt Albert von Stade berichtet in seinen Annalen: Die Ärzte aus Salerno "ließen aber Konstanzes Gebärmutter durch Arzneien allmählich anschwellen, so dass der Kaiser fest glaubte, sie sei schwanger. Inzwischen aber sahen sich die Ärzte nach einem Kinde um, so dass von verschiedenen schwangeren Frauen, die zur Zeit der Niederkunft Konstanzes gebären mußten, nach einem streng geheimen Plan ein Kind geraubt wurde, um zur Zeit der Niederkunft Konstanzes in den Palast an ihr Bett getragen zu werden, wo es so, obwohl woanders geboren, gleichsam von Konstanze geboren wurde und der Sohn eines anderen für den Sohn des Kaisers und der Kaiserin gehalten worden ist. Man sagte aber, es sei zweifelhaft, ob jenes Knäblein der Sohn eines Arztes oder eines Müllers oder aber eines Falkners gewesen sei; aber die Leute beteuern wahrhaftig, es sei der Sohn eines dieser drei gewesen." Der STAUFER-feindliche Minorit Salimbene von Parma hat FRIEDRICH für den Sohn eines Fleischers gehalten, was FRIEDRICH Zeit seines Lebens vorgeworfen wurde.
HEINRICH ließ seine Gemahlin für Ostern 1195 nach Bari kommen, wo er einen Reichstag abhielt. Der kleine FRIEDRICHblieb in den folgenden drei Jahren in Foligno in der Obhut des Herzogs von Spoleto, zu dem konrad von Urslingen erhoben worden war. Nach Bari hatte der Kaiser auf 160 Maultieren aus Palermo den Kronschatz und die Reichsinsignien bringen lassen, die nach der Reichsfeste Trifels weiterbefördert wurden.
Als nach dem Reichstag von Bari HEINRICH neuerdings nach Deutschland aufbrach, stellte er Konstanze an die Spitze des Regentschaftsrates über Sizilien. Mit Hilfe ausgiebiger Geschenke an die Fürsten ließ HEINRICH seinen noch ungetauften 2-jährigen Sohn FRIEDRICH zum deutschen König wählen.
In Sizilien war das Blutgericht vom Stephanstag 1194 nicht vergessen. Die sizilianische Unabhängigkeitsbewegung gegen HEINRICHund die Deutschen überhaupt nutzte die Abwesenheit HEINRICHS, und es wurde vermutet, Konstanze unterstütze oder dulde sie. In Unteritalien schürte Richard von Acerra, der Schwager König Tankreds, den Widerstand gegen HEINRICH. Dieser sah sich zur Rückkehr nach Italien gezwungen. Was HEINRICH nun an Grausamkeiten verübte, hat mit einer Bestrafung von Aufständischen nichts mehr zu tun. Richard von Acerra ließ er von Pferden durch die Straßen von Capua schleifen; als er nach zwei Tagen noch immer lebte, nachdem er an den Füßen aufgehängt worden war, erlöste ihn sein Hofnarr von den Qualen durch um den Hals gebundene Gewichte, an denen Richard von Acerra erstickte. In Palermo ließ HEINRICH den Grafen Giordano, der als Haupt des Widerstandes galt, auf einen eisernen glühenden Thron setzen und ihm eine glühende Krone mit Nägeln an den Kopf schlagen. Diesen und anderen Folterungen mußt Konstanze an der Spitze ihres Gatten beiwohnen. Was Wunder, dass sie vor soviel Grausamkeit zurückschreckte und mit ihren gepeinigten Verwandten und Landsleuten fühlte? Sie wurde, vom Kanzler Walther von Pagliara bewacht, im königlichen Palast gefangengehalten.
Am Reichstag von Bari hatte HEINRICH einen Kreuzzug gelobt. Als sich das Heer einzuschiffen begann, brach in Sizilien eine neuer Aufstand los - HEINRICH versprach eine Generalamnestie. Wollte er die Sizilianer auf diese Weise für sich gewinnen? War das nach dem, was geschehen war, noch möglich?
Auf der Jagd im Waldgebirge unterm Ätna erkrankte HEINRICH. Er wollte nach Palermo gebracht werden, kam aber nur bis zu dem in maurischem Stil erbauten Schloß von Favara. In Fieberfantasien sprach der Kaiser von dem Weltreich, das er zu schaffen gedachte. Dann diktierte er, wieder bei klaren Sinnen, sein Testament - ein Dokument der Zerknirschung. Am 28. September 1197 "fällte ihn der Neid des Todes". Er starb an der den STAUFERNverhängnisvollen Malaria. Konstanze war anwesend - es lag schon im Stil der Zeit, sie des Giftmordes an ihrem Gemahl zu bezichtigen. Er wurde im Dom von Palermo bestattet.
Die verwitwete, schwergeprüfte Konstanze versuchte tatkräftig, der heillosen Verwirrung in Sizilien Herr zu werden; es gelang ihr nicht mehr. Ein Jahr nach dem Tod ihres Gemahls erkrankte sie. Sie ließ, wohl in der Ahnung ihres nahen Endes, ihren 4-jährigen Sohn am 17. Mai 1198 zum König von Sizilien krönen und übergab ihn und das Land der Obhut des Papstes. Am 27. November starb sie, ein Jahr nach dem Tode HEINRICHS. Sie wurde neben ihm im Dom zu Palermo, der Ruhestatt ihres Vaters beigesetzt.
 
 
 
 

27.11.1165
    oo HEINRICH VI. König des Deutschen Reiches
        1165-28.9.1197
 
 
 
 

Kinder:

  FRIEDRICH II. ROGER
  26.12.1194-13.12.1250
 
 
 
 

Literatur:
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Benrath Henry: Die Kaiserin Konstanze. Stuttgart Berlin Deutsche Verlagsanstalt - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 236,257 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 52-223 - Die Staufer im Süden. Sizilien und das Reich, hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 17-260 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 89,90,104,109,113,120,126,144 - Engels, Odilo: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 125 A,195, 196 A - Herde Peter: Karl I. von Anjou. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz 1979 Seite 16,17 - Horst, Eberhard: Friedrich der Staufer, Claassen Verlag Düsseldorf 1989, Seite 7,17,20,23-25,28,65,75, 89,216,279,325 - Houben, Hubert: Roger II. von Sizilien. Herrscher zwischen Orient und Okzident, Primus Verlag Darmstadt 1997, Seite 1,7,102,123,174-178,185,Taf.1 - Kantorowicz, Ernst: Kaiser Friedrich der Zweite, Klett-Cotta Verlag Stuttgart 1991, Seite 10,16, 18,24,27,34,38,54,99,135,193,374, 467,499,524,628 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 16,371 - Lehmann, Johannes: Die Staufer. Glanz und Elend eines deutschen Kaisergeschlechts, Gondrom Verlag Bindlach 1991, Seite 175,191,203,207,211,216,304,336 - Masson Georgina: Friedrich II. von Hohenstaufen, Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbeck bei Hamburg 1991, Seite 11,22,24, 26,315 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 198,203,214,224 - Reisinger, Christoph: Tankred von Lecce, Kölner Historische Abhandlung 38, Böhlau Verlag Köln/Weimar/Wien 1992 - Rösch, Eva Sibylle/Rösch, Gerhard: Kaiser Friedrich II. und sein Königreich Sizilien, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995, Seite 38,42-47,73,75, 95,167 - Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Primus-Verlag Darmstadt 1997, Seite 1,15, 32,34-38,41-58,64,80-86,90,98,111,116,139,141,249 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 7, 11-13,29,85 - Toeche, Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1965, Seite 5,6,38,47,100,101,111, 127,128,129,178,188,196,197,210,219,220,278,312,314-317,319,323, 335,342,346,350-352,368,446,448,451-455,467,474,503 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 282,305,308 - Wies, Ernst W.: Friedrich II. von Hohenstaufen. Messias oder Antichrist, Bechtle Esslingen 1998, Seite 14,29,23,25,27,30,33,39,45,59,134,156,184,186 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 9,11-13,18,20,23,26,32,36-40, 42,80,81,102,109,111,119-124,200,346,358,486,491, 497-499 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite I 123,124,497 II 3-5,7,13, 17,20,22,28,29,39,48,51,59,65,70,81,93,217,277,316, 338,537455 - Winkelmann Eduard: Kaiser Friedrich II. 1. Band, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963, Seite 4,107,141,273,277,531 -
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Frommer Hansjörg: Seite 138-176
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"Spindel Kreuz und Krone"

Das normannische Königreich Sizilien

"Die Eroberung S-Italiens und Siziliens durch die Normannen war vielleicht nicht nur die beeindruckendste, sondern auch die romantischste ihrer politischen Leistungen... Das Unternehmen lief unter den Augen und in Reichweite der 4 größten Mächte der damaligen Christenheit ab - des Byzantinischne Reichs im Osten, des deutschen Kaiserreiches im Westen, des Papsttums und der arabisch-islamischen Reiche -  und war im Gegensatz zur Eroberung Englands das Ergebnis rein privater Initiative: Einzelne Ritter und Rittergruppen zogen von der Normandie aus, um ihr Glück im Süden zu machen." So sieht Richard Allen Brown die Entstehung der normannischen Fürstentümer in Süditalien. Und in der Tat ist der Aufstieg der Normannen eine kaum glaubliche und abenteuerliche Erfolgsgeschichte. Der Legende nach kam 999 eine Gruppe von 40 normannischen Pilgern auf dem Rückweg vom Heiligen Land nach Salerno und erlebte dort, wie kopflos die Bevölkerung auf einen sarazenischen Angriff reagierte. Sie bewaffneten sich und schlugen die Sarazenen zurück. Zuhause in der Normandie erzählten sie von S-Italien und von der Möglichkeit, die es beherzten und tatkräftigen Kämpfern bieten könnte. In den folgendne Jahrzehnten kamen die jüngeren Söhne normannischer Barone in kleinen Gruppen ins Land, verdingten sich als Söldner, gewannen an Macht und konnten sich als Landbesitzer etablieren. Sie kämpften mit den Byzantinern gegen Sarazenen und Langobarden, mit den Langobarden gegen Byzanz und Sarazenen. 1030 wurde der Normanne Rainulf Graf von Aversa, und sein Sohn Richard 1058 Fürst von Capua.
Eine besondere Rolle dabei spielten die Söhne des Tankred von Hauteville, eines wenig begüterten, aber kinderreichen normannischen Adligen. Der erste, Wilhelm mit dem Beinamen Eisenarm, weil er im Zweikampf den Emir von Syrakus getötet hatte, erwarb die Bergfestung Melfi, der zweite, Drogo, erreichte 1047 von HEINRICH III. die Bestätigung als Graf der Normannen in ganz Apulien und Kalabrien, und der dritte, Humfried, war der Sieger in der Schlacht bei Civitate 1053, in der Papst Leo IX. in normannischer Gefangenschaft geriet. Die Normannen behandelten ihn durchaus ehrerbietig, denn sie waren christlich fromm im Sinn der westlichen Kirche, und sie wollten ihre Eroberungen lieber als Lehen vom Papst als etwa von Byzanz oder vom Reich. In den Jahren des Investiturstreits waren sie die Verbündeten des Papstes und konnten ihre Herrschaft in S-Italien ungehindert und mit päpstlichem Segen ausbauen. Der größte Held der Familie, Robert Guiskard, kam 1046 allein und mittellos an. Er war der erste Sohn der zweiten Frau Tankreds, und seine Halbbrüder unterstützten ihn nicht. Robert unterwarf sich Kalabrien und gewann nach dem Tod seiner Brüder auch die Herrschaft über Apulien. 1071 fiel mit Bari die letzte byzantinische Festung, und 1081 besiegte er bei Durazzo in Alanien den byzantinischen Kaiser Alexios Komnenos. Byzanz war sein Endziel, aber 1085 starb er auf der Insel Kephannonia am Typhus. Er wurde in der Kirche von Avosa bei Melfi begraben, die er selbst als Grablege für seine Familie gegründet hatte. Aber Robert hatte nicht nur nach Byzanz geblickt. Auch die Eroberung des sarazenischen Sizilien stand auf seinem Programm. Erleichtert wurde diese Aufgabe durch die Uneinigkeit der Emire, die sich ihre Machtbereiche gegenseitig streitig machten und dabei auch nach Verbündeten suchten. Diese Aufgabe übertrug er seinem jüngeren Bruder Roger, der 1056 angekommen war. Von den Byzantinern hatten die Normannen Schiffe erobert und übernommen, und mit ihnen setzten sie unter Führung Rogers 1061 zum ersten Mal nach Sizilien über.
Mit 440 Rittern eroberte er im Handstreich Messina. 1072 wurde die Hauptstadt Palermo eingenommen, und Robert ernannte Roger zum Grafen von Sizilien. 1087 fiel Syrakus, und 1091 wurde die letzte sarazenische Festung genommen. Die Normannen unter Roger hatten nicht nur ihre Fähigkeiten im ritterlichen Kampf bewiesen, sondern auch eine bemerkenswerte Geschicklichkeit bei der Logistik und der Organisation von Flotten entwickelt. Weder in Unteritalien noch in Sizilien traten die Normannen in großer Zahl auf. Sie waren eine kleine Schicht grundbesitzender Barone, die sich in gewissem Maß mit dem vorhandenen Adel langobardischer und anderer Herkunft vermischten und das Land und die übrige Bevölkerung kontrollierten. Unter ihrer Herrschaft existierten die verschiedenen Bevölkerungsgruppen mit ihrem unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergrund weiter, die Berührung, Gegnerschaft und gegenseitige Durchdringung griechischer, lateinischer und islamischer Traditionen. Die Normannen brachten ihre französische Sprache, ihr fränkisch geprägtes Christentum und eine rigide Auffassung vom Lehensstaat mit, in dessen normannischen Ausprägungen den Rechten des Lehensmannes, vor allem der Erblichkeit, ein hartes Zugriffrecht des Lehensherren bei irgendwelchen Verstößen gegenüberstand. Den periodisch wiederkehrenden Aufständen der Barone entsprach das blutige Strafgericht, mit dem der Lehensherr die abtrünnigen Barone immer wieder überzog. Rechtssätze und Konstitutionen, Güter- und Leistungsverzeichnisse, Rechtsschulen und Kanzleien gehörten zum Instrumentarium des Lehensfürsten, damit er seine Barone besser kontrollieren konnte.
Roger, der "große Graf", starb 1101. Seinem Sohn und Nachfolger, dem erst 1095 geborenen Roger II. gelang es in den folgenden Jahren, die süditalienischen Besitzungen der Nachkommen Robert Guiskards in seinen Besitz zu bringen. Im Schisma der Päpste von 1130 verlieh ihm Anaklet II. auf der Suche nach Verbündeten im Kampf gegen Innocenz das Recht, sich König von Sizilien zu nennen und sich in Palermo krönen zu lassen. So war der Enkel des Tankred von Hauteville zum Herrn des jüngsten Königreichs aufgestiegen. Papst Anaklet endete schließlich als nicht anerkannter schismatischer Papst, und Innocenz wollte durch einen Feldzug gegen Roger alles wieder rückgängig machen. Aber er wurde mit seinem Heer geschlagen und fiel in normannische Gefangenschaft, und 1139 anerkannte auch er Roger II. als König von Sizilien, Herzog von Apulien und Graf von Capua. In S-Italien waren die normannischen Barone stärker und der lateinische Einfluß größer. In Sizilien waren weniger Normannen, der größte Teil des Landes war Krondomäne, vom König direkt bewirtschaftetes Gebiet. Die Griechen hatten dort die Normannen als Befreier begrüßt und spielten in der neuen Verwaltung eine große Rolle. Aber auch die Sarazenen standen unter dem Schutz des Königs und konnten ihrer Reichslehen nachgehen und ihre Berufe weiter ausüben. Griechisch, lateinisch und arabisch wurden in Kanzlei und Verwaltung gebraucht, in S-Italien auch das normannische Französisch. Roger II. hatte ein Gespür für wirtschaftliche Entwicklungen. So verschleppten die Normannen 1147 die Seidenweber aus Theben und Korinth nach Palermo, um diese Luxusindustrie unter ihre Kontrolle zu bekommen. Insgesamt wurden Handel und Gewerbe gefördert, und der sizilische Seehandel wurde zu einer ernsthaften Konkurrenz für die großen italienischen Seestädte Genua, Pisa und Venedig. Mit seiner Militärmacht und seiner starken Flotte war Roger II. ein gewichtiger Machtfaktor im Zentrum des Mittelmeers, der sich gegen Byzanz wie gegen das Reich oder die islamischen Küstenstaaten richten konnte. So hatte Roger II. 20 Jahre lang Tunis unter seiner Kontrolle.
Dem Papst hatte der König abgerungen, dass er als päpstlicher Legat die Oberaufsicht über die Kirche in Sizilien und Süditalien ausüben konnte. Damit war er berechtigt, die Bischöfe auszuwählen und zu investieren. Demgegenüber machte es wenig, dass der Papst als oberster Lehensherr anerkannt war, denn bei der strikten Erblichkeit und der starken Betonung der Königsrechte hatte er wenig Gelegenheit, seine Oberherrschaft anzumahnen. Die normannischen Könige statteten ihre Bistümer großzügig aus und gründeten und beschenkten viele Klöster. Aber die Kirche mit ihrem ganzen Reichtum war ein sicheres Instrument in der Hand des Königs, solange er auch die päpstlichen Rechte für sich in Anspruch nehmen konnte. Auch für die Wissenschaften interessierte sich Roger. Salerno wurde zu einer bedeutenden Hochschule für Medizin. Der Astronom Aristippus, der auch Texte griechischer Philosophen ins Lateinische übertrug, war der Lehrer des Kronprinzen, und der arabische Geograph al-Idrisi arbeitete im königlichen Auftrag 15 Jahre lang an seinem Buch über die Beschaffenheit der Länder und Weltteile.

Konstanzes Herkunft und Familie

Roger II. war von 1117 bis 1135 verheiratet gewesen und hatte aus dieser Ehe vier Söhne. Der älteste, Roger, galt als Kronprinz. Der zweite Sohn starb schon 1139, der dritte 1144. Der junge Roger starb 1149, hinterließ aber aus einer nichtehelichen Verbindung einen Sohn Tankred, der zwischen 1130 und 1134 geboren worden war. Aber die legitime Nachfolge des Hauses HAUTEVILLE ruhte jetzt nur noch auf dem jüngsten Sohn Wilhelm. Deshalb entschloß Roger II. sich 1149 zu einer zweiten Ehe und, als die junge Frau ohne Kinder starb, 1152 zu einer dritten. Die dritte Frau war Beatrix von Rethel, eine Französin aus der Champagne in der Nähe von Reims. Etwa zur gleichen Zeit heiratetet Rogers Sohn Wilhelm eine Margarethe von Navarra. Als Roger II. am 26. Februar 1154 starb, war sein Enkel Wilhelm gerade geboren und seine Frau Beatrix schwanger. Die nach dem Tod ihres Vaters geborene Tochter wurde auf den Namen Konstanze getauft. Sie war also die Schwester des neuen Königs Wilhelms I. und die Tante des vielleicht ein halbes Jahr älteren Kronprinzen Wilhelm und eines später geborenen jüngeren Bruders Heinrich. Ihre Mutter, ihr Bruder und dessen Frau stellten am neuen Hof die ältere Generation, Konstanze und ihre Neffen die jüngere. In diesem familiären Rahmen wuchs Konstanze auf. Das Fehlen des Vaters machte sich vielleicht nicht so bemerkbar, weil ihr Bruder in etwa diesen Platz einnahm. Wir wissen von diesen Jahren überhaupt nichts. Aber allen Gepflogenheiten nach hatte die Königin-Witwe Beatrix einen kleinen selbständigen Hofstaat innerhalb des Hofes, zu dem Konstanze gehörte. Hier und mit ihrer Mutter sprach sie vor allem französisch. Roger II. hatte bei seinen Kindern Wert auf eine gute Bildung gelegt, und Wilhelm war von den besten Gelehrten unterrichtet worden, vor allem von jenem Heinrich Aristippus, der unter ihm in höchste Regierungsämter aufstieg. Allem Anschein nach achtete er bei seinen Kindern genau so auf eine umfassende Erziehung und Bildung, und Konstanze nahm mit dem gleichaltrigen Wilhelm an allem teil. Dazu gehörten die im Königreich Sizilien gängigen Sprachen, Griechisch, Latein und Arabisch, und später die Texte, die in diesen Sprachen wichtig waren, neben den Klassikern auch Gesetze und Verwaltungsmaterialien, aus denen der komplizierte Hintergrund dieses aus so verschiedenen Traditionen bestehenden und noch keineswegs zusammengewachsenen Königreichs verständlich wurde. Konstanze schöpfte aus ihrer Jugend wohl nicht nur einen beachtlichen Hintergrund an Wissen und Kenntnissen, sondern entwickelte auch genuines Interesse für politische Fragen und ein Gefühl der Verantwortung für das Schicksal dieses Königreichs, das ihr Vater Roger geschaffen hatte und das ihr zur Heimat geworden war.
Ganz im Unterschied zum deutschen Hof führte der Hof von Palermo ein äußerlich ruhiges und behagliches Leben, meistens im königlichen Palast, und in den Monaten der großen Hitze in einer Sommerresidenz in den Bergen. Solche Bedingungen waren auf jeden Fall für die Entwicklung der Kinder günstiger als die "Heimatlosigkeit" des deutschen Hofes. Diese größere Ruhe bedeutete jedoch nicht eine Abschottung vom wirklichen Leben und von den grundlegenden politischen Fragen. Denn dazu lag das Königreich Sizilien zu sehr im Mittelpunkt der Schnittlinien zwischen den islamischen Staaten, Byzanz und dem Reich und im Konkurrenzkampf zu den See- und Handelsmächten von Pisa, Genua und Venedig. Auch der äußere Bestand war noch keineswegs gesichert. Apulien und Kalabrien waren vorher byzantinisch gewesen, Sizilien hatte zum Islam gehört. Und beide Mächte hatten darauf nicht grundsätzliche verzichtet und strebten unter günstigen Bedingungen eine Rückeroberung an. Dazu kam das Unabhängigkeitsstreben der normannischen Barone vor allem in Süditalien, die nach dem Tod des starken Königs Roger im Bund mit Byzanz und dem Papst eine große Aufstandsbewegung auslösten. Aber Wilhelm I. reagierte rasch und hart. Die Byzantiner wurden vertrieben und die Barone bestraft. Der Papst hatte auf einen geschwächten Normannenkönig gehofft, aber jetzt stand ihm ein Sieger gegenüber, und 1156 mußte er dem neuen König dieselben Rechte zugestehen wie vorher seinem Vater, also auch die Verfügung über die Bistümer und Abteien.

Wilhelm, Konstanze und die Heiratsprojekte

Nach der Niederwerfung des ersten großen Aufstandes regierte Wilhelm mit einer Mannschaft von Beamten, Beratern und Günstlingen, die vom Volk und vom Adel gehaßt wurden. Das führte 1160 und 1162 zu Aufständen, bei denen der Palast von Palermo geplündert und sogar der Königs-Sohn Heinrich getötet wurde. Aber Wilhelm konnte diese Aufstände blutig niederschlagen und seine Stellung befestigen. Im Gegenzug baute er die verwaltungsmäßige Gliederung und Organisation, die systematische Erhebung von Steuern und Zöllen und die juristische Ausgestaltung der Regierungstätigkeit weiter aus. Die fortdauernden inneren Schwierigkeiten führten allerdings dazu, dass das von Roger eroberte Tunis aufgegeben werden mußte. Eine Bewährungsprobe für dieses Regierungssystem war der plötzliche und unerwartete Tod des Königs 1166. Ihm folgte sein 11-jähriger Sohn Wilhelm II. unter der formalen Regentschaft seiner Mutter Margarethe von Navarra. Tatsächlich führte ihr Vetter Stephan von Perche als Kanzler die Regierung. Allein das Gerücht, Stephan wolle Konstanze heiraten und sich mit dieser Legitimation zum König aufschwingen, reichte zu einem neuen Aufstand aus. Dieses Mal standen die alten Beamten Wilhelms I. und die Barone auf der gleichen Seite. Stephan von Perche mußte fliehen, und die Regierung lag von da an bei einem "Familienrat" unter der Führung des Kanzlers Matheus von Ajello und des Erzbischofs Walter von Palermo.
Wilhelm trägt in der Geschichte den Beinamen "der Gute". Er kümmerte sich weniger um die fortlaufende innere Politik, und er war den Baronen gegenüber nachsichtiger. Unter ihm konnten sie ein Stück Selbständigkeit zurückgewinnen. Auch bei den Steuern und Abgaben verzichtete auf manches, was dem Staat zwar rechtlich als Einnahme zustand und bisher erhoben worden war, aber letztlich doch bei den Steuereinnehmern verschwunden war. Nach der harten Unterdrückung jeder Opposition durch seinen Vater trug seine Großzügigkeit zum besseren Funktionieren des Staatsapparates bei, und zu größeren Aufständen kam es nicht. Dennoch vollzog sich in diesen Jahren ein bedeutender Wandel. Das Gleichgewicht aus griechischer, islamischer und lateinischer Tradition, auf dem Roger seinen Staat aufgebaut hatte, verschob sich zum Lateinisch-Romanischen, im kirchlichen und kulturellen Bereich wie in der Verwaltung. Den Sarazenen gegenüber kam es sogar schon zu ersten Verfolgungen und Pogromen. Wilhelms indirektes Regierungssystem mit einem gut eingespielten Verwaltungsapparat brachte dem Land eine ruhige Weiterentwicklung und ließ dem König freie Zeit zum Planen und Träumen. Dabei stand ihm vermutlich Konstanze sehr nahe. Sie war zwar dem Verwandtschaftsgrad nach seine Tante, aber die beiden waren wie gleichaltrige Geschwister miteinander aufgewachsen und hatten wohl auch eine ähnliche Art. Für Henry Benrath, der in seinen historischen Romanen sehr viel Gefühl für psychologische Situationen und Wahrscheinlichkeiten entwickelt, verbindet Konstanze mit Wilhelm eine Seelenverwandtschaft, die in einem gemeinsamen familiären und kulturellen Hintergrund ihre Wurzeln hat und zu weitreichenden Zukunftsvisionen führt. Allerdings sind diese bei Benrath sehr humanistisch-ideal. Konstanze war die Tochter Rogers II., das Königreich Sizilien war das Ergebnis der konsequenten politischen Anstrengungen ihres Großvaters und ihres Vaters. Aber für den Ehrgeiz der HAUTEVILLE war das nie das Ziel gewesen. Robert Guiskard wollte Byzanz erobern und oströmischer Kaiser werden, und Wilhelm II. nahm diese Pläne später wieder auf. Man kann sich schon vorstellen, dass die beiden Halbgeschwister in ihren politischen Träumen davon sprachen, das Kaisertum im Osten durch Eroberung für ihn und das Kaisertum im Westen durch Heirat für sie zu gewinnen und so den Rang der HAUTEVILLE weiter zu erhöhen.
Auffällig ist in jedem Fall, dass Konstanze und Wilhelm an dem hochfürstlichen Spiel der Allianzen und Heiratsprojekte keinen Anteil hatten, das die STAUFER mit den ANJOU-PLANTAGENET und den regierenden Häusern von Aragon, Kastilien oder den Kreuzfahrer-Dynastien verband. Die verschiedenen Verlobungen etwa der Kinder des deutschen KaiserpaaresBARBAROSSA und Beatrix zeigen das deutlich. Die Kinder wurden einander versprochen, aber ihr Tod oder noch häufiger ein politischer Richtungswechsel ließen das Projekt wieder in Vergessenheit geraten. Dagegen ist offenbar über eine Verlobung Konstanzes nie verhandelt worden, und Wilhelm II. stand nur einmal, im Jahr 1173, in Gespräch mit dem deutschen Hof wegen der Verlobung mit einer BARBAROSSA-Tochter. Der Plan scheiterte, weil er politisch eine Wendung gegen den Papst bedeutet hätte, und das wollte Wilhelm nicht. 1177 heiratete er Johanna von Anjou-Plantagenet, eine Tochter des englischen Königs Heinrich und der Eleonore von Aquitanien. Deren Schwester Mathilde war die Frau Heinrichs des Löwen, aber zu der Zeit war der Bruch zwischen BARBAROSSAund dem WELFEN noch nicht vollzogen. Diese Heirat war also noch nicht vollzogen. Diese Heirat war also nicht Teil eines anti-staufischen Bündnisses. Sie gehörte aber zur diplomatischen Vorbereitung eines Krieges gegen Byzanz.
Im Oktober 1184 wurde in Augsburg die Verlobung Konstanzes mit dem BARBAROSSA-Sohn HEINRICHbekanntgegeben. Diese Verbindung galt lange Zeit als ein Geniestreich der deutschen Politik, weil sie in Italien ganz neue Dimensionen eröffnete und den Papst in die Defensive zwang. Von welcher Seite die Initiative ausging und was im Zusammenhang damit verhandelt wurde, ist nicht bekannt. Aber die Verlobung machte auch von Sizilien aus Sinn. Zum einen gab sie Wilhelm die notwendige Rückendeckung für seine Pläne gegen Byzanz, die in den folgenden Jahren zu aktiven Kriegshandlungen führten. Zum andern war sie eine Weichenstellung in der Erbfolge. Denn Wilhelms Ehe mit Johanna war nach sieben Jahren immer noch kinderlos, und er war der letzte legitime HAUTEVILLE. Ganz offenbar wollte Wilhelm durch diese Ehe auch die Erbfolge für Konstanze sichern. Diese "Eventualerbfolge" war ein Bestandteil des Abkommens, das mit der Verlobung geschlossen wurde. König Wilhelm ließ die Erbfolge Konstanzes und ihres zukünftigen Gatten auch auf einem Hoftag von seinen Beratern und Baronen beschwören. Diese Regelung war ein wichtiges Anliegen Wilhelms, und sie konnte sich nur gegen die Ansprüche eines anderen Bewerbers richten, den er damit ausschalten wollte. Dieser Bewerber war Tankred von Lecce, der illegitime Sohn des ursprünglichen Kronprinzen Roger. Tankred war 20 Jahre älter als Konstanze und Wilhelm, ein Vetter Wilhelms und wie dieser ein Neffe Konstanzes. Angesichts der Kinderlosigkeit Wilhelms hatte er vermutlich zum ersten Mal Ansprüche auf die Nachfolge erhoben, und Wilhelm hatte Konstanze zur Heirat gedrängt, um mit ihrem Mann und ihren möglichen Kindern eine Alternative zu diesem Nachfolger zu haben.

Der Bräutigam

Konstanze war bei ihrer Verlobung 30 Jahre alt. Ihr Bräutigam, den sie noch nie gesehen hatte, war im November 1165 geboren worden, also 11 Jahre jünger. Er war der zweite Sohn BARBAROSSAS und Beatrix und bekam den Leitnamen der SALIER, auf die sich die STAUFER ja beriefen. Nach dem Tod seines älteren Bruders Friedrich, eines kränklichen Kindes, das dem Namen nach Herzog von Schwaben gewesen war, wurde um 1170 der dritte Sohn von Konrad in Friedrich umbenannt und zum Herzog von Schwaben gemacht. HEINRICH war als Nachfolger im Reich vorgesehen und wurde schon im Juli 1169 zum König gewählt und zwei Monate später als 4-jähriger in Aachen gekrönt.
HEINRICH wuchs am deutschen Hof im Zentrum der politischen Entscheidungen auf und wurde wohl auch schon früh von seinem Vater einbezogen und beteiligt. Er war klug und frühreif, und seine von Anfang an herausragende Stellung bestärkte ihn in der hohen Vorstellung, die er von sich und seiner Begabung und Bedeutung hatte. Die Autorität seines Vaters erkannte er rücksichtslos an, im Unterschied etwa zu den Söhnen Heinrichs II. von England, die sich immer wieder gegen ihren Vater stellten. Auch in seinen persönlichen Leidenschaften und Eigenheiten war er sehr gemäßigt. Sein großes Engagement galt der Politik, und es ist schwer zu trennen, wie weit er sich für die Größe des Kaisertums, die Rolle seiner Familie oder seinen persönlichen Platz in der Geschichte einsetzte. Aber von einer Sendung als großer Kaiser war er zutiefst überzeugt, und er war auch bereit, Widerstände dagegen rücksichtslos zu unterdrücken.
Schon von FRIEDRICH BARBAROSSA heißt es etwas einschränkend, er sei von Statur kleiner als die Größten und größer als die Mittelgroßen gewesen, aber HEINRICH war offenbar wirklich klein, kränklich und schwächlich, also keiner, der durch körperliche Kraftakte Aufsehen erregte. Beim Mainzer Pfingstfest 1184 empfing er zusammen mit seinem Bruder Friedrich von Schwaben die Schwertleite, aber er glänzte sicher nicht durch Turniersiege. Er war intellektuell überragend und hochgebildet, aber auch anspruchsvoll und hochfahrend. Eine andere Seite seines Wesens könnten seine Minnelieder zeigen, die zusammen mit seinem Bild die Manessische Liederhandschrift eröffnen. Sie besingen eine Geliebte, die ihm wichtiger ist als Macht und Herrlichkeit:
  "Mir sind die Reiche und die Länder untertan,
   sooft ich bei der Liebenswerten bin;
   sooft ich aber da Abschied nehme,
   ist all meine Macht und meinem Reichtum dahin."
In den Gedichten kommen starke Gefühle zum Ausdruck, aber es gibt keinen Beleg dafür, dass HEINRICH in seiner Lebensführung je ein solches Gefühl über seine politische Natur hätte die Oberhand gewinnen lassen. So sind sie entweder aus einem inneren "ennui" entstanden, aus einer unerfüllten Sehnsucht nach etwas anderem als Macht, oder aber sie waren ein Spiel, mit dem er seine geistigen Fähigkeiten und seine intellektuelle Begabung unter Beweis stellte, wenn er schon in Turnieren und Ritterspielen nicht glänzen konnte.
Auf jeden Fall galten solche Gefühle nicht Konstanze. Die Braut war für ihn ein Teil eines politischen Handels, der ihm große Möglichkeiten eröffnete. Die Erbfolge in Sizilien, für Wilhelm und Konstanzedie Abwehr der Ansprüche Tankreds von Lecce und die Sicherung der Zukunft des Königreiches, bedeutete für HEINRICH den Ansatz zu einer Neugestaltung der politischen Basis seiner Macht und seiner Familie. Zur Sicherung dieser neuen Dimension war allerdings ein Sohn und Erbe aus dieser Verbindung notwendig. Darüber hinaus hatte er vermutlich an Konstanze kein menschliches und persönliches Interesse. In der Familie BARBAROSSAS standen der Vater mit den Söhnen und die Söhne untereinander in einem engen und vertrauensvollen Verhältnis, auch wenn sicher Rivalitäten vorhanden waren. Aber BARBAROSSA bezog seine Frau Beatrix hier nicht ein, und dieses Vorbild färbte auf die Söhne ab. HEINRICH sah in Konstanzedie Erbin Siziliens und die mögliche Mutter seiner Kinder, aber nicht die Partnerin oder die "consors regni", die Teilhaberin an der Regierung.

Hochzeit und erster Deutschlandaufenthalt

Die Verlobung von Konstanze und HEINRICHwar für die Kurie eine Katastrophe. Deshalb gewannen dort die Gegner einer Verständigung mit BARBAROSSA die Oberhand, und einer ihrer Vertreter wurde 1185 als Urban III. neuer Papst. Die Hochzeit sollte deshalb eine Demonstration der neuen politischen Machtverhältnisse werden, und FRIEDRICH hätte gern aus diesem Anlaß seinen Sohn HEINRICH zum Kaiser krönen lassen. Aber das lehnte der Papst ab. So wurde als Ort für die Hochzeit Mailand ausgewählt, die Stadt, die FRIEDRICH1162 räumen und zerstören hatte lassen. Sie war inzwischen aus den Ruinen prächtig wieder auferstanden und stand im Bund mit dem deutschen Kaiser.
Im Sommer 1185 brach Konstanze in Palermo aus zu ihrer Hochzeit auf. Ihre Mutter starb in diesem Jahr, vor oder nach ihrer Abreise. Konstanze war noch nicht viel gereist, hatte vielleicht Sizilien und auf jeden Fall das Königreich noch nie verlassen. König Wilhelm, ihr Neffe und Vertrauter, geleitete sie bis an die Grenze. Konstanze sollte keine arme Braut sein. Deshalb wurde sie von einer gewaltigen Karawane begleitet, die Schmuck, Gold, Kleider, Stoffe und andere Wertgegenstände mitführte. In Rieti wurde sie von einer kaiserlichen Delegation in Empfang genommen. Sie hatte von fast allem, was ihr bisher lieb und vertraut war, Abschied nehmen müssen, auch wenn sie natürlich einen kleinen Hofstaat mitnahm. Jetzt war sie unter Deutschen. Zwar war Latein immer noch Staats- und Bildungssprache, aber das Mittelhochdeutsche hatte sich nicht nur als Umgangssprache weitgehend durchgesetzt, sondern war auch die Sprache der modernen Dichtung. Die Deutschen fühlten sich den Italienern überlegen, und ein Ausdruck dieser Überheblichkeit war der selbstbewußte Gebrauch ihrer Sprache. Konstanze hatte vielleicht neben ihren anderen Sprachen auch gewisse Kenntnisse des Langobardischen, aber davon war das Mittelhochdeutsche doch deutlich unterschieden. Zur übrigen Fremdheit kam also noch eine Sprachbarriere.
In Foligno traf Konstanze mit BARBAROSSA zusammen. Ihr Bräutigam HEINRICH war nicht dabei, er hatte den Sarg mit seiner im November 1184 gestorbenen Mutter Beatrixzur Beisetzung nach Speyer gebracht und war auf dem Rückweg. FRIEDRICH I. war zu dieser Zeit über 60 Jahre alt und im 34. Jahr König. Wie kein Kaiser vorher hatte er den Schwerpunkt seiner politischen Aktivität nach Italien verlegt und dort mit den lombardischen Städten, den Bischöfen und Adelsherren und der Kurie um Macht und Einfluß gestritten. Er war eine imponierende Persönlichkeit und machte sicher auch auf Konstanze großen Eindruck. Aber vermutlich gab er sich große Mühe, dieser nicht mehr ganz jungen und von der Art her wohl eher spröden und zurückhaltenden Schwiegertochter den Weg in die Fremde durch persönliche Annäherung leichter zu machen.
Im Gefolge BARBAROSSAS reiste Konstanze über Piacenza und Pavia nach Mailand weiter und traf im Januar 1186 in Mailand ein. Dort trat ihr auch zum ersten Mal ihr Bräutigam HEINRICH gegenüber. Am 27. Januar, einem Montag, fand der große Festakt statt. Die Eheschließung war verbunden mit einer zeremoniellen Festkrönung BARBAROSSASdurch den Erzbischof von Vienne, der staatsrechtlich unerheblichen Krönung HEINRICHS zum König von Italien durch den Patriarchen von Aquileja und der Krönung Konstanzes zur Königin durch einen deutschen Bischof. Die Erhebung Konstanzes zur Königin war im Rahmen der ganzen Veranstaltung ein Randereignis, und es ist nicht einmal überliefert, welcher Bischof die Weihe vollzog. Die Veranstaltung war eine Selbstdarstellung des staufischen Reichsgedankens, und weil der Papst sie nicht mit einer Kaiserkrönung HEINRICHS verbinden wollte, hatte man Mailand als Ort und die Abfolge von Krönungen als Form gewählt. Der große Schritt wurde noch nicht getan, aber die Tendenz zu einem von der Weihe durch den Papst unabhängigen Kaisertum war da.
Die Hochzeit selber war also ein großer Akt staufischer Politik und Konstanze dabei nicht viel mehr als eine Statistin. Und in der folgenden Zeit erging es ihr nicht besser. Bis Mitte 1188, also noch zweieinhalb Jahre lang, blieb HEINRICH in Oberitalien, und auch Konstanze mußte sich dort aufhalten. Aber wir haben keinen Anhaltspunkt dafür, wo sie gelebt haben könnte, ob sie eher mit HEINRICH mitzog oder, was wahrscheinlicher ist, in einer Pfalz lebte und auf seine sporadischen Besuche wartete. Denn 1187 führte HEINRICHKrieg im Kirchenstaat. Die so lange ungelösten Fragen der weltlichen Herrschaft des Papstes, der mathildischen Güter und des imperialen Anspruchs auch auf die Kontrolle des Kirchenstaates schienen jetzt reif für eine endgültige Lösung im staufischen Sinn. Diplomatisch war diese Aktion gut vorbereitet, denn seit Mai 1187 gab es ein Bündnis der STAUFER mit dem französischen König Philippe Auguste, das sich zwar gegen die ANJOU-PLANTAGENET und Heinrich den Löwen richtete, aber den Papst auch ohne Hoffnung auf französische Hilfe ließ. Die andere große Aufgabe, mit der BARBAROSSAseine kaiserliche Führungsrolle zum Ausdruck bringen wollte, war der Kreuzzug, den die westliche Christenheit unter seiner Führung unternehmen sollte, um im Osten zu einer endgültigen und dauerhaften Sicherung der Heiligen Stätten und der Kreuzfahrerstaaten zu kommen.
Die Nachrichten aus dem Heiligen Land waren schlecht, denn im Juli 1187 hatte Sultan Saladin die Kreuzfahrer geschlagen und im Oktober Jerusalem zurückerobert. Das erleichterte dem neuen Papst Clemens III., von einigen Positionen seines Vorgängers abzurücken, um zu einem Ausgleich zu kommen. So konnte HEINRICH in der 2. Jahreshälfte 1188 nach Deutschland zurückkehren, um sich von seinem Vater die gesamten Regierungsgeschäfte übertragen zu lassen. Konstanze zog auch hier mit. Sie intervenierte zweimal für Verwandte ihrer Mutter aus der Champagne, aber sonst ist über ihren Aufenthalt nichts bekannt. Soweit sie nicht im Gefolge HEINRICHS mitzog, dürfte sie vor allem im staufischen Kernland zwischen Hagenau und Speyer residiert haben. Ihre von den STAUFERN aus wesentliche biologische Funktion, einen Erben auf die Welt zu bringen, hatte sie noch nicht erfüllt.
Auf einem Reichstag in Mainz im März 1188, der als "Hoftag Jesu Christi" bezeichnet wurde, nahmen der Kaiser und sein zweiter Sohn Friedrich von Schwaben das Kreuz, und viele folgten ihrem Beispiel. Als Aufbruchstag wurde der 23. April des kommenden Jahres bestimmt, der Tag des Heiligen Georg, und die Kreuzfahrer sollten sich in Regensburg versammeln. Doch vorher war noch einiges zu klären. In Goslar traf sich BARBAROSSA erneut mit Heinrich dem Löwen, und er stellte ihn vor die Wahl, auf seine Ansprüche zu verzichten, mit auf den Kreuzzug oder noch einmal drei Jahre in die Verbannung zu gehen. Der WELFE entschied sich für die Verbannung und ging wieder nach England. Auch für seine Kinder traf BARBAROSSAklare Regelungen. Haupthelfer HEINRICHS wurde sein dritter Bruder Konrad, dem die fränkischen Besitzungen und die Vertretung in Schwaben übertragen wurde. Konrad war loyal zu HEINRICHund ein unentbehrlicher Helfer, aber gewalttätig und skrupellos. Dem nächsten Bruder Ottowurde Burgund übertragen, der jüngste PHILIPP, war für den geistlichen Stand bestimmt. Aber noch gab es aus der Reihe der Söhne keine Kaiserenkel.

Die Katastrophe von 1191

Im April 1189 sammelten sich die Kreuzfahrer in Regensburg und zogen dann der Donau entlang nach Osten. Der riesige Zug - die Quellen sprechen von 100.000, aber auch die 12.000 mit denen man heute rechnet, stellten ein erhebliches organisatorisches Problem dar - erreichte im Spätherbst den Balkan und überwinterte dort nach Verhandlungen mit dem byzantinischen Kaiser. Im Frühjahr 1190 setzten die Kreuzfahrer nach Kleinasien über, und dort fand BARBAROSSA im Juni 1190 im Fluß Saleph den Tod. Sein Sohn Friedrich führte den Kreuzzug weiter, aber er starb im Frühjahr 1191 bei der Belagerung Akkons. Dafür erreichten englische und französische Verstärkungen unter dem neuen englischen König Richard Löwenherz den Kreuzzug. Aber der große von BARBAROSSAerhoffte Erfolg blieb aus.
Seit April 1189 stand also HEINRICH in der alleinigen Verantwortung für das Reich. Alles war gut vorbereitet worden, er war seit langem an der Gestaltung der kaiserlichen Politik beteiligt und davon überzeugt, dass er sie genau so fortführen könnte. Aber der Wegfall der väterlichen Autorität machte sich sofort bemerkbar. Schon im Oktober 1189 kehrte Heinrich der Löwe nach Deutschland zurück. Heinrich II. von England, sein Schwiegervater, war im Sommer 1189 gestorben, und von seinem Schwager Richard Löwenherz erwartete er sich keine Hilfe. An das Versprechen gegenüber BARBAROSSA fühlte er sich nicht mehr gebunden, auch wenn er dieses Argument erst nach dem Tod des Kaisers benutzen konnte. Er fand bei einer Reihe von Fürsten Unterstützung, die nach der langen Regierungszeit BARBAROSSAS gern wieder etwas mehr die fürstliche Unabhängigkeit betont hätten. Das war eine Herausforderung, auf die HEINRICH reagieren mußte.
Bevor HEINRICH sich aber gegen den WELFEN wenden konnte, erreichten ihn bestürzende Nachrichten aus Italien. König Wilhelm II. von Sizilien war überraschend am 18. November 1189 gestorben. Die Adligen und Barone, die fünf Jahre vorher in Troia die Erbfolge Konstanzes und HEINRICHS beschworen hatten, wollten den Deutschen nicht als König. Der Führer der antideutschen Richtung war der Kanzler Mattheus von Ajello. Papst Clemens III. entband die Herren von ihrem Schwur, und sie entschieden sich für den Grafen Tankred von Lecce, der am 18. Januar 1190 in Palermo zum König gekrönt wurde. Die Nachricht muß bei HEINRICH und Konstanze sehr verschiedene Reaktionen ausgelöst haben. Konstanze trauerte um ihren Neffen Wilhelm, der ihr menschlich so nahe gestanden hatte, und das umso mehr, weil sie in Deutschland oder gar in ihrem Mann keinen Ersatz gefunden hatte. Den Kampf um das Erbe empfand sie als Vermächtnis und Verpflichtung. HEINRICHdagegen hatte keinerlei emotionale Bindung zu diesem Königreich, das er noch nie betreten hatte. Er empfand nur ohnmächtigen Zorn darüber, dass hier seine großen imperialen Träume gestört und vielleicht zerstört wurden. Für ihn war es eine Rebellion, die mit Gewalt zerschlagen werden mußte. Ob und wie weit HEINRICH Konstanze über seine Pläne informierte oder gar ihren Sachverstand und ihre Kenntnis der führenden Persönlichkeiten nutzte, ist nicht bekannt, aber die Art seines Vorgehens spricht dagegen.
Die Situation in Deutschland verhinderte eine sofortige Reaktion. Aber Heinrich der Löwe erschien jetzt als sekundäres Problem. Im Juli 1190 wurde in Fulda ein Frieden geschlossen, auf dessen Grundlage Heinrich der Löwe im Land bleiben und einen Teil seiner Rechte zurückerhalten konnte. Zwei Söhne sollten als Geiseln im Gefolge König HEINRICHS mit nach Italien ziehen, um den Löwen an seine Versprechungen zu binden. Die Nachricht vom Tod BARBAROSSAS, die bald danach eintraf, verhinderte den sofortigen Italienzug. Erst im Januar 1191 erschien HEINRICH VI. mit einem Heer und mit Konstanze im Gefolge in der Lombardei. Er wollte sich in Rom zum Kaiser krönen lassen und dann in seiner neuen Würde den Kampf um Sizilien aufnehmen.
Im März starb Papst Clemens III., und die Kardinäle wählten den Ältesten aus ihren Reihen zum Nachfolger. Coelestin III. war ein zäher Gegner. Zuerst schob er seine Konsekrierung hinaus, denn erst nach seiner Weihe zum Papst konnte er einen Kaiser krönen. Um Druck auf ihn auszuüben, mußte HEINRICHsich mit den Römern verständigen. Er lieferte ihnen die kleine Stadt Tusculum, die die Römer als Konkurrenz empfanden und die immer kaisertreu gewesen war, zur Plünderung und Zerstörung aus. Dafür wurde er am Ostersonntag von dem neuen geweihten Papst zum Kaiser gekrönt. Konstanze war vermutlich anwesend, aber sie wurde nicht mitgekrönt. Von Rom aus begann HEINRICH die Eroberung Süditaliens mit der Belagerung Neapels, das von der See her durch pisanische Schiffe blockiert wurde. Mit der steigenden Sommerhitze nahmen Durchfallerkrankungen, Ruhr und Malaria im deutschen Heer dramatisch zu, und HEINRICH, der sich selbst eine Malaria zuzog, von der er sich nie mehr ganz erholen sollte, mußte die Belagerung ergebnislos abbrechen.
Konstanze wollte der Kaiser in seiner Nähe haben, weil ihr Erbanspruch je sein Rechtstitel war. Sie hielt sich in Salerno auf, das sich für HEINRICH und Konstanze erklärt hatte. Als die Nachricht vom Zusammenbruch der kaiserlichen Macht eintraf, schlug die Stimmung in der Stadt um. Konstanze konnte nur den freien Abzug ihrer deutschen Begleitung erreichen, sie selber wurde gefangengenommen und dem König Tankred übergeben. Wilhelm und Konstanze waren Gegner Tankreds gewesen, und nicht alle, die sich gegen HEINRICH und für ihn als König ausgesprochen hatten, waren seine unbedingten Anhänger. Wahrscheinlich eher wegen der Sympathien, die Konstanze überall entgegengebracht wurden, als aus innerer Vornehmheit behandelte Tankred seine 20 Jahre jüngere Tante und Konkurrentin zuvorkommend. Sie erhielt das Kastell von Neapel als Haftort zugewiesen.
Tankred wurde Mitte 1192 von Papst Coelestin als König anerkannt und offiziell mit Sizilien belehnt. Dafür übergab er seine Gefangene Abgesandten des Papstes, die sie nach Rom bringen sollten. Wahrscheinlich wollte der Papst sie dann in einer großen Geste an HEINRICH zurückgeben und damit gleichzeitig Verhandlungen einleiten. Aber unterwegs traf die Reisegruppe auf eine bewaffnete deutsche Schar, die die Gemahlin des Kaisers aus den Händen der Päpstlichen "befreite" und sie an Rom vorbei nach Deutschland zurückbrachte. HEINRICHhatte Italien schon Ende 1191 verlassen. Die großartig in Angriff genommene Eroberung des sizilischen Erbes war kläglich gescheitert, der Papst hatte seine Oberlehensherrschaft über Sizilien neu zum Ausdruck bringen können, und Tankred war fest etabliert und konnte seinen Sohn Roger zum Mitkönig einsetzen lassen. Die Bilanz der ersten Jahre HEINRICHS VI. war von spektakulären Mißerfolgen gekennzeichnet.

Zweiter Deutschlandaufenthalt

Der zweite Deutschlandaufenthalt Konstanzes dauerte von Herbst 1192 bis Pfingsten 1194. Er war noch unerfreulicher als der erste. Denn Konstanzewar für HEINRICHnicht nur eine Art Geisel, ein Wechsel auf eine bessere politische Zukunft, in der er Sizilien wieder für sich reklamieren konnte, sondern auch die Zeugin seines Versagens, die Vertreterin des Landes, das ihn zurückgestoßen hatte. Dazu kam der wachsende Druck, wenn ihren sicher nur sporadischen Begegnungen nicht die langerwartete Schwangerschaft folgte, die Vorwürfe, dass die Familie König Rogers zur Unfruchtbarkeit und zum Aussterben verurteilt sei. Wenn die Ehe kinderlos blieb, und das war wahrscheinlich, denn sie waren seit acht Jahren verheiratet und Konstanze inzwischen 38, dann war Konstanze nur noch der Rechtsgrund, mit dem HEINRICH Sizilien dem STAUFER-Reich einverleiben konnte. Konstanze hatte sich auf die Ehe mit HEINRICH eingelassen, um die Erbfolge Tankreds zu verhindern, aber in ihrer jetzigen Lage mußte ihr Tankred als König noch lieber sein als die Übernahme ihres väterlichen Reiches durch die STAUFER.
Konstanze wird in dieser Zeit nur einmal erwähnt, und zwar anläßlich einer Begegnung mit dem englischen König Richard Löwenherz in Hagenau. Richard war ein großer Ritter und Kämpfer, aber gleichzeitig auch grenzenlos selbstüberzeugt, anderen gegenüber unverschämt und in seinen Zielen und Wegen skrupellos. So konnte es nicht ausbleiben, dass er sich überall, wo er auftrat, auch persönliche Feinde machte. Kaiser HEINRICH und der französische König hatten sich abgesprochen, ihn auf dem Rückweg vom Kreuzzug abzufangen. Das hätte einer früheren Generation noch als unritterlich und unchristlich gegolten, aber die Zeiten hatten sich geändert. Richard versuchte, von Aquileja aus in Verkleidung über die Alpen zu kommen, aber er fiel mit seinem Benehmen aus der Rolle und wurde erkannt. Den BABENBERGER Leopold von Österreich, der ihn Ende 1192 in Haft nahm, hatte er auf dem Kreuzzug schwer beleidigt, seine Fahne heruntergerissen und in den Dreck getreten. Leopold lieferte ihn gegen eine Beteiligung am mutmaßlichen Lösegeld an Kaiser HEINRICH aus. Richard Löwenherzsaß dann auf dem Trifels ein, nicht im tiefen Kerker, sondern in ritterlicher Haft, während die Verhandlungen über das Lösegeld liefen. Richards Bruder Johann wollte die Auslösung verhindern, weil er dann König geworden wäre, aber die englischen Städte und Grafschaften brachten gegen seinen Willen die riesigen Summen auf. Am 4. Februar 1194 wurde Richard Löwenherz entlassen, nachdem er HEINRICH für England den Lehenseid geschworen hatte. Bei dieser Gelegenheit trafen sich Richard und Konstanze, die beiden Faustpfänder für seinen Wiederaufstieg.
Denn mit dem englischen Geld konnte HEINRICH einen neuen Angriff auf Sizilien planen. Auch die Lage dort entwickelte sich zu seinen Gunsten. 1193 waren der vertraute Kanzler Mattheus von Ajello und Tankreds Sohn und Mitkönig Roger gestorben, und im Februar 1194 folgte ihnen Tankred selbst. Sein Nachfolger wurde der unmündige Wilhelm III. aus Tankreds zweiter Ehe mit Sibylle von Acerra, die die Regentschaft führte. Die süditalienischen Barone hatten sich Tankred nur formal gebeugt und alles versucht, um ihre frühere Selbständigkeit wiederzugewinnen. Schon Tankred hatte eine Reihe von Zugeständnissen machen müssen, um überhaupt König zu werden, und die Schwächung der königlichen Gewalt durch seinen Tod bestärkte die Auflösungstendenzen in Süditalien. Die Verhältnisse luden zu einem Eingreifen geradezu ein, und mit dem englischen Lösegeld waren auch die Mittel dazu vorhanden.

Geburt des Sohnes und Rückkehr

Im Mai 1194 brach HEINRICH vom Trifels aus nach Italien auf, und Pfingsten feierte er in Mailand. Dort wurde das Heer noch verstärkt und der Krieg politisch vorbereitet. Denn um Sizilien zu erobern, brauchte man eine Flotte, und die stellten die Handelsstädte Genua und Pisa, natürlich um den Preis von Zugeständnissen, denn sie sahen im Königreich Sizilien vor allem die unliebsame Konkurrenz. Von da aus ging es im Sommer nach Süditalien. Salerno, das 1191 die Kaiserin an Tankred ausgeliefert hatte, wurde zur Strafe zerstört. Auch sonst wurde die neue königliche Macht unerbittlich zur Geltung gebracht. Mit der vom Reichstruchseß Markward von Annweiler befehligten Flotte gelang die Einnahme von Palermo, und am 20. November hielt der Kaiser dort feierlichen Einzug. HEINRICH sah sich als von Anfang an legitimen König und die Regierung Tankreds nur als zeitweilige Usurpation, und er handelte entsprechend.
Die Anhängerschaft Tankreds wurde blutig verfolgt und vernichtet. Die Königin-Witwe Sibylle und ihr Sohn Wilhelm kamen nach Deutschland ins Exil. Wilhelm wurde später auf Befehl HEINRICHS geblendet. Die königlichen Festungen ließ HEINRICHmit deutschen Truppen belegen, und wichtige Positionen übertrug er Vertrauten vor allem "schwäbischer" Abkunft, Angehörigen des kleinen Adels oder Ministerialen, die hier zu hohen Ämtern aufstiegen. Sie stammten überwiegend aus dem staufischen Kernbereich links und rechts des Rheins, aber da die STAUFER in Italien und Frankreich als das Schwäbische Haus bezeichnet wurden, galten ihre Dienstleute eben als Schwaben. Den Schatz der Normannenkönige, den ihm die Königin-Witwe Sibylle übergeben hatte, ließ HEINRICH zur Finanzierung weiterer Unternehmungen nach Deutschland auf den Trifels überführen. Am 25. Dezember wurde er in Palermo zum König gekrönt.
Die blutige und gewalttätige Übernahme und Festigung der Macht fällt vielleicht insgesamt nicht aus dem im normannischen Königreich üblichen Rahmen, denn nur mit Härte und Brutalität war es überhaupt möglich gewesen, dieses Königreich zu errichten und zu stabilisieren. Und HEINRICH verstand sich nicht als vorläufiger Regent, sondern das war für ihn eine endgültige Besitznahme. Er hatte durchaus eine Vision von der weiteren Entwicklung seines Hauses und seines Reiches. Neben den staufischen Komplex aus Hausgut und Reichsgut in SW-Deutschland, der meistens pauschal als Herzogtum Schwaben bezeichnet wird, sollte das Königreich Sizilien als zweites direkt von den STAUFERN kontrollierte Provinz treten. Dazwischen lag dann der Kirchenstaat und die Lombardei, wo mit Hilfe der kaiserlichen Rechte die tatsächliche Machtstellung ausgebaut werden konnte. Im übrigen deutschen Königreich wie in Burgund war die kaiserlich-königliche Gewalt deutlich eingeschränkter. HEINRICH war hier durchaus zu großen Lösungen bereit. Mit dem Papst führte er Verhandlungen, die die Verfügung über den Kirchenstaat wie über die mathilidischen Güter endgültig klären sollten, und zwar im Sinn eines Ausgleichs, der die Herrschaftsausübung beim Kaiser ließ, der Kirche aber ein regelmäßiges Einkommen sicherte. Ebenso verhandelte er mit den deutschen Fürsten, denen er größere Selbständigkeit in ihren Territorien anbot, wenn sie dafür der Erblichkeit des Königtums in der STAUFER-Familie zustimmten. Der Besitz des Königreichs Sizilien wie der normannische Staatsschatz spielten in diesen Plänen eine herausragende Rolle.
Konstanze war bei der Eroberung ihres Königreichs nicht dabei. Sie war mit dem Heer nach Mailand gekommen, und ausdrücklich bezeugt ist der Aufenthalt der schwangeren Kaiserin im Kloster S. Vittore in Meda. Das zu dieser Zeit nicht mehr erwartete Ereignis der Schwangerschaft war sicher ein Grund, warum sie nicht mit dem Heer nach Süden ging, sondern sich den Sommer über noch in Oberitalien aufhielt und erst bei nachlassender Hitze langsam nach Süden zog. Aber vielleicht wollte sie auch bei der ersten Inbesitznahme nicht dabei sein, aus einem Gefühl der Ohnmacht, weil sie wußte, wie HEINRICH vorgehen würde, und weil sie selbst anders vorgegangen wäre oder manche der Opfer kannte. Am 26. Dezember 1194, einen Tag nach HEINRICHS Krönung in Palermo, brachte sie in der kleinen Stadt Jesi bei Ancona ihr Kind zur Welt. Ob der Ort Zufall war oder sie ihn bewußt ausgewählt hat, weiß man nicht. Die Legende sagt, sie habe das Kind auf dem offenen Marktplatz bekommen, um vor aller Welt zu zeigen, dass es wirklich ihr Kind war. Aber das stimmte wohl nicht, und es war auch nicht nötig, denn solche Geburten fanden immer in einer gewissen Öffentlichkeit und unter Zeugen statt, um allen möglichen Gerüchten vorzubeugen.
In einer späteren Quelle wird berichtet, dass sie den Sohn ROGER KONSTANTIN genannt habe, also nach dem Namen ihres Vaters und ihres eigenen. Aber das ist keineswegs sicher und sogar eher unwahrscheinlich, denn Petrus von Eboli, ein Kleriker und Arzt, der 1195 ein Gedicht zum Lob HEINRICHS und Konstanzes abschloß, nannte das Kind ROGER FRIEDRICH, mit den Namen der beiden Großväter. Konstanze war 40, als sie dieses Kind bekam, und die späte Schwangerschaft nach 8-jähriger Kinderlosigkeit war natürlich der Anlaß für eine Reihe von Gerüchten, vor allem als dieses Kind später als FRIEDRICH II. in der päpstlichen Propaganda zum Antichrist und zur Ausgeburt der Hölle umgedeutet wurde. Aber zeitgenössisch waren diese Zweifel nicht. Konstanze schickte offenbar eine Art "Geburtsanzeige" an verschiedene Städte, etwa nach Lucca. Von HEINRICH ist ein Brief an den Erzbischof Walter von Rouen vom 20. Januar 1195 enthalten, in dem er seinen "geliebten Freund" nicht nur von der glücklichen Inbesitznahme des Königreichs Sizilien berichtet, sondern auch die Geburt des Sohnes mitteilt und ihn auffordert, sich mit ihm darüber zu freuen.
Konstanze behielt den Sohn nicht lange bei sich. Sie überließ ihn schon nach wenigen Wochen der Fürsorge der Herzogin von Spoleto. Der Herzog war ein schwäbischer Ritter, Konrad von Urslingen, der im Gefolge des Kaisers Karriere gemacht hatte und zu den Vertrauten HEINRICHS VI.gehörte. Seine Frau hatte er vielleicht aus Schwaben mitgebracht, aber wahrscheinlicher entstammte sie einer italienischen Adelsfamilie, mit der er sich verbunden hatte. Die Familie residierte in Foligno, wo Konstanze vor neun Jahren zum ersten Mal mit BARBAROSSA zusammengetroffen war. Dort blieb das Kaiserkind drei Jahre, und Konstanze sah den kleinen FRIEDRICH ROGER vermutlich nur einmal bei der offiziellen Taufe, die Ende 1196 oder Anfang 1197 in Anwesenheit beider Eltern stattfand.
Konstanze reiste allein nach Bari weiter und traf dort mit HEINRICH zusammen. Auf dem Reichstag von Bari an Ostern 1195 wurden weitreichende Entscheidungen gefällt. Der jüngste Bruder des Kaisers, PHILIPP von Schwaben, hatte 1193 auf seine geistliche Karriere verzichtet und wurde jetzt zum Herzog von Tuszien ernannt und damit eine Art Vertreter HEINRICHSfür N-Italien. Konrad von Urslingen war für Mittelitalien verantwortlich. Konstanze, die sich mit der Geburt des Erben im staufischen Sinne "bewährt" hatte und jetzt auch wieder als zuverlässig galt, weil sie ja ihr väterliches Erbe für den Sohn erhalten wollte, wurde Regentin für HEINRICH im Königreich Sizilien und zur Königin gekrönt. HEINRICH hatte die Angelegenheiten in Italien in seinem Sinn geordnet und konnte nach Deutschland zurückkehren.
Konstanze residierte wieder in Palermo. Mit PHILIPP von Schwaben arbeitete sie vermutlich gut zusammen, er war der angenehmste und umgänglichste der BARBAROSSA-Söhne und mehr auf Ausgleich aus als auf gewalttätiges Durchsetzen. Auch mit Konrad von Urslingen hatte sie keine Probleme. Konstanze vertrat die kaiserliche und königliche Politik als "imperatrix semper augusta et regina Sicilie". So protestierte sie 1195 beim Papst, weil er sich in kirchliche Angelegenheiten eingemischt und damit gegen die alten Abmachungen verstoßen hatte. In der großen Linie gab es keine Differenzen, wohl aber in der Beurteilung der Lage in Sizilien. In wichtigen Spitzenstellungen saßen hier Deutsche, die die Regentin mißtrauisch beobachteten und immer Verschwörungen witterten, wenn nur irgendwo italienisch gesprochen wurde, und erst recht, wenn Konstanze andere als sie zu Beratungen oder Entscheidungen heranzog. Dabei wäre eine gewisse Vermittlung notwendig gewesen, denn die harte Unterdrückung der Gegner eines deutschen Königs, die landfremde Verwaltung und das Ausplündern des Staatsschatzes hatten große Erbitterung hervorgerufen. Konstanze versuchte vielleicht, an die Traditionen ihres Neffen Wilhelms II. anzuknüpfen, aber in dieser Situation mußte jeder Versuch einer Abmilderung sie in den Verdacht der Zusammenarbeit mit der jeweils anderen Seite bringen.

In der Verantwortung für den Sohn

Ende 1196 kehrte HEINRICH VI. nach Italien zurück. Seine großen Pläne hatte er bis jetzt nicht durchsetzen können, aber immerhin war sein 2-jähriger Sohn FRIEDRICH in Deutschland zum König gewählt worden. Bei der Taufe des Sohnes war die Familie wohl zum ersten Mal vereinigt. HEINRICH hatte eigentlich eine großartige Feier mit gleichzeitiger Taufe und Salbung durch den Papst gewollt. Das hatte nicht geklappt, so wurde die Taufe im kleinen Rahmen vollzogen und nicht einmal der Tag und der Ort sind überliefert. In Sizilien wollte HEINRICH jedoch nicht nur die Familie sehen, sondern noch einmal hart durchgreifen, um jeden Widerstand zu brechen. Auf einem Hoftag in Capua im Dezember 1196 wurde der Bruder der Königin Sibylle, Graf Richard von Acerra, verurteilt und hingerichtet. Gleichzeitig ließ HEINRICHeine neue Steuer und eine Überprüfung aller bisherigen Schenkungen und Verleihungen ankündigen. Das führte zu einer Verschwörung. HEINRICHsollte auf der Jagd gefangengenommen werden, aber er wurde gewarnt und konnte nach Messina entkommen.
Von der Seite der deutschen "Besatzer" aus wurde Konstanze offen verdächtigt, an der Verschwörung beteiligt gewesen zu sein. HEINRICH wird das wohl nicht geglaubt haben, denn die Verschwörer wollten einen der Ihren zum neuen König machen. Aber es gab sicher eine tiefergehende Auseinandersetzung um die richtige Behandlung des Königreichs, wobei Konstanze die Linie ihres Neffen Wilhelms "des Guten" vertrat und für mehr Autonomie eintrat. Die Differenzen wurden auch im Rat diskutiert und ausgetragen und waren allgemein bekannt.
Damit war ein guter Nährboden für Gerüchte und Denunziationen gegeben. Insbesondere Markward von Annweiler scheint ein spezieller Feind Konstanzes gewesen zu sein. Immerhin sind sich die Quellen darüber einig, dass die Kaiserin gezwungen wurde, bei den Hinrichtungen anwesend zu sein. Das war HEINRICHS Strafe für ihre hartnäckige Widersetzlichkeit, und in ihren persönlichen Beziehungen war ein Tiefpunkt erreicht, als der Kaiser sich Ende Juli in Palermo verabschiedete. Er wollte sich in der Nähe von Messina erholen, bevor er von Messina aus zu dem geplanten Kreuzzug aufbrach. Aber ein Ausbruch der seit 1191 nie ganz ausgeheilten Malaria warf den 32-jährigen aufs Krankenbett, und am 28. September 1197 starb er in Messina.
Der Tod HEINRICHS VI.ist einer der tiefen Einschnitte in die deutsche und europäische Geschichte. Ob ihm die Verwirklichung seiner Pläne gelungen wäre, wenn er 20 Jahre mehr Zeit gehabt hätte, ist eine müßige Frage. HEINRICH hatte zwar wegen des geplanten Kreuzzugs einige Vorkehrungen getroffen, aber die Nachfolge war noch nicht klar geregelt. PHILIPP von Schwabenwar beauftragt, den kleinen FRIEDRICH zur Krönung nach Deutschland zu holen. Auf die Nachricht vom Tod des Kaisers hin brachen in Mittelitalien überall Aufstände gegen die Deutschen los. PHILIPP kam nicht nach Foligno durch. Konstanze gab zwei Vertrauten den Auftrag, ihren Sohn nach Sizilien zu holen. Mit dieser Entscheidung setzte sie einen klaren Akzent. Sie hätte versuchen können, die erheblichen deutschen Kräfte in Italien zusammenzuziehen und gemeinsam mit PHILIPP von Schwaben die Lage zu stabilisieren, um dann als Kaiserin-Witwe im Schutz ihres Schwagers in Deutschland zu erscheinen und dort für ihren Sohn das staufische Erbe und die Königswürde in Besitz zu nehmen. Aber sie holte den kleinen FRIEDRICH nach Sizilien und brach den politischen Kontakt zur STAUFER-Familie ab.
Diese Entscheidung Konstanzes ist in ihrer Tragweite nicht immer ganz gewürdigt worden. Konstanze ließ die große Vision HEINRICHS fallen, der seine Reich auf der Basis von Schwaben und Sizilien hatte aufbauen wollen. Vielleicht hielt sie den Plan unter den neuen Umständen für nicht mehr realisierbar, oder sie hatte ihn immer für einen Traum gehalten. Auf jeden Fall fühlte sie sich nicht als deutsche Königin, ihre Erinnerungen an die Jahre in Deutschland waren nicht glücklich, und die Verantwortung, die sie empfand, galt ihrem Königreich, dem Erbe ihres Vaters, das sie ihrem Sohn erhalten wollte. Dafür verzichtete sie faktisch auf seinen deutschen Anspruch und brachte ihren Schwager PHILIPP in eine schiefe Lage. Denn der Erzbischof von Köln, einer der hartnäckigen Widersacher HEINRICHS, nutzte die Gelegenheit, um gegen die STAUFEReinen eigenen König aufzustellen. Nachdem andere Fürsten sich geweigert hatten, wurde schließlich mit Hilfe von Richard Löwenherz dessen Neffe OTTO von Braunschweig, ein Sohn Heinrichs des Löwen, zum König gewählt und im Juli 1198 in Aachen gekrönt. OTTO war in Frankreich aufgewachsen und von Richard zum Grafen von Poitou ernannt worden. PHILIPP von Schwaben mußte dieses Gegenkönigtum im Namen eines noch nicht gekrönten Kindes bekämpfen, das unter der Obhut seiner Mutter in Sizilien lebte und auf Anfragen nicht reagierte. Weil die Situation für den staufischen Anhang unhaltbar war, ließ sich PHILIPP  im März 1198 zum König wählen. Er wurde im September in Mainz mit den richtigen Reichsinsignien gekrönt, aber welcher Gewählte und Gekrönte nun der richtige König war, blieb offen. Der Thronstreit in Deutschland dauerte 10 Jahre, die viel Kraft kosteten und eine aktive Politik in Italien verhinderten.
Konstanze ließ ihren Ehemann wie einen normannischen König im Dom von Palermo beisetzen, in einem eigens angefertigten Porphyrsarg. Seit Dezember stellte sie die Urkunden gemeinsam mit ihrem Sohn FRIEDRICH aus. Dem von HEINRICH eingesetzten deutschfreundlichen Kanzler Walter von Pagliara entzog sie das Siegel und ließ ihn einsperren. Alle von HEINRICH eingesetzten deutschen Berater und Beamten wurden abgesetzt und des Landes verwiesen. Auch diese Maßnahmen zeigen deutlich ihre Absage an eine Weiterführung der gemeinsamen Politik und ihre Konzentration auf Sizilien. Konstanze wollte ihrem Sohn die normannische Königsmacht ziemlich unbeschädigt erhalten und weitergeben, und dafür setzte sie ihre ganze Kraft ein. Der Verzicht auf das Bündnis mit Deutschland hatte die Lage in Sizilien entspannt, und sie nahm die Regierungsgewalt nach innen und außen mit großem Erfolg wahr.
Die schwierigste Frage war die Verständigung mit dem Papst, der der Oberlehnsherr von Sizilien war und den neuen König anerkennen mußte. Konstanze fühlte vielleicht, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb, und dann konnte ihr unmündiger Sohn nur mit Zustimmung und Billigung des Papstes das Königtum halten. Der alte Papst Coelestin, der HEINRICH so zäh widerstanden hatte, überlebte ihn nur um wenige Monate. Sein Nachfolger seit Dezember 1197 war Innocenz III., ein italienischer Adliger und Kirchenjurist, der in der Verbindung von Deutschland und Sizilien eine große Gefahr für die Kirche und ihre Machtstellung in Italien sah. Mit ihm mußte Konstanze unter dem Zeitdruck ihrer nachlassenden Gesundheit verhandeln. Sie verzichtete schließlich auf die besonderen Rechte, die der sizilische König als päpstlicher Legat bisher gegenüber seiner Kirche gehabt hatte, und für ihren Sohn verzichtete sie auch auf dessen Rechte in Deutschland. Dafür anerkannte der Papst FRIEDRICH als König von Sizilien. So konnte Konstanze ihren Sohn am 17. Mai 1198 im Dom von Palermo krönen lassen. Unter großen Opfern hatte sie ihr Ziel erreicht. Ob sie in diesen Monaten viel Zeit für den vertrauten Umgang mit dem Kind und für seine Unterweisung als König hatte, ist nicht klar. Möglicherweise hat sie ihn doch zu vielen Verhandlungen und Staatsakten mit zugezogen. Auf jeden Fall hat FRIEDRICH seiner Mutter und Königin immer mit großer Ehrfurcht und Dankbarkeit gedacht. Konstanze starb am 27. November 1198. In ihrem Testament übertrug sie dem Papst die Vormundschaft für den knapp 4-jährigen König. Sie wurde wie ihr Mann in einem Porphyrsarg im Dom von Palermo beigesetzt.