Ältester Sohn des Grafen
Philipp III. der Weise von Evreux aus dem Hause der KAPETINGER
und
der Johanna II. von Navarra, Tochter
von König Ludwig X. dem Zänker;
väterlicherseits Urenkel des Königs
Philipp III. von Frankreich und mütterlicherseits Urenkel
des König Philipp IV. der Schöne von
Frankreich
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 981
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Karl II.,‘der Böse‘, König von Navarra und
Graf von Evreux 1349-1387
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* 1331, + 1. Januar 1387 (vielleicht bei einem Unfall
verbrannt)
Pamplona
Sohn von Philipp III. von Navarra (+ 1343) und Gräfin Johanna II. von Evreux (+ 1349), Tochter König Ludwigs X. von Frankreich
Karls Beiname, der
in die historiographische Tradition Frankreichs (nicht aber Navarra!) einging,
stammt von dem navarresischen Chronisten d’Avalos de la Piscina (16. Jh.),
dessen Vorfahren von Karl II. wegen
Verrats bestraft worden waren. Karls des Bösen
politisches
Streben war bestimmt von der Doppelrolle als König von Navarra und
als Angehöriger des französischen Königshauses der KAPETINGER.
Waren die mütterlichen Ansprüche auf den französsichen Thron
1316 abgewiesen worden, so war Karl II. der Böse
auf ein ‚grand office‘ der Krone Frankreich aus, das ihm, bestimmenden
Einfluß sichern sollte. Im Zuge seiner Intrigen (unter anderem Paktieren
mit England) ließ er im Januar 1354 den Favoriten des französischen
Königs, Charles d'Espagne, ermorden. Der gleichwohl versöhnungsbereite
Johann II. vermählte Karl II.
den Bösen mit seiner Tochter Johanna,
setzte andererseits den Dauphin Karl V.
zum Herzog von Normandie ein, um Karls
Machtposition zu untergraben und ließ ihn schließlich 1356
gefangensetzen. Dies provozierte das Eingreifen der Engländer, die
von Karls jüngerem Sohn Philipp
von Navarra über die normannischen Küstenbesitzungen
(Cherbourg, Cotentin) ins Land gerufen wurden. Noch in Haft während
der dramatisch sich zuspitzenden Ereignisse der Jahre 1356/57, erlangte
Karl
II. der Böse seine Freiheit Ende 1357 zurück, schloß
sich seinen Pariser Verbündeten an und schlug im Juli 1358 den Bauernaufstand
der Jacquerie nieder. Ohne den erwünschten Einfluß gewinnen
zu können und mehrmals besiegt (Cocherel, 1364), bedrohte er von seinen
befestigten Plätzen im Seinetal jedoch weiterhin die Position des
Königtums; auf das Angebot
Karls V.,
die Herrschaften an der Seine gegen Montpellier einzutauschen, ging er
nicht ein. Trotz Anklagen des Verrats und Giftsmords an Karl
V. konnte er sich, nicht zuletzt dank englischer Hilfeleistungen
über Bayonne (Navarra selbst besaß keinen eigenen Hafen), behaupten.
Doch veranlaßten ihn seine Mißergfolge auf
dem französischen Schauplatz seit 1361 zum Rückzug in sein Königreich
Navarra. Hier löste er die Statthalterschaft seines jüngeren
Bruders ab, residierte vorwiegend in Pamplona sowie Olite, Tudela und Estella,
baute eine Zentralverwaltung unter starker Beteiligung von Navarresen auf
(Camara de Comptos, 1365) und förderte Handel, Gewerbe, Wiederbesiedlung
und Judengemeinden. Er nahm diplomatische Beziehungen zu Aragon auf und
stand im kastilischen Thronstreit - gemäß seiner zumeist proenglischen
Haltung - im Gegensatz zu dem von Frankreich unterstützten Heinrich
II. Trastamara. Mehrfach gegen Kastilien unterlegen (Briones,
1379), konnte er dennoch die Situation seines Königreiches allmählich
verbessern, beteiligte sich an auswärtigen Unternehmungen (1371: Albanienfeldzug
seines Bruders Ludwig im Dienst seines
Schwagers Karl von Durazzo, 1384: Mitwirkung
seines Sohnes Karl an einem Kriegszug
Kastiliens gegen Portugal) und stellte so das Ansehen der Krone Navarra
wieder her.
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Karl II. der Böse
folgte seinen Eltern als König von Navarra, Graf von Evreux und Bigorre,
de Beaumont-le-Roger, Baron von Montpellier und Pair von Frankreich. Durch
seine Abstammung hielt er sich für einen ebenso berechtigten Anwärter
auf die Krone Frankreichs wie sein Schwiegervater Johann
II. der Gute und der englische König
Eduard III. Karl II. war derart verschlagen, grausam und von
Ehrgeiz besessen, dass er von seinen Untertanen den Beinamen "der Böse"
erhielt. Wenn es ihm darauf ankam, ein Ziel zu erreichen, war ihm jedes
Mittel recht. Wegen seiner Ansprüche in Frankreich, Burgund (über
die Mutter) und Champagne-Brie geriet er mit der Königsfamilie ständig
in Konflikt, verbündete sich mit Eduard III.
von England und opponierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit.
1356-1357 Gefangener der Krone, versuchte er 1358 mit Unterstützung
Etienne Marcels seinen Einfluß in Frankreich zu erweitern und möglichst
für sich die französische Krone zu erlangen. Er wurde zum Frieden
von Pontoise gezwungen und half danach, den 1358 ausgebrochenen Bauernaufstand
(Jacquerie) zu unterdrücken, wobei er mit besonderer Grausamkeit vorging.
Seit 1361 führte er wegen Burgund wieder Krieg gegen die Krone, wurde
1364 bei Cocherel von königlichen Truppen unter Bertrand Du Guesclin
geschlagen und Karl V. von Frankreich ausgeliefert,
der ihn zur Unterzeichnung des Vertrages von Avignon zwang, mit dem er
auf seinen gesamten Besitz in der Normandie verzichtete. Er griff jahrelang
in die kastilischen Bruderkriege ein und gewann zeitweise La Rioja und
Viscaya zurück.
1351
oo 2. Johanna von Frankreich, Tochter des Königs
Johann II.
24.6.1343-3.11.1373
1347
1. oo Heinrich Erb-Prinz von
Brabant
-29.11.1349
Kinder:
Maria
um 1360- nach 1420
oo Alfons I. Herzog von Gandia (Aragon)
-7.3.1412
Johanna
1370-10.7.1437
2.9.386
1. oo 3. Johann V. Herzog von Bretagne
1340-2.11.1399
7.2.1403
2. oo Heinrich IV. König von England
3.4.1367-20.3.1413
Karl III. der Gute
1361-8.9.1425
Peter Graf von Mortain
31.3.1366-29.7.1412
21.4.1411
oo 1. Katharina von Alencon, Tochter des
Herzogs Peter II.
um 1395-25.6.1462
1.10.1413
2. oo 2. Ludwig VII. Herzog
von Bayern-Ingolstadt
20.12.1365-1./2.5.1447
Philipp
- jung
Bona
- jung
Blanka
- 13
Jahre alt
Illegitim
Leonel Visconde de Murazabal
-
1413
Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge
von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 31 - Ehlers
Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln
2000 Seite 201,225,228,231-234,242,258,270 - Favier, Jean: Frankreich
im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart
1989 Seite 283,285,299,320,323,329,331,334,340,351,378 - Markale,
Jean: Isabeau de Bavarie. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite
360 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von
Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet
Regensburg 1996 Seite 188,190,194 - Tuchmann Barbara: Der ferne
Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 131,134,140,164,173,179,212,305-308,395
- Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter
711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1993 Seite 174-176, 178,186,216 A. 48 -
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Markale Jean: Seite 360
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„Isabeau de Bavarie“
König Karl II. von Navarra
(1312-1387) war ein Urenkel Philipps
des Schönen, und zwar über seine Mutter Johanna
II. von Navarra. Als Tochter von Ludwig
dem Zänker war diese die Erbin
des Königreichs Navarra. Die Anrechte auf die Krone von Navarra
konnten durchaus auch über weibliche Nachfolge vererbt werden. Aufgrund
dieser Abstammung konnte Karl II. von Navarra
zeitlebens
die Krone Frankreichs fordern. Diese mutige, durchtriebene und intelligente
Persönlichkeit erinnert unweigerlich an Johann
Ohnefurcht. Er führte je nach seinem momentanen Interessen
eine ganz persönliche Politik, wechselte mit entwaffnender Leichtigkeit
seine Verbündeten, ließ jeden umbringen, der ihm im Weg stand,
du hinterließ bei allen, die ihm einmal begegnet waren, die Erinnerung
eines unbequemen, lästigen Partners. In der ersten Phase des Hundertjährigen
Krieges verbündete er sich häufig mit den Engländern und
sah in der englischen Lösung des Vertrags von Bretigny eine Befriedigung
seiner eigenen Ambitionen und zugleich einer positive Politik, da sie sich
auf den wirtschaftlichen Aspekt einer Zusammenarbeit mit England stützte.
Seine Tochter Johanna von Navarra heiratete
in 1. Ehe Johann IV. von Montfort, den Herzog von Bretagne, und wurde die
Mutter von Johann V. und Artur de Richemont, bevor sie in 2. Ehe König
Heinrich IV. von England heiratete.