Ramiro II.                                              König von Leon-Asturien (931-951)
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um 900-   951
 

Jüngerer Sohn des Königs Ordogno II. von Leon-Asturien aus seiner 1. Ehe mit der Elvira Mendez, Tochter von Graf Hermenegildo Guttieres
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 427
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Ramiro II., König von Leon 931-950/51
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Sohn Ordonos II.

Regierte vermutlich das portugiesische Gebiet 926-930 von Viseu aus. Ramiro II. war als König von Leon Nachfolger Alfons‘ IV. ‚el Monje‘, der nach anfänglichem Thronverzicht erneut Ansprüche stellte, jedoch unterlag. Ramiro II. belagerte Magerit (Madrid), besiegte 933 in Osma und 939 in Simancas die Truppen von Abdarrahman III. und führte die Repoblacion des Tormestales durch. Nach 943 erschütterte die Rebellion des Grafen von Kastilien, Fernan Gonzales, Ramiros Herrschaft. Zwischen 944 und 950 nahmen die arabischen Einfälle zu, aber Ramiro II. errang einen weiteren Sieg über die Araber in Talavaera.
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Ramiro II. setzte sich 931 als König von Leon durch, besiegte 933 bei Osma den Kleinkönig Abu Ahaya von Saragossa, 938 in der Schlacht bei Simancas die Mauren, die jahrelang geplündert hatten. Er schlug Rebellionen der Vettern nieder, eroberte den Raum Madrid und plünderte den Raum Toledo. Mit der 949 bei Talavera gewonnenen Schlacht begannen die endlosen Auseinandersetzungen mit Kastilien, das nach völliger Unabhängigkeit strebte. Ramiro regierte kraftvoll und hart und zügelte den Feudaladel.
 
 
 
 

  1. oo Adosinde, Tochter des Grafen Guttierre Osorez
   verstoßen

  2. oo Urraca von Navarra, Tochter des Königs Sanchos I.
                 -   956
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Ordogno III.
          - 8.955

  Terese
         -

vor 943
  oo Garcias III. König von Navarra
             -   970

2. Ehe

  Elvira Regentin 966-975
        -

  Nonne zu San-Salvador

  Sancho I. der Dicke
      - 12.966
 
 
 
 

Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 41-43,65 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“

Die Einheit des Königreiches Leon konnte in vollem Umfang erst wiederhergestellt werden, als Sancho gestorben war und Alfons IV. sich freiwillig in ein Kloster zurückgezogen hatte. Obwohl sich Alfons IV. innerhalb eines Jahres anders besann, konnte Ramiro von Portugal aus die Macht ergreifen und sie als Ramiro II. nach einem kurzen Bürgerkrieg, in dem der kastilische Graf eine bedeutende Rolle spielte, bis zu seinem Tod in der Hand behalten. Wie sein Vater und sein älterer Bruder suchte er ebenfalls nach dem Vorbild seiner aristokratischen Ahnen Rückendeckung beim Königreich Pamplona-Navarra, was ihm durch die Eheschließung mit Urraca, einer dritten Tochter Sancho Garces' I., gelang.
Eine solche Rückenstärkung durch das navarresische Königreich, das sich nach der verheerenden Plünderung Pamplonas durch arabische Truppen 924 mit der Heiratsverbindung zwischen König Garcia I. Sanchez und der Erb-Tochter der Grafschaft Aragon auf dem Weg befand, zu alter Macht zurückzufinden, tat bitter Not. Mit Abdarrahman III. war den christlichen Königreichen des Nordens ein energischer Gegner entstanden, der es binnen kurzer Zeit verstanden hatte, von der inneren Schwäche Leons zu profitieren und nach einem bedeutenden Erfolg bei Valdejunquera (910) die arabische Defensive in eine fortgesetzte Offensive zu verwandeln. Durch die Errichtung des Kalifats im Jahre 929 erhielt diese Angriffspolitik eine zusätzliche ideologische Grundlage, da der Herrschaftsanspruch, der dieser Institution immanent war, auch die Beziehungen zu den christlichen Reichsbildungen im Norden einseitig prägen mußte.
So kann es nicht verwundern, dass die erste Phase der Regierungstätigkeit Ramiros II. hauptsächlich in der Abwehr arabischer Angriffswellen und der Verteidigung der Duerolinie bestand, während eigene Offensivmaßnahmen nur in einem eher bescheidenen Rahmen möglich waren. Doch gerade ein solcher Vorstoß der christlichen Seite, der zu einer Allianz mit dem aufrührerischen muslimischen Gouverneur von Zaragoza führte, bewegte den Kalifen zu einer Strafexpedition, die in der Doppelschlacht von Simancas und Alhandega 939 ihren Höhepunkt fand. Neueren Interpretationen zufolge konnte Abdarrahman III. zwar einen Pyrrhussieg erringen, doch war die arabische Aggression für den Rest der Regierung des Kalifen gestoppt. Die Duerogrenze wurde in der Folge nicht nur endgültig abgesichert, sondern es konnte auch noch eine neue Sicherheitszone nach Süden hin, über den Duero hinaus, geschaffen werden: die Extremadura, deren Name von der Bezeichnung extremas für Grenzgebiete abgeleitet und erst Ende des 12. Jahrhunderts, schließlich im 13. Jahrhundert durch den Geschichtsschreiber Rodrigo Jimenez de Rada endgültig auf den Fluß Duero (extrema Durii), das heißt auf die daran angrenzenden Regionen, bezogen wurde. Eine direkte Folge der neugewonnenen Expansionsmöglichkeiten war die Wiederbesiedlung von Salamanca, Ledesma und Ribas sowie die 940 dem Grafen von Kastilien vorbehaltene Repoblacion von Sepulveda.
Angesichts des Abwehrkampfes gegen Abdarrahman III., der die größtmögliche Zusammenfassung der Kräfte des christlichen Nordens erforderte, erscheint es fast logisch, wenn zu dieser Zeit, gewissermaßen als Antwort auf den Cordoba propagierten Kalifentitel, eine - allerdings eher zaghaft vorgebrachte - leonesische Imperatorwürde auftaucht. Ohne dass es zwingend zu klären wäre, inwiewiet ein Rückgriff des Neogotismus auf den westgotischen, letztlich auf byzantinischen Vorstellungen beruhenden Kaisertitel vorliegt, wird den leonesischen Königen der Titel eines Imperator zugelegt. Dadurch fand einerseits ein Vorrang ihres Königtums und ihrer Macht vor den Ansprüchen der übrigen Reiche und Herrschaften im Sinne eines Einheitsgedankens Ausdruck, andererseits wurde völlig zweckgerichtet den sich nach 912 ankündigenden Hegemoniestreben etwas Gleichartiges entgegengesetzt, ohne dass man, wie wiederholt geschehen, gleich einen universalen Führungsanspruch in Anlehnung an das karolingische Kaisertum konstruieren müßte.
Die leonesische "Kaiseridee" des 10. Jahrhunderts ist in einer Linie mit der einheitsschaffenden Wiederbelebung westgotischer Institutionen und der Förderung des Apostelkultes in Santiago de Compostela durch die asturischen Könige zu sehen. Dass die Bischöfe von Irea-Compostela trotz eines unübersehbaren Niedergangs der Jakobuskirche spätestens seit dem letzten Viertel des Jahrhunderts dazu übergingen, die Apostolizität ihres Sitzes zu betonen, indem sie den Titel eines Apostolice sedis episcopus (Bischof des apostolischen Stuhls) führten, wirft ein bezeichnendes Licht auf die nur schwer zu fassenden, komplexen Querverbindungen zwischen den geistigen Triebkräften innerhalb des leonesischen Reiches.
Man kann es fast schon als zwangsläufig bezeichnen, dass nach dem Abklingen des arabischen Drucks in der zweiten Phase der Regierung Ramiros II. die alten Gegensätze innerhalb des Adels und im Verhältnis zwischen Adel und Königtum wiederaufbrachen. Es war vor allem anderen der kastilische Graf Fernan Gonzales, also einer jener Großen in den kaum kontrollierbaren Randzonen des Reiches, der seine aus der Vereinigung der früheren partikularen Grafschaften dieses Raumes und der Durchführbarkeit der Repoblacion gewonnene, weitgehend unumschränkte Herrschaftsausübung auch gegenüber dem Königtum zur Geltung bringen wollte. Seinen Anspruch auf eine königliche Stellung seines Geschlechts hatte er bereits durch die Einheirat in das navarresische Königshaus augenfällig werden lassen, bevor er 943, unterstützt von Diego Munoz, dem Grafen von Saldana, offen rebellierte. Zwar konnte Ramiro II. den Aufstand schnell niederwerfen und die Anführer einkerkern lassen, doch zeigten sich schon bald die Grenzen königlicher Machtvollkommenheit im leonesischen Reich.
Die Lücke, die die Ausschaltung des Fernan Gonzales im Machtgefüge und auch bei der Organisation der Verteidigung nach außen hinterließ, erwieß sich als so groß, dass dem König nichts anders übrigblieb, als den Grafen aus der Haft zu entlassen, ihm 947 wieder in seine Rechte einzusetzen und den weiteren Machtausbau hinzunehmen. Als einziges Mittel, um den ehrgeizigen kastilische Grafen an die leonesische Königsdynastie zu binden, scheint der Hof darauf verfallen zu sein, Ramiros Erstgeborenen Ordono mit Urraca, der Tochter aus der Ehe des Fernan Gonzales mit der navarresischen Königs-Tochter Sancha, zu verheiraten. Von diesem Zeitpunkt an sollte die Gestalt des Grafen von Kastilien, deren sich später Epik und Legende bemächtigten, immer mehr zu einem bestimmenden Faktor der leonesischen Politik entwickeln.