Einziger Sohn des Herzogs Anton
von Bourbon-Vendome und der Johanna
III. d'Albret von Navarra, Tochter von König
Heinrich II.
Heinrich IV. wurde
1553 Herzog von Beaumont-au-Maine, 1562 Herzog von Vendome, Pair und 1.
Prinz von Frankreich, 1572 König von Navarra, Fürst von Bearn
und Viana, Herzog d'Albret, Graf von Armagnac, von Foix-Andorra und Herzog
von Alencon. Er wurde streng und einfach erzogen, war ohne Dünkel,
ritterlich und martialisch, weitsichtig, fähig und unkonventionell,
sorgte mit seinen vielen Frauengeschichten für viel Aufsehen. Dabei
war er großzügig gegenüber seinen Gegnern, die er damit
für sich gewann und mit seinen Toleranzgedanken war er seiner Zeit
weit voraus, war 1572-1576 im Louvre nach seiner "Bluthochzeit" gefangen,
floh am 3.2.1576 und wurde das Haupt der Hugenotten. Er erwies sich als
fähiger Feldherr und Stratege gegen die katholische Liga der GUISEN
und Spanien und konnte auch in schwierigen Situationen Vertrauen und Zuversicht
vermitteln. Nach dem Tode des Thronfolgers Franz
von Alencon (+ 10.6.1584) galt er als Thronfolger von Frankreich
und besiegte am 20.10. 1587 bei Coutras das königliche Heer entscheidend.
Im Jahre 1589 schloß er mit König Heinrich
III. ein Bündnis, doch wurde dieser bei der Belagerung
von Paris ermordet. Nach dem Erlöschen des Hauses
VALOIS folgte er 1589 als König von Frankreich und schlug
am 14.3.1590 die Truppen der Liga bei Ivry vernichtend. Daraufhin befahl
Philipp
II. von Spanien den Einmarsch spanischer Truppen, um Frankreich
in ein spanisches Protektorat umzuwandeln. Um seine Gegner, insbesondere
Paris, zur Unterwerfung zu veranlassen, trat Heinrich am 25. 7.1593 zum
Katholizismus über ("Paris ist eine Messe wert"). Die Einnahme von
Paris am 22.3.1594 beendete die Hugenottenkriege und am 15.9.1595 söhnte
er sich mit Papst Clemens VIII., der ihn vom 1585 verhängten Bann
löste und ihn als König anerkannte, aus. Im Frieden von Vervins
(2.5.1598) entsagte Philipp II. von Spanien
allen Ansprüchen in Frankreich. Das am 13.4.1598 erlassene Edikt von
Nantes gewährte den Hugenotten volle Religionsfreiheit. Er ordnete
alle Bereiche Frankreichs vorzüglich, sanierte die Finanzen und gestand
eine bisher nicht gekannte Meinungs- und Pressefreiheit zu. Die Macht der
hochadligen Gouverneure brach er und verbot dem Hochadel grundsätzlich,
eigene Truppen zu halten. Er gewann 1601 von Savoyen Bresse, Gex und Bugey
und gab dafür die Markgrafschaft Saluzzo zurück. Er rief die
Jesuiten zurück und gründete 1608 Quebec. Er schloß sich
der Protestantischen Union an, wollte im Jülich-Kleveschen-Erbkrieg
zu Gunsten von Brandenburg vermitteln und wurde vor der Abreise vom Jesuiten
Francois Ravaillac ermordet. Man kann Heinrich
IV. zu den bedeutendsten europäischen Regenten zählen.
18.8.1572
1. oo Margarete von Valois, Tochter des Königs
Heinrich II.
x 14.5.1553-27.3.1615
27.12.1600
2. oo Maria von Medici, Tochter des Großherzogs
Franz I.
26.4.1573-3.7.1642
Geliebte:
-----------
* Diana d'Andoins
* Mademoiselle Dayelle
* Mademoiselle Rebours
* Charlotte de Sauve
* Gräfin Moret
* Jacqueline des Essart
* Gabrielle d'Estrees
Kinder:
2. Ehe
Ludwig XIII.
27.9.1601-14.5.1643
Elisabeth
22.11.1602-6.10.1644
25.11.1621
oo Philipp IV. König von
Spanien
8.4.1605-17.9.1665
Christine
10.2.1606-27.12.1663
10.2.1619
oo Viktor Amadeus I. Herzog von Savoyen
8.5.1587-7.10.1637
Nikolaus
16.4.1607-17.11.1611
Gaston Herzog von Orleans
25.4.1608-2.2.1660
Henriette Maria
25.11.1609-10.9.1669
23.6.1625
oo Karl I. König von England
19.11.1600-30.1.1649
Illegitim:
von Gabrielle d'Estrees
Cesar de Bourbon Herzog von Vendome
3.5.1594-22.10.1665
Katharina-Henriette
26.3.1596-20.6.1663
1619
oo Karl II. Herzogin von Elboeuf
5.11.1596-5.11.1657
Alexander de Bourbon Ritter von Vendome
1598- 1629
von Henriette d'Entragues
Gaston-Heinrich de Bourbon Herzog von Verneuil
1601- 1682
Gabrielle-Angelique de Bourbon Herzogin von Epernon
1602- 1627
von Jacqueline de Bueil
Antoine de Bourbon Graf von Moret
1607- 1632
von Charlotte des Essarts
Jeanne Baptiste de Bourbon
1608- 1670
Marie-Henriette
1609- 1629
Literatur:
-----------
Castries Herzog von Rene de la Croix: Die Bourbonen
in Frankreich. in: Die großen Dynastien. Karl Müller Verlag1996
Seite 152-186 -
Hartmann P.C.: Französische Könige und
Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag
C. H. Beck München 1994 Seite 9,71,90,99,110,112-114,118,120,122,125,133,138,140-172,174,182,186,203,210,213,242,272,307
- Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser.
Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag,
Gernsbach 1996 - Mahoney Irene: Katharina von Medici. Königin
von Frankreich. Eugen Diederichs Verlag München 1994 - Neale
John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen Diederischs Verlag
München 1994 Seite 155,251,302,323,362-368,386,395/96,431,437,444,
454,456 - Taillandier Saint-Rene: Heinrich IV. Der Hugenotte auf
Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1995 - Treffer
Gerd: Franz I. von Frankreich. Herrscher und Mäzen. Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 1993 -
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Castries Herzog von Rene de la Croix: Seite 152
*******************************
"Die Bourbonen in Frankreich"
Die BOURBONEN sind
eine jüngere Linie der KAPETINGER.
Das Geschlecht geht zurück auf Robert von
Clermont, den 6. Sohn Ludwigs des Heiligen.
Der seit nahezu 10 Generationen von der Hauptlinie getrennte Zweig wurde
zur Zeit der Renaissance von Karl,
Herzog
von Vendome, repräsentiert. Dieser hatte 4 Kinder: Anton,
Herzog von Bourbon, Gatte der Jeanne
d'Albret und Vater
Heinrichs von Navarra,
Francois,
Graf von Enghien, Karl Kardinal von
Bourbon, und Ludwig, Prinz von Conde.
Nach dem Tode des von dem Mönch Jacques Clement ermordeten Heinrich
III. wurde Heinrich von Navarra König
von Frankreich.
Aus der Tatsache, dass Heinrich
von Navarra Protestant war und deshalb nicht zum König
gesalbt werden konnte, ergaben sich große Probleme. Sie wurden in
der Folge eines 5 Jahre währenden Bürgerkrieges gelöst,
der Frankreich an den Rand des Abgrunds brachte. Dank seiner Geschicklichkeit
und seiner persönlichen Qualitäten behielt Heinrich
IV. (1589-1610) die Oberhand. Das Bild Heinrichs
IV. wurde aufs äußerste stilisiert. Er war eine schillernde
Gestalt, ein Haudegen und großer Liebhaber der Frauen, aber auch
ein Mensch mit ausgezeichnetem politischen Instinkt und profunder Menschenkenntnis,
der sich seine Popularität zu erhalten wußte. Er war der Erneuerer
des ausgebluteten Frankreich, stellte die Einheit wieder her und führte
das Land zu seinem verlorenen Wohlstand zurück. Heinrich
IV. hatte eine bewegte Jugend hinter sich. Man zwang ihn zur
Heirat mit Margarete von Valois, einer
Schwester der letzten Könige des Hauses VALOIS,
doch ließ er sie zugunsten verschiedener Mätressen im Stich.
Viel Zeit widmete er der Kriegsführung; seine Fähigkeiten auf
diesem Gebiet hatte er mit seinem Sieg in der Schlacht bei Coutras unter
Beweis gestellt. In dem Bestreben, die nationale Einheit wiederherzustellen,
erklärte er sich später zu einer Versöhnung mit Heinrich
III. bereit; dieser bestimmte ihn bei seinem Tode zum Thronfolger.
Aus demselben Wunsch nach Einheit heraus unternahm Heinrich
IV. den Versuch, das Königreich in seiner Gesamtheit zurückzuerobern,
gegen den Widerstand der Liga und gegen Ansprüche von seiten des Auslandes.
Um sich der Unterstützung Elisabeths von England zu versichern, befreite
er die Küste des Ärmelkanals in der Schlacht von Arques (21.
September 1589) und brachte dadurch Dieppe unter seine Herrschaft. Nachdem
so die Verbindung mit England gesichert war, marschierte er nach Paris.
Freien Zugang dorthin erkämpfte er sich mit seinem Sieg bei Ivry (13./14.
Februar 1590) und begann dann mit der Belagerung der Hauptstadt, die jedoch
von Alexander Farnese, Herzog von Parma, befreit wurde. Paris stand unter
der Herrschaft der Liga, die den Kardinal von Bourbon, einen Onkel Heinrichs
von Navarra, als Karl X. zum
König proklamiert hatte. Nach dessen Tod im Jahre 1590 aber konnte
niemand mehr dem Mann aus Bearn die Krone streitig machen.
Dennoch zogen sich die Kämpfe über weitere
vier Jahre hin. In Paris führte die Liga ein Schreckensregiment, und
die Franzosen begannen ein Auseinanderfallen ihres Gebietes zu befürchten.
Im Jahre 1593 berief die Liga die Generalstände ein. Heinrich
IV. benützte die Gelegenheit, seine Rechte geltend zu machen,
und erklärte sich bereit, zum Katholizismus überzutreten. Er
ließ sich in der katholischen Glaubenslehre unterweisen. Am 25. Juli
1593 schwor er in der Basilika von Saint-Denis seinem Glauben ab, und am
15. Februar 1594 wurde er in der Kathedrale von Chartres gesalbt. "Paris
ist eine Messe wert" - mit diesen Worten hat die volkstümliche Geschichte
die Ereignisse zusammengefaßt. Am 22. März 1594 öffnete
die Hauptstadt ihm auf Befehl des Gouverneurs Brissac ihre Tore. Der Fall
von Paris bedeutete indessen noch nicht das Ende der Feindseligkeiten mit
Spanien. Der König besiegte die Spanier in Fontaine-Francaise (5.
Juni 1595), doch erst am 2. Mai 1598 kam auf der Grundlage des Friedens
von Cateau-Cambresis der Friede von Vervins zustande.
In jenes Jahr 1598, in dem die Kämpfe ein Ende fanden,
fällt auch der bedeutsamste Akt der Regierung
Heinrichs IV.: die Verkündung des Edikts von Nantes, mit
dem das Problem des Protestantismus auf französischem Boden gelöst
wurde. Vorausgegangen war die Versöhnung mit dem Heiligen Stuhl. Die
Befriedung der Konfessionen war jedoch nicht oohne langwierige Auseinandersetzungen
vonstatten gegangen. Um sein Ziel zu erreichen, mußte Heinrich
IV. den Protestanten "Sicherheitsplätze" zugestehen, die
einen regelrechten Staat im Staate bildeten. Aber Heinrich
IV. wünschte Gehorsam, und er fand die richtigen Worte,
sich ihn zu verschaffen.
Noch war die Frage der Erbfolge nicht geregelt. Heinrich
IV. lebte mit seiner Mätresse, Gabrielle d'Estrees,
zusammen, der er die Ehe versprochen hatte. Sie starb jedoch unerwartet
im Jahre 1599. Daraufhin verlangte der König die Annullierung seiner
Ehe mit "Königin Margot" und heiratete
Maria
von Medici, eine Nichte des Großherzogs der Toskana. Diese
Vernunftsehe hinderte ihn nicht, sich mit einer weiteren Mätresse,
Henriette
d'Entragues, der Tochter Marie Touchets, zu verbinden. Aus dieser Liaison,
die sich mit vielen anderen kreuzte, entstanden für ihn große
Unannehmlichkeiten. Doch diese bedauerliche Verworrenheit seines Privatlebens,
das ihm den Beinamen "Vert Galant" eintrug, hinderte ihn nicht, den Wiederaufbau
des Staates zu Ende zu führen. In dieser Aufgabe unterstützte
ihn in bewunderungswürdiger Weise Maximilian de Bethune, Herzog von
Sully. Dieser fand bei seiner Ernennung zum Oberintendanten der Finanzen
im Jahre 1597 - ihm unterstanden darüber hinaus noch andere ministerielle
Ressorts - die Staatskasse leer und stand vor einem Berg von Schulden.
Er betrieb die Tilgung der Staatsschuld und eine progressive Erhöhung
der Steuern, deren Aufkommen um 50 Prozent stieg. Sein Hauptanliegen war
die Reform der Landwirtschaft. "Ackerbau und Viehzucht", so sagte er, "sind
die zwei Brüste, die Frankreich nähren; sie sind seine wahren
peruanischen Bergwerke und Schätze." Mit Hilfe des Agronomen Olivier
de Serres gelang es ihm, die landwirtschaftliche Produktion den Bedürfnissen
der Nation anzupassen. Daneben betrieb er eine bemerkenswerte Kolonialpolitik
und schuf insbesondere in Kanada mit Samuel Champlain solide Grundlagen
der Kolonisierung. Der äußere Friede wurde mehrmals bedroht,
vor allem in den Beziehungen zu Savoyen. Sully übernahm die Regelung
dieser Angelegenheit, und mit dem Vertrag von Lyon annektierte Frankreich
1601 die Gebiete Bresse und Bugey.
Unterdessen sank die Beliebtheit Heinrichs
IV. rasch; Frankreich erfreute
sich eines vermehrten Wohlstandes und begriff nicht, was es Heinrichs
politischer
Klugheit verdankte. Man kritisierte sein Privatleben und ereiferte sich
darüber, dass er sich in die junge Charlotte de Montmorency verliebte,
die er mit dem Prinzen von Conde verheiratet hatte. Dieses Abenteuer überschnitt
sich mit einem politischen Ereignis von größter Bedeutung: dem
Tod des Fürsten von Kleve und Jülich zu Beginn des Jahres 1610.
Kaiser
RUDOLF bemächtigte sich dieser Gebiete, die eine vorgeschobene
Bastion gegen die Ostmark bildeten.
Heinrich IV.
aber
gedachte diese Annexion nicht hinzunehmen und rüstete zu einem Krieg,
indem er an drei Fronten Armeen aufstellte. Bevor er sich an der Spitze
der Truppen nach den Niederlanden in Marsch setzte, entschloß er
sich, die Regentschaft in die Hände Marias von Medici zu legen und
ließ sie am 13. Mai 1610 salben.
Über die Absichten des Königs kursierten die
verschiedensten Gerüchte, und allenthalben war die Rede von einem
Mordanschlag gegen ihn. Fanatische Mönche prangerten das Verhalten
des Königs an und beschuldigten ihn, den Krieg um der schönen
Augen Charlottes von Montmorency willen zu führen und die Belange
der Protestanten zu begünstigen. Von solchen Reden aufgestachelt,
machte sich in Angouleme ein Schulmeister namens Ravaillac, einen Dolch
in der Tasche, in kleinen Etappen auf den Weg nach Paris.
Am 14. Mai, einen Tag bevor er in den Krieg zu
ziehen gedachte, begab sich Heinrich IV.
zum Arsenal, um Sully einen Besuch abzustatten. In der Rue de la Ferronnerie
geriet sein Wagen in einen möglicherweise von langer Hand vorbereiteten
Stau. Ravaillac, welcher der Kutsche des Königs gefolgt war, sprang
auf die Radnabe und stieß dem König seinen Dolch zweimal in
die Brust. Der König war auf der Stelle tot. Der festgenommene Ravaillac
wurde nach einem überstürzten Gerichtsverfahren gevierteilt,
womit zugleich die Aufdeckung einer Komplizenschaft ausgeschaltet wurde,
die aus heutiger Sicht möglich erscheint und wahrscheinlich in den
Reihen ehemaliger Mitglieder der Liga zu suchen gewesen wäre. Zu seinen
Lebzeiten heftig kritisiert, war Heinrich IV.
nach
seinem Tode der am meisten betrauerte von allen Königen Frankreichs.
Hartmann P.C.: Seite 143-170
*************
"Französische Könige und Kaiser der Neuzeit"
Die Frauen Heinrichs IV. Seite 162-165
-------------------------------------------------
Frauen haben im Leben Heinrichs
IV. eine Rolle gespielt wie in dem kaum eines anderen Königs,
und doch scheint er zeitlebens einsamer gewesen zu sein als viele seiner
Vorgänger und Nachfolger. Eine Kurzbiographie kann dieses Thema nur
streifen, nicht aber zur Zufriedenheit all jener, die an mehr als nur amourösen
Klatsch interessiert sind, ausleuchten. Angesichts unzähliger Episoden,
die Stoff zu einer Flut von populären Biographien (und Filmen) über
das Liebesleben des Vert Galant abgegeben haben, ist es nicht ganz einfach,
durch das Dickicht von Halbwahrheiten und Übertreibungen hindurch
die lebensgeschichtlichen und politisch-biographischen Bedeutsamkeiten
zu erkennen.
Relativ einfach liegen die Dinge im Hinblick auf seiner
ersten Frau, die Königin Margarete von Valois
(la reine Margot), die Braut der Bluthochzeit. Wie das anschließende
Morden war diese Verbindung ein Werk Katharinas
von Medici, Heinrich scheint,
wie übrigens seine Mutter, diesem Plan keinen ernsthaften Widerstand
entgegengesetzt zu haben. Die Ehe freilich wurde zur Nichtehe, obwohl sie
formal bis 1599 aufrechterhalten blieb. Schon während der "Gefangenschaft"
Navarras im Louvre zeigte sich, dass hier zwei Charaktere miteinander verbunden
worden waren, die vor lauter Unabhängigkeits- und Selbständigkeitsbegehren,
insbesondere auch bei der feinsinnigen, die höfische VALOIS-Raffinesse
kultivierenden, den schönen Künsten zugewandten Margot,
kaum zueinander finden konnten. Zudem erwies es sich bald, dass die Ehe
unfruchtbar bleiben sollte, was, wie sich zweifelsfrei belegen ließ,
nicht an Heinrich, sondern an der VALOIS-Prinzessin
lag. Dass nur gelegentlich Aufregung in der Ehe entstand - so etwa anläßlich
der Affaire Heinrichs mit einer Ehrendame
der Königin -, lag an der "liberalen" Einstellung beider Partner,
an monate- und jahrelanger Trennung, an kurzen Phasen sehr erträglichen,
die Königin-Mutter befriedigenden Zusammenlebens und daran, dass Margarete
von Valois in schwierigen Zeiten durchaus loyal zu ihrem Mann
zu halten wußte. Nicht übersehen werden darf auch, wie sehr
die VALOIS-Prinzessin für Navarra
ein Unterpfand darstellte für selbst in schlimmsten Zeiten des Religionskriegs
nicht abreißende Kontakte zum Hof, zum Zentrum der Macht.
Die erste bedeutende Mätresse im Leben Heinrichs
von Navarra war Diane d'Andoins ("Corisande"), die seinem
heutigen Biographen vor allem als Briefpartnerin des unablässig durch
die Lande hetzenden Parteiführers von Nutzen ist, besonders zwischen
1582 und 1584, dem Zeitraum intensivster Verbindung zwischen dem protestantischen
Parteiführer und der verwitweten Gräfin. Dass Heinrich
sich von ihr leicht trennen konnte, lag einerseits, wie immer, an den Umständen,
die ihn allzu oft in die Ferne führten und so der Untreue auf beiden
Seiten Vorschub leisteten. Es lag aber auch an der Persönlichkeit
dieses Königs, der stets zu verehren und zu verfallen bereit war,
sich aber ebenso schnell von Menschen, insbesondere von Frauen, abwandte,
so dass sich der Biograph fragt, ob dieser König wirklich zu lieben
vermochte.
Anders liegen die Dinge im Fall der Gabrielle d'Estrees,
"la
belle Gabrielle", mit der Heirnich IV.
zwischen 1592 und 1599 die längste und intensivste Liäson seines
Lebens verband. Diese Geliebte aus pikardischem Adelsgeschlecht wuchs in
die Rolle einer wirklichen Mätresse hinein und nahm über Jahre
die Position einer Beinahe-Königin ein. Gerade deshalb zog sie den
Haß der Königin Margarete
auf sich, die weitab in der Auvergne leben mußte. Margarete
setzte
manch üble Nachrede und Intrige gegen die Mätresse in Gang. Vom
König um 1595 mit dem Titel einer Marquise ausgestattet, wurde Gabrielle
in ihrer quasi-offiziellen Position von da an anerkannt. "Der ganze normale
Apparat einer offiziellen Favoritin ist seit Ende 1594 zur Stelle" (Babelon,
643). Sie gebar Heinrich IV. 3 Kinder,
die später legitimiert wurden, und nicht zuletzt daran lag es, dass
der König so lange zu ihr hielt. Denn seine Kinderliebe und, damit
verbunden, seine Verehrung für eine Frau, die ihm solche geboren hatte,
sind vielfach belegt. Ihr ältester Sohn,
Cesar
de Vendome, wurde gar zum Begründer einer bourbonischen
Nebenlinie. Gabrielle war, Schicksal jener königlichen Favoritin,
heftig umstritten. Sie trug zur Vermehrung ihrer Feinde am Hof durch ihr
beharrliches Bemühen bei, aus der Position der Favoritin in die einer
offiziell legitimierten Königin zu gelangen. Es ist nicht ausgeschlossen,
dass Heinrich IV. dieser Frau verfallen
wie keiner anderen zuvor oder danach, ihrem Drängen nachgegeben hätte,
wäre sie nicht 1599 einem plötzliche auftretenden Leiden erlegen,
über deren Ursache noch lange danach spekuliert wurde. In den entscheidenden
Jahren der Befriedung Frankreichs hat sie Heinrich
IV. bei dem schwierigen Geschäft der Vermittlung und des
Ausgleichs intensiv zur Seite gestanden. Vor allem bei der Vorbereitung
des Edikts von Nates sehen wir sie tätig. Es ist daher kein Zufall,
dass sie, ohne "zur Religion" zu gehören, auf protestantischer Seite,
unter anderem in dem kämpferischen Dichter Agrippa d'Aubigne, ihre
besten Freunde hatte.
Der plötzlich Tod Gabrielles nahm eine Last
vom offiziellen Frankreich, nicht nur, weil man den König hier in
einer sehr schwierigen persönlichen Situation wußte; weit wichtiger
war noch, dass endlich der Weg frei wurde für eine neue, vor allem
der Entschuldung Frankreichs dienende Ehe Heinrichs
IV. Zu den größten Gläubigern des Landesgehörte
immer noch Florenz. Florentinisches Interesse an einer französischen
Hochzeit war seit langem vorhanden, eine entsprechende Prinzessin - Maria
von Medici - stand zur Verfügung, zudem war Margarete
schnell bereit, in die Scheidung einzuwilligen. Nach langen Verhandlungen
gab auch der Papst seinen Dispens wegen eines Vorwandes, der zwar seit
den Trienter Konzilsbeschlüssen nicht mehr galt, aber für diesen
Fall noch einmal aktiviert wurde und der die Ehe zwischen dem Bearner und
der VALOIS als von vornehrein ungültig
hinstellen ließ: Pate Heinrichs
im Jahre 1553 war kein geringerer als der damals herrschende französische
König, Heinrich II., der Vater Margots,
gewesen. Heinrich und seine Frau verband
demnach eine "spirituelle Verwandtschaft", die als Ehehindernis gelten
mußte. So war der Weg frei für Maria
von Medici, Enkelin Cosimos I. und Nichte des regierenden Großherzogs
Ferdinand I. Sie wurde die neue Königin von Frankreich und trug mit
ihrer Mitgift von 600.000 Ecus kräftig zur Entschuldung und Budgetverbesserung
des Königreichs bei.
Mit dieser erneuten, engen Verbindung zum florentinischen
Stadtstaat gewann Frankreich zudem soliden Einfluß auf die innenpolitische
Situation in N-Italien. Heinrich IV. sah
den eminenten außen- und finanzpolitischen Nutzen dieser Verbindung
und behandelte die Gattin bei aller amourösen Nebentätigkeit
überaus korrekt und aufmerksam. Maria wurde
nicht nur Königin von Frankreich, sondern auch, höchstes Ziel
der Wiederverheiratung eines mit 47 Jahren schon alten Monarchen, Mutter
mehrerer legitimer Erben. Schon 1601 erblickte der erste Sohn das Licht
der Welt - Ludwig der Thronerbe. Sexuell ließ Heinrich
IV. sich von diesen erfolgreichen familiären Entwicklungen
allerdings nicht fesseln. Sein Interesse für das andere Geschlecht
wuchs in den folgenden Jahren noch und nahm geradezu donjuanhafte Ausmaße
an, was in dem gewiß nicht prüden Königreich zu einiger
Beunruhigung führte und den florentinischen Gesandten einmal vom französischen
Hof als einem "bordello" sprechen ließ. Mit Henriette d'Entragues,
von Heinrich zur Marquise von Verneuil
befördert, deren Verbindung zum König von ihrer - übrigens
der Welt der "Lieblinge" Heinrichs III.
entstammenden - Familie schon vor der Hochzeit mit Maria
auf ähnlich raffinierte Weise eingefädelt worden war wie zuvor
bei Gabrielle, war auch bald eine neue Großmätresse zur
Stelle.
In einer Hinsicht war die Affaire d'Entrangues biographisch
bedeutsamer als alle vorangehenden. Henriette selbst und ihr gesamter
Familienclan sahen die Verbindung mit Heinrich
IV. von vornherein als Instrument des Familienaufstiegs, und
sie wußten sich noch vor der Eheschließung Heinrichs
mit Maria von Medici ein für solche
Zwecke überaus wertvolles Dokument zu besorgen: ein schriftliches
Eheversprechen des Königs, das dieser zwar durchaus nicht ernst gemeint,
aber - nicht zum ersten Mal übrigens - "vor Gott" geschworen und ohne
jeden Zweifel persönlich unterschrieben hatte. Mit diesem wichtigen
Papier in der Hand machte die Familie in den folgenden Jahren Politik.
Da die Eheschließung mit der Florentinerin "banquiere", wie Henriette
Maria
von Medicirespektlos nannte, den König von jeder weiteren
ernsthaften Überlegung hinsichtlich seines Eheversprechens abhielt,
wurden die Marquise und ihr Clan wie zwangsläufig Teil jener Welt,
die Heinrichs Regiment in der Zeit
des Friedens und der Ruhe zwischen 1602 und 1606 kontinuierlich beunruhigte:
der Welt des Verrats, des Aufstands und der Rebellion.