Robert der Weise                                      König von Neapel (1309-1343)
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1277-19.1.1343
        Neapel

3. Sohn des Königs Karl II. der Lahme von Neapel und der Maria von Ungarn, Erb-Tochter von König Stephan V.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 888
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Robert von Anjou, König von Sizilien (Neapel)
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* 1278, + 20. Januar 1343

3. Sohn Karls II. und der Maria von Ungarn

Begraben: S. Chiara Neapel

1. oo Violante (Yolande) von Aragon (+ 1303)

2. oo Sancha von Mallorca

Im Oktober 1288 wurde Robert von Anjou gemeinsam mit seinen Brüdern Ludwig und Raimund Berengar als Geisel für die Freilassung seines Vaters, der bei der Niederlage der angevinischen Flotte im Golf von Neapel (1284) in Gefangenschaft geraten war, zu König Jakob II. von Aragon gesandt. Ende 1295 freigelassen und vom Vater zum Vikar ernannt, erhielt er am 24. Februar 1297 den Titel eines Herzogs von Kalabrien und wurde damit zum Nachfolger designiert (da der älteste Sohn des Königs, Karl Martell, gestorben und der zweite Sohn Ludwig in den Franziskanerorden eingetreten war). Um zwischen den ANJOU und Aragon den Frieden wiederherzustellen, förderte Bonifatius VIII. Roberts Ehe Violante (Yolande) von Aragon, der Schwester Jakobs II. Dieser hatte jedoch inzwischen die Kontrolle über Sizilien verloren, wo sich unter der Führung seines Bruders Friedrich (des späteren Friedrich III. von Trinacria) eine selbständige Regierung gebildet hatte. Dies führte 1299 zur Wiederaufnahme des Krieges, an dem Robert von Anjou persönlich als Kommandant des Heeres teilnahm. Nach Anfangserfolgen wurde das Unternehmen abgebrochen. Am 5. Mai 1309 starb Karl II. und Robert von Anjou wurde zum König von Sizilien gekrönt.
Die politische Lage in Mittelitalien war inzwischen immer komplizierter geworden, so daß Robert von Anjou als natürlicher Führer der Guelfen und als Signore von Florenz sich vor schwierige Entscheidungen gestellt sah. Besonders heikel wurde seine Position nach dem Italienzug Kaiser HEINRICHS VII.; auch nach dessen Tod (24. August 1313) besserte sich Roberts Lage nicht, da die toskanischen Guelfen 1315 bei Montecatini geschlagen wurden und der Bruder des Königs, Petrus von Eboli, und sein Neffe Karl von Achaia in der Schlacht fielen. Dank der Unterstützung Papst Johannes' XXII. gewann Robert von Anjou in Mitel- und N-Italien sein Ansehen zurück und erhielt 1318 auch die Signorie von Genua.
Der Italienzug LUDWIGS DES BAYERN (1327) brachte erneut kritische Momente für Robert von Anjou. Aus Furcht vor einer Invasion des Kaisers in das Königreich rief Robert von Anjouseinen Sohn Karl, Herzog von Kalabrien, aus Florenz zurück, der 1325 zum Signore ernannt worden war, um die Stadt vor LUDWIG DEM BAYERN und dessen ghibellinischen Verbündeten zu schützen. Am 9. November 1328 starb Karl jedoch. Von da an rieb sich der König bis zu seinem Tode im vergeblichen Versuch auf, Sizilien  zurückzuerobern und das Problem der Nachfolge zu lösen, da er keine anderen direkten Erben hatte (seine Ehe mit Sancha war kinderlos). Seine Wahl fiel schließlich auf seine Enkelin Johanna, die Tochter seines verstorbenen Sohnes Karl, die er mit Andreas von Ungarn verheiratete, dem Sohn seines Neffen Karl Robert (Caroberto), König von Ungarn, eine Wahl, die für das Königreich katastrophale Folgen haben sollte.
Trotz der vielen Fehlschläge seiner Politik genoß Robert von Anjou unter den Zeitgenossen großen Ruhm, nicht zuletzt wegen seiner guten literarischen Bildung (Beiname "der Weise") und seiner Förderung von Dichtern, Literaten und Künstern, unter ihnen auch Francesco Petrarca, der die Inschrift für Roberts Grabmal verfaßte. Mit den rigoristischen Strömungen des Franziskanerordens sympathisierend, schreib Robert von Anjou eine schmale Schrift über die Armut Christi und der Apostel. Er glänzte auch gerne bei den verschiedensten Gelegenheiten als Redner.
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Robert der Weise weilte von 1288 bis 1296 wie sein Bruder Ludwig als Geisel in Aragon und ließ sich am 5.8.1309 trotz des Einspruchs seiner älteren Brüder in Avignon zum König krönen. Er war General-Kapitän der Toskana und im Kirchenstaat und unbestrittener Führer der Guelfen. Er erlitt 1315 durch den Bruder Peter einen großen Rückschlag. Er ging eng mit Frankreich und der Kurie zusammen, wurde päpstlicher Vikar der Romagna und Signore vieler Guelfenstädte, auch von Genua und Florenz. Er stand entschieden gegen die Kaiserpläne LUDWIGS IV. DES BAYERN, wurde geächtet, was wirkungslos blieb und verjagte 1331/33 die LUXEMBURGER und das Haus GÖRZ nach der Schlacht bei Ferrara. Er versuchte in 12 großangelegten Feldzügen vergeblich, Sizilien vom Schwager Friedrich zurückzuerobern und erschöpfte die Finanzen völlig. Er stritt jahrelang mit der ungarischen Vetternlinie, erkannte 1333 seinen Großneffen Andreas als Thronerben an und schaltete die Neffen in Gravina und Tarent von Nachfolge und Regentschaft aus, was deren Feindschaft zur Enkelin Johanna I. begründete. Er war hochgebildet, politisch klug und verschlagen, sehr freigebig, mit gewinnender Ausstrahlung, entschiedener Förderer der Künste und Wissenschaften und Wegbereiter von Humanismus und Renaissance. Gegen Ende seiner Regierung verfiel sein Einfluß in Ober- und Mittelitalien und die allgemeine Unruhe steckte auch seine Länder an, um so mehr, als 1328 sein einziger Sohn gestorben war.
 
 
 
 

    1297
  1. oo Jolanthe von Aragon, Tochter des Königs Peter III.
               -   1302

    1305
  2. oo Sancha von Mallorca, Tochter des Königs Jakob I.
      x         -28.7.1345
 
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Karl Herzog von Kalabrien
  1298-10.11.1328

  Ludwig
  1301-12.8.1310

Illegitim

  Maria d' Aquino
         -   1345

Sie war an der Ermordung von König Andreas beteiligt und wurde hingerichtet.

  oo Andreas Thopia Fürst von Albanien
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  Er entführte seine Frau und wurde von König Robert hingerichtet.
 
 
 
 

Literatur:
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Benker Gertrud: Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher auf dem Kaiserthron. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 59,69,75,91, 117,120,123,128,148,154,164,197,202,214 - Cleugh James: Die Medici. Macht und Glanz einer europäischen Familie. Bechtermünz Verlag 1996 Seite 23 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 208 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 34, 37,43,45-49,51,53,68,71,79,83,86,141 - Hundt, Barbara: Ludwig der Bayer. Der Kaiser aus dem Hause Wittelsbach Bechtle Verlag Esslingen München 1989 Seite Seite 134,142,179,182,186,194,218,237,240,250,271,323 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 9-557 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 312,332,334-338,340-342,349 -