Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1546
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Schottland
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HISTORISCHE ENTWICKLUNG
Das Königreich von Schottland entstand aus der Vereinigung
(um 850) des Königreiches der Pikten mit dem Königreich
Dal Riada und umfaßte die Quellen keltisch sprechenden Bevölkerungsgruppen
der Schotten die sich seit ca. 500 im südwestlichen Schottland ansässig
waren. Geographisch bestand Schottland bis ca. 1018 aus dem Gebiet Britanniens
nördlich der Clyde-Forth-Landenge, einschließlich der Northern
und Western Isles. Die königliche Dynastie wurde begründet von
Kenneth I. Mac Alpin, die bis 1034 vom Bruder auf den Bruder
sowie auf Neffen oder Vettern des letzten Herrschers überging, infolge
von Herrschaftsformen, die noch nicht völlig geklärt sind. Nach
1018 wurde das Königreich Cumbria (oder Strathclyde) an Schottland
angeschlossen, so daß sich die südlichen Grenzen bis zum englischen
Lake District erweiterten. Um ca. 950 wurde außerdem die Provinz
von Lothian von den Schotten eingegliedert, so daß die östliche
Grenze Schottlands zu England nun am River Tweed lag. Malcolm
II. (1005-1034) war der erste Herrscher des Landes, das wir
heute unter Schottland verstehen, während sein Enkel Malcolm
III. Canmore das Gebiet südlich des Solway Firth 1092 an
die englische Herrschaft abtreten mußte. Die zweite Frau von Malcom
III. war die heilige Margarete,
Tochter von Eduard dem AEtheling, Halbbruder
von Eduard dem Bekenner. Die Heirat
traf zusammen mit der normannischen Eroberung Englands und bekräftigte
die Bindungen zwischen Schottland und England. Sowohl Malcolm
II. als auch Malcolm III. hatten
versucht, die schottische Thronfolgeordnung in Einklang mit der von Frankreich
und auch - allerdings unregelmäßig - mit der von England zu
bringen. Als bei dem Tod Malcolms III.
(1093) konservative schottische Adlige zu der äleren Nachfolgeordnung
der Seitenverwandten zurückkehren wollten, zwang der sich daraus ergebende
Konflikt, drei Söhne Malcolms,
Edgar, Alexander
I. und David I., Gefolgsleute
der normannischen Könige, Wilhelm II. Rufus
und Heinrich I., zu werden, aber als
Heinrich 1135 starb, schüttelte
David I. die letzten Spuren der englischen
Oberherrschaft ab und gewann die südlichen Teile von Cumbria zurück,
die von Wilhelm Rufus annektiert worden
waren.
Während der Regierung Davids
I. wurde der militärische Feudalismus, der sich, allerdings
mit einigen bedeutenden Unterschieden, eng an anglo-normannischen Vorbildern
orientierte, vor allem Dingen im südlichen Schottland eingeführt,
er hielt das Gleichgewicht zu der älteren Organisationsform der Earldoms
und thanages im nördlichen
Schottland. Das neue System wurde unter den Enkeln Davids
I. auf den größten Teil Schottlands ausgedehnt, ausgenommen
blieben die nördlichen und westlichen Highlands. Zwischen ca. 1130
und ca.1230 wurden 26 sheriffdoms oder counties
(Grafschaften) eingerichtet, um der Krone Kontaktbereiche zu den Lokalgewalten
einzuräumen und die Eintreibung der königlichen Abgaben zu vereinheitlichen.
Es gab keine eigentliche "Hauptstadt", aber Edinburgh, Roxburgh, Stirling,
Perth und Aberdeen standen an erster Stelle innerhalb einer Gruppe von
12 oder 15 königlichen burghs, die Stützpunkte
der königlichen Macht waren.
Zwischen 1135 und 1237 wurden die anglo-schottischen
Beziehungen von den schottischen Ansprüchen beherrrscht, das Gebiet
zu kontrollieren, in dem die englischen Grafschaften von Northumberland,
Cumberland und Westmoreland entstanden. König
Wilhelm I. der Löwe wurde 1174 gefangengenommen, als er
versuchte, sich Northumberlands zu bemächtigen, infolge seiner Unterstützung
der Rebellion des ältesten Sohn Heinrichs
II. Man zwang ihn zu einer demütigenden Unerwerfung in
Falais, die besagte, daß er Heinrich
als Lehnsherrn ausdrücklich in Schottland anerkennen mußte.
1189 wurde diese Unterwerfung gegen eine Zahlung von 10.000 Mark widerrufen,
doch wurde der schottische Anspruch auf die nördlichen Grafschaften
bis 1237 erhoben als der Vertrag von York die anglo-schottische Grenze
ungefähr auf die bis heute bestehende festlegte, mit Ausnahme von
Berwick-upon-Tweed, das noch bis 1482 zu Schottland gehörte.
Seit dem 9. Jh. gelangten Siedler aus Norwegen auf die Northern Isles und
die Western Isles (Hebriden), die jedoch ausdrücklich seit 198) keinen
Teil des schottischen königreiches bildeten. Die aggresive Politik,
welche die schottischen Könige Alexander
II. und Alexander III. gegenüber
den Western Isles vertraten, war eine Folge ihrer Eingliederung in Schottland
durch den Vertrag von Perth (1266), in dem der König von Norwegen
die Oberherrschaft gegen eine jährliche Zahlung abtrat. Die Erwerbung
der Inseln (einschließlich von Man) verlieh Schottland Macht genug,
um der englischen Monarchie Furcht einzuflößen. Beim Tod Alexanders
III., der keine Söhne hinterließ, ging 1286 mit Zustimmung
der Stände die Nachfolge auf seine Enkelin Margarete
über, dem einzigen Kind König Eriks
II. von Norwegens und Alexanders
Tochter Margarete. Die schottischen
Magnaten schlossen mit Eduard I. von England den
Vertrag von Birgham, der die Heirat des englischen Thronerben, Eduard
II., mit dem "Maid of Norway" vorsah. Doch starb Margarete
bald nach der Bestätigung des Vertrags (1290). Eduard
I. kehrte nun zu den alten Ansprüchen auf die englische
Oberherrschaft über Schottland zurück und berief einen Hoftag
ein, der die schottische Krone John Balliol
zuerkannte. Eduards bedrückendes
Verhalten gegenüber dem neuen König trieb die Schotten in einen
Vertrag mit König Philipp IV. von Frankreich
(Beginn der "Auld Allince"), worauf England in Schottland einfiel
und König John zur Abdankung zwang.
Während des ersten War of Independence ("Unabhängigkeitskrieg")
erlebte Schottland dreimal (1296,1298,1303-1304) eine englische Invasion,
aber eine völlige Eroberung konnte dank eines bedeutenden Widerstands
unter der Führung von William Wallace und Robert
Bruce (Robert I.) nicht erreicht werden. Nach dem Tod Eduards
I. 1307 wurde der englische Druck auf Schottland unter seinem
Sohn Eduard II. fortgesetzt und fand
1314 seinen Höhepunkt in einem größeren englischen
Feldzug, der Stirling Castle entsetzen sollte. Roberts
Heer besiegte die Engländer entscheidend in Bannockburn,
und er erreichte die umfassende Anerkennung Schottlands als unabhängiges
Königreich. Der Vertrag von Edinburgh (1328, ein Jahr vor Roberts
Tod) sollte die anglo-schottischen Beziehungen wiederherstellen, wie sie
vor 1286 gewesen waren, doch wurde er 1332 durch die Invasion von Eduard
Balliol gebrochen, der den schottischen Thron als Erbe seines
Vaters John beanspruchte. Als
Eduard bald vertrieben wurde, nuttzte Eduard
III. 1333 diese Möglichkeit, um erneut Krieg gegen die
Schotten zu führen, und besetzte einen großen Teil Schottlands
nach seinem Sieg in Halidon Hill.
Die Wiederbelebung der Monarchie durch Robert
I. ermöglichte es jedoch dem schottischen Königreich,
die Zeit der Minderjährigkeit von Roberts
Sohn David II. zu überstehen,
der aus Sicherheitsgründen zeitweise nach Frankreich gesandt wurde.
Fünf Jahre nach seiner Rückkehr ließ er sich auf eine Invasion
Englands (1346) ein, die mit seiner Gefangennahme bei der Schlacht von
Neville's Cross endete. Die Versuche Eduards III.,
diese Versuche auszunutzen, um die Kontrolle über Schotland zu gewinnen,
scheiterten am nationalen Widerstand. Der Interimsvertrag von Berwick (1357)
ermöglichte David II. nach 11
Jahren die Rückkehr nach Schottland, unter der Auflage einer Zahlung
von 100.000 Mark. Die letzten 14 Jahre seiner Regierung waren nicht erfolglos.
Als er 1371 ohne Erben starb, ging der Thron auf den Träger des erblichen
Steward-Titels in Schottland, Robert
II., Sohn von Roberts I.
ältester Tochter Marjorie und
von Walter the Steward, über. Die STEWART-Dynastie
bestand bis 1702, wobei der Thron bis 1542 immer vom Vater auf den Sohn
vererbt wurde. Die ersten STEWARTS,
Robert II. und
Robert III., regierten eher wie
hohe Adlige denn als Könige, doch nach seiner 18-jährigen Gefangenschaft
in England (1406-1424) schuf Jakob I. ein
starkes Königtum, das trotz langer Minderjährigkeitsregierungen
auch von seinem Sohn und seinem Enkel (Jakob II.,
Jakob III.) entfaltet wurde. Doch erhielt
es die eigentliche Ausprägung erst durch seinen Urenkel Jakob
IV., der infolge einer Adelsrevolte auf den Thron berufen wurde.
Zwischen Schottland und England herrschte formal von 1357-1502 kein Frieden,
doch gab es längere Waffenstillstandsperioden. Schottland konnte sich
auf das Bündnis mit Frankreich verlassen, was dazu führte, daß
1385 erstmals ein französisches Expeditionsheer auf schottischem Boden
operierte. Doch mußten häufiger schottische Truppen aufgrund
der "Auld Alliance" in Frankreich kämpfen, wo während der Gefangenschaft
Jakobs I. viele Schotten Berühmtheit
erlangten. Das Kriegsglück schwankte zwischen Schottland und England:
Die Schotten errangen einen bemerkenswerten Sieg in Otterburn (1388), doch
erlitten sie eine schwere Niederlage bei Homildon Hill (1402). Während
nördlich des englischen Kanals zwischen 1402 und 1513 (Schlacht bei
Flodden) keine größere Schlacht zwischen Schotten und Engländern
gefochten wurde, waren viele Schotten vor dem Ende des Hundertjährigen
Kriegs in Schlachten auf französischem Boden (Bauge, Verneuil) verwickelt.
Die relativ friedvolle Zeit in Schottland selbst führte zu einem allgemeinen
Aufschwung, außer in den Grenzbereichen, wo Gesetzlosigkeit an der
Tagesordnung war. Jakob III. und Jakob
IV. konnten vollenden, was die früheren Könige angestrebt
hatten, der erste erwarb die Nothern Isles (1468-1469) durch seine Heirat
mit Margarete, Tochter König
Christians I. von Dänemark (und König von Norwegen),
der zweite konnte die Herrschaft über die Western Isles ("Lordship
of the Isles") 1493 für die schottische Krone erringen, die seit dem
frühen 14. Jh. unter der MacDonalds-Familie erstaunlich unabhängig
geblieben waren. Jakob IV. heiratete
Margarete Tudor (1503), Tochter Heinrichs
VII. von England. Diese Heirat trug zu einem beständigen
anglo-schottischen Frieden bei.
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HAUS KENNETH
| Kenneth I. | 842- 859 |
| Donald I. | 859- 863 |
| Konstantin I. | 863- 877 |
| Aedh Weißfuß | 877- 878 |
| Eochaid V. | 878- 889 |
| Donald II. | 889- 900 |
| Konstantin II. | 900- 942 |
| Malcolm I. | 942- 954 |
| Indulf | 954- 962 |
| Dubh | 962- 967 |
| Cuilean | 967- 971 |
| Kenneth II. | 971- 995 |
| Konstantin III. | 995- 997 |
| Kenneth III. | 997-1005 |
| Malcolm II. | 1005-1034 |
| Duncan I. | 1034-1040 |
| Macbeth | 1040-1057 |
| Lulach | 1057-1058 |
| Malcolm III. | 1058-1093 |
| Duncan II. | 1094 |
| Donald Bane | 1093-1094, 1094-1097 |
| Edgar III. | 1098-1107 |
| Alexander I. | 1107-1124 |
| David I. | 1124-1153 |
| Malcolm IV. | 1153-1165 |
| Wilhelm I. der Löwe | 1165-1214 |
| Alexander II. | 1214-1249 |
| Alexander III. | 1249-1286 |
| Margarete Kind aus Norwegen | 1286-1290 |
BALLIOL
| John Balliol | 1292-1296 |
| Edward Balliol | 1333-1356 |
BRUCE
| Robert I. Bruce | 1306-1329 |
| David II. Bruce | 1329-1371 |
STUART
| Robert II. | 1371-1390 |
| Robert III. | 1390-1406 |
| Jakob I. | 1406-1437 |
| Jakob II. | 1437-1460 |
| Jakob III. | 1460-1488 |
| Jakob IV. | 1488-1513 |
| Jakob V. | 1513-1542 |
| Maria Stuart | 1542-1568 |
| Jakob VI. | 1568-1603 |