Einziger Sohn des Königs
Boso von Vienne und der Ermengard,
Tochter von Kaiser LUDWIG II.
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 2177
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LUDWIG DER BLINDE, Kaiser
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* um 880, + wohl 928
Sohn Bosos von Vienne und der Ermengard, der Tochter Kaiser LUDWIGS II.
LUDWIG DER BLINDE zählt in spät-karolingischer Zeit zu jenen fränkischen Herrschern, die, gestützt auf die Herrschaft über Italien und die Kaiserwürde, den Versuch unternommen haben, ein fränkisches Großreich beiderseits der Alpen zu behaupten, Voraussetzung seines Aufstieges war die legitimistische Politik seiner Mutter, die nach dem Tode seines von den legitimen KAROLINGERN nie anerkannten Vaters Kaiser KARL III. auch als Herrscher der Rhoneländer huldigte (887), wofür jener die Legitimität und königliche Würde LUDWIGS anerkannte. Daß KARL III., der wenige Monate später selbst gestürzt wurde, LUDWIG damals sogar als Gesamterben vorgesehen hatte, ist nicht wahrscheinlich [Siehe dagegen Hlawitschka, Lotharingien und das Reich, Seite 35]. Kaiser ARNULF übernahm als Rechtsnachfolger KARLS III. 889 den Schutz des jungen LUDWIG und stimmte als Oberlehnsherr auch seiner Königswahl durch die provencalischen Großen im August 890 in Valence ausdrücklich zu. Im Herbst 900 zog LUDWIG DER BLINDE auf Einladung der mit BERENGAR I. unzufriedenen italienischen Großen nach Oberitalien, wo er aus dem Erbe seiner Großmutter, der Kaiserin Angilberga, wohl immer noch reichen Familienbesitz besaß. Im Februar 901 weihte ihn Benedikt IV. in Rom zum Kaiser. Etwa zu dieser Zeit muß LUDWIG eine erste Ehe mit Anna, der Tochter Kaiser Leons VI. von Byzanz, eingegangen sein. Der Name des wohl aus dieser Ehe hervorgegangenen Sohnes Karl Konstantin belegt den weit überzogenen Rahmen der damaligen Pläne, die schon ein Jahr später, als es BERENGAR gelang, LUDWIG wieder aus Italien zu vertreieben, scheiterte. 905 noch einmal für kurze Zeit nach Oberitalien zurückgekehrt, wurde LUDWIG von BERENGAR in Verona gestellt und geblendet, so daß er in der Folgezeit als praktisch regierungsunfähiger Herrscher in Nieder-Burgund nur noch ein Schattendasein geführt hat. Faktischer Regent war dort jetzt Markgraf Hugo von Arles und Vienne. Im größeren Zusammenhang steht LUDWIG DER BLINDE am Anfang jener Entwicklung, die im 11. Jh.- zur Angliederung Burgunds an das ostfränkisch-deutsche Reich geführt hat.
Literatur:
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NDB XV, 331-334 - E. Hlawitschka, Von der großfrk.
zur dt. Gesch. ...1988 - C. Brühl, Dtl. - Frankreich. Die Geburt zweier
Völker, 1990, 371,516ff. -
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Werner Karl Ferdinand: Seite 459
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr
1000 (1.-8. Generation)"
VI. Generation
11
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Lebensdaten LUDWIGS III.
G. de manteyer, La Provence du premier au XII siecle, 504f. und 508.
Die Verleihung der Titular-Königswürde an den
präsumptiven Nachfolger durch KARL III.
wird im Akt über LUDWIGS Erhebung
zum König der Provence 890 erwähnt: cui praestantissimus KAROLUS
imperator iam regiam concesserat digitatem, aber nicht über
Provence, denn dort war Kaiser KARL III.
als Herrscher anerkannt, ebd.:
post gloriosissimi KAROLI
imperatoris obitum aliquamdiu sine rege et princioe existens
(sc.
regnum Provinciae), vgl. diese Belege schon bei Dümmler 3, 277. Es
handelt sich um den Akt von Mantaille (ed. Boretius-Krause, MG Capit. 2,
376f., nr. 289).
Zu den Plänen KARLS III.
mit dem jungen Kaiserenkel LUDWIG siehe
Ewig (oben Anm. IV, 5 und IV,23). Brandenburg weiß noch nichts von
der ersten Ehe LUDWIGS III. mit einer
byzantinischen Prinzessin, einer Verbindung, aus der der Sohn Karl
Konstantin hervorgegangen ist, vgl. Ohnesorge 299ff. (der die
Forschungsgeschichte referiert; C.W. Previte-Orton, ein englischer Historiker,
hat 1914 als erster den Nachweis geführt) und jetzt umfassend Hiestand
92-96, mit näheren Angaben zur Gemahlin Anna
und zum politischen Hintergrund der Verbindung. Die zweite Gemahlin LUDWIGS
(ihre urkundliche Erwähnung gehört zu 914 I 18 und nicht 915,
wie Brandenburg schreibt) namens Adelheid
ist Tochter des WELFEN-Königs
Rudolf
I. In Anmerkung Brandenburg VI, 6 wird der Versuch unternommen,
diese Herkunft als unbewiesen (wenn auch, wegen des Namens, der dem Sohn
aus dieser Ehe gegeben wurde, Rudolf,
als nicht unwahrscheinlich) hinzustellen. Beide Argumente von Brandenburg
beruhen auf Irrtümern. Er spricht von zu naher Verwandtschaft und
fertigt eigens eine kleine Tafel an, um sie nachzuweisen. Dabei unterläuft
es ihm, jedoch, eine ganze Generation zwischen Irmgard,
der Gattin LOTHARS I. und Irmgard,
der Gattin König Bosos (so, statt
verdruckt Boß) auszulassen, nämlich
Kaiser
LUDWIG II., und ebenso auf der anderen Seite der Verwandtschaftstafel
die dritte Adelheid und damit auch hier eine Generation wegzulassen. Von
Adelheid
über
ihren Vater Rudolf I., den Bruder der
von Brandenburg aufgeführten Adelheid, Gattin Richards von Burgund,
weiter über Rudolfs Vater Konrad
zu dessen Mutter Adelheid und deren Vater Hugo von Tours, dem gemeinsamen
Ahnherrn der beiden Eheleute, zählt man ebenso vier Generationen wie
von LUDWIG III. aus: Die Ehe war also
kanonisch erlaubt. Andererseits machte Brandenburg aus dem nepos der burgundischen
Herzogs-Witwe Adelheid in ihrer Urkunde von 929 III 19 für Cluny (Bernard-Bruel,
Chartes de Cluny 1, 1876, nr. 379) einen angeblichen, frühverstorbenen
Sohn König Rudolfs von W-Franken,
den es nie gab (ebensowenig wie den KAROLINGER-Namen
Ludwig in diesem Hause), vgl. Ph. Lauer, Robert I. et Raoul de Bourgogne,
Paris 1910,79, der aber auch nicht erkennt, daß an dieser Stelle
LUDWIG
III. DER BLINDE gemeint ist, der in Tat im Jahr zuvor, 928,
gestorben war und darum in der Urkunde als verstorben genannt wird.
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Brandenburg Erich: Tafel 1 Seite 1
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"Die Nachkommen Karls des Großen"
VI. Generation
6.
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LUDWIG Bosonides, König von Nieder-Burgund 887,
König von Italien 900, Kaiser 15. oder 22.II. 901
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* wohl ca. 883, + wohl 928 5. VI.
Aus Italien vertrieben und geblendet 905 2.VII.
Gemahlin: Adelheid, urkundlich 915 18.I. (wohl nicht eine
Tochter Rudolfs I. von Hoch-Burgund)
Anmerkungen: Seite 116
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VI. 6. Ludwig Bosonides
Prou-Poupardin, Receuil n. 28 ff.; Schiaparelli Dipl.
di Lodov.
Daß er nach 882 geboren sei, wird dadurch geschlossen,
daß Hincmar, Ann. Bert. 882, S. S. 1, 514, nur
Bosos Tochter, aber keinen Sohn erwähnt; doch ist dies
nicht unbedingt zwingend (so auch Poupardin, Prov. 143). Er ist 887 parvalus,
Ann. Fuld. S. S. 1, 404. letzes Vorkommen 927 25. XII., Prou-Poupardin
n. 68. Er starb vermutlich Anfang 928, vielleicht am 5. VI.,
siehe Poupardin, Provence 225f.
Gemahlin Adelheid erscheint urkundlich nur einmal
915 18.I., Cart. de St. Andre-le-Bus ed. Chevalier b. 16. Poupardin, Provence
314-319, hat überzeugend nachgewiesen, daß die Annahme, sie
sei eine Tochter König Eduards I. von England
gewesen, sicher unrichtig ist. Er sucht (208 f.) wahrscheinlich
zu machen, daß sie eine Tochter Rudolfs
I. von Burgund gewesen sei. Der Name ihres Sohnes, Rudolf, spricht
dafür, aber ein zwingender Beweis ist nicht zu erbringen. Die von
ihm angeführte Urkunde von 929 19. III. (Chartres de Cluny n. 379),
in der Adelheid, die Witwe Herzog Richards von Burgund und Schwester
König Rudolfs I., den verstorbenen Ludwig ihren nepos nennt,
bezieht sich auf ihren Enkel Ludwig, den früh verstorbenen Sohn König
Rudolfs von Frankreich, siehe Genealogisches Handbuch der Schweizer
Geschichte 1, 75. Die tatsächlich bestehende Verwandtschaft war folgenden:
Hugo Graf von Tours
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Irmgard oo Kaiser LOTHAR I.
Adelheid oo Graf Konrad (WELFE)
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Irmgard oo König Boso
Konrad
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LUDWIG Bosonides
Adelheid oo Herzog Richard
Diese nahe Verwandtschaft zwischen LUDWIG und den burgundischen WELFEN spricht eher gegen die Abkunft seiner Frau aus dem welfischen Hause. [VI 11]
Korrektur (Werner): Die vorstehende Abstammungsübersicht ist grundlegend zu korrigieren, da Brandenburg hier eine Generation ausgelassen hat. Mit der Richtigstellung entfallen auch die Einwände wegen zu naher Verwandtschaft.
Hugo Graf von Tours
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Irmgard oo Kaiser LOTHAR
Adelheid oo Graf Konrad der Welfe
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Kaiser LUDWIG II. oo Engelberge
Konrad, WELFE
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Irmgard oo König Boso
König Rudolf I.
Adelheid oo Herzog Richard von Burgund
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LUDWIG
Bosonides
oo
Adelheid, WELFIN
Ergänzung (Werner): Gemahlinnen: a) ca. 900 Anna,
Tochter des Kaisers Leon VI.
* 886/88, + vor 914
b) vor 18.I. 914 Adelheid, Tochter Rudolfs (König von Hoch-Burgund)
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Thiele Andreas: Band II Teilband 1 Tafel 97
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"Erzählende genealogische
Stammtafeln"
LUDWIG III. folgte seinem Vater unter der Vormundschaft seiner Mutter Ermengard in der Regierung. Diese sicherte ihm als Regentin das Erbe, indem sie formal den Kaisern KARL III. und ARNULF von Kärnten huldigte. 888 gründeten Sarazenen das berüchtigte Seeräubernest Fraxinetum bei Frejus, von wo aus sie 90 Jahre lang die Küsten terrorisierten. 889 trennte Graf Rudolf den nördlichen Teil von Burgund als selbständiges Königreich Hoch-Burgund los und LUDWIG geriet wiederholt mit den WELFEN in Hoch-Burgund wegen gleicher Interessen in Burgund-Arelat in Streit. In Italien riefen nach Kaiser LAMBERTS Tode dessen Anhänger LUDWIG gegen BERENGAR I. herbei; nach einem 898 mißglückten Versuch kam LUDWIG III. im Herbst 900 über die Alpen, um die Krone davonzutragen, nach der sein Vater vergeblich getrachtet hatte. In Pavia wurde er auf einer Versammlung der italienischen Fürsten, auf deren Einladung er seinen Zug angetreten hatte, am 12. Oktober zum König von Italien gewählt. Glücklicher als BERENGAR drang er sogar nach Rom vor und empfing am 6. Februar aus der Hand des Papstes Benedikt IV. die Kaiserkrone. Bis in den Sommer des Jahres 902 herrschte er im oberen Italien, wo ihm ohnehin durch seine Mutter ein reiches Erbteil zugefallen war; dann gelang es seinem Gegner mit neugestärkten Kräften ihn endlich im August zum Abzuge in sein väterliches Reich zu zwingen. LUDWIG wagte keine Schlacht, sondern entzog sich der Gefahr, indem er das eidliche Versprechen leistete, nie wieder nach Italien zurückzukehren. Nach drei Jahren, in denen BERENGAR die wankelmütigen Großen sich von neuem entfremdet hatte, konnte LUDWIG den Aufforderungen seiner alten Anhänger nicht länger widerstehen, und zum zweiten Male gehorchte ihm die Lombardei. Da selbst Verona, der eigentliche Sitz der Macht seines Gegners, sich am 21. Juli ihm ergeben hatte und dieser sich vollständig zurückziehen mußte, so überließ sich LUDWIG dort sorglos einer erträumten Sicherheit und verabschiedete den größten Teil seiner Truppen. Diesen Augenblick benutzte BERENGAR, um, unterstützt vom Markgrafen Adalbert von Tuszien, mit Mannschaften, die er namentlich aus Bayern an sich gezogen hatte, den Kaiser in Verona zu überrumpeln, wobei ein Einverständnis mit den Bürgern dieser Stadt und wahrscheinlich auch mit dem Bischof Adalhard zustatten kam. LUDWIG III. wurde bei Nacht zum Gefangenen gemacht und unter Berufung auf seinen verletzten Eid des Augenlichtes beraubt. Als ein hilfloser Mann kehrte der Kaiser in sein ererbtes Reich zurück, um auch dort nur dem Namen nach König zu spielen. Seinen Vetter Hugo von Provence ernannte er zum Regenten und dieser ließ sich nach LUDWIGS Tode zum König krönen.
Schieffer Rudolf: Seite 185,189,192,195
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"Die Karolinger"
Nachdem die Legitimierung seines Sohnes Bernhard
durch
den Papst durch dessen Tod auf der Hinreise gescheitert war, lud Kaiser
KARL III. ungeachtet des vergangenen Streites mit seinem Vater
Boso
von Vienne LUDWIG, einen unanfechtbaren
KAROLINGER
in weiblicher Linie, mit der Mutter Irmingard
zu sich und nahm ihn Ende Mai 887 in Kirchen (bei Lörrach) an Sohnes
Statt, im Beisein
Odos von Paris und
womöglich BERENGARS von Friaul,
der kurz zuvor am Hof nachzuweisen ist. Die Entscheidung für einen
vielleicht Sechsjährigen war indes nichts als ein ungewisser Wechsel
in die ferne Zukunft und brüskierte offen den erwachsenen und handlungsfähigen,
wenngleich illegitimen Neffen ARNULF von Kärnten,
der unter den ostfränkischen Großen längst viele Anhänger
hatte.
Um der Expansion Rudolfs von
Hoch-Burgund vorzubeugen, förderte der ostfränkische
König ARNULF sogar die Wiederaufrichtung des (nieder-)
burgundisch-provenzalischen Königtums der
BOSONIDEN durch den jungen LUDWIG,
den Adoptivsohn KARLS III., der 890
in Valence unter Berufung auf seine von KARL verliehene
regia dignitas und auf ARNULFS Einverständnis
erhoben und gesalbt wurde.
Gegen den schwer zu packenden WELFEN
waren ein erneuter Feldzug Zwentibolds
und eine Zusammenkunft ARNOLFS mit
LUDWIG
von der Provence im Sommer 894 gerichtet.
Gegen König BERENGAR I.,
den Enkel LUDWIGS DES FROMMEN, der
dank
WIDOS,
LAMBERTS
und ARNOLFS Tod alle seine Kontrahenten
überdauert hatte, trat 900 von außen der inzwischen erwachsene
LUDWIG
von der Provence, Enkel Kaiser LUDWIGS
II., in die Schranken, errang 901 auch dei Kaiserwürde,
wurde aber 905 von BERENGAR
überwunden
und durch Blendung aus dem Machtkampf ausgeschaltet (+ 928).
Brühl Carlrichard: Seite 167
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"Die Geburt zweier Völker. Deutsche und Franzosen"
LUDWIG III. und BERENGAR I., die nach den WIDONEN die Kaiserwürde erwarben - LUDWIG am 15. oder 22. Februar 901, BERENGAR I. am 3. Dezember 915 - waren beide KAROLINGER in weiblicher Linie und sind unter diesem Aspekt weniger interessant als die WIDONEN. Das tragische Ende der Herrschaftsambitionen LUDWIGS durch die von BERENGAR im besten KAROLINGER-Stil befohlene Blendung wohl am 21. Juli 905 in Verona nach einer "kaiserlichen Herrschaft" von nicht einmal zwei Jahren wäre kaum der Erwähnung wert, wenn mit LUDWIGS Namen nicht der Versuch einer Annäherung der beiden Kaiserreiche auf dem Wege der Heirat verbunden wäre, denn LUDWIGS Gemahlin Anna war die Tochter des griechischen Basileus Leon VI. (886-912). Es steht fest, daß aus LUDWIGS Ehe mit Anna ein Sohn hervorging: Karl Konstantin, der spätere Graf von Vienne. BERENGAR I. ehelichte seinerseits kurz vor seiner Krönung 915 eine gewisse Anna, die meines Erachtens nicht die Gemahlin LUDWIGS III. ist, sondern deren Tochter: diese Heirat sollte die Aussöhnung der beiden Rivalen besiegeln [Persönlicher Einwurf: Bei Beachtung der Altersverhältnisse halte ich eine Ehe BERENGARS I. mit einer Tochter LUDWIGS III. für beinahe unmöglich. Leons VI. (1.9.866-11.5.912) Tochter Anna wurde 886/89 geboren. Norwich verlegt das Geburtsjahr sogar in das Jahr 898. Ihre Ehe mit LUDWIG III. wurde um 900 geschlossen, so daß der Sohn Karl Konstantin 901 geboren wurde; ob der ebenfalls vom Erbe ausgeschlossene Sohn Rudolf ebenfalls aus dieser Ehe stammt, ist unklar, aber möglich. Die Mutter hätte bei der Geburt ein Alter von 12 bis 15 Jahren. Für eine Tochter Anna käme als Geburtsjahr 902 in Frage. Eine 915 geschlossene Ehe würde die 13-jährige Anna mit dem ungefähr 65 Jahre alten BERENGAR zusammenführen, eine beinahe groteske Vorstellung. BERENGAR war noch bedeutend älter als Annas Großvater Leon VI.].
Hlawitschka Eduard: Seite 29,33,35-38,84,87-89,93-107
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"Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen
Geschichte"
In der Nachkommenschaft Kaiser
LOTHARS I. existierte, da Lothars II.
und
Waldradas Sohn
Hugo 885 geblendet und regierungsunfähig gemacht worden
war und die beiden damals erst wenige Jahre alten Söhne von Hugos
Schwester Berta
gleichfalls mit dem
Makel Waldradas behaftet und für
das Nachfolgeproblem nicht in Betracht zu ziehen waren, auch nur noch ein
in Frage kommender Knabe: nämlich LUDWIG,
ein Sohn des Usurpators Boso von der Provence
und Irmingards, jener Tochter Kaiser
LUDWIGS II., die
Boso 876
aus Italien entführt und geheiratet hatte. Gegen diesen ließ
sich zwar kein Makel der Geburt geltedn machen, aber er war wiederum kein
Mannesstamm-KAROLINGER; von den aus
Ehen karolingischer Prinzessinnen stammenden
Verwandten KARLS III. war er freilich
der KARL blutmäßig am engsten
verbundene.
Sogleich nach der Reichsversammlung in Waiblingen, zu
der also der Papst nicht erschienen war und auch keinen Vertreter gesandt
hatte, zog
KARL nach Kirchen bei Lörrach,
und zwar der Tochter Angilbergas und
Witwe Bosos sowie ihrem Sohne LUDWIG
entgegen -
obviam veniens imperator ad Hrenum villa Chirihheim!
- von deren Kommen er also gewußt und die er somit in gleicher Weise
wie den Papst eingeladen haben muß. Hier in Kirchen nahm er Mitte
bis Ende Mai 887 LUDWIGS
Huldigung
entegegen ihn adoptierte ihn an Sohnes Statt. Ja, er gestand ihm damit
zugleich auch die regia dignitas zu und bestätigte zum Schluß
die Mutter des kleinen LUDWIG,
Irmingard,
ihm selbst und seinen Schwestern die von Kaiser
LUDWIG II. an Irmingard
in Italien, Burgund und Franzien dereinst geschenkten Besitzungen und Hörigen.
Mit der Adoption LUDWIGS war im Grunde
genommen die Lösung des Nachfolgeproblems wohl nicht nur vorbereitet,
sondern - in KARLS Augen - tatsächlich
gefunden. LUDWIGS Anerkennung an Sohnes
Statt und die ihm, einem etwa 5-jährigen Knaben zugestandene
regia
dignitas, welche niemals in Anerkennung eines Erbanspruches auf den
väterlichen Titel gewährt worden sein kann, da KARL
III. ja Boso als Usurpator
betrachtete, zeigen genau, wer nach KARLS III.
Plan einmal nachfolgen sollte. Ein Zweifel ist hier nicht mehr
möglich. Die längst erloschen gewähnte lotharische Linie
sollte - so schein es - noch einmal erblühen und über das fränkische
Gesamtreich herrschen!
ARNULF wurd ein Forchheim
auch mit der Frage konfrontiert, wie er sich gegenüber seinem jungen
Verwandten
LUDWIG, dem Sohne Bosos
von der Provence verhalten sollte, den
KARL III. 887 adoptiert und zur Nachfolge ausersehen hatte.
Kaiserin
Angilberga schickte eigens ihre Tochter Irmingard,
die Witwe Bosos, zur Bestätigung
ihres italienischen Besitzes zu ARNULF
nach Forchheim. Die provencalischen Angelegenheiten mußten auf diese
Weise ganz selbsterständlich zur Sprache kommen. Irmingards
Bestreben dürfte es somit gewesen sein, die Sicherung der Nachfolge
ihres kleinen Sohnes LUDWIG in jenem
Reiche zu erwirken. Ist doch auch ihre Herrschbegierde genugsam bezeugt.
Jedoch ARNULF verhielt sich abwartend.
Er gewährte Angilberga zwar die
durch Irmingard erbetene Besitzbestätigung
und ließ diese desgleichen auf Irmingard
für den Fall des Todes der Kaiserin-Witwe
Angilberga ausdehnen, aber von sonstigen Unterstützungen
ist nichts bekannt. Erst das folgende Jahr brachte eine Überbrückung
und die volle Aussöhnung und damit auch einen neuen Faktor in die
SW-Politik ARNULFS. Irmingard
erschien jedenfalls im Mai 890 mit reichen Geschenken erneut auf einem
Reichstag in Forchheim; sie wurde ehrenvoll empfangen. Dabei hatte sie
nicht nur ihren Sohn LUDWIG mitgebracht,
sondern war auch von einer kleinen Gruppe der angesehensten Edlen des burgundiaschen
Raumes begleitet.
Das Ergebnis der Verhandlungen wurde nur wenige Monate
später - im Spätsommer oder Herbst 890 - offenbar: es war die
Königserhebung des jungen LUDWIG
in Valence. Sie erfolgte mit ausdrücklicher Zustimmung ARNULFS.
In der Person des jungen LUDWIG
von der Provence, der wegen seiner im Jahre 905 erlittenen Blendung
durch König BERENGAR von Italien zumeist
"der
Blinde" genannt wird, mußte ARNULF
ein möglicher Gegenspieler gegen den Hoch-Burgunder heranwachsen..
Daß ARNULF von Kärnten nunmehr
den jungen LUDWIG als solchen betrachtete,
zeigt nicht nur seine 890 zugesagte Unterstützung zur Königserhebung
und Zusicherung von Hilfeleistungen.
Und in die gleiche Richtung weist endlich, daß
Richard vom westburgundischen Autun, der offenbar mit Irmingard
und LUDWIG in Forchheim bei
ARNULF war, in Valence neben der Königin-Mutter
Irmingard zur eigentlichen Staatslenkung bestimmt wurde.
Der große Anhang LUDWIGS
zeigt, daß auf diesen jungen Mannn enorme Hoffnungen gesetzt worden
sein müssen. Aber bedeutungsvoll ist in diesem Zusammenhang auch,
daß sich Fäden erkennen lassen, die von der Krönungsversammlung
in Valence zum Erzbistum Reims liefen, das schon im Frühjahr 888 der
Hort des Widerstandes gegen König Odo
war. Schon 891 trennte sich Richard von Autun von dem jungen LUDWIG
und seiner Mutter und ging seine eigenen Wege. In seinem Einflußbereich
begann man sich wieder auf König Odo auszurichten.
Dümmler Ernst: Seite 106,108,111,116,117
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"Die Chronik des Abtes Regino von Prüm"
894
Als nach Auflösung der Versammlung derselbe Fürst
nach Lorasham kam, verlieh er LUDOWICH,
dem Sohne
Bosos, durch Verwendung seiner
Mutter Irmingardis einige Städte
mit den umliegenden Gauen, welche
Rudolf
im Besitz hatte; doch trat er ihm dieser auch ganz vergeblich ab, weil
er sie in keiner Weise der Gewalt
Rudolfs
zu entreißen vermochte.
896
In demselben Jahr scheidet LANBERT,
der Sohn WIDOS, dessen wir kurz zuvor
gedachten, aus dem Leben [Vielmehr im Jahre 898 am 15. Oktober] und LUDOWICH,
der Sohn Bosos, zieht auf Einladung
der Langobarden von der Provence aus und begibt sich nach Italien [Im Jahre
900, wahrscheinlich am 12. Oktober, wurde er in Pavia zum König gewählt.].
898
Während dies in Francien geschah, finden in Italien
sehr viele Treffen zwischen LUDOWICH
und BERENGAR statt, so manche gefahrvolle
Kämpfen folgen wechselweise aufeinander. Zuletzt schlägt LUDOWICH
den BERENGAR in die Flucht und zieht
in Rom ein, wo er von dem obersten Bischof gekrönt und Kaiser genannt
wird [Benedikt IV. krönte ihn im Februar 901.].
904
LUDOWICH, der Sohn
Bosos,
von dem wir oben erwähnten, daß er den kaiserlichen Namen erlangt
habe, verjagte BERENGAR aus Italien
und unterwarf dessen ganzes Reich seiner Botmäßigkeit. Da er
aber bemerkte, daß niemand ihm zu widerstehen vermochte oder wagte,
faßte er ein allzugroßes Zutrauen zu seiner Sicherheit und
begann des Friedens und der Ruhe zu gedenken. Er entließ also sein
Heer und begab sich infolge einer Aufforderung des Bischofs Adalard von
Verona mit sehr geringer Begletung in die besagte Stadt [Am 21. Juli 905].
Die Bürger aber taten dies in größter Eile dem BERENGAR
kund,
der zu jener Zeit in Baiern als Vertriebener lebte. Dieser zog ohne Zaudern
mit Truppen, die er von allen Seiten zusammengerafft, nach Verona, fing
den unvorsichtigen Mann mit List und beraubte ihn in der Gefangenschaft
des Augenlichts. Die Bürger nämlich, die seiner Partei zugetan
waren, öffneten ihm die Tore der Stadt, nahmen ihn zur Nachtzeit in
ihre Mauern auf und so wurde unerhofft und unvorhergesehener Weise LUDOWICH
nicht nur des Reiches, sondern auch der Augen beraubt.
900
1. oo 1. Anna von Byzanz, illegitime Tochter Kaiser
Leos VI.
886/88- 914/36
18.1.914
2. oo Adelheid
-
Kinder:
1. Ehe
Karl Konstantin Graf von Vienne
901- nach 1.962
Rudolf
- nach 19.3.929
Anna ???
-
oo 2. BERENGAR I. Markgraf von Friaul
840/45-7.4.924
Literatur:
-----------
Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln, Seite 19,50 - Brandenburg Erich: Die
Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der
Aisch 1998 Seite 1,116 - Brühl Carlrichard: Die Geburt zweier
Völker. Deutsche und Franzosen Böhlau Verlag GmbH & Cie,
Köln Seite 167 - Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes
Regino von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 106,108,111,116,117
- Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches.
Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band II Seite 244,277,317,332,388,533
- Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung
in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 81 - Hlawitschka,
Eduard: Die verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen dem hochburgundischen
und dem niederburgundischen Königshaus. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte
Burgunds in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts, in: Schlögl,
Waldemar und Peter Herde: Grundwissenschaften und Geschichte, Festschrift
für Peter Acht; Kallmünz 1976 (Münchener historische Studien:
Abteilung geschichtliche Hilfswissenschaften Band 15) Seite 28-57 - Hlawitschka
Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte.
Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite 29,33,35-38,55, 63,66,84, 87-89,93-107,125,129,149,153,155,158,216,236,241-249
- Hlawitschka, Eduard: Nachfolgeprojekte aus der Spätzeit Kaiser
Karls III., in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt
am Main - Bern - New York - Paris, Seite 123-155 - Schieffer Rudolf:
Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite
185,189,192,195 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft
und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite
72,74,80,81,84,88 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern.
Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 34 - Schnith Karl Rudolf:
Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den
Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990, Seite 78,80,120 - Schwager,
Helmut: Graf Heribert II. von Soissons. Verlag Michael Lassleben Kallmünz/Opf.
1994, Seite 9,127, 215,375-377 - Werner Karl Ferdinand: Die Nachkommen
Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation) Band IV
in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben.
Verlag L. Schwann Düsseldorf Seite 459 -