Einziger Sohn des Grafen Ludwig von Gravina und
der Margarete di Sanseverino, Tochter von Graf Robert di Corigliano;
Urenkel von König Karl II. der Lahme von
Neapel
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 985
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Karl III. von Anjou-Durazzo, König von Neapel
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* um 1345 (1354 oder 1357), + 27. Februar 1386
Monte Sant’Angelo oder Neapel
Eltern: Ludwig von Durazzo und Margherita Sanseverino
Karl von Durazzo wuchs
am Hof von Johanna I. von Neapel, der
sein Vater ihn um 1360 praktisch als Geisel zurückgelassen hatte.
Nach dem Tod seines Vaters im Gefängnis zog Karl
von Durazzo nach Ungarn zu König
Ludwig dem Großen. Als einziger männlicher überlebender
Erbe aus der Linie Durazzo hatte Karl Ansprüche
auf den angevinischen Thron von Neapel wie auf den von Ungarn. Die Hochzeit
(24. Janaur 1370) mit seiner Kusine Margherita
von Durazzo, einer Tochter der jüngeren Schwester Johannas
I., Marias von Anjou, stärkte
seine Ansprüche auf das Königreich Neapel. Ludwig
von Ungarn, der ihn als Nachfolger bestimmen wollte, um dadurch
die Vereinigung von Neapel und Ungarn zu erreichen, investierte ihn mit
Dalmatien und Kroatien. 1372-1375 residierte er in Zadar (Zara), der Hauptstadt
seines Herzogtums. Nach der Geburt einer Tochter des Königs von Ungarn
und der Hochzeit Johannas I. mit Otto
von Braunschweig veringerten sich jedoch Karls
von Durazzo Thronfolgechancen. 1375 verzichtet er auf die Ansprüche
auf den ungarischen Thron, während die ungarische Linie ihrerseits
ihre Ansprüche auf das Königreich Neapel aufgab. Mai 1376 reiste
er von Zadar nach Italien, wobei er auch seine in Dalmatien geborene Tochter
Johanna
mit sich führte. Seine Frau nahm ihre Residenz in Neapel, wo im Februar
1377 Ladislaus zur Welt kam. Ludwig
von Ungarn übertrug
Karl von Durazzo
die Leitung der militärischen Operationen und diplomatischen Verhandlungen
im Krieg gegen Venedig. Juli 1378 begab sich Karl
von Durazzo zu Papst Urban VI. nach Tivoli. Ende 1379 ließ
er die Truppen in der Toskana und reiste nach Ungarn. August 1380 war er
wieder in Italien und besetzte mit Unterstützung der guelfischen Faktion
Gubbio und Arezzo. Nach einem Vetrag mit Florenz zog er im November in
Rom ein. Urban VI., der Königin Johanna als
Schismatikerin abgesetzt hatte, ernannte ihn zum Senator und investierte
ihn nach mühsamen Verhandlungen am 1. Juni 1380 mit dem Königreich
Neapel. Am 16. Juli zog er in Neapel ein und wurde dort am 25. November
erneut gekrönt, fand jedoch sofort einen Gegner in
Ludwig von Anjou, den Johanna I.
adoptiert und zum Erben ernannt hatte, und den ihn unterstützenden
Baronen. Schließich wandte er sich auch gegen Urban VI., um dessen
Ingerenzen zurückzuweisen. Der Konflikt mündete in die Gefangennahme
des Papstes. Nachdem Karl III. von Durazzo
seiner Frau die Regentschaft übertragen hatte, verließ er am
18. April 1384 Neapel, um das Königreich gegen die Invasion Ludwigs
von Anjou zu verteidigen. Urban VI. nutzte diese Gelegenheit
und floh in das Kastell Nocera, wo er am 15. Januar 1385
Karl III. bannte und absetzte, unter der Anklage, eine Verschwörung
im Kardinalakollegium organisiert zu haben. Daraufhin belagerte Karl
III. von Durazzo Urban VI.; der Papst konnte jedoch mit Hilfe
der Genuesen und eines Teils der Barone entfliehen. Karl
III. reiste September 1385 von Barletta aus nach Ungarn und
wurde in Buda am 31. Dezember zum König gekrönt. Er wurde jedoch
am 7. Februar 1386 Opfer eines Attentats, an dessen Folgen er einige
Tage später starb.
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Karl III. wurde 1362
nach der Ermordung seines Vaters Graf von Gravina. König
Ludwig I. von Ungarn ließ 1364 den verwaisten Karl
nach
Ungarn holen, verlobte ihn mit der einjährigen
Anna, Tochter Kaiser KARLS IV.,
und übertrug ihm die Würde des Herzogs von Slawonien und Kroatien,
die meist der Thronfolger innehatte. Er regierte kraftvoll und förderte
den Seeraub gegen Venedig. Er war klein, beweglich, blond, besaß
beste Manieren, war ein gewandter Unterhalter, dichtete gern und gut, war
ein Freund von Wissenschaft und Dichtkunst, von milder Art; zeigte aber
auch die typischen ANJOU-Eigenschaften
seiner Dynastie: ränkevoll, brutal, grenzenlos ehrgeizig und hartherzig
bis zur Perfiderie. Er kehrte 1376 nach Neapel zurück, um seine Tante
besser unter Kontrolle zu haben. Sie hatte ihn 1369 adoptiert und eine
Ehe mit ihrer Nichte und Eventualerbin Maragrete
arrangiert. Er konnte es kaum erwarten, die Königswürde zu erlangen
und erreichte bei Papst Urban VI., dass Johanna
ihre Rechte verlor, weil sie den Gegenpapst Clemens VII. anerkannt hatte.
Clemens VII. wiederum bewog die Königin 1380, den jungen Karl
von Durazzo zu enterben. Vom Papst zum Bannerträger der
Kirche und zum Senator ernannt, empfing er am 1.6.1381 die Investitur Neapels
und am folgenden Tage die Krone. Daraufhin sammelte
Karl eine Armee, griff die Streitkräfte Johannas an, besiegte
am 28.6.1381 bei San Germano Otto von Braunschweig, zog bald darauf in
Neapel ein und belagerte hier die Königin
Johanna im Kastell dell' Nuovo. Als ihr zum Entsatz herbeieilender
Gemahl gefangengenommen wurde, ergab sie sich am 25.8.1381 dem Sieger.
Als der von Johanna adoptierte
Ludwig I. von Anjou heranrückte, ließ Karl
III. Johanna im Schloß zu Muro mit einem seidenen Strick
erwürgen (Mai 1382) und stellte ihre Leiche 7 Tage lang in San Chiara
zu Neapel aus. Er stiftete den Orden des Schiffes, um Anhänger an
sich zu binden. 1383 kam der Papst nach Neapel und es kam zu Spannungen
zwischen beiden. Karl weigerte sich,
einem Nepoten des Papstes die schönsten Provinzen auszuhändigen
und ließ Urban VI. in Nocera belagern. Urban versuchte gegen
Karl zuerst Jakob von Baux und danach Robert von Artois-Eu als
Gegen-König aufzustellen. Karl zeigte
sich als geschickter Guerillataktiker, setzte Urban zeitweise gefangen,
wurde 1385 für abgesetzt erklärt und gebannt. Nach dem Tode Ludwigs
I. von Ungarn (+ 13.9.1382), der ihn in Neapel unterstützt
hatte, wurde er von Mißvergnügten herbeigerufen und im September
1385 hatte er sich nach Dalmatien eingeschifft. Er fand zuerst große
Zustimmung, wurde zum Reichsverweser ernannt und sogar am 31.12.1385
von den Baronen in Stuhlweißenburg zum König von Ungarn gekrönt.
Er geriet in ein böses Intrigenspiel der Königin-Witwe
Elisabeth und ihres wichtigsten Ratgebers, des Palatins Nikolaus
von Gara(y), und wurde am 7.2.1386 in Gegenwart der Königin-Witwe
Elisabeth in Visegrad niedergehauen. Dem schwer verwundeten
König gab Gift den Rest. Er wurde auch ein Opfer seiner herrischen
Art und seiner Arroganz.
Hoensch Jörg: Seite 51,55
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"Kaiser Sigismund"
Eine dritte, von der Familie HORVATI angeführte Faktion,
deren Mitglieder hauptsächlich in S-Ungarn und Slavonien ansässig
waren, trat für die Berufung König Karls
III. von Neapel auf den ungarischen Thron ein. Nachdem Ludwig
I. von Ungarn den Vater Luigi Graf von Durazzo 1362 hatte
hinrichten lassen, war der als Karl "der Kleine"
bekannte
Cousin 2. Grades an seinem Hof erzogen und, solange der König noch
kinderlos war, als Nachfolger aufgebaut worden, wobei
il Piccolo durchaus
erfolgreich als Banus (Herzog) von Kroatien und Slavonien amtierte. Seine
Durchsetzungsfähigkeit und Skrupellosigkeit hatte er erst kurz zuvor
unter Beweis gestellt, als er seine Verwandte
Johanna I. von Neapel 1381 stürzte und im Mai 1382 ermorden
ließ, um seine Herrschaft abzusichern. Ermutigt durch seine um die
Brüder Horvati gescharten Anhänger war König
Karl III. der Kleine am 3. September 1385 im dalmatinischen
Zeng gelandet. Sein Interesse war es, eine Einbeziehung Ungarns in die
französische Einflußsphäre zu unterbinden, da ihm der usurpierte
neapolitanische Thron von Ludwig von Anjou,
einem Onkel des Prinzgemahls Ludwig von Orleans,
streitig gemacht wurde und er zudem als nächster männlicher Verwandter
des verstorbenen Ungarn-Königs glaubte, auch die begründeten
Nachfolgerechte im St. Stephansreich zu besitzen. Von Agram aus, wo er
ab 23. Oktober residierte, suchte er seinen Rückhalt bei Magnaten
und Adel zu erweitern, bevor er sich Anfang Dezember in Richtung Ofen aufmachte,
um die Regierungsgeschäfte zu übernehmen und sich krönen
zu lassen. In ihrer Bedrängnis blieb der Regentin
Elisabeth kein anderer Ausweg, als ihre Zustimmung zur raschen
Eheschließung Marias mit SIGISMUND
zu geben. Nur mit dem Titel eines "Vormund Ungarns" (regni Hungariae tutor)
ausgestattet, verließ SIGISMUND
kurz darauf den ungarischen Hof, um in Böhmen ein stärkeres Heer
zur Abwehr des Prätendenten aufzustellen. Maria
hatte inzwischen eilends auf den 8. November einen Landtag nach Ofen einberufen.
Trotz ihres Versprechens, den Beschwerden gegen die Ungesetzlichkeiten
der Regentschaftsregierung nachzugehen sowie die bisherigen Freiheiten
und Privilegien zu bestätigen, sofern der Adel seiner Treuepflicht
der rechtmäßigen Herrscherin gegenüber nachkomme und den
Schutz des Reiches übernehme, rieten angesichts des Zulaufs, den Karl
III. verzeichnen konnte, selbst die vor kurzem noch im Lager
SIGISMUNDS
stehenden Barone ihrer Königin, sich mit ihrem Verwandten zu arrangieren.
Unter dem Vorwand, den inneren Frieden wiederherzustellen und die Königinnen
unterstützen zu wollen, zog Karl in
Ofen ein, ohne dass Maria und Elisabeth
eine andere Wahl geblieben wäre, als seiner Ernennung zum Regenten
des
Landes zuzustimmen und seiner Krönung am 31. Dezember 1385 in Stuhlweißenburg
beizuwohnen. Während Karl
sich
sogleich energisch den Regierungsaufgaben widmete, trieben die Königin-Witwe
Elisabeth und ihr Favorit Garai die Vorbereitungen für
einen Anschlag auf den neuen König voran, der am 7. Februar vom Mundschenken
Balazs Forgach schwer verletzt und am 24. Februar im Kerker umgebracht
wurde.
1369
oo Margarete von Anjou-Durazzo, Tochter des Herzogs
Karl
1347-6.8.1412
1386 Regentin von Neapel
Kinder:
Marie
1369- 1371
Johanna II.
25.6.1373-2.2.1435
Ladislaus
7.1376-6.8.1414
Literatur:
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Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche
Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer
2000 Seite 164,203,207 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund.
Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München
1996 Seite 17,51,55,59,67,71,75,91,104,111 - Schnith Karl: Frauen
des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997
Seite 346,348 -