Begraben: Alcobaca
Ältester Sohn des Königs
Sancho I. der Volksfreund von Portugal und der Dulcia
von Aragon-Barcelona, Tochter von Graf Raimund Berengar IV.
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 404
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Alfons II. der Dicke, König von Portugal 1211-1223
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* 1185, + 1223
Begraben: Alcobaca
Erstgeborener Sohn von König
Sancho I. und Dulce von Barcelona,
begann seine Regierung mit den Cortes von Coimbra (1211), in denen fortschrittliche
Ideen über Staat und Herrschaft festgelegt wurden. Instrumente seiner
Machtausübung waren die Confirmacoes bei der öffentlichen Verwaltung
und die Inquiracoes, die auf eine Abschaffung der Mißbräuche
in Adel und Kirche abzielten. Seine in einem Testament niedergelegten politischen
Ideen und die Regierungsaufgaben hielten ihn vom Krieg fern, wenn er auch
Truppen nach Las Navas de Tolosa gegen die ALMOHADEN
entsandte (1212) und seine Ritter den Ort Alcacer do Sal und einige Festungen
wie Monforte eroberten. So konnte er dem Nachfolger ein vergrößertes
Königreich und vor allem geordnete Verhältnisse hinterlassen.
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Alfons II. der Dicke
war als Kind schwächlich, wurde sehr lebhaft und unbeherrscht, als
Folge hemmungsloser Prasserei sehr dick und fast bewegungsunfähig.
Er entzog den Schwestern die vom Vater überlassenen Dotationen, es
sei unveräußerliches Krongut, die Schwestern wandten sich an
den Papst und an Kastilien, das ihn besiegte. Er mußte deshalb nachgeben,
bewahrte aber den Gedanken der Reichseinheit, wurde auch gebannt, löste
sich daraus und wurde 1218 erneut gebannt, da er die Kirche zu besteuern
versuchte unter dem Vorwand, er führe Kreuzzüge durch, wofür
er den Kreuzzugspfennig verlangen könnte. Er kämpfte erfolgreich
gegen die Könige von Badajoz und von Jaen, verjagte zeitweise den
Erzbischof von Braga, wollte die Gesetze zugunsten des Volkes verbessern,
die Lasten gleichmäßiger verteilen, weshalb er beim einfachen
Volk sehr beliebt war und bei Adel und Kirche verhaßt war. Er verbesserte
die Verwaltung und Rechtspflege, behauptete seine Eroberungen und konnte
die Algarve nicht dazu erobern.
Verwandtschaft zu Urraca
Alfons VI. König von Kastilien-Leon
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Teresa Königin von Portugal
Raimund Berengar III.Graf von Barcelona
Urraca Königin von Kastilien
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Alfons I. König von Portugal
Raimund Berengar IV. Berengaria
oo Alfons VII. König von Kastilien
1110-6.11.1185
1108- 1149 1105-21.8.1157
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Sancho
I. König von Portugal oo Dulcia von Barcelona
Sancho III. König von Kastilien
11.11.1154-27.3.1211
1159-1.11.1198
1135-31.8.1158
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Alfons II. der Dicke
Alfons VIII. König von Kastilien
23.4.1185-25.3.1223
11.11.1155-6.10.1214
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Urraca
von Kastilien
1187-3.11.1220
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1206
oo Urraca von Kastilien-Leon, Tochter des Königs
Alfons VIII.
1187-3.11.1220
Cousine
5 Kinder:
Sancho II. der Mönch
8.11.1207-3.1.1248
Alfons III. der Restaurator
5.5.1210-16.2.1279
Eleonore
1211-13.5.1231
24.6.1229
oo Waldemar (III.) Prinz von Dänemark
1209-28.11.1231
Ferdinand Senor de Lamego
1217-19.1.1246
oo Sancha de Lara, Tochter des Grafen Fernando
Nunez
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Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel
im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1993 Seite 104,122,128 -
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Vones Ludwig:
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“Geschichte der Iberischen Halbinsel”
Diese sollten unter Regierung
Alfons' II., der nicht zu Unrecht den Beinamen Rei Legislador
erhielt,
an die Oberfläche treten. In Abstimmung mit einer 1211 einberufenen
Hofversammlung (curia) übte der König eine allgemeine gesetzgeberische
Tätgkeit aus, deren Ergebnis, läßt man einige frühere
rudimentäre Ansätze beiseite, das erste zusammenhängende
Gesetzeswerk der portugiesischen Geschichte war und das Recht sowie
die allgemeine Rechtswahrung auf die monarchische Spitze bezog. Dieser
Haltung entsprechend duldete Alfons II. keine
Minderung der Königsgewalt und ließ in der Folge durch genaue
Nachforschungen wie auch Bestätigungen der festgestellten Tatsachen
den Bestand des Krongutes sichern. In gleicher Weise diente das Verhalten
des Königs gegenüber den Forderungen der Infantinnen dazu, die
Entstehung eines zusammenhängenden, weitgehend autonomen Herrschaftskomplexes
innerhalb des Reiches zu verhindern. Zudem zielte dieses Vorgehen nicht
nur darauf, die Möglichkeiten des Adels zum Herrschaftsausbau zu begrenzen,
sondern war auch ausdrücklich gegen weitere Besitzanhäufungen
in der Hand der Klöster oder religiösen Orden gerichtet.
Aus einer solchen Position der Stärke heraus wurde
die Reconquista erneut in Angriff genommen, wobei man sich auf dieselben
Methoden wie zuvor verlegte. Wieder wurde ein Teil einer Flotte mit deutschen
und flämischen Kreuzfahrern, die sich auf dem Weg nach Palästina
befanden, umgeleitet und 1217 im Verein mit Templern, Johannitern und Santiagorittern
bei der Rückeroberung des 1191 verlorenen Alcacer do Sal eingesetzt.
Überhaupt gab man den Ritterorden und landfremden Kreuzfahrern bei
erfolgversprechenden Feldzügen den Vorzug, da auf diese Weise dem
einheimischenh Adel keine Gelegenheit zur Bildung neuer Herrschaften eingeräumt
wurde. In Portugal, wo der Orden von Santiago schließlich bei der
Verteilung von Machtpositionen eine solch führende Stelle einnehmen
sollte, dass er gegen Ende des Jahrhunderts vom leonesischen Hauptzweig
getrennt werden mußte, kann also eine ähnliche Entwicklung beobachtet
werden wie in den anderen spanischen Reichen.
Es ist verständlich, dass die Durchsetzung einer
solchen Reichspolitik zwangsläufig eine entschlossen Adelsopposition
herrufen mußte. Da der Adel seinen Rückhalt in der ebenfalls
betroffenen Kirche suchte und fand, war zur Überwindung der Widerstände
eine starke Herrscherpersönlichkeit erforderlich.