Garcias VI. der Restaurator                     König von Navarra (1134-1150)
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um 1112-21.11.1150
 

Sohn des Senor Ramiro de Monzon und der Christina de Vivar, Tochter vom "Cid-Campeador"; Urenkel des Königs Garcias V. von Najera
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1110
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Garcia (Ramirez) IV. ‚el Restaurator‘, König von Navarra-Pamplona 1134-1150
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     + 21. November 1150
      Lorca bei Estella

Als Sohn des Ramiro Sanchez, Herrn von Monzon (zwischen 1104 und 1116), und der Christina, einer Tochter des Cid, stammte über seinen Großvater, den Infanten Sancho, von König Garcia (Ramirez) III. ‚el de Najera‘ ab.

1. oo Margarete von Perche, Nichte König Alfons‘ I. von Aragon und des Grafen Rotrou von Perche, in dessen Namen er seit 1133 Tudela innehatte, nachdem er schob 1125 Monzon zurückerobert und später Logrono (1130) und Calatayud (1133) hinzugewonnen hatte

2. oo Juni 1144 Uracca ‚la Asturiana‘, eine illegitie Tochter König Alfons‘ VII. von Kastilien-Leon

Nach dem Tode Alfons I. von Aragon (1134), der sein Reich testamentarisch den Ritterorden hinterlassen hatte, wählte der navarresische Adel – in Ausübung seines Wahlrechts – Garcia Ramirez IV. als Abkömmling des alten pamplonesischen Königshauses zum König. In der Übereinkunft von Vadoluengo (Januar 1135) hatte Ramiro II. von Aragon zwar die Machtübernahme durch Garcia Ramirez IV. geduldet und Grenzen abgesteckt, sich jedoch eine gewisse, allerdings nicht genauer definierte Oberhoheit vorbehalten. Als Garcia Ramirez IV. dann kurze Zeit später Lehensmann Alfons‘ VII. von Kastilien-Leon wurde und sich damit ausdrücklich in die Tradition der aragonesischen Könige stellte, die bis zu Peter I. ebenfalls Pamplona zu Lehen genommen hatten, wurde die Loslösung Navarras von Aragon rechtlich abgesichert. Das Papsttum erkannte allerdings die Königserhebung Garcias nicht an. Das gute Einvernehmen mit Alfons VII., an dessen Kaiserkrönung König Garcia (Ramirez) IV. 1135 in Leon teilnahm, setzte sich fort und drückte sich in der stellvertretednen Verwaltung des Reiches von Zaragoza aus, bis Garcia IV. als einen Opfer des neuen Einvernehmens zwischen Kastilien-Leon und Aragon-Katalonien im Sommer 1136 Zaragoza entzogen wurde. Im Vertrag von Carrion sollte 1140 dann sogar eine letztlich nicht verwirklichte Aufteilung des Reiches beschlossen werden. Die Schaukelpolitik Garcias IV., die ihn zeitweise an die Seite Portugals führte, hatte vorübergehend Erfolg (Blanca, Tochter Garcias, oo Sancho III., den ältesten Sohn Alfons' VII.; Gracia selbst oo Urraca) und konnte bis zu seinem Tod den Bestand des Reiches gewährleisten. An der Reconquista nahm er an der Seite Alfons' VII. teil (Baeza und Almer 1147), und gegen Ende seiner Regierung feierte er noch einen wichtigen diplomatischen Erfolg, als er mit seinem schärfste Rivalen, Raimund Berengar IV., dem Grafen von Barcelona und 'princeps'von Aragon, einen Friedensvertrag abschließen konnte (1. Juli 1149). Selbst als 1151 durch den Vertrag von Tudejen eine erneute Aufteilung des Königreiches zwischen Kastilien-Leon, Aragon und dem Reich von Najera, das Sancho III. beherrschte, erfolgte, erwies sich der Reichsaufbau Garcias unter seinem Sohn Sancho VI. als dauerhaft. Eine weitere Tochter aus seiner ersten Ehe heiratete den späteren König Wilhelm I. von Sizilien, während die Infantin Sancha als Tochter aus 2. Ehe den Vizegrafen Gaston V. von Bearn heiratete.
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Garcias VI. der Restaurator lebte am Hofe Alfons I. von Aragon-Navarra und machte dessen viele Feldzüge gegen die Mauren mit, auch die Schlacht bei Fraga, in der Alfons fiel. Dessen Bruder Ramiro II. der Mönch setzte das angestammte Haus wieder ein und Garcias wurde König von Navarra. Er verbündete sich mit Portugal, mußte aber eine kastilische Hoheit anerkennen, dazu auf alle Ansprüche Navarras auf die baskischen Provinzen verzichten und nach vielen Auseinandersetzungen auch auf La Rioja, Calahorra und Najera/Logrono. Er unterstützte nach 1140 Kastilien gegen die Mauren, half 1147 Almerias zu erobern und vereitelte alle Versuche Kastiliens und Aragons, Navarra aufzuteilen. Sein Reich verlor aber völlig die ehemals bedeutende Stellung unter den christlichen Königreichen Spaniens und blieb von jeder weiteren Reconquista ausgeschlossen.
 
 
 
 

   um 1130
  1. oo Margarete de l'Aigle, Tochter des Sire Gilbert und der Julienne de Perche
                   -25.5.1141

  13.6.1144
  2. oo Urraca von Kastilien, illegitime Tochter des Königs Alfons VII.
                  -   1189
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Blanka
  um 1134-24.6.1158

4.2.1151
  oo Sancho III. der Ersehnte König von Kastilien
      1134-31.8.1158

  Margarete
          -   1182

 1150
  oo Wilhelm I. der Böse König von Sizilien
        um 1120-14.5.1166

  Sancho VI. der Weise
  1132-27.6.1194

2. Ehe

  Sancha
  1145/50- vor 1176

  1. oo Gaston V. Vicomte de Bearn
                 -   1170

    1173
  2. oo Pedro Vicomte von Narbonne
                 -18.6.1202

Illegitim

  Rodrigo Graf di Monte
        -
 
 
 
 

Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 91,93,110,118,120 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“

Navarra hatte nach zahlreichen territorialen Einbußen nun auch noch den Verlust von Avala und Guipuzcoa an Kastilien zu verkraften. Dabei hatten die navarresischen Könige alle Register ihres politischen Könnens gezogen, um sich gegen die übermächtigen Nachbarn zu behaupten. Als der Adel Navarras Garcia Ramirez, dem Herrn von Monzon, Logrono, Calatayud und Tudela, einem Enkel des Cid, 1134 die Königswürde angetragen hatte, war dies in Erinnerung an die Vorgänge von 1076 und in Ausübung des Wahlrechts geschehen. Obwohl der neue König einem illegitimen Zweig der alten pamplonesischen Dynastie entsprossen, durch seine Ehe mit Margarete von Perche mit dem aragonesischen Königshaus verwandt und in kurzer Zeit mit Ramiro II. zumindest zu einer vorläufigen Einigung gelangt war, wurde er darüberhinaus Lehnsmann Alfons' VII. von Kastilien-Leon und sollte sich damit ausdrücklich in die Rechtstradition der aragonesischen Könige Sancho Ramirez und Peter I., die für Pamplona den Lehnseid geleistet hatten. Nach anfänglichen Erfolgen, die sogar vorübergehend nicht unbedeutende Territorialerweiterungen mit sich brachten, war Navarra immer wieder zu einer riskanten Schaukelpolitik gezwungen, die sich danach richtete, welche Entwicklung das Verhältnis zwischen Kastilien und Aragon gerade nahm.
Entsprechend dieser politischen Ausgangsposition wechselten Zeiten intensiver Annäherung an Kastilien, die einige bedeutsame Eheschließungen bewirkten - so zwischen Garcia Ramirez und Urraca la Asturiana, einer illegitimen Tochter Alfons' VII. (1144), zwischen Sancho III. von Kastilien und Garcias Tochter Blanca von Navarra (1151), zwischen Sancho VI. el Sabio von Navarra (1150-1194) und Sancha (1151), einer legitimen Tochter Alfons' VII. -, ab mit kriegerischen Auseinandersetzungen, die zum Teil um Mitgift und Morgengabe, zum Teil um den Besitz der Rioja geführt wurden. Selbst gegenüber Aragon sollte es Navarra gelingen, zeitweise durch Unterstützung im ALMOHADEN-Kampf und durch Hilfeleistungen für den verbündeten Ibn Mardanis seine Stellung zu stärken. In den Jahren 1169-1170 verstand es der navarresische Adlige Pedro Ruiz de Azarga, vormals Herr von Estella, mit dem Senorio über Albarracin in der aragonesischen Expansionszone eine Exklave einzurichten, die erst 1284 der Krone inkorpiert werden konnte. Darüber hinaus entwickelten die Könige von Navarra ein Geschick, sich unter Ausnutzung der Spannungen im westlichen Pyrenäenraum politische Vorteile zu verschaffen. Dies brachte ihnen schließlich durch die Heirat der Infantin Berenguela mit dem englischen König Richard Löwenherz (1191), dem als Bündnispartner die Häfen nicht gleichgültig waren, Zugang zur internationalen Politik, nachdem bereits eine Generation vorher Margarete von Navarra dem nachmaligen König Wilhelm I. von Sizilien zur Frau gegeben worden war (1150) und zwischen 1166 und 1171 die Regentschaft geführt hatte. Zweifellos hätte die Anerkennung des navarresischen Königstitels durch das Papsttum im Jahr 1196 die Weichen für einen weiteren Aufstieg stellen können, doch wurde dem Reich zum Verhängnis, dass es aufgrund seiner Lage für Kastilien und Aragon vornehmlich strategische Bedeutung hatte.
Vor allem Alfons VIII. von Kastilien betrachtete Navarra in erster Linie als Durchgangsland, um an die Gascogne, das Dotum seiner Gattin Eleonore, zu gelangen. Der Ausgleich mit Leon, der Teilungsvertrag mit Aragon von 1198 und die Inkorporation Alavas  und Guipuzcoas - die Grafschaft Durango gehörte schon seit 1195 zu Kastilien - öffnete ihm, der sich im Oktober 1200 als Herrscher von Kastilien, Alava, Campezo, Maranon, Guizpuzca und San Sebastian bezeichnete, den Weg nach SW-Frankreich, wo nach dem Tod von Richard Löwenherz ein direktes Eingreifen erfolgversprechend sein konnte. Gleichzeitig schuf er König Sancho VII. el Fuerte von Navarra (1194-1234) mit Diego Lopez de Haro, dem Herrn von Vizcaya, dem er die Statthalterschaft in Soria, Najera, Maranon und San Sebastian anvertraute, eine gefährliche, aber oft selbst für Kastilien unberechenbare Nachbarschaft. Andererseits bot sich England unter König Johann Ohneland als natürlicher Bündnispartner an, ohne jedoch über die erforderlichen Mittel zu verfügen, während Kastilien auf die Unterstützung durch die KAPETINGER zählen durfte.
In dieser Situation konnte dem navarresischen König nur die Durchbrechung der politischen Isolation auf der Iberischen Halbinsel helfen, was er auch in zähen Bemühen erreichte, sobald die kastilischen Ambitionen in der Gascogne sich als unerfüllbar erwiesen hatten. Die Verträge von Guadalajara mit Kastilien (1207) und von Monteagudo mit Aragon (1209) ließen Sancho VII. die nötige Bewegungsfreiheit, die er nutzte, um in der Ketzerbewegung hervorzutreten, zumal die Minderjährigkeit Jakobs I. die aragonesische Gefahr noch wirksamer bannte. Außer bei Las Navas de Tolosa ist der König in den folgenden Jahren auf zahlreichen Kreuzzugsunternehmen anzutreffen, die ihn bis nach Alcacer do Sal führten (1217) und ihm die Gewogenheit des Papsttums eintrugen. Über dem bescheidenen Ausbau des verbliebenen Reiches, den Sancho VII. betrieb, schwebte indes wie eine dunkle Wolke die Kinderlosigkeit des Königs, dessen einziger lebender männlicher Verwandter schließlich sein Neffe Theobald, Graf der Champagne, war. Zwar hatte Theobald schon frühzeitig Beziehungen geknüpft, um Hilfe bei seiner mutmaßlichen Thronbesteigung zu erhalten, doch scheint sich Sancho VII. von einer Einigung mit Aragon bessere Aussichten auf Verteidigung gegenüber den nicht abreißenden kastilischen Aggressionen, deren Vorreiter jetzt Graf Lope Diaz als Herr von Vizcaya war, versprochen zu haben. Dementsprechend schloß er am 2. Februar 1231 zu Tudola eine Übereinkunft mit Jakob I., durch die sich die beiden Könige gegenseitig adoptierten und als Erben im Reich des anderen einsetzten. Dieser Plan gelangte zwar beim Tod Sanchos am 7. April 1234 nicht zur Ausführung, doch zeigt er die Bedrückung auf, der der navarresische König, während seiner letzten Jahre auf der Burg Tudela eingeschlossen, gegen Ende seiner Regierungszeit ausgesetzt war.
Mit der Thronbesteigung Theobalds I. (1234-1253), der binnen Jahresfrist durch geschickte Verhandlungen erreichte, von den umliegenden Königtümern anerkannt zu werden, wurde der französische Einfluß für das Reich und vor allem für die Verwaltung prägend, während sich die Herrscher selbst vornehmlich in Frankreich aufhielten. Trotz des vom unwilligen Adel geforderten Königseides, der die alten Gewohnheitsrechte Navarras - also die Sicherstellung der althergebrachten Verfaßtheit, wie sie in diesem Zusammenhang im Fuero Antigno, Kern des niemals offiziell in Kraft gesetzten Fuero General de Navarra, unter der Maxime: antea fuerunt leges quam reges niedergelegt wurden - zu berücksichtigen hatte, führte der Weg vom Königshaus CHAMPAGNE über Theobald II. (1253-1270), Heinrich I. (1270-1274) und die Regierung Johannas I. (1274-1305), seit 1284 Gemahlin Philipps des Schönen, hin zur Vereinigung des Königtums mit der französischen Krone, bevor es 1328 durch Erbgang an das Haus EVREUX fiel.