Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1388
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BALLIOL
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Schottische Dynastie anglonormannischer Herkunft, benannt
nach Balleul-en-Vimeu (Department Somme); seit ca. 1100 in England ansässig,
hatte sie die Baronien Bywell (Northumbrien) und Barnard Castle (Durham)
inne. 1251 begab sich Johann (John) Balliol (+ 1268) als Vertreter
König Heinrichs III. nach Schottland.
Er heiratete Devorguilla (+ 1290), Erb-Tochter Alans, Lord of Galloway.
Das Ehepaar gründete um 1266 das Balliol College in Oxford. Beider
Sohn Johann erhob in der Great Cause
Anspruch auf die schottische Krone, da Devorguilla Balliol auch
Erbin ihrer Mutter Margarethe (Margaret),
der Tochter Davids, Earl of Huntington (+
1219), war. Johanns Ansprüche
wurden anerkannt, er selbst 1292 zum König der Schotten gekrönt.
Als englischer Adliger respektierte er stets Eduard
I., König von England, als seinen Oberherrn; von seiten
seiner schottischen Vasallen wurde die englische superioritas allerdings
mit Mißfallen betrachtet. Es erhob sich Widerstand gegen Johanns
Herrschaft, in dessen Verlauf die Auld Alliance mit Frankreich
geschlossen und Johann zum Verzicht
auf seinen Lehnseid gezwungen wurde. Eduard I.
unterdrückte die schottische Opposition und zwang Johann
1296 zur Abdankung. 1299 wurde er in päpstlichen Gewahrsam nach Frankreich
gebracht (dort + 1314 oder 1315). Sein Sohn
Eduard eroberte Schottland mit heimlicher englischer Unterstützung
und ließ sich 1332 krönen. Bald vertrieben, wurde er von König
Eduard III., dem er den Lehnseid leistete, erneut eingesetzt
(1333). Von Schotten, die König David II.
ergeben waren, wurde er 1336 wieder vertrieben. Er ließ sich in England
nieder, wo er von 1349 bis zu seinem Tod (1364, kinderlos) zu den
Parlamenten aufgeboten wurde.
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