Einziger Sohn der Königin
Blanka von Navarra aus ihrer 2. Ehe mit Johann
II. König von Aragon
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 982
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Karl von Viana (Carlos, Principe de Viana), Prinz von
Navarra
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* 1421, + 23. September 1461
Sohn von Johann von Trastamara (Johann II. von Aragon) und Blache von Navarra, der Erbtochter König Karls III.
oo Agnes von Kleve
Keine legitimen Erben, 3 außereheliche Kinder
Karl von Viana, der
als anerkannter navarresischer Thronerbe mit dem Prinzipat von Viana ausgestattet
war, blieb nach dem Tode der Mutter (1441) dennoch vom Thron ausgeschlossen,
da der Vater das Königreich einbehielt, und sah sich - trotz Verleihung
des Königtitels durch die Cortes (1457) – zeitlebens in die Rolle
des Thronprätendenten gedrängt. In Olite sorgfältig erzogen,
verkörperte Karl von Viana das
Ideal des vollkommenen Ritters wie das des Renaissancefürsten, trat
als Sammler und Mäzen hervor, veranstaltete glanzvolle Feste, übersetzte
Aristoteles ins Kastilische und verfaßte 1452 im Gefängnis die
„Cronica de los Reyes de Navarra“.
Sein Kampf um den Thron vollzog sich vor dem Hintergrund
der dynastischen Parteikämpfe der Iberischen Halbinsel. Karls
Vater
Johann war als Abkömmling des
Hauses TRASTAMARA bestrebt, Navarra
zum Sprungbrett für seine kastilischen Ambitionen zu machen, während
der mit Frankreich verbündete König von Kastilien seinerseits
den Principe gegen den Vater unterstützte. Johann
ließ Karl von Viana als Verräter
mehrfach gefangensetzen (1451-1453,1460) und trieb ihn 1455-1458 ins Exil
an den Hof seines Onkels Alfons V. (Neapel,
Barcelona). In Navarra bekämpften sich die Beaumonteses, geführt
von zwei Vettern des Principe, und die Agramonteses, die zu Johann
standen. Nach dem Tode Alfons‘ V. (1458)
versperrte Johann seinem Sohn wiederum
den Weg zum Thron (in Navarra wie Aragon), indem er den Sohn aus zweiter
Ehe, Ferdinand den Katholischen, zum
aragonesischen Thronfolger proklamierte. Navarra fiel nach Karls
frühem Tod über die Schwester Leonor
(oo Gaston von Foix-Bearn) an das Haus FOIX.
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Karl wurde 1441 Regent
zu Pamplona und mischte, da er auch Prinz von Kastilien war, in den
kastilischen Bürgerkriegen mit und residierte zeitweise zu Toledo.
Er geriet mit seinen Vater, der Navarras Eigenstängigkeit mehr und
mehr zu beschneiden versuchte, in schroffen Gegensatz, wurde zeitweise
inhaftiert, führte seit 1450 verheerende Kriege, auch gegen das Haus
FOIX, das ihn beerbte und unterstützte die rebellierenden Katalanen
gegen seinen Vater, der ihn schließlich enterbte.
1440
oo Agnes von Mark-Kleve, Tochter des Herzogs Adolf
I.
x 24.2.1422-6.4.1448
Kinder:
Illegitim
Anna
- 1477
1471
oo Ludwig I. de la Cerda Herzog von Medinaceli
- 1501 oder 1483 (Lex. d MA)
Philipp Erzbischof von Palermo
1456- 1488
vor Granada
Johann Adolf Bischof von Huesca
1559- 1526
Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel
im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1993 Seite 202,207,215-218,222 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Als Johann II. von Aragon (1458-1479)
seinem
erbenlosen Bruder auf dem Thron nachfolgte, war er bereits 60 Jahre alt
und konnte auf ein politisch turbulentes Leben zurückblicken, in dem
die Vorgänge innerhalb der Krone Aragon lange Zeit eher einen Nebenschauplatz
dargestellt hatten. Für ihn selbst hatten bis 1445, dem Jahr der Schlacht
von Olmedo und seiner daraus resultierenden Entmachtung, die Herrschaftsverhältnisse
in Kastilien im Vordergrund gestanden, wo er seit 1419 als Herzog von Penafiel
alles darangesetzt hatte, die Königsgewalt für sich zu erwerben.
Zwar war ihm aufgrund seiner Heirat mit der
Erb-Tochter
Blanca (1420) die Königswürde von Navarra zugefallen,
doch sollten die Stände 1429 anläßlich der Krönung
in Pamplona nur die Königin als "nuestra reina et seinnora naturtal"
anerkennen, während Johann schon
1420 zugestehen mußte, dass einzig seine Gattin und sein erstgeborener
Sohn im erbrechtlichen Sinn vollgültige Träger des Königtums
sein konnten. Als 1441 Blanche starb,
verhinderte Johann indes die Nachfolge
seines ältesten Sohnes, des in Navarra erzogenen und mit der dem Haus
BURGUND entstammenden
Agnes von Kleve verheirateten
Principe Karl von Viana, indem er sich
darauf berief, seine Gemahlin habe vor seinem Tod festgelegt, dass zur
Vergabe des Königstitels sein Einverständnis unabdingbar erforderlich
sei. Da Johann II. niemals seine Zustimmung
geben sollte, konnte Karl von Viana bis
1450 nur als Generalstatthalter fungieren und wurde danach durch
die zunehmende Präsenz seines Vaters immer mehr zurückgedrängt.
In seinem Bestreben, seiner Machtausübung die Legitimation einer königlichen
Herrschaft zu geben, ließ
Karl demgegenüber
unter seiner Leitung als "proprietario e natural Sennor del regno de Navarra"
1454 eine bis zur Thronbesteigung Karls III.
reichende Chronik der Könige von Navarra - "nuestros antecassores"
- redigieren, in der er sich selbst die Ordnungszahl 'IV.' zulegte. Seit
1449 schälte sich indes die Absicht Johanns,
der mittlerweile (seit 1447) mit Johanna Enriquez
- sie stammte als Tochter des Fadrique Enriquez aus der einflußreichen,
gegen Alvaro de Luna in Opposition stehenden kastilischen Adelsfamilie
- verheiratet war, zunehmend klarer heraus, in Navarra eine Front gegen
Kastilien zu errichten.
Der unaufhaltsam eskalierende Vater-Sohn-Konflikt erhielt
eine zusätzliche Brisanz durch seine Verquickung mit den innernavarresischen
Gegensätzen zwischen den Adelsparteien der Beaumonteses, die die Berge
beherrschten, und der Agramonteses, die ihre Machtgrundlagen auf dem flachen
Land hatten. Da Johann von Beaumont, der Prior des Johanniterordens, Erzieher
Karls
von Viana gewesen war, stützte sich dieser auf die Beaumonteses,
während Johann II. natürlich
die Agramonteses auf seine Seite ziehen konnte. Fast zwangsläufig
mußte Karl Anlehnung an Kastilien
suchen, doch als Heinrich IV. unmittelbar
nach seiner Thronbesteigung in Agreda einen Ausgleich mit Aragon schloß
(8. Oktober 1455), hielt Johann II.
die
Zeit für reif, die Thronfolge in Navarra definitiv zu regeln. Er enterbte
Karl von Viana mitsamt seiner Schwester
Blanca und richtete, ohne sich dabei
auf einen gültigen Rechtstitel berufen zu können, die Nachfolgeordnung
auf seine zweite Tochter Leonor
und
ihren Gatten, den Grafen Gaston IV. von Foix, aus, wofür er sich der
Unterstützung des französischen Königs als obersten Lehnsherrn
der Grafschaft versicherte. Diesem Druck war Karl
nicht gewachsen, so dass er Navarra verließ, um bei seinen Onkel
Alfons
V. von Aragon, dann in Sizilien und schließlich in Katalonien
Hilfe zu suchen. Dennoch war seine Sache nicht völlig verloren. Als
Johann II. seine Nachfolgeregelung
durch eine Ständeversammlung in Estella absegnen ließ (12. Januar
1457), versammelte Johann von Beaumont als Statthalter des Principe anders
zusammengesetzte Cortes in Pamplona und sorgte dafür, dass Karl
(IV.) feierlich zum König von Navarra proklamiert wurde
(16. März 1457).
Spätestens nachdem Johann
II., wie seit längerem absehbar, die Königsnachfolge
in der Krone Aragon zugefallen war, wurde klar, dass der Thronstreit in
Navarra die Verhältnisse in seinem neuen Reich tangieren mußte.
Da dort traditionell das Prinzip der Primogenitur aufrechterhalten wurde,
stand Karl von Viana dort ebenfalls
das Recht auf die Thronfolge zu. Als sich zeitweilige Rekonziliationsverhandlungen
zwischen Vater und Sohn zerschlugen, Johann II.
Karl auf keinen Fall als Primogenito anerkennen wollte und der
Principe von Viana im Gegenzug eine Eheschließung mit Isabella
von Kastilien, der Halbschwester Heinrichs
IV., betrieb, um kastilische Unterstützung bei seinen Aktionen
in Navarra zu erhalten, setzte ihn der König von Aragon in Lerida
gefangen (2. Dezember 1460) und entfernte ihn so vorerst von den aktiven
politischen Umtrieben. Dieser Vorgang, der verfassungsrechtliche Normen
tangierte, rief zuvorderst die seit langem bei solchen Fragen empfindlichen
katalanischen Stände auf den Plan. Sie machten die Sache Karls
von Viana zu ihrer eigenen und bildeten zur Unterstützung
der Diputacio einen Consell representant lo Principat de Catalunya. Die
Forderung nach Freilassung Karls und
der Sicherstellung seiner Thronfolge wurde mit dem Ringen um die Garantie
für die katalanischen Freiheiten verquickt, das heißt, man pochte
im Sinne des Paktismus auf den vermeintlichen Vertragscharakter der Verfassung,
durch den das Verhältnis zwischen Monarchie und Volk geregelt und
letztlich die Königsmacht eingeschränkt wurde. Der Kampf für
die Rechte Karls von Viana wurde zum
Kampf um die Einhaltung der verfassungsrechtlichen Prinzipien innerhalb
Kataloniens umgedeutet, zum Kampf zwischen dem monarchischen und dem konstitutionellen
Prinzip. Die Weigerung Johanns II.
nachzugeben, vereinigte über alle trennenden Gegensätze hinweg
die verfeindeten gesellschaftlichen Gruppen, so auch Dipucatio und Consell,
Biga und Busca. Das gemeinsame Anliegen, alle möglicherweise aus Kastilien
hinübergebrachten, von Johann II. oft
prononciert vertretenen Rechtsvorstellungen von Grund auf abzulehnen und
die eigenen politische Verfassung zu bewahren, gab die notwendige
militärische Stärke, um die Freilassung Karls
zu
erzwingen (25. Februar 1461) und in der Capitulacio von Vilafranca del
Penedes (22. Juni 1461) die Anerkennung des kastilischen Standpunkts durch
Johann II. zu erreichen. Außer
der Thronfolge Karls, der im Falle
seines Todes durch seinen Halbbruder Ferdinand
ersetzt
werden sollte, hatte der König zuzugestehen, dass er den Prinzipat
nur mit Erlaubnis der Stände betreten durfte und dass alle von ihm
benannten Amtswalter durch die Generalitat, den Consell de Cent und den
Consell del Principat bestätigt werden mußte.
Der überraschende Tod Karls
von Viana, der Kristallisationsfigur des katalanischen Widerstandes,
am 23. September 1461 sollte die Zugeständnisse von Vilafranca
schnell entwerten, darüberhinaus ein Auseinanderbrechen der mühsam
gewonnenen Einheit der Stände bewirken und letztlich den Weg in den
Bürgerkrieg der Jahre 1462-1472 ebnen.