Begraben: Coimbra, Heiliges Kreuz
2. Sohn des Grafen Heinrich von Burgund-Portugal und
der Therese von Kastilien, illegitime
Tochter von König Alfons VI.
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 404
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Alfons I., „der Eroberer“ (Affonso Henriques), König
von Portugal seit 1139
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* 1107/11, + 6. Dezember 1185
Gimares Coimbra
Begraben: Coimbra, Heiliges Kreuz
Eltern: Heinrich von Burgund, Graf von Portucale (+ 1112) und Therese von Leon (Regentin bis 1128)
oo 1146 Mafalda von Savoyen
Das von Graf Heinrich unter der Bezeichnung Portucale
zwischen Minho und nördlich von Leiria vereinte Herrschaftsgebiet
begann sich unter Alfons nach der Schlacht
bei Sao Mamede von der kastilisch-leonesischen Lehnsabhängigkeit (1128)
zu lösen. Zugleich mußte Alfons
die Unabhängigkeit gegen die Mauren schützen, über die er
in der legendenumwobenen Schlacht von Ourique (1139) siegte. 1143 erkannte
Kastilien-Leon im Frieden von Zamora seinen Königstitel und die erbliche
Thronfolge an, die er außerdem durch Lehnseid an den Papst absicherte
(erst von Alexander III. 1179 bestätigt). Unterstützt von Kreuzfahrern,
gelang ihm 1147 mit der Einnahme von Santarem und Lissabon der entscheidende
Vorstoß nach Süden. Der Vertrag von Celanova 1160 regelte die
Verteidigung der zurückeroberten Gebiete mit Kastilien. Neben der
Organisation der Nationalkirche unter dem Primat Bragas und der Gründung
von Kloster Alcobaca ist die Errichtung des Ritterordens von Aviz 1162
für die Festigung des Königreiches bedeutsam.
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Brandenburg Erich: Tafel 41 Seite 83
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"Die Nachkommen Karls des Großen"
XIV. 978a. Alfons I., König von Portugal 1139
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* 1094 VII. + 1185 6. X. oder 9. XII.
Gemahlin: ca. 1145 Mathilde, Tochter der Grafen
Amadeus III. von Savoyen (siehe XIII 256)
+ 1157 4. XI.
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Alfons I. der Eroberer stand
bis 1128 unter der Vormundschaft seiner Mutter, die er im gleichen Jahre
samt ihrem Günstlingsklüngel bei Guimaraes besiegte und einsperrte.
Er mußte allerdings wieder die kastilische Hoheit anerkennen und
verbündete sich mit Kastilien und Navarra. Alfons
war ein hochgewachsener, blonder, blauäugiger Mann, der als Feldherr
und Mensch mitreißen konnte, setzte die Reconquista kraftvoll und
konsequent fort, nannte sich 1136 "Princeps" und nahm nach der siegreichen
Schlacht bei Ourique (25.7. 1139) den Titel König von Portugal an,
erklärte sich 1142 zum zinsbaren Fürsten der Kurie, womit jahrhundertelange
Auseinandersetzungen mit der Kurie und auch Kastilien begannen. Streit
mit der Kirche, die trotzdem eine wichtige königliche Stütze
war, gab es auch, weil er der Kirche bedeutsame Privilegien zugestand,
die dem Ausbau der königlichen Macht hinderlich waren. Er berief erstmals
die Cortes ein, legte mit ihnen zusammen die Verfassung des Reiches fest,
regierte mit Überblick als fähiger Verwalter und Organisator,
dehnte das Reich nach Süden hin aus, eroberte am 25.10. 1147 Lissabon
mit Hilfe eines Kreuzzugsheeres, danach unter anderem noch Santarem, Ribatejo,
Alentejo, Evora, Serpa und Moura. Er erreichte 1179 die Anerkennung seines
Königtums durch Kastilien, das aber weiterhin Hoheitsansprüche
geltend machte, bekriegte jahrelang Leon und geriet zeitweise in dessen
Haft, einigte sich mit ihm um die Grenzen und Besitzungen und kämpfte
seitdem mit ihm zusammen gegen die Mauren, die 1174 und 1182 in der 1.
und 2. Schlacht bei Santarem besiegt wurden. Alfons
förderte
das Rittertum, stiftete den Orden von Aviz zu Coimbra, stattete ihn gut
aus, gründete das Kloster Alcobace, legte die Basis zur portugiesischen
Flottenmacht und zog sich seit 1175 mehr und mehr zurück.
1146
oo Mathilde (Mafalda) von Savoyen, Tochter des
Grafen Amadeus III.
-4.11.1157
Kinder:
Mafalda
-
1173/74
v oo Alfons II. König von Aragon
1154-26.4.1196
Therese (Mathilde) Senora de Montemayor,
el Viejo und Ourem
-6.3.1218
ertunken
1183
1. oo 2. Philipp Graf von Flandern
um 1136-1.6.1191
1193
2. oo Eudo III. Herzog von Burgund
- 1195 1166-6.7.1218
Sancho I. der Volksfreund
11.11.1154-27.3.1211
Urraca
-16.10.1175
1163
oo Ferdinand II. König von Leon
1137-28.1.1188
Illegitim
Ferdinand Großschildträger von
Portugal
-
Alfons ab 1202 Großmeister der Johanniter
zu Jerusalem
-
1207
Therese
-
oo Ferdinand Mendez Senor de Braganca
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Peter 1206 Mönch zu Alcobace
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Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen
Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 TZafel 41 Seite 83-
Vones
Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche
- Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 70,90,92,96,120
- Vones-Liebenstein: Königin Urraca. in: Frauen des Mittelalters
in Lebenbildern. Schnith Karl (Hrsg.) Verlag Styria Graz Wien Köln
1997 Seite 175 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Zwar sollte es noch einmal bis 1143 dauern und die Überwindung
einer Reihe von Rückschlägen erfordern, bevor Alfons
I., gestärkt durch den Maurensieg von Ourique (1139), die
endgültige Absicherung des seit vier Jahren geführten Königstitels
durch eine päpstliche Schutznahme und Verhandlung mit dem kastilisch-leonesischen
Königs betreiben konnte, doch waren die Würfel zu diesem Zeitpunkt
längst gefallen.
Schon 1128 hatte Alfons Henriques
- damals in harter Auseinandersetzung mit der Partei seiner eigenen Mutter
und des von ihr gestützten galicischen Grafen Fernando Perez aus dem
Hause TRABA - in der Entscheidungsschlacht auf dem Feld von Sac Mamede
bei der Burg Guimaraes an der Spitze des portugiesischen Adels jenen
Triumph errungen, der die Region zwischen Minho und Mondego aus dem Einflußbereich
der als "fremd" empfundenen Magnaten aus Galicien und Leon herauslöste.
In gewisser Weise stellte das Treffen von Guimaraes die
Vollendung der verlorenen Auseinandersetzung von Pedroso dar, nur dass
sich jetzt der portugiesische Adel durchgesetzt hatte und Alfons
als
princeps in seinem Herrschaftsbereich behutsam den Weg hin zu einem
eigenständigen Königtum beschreiten konnte. Gab auch der Ausbau
einer Landeskirche unter Führung des Erzbistums Braga einen organisatorischen
Rahmen ab, nachdem die königliche Abstammung des princeps und der
als Eroberungstat anzusehende Maurensieg von Ourique zusätzlich Rechtstitel
bedeuten, konnte dem Streben nach dem Papstschutz ein zusätzliches
Bedürfnis nach Rechtssicherheit gegenüber dem Zugriff von Kastilien-Leon
zugrunde gelegen haben - das entscheidende Element das die Herausbildung
eines unabhängigen Königtums in Portugal als denkbar und durchsetzbar
machte, war das über Jahrhunderte gewachsene, in verfassungsrechtlichen
Zuständen wurzelnde Sonderbewußtsein der bestimmenden Adelsgruppen,
das in der Fähigkeit zu einem genossenschaftlichen Zusammenschluß
und zur Wahl eines von allen anerkannten Princeps seinen deutlichen Ausdruck
fand.
Der Weg Portugals, in seinen schwierigen Anfängen
mit der Wiederbegründung des navarresischen Königtums, zumindest
was die geringe Gunst der direkten Nachbarn und die Zurückhaltung
des römischen Papsttums angeht, vergleichbar, führte schon bald
in eine andere Richtung. Den Königstitel, den
Alfons I. zwei Jahre nach dem Vertrag von Tuy zu führen
begonnen hatte, mußte Alfons VII. von Kastilien-Leon,
nicht ohne zuvor alle kriegerischen Mittel ausgeschöpft zu haben,
1143 auf Vermittlung des Kardinallegaten Guido im Vertrag von Zamora anerkennen.
Trotz augenscheinlich anderslautender Abmachungen führten jedoch weder
das bei dieser Gelegenheit dem Papst geleistete Hominium noch das damit
verbundene Verlangen nach Schutznahme zur erwarteten Antwort der Kurie,
die zwar den Herrscher unter die "Erben des Apostelfürsten" aufnahm
sowie Segen und Schutz gewährte, dem Reich aber beharrlich die Unabhängigkeit
verheißende regnum-Qualität verweigerte und Alfons
weiterhin
mit dem dux-Titel belegte. Damit blieb die staatsrechtliche Absicherung
Portugals gegenüber dem leonesischen Hegemonialanspruch unverändert
in der Schwebe, bis Alexander III. am 23. Mai 1179 durch das Privileg manifestis
probatum der Anerkennung Ausdruck verlieh. Eine Salbung und Krönung
sollten die portugiesischen Könige indes bis ins 15. Jahrhundert hinein
nicht kennen. In der Zwischenzeit hatte das Reich, dessen Zentrum 1143
zwischen den Flüssen Minho und Duero Braga in kirchlicher sowie Guimaraes
in politischer Hinsicht waren, zwischen Duero und Mondego indes Coimbra,
Visen, Lamego und das 1136 gegründete Augustinerchorherrenstift Santa
Cruz de Coimbra, eine starke Vergrößerung nach Süden erfahren.
Mit der Eroberung von Santarem und Lissabon war bereits 1147 - im Jahr
der Belagerung Almerias durch Alfons VII.,
Garcia Ramirez und Raimund Berengar IV. - der Tajo erreicht worden, wobei
im Falle Lissabons englische, flämische und deutsche Kreuzfahrer,
die eigentlich am zweiten Kreuzzug teilnehmen wollten, tatkräftige,
wenn auch nicht uneigennützige Hilfe geleistet hatten.
Mittlerweile war die Iberische Halbinsel durch Papst
Eugen III. als Kreuzzugsziel, das die begehrten Indulgenzen verhieß,
anerkannt worden, so dass auch hier der Kreuzzugsgedanke zur vollen Blüte
gelangen konnte. Ein deutliches Zeichen dafür war auf portugiesischen
Boden die von Alfons I. verfügte
Übertragung Santarems an die Templer. In Lissabon wurde 1148 wie in
Visen und Lamego ein Bischofssitz eingerichtet, um der Wiederbesiedlung
den notwendigen organisatorischen Rückhalt zu geben, während
weitere Eroberungen südlich des Tajo durch den Einbruch der ALMOHADEN
erschwert wurden.
Dies ist jedoch die Zeit, in der Portugal mit der abenteuerlichen
Gestalt des Geraldo Sem-Pavor ein "portugiesischer Cid" erstand, dessen
bedeutendster Reconquistaerfolg die Einnahme von Evora im Herbst 1165 war.
Damit geriet die portugiesische Expansion in den Bannkreis der leonesischen
Politik, deren erklärtes Ziel unter Ferdinand
II. die Ausdehnung der leonesischen Extremadura in Richtung
auf Badajoz war. Bereits 1160/61 hatte der König von Leon durch die
Wiederbesiedlung von Ciudad Rodrigo, die Errichtung eines Bischofssitzes
in dieser Stadt und die Übertragung der Statthalterschaft an seinen
Mayordomo Ponce de Cabrera den Versuch unternommen, der territorialen Ausbreitung
Portugals in diesem Raum Grenzen aufzurichten. Er konnte damit jedoch keine
nachhaltige Wirkung erzielen, obwohl er zugleich 1162 das weiter südlich
gelegene Bistum Coria privilegiert und beide Diözesen der Kirchenprovinz
Santiago angeschlossen hatte. Angesichts dieser Anstrengungen Ferdinands
II. können die nach der Eroberung Evoras einsetzenden kriegerischen
Auseinandersetzungen um die Vorstöße auf Badajoz nicht verwundern.
Sie verloren erst an Schärfe, als Alfons
I. 1169 bei einem Angriff auf die Stadt in die Gefangenschaft
Ferdinands
II. geriet und kurze Zeit später die Angriffe der
ALMOHADEN die strategischen Grundvoraussetzungen von Grund auf
veränderten. Durch die erlittenen Gebietsverluste wurde zudem Alfons
I., erst im Austausch gegen gewonnene galicische Gebiet freigelassen,
in seiner Regierungstätigkeit dramatisch eingeschränkt, so dass
sein Sohn Sancho, seit 1174 mit der
aragonesischen
Infantin Dulcia verheiratet und deshalb in wichtige Bündnisse
einbezogen, für die langen Jahre bis zu seinem Tod am 8. Dezember
1185 als der eigentliche Lotse der portugiesischen Politik zu gelten
hat.