STAMMTAFEL im Anhang Band IX des Lexikons des Mittelalters
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1038
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Kastilien, Königreich
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I. DIE ANFÄNGE
[1.] Frühmittelalterliche Voraussetzungen
Kastilien entstand als besonders bedrohte Grenzmark im
äußeren Osten des asturischen Reiches, im Norden der heutigen
Provinz Burgos und des Ebro, in den Tälern der Trueba, des Salon und
der Losa, angrenzend an das Gebiet des baskischen Alava und ohne Schutz
vor muslimischen Einfällen aus dem Ebrotal, was die Vielzahl kleiner
befestigter Zentren erklärt, die dem Land seinen Namen gaben; die
ersten Chroniken nenen es Vardulia, aber Ende des 8.Jh. wird es
bereist Kastilien (im Arabischen al-Qila) genannte.
Die Herrschaft über Kastilien lag in der Frühzeit
in der Hand dort ansässiger Grafen, die ihre politische Abhängigkeit
von den Königen von Asturien anerkannten: Graf Rodrigo, ein
Zeitgenosse König Ordonos I. (850-866),
eroberte Amaya (860) und das heute zur Provinz Burgos zählende Gebiet
von La Burcha und Oca, bis er schließlich den strategisch wichtigen
Paß Pancorbe beherrschte, der den Weg ins Ebrotal öffnte, sowie
Gebiete in den Hochtälern des Arlazon und des Pisuerga. Damit begann
(in Abhebung von den gemeinsamen Bestrebungen des asturisch-leonesischen
Reiches) die kastilische Expansion ins Duero-Becken. Graf Diego Rodriguez
gründete
884 Burgos. Bis 912 stiegen die Grafen zur Duero-Linie vor (Roa, Osma,
Clunia), etwa gleichzeitig mit der Verlagerung der Hauptstadt nach Leon
durch König Garcia I. Die Eroberung
der Rioja um 920 durch den König von Navarra, Sancho
Garcia I., sicherte die Ostflanke ab.
[2] Die Entstehung der einheitlichen Grafengewalt und des Königtums
Unter Fernan Gonzales
erfolgte die Einigung des bis dahin in einzelne Grafschaften unterteilten
Kastilien. Mit Unterstützung Ramiros II.
von
Leon (931-950) konnte der Graf die Angriffe des Kalifats von
Corboba abwehren, Osma und Simancas erobern und Sepulveda südlich
des Duero besiedeln (940). Nach seinem ersten Aufstand gegen den leonesischen
König (944) intensivierte er in den Kämpfen zwischen dessen Nachfolgern.
Nachdem er die Grafschaft seiner Familie als Erbe gesichert hatte, hinterließ
er sie seinem Sohn Garcia Fernandez (970-995), der sich ab 981 den
Angriffen al-Mansurs stellen mußte, aber gleichzeitig seine Herrschaft
im Norden, in Trasmiera und Asturias de Santillana festigen konnte. Dessen
Sohn und Nachfolger
Sancho Garcia (995-10017) setzte auf eine Bündnispolitik
mit Cordoba, intervenierte sogar nach dem Tode al-Mansurs in den internen
Auseinandersetzungen im Kalifat (1008) und konnte seine Vorposten im Süden
des Duero (Sepulveda und Atienza) ausbauen. In den folgenden Jahren wurden
die Beziehungen zum Navarra König Sanchos
Garces III. 'el Mayor' (1008-1035) zur Absicherung der kastilischen
Grenzen gegenüber Alava und der Rioja auch durch ein Heiratsbündnis,
vertieft. Dies hatte eine Verstärkung des navarresisch-baskischen
Einflusses in Kastilien zur Folge. Als Graf Garcia Sanchez (1017-1028)
in Leon ermordet wurde, nahm der navarresische König den kastilischen
Grafentitel an, fiel mit Unterstützung der Grafen von Monzon, Saldana
und Carrion in Leon ein und versetzte der alten asturisch-leonesischen
Dynastie den Todestoß.
Nach seinem Tod (1035) folgte ihm in Kastilien sein Sohn
Ferdinand
I. mit dem Königstitel nach; die so in ein Königreich
verwandelte Grafschaft umfaßte auch die Gebiete zwischen Pisuerga
und Cea. Östliche Territorien, zumeist von Basken und Navarresen besiedelt,
wurden dagegen an Navarra abgetreten. Ferdinand
I. (1035-1065) hatte Sancha,
die Schwester des letzten
leonesischen Königs
Vermudo III., geheiratet; nach dessen Tod 1037, auf einem Feldzug
gegen Kastilien, vereinte Ferdinand
Kastilien und Leon, wobei die beiden Länder jedoch ihre Eigenständigkeit
wahrten.
II. DER AUFSTIEG IM 11. UND 12. JAHRHUNDERT
[1] Annäherung an Westeuropa und beginnende Expansion
Diese Ereignis fiel mit dem Zerfall des Kalifats von Cordoba
in einzelne Taifenreiche zusammen, wodurch Ferdinand
I., ausgehend von der seinem Vater durchgeführten Neugestaltung
des spanisch-christlichen Raumes, eine erfolgreiche Hegemonialpolitik betreiben
und die begonnene kulturelle Annäherung an W-Europa fortführen
konnte (Ausbreitung des Benediktinerordens, ab 1055 Gebetsverbrüderung
mit Cluny, Belebung des Pilgerwegs nach Santiago). Der Konflikt mit dem
älteren Bruder, König Garcia von Navarra
(gefallen 1054 bei Atapuerca), führte zur Rekuperation der 1035 abgetretenen
Gebiete und vor allem zur Anerkennung der kastilischen Vorherrschaft über
Navarra. Den Taifenreichen gewährte Ferdinand
I. gegen hohe Tributzahlungen seine Schutzherrschaft. Nur im
Westen eroberte er neue Gebiete (1064 Coimbra). Als er starb, verteilte
er seine Königreich und Parias unter die Söhne:
Der Erstgeborene, Sancho II.,
erhielt Kastilien und die Parias von Zaragoza,
Alfons bekam Leon
und die Parias von Toledo,
Garcia Galicien und
die Parias von Sevilla und Badajoz.,
so daß die späteren Expansionsziele bereits
vorgezeichnet waren. Nach der Ermordung Sanchos
(1072) gewann Alfons das ganze Erbe
für sich. Er war der Protagonist einer neuen Zeit, die mit dem Einsetzen
der Reconquista im eigentlichen Sinne im Zeichen der Annexion ausgedehnter
Gebiete stand.
[2] Besiedlung
Eine wichtige Voraussetzung der Expansion war - neben einer starken, kriegserfahrenen Grafendynastie, die die Erblichkeit durchgesetzt hatte - der organisierte Zusammenschluß der ansässigen der ansässigen, unter ständiger Kriegsgefahr lebenden Gruppen in den alfoces (rechtsbezirke um städtische Siedlungen) oder territorios. Seit dem 9. Jh. sah sich Kastilien wie Leon mit der großen Aufgabe der Besiedlung und herrschaftlichen organisation der weiträumigen Gebiete des Duero-Beckens konfrontiert. Es löste diese Aufgabe durch Einsatz namentlich von Siedlern aus den kantabrischen und baskischen Bergländern, die kaum in der römisch-gotischen Kulturtradition standen. Die Besiedlung erfolgte spontan, zeitweise aber auch unter stärkerer Kontrolle der Grafen. Sie führte häufig zur Inbesitznahme und Nutzunmg des Bodens sowohl durch eine Füllekleiner freier Eigentümer wie auch durch Dorfgemeinschaften (comunidades de aldea), die in ihrer genossenschaftlichen Ausrichtung bei bereits starken sozialen Unterschieden vielfach auf Verwandtschaft (profilatio) beruhten. Der Zeitpunkt der Ausbildung großer Latifundien und bäuerlicher Abhängigkeit ist in Kastilien weit später anzusetzen und hatte geringeren Umfang als in Leon oder Galicien. Gleichwohl gab es Zonen starker Macht- und Besitzkonzentration der Grafschaften selbst (um Lara und Burgos) oder großer klösterlicher Grundherrschaften des 10. Jh. (Cardena, Arlanza, Ona, Silos). Eährend abhängioge bäuerlicher Gruppen wie collazos, juniores usw. nur selten auftreten, fallen andere Formen der Abhängigkeit auf, wie zum Beispiel die Kommendation an einen beliebigen Herrn (homines de benefactoria). Leute, die im Besitz von Waffen und eiens Pferdes waren, konnten noch leicht den Status des ansässigen Adels erreichen (Fuero von Castrojeriz 974): diese caballeria villena ist ein weiteres Anzeichen für die Mobilität der Sozialstrukturen in Kastilien.
[3] Rechtswesen
Die Sonderstellung Kastiliens (oft umschrieben als 'particularismo castellano') im Vergleich zur Lage im Königreich Leon zeigt sich auch in den politischen und rechtlichen Formen. Das Kastilien des Fernan Gonzales ist, als feudaler Prinzipat ('principado feudal') definiert, in ewisser Weise den Fürstentümern des nachkarolingischen W-Europa vergleichbar: Die Grafen, deren Amt erblich geworden war, erkannten den König von leon, insbesondere auch dei Hegemonie des leonesischen regnum-imperium als neogoticistische Erneuerung des Westgoten-Reiches, bewahrten jedoch ihre Handlungsfrieheit. Auchdie territoriale Gliederung, mit den territorios oder alfoces als Keimzellen, wies Besonderheiten auf. Zudem gab es wesentlich weniger Immunitätsverleihungen an Grundherschaften, und die Bistumsorganisation war bis zur Absicherung des Sitzes von Burgos im 11. Jh. noch ungefestigt. Während in leon die besonders im liber Iudiciorum fixierten Rechtsnormen galten, herrschte in Kastilien die mündlich-gewohnheitsrechtliche Überlieferung vor, die auf Weistümern der gräflichen Gerichtstage, 'concilia' oder 'placita', oder Urteilen bzw. fazanas legendärer Richter der Vorzeit beruhten. Der (germanisch-westgotische?) Ursprung dieses altertümlichen Rechtswesens wie auch anderer Überlieferungen (mündlich radierte Epik) bleibt umstritten.
[4] Entwicklung im späten 11. und 12. Jahrhundert
Von den Anfängen der Grafschaft Kastilien, jener
sprichwörtlich kleinen Ecke ("pequeno rincon"), an die das Poema de
Fernan
Gonzalez erinnert, bis zum Königreich der Mitte des 11. Jh. war
es ein großer Schritt. Im Verlauf der bis zum letzten Drittel des
13. Jh. dauernden Periode der Expansion glich sich allerdings die politische,
gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in Kastilien den Verhältnissen
in Leon weitgehend an; die politische Union beider reiche konsoldierte
sich, wenn auch nicht ohne Rückschläge. Die Zeit Alfons'
VI. (1066-110), der seit 1072 König von Leon und Kastilien
war, markierte den Beginn dieser Epoche. 1076 nahm er erstmals Teile Navarras,
die Rioja, Alava, Guipuzcoa und Vizcaya ein. Er trieb den Europäisierungsprozeß
weiter voran, indem er Pilger und Einwanderer, die auf dem Santiagoweg
ins Land kamen, zum Bleiben ermutigte und das städtische Leben im
Umkreis des Pilgerweges förderte, ebenso aber auch die Gregorianische
Reform, die Einführung der römischen Liturgie, die Niederlassung
der Cluniazenser, das Vordringen der romanischen Kunst und die Aufnahme
von politisch-dynastischen Beziehungen zu "fränkischen" Großen,
die militärische Hilfe leisteten und neue Formen politischer Feudalstrukturen
ins Land brachten (Raimund von Burgund oo Urraca;Heinrich,
Graf von Portugal, ooTeresa).
Ab 1076 verstärkte Alfons
VI. den Druck auf die Taifenreiche, nahm 1085 Toledo ein, womit
er die strategische Grenzachse zu den Muslimen zerschlug und zudem das
Symbol des alten Westgoten-Reiches in seine Hand brachte sowie den Kaisertitel
mit seinem inhärenten Hegemonieanspruch ("Adolphus Imperator Toletanus
Magnificus Triumphator") erneuerte. Die Eroberung Andalusiens durch
die nordafrikanischen ALMORAVIDEN entzog
ihm allerdings die Einnahmequelle der Parias. Nach mehreren Niederlagen
(Sagrajas 1086, Consuegra 1097, Ucles 1108) und dem Verlust der Kontrolle
über die Taifen von Valencia (durch den Cid 1099) und Zaragoza verheiratete
er kurz vor seinem Tode und in Sorge um sein Lebenswerk die Tochter Urraca
mit dem Aragonesen Alfons I. 'el Batallador',
um so die militärischen Kräfte gegen die Muslime zu vereinen..
Doch kam es zwischen 1110 unjd 1126 zu bürgerkriegsähnlichen
Zuständen, in deren Gefolge die Grafschaft Portugal ihre Unabhängigkeit
festigte, entlang des Jakobsweges städtische Aufstände ausbrachen,
Toledo nur mit Mühe gehalten werden konnte, während Alfons
I. von Aragon das mittlere Ebrotal eroberte (Zaragoza 1118)
und sich weiterhin einen starken Einflußbereich im Osten Kastiliens
wahrte, bis er mit dem neuen kastlisch-leonesischen
König Alfons VII. (1126-1157) übereinkam, daß
dieser dafür Alava, Vizcaya und Guipuzcoa an Navarra, das damals mit
Aragon vereint war, abtrat (Friede von Tamara 1127).
[5] Kaisertum und christliche Reiche
Alfons VII. krönte
sich 1135 zum Kaiser in der Absicht, im christlichen Spanien eine hierarchische,
auf seine person bezogene Machtsphäre aufzubauen. Gleichwohl konsolidierte
sich in der Phase die Unabhängigkeit der einzelnen Reiche. Nach dem
Tode Alfons' I. von Aragon (1134) mußte
Alfons
VII. letztendlich die katalanisch-aragonesische Vereinigung
unter Graf Raimund Berengar IV. von Barcelona anerkennen, desgleichen
auch die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Navarras durch Garcia
Ramirez.
In Portugal nahm Alfons,
der Sohn Teresas, 1139 den Königstitel
an, was 1143 von Alfons VII., allerdings
als integriertes Glied eines kaiserlichen Spanien, anerkannt wurde. Gleichzeitig
begünstigte der Zerfall des ALMORAVIDEN-Reiches
die Wiederaufnahm der christlichen Eroberungstätigkeit. Alfons
VII. konsolidierte unter anderem seine Stellung im mittleren
Tal des Tajo und in der Mancha, eroberte 1147 Almeria und legte 1151 im
Vertrag von Tudellen mit Aragon die künftigen gegenseitigen Expansionszonen
fest.
Mit dem Tode Alfons' VII. erlosch
auch die Idee einer Lehenspyramide, deren Spitze der König und Kaiser
zugleich war. Er selbst teilte erneut die Reiche Kastilien und Leon. In
Kastilien sollten nacheinander sein ältester Sohn Sancho
III. (1157-1158), sein Enkel Alfons
VIII. (1158-1214), das Kind Heinrich
I. (1214-1216) und Ferdinand III. (1217-1252)
regieren, während in Leon Ferdinand II. (1157-1188)
und
Alfons IX. (1188-1229) herrschten.
Trotz der verwandtschaftlichen und dynastischen Bande verhielten sich diese
König keineswegs immer solidarisch. In dieser Zeit der fünf Reiche
('Cinco Reinos') errichteten und konsolidierten die ALMOHADEN
ihre Herrschaft über al-Andalus (bis 1172). Das militärische
Gleichgewicht zwischen Christen und Muslimen am Oberlauf und Mittellauf
des Turia, Jucar und Guadiana, in der Extremadura, am Tajo und im portugiesischen
Alemtejo konnte aber durch das Auftreten neuer Streitkräfte gewahrt
werden, die aus den Bürgerwehren der städtischen concejos,
den Bruderschaften und den Ritterorden gebildet wurden, die entweder aus
dem Heiligen Land kamen oder in Spanien selbst zwischen 1156 und 1175 (Alcantara
in Leon seit 1156, Calatrava in Kastilien seit 1157 und Jacobusorden in
beiden Reichen seit 1170) entstanden. Der Prozeß der Wiederbesiedlung
und Kolonisation im Innern der Reiche wurde, bedingt durch schnelles Bevölkerungswachstum
und verbesserte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, intensiviert. Die
Feudalstruktur des Hochadels erleichterte dies ebenso wie die endgültige
Ausbildung der städtiaschen Verfassung und eine Steigerung der Königsgewalt
im Rahmen dieser Gesellschaftsordnung.
In dieser Periode traten militärische Konflikte
mit dem nach Süden udn Westen expandierenden Portugal auf. Dies erklärt
das Bündnis Ferdinands II. mit
den ALMOHADEN (1169). Aragon nutzete
den Zerfall der letzten Taifen-Reiche, um Teruel und sein gebirgiges Hinterland
zu erobern (1172). Während der Minderjährigkeit Alfons'
VIII. mußte Kastilien sowohl die Angriffe Leon abwehren,
um das Gebiet zwischen Cea und Pisuerga wiederzugewinnen, als auch die
der Navarresesn in der Rioja. Im kirchlichen Bereich wurde der Primat Toledos
von den anderen Metropolen wier Santiago (in Leon), Braga (in Portugal)
und Tarragona (in Katalonien-Aragon) angefochten. Doch sicherten die Kastilier
ihre Expansion in drei Richtungen ab: nach Osten, um die Grenze mit Aragon
festzulegen, so daß auf die Eroberung Cuencas (1199) der Vertrag
von Cazorla (1179; eigentlich Cazola) folgte, der die Ausweitung der aragonesischen
Grenzen in Zukunft auf die Linie Biar-Calpe beschränkte und die Unabhängigkeit
der Herrschaft Albarracin garantierte; nach Westen, wo Alfons
VIII. 1186 Plasencia besiedelte, um diese gefährdete Grenze
besser abzusichern, und vor allem nach Süden, wo Kastilien durch das
ohere und mittlere Tal des Guadiana vorstieß. Die großen Offensiven
der ALMOHADEN (1191,1197) brachten
Kastilien in Bedrängnis (1195 Niederlage in Alarcos). Aber in den
folgenden Jahren normalisierten sich die Beziehungen zu Sancho
I. von Portugal, Alfons XI. von Leon,
der die kastilische Infantin Berenguela heiratete
(Sohn: Ferdinand III.), und Peter
II. von Aragon. Der etzte Krieg gegen Navarra (1198-1200) führte
zur endgültigen Eingliederung von Alava, Vizcaya und Guipuzcoa in
Kastilien und zu einer Ausweitung der politischen und wirtschaftlichen
Interssen Kastiliens in den kantabrischen Raum, die durch Wiederbesiedlung
der Häfen, Schaffung von Handelsverbindungen und Anknüpfung von
dynastischen (Heirat mit Eleonore,
der Tochter Heinrichs II.) wie handelspolitische
Beziehungen mit England gefördert wurden. Als Antwort auf die Offensiven
der ALMOHADEN führte Alfons
VIII. 1212 einen großen Kreuzzug durch, an dem alle Königreiche,
mit Ausnahme von Leon, teilnahmen, und errang mit dem Sieg von Las Navas
de Tolosa den Schlüssel für weiteres Vordringen in den Süden.
III. DAS ZEITALTER DER RECONQUISTA
[1] Eroberungen und außenpolitische Aktivitäten im 13. Jahrhundert
Die große Reconquista fand zwischen 1224 und 1266 statt. Ihre Führer waren vor allem Ferdinand III., König von Kastilien (seit 1217) und von Leon (seit 1230), und sein Sohn Alfons X. (1252-1284), Jakob I. von Aragon-Katalonien (1213-1276) und Sancho II. von Portugal (1223-1245). Kastilien drang im Zuge dieser großen militärischen Unternehmungen nach Ober-Andalusien vor (Einnahme von Queseda; Cazorla und Beaz a1224 und 1226). Nach der Vereinigung wurden beide Angriffslinien weiter vorangetrieben: Trujillo fiel 1232 und in den folgenden Jahren bis 1239 die heutige Baja Estremadura, während gleichzeitig im Tal des Guadalquivir Ubeda, Cordoba (1236), Jaen (1246) und Sevilla (1248) erobert wurden. Gleichwohl gestattete man 1247 die Bildung eines Emirats in Granada als Vasall Kastiliens und bis 1262 die Existenz eines weiteren Taifenreiches in Niebla im äußersten Westen Kastiliens. Der Taife von Murcia, im Südosten, hatte seinerseits seit 1243 die kastilische Schutzhoheit und militärischer Präsenz anerkannt., bis 1244 in Almizra eine neuer Grenzvertrag mit Aragon, das ind er Zwischenzeit Mallorca und Valencia erobert hatte,abgeschlossen wurde. Die territoriale Expansion der christlichen Königreiche hatte riesige Ausmaße angenommen: Leon und Kastiliebn vergrößerten sich von 235.000 auf 355.000 km². Zugleich aber traten Probleme der Wiederbesiedlung, der staatlichen Organisation und Verteidigung der neueroberten Ländermasse auf. Das Ende der Reconquista fiel mit dem Beginn kostspieliger außenpolitischer Unternehmungen zusamemn: Kastilien baute seine Präsenz im kantabrischen Raum aus. Dies trieb Alfons X. dazu, eine Annexion der Gascogne anzustreben und 1253 und 1274 Ansprüche auf den Thron von Navarra zu erheben. Größte Bedeutung jedoch erlangte sein Streben nach dem Kaisertitel, den er von 12457 bis 1274 beanspruchte. Trotz des Scheiterns seiner Kandidatur führten die Umstände dieser "fecho del Imperio" zu vielfältigen Kontakten und Erfahrungen der kastilisch-leonesischen Krone in Europa.
[2] Die Wiederbesiedlung
Die Wiederbesiedlungsaktionen des 11. bis 13. Jh. hatten verschiedene große Trassen in Ost-West-Richtung durchs Land gezogen, die man ebenso wie die Nord-Süd-Teilung, die die Ausbildung der durch Eroberung gebildeten Reiche charakterisiert, in Betracht ziehen muß, um viele regionale Besonderheiten der spanischen Gesellschaft verstehen zu können. In den vor Mitte des 11. Jh. christlich beherrschten Ländern kam dem Jakobsweg bis weit ins 12. Jh. hinein eine bedeutsame Rolle für die Einwanderung und Besiedlung des Landes zu, während gleichzeitig Kultivierung und Urbanisierung der nördlichen Mitte des Duero-Beckens (Valladolid 1095) abgeschlossen und Mitte des 12. Jh. von Galicien aus ein gewaltiger Prozeß zur Reorganisation der Besiedlung und Bebauung des ganzen nördlichen Teils in Gang gesetzt wurde, der zwei Jh. später in der Vizcaya und Guipuzcoa seinen Abschluß fand: La Coruna, Aviles und die asturische polas, San Vicente de la Barquera, Santander, Laredo, Castro Urdiales, Bermeo, Bilbao (1300), San Sebastian, Fuenterrabia oder Vitoria verdanken diesem Phänomen ihren Ursprung. Die wischen 1085 und 1215 eroberten Gebiete machen die zweite große Fläche aus: in Kastilien und Leon sind dies die Estremadura, das heißt die südliche Mitte des Duero-Beckens mit seinen Ausläufern in der Cordillera Central, die seit der Einnahme Toledos wiederbesiedelt wurden. Dort galt das Rechtssystem der Fueros, das eine Vorherrschaft der Städte über ausgedehnte Ländereien ebenso begünstigte wie die Ausbildung mächtiger Stadträte (concejos) und die vornehmlich von kleinen und mitteren Bauern durchgeführte Besiedlung von Salamanca, Avila, Segovia; Soria und anderen Bereichen. Ein Sonderstatus kam Toledo und seinem Reich zu, das praktisch das ganze heutige Volk umfaßte, da dort Überreste christlicher Bevölkerung (mozarabes) und Verwaltungsformen der Maurenzeit wie auch die Einwanderung von francos, die von jenseits der Pyrenäen kamen, und von Kastiliern eine typische Toledaner Rechtsorganisation schufen. Der Ost- (Cuenca, Alarcon und Alcaraz) und der Westsektor (Plasencia und Coria) dagegen folgten dem Beispiel der Städte im Süden des Duero und übernahmen deren Grenzrecht, dessen Prototypenm die Fueros von Sepulveda, Cuenca und Coria waren. Der dritte große Bereich umfaßte die seit 1224 eingegliederten Gebiete und die Nachzügler, die dank der Eroberung Frieden und Sicherheit fanden: dies traf für weite Gebiete von Neuk, und der Extremadura zu, deren Kultivierung in den Jahren zwischen 1215 und 1275 sowohl von Königen und königlichen Städten (Trujillo, Caceres, Badajoz, Ciudad Real, Alcarez) wie auch von den Johannitern und den Ritterorden von Santiago, Calatrava und Alcantara, die großräumige Herrschaften aufbauten, betrieben wurde. Aber das wichtigste Ereignis war die schnelle Wiederbesiedlung Andalusiens im Bereich des Guadalquivir, aus dem praktisch die ganze muslimische Bevölkerung nach 1264 auswanderte. Hier treten wieder alle Phänomene der Wiederbesiedlung auf: Gründung großer, oft an muslimische Herrschaftszentren angelehnter Königsstädte mit ihrem Hinterland (Sevilla, Jerez, Ecija, Cordoba, Jaen, Ubeda, Baeza) und die Ausbildung von Herrschaften der Ritterorden sowie vereinzelt des weltlichen Adels. Seit 1266 ist in Murcia, wo ein Großteil der maurischen Bevölkerung zurückgeblieben war, auch eine beachtliche Zahl katalanischer Siedler zu verzeichnen.
[3] Wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung
Die Krone Kastilien-Leon war zur Zeit ihrer große
Blüte im 12. und 13. Jh. voll in die Kulturwelt des christlichen Okzident
integriert, mit den regionalen Besonderheiten einer expandierenden "frontier
society", für die etwa die caballeria villena ein gutes
Beispiel ist. Die Kultivierung neuer Gebiete fürte zu einer Umschichtung
der Landbevölökerung. Es gab jetzt trotz des Wachstums adliger
und kirchlicher Besitzrechte viele rechtlich freie Kleinbauern. Die Notwendigkeit,
Ödland oder wenig besiedelte Gebiete zu gliedern, begünstigte
andererseits extensive bzw. bewegliche Bewirtschaftungsformen, wie sie
die Weidewirtschaft bot, die Alfons X.
auf der Grundlage früherer Entscheidungen für das ganze Reich
regelte (Privilegien der Mesta, 1270-1273). Auch der immer bedeutender
werdende städtische Adel gewann starkes Interesse an der Viehwirtschaft.
Die spanischen Christen lernten sehr früh Phänomene der entwickelten
islamisch-andalusischen Gesellschaft kennen wie städtisches Leben,
Handel und Geldwirtschaft. Dies begünstigte die frühzeitige Ausbildung
urbaner Gesellschaftsformen. Im 13. Jh. begann sich Kastilien in den Seehandel
einzuschalten, exportierte landwirtschaftliche Produkte und Rohstoffe (Eisen,
Wolle und Leder, Getreide und Wein) über die Häfen Kantabriens,
was zum wirtschaftlichen Aufschwung von Burgos, im Süden dagegen von
Sevilla führte.
Auf sozialer und kultureller Ebene führte der Kontakt
mit Muslimen und Juden zum Phänomen der Kulturvermischung (aculturacion),
man suchte nach gemeinsamen Lebensformen und geistigem Austausch (Übersetzerschule
von Toledo), aber die religiösen und kulturellen Unterschiede traten
immer klarer hervor, wie auch die Religion als Grundlage und Rechtfertigung
von Kreuzzugsunternehmungen und Reconquista unter dem Schutz des Apostels
Jacobus (Santiago) viel stärker betont wurde als in den anderen europäischen
Ländernm. Die Wiederherstellung der Kirchenordnung wurde damit zu
einem primär politischen Ziel; deshalb die beharrlicher Verteidigung
des Primats von Toledo, der Rückgriff auf eine vermeintliche Diözesanteilung
vom Ende des 7. Jh., die Divisio Wambae, die bei der Dotierung neuer Diözesen,
wenn auch nicht immer, als Kriterium herangezogen wurde, die großzügige
Besitzausstattung von Bistümern und Kathedralkapiteln - letztere hatten
sich im Laufe des 12. Jh. konstituiert - und die königliche Unterstützung
bei der Eintreibung kirchlicher Zehnten zur Zeit Alfons'
X. Ebenso bezeichnend war, daß die Ansiedlung neuer monastischer
Orden und Gemeinschaften politisch und gesellschaftlich unterstützt
wurde: wischen 1141 (Sacramenia) und 1215 gründeten die Zisterzienser
in Kastilien 16 und in Leon 6 Männerklöster wie auch einige Frauenkonvente,
darunter so bedeutende wie Las Huelgas bei Burgos (Alfons
VIII., 1180). Die gleiche Förderung erfuhren im 13. Jh.
die Franziskaner und die auf einen Kastilier zurückgehenden Dominikaner,
desgleichen auch Trinitarier und Mercedarier, die sich auf den Freikauf
von Gefangenen spezialisiert hatten.
[4] Die Rolle des Königtums
Die starke Stellung des Königtums in Kastilien-Leon
war bedingt durch die Übernahme westgotischer Traditionen, die Entwicklung
der Kaiseridee, die unvollständige und späte Feudalisierung der
Institutionen, eine bessere Wahrung der Regalien und Machtbefugnisse des
Königtums, eine Konzeption des Landes, in welche die Bewohner eingebunden
waren, schließlich eine ausgedehnte Machtfülle des Herrschers
als Heerführer, Gerichtsherr ud Gesetzgeber, besonders zur Zeit Alfons'
X. unter dem Einfluß einer Rezeption des römischen
Rechts (Fuero Real, Especulo, Partidas). Reconquista und Kultivierung des
Landes wurden vom Königtum genutzt, um die Einkünfte und die
Finanzverwaltung auszubauen; seit 1269 wurden Abgaben (servicios)
für die Cortes eingezogen, Zehnte auf Zölle (almojarifazgos)
und tercias auf die kirchlichen Zehnten erhoben.
Die Ausübung der Königsgewalt erfolgte über
das Haus und den Hof des Königs. Dort war der Sitz der curia regis,
die sich später zum Concejo, dem königlichen Rat, weiterentwickeln
sollte, dort residierten Beamte wie der Kanzler, der Haushofmeister, der
alferez
und die Hofrichter (alcaldes) (seit 1274), von der königlichen
Verwaltung waren auch die im 13. Jh. wiedereingerichteten Regionalbeamten
abhängig, deren Ämter den Merinos Mayores
(Provinzgouverneuren)
und den Adelantados Mayores (Stellvertretern des Königs in
den Provinzen) unterstanden. Viele Verwaltungsaufgaben des Königsgutes
oder realengo unterstanden den städtischen Concejos, in denen
die Ritter dominierten. Sie hätten eine eigenen Gesetzgebung (Fueros),
die ihrer eigenen unterzuordnen sich die Könige seit Alfons
X. bemühten. Dagegen waren adlige Grundherrschaften noch
immer relativ selten. Neben den Besitzungen monastischer oder kanonikaler
Gemeinschaften erlangten die Herrschaften der Ritterorden andererseits
seit Mitte des 12. Jh. jedoch immer größere Bedeutung. Damals
zeichnete sich auch die frühe Entwicklung zu "ständischen Versammlungen"
ab, die ersten Cortes wurden in Leon 1188, in Kastilien (Valladolid) 1217
abgehalten. trotz ihrer wichtigen politischen, finanzpolitischen und legislativen
Funktion (letztere allerdings nur beratender Natur) übten die Cortew
anders als in Aragon jedoch nie eine institutioenelle Einschränkung
der Königsgewalt aus.
IV. DIE ENTWICKLUNG IM SPÄTMITTELALTER
[1] Krise und Adelsrevolten
Das Ende der Expansion kam mit dem Aufstand der Mudejares
in Andalusien und Murcia (1264), dem ersten Einfall der nordafrikanischen
MERINIDEN
und dem Beginn der Kriege gegen Granada (1275). Gleichzeitig wuchsen die
Schwierigkeiten bei der Wiederbesiedlung, die politischen Konflikte spitzten
sich zu (Adelsaufstände 1272). Darüber hinaus kam es zu einer
Krise des sozialen Gleichgewichts (1275-1325) mit den Begleiterscheinungen
von demographischer Rezession, Niedergang der landwirtschaftlichen Produktion
und Inflation. In der Epoche des Spätmittelalters nahm die Krone von
Kastilien-Leon in festen Grenzen neue charakteristische Züge an, von
denen es viele eine Folge der Krisen und sozialen wie auch kulturellen
Umwälzungen des Okzident im 14. /15. Jh. waren. Auf politischer Eben
strebte Kastilien, unter Besinnung auf die Wurzeln seines eigenen historischen
Erbes, die Errichtung einer starken monarchischen Staatsgewalt an. Problematisch
erschien dabei die Rolle der Adelsgewalten sowie der städtischen und
kirchlichen Institutionen, die auch nach einer Erneuerung suchten; hier
liegt ein Schlüssel zum Verständnis der komplexen und zum Teil
recht gewaltsamen politischen Entwicklung des Spätmittelalters wie
auch zur Ausbildung der Doktrin von der Königsgewalt und der Mittel
ihrer institutionellen Umsetzung.
Seit dem Tode des Infanten Ferdinand
de la Cerda, des Erstgeborenen Alfons'
X. (1275), bis zur Volljährigkeit Alfons'
XI. (1325) entfachte der kastilische Adel, besonders de Verwandten
des Königs und die ricos hombres der Häuser LARA und HARO,
zahlreiche Aufstände. Die Adligen suchten neue Quellen für Macht
und Reichtum, nachdem die Eroberungen zum Abschluß gekommen waren,
insbesondere eine bessere Verteilung der durch die neue königliche
Finanzverwaltung in einer Hand konzentrierten Einkünfte und die Gewährung
von Herrschaften. Ersteres erreichten sie weitgehend, doch ihre Aufspaltung
in einzelne Fraktionen ermöglichte es ihnen im Gegensatz zur zeitgenössischen
aragonesischen Union nicht, die Krone durch Verträge zu einer
Umverteilung der Macht zu nötigen. In den königlichen Städten
gelangten Gruppen oder Geschlechter von Caballeros im Kampf mit der Bürgergemeinde
(comun) an die Macht. Gleichzeitig versuchten die städtischen
Vertreter in den Cortes und im königlichen Rat (zwischen 1282 und
1325: von den Cortes ernannte hombres buenos), die Macht des Königs
zu begrenzen oder an ihr teilzuhaben. Während der Minderjährigkeit
des Königs (1295-1302 und 1313-1325) traten Städtebündnisse
(Hermandades) auf.
Alfons XI. besiegte
die letzten adligen Aufständischen, wobei ihm das Aussterben vieler
Geschlechter der nobleza vieja zugute kam. Er initiierte eine Erneuerung
der ritterlichen Bräuche seitens der Krone, errang Aufsehen und Ruhm
in den Kriegen gegen die Muslime (Granada; Algericas: 1344) und verhielt
sich im englisch-französischen Konflikt (Hundertjähriger Krieg)
neutral. Die Grundlagen seiner Innenpolitik waren: Bündnis mit dem
Caballero-Adel und den Hidalgos, die in den 30-er und 40-er Jahren
die Macht in den Stadträten innehatten (regidurias), Reorganisation
des Finanzwesens mit Einführung einer allgemeinen Verkaufssteuer (alcabala)
ab 1342, Neuregelung des Salzverkaufs und der Abgaben, die für den
Viehtrieb zu leisten waren (montazgo); Stärkung der legislativen
Gewalt und Vorrangstellung königlicher Gesetze (Ordenamiento de Alcala,
1348). Seine Regierung war für die Ausbildung der politischen Strukturen
Kastiliens von grundlegender Bedeutung.
[2] Innere und äußere Auseinandersetzungen und institutionelle Entwicklung im 14. und 15. Jahrhundert
Zwischen 1355 und 1385 durchlebten die meisten spanischen
Reiche fast unablässig einen Zyklus von Gewalt und Krieg. Peter
I. 'el Cruel' 1350-1369) bekämpfte diejenigen Adligen,
die Geflgsleute des Infanten Heinrich von Trastamara
waren. Diese selbsherrliche Politik wurde von den Städten trotz großer
wirtschaftlicher Schwierigkeiten akzeptiert, obwohl sie zu Kriegen mit
Aragon und später zum Eintritt Kastiliens in den englisch-französischen
Konflikt führte: Peter I. suchte
dei Unterstützung Englands, Heinrich
seit 1366 diejenige Frankreichs. Nach seinem Sieg bekräftigte Heinrich
II. (1369-1379) das dauerhafte französische Bündnis
und bemühte sich um Wiederherstellung des Friedens mit seinen Nachbarn.
Sein Nachfolger Johann I. (1379-1390)
griff in die Machtkämpfe um die portugiesische Krone nach dem Tode
Ferdinands
I. ein, unterlag aber dem
Hause AVIS
und seinen englischen Verbündeten. Trotz der Kriege und
Gewalttaten sorgten die ersten Könige aus dem
Hause TRASTAMARA gemäß der von Alfons
X. und Alfons XI. eingeschlagenen
Politrik für eine Erweiterung der Handlungsfreiheit der Königsgewalt
unter Einbeziehung der römisch-rechtlichen Vorstellungen von Herrschergewalt
und Souveränität, schufen den Consejo Real in seiner definitiven
Form, richteten einen ständigen obersten Gerichtshof, die Audiencia,
ein und schufen die Contadurias Mayores als oberste Behörde
der Finanzverwaltung. Zur Tilgung der Staatsschulden nahmen sie um 1369
und 1387 eine Geldentwertung vor; erst die Regierungszeit Heinrichs
III. (1390-1406) brachte wieder Währungsstabilität
und die Sanierung der königlichen Finanzen.
Offen geblieben war immer noch die Frage nach dem Verh#ältnis
und der Machtverteilung zwischen dem Königtum und den sozio-politischen
Kräften. Die Cortes traten zwischen 1369 und 1393 häufig zusammen,
und ihre Macht nahm in Krisenzeiten (so zum Beispiel zwischen 1385 und
1391) zu. Aber das Ende der außenpolitischen Schwierigkeiten unter
Heinrich
III. und die Konsolidierung neuer Hochadelsfamilien verhinderten
die Erringung einer vertragsrechtlichen Mitsprache der Städte (bzw.
der städtischen Cortes-Vertreter) in den Reichsangelegenheiten. So
kam die Revolution der TRASTAMARA vor
allem dem Hochadel zugute, der eine Vielzahl von Gandenerweisen und Herrschaften
erhielt. Viel Geschlechter lebten wieder auf, andere, die nun zur nobleza
nueva zähltem, kamen hinzu: die MENDOZA, VELASCO, MANRIQUE, GUZMAN,
PONCE DE LEON, STUNIGA, PIMENTEL, ENRIQUEZ, CERDA, FERNANDEZ DE
CORDOBA, FAJARDO. Im 15. Jh. stiegen weitere auf: die ALVAREZ DE TOLEDO,
die PACHECO, GIRON, CUEVA, QUINONES und andere. Währenddessen hielt
die Kirche, die über eigene Jurisdiktionsrechte und Steuern verfügte,
ihere enge Bindung zum politischen Leben aufrecht: viele Bischöfe
nahmen aktiv daran teil, die Könige intervenierten während des
Großen Schismas (Kastilien gehörte zur Avignoneser Oboedienz)
und bei der Provision vakanter Bischofssitze, was in den Jahren 1486 bis
1523 zur Errichtung eines königlichen Patronatsrechts (Patromato
Regio) führte.
Der vorzeitige Tod Heinrichs
III., als sein Erbe erst ein Jahr alt war (Johann
II. 1406-1454), brachte einen erneuten Machtzuwachs für
den Adel um den Regenten Ferdinand,
den Onkel des Königs, und seine Söhne, die sogenannten Infanten
von Aragon (Ferdinand 'von Antequera' war
seit 1412 König von Aragon und begründete die dortige Linie der
TRASTAMARA-Dynastie).
Andererseits nahm Ferdinand den Krieg
gegen Granada wieder auf (1407-1410). In den folgenden Jahrzehnten spaltet
sich der Hochadel mit vergleichsweisen klaren politischen Programmen in
Parteien oder Ligen wechselnder Zusammensetzung, mit dem übergreifenden
Ziel, die Könige auf vom Adel ausgearbeitete Reformprogramme zu verpflichten,
die obersten Ämter in der Verwaltung einzunehmen und die Einnahmen
der eigenen Herrschaften, die im Durchschnitt gerade 35% des Landes ausmachten,
ebenso zu steigern wie die vom König gewährten Einkünfte.
Zudem wollte man die königlichen Städte kontrollieren, die Mitglieder
des niederen (städtischen) Adels zur Klientel gewinnen und den Cortes
jede politische Funktion nehmen. Trotz der Anstrengungen des Alvaro de
Luna, des Günstlings des Königs in der Zeit zwischen 1422 und
1453, endete jede politische Krise mit einem Zuwachs der Adelsmacht, die
während der Regierungszeit Heinrichs IV.
(1454-1474) ihren Höhepunkt erreichte. Aber die Unfähigkeit
des Adels, seine politischen Aktionen zu koordinieren, und Zwistigkeiten
zwischen den einzelnen Gruppen führten ab 1465 zum Bürgerkrieg,
der in einem Streit um die Nachfolge des Königs überging, bis
eine Lösung zugunsten Isabellas I. (1474-1504)
eintrat.
Im Verlauf des Konflikts (parallel zum Bürgerkrieg
in Katalonien, 1462-1472) zeichnete sich ein neues Gleichgewicht ab, das
seit 1480 in die Tat umgesetzt wurde: Wiederherstellung der Königsgewalt
in Theorie ud Praxis mit effektiver Machtausübung im realengo (Kontrolle
über die Städte und die Cortes, Bildung einer hermandad general),
wobei aber die Macht und die soziale Vorrangstellung des Adels unangetastet
blieben, Vereinigung von Kastilien und Aragon auf dynastischer Ebene und
politische Vormachtstellung Kastiliens. Verschiedene Faktoren waren
dafür maßgeblich: Die Bevölkerung der Krone Kastuilien
wuchs im 15. Jh. bis 1492 auf 4,3 Millionen an, dazu kam die Steigerung
der landwirtschaftlichen Produktion, die rasche Entwicklung der Städte,
des Haandels (Messe von Medina de Campo) und der Seefahrt, eine echte Blüte
von Kultur und Literatur in kastilischer Sparche und eine bedeutsame Reform
der Kirche unter flämisch-burgundischem Einfluß mit Besinnung
auf die eigenen Traditionen. Kastilien war trotz der Periode politischer
Instabilität vor 1480 und er sozialen Spannungen, die sich teils gegen
den muslimischen Feind, teils gegen die jüdische Minderheit (Vertreibung
der Juden 1492) wie auch gegen die jüdischen Konvertierten (Einführung
der Inquisition nach 1478) richtetn, ein blühendes und aufstrebendes
Land.
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Land in N-Spanien, seit dem 8. Jahrhundert unter der
Herrschaft der Könige von Asturien, die es von einheimischen Grafen
verwalten ließen. Es kam 1026 an Navarra und wurde 1035 Königreich
(Alt-Kastilien), 1230 endgültige Vereinigung mit Leon; schrittweise
Eroberung Neukastiliens (Toledo 1085, Cordova 1236, Sevilla 1248, Cadiz
1262); 1479 Zusammenschluß mit Aragon und Herstellung der staatlichen
Einheit.
HAUS LARA
| Nuno Nunez I. Graf von Kastilien (899- 909) |
| Nuno Nunez II. Graf von Kastilien (914- 915) |
| Gonzalo Tellez Graf von Kastilien (903- 9 ) |
| Munio Fernandez Graf von Kastilien (921- ) |
| Ferdinand Ansurez Graf von Kastilien (916-920)(927- 930) |
| Gonzalo Fernandez von Lara Graf von Kastilien (916/30- 932) |
| Ferdinand Gonzales Graf von Kastilien (932- 970) |
| Garcias I. Fernandez Graf von Kastilien (970- 995) |
| Sancho Garcias Graf von Kastilien (995-1017) |
| Garcias II. Sanchez Graf von Kastilien (1017-1029) |
HAUS NAVARRA
| Sancho I. der Große von Navarra König von Kastilien (1029-1035) |
| Ferdinand I. der Große König von Kastilien (1035-1065) |
| Sancho II. König von Kastilien (1065-1072) |
| Alfons VI. der Tapfere König von Kastilien (1072-1109) |
| Urraca König von Kastilien (1109-1126) |
HAUS BURGUND
| Alfons VII. König von Kastilien (1126-1157) |
| Sancho III. der Ersehnte König von Kastilien (1157-1158) |
| Alfons VIII. der Edle König von Kastilien (1158-1214) |
| Heinrich I. König von Kastilien (1214-1217) |
| Ferdinand III. König von Kastilien (1217-1252) |
| Alfons X. der Weise König von Kastilien (1252-1284) |
| Sancho IV. der Tapfere König von Kastilien (1284-1296) |
| Ferdinand IV. der Vertagte König von Kastilien (1296-1312) |
| Alfons XI. der Rächer König von Kastilien (1312-1350) |
| Peter I. der Grausame König von Kastilien (1350-1369) |
HAUS TRASTAMARA
| Heinrich II. der Bastard König von Kastilien (1369-1379) |
| Johann I. König von Kastilien (1379-1390) |
| Heinrich III. der Kränkliche König von Kastilien (1390-1406) |
| Johann II. König von Kastilien (1406-1454) |
| Heinrich IV. der Impotente König von Kastilien (1454-1474) |
| Isabella I. die Katholische König von Kastilien (1474-1504) |
| Johanna I. die Wahnsinnige Königin von Kastilien (1504-1555) |
| Philipp I. der Schöne König von Kastilien (1504-1506) |