Begraben: Im Querschiff der Kirche Santa Chiara in Neapel
Einzige Tochter des Königs
Karls III. von Neapel und der Margarete
von Anjou-Durazzo, Tochter von Herzog Karl
Lexikon des Mittelalters: Band V. Spalte 525
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Johanna II. von Anjou-Durazzo, Königin von Neapel
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* Ende 1370/Anfang 1371, + 2. Februar 1435
Buda
Neapel
Eltern: Karl III. und Margarete von Durazzo
Im Sommer 1376 zog Johanna II.
mit der Mutter von Ungarn nach Neapel. Nach der Ermordung ihres Vaters
(Februar 1386) sollte ein Eheprojekt mit Ludwig
II. von Anjou den Frieden im Regno wiederherstellen. Nach dem
Fehlschlag weiterer Heiratsprojekte (mit Markgraf Theodor von Montferrat,
König
SIGMUND von Ungarn, Giovanni Maria Visconti) wurden 1399-1403
Verhandlungen zwecks einer Ehe mit Wilhelm von Österreich geführt,
die zuletzt an einer Sinneswandlung
Johannas
scheiterten. 1412 erkannte Papst Johannes XXIII. Johannas
Sukzessionsrecht an, so dass sie ihrem Bruder Ladislaus
(+ 6. August 1414) auf den Thron von Neapel folgte. Bedrängt von den
aufrührerischen Baronen, die die alten Bindungen zum französischen
Thronprätendenten aufrechterhielten und von den Schwierigkeiten, aus
den Erträgen der Krondomäne das zahlenstarke Heer zu bezahlen,
ernannte Johanna II. den bedeutendsten
der Condotierri Muzio Attendolo Sforza, zum Konnetabel. Ihm gelang der
Sieg über die rebellierenden Barone. Nach weiteren Eheverhandlungen
(vor allem mit Johann von Aragon) heiratete
sie August/September 1415 Jakob von Bourbon, Graf de la Marche.
Dieser machte sich eine Verschwörung der Barone zunutze, ließ
Johanna
II., Muzio Attendolo Sforza und ihren Favoriten Pandolfo
Piscopo Alopo gefangesetzen und riß die Herrschaft an sich. September
1416 durch einen von Ottino Caracciolo organisierten Aufstand befreit,
trat Johanna II. wiederum die Herrschaft
an. Jakob verlor seinen Königstitel, und die Franzosen wurden
vertrieben. Hochverschuldet zum Verkauf weiterer Teile der Krondomäne
gezwungen und bedrängt von einer Reihe von Aufständen gegen ihren
Favoriten Ser Gianni Caracciolo (1417), erwirkte Johanna
II. die Krönung und Investitur (29. Oktober 1419) von Papst
Martin V. Colonna, der daran interessiert war, die Lehnsrechte des Papsttums
und den Einfluß seiner Familie geltend zu machen. Als Nachfolger
Johannas
designierte und investierte der Papst jedoch
Ludwig III. von Anjou, der sich danach als König gerierte.
Von Sforza im Stich gelassen adoptierte Johanna
II. als Sohn und Thronerben Alfons
(il Magnanimo), König von Aragon und Sizilien, investierte
ihn mit dem Herzogtum Kalabrien (September 1420), ernannte ihn (Juli 1421)
zu ihrem Vikar, übertrug ihm die Herrschaft und behielt sich nur die
Verwaltung einiger Güter vor. Während die beiden Thronprätendenten
sich bekriegten, brachte Johanna II.
Muzio Attendolo Sforza wieder auf ihre Seite, konnte Alfons,
mit dem sie sich hauptsächlich wegen Ser Gianni entzweit hatte,
besiegen und dessen Adoption und Vikariat widerrufen (1. Juli 1423). Sie
schloß danach mit Martin V. Frieden, adoptierte Ludwig
von Anjou und übertrug ihm Kalabrien (September 1423).
Verwickelt in zahlreiche interne und internationale Intrigen, beteiligte
sie sich schließlich an der Verschwörung gegen Ser Gianni,
die zu dessen Ermordung führte (19. August 1431). Nach Ludwigs
III. Abzug (1429) nahm sie wieder mit Alfons
Verhandlungen
auf, um ihn erneut als Nachfolger anzuerkennen, falls er sich verpflichte,
zu ihren Lebzeiten nicht zu intervenieren, und schloß, unterstützt
von Eugen IV., mit ihm einen 10-jährigen Waffenstillstand (Juli 1433).
Testamentarisch setzte Johanna II. Ludwigs
Bruder
Rene
von Anjou als Nachfolger ein.
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Reifenscheid, Richard: Seite 74
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"Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I."
1. WILHELM, Herzog von Österreich
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* um 1370, + 15.7.1406
Wien
Wien
Grabstätte: Stephansdom in Wien - Herzogsgruft
oo im Oktober 1401 in Wien
JOHANNA,
Prinzessin von Neapel aus dem Hause ANJOU
* 25.6.1373, + 2.2.1435
Neapel
Neapel
Grabstätte: Im Querschiff der Kirche Santa Chiara in Neapel
Eltern: Karl III., König
von Neapel aus dem Hause ANJOU
und Margarethe, Fürstin von Durazzo,
Tochter Karls, Fürst von Durazzo
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Johanna II. war leichtsinnig,
hemmungslos, prunksüchtig, würdelos, attraktiv und ohne geistige
Fähigkeiten, lebte bis 1414 als verrufene Hure und folgte ihrem Bruder
Ladislaus
in einem gefestigten Reich, das sie mit ihren Liebhabern völlig ruinierte.
Ihr zweiter Ehemann
Jakob, Graf de la Marche, ließ ihren allmächtigen
Liebhaber,
Pandolfo Alopo, hinrichten und setzte sie selbst ins
Gefängnis. Als sie jedoch 1416 befreit wurde, warf sie ihren Gemahl
in den Kerker, der nach Frankreich entkam und sie ihrem zweiten Geliebten
GianniCaraccioli
überließ. Ab 1417 war wieder Jakob Sforza
in ihrer Gunst,
besetzte zeitweise Rom und bekriegte die jüngere Linie ANJOU,
die ihre Ansprüche niemals aufgab. Sie adoptierte gegen deren Interessen
1420 König Alfons V. von Aragon-Neapel,
hob diese Adoption 1423 wieder zugunsten der jüngeren Linie ANJOU
auf, was zu erbitterten Erbkriegen gegen Alfons
V. führte, der große Teile des Königreiches
gewann. Bis 1432 dominierte ihr verhaßter und gewissenloser Günstling
Caracciola als Großseneschall, der dann ermordet wurde. Durch ihren
Lebenswandel wurde sie ganz senil und abgestumpft-geisteskrank. Ihr folgte
Alfons
V. von Aragon, da sich Ludwigs III.
Bruder Rene zur Zeit von
Johannas Tod in der Gefangenschaft des Herzogs von Burgund befand.
Mit Johanna II.
ging die Herrschaft
des Hauses ANJOU in Neapel zu Ende.
Hoensch Jörg: Seite 117,240
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„Kaiser Sigismund“
Ladislaus und
Johanna, die ihrerseits Anspruch auf die Nachfolge in Ungarn
aufrechterhielten, sahen sich mit der von einem Bruder des französischen
Königs Karl V. Ludwig I. von Anjou, verfochtenen Forderung
konfrontiert, ihn als dem rechtmäßigen Erben das Königreich
Neapel zu überlassen. Auch verärgert darüber, dass Wilhelms
Gemahlin Johanna trotz des Rückzuges
ihres Bruders Ladislaus gelegentlich
den Titel einer Königin von Ungarn verwendete.
Der Tod des Königs Ladislaus
von Neapel 1414 hatte nur kurzfristig etwas beruhigend auf die
inneritalienischen Auseinandersetzungen gewirkt. Seiner Schwester
Johanna II., der Witwe Herzog Wilhelms von Österreich,
war es ohne allzu große Mühe gelungen, die Nachfolgeambitionen
des Prätendenten Ludwig II. von Anjou zurückzuweisen
und sich mit Hilfe ihres zweiten Gemahls Jakob von Bourbon, Graf de
la Marche, an der Macht zu behaupten. Doch fortgesetzte innere Konflikte
verhinderten eine Konsolidierung. Die durch zwei Gesandtschaften 1416 dem
Konzil mitgeteilte Bereitscheft, Benedikt XIII. den Gehorsam zu entziehen,
und die Beschlüsse der Kirchenversammlung anzuerkennen, warf zusätzliche
Probleme auf, weil Johanna sie nicht
nur als Königin von Neapel, Sizilien und Jerusalem aussprach,
sondern auch Ungarn, Kroatien und Dalmatien in ihrer Titular führte.
1401
1. oo Wilhelm Herzog von Österreich
x um
1370-15.7.1406
Er war ein stattlicher und schöner Mann, der nicht
glücklich mit Johanna lebte. Er galt als der Thronerbe von Neapel.
1415
2. oo Jakob von Bourbon, Graf de la Marche
1370-24.9.1438
Er war französischer Heerführer und verdrängte
Johanna völlig, hielt sie wie eine Gefangene und verjagte ihre Günstlinge
zugunsten der eigenen. Er wurde nach üblen Hofintrigen 1417 gestürzt
und als Titlarfürst von Tarent in die Provinz abgeschoben. Er resignierte
zuletzt völlig und wurde Franziskaner zu Besancon.
Literatur:
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Brambach Joachim: Die Borgia. Faszination einer
Renaissance-Familie. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 41,48
- Cleugh James: Die Medici. Macht und Glanz einer europäischen
Familie. Bechtermünz Verlag 1996 Seite 42,67 - Herde Peter:
Karl I. von Anjou. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz
1979 Seite 22 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche
Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer
2000 Seite 254 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher
an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996
Seite 17,91,104,117,240,280 - Reifenscheid, Richard: Die Habsburger.
Von Rudolf I. bis Karl I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1982 Seite
74 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag
Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 349 - Vones Ludwig: Geschichte
der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen.
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 196 -