Einziger Sohn des Königs
Diniz I. der Ackerbauer von Portugal und der
Isabella von Aragon, Tochter von König
Peter III.
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 405
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Alfons IV., König von Portugal
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* 8. Februar 1291, + 28. Mai 1357
Sohn des Königs Dionysius und der Heiligen Isabella von Aragon
oo Beatrix von Kastilien
Alfons IV. erhob sich
gegen seinen Vater, der seine unehelichen Söhne bevorzugte. Nach seiner
Thronbesteigung 1325 verbannte er den mächtigsten seiner unehelichen
Halbbrüder, was einen Krieg verursachte, der erst durch Vermittlung
der Heiligen Isabella beendet wurde.
Die unwürdige Behandlung seiner Tochter Maria
durch ihren Gatten Alfons XI. von Kastilien
führte zu einem Konflikt zwischen beiden Königreichen. Der Kastilier
gab wegen der Bedrohung durch die MARINIDEN
in der Meerenge von Gibraltar nach, gegen die er die Hilfe seines Schwiegervaters
benötigte; dieser unterstützte ihn dann auch in der siegreichen
Schlacht am Salado. Das Ende seiner Herrschaft wurde überschattet
durch die Ermordung der Ines de Castro, der Geliebten des Thronerben
Peter, der sich darauf gegen ihn erhob. Beider Versöhnung
erfolgte erst kurz vor dem Tod des Königs.
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Alfons IV. der Kühne erzwang
nach jahrelangen Streitigkeiten mit dem Vater eine Mitherrschaft in der
Algarve, folgte 1325 als König von Portugal und Algarve. Er war eine
leidenschaftliche und herrschsüchtige Persönlichkeit, vernachlässigte
viele Jahre lang die Regierung völlig, um seiner Jagd- und Prasserleidenschaft
nachzugehen und besserte sich erst nach harten Vorwürfen des Staatsrates,
der sogar mit der Wahl eines neuen Königs drohte (!) und regierte
seitdem verantwortungsbewußter. Er geriet jahrelang schroff gegen
Kastilien, da einerseits der Schwiegersohn-Cousin die Tochter schlecht
behandelte, andererseits Erb-Prinz Peter
seine kastilische Braut verstieß, was zu üblen Grenz- und Raubkriegen
führte. Er verlor 1337 eine Seeschlacht bei Lissabon. Alfons
verbündete sich angesichts einer drohenden Maureninvasion mit Kastilien,
was 1340 zum großen Sieg bei Salado führte. Er war tapfer und
freigiebig, zeigte aber gegenüber Vater, Bruder und Sohn erbarmungslose
Härte und ermordete die Schwiegertochter, was bis zuletzt zu neuen
Bürgerkriegen führte.
12.9.1309
oo Beatrix von Kastilien, Tochter des Königs
Sancho IV.
1293-25.10.1359
Cousine
Kinder:
Marie
1313-18.1.1357 ermordet
1328
oo Alfons XI. König von Kastilien
11.8.1311-26.3.1350
Alfons
12.1.1315- 1315
Diniz
12.1.1317- 1318
Pedro I. der Grausame
19.4.1320-18.1.1367
Isabella
21.12.1324-11.7.1326
Johann
23.9.1326-21.6.1327
Eleonore
1328-29.10.1348
1347
oo Peter IV. König von Aragon
5.9.1319-7.1.1387
Illegitim
Marie
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oo Ferdinand Graf von Kastilien-Valencia
1316- 1384
Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel
im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1993 Seite 179-181-
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Vones Ludwig:
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“Geschichte der Iberischen Halbinsel”
Die Thronfolge Alfons' IV. o
Bravo (1325-1356) blieb letztlich ungefährdet, wenn auch
die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Afonso
Sanches ungeachtet eines Prozeßverfahrens und der engagierten
Einigungsversuche Isabellas erst durch
den Tod des Bastards (1329) ihr endgültiges Ende fanden.
Durch die Verheiratung seiner Tochter Maria
mit Alfons XI., der dafür Konstanze,
die Tochter des Juan Manuel, als Braut
verschmähte, hatte Alfons IV. schon
1328 für ein gutes Verhältnis zu Kastilien gesorgt, das durch
die portugiesische Mitwirkung in der Schlacht am Salado (1340) gestärkt
wurde. Neue Expansionsziele suchte sich der unternehmungslustige
König, unter dessen Regierung der Einfluß der städtischen
Concelhos anwuchs und dieselben auf den Cortes von Santarem 1331 erstmalig
einen eigenen braco bilden konnte, dort, wo unter Wahrung der Interessen
der Kaufmannschaft wirtschaftliche und handelspolitische Vorteile zu erwarten
waren.
Nachdem bereits 1336 der genuesische Abenteurer Lancelotto
Malocello, ein Gefährte der Pessagno, im Kanarischen Archipel die
später nach ihm benannte Insel Lanzarote entdeckt, 1341 eine portugiesische,
von Genuesen geleitete Expedition und 1342 ein Unternehmen mallorquinischer
Seeleute die gesamte Inselgruppe erkundet hatten, begann man sich von den
verschiedensten Seiten dafür zu interessieren. Zuerst wurden die Kanarischen
Inseln von Papst Clemens VI. zum Zwecke der Missionierung dem kastilischen
Infanten Luis de la Cerda, einem in Frankreich ansässigen
Nachfahren des Alfonso de la Cerda,
auf der Rechtsgrundlage der Konstantinischen Schenkung als principatus
Fortunie (Fürstentum der "Glückseligen Inseln") zu Lehen gegeben
(1344), indes konnte Alfons IV. die
Inbesitznahme verhindern. Genuesischer Druck auf Peter
IV. von Aragon, dessen Flottenhilfe für den Infanten unerläßlich
war, beraubte diesen der Möglichkeit, überhaupt zu seinem Lehen
zu gelangen. Zwar versuchte Peter IV.
wiederholt mit Unterstützung des Papsttums, die Inseln auf eigene
Rechnung zu erobern und kolonisieren, doch setzte der portugiesische König
letzten Endes seinen eigenen, auf Entdeckerrecht gegründeten Ansprüche
auf die Kanarischen Inseln dagegen. Zur Abwehr des portugiesischen Eroberungswillens
baute allerdings gleichzeitig Alfons XI. von Kastilien
einen eigenen Rechtsstandpunkt auf, indem er sich auf die ursprüngliche
Besetzung afrikanischer Gebiete durch die Westgoten berief und demzufolge
die Erwerbung Afrikas für sein Königtum reklamierte. Der Wettlauf
zwischen Portugal und Kastilien um die überseeischen Besitzungen hatte
begonnen und sollte Jahrhunderte dauern. Der Fall der Kanarischen Inseln
war in mancher Hinsicht ein Vorspiel für die später so ausgeprägte
Rivalität, zumal hier schon keine der beiden Mächte von ihrer
Sicht der Rechtslage abwich, bis Portugal nach langwierigen Auseinandersetzungen
durch den Vertrag von Alcacovas (4. September 1479) verzichten mußte.
Ein dunkler Schatten fiel auf das Ende der Regierungszeit
Alfons'
IV., als er aus Sorge um eine reibungslosen Thronwechsel nach
seinem Tod die Geliebte seines ältesten Sohnes
Peter beseitigen ließ.
Ines Pires de Castro, deren
trauriges Schicksal in den folgenden Jahrhunderten immer wieder die Dichter
inspirieren sollte, war 1340 im Gefolge der kastilischen
Prinzessin Konstanze Manuel, nach Portugal gekommen, war nach
einiger Zeit die Geliebte des Thronfolgers geworden und hatte ihm schließlich,
nachdem die Prinzessin 1345 gestorben war, fünf Kinder geboren, darunter
vier Söhne. Die allenthalben bekannte Liaison begann bald - zumindest
in der Vorstellung des Königs und seiner führenden Berater -,
die Erbfolgeaussichten des 1345 geborenen Infanten
Ferdinand in Frage zu stellen. Ines gehörte dem
mächtigen galicischen Geschlecht der CASTRO an und konnte von
dort Unterstützung erwarten - eine Konstellation, die dem auf Abgrenzung
bedachten portugiesischen Adel kaum recht gewesen sein dürfte. Auf
jeden Fall glaubte Alfons IV., vielleicht
auch unter dem Eindruck der gleichzeitigen kastilischen Entwicklung, gewiß
aber in Erinnerung an seine eigenen Schwierigkeiten mit Afonso
Sanches, sich zum Handeln gezwungen und befahl, die Geliebte
seines Sohnes zu enthaupten (7. Januar 1355). Die Folge war der Bürgerkrieg,
der eigentlich hatte vermieden werden sollen. Die Versöhnung von 1356
zwischen Vater und Sohn hatte nur Bestand, weil Alfons
IV. fünf Monate später starb.