Einziger Sohn des Königs
Ferdinand IV. der Vertagte von Kastilien und der Konstanze
von Portugal, Tochter von König
Diniz
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 401
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Alfons XI., König von Leon und Kastilien
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* 1311, + 1350
Salamanca Gibraltar
Bestieg als Sohn Ferdinands IV.
und der Konstanze von Portugal schon
im zweiten Lebensjahr den Thron. Seine Regierungszeit von 38 Jahren war
eine der bedeutendsten des kastilischen Mittelalters. Die Jahre seiner
Minorität waren mit Parteikämpfen angefüllt, die nach dem
Tode Marias de Molina (1321), der Witwe
Sanchos
IV. und Regentin für ihren unmündigen Enkel, unter
den neuen Regenten Philipp, Johann
den "Einäugigen" und Johann Manuel,
die das Königreich unter sich teilten, einen Höhepunkt erreichten.
Ganz im Gegensatz dazu steht die Zeit der Großjährigkeit. Mit
dem entscheidenden Sieg am Salado (1340) und der Eroberung von Algericas
(1344) wurden die afrikanischen MARINIDEN vernichtet
und das Reich von Granada zum Stillhalten gezwungen; die Konflikte
um die Meerenge von Gibraltar waren damit beseitigt. Alfons griff auch
in den Hundertjährigen Krieg ein, beschränkte sich aber darauf,
ein kluges Gleichgewicht zwischen England und Frankreich einzuhalten, wodurch
eine Ausweitung des Wollhandels und eine Beherrschung der flandrischen
Märkte gelang. Alfons' Erfolge
fußten auf einer energischen Innenpolitik, welche die Stärkung
der königlichen Autorität im Auge hatte. Er beseitigte
die Hermandades, die Instrumente kommunaler Rebellion, und ersetzte die
allgemeine Bürgerversammlung in den wichtigeren Städten durch
einen verkleinerten Rat oder ein Stadtregiment. Mit derselben Zielsetzung
führte er in den wichtigeren Orten auch Corregidores ein, die als
Vertreter der Königsgewalt die von der Bürgerschaft gewählten
Bürgermeister verdrängten. Alfons XI.
konzentrierte auf diese Weise die kommunalen Befugnisse in seiner Hand,
um von dieser Basis aus den Kampf mit dem Adel aufzunehmen. Er setzte damit
zugleich Vorstellungen des monarchischen Frühabsolutismus in die Praxis
um. Schon 1337 war der Adel vollständig unterworfen. Den Cortes kam
bei diesem Umbau des Verfassungsgefüges eine wichtige Funktion zu.
Alfons war mit Maria von Portugal verheiratet,
die ihm den Thronfolger
Peter I. schenkte; seit 1329 stand er unter dem Einfluß
der schönen Eleonore von Guzman, die ihm unter anderen Heinrich
II. von Trastamara gebar, der nach einem Bürgerkrieg die
kastilische Krone übernehmen sollte.
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Die Zeit seiner Minderjährigkeit war erneut geprägt
von verheerenden Bürger- und Thronkriegen, da sein Onkel Peter
und
sein Großonkel Johann, die beide
1319 in der Schlacht bei Tiscar fielen, um die Vormundschaft kämpften.
Alfons
XI., volljährig geworden, unterwarf die Verwandten endgültig,
und errichtete kraftvoll die königliche Gewalt neu, bändigte
den Adel, nahm ihn, indem er Frieden mit Aragon und Portugal schloß,
jeden auswärtigen Rückhalt. Er regierte staatsklug, ergänzte
und modifizierte die "Las siete Partidas" zugunsten von Adel und Kirche,
hielt glanzvoll Hof, sorgte als fähiger Regent für die letzte
innere Ruhezeit bis zu Königin Isabella.
Als hemmungsloser Frauenheld sorgte er für Aufsehen und unerquickliche
Familienverhältnisse, stand zuletzt sehr unter dem Einfluß seiner
intriganten, herrschsüchtigen Mätresse
Eleonore de Guzman.
Er geriet hart mit Granada und Marokko aneinander, verlor 1340 eine große
Flotte und siegte am 30.10.1340 mit portugiesischer Hilfe in der Schlacht
bei Salado über die Mauren, eroberte Algericas und starb vor Gibraltar,
das er wieder verloren hatte, an der Pest.
28.11.1325
1. oo Konstanze von Kastilien-Penafiel, Tochter
des Infanten Juan Manuel II.
- 1327 nach 1315-13.11.1345
Santaren
1328
2. oo Marie von Portugal, Tochter des Königs
Alfons IV.
1313-18.1.1357 ermordet
Sie wurde von
der Familie GUZMAN aus Rache vergiftet.
3. oo Eleonore de Guzman, Tochter des Grafen Peters
Nunez von Medina Sidonia
Konkubine 1310- 1351 ermordet
Vom Stiefsohn
Peter
I. ermordet.
Kinder:
2. Ehe
Peter I. der Grausame
30.8.1334-23.3.1369
3. Ehe
Heinrich II. von Trastamara
13.1.1333-29.5.1379
Friedrich Senor de Haro Seite 163
13.1.1333-29.5.1358 gefallen
Pedro Alfonso Großkanzler von Kastilien
1330- 1388
Tello Senor de Aguilar
1337-16.10.1370
oo Juana Nunez de Lara
-
Erbin von Vizcaya
Johann Senor de Badajoz
1341-12.6.1358 gefallen
Johanna
-
1354
1. oo Fernando de Castro Senor de Lemos
- 1375
1366
2. oo Felipe II. Graf de Castro
- 1371
Peter Senor de Aguilar
1345- 1359 ermordet
Sancho Graf von Albuquerque
1342-19.5.1374
Literatur:
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Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 296 - Perez
Joseph: Ferdinand und Isabella: Spaniens Katholische Könige. Eugen
Diederichs Verlag München 1995 Seite 44,113,118,133,157 - Vones
Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche
- Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 Seite 152,157-162,167,170,173,177,180,186,190,204,209,228,233,238
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Die Parteikämpfe, die während der langen Minderjährigkeit
Alfons'
XI. (1312-1325) unter der eigennützigen Machtausübung
durch seine verschiedenen Tutoren - darunter auch Juan
Manuel - herrschten, sowie die fast anarchisch zu nennenden
Zustände, die 1315 auf den Cortes von Burgos zu einer Hermandad General
der Caballeros, Hidalgos und hombres buenos der Städte und Landgemeinden
zum Schutz der legitimen Ansprüche des Thronfolgers führten und
die vor allem nach dem Tod der Regentin Maria
de Molina (1321) ihren Höhepunkt erreichen sollten, bewiesen,
wie ernstgemeint solche Aussagen waren.
Ungeachtet des verzweifelten Versuchs seiner Großmutter,
ihn bei ihrem Tod zusammen mit seiner Schwester Eleonore der Tutela der
hombres buenos von Valladolid zu unterstellen und damit den Einfluß
der Concejos zur Stützung des Königtums zu nutzen, konnte sich
Alfons
XI. erst bei Eintreten seiner Volljährigkeit allmählich
gegen die Tutoren durchsetzen. Obwohl auch nach 1325 die Regierungsverantwortung
bei Alfons'
Onkel Philipp
lag
- neben
Juan Manuel sowie Juan
el Tuerto, Sohn des Infanten Johann
und der Maria Diaz de Haro, ursprünglich einer der Tutoren - und dieser
sich auf die alte MOLINA-Gefolgschaft stützen konnte, ist eine
deutliche Steigerung der Königsgewalt zu beobachten, die sich sofort
in einem Verbot der Hermandades äußerte und bald ihren Niederschlag
in der Besetzung von wichtigen Verwaltungsämtern mit Mitgliedern des
nachrückenden niedrigeren Adels fand.
Erstrangige Bedeutung kam ebenfalls dem Ausgleich zwischen
Königtum und Kirche zu, der 1326 auf den Cortes von Valladolid vorbereitet
und bei einem anschließenden Treffen in Medina del Campo gefunden
wurde, als der junge Monarch unter Wahrung der fiskalischen Interessen
seiner Krone darauf verzichtete, das Königsgut (realengo), das seit
den Zeiten Alfons' X. zur Mehrung des
Kirchengutes (abadengo) entfremdet worden war, zu rekuperieren. Darüber
hinaus konnte Alfons XI. Juan Manuel
auf seine Seite ziehen, indem er die Heirat mit desssen Tochter
Konstanze einfädelte und ihm selbst den Adelantamiento
de la Frontera (Murcia) übertrug. Dies eröffnete ihm die Möglichkeit,
Juan
el Tuerto gewaltsam zu beseitigen, um sodann Konstanze
zugunsten
einer politisch opportunen Ehe mit Maria von Portugal
zu
verschmähen. Als Alfons XI. 1332,
inzwischen mit Juan Manuel wieder versöhnt,
seine ungeschmälerte Machtausübung eindrucksvoll demeonstrierte,
tat er dies bereits als starker Herrscher und drückte dies in der
äußeren Form aus.
Die Cronica de Alfonso XI. berichtet, wie der König
im Jahr 1332 zum Kloster Las Huelgas bei Burgos zog, um das heilige Salböl
für die Königsweihe in Empfang zu nehmen und dort gekrönt
zu werden. Als alle Vorbereitungen getroffen waren, reiste er als Pilger
weiter nach Santiago de Compostela, um sich auf dem Hauptaltar der Kathedrale
durch den mechanischen Arm der Statue des Heiligen Jakobus, des Apostels
und Patrons von Spanien, zum Ritter schlagen zu lassen - die pescozada
zu bekommen - und mit eigener Hand seine Waffen aufzunehmen. Wieder in
Burgos, erhielt er auf seiner rechten Schulter die rituelle Salbung, bestieg
anschließend allein den Thron, ergriff die Königskrone, setzte
sie sich selbst auf das Haupt und krönte dann seine schwangere Gattin
Maria. Den eigentlichen Kern der gesamten Zeremonie, die völlig anders
ablief, als es der eigens zu diesem Zweck entworfene Krönungsordo
vorsah, bildeten jedoch für den Verfasser der Cronica, den königlichen
Kanzler Fernan Sanchez de Vallodolid, weder die Salbung noch die Krönung
in Las Huelgas, sondern die Schwertleihe und die damit in Verbindung stehende
Gründung des Ordens de la Banda (von der Schärpe).
Mit der Gründung dieses Ordens, die kaum noch an
die Traditionen der Ritterorden anzubinden ist, rückte der kastilische
König bewußt das Ideal des Rittertums, der cavalleria, in den
Mittelpunkt des höfischen Denkens, um möglichst übergreifende
Adels- und Patriziatsschichten bis hin zu den einfachen, im sozialen Aufstieg
begriffenen, aber nicht adligen caballeros villanos anzusprechen und an
sich zu ziehen. Diese Gruppen sollten neben dem Episkopat und den an der
Universität gebildeten, ebenfalls der Mittelschicht angehörigen
letrados das Fundament seiner Regierungsgewalt mittragen. An welche Adelsgruppierungen
Alfons XI. dabei dachte, kann man an der Zusammensetzung der letrados am
Hof ablesen: Dazu gehörten die Erzbischöfe von Toledo, die königlichen
Berater, Kanzler und späteren Kardinäle Pedro Gomez Barroso und
Gil de Albornez, Juan del Campo, Bischof von Cuenca, Oviedo und schließlich
Leon sowie Notario Mayor von Andalucia und Kastilien, Fernan Sanchez de
Valladolid, Canciller del Sello de la Poridad und Notario Mayor von kastilien,
der Kämmerer Fernan Rodriguez und sein Sohn Pedro Fernandez Pecha,
Gonzalo Martinez de Oviedo, der bis zum Großmeister des Alcantara-Ordens
aufstieg und Juan Estavanez de Castellanos als Kanzler des Königs.
In Zukunft einflußreiche Familienblöcke wie die DAVILA, ALBORNEZ,
CARRILLO, PECHA, OROZCO, MENDOZA, GARCIA DE TOLEDO, GOMEZ DE TOLEDO, RUIZ
DE TOLEDO und ALVAREZ DE TOLEDO erlebten in dieser Zeit eine Phase rasanten
Höhenflugs.
Der König ging auf diesem Weg, der die Monarchie
und die Adelsschichten unterhalb der hochadligen Familien zusammenschmieden
sollte, konsequent weiter. Im Jahr 1338 gründete er in Burgos, wohin
auch die mechanische Jakobusstatue aus Santiago überführt wurde,
die Real Hermandad oder Real Cofradia del Santisimo y santiago wahrscheinlich
in Nachahmung des Santiagoordens und erreichte damit die "cristalizacion
final de la Caballeria Villana como grupo social". Doch nicht nur in Burgos,
das er durch städtische Reformen im Inneren in seinem Sinne stärkte,
schuf sich Alfons eine nördliche Bastion, auch im Süden errichtete
er durch die seit 1326 betriebene und 1337 kraftvoll vorangebrachte Gründung
des Konvents von Santa Maria de Guadalupe eine neues spirituelles Zentrum
für die aufsteigenden Adelsschichten, das mit Fernan Sanchez, del
Campo und Barroso, später mit Pedro Fernandez Pecha in enger Verbindung
stand.
Angesichts der offenkundigen Seltenheit von Königsweihen,
offiziellen Krönungen und gar Selbstkrönungen im mittelalterlichen
Kastilien nahm Teofilo F. Ruiz diese Vorgänge zum Anlaß, die
kastilische Monarchie als "royaute sans sacre" näher zu untersuchen,
nicht ohne mit seiner Ansicht, dies sei ein Schwachpunkt der Herrschaftskonzeption
gewesen, auf Widerspruch zu stoßen. Zuletzt hatte sich Alfons'
Großvater
Sancho
IV. 1284 nach rund 150-jähriger Unterbrechung in einer
vergleichbaren Situation krönen lassen, um gegenüber dem oppositionellen
Adel seine Stellung festigen zu können, gleichzeitig aber auf eine
Salbung verzichtet. Auch bei Alfons XI.
spielte diese Überlegung eine hervorragende Rolle, denn die Mehrheit
des Adels scheint noch von Vorstellungen beeinflußt gewesen zu sein,
deren westgotische, im Fuero Juzgo niedergelegten Wurzeln unverkennbar
waren und die, ohne der Königsweihe eine übergeordnete Bedeutung
zuzumessen, jedem geeigneten Mann den Zugang zum Thron zugestanden. Demgegenüber
verlor der ungerechte und eigensüchtige König als Tyrann seine
Fähigkeit zu regieren.
In dieser Vorstellungswelt liegt der Schlüssel verborgen,
um die harten Auseinandersetzungen zwischen Adel, Mitgliedern der Königsfamilie
und den Königen selbst um die Machterhaltung beziehungsweise Machtübernahme
begreifen zu können. Wenn jeder Adlige, insbesondere jedes Mitglied
des Herrscherhauses im Kastilien des Spätmittelalters jene Qualitäten,
die ihm zur Ausübung des Königsamtes befähigten, für
sich durch Taten zu reklamieren vermochte, dann war dem rücksichtslosen
Kampf um die Macht der Weg bereitet. Der Verlauf der kastilischen Geschichte
im 14. und 15. Jahrhundert kann diese Auffassung nur bestätigen. Salbung
und Selbstkrönung waren somit für Alfons
XI. das geeignete Mittel, um seine Königswürde aus
dieser Ideologie herauszulösen und dem Zugriff adliger Begehrlichkeit
zu entrücken. Schon sein Nachfolger Peter
I. el Cruel sollte die Wirkung dieser adligen Normen zu spüren
bekommen, als er durch seine unbedachte politische Radikalität in
den Geruch geriet, ein schlechter Herrscher und Tyrann zu sein.
Wollte Alfons XI. seine
herausragende Stellung untermauern, dann mußte er den Vorstellungen
des Adels gerecht zu werden versuchen und seine Herrscherqualitäten
demonstrieren. Glaubt man allerdings der im 14. Jahrhundert redigierten
Chronik Alfons' X., hatten schon Sancho
IV. seine Erfolge im Kampf gegen die Mauren in den Augen der
Adelsmehrheit den entscheidenden Vorsprung gegenüber den anderen Thronkandidaten
eingetragen. Auf jeden Fall spiegelt sich hier die Auffassung weiterer
Adelskreise wider, die die persönliche Eignung des Königs in
den Vordergrund rückt und die später Heinrich
von Trastamara den Zugang zum Königtum ermöglichen
sollte. Eine Sichtung der bildlichen Darstellungen auf den Königssiegeln
hat dementsprechend ergeben, dass als einziges dauerhaftes Motiv der König
als Kriger feststellbar ist, selbst in seiner zweiten sakralen Ausprägung
als gekrönter Ritter mit blankgezogenem Schwert.
Um dem gerecht zu werden, betrieb Alfons
XI. mit Eifer den Maurenkampf und konnte sich dabei im Kampf
gegen die arabische Seemacht sogar die dringend benötigte Unterstützung
durch katalanische Flottenverbände sichern. Selbst eine vernichtende
Niederlage der kastilischen Flotte vor Algericas (1340) - als 'spanisches
Trafalgar des 14. Jahrhunderts' gekennzeichnet - konnte letztlich die überragenden
Erfolge nicht verhindern. In der Schlacht am Salado wurden die marokkanischen
Banu Marin, die bedeutendsten Verbündeten Granadas, so vernichtend
geschlagen, dass ihre miltärische Stärke für die Zukunft
gebrochen war - ganz zu schweigen von dem riesigen Schatz, der in die Hände
des kastilischen Königs fiel und ihn befähigte, seiner als Kreuzzug
geführten Anstrengungen zu verwirklichen. Fast zwangsläufig sollte
vier Jahre später Algericas fallen (1344), wodurch die tributäre
Abhängigkeit Granadas zementiert wurde. Die Eroberung Gibraltars wurde
einzig durch die Pest und den Tod des Königs (1350) zunichte gemacht,
doch die Kontrolle über die Meerenge war für die muslimischen
Reiche verlorengegangen und eröffnete Kastilien neue wichtige Handelsverbindungen.
Es erscheint fast zwingend, dass Alfons
XI. seine außenpolitischen Siege, wozu ein politisch geschicktes
Taktieren angesichts des beginnenden Hundertjährigen Krieges gehörte,
und den Fortschritt der Reconquista auch in innenpolitische Erfolge umzumünzen
verstand. Er brachte die Städte zunehmend unter seien Kontrolle, indem
er an die Stelle der oft unüberschaubaren (und deshalb schwer zu beherrschenden)
Bürgerversammlungen verkleinerte Stadträte (cabildos) mit ihm
zuneigenden Standesvertretern aus der lokalen Bürger- und Adelschicht
setzte sowie in den wichtigeren Orten Redigores als Funktionäre der
Königsgewalt etablierte, die die gewählten Bürgermeister
verdrängten. Auf eine griffige, wenn auch nicht unumstrittene Formel
gebracht: Er betrieb gezielt die Umwandlung der Concejos abiertos, der
demokratisch aufzufassenden und autonomen Vollversammlungen der Stadtbürger,
in Concejos cerrados, in denen die Regierungsgewalt aufgrund des vom König
verliehenen Regimeinto einigen wenigen Auserwählten sowie den in Ayuntamiento
vereinigten städtischen Magistralen vorbehalten war. Diese offensichtliche
Tendenz zur Zentralisierung, die ohne Frage auf die Bestrebungen unter
Alfons
X. zurückverwiesen, fanden ihren krönenden Abschluß
durch ein vereinheitlichende Gesetzgebung, die im Oreamiento de Alcala
von 1348 gipfelte. Begleitet von der nun erst verbindlichen Inkraftsetzung
der Siete Partidas Alfons' X., wurde
den lokalen Fueros lediglich noch eine ergänzende Funktion zum gesetzten
Recht, das sich in erster Linie aus königlichen Erlassen speiste,
zugestanden, die Gerichtsbarkeit entsprechend den Normen des römischen
Rechts eingerichtet und die Bestimmungen des Lehnrechts vor allem in jenen
Bereichen verschärft ausgelegt, die die Pflichterfüllung des
adligen Vasallen betrafen. Weitere Maßnahmen, die den Schutz der
Burgen und die Wiederbelebung der Mesta betrafen, schränkten die jurisdiktionelle
Reichweite des Adels und der Städte weiter ein und eröffneten
dem Königtum zusätzliche Eingriffsmöglichkeiten. Der Corregidor,
der als weitgehend unabhängiger Beauftragter des Königtums in
die Städte und Gemeinden entsandt wurde, um dort ein politisches
Aufsichtsrecht über die Verwaltungstätigkeit auszuüben,
tauchte zum ersten Mal als Amtsbezeichnung im Ordenamiento de Alcala auf.
Das Ende der Regierung Alfons'
XI. war geprägt von der Vereinigung einer bisher nicht
gekannten Machtfülle in der Hand des Königs, der sich gegenüber
den Ständen eine Vielzahl von Herrschaftsinstrumenten gesichert hatte
und sich darüber hinaus auf den Konsens breiter Schichten in der Gesellschaft
stützen konnte, wozu auch die wiederholt herangezogenen jüdischen
Finanz- und Kaufleute zählten. Darüberhinaus hatte Alfons
XI. mit der Ausdehnung der Alcabala, einer bis dahin nur an
einzelnen Orten Kastiliens auf alle Verbrauchsgüter erhobenen Verkaufssteuer,
auf das gesamte Reich (1342) und der Festigung des königlichen Salzmonopols
(1338) dafür gesorgt, dass die finanziellen Grundlagen kastilischer
Königspolitik berträchtlich erweitert und für die Zukunft
bis zu einem gewissen Grad unabhängig von Zugeständnissen der
Cortes abgesichert waren. Bevor Kastilien erneut in den Wirren eines Bürgerkriegs
versinken sollte, schien es für eine kurze Zeit als innerlich gefestigte
Großmacht dazustehen.