Begraben: St-Maurice
Ältester Sohn des Königs
Rudolf I. von Hoch-Burgund und der Willa
von Nieder-Burgund, Tochter von König
Boso
Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1076
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Rudolf II., König von Hoch-Burgund 912-937
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* um 880/85, + 11.(13.) Juli 937
Begraben: St-Maurice
Eltern:
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König Rudolf I. von Hoch-Burgund
Wila
oo Berta, Tochter Herzog Burchards I. von Schwaben
Kinder:
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König Konrad von Burgund
Rudolfus dux
Erzbischof Burchard I. von Lyon
Adelheid (oo Kaiser
OTTO I.)
Wie sein Vater scheint Rudolf II. zunächst eine Reichserweiterung im NO erstrebt zu haben, erlitt aber 919 bei Winterthur eine Niederlage gegen Herzog Burchard I. von Schwaben; Zürich und Umgebung gingen ihm dabei verloren. Frieden suchend, heiratete er Ende 921/Anfang 922 Burchards Tochter Berta, folgte noch im Januar 922 einer Einladung Großer aus Italien, wo seine Schwester mit Graf Bonifaz von Modena/Bologna verheiratet war, gegen Kaiser BERENGAR I. und besiegte diesen, nachdem er seit Februar 922 im westlichen Oberitalien als König anerkannt war, im blutigen Treffen von Fiorenzuola (bei Piacenza). Nach BERENGARS Ermordung (7. April 924) war er König im gesamten Regnum Italiae. Gegen eine italienische Adelsopposition rief er seinen Schwiegervater Burchard zu Hilfe, der jedoch am 29. April 926 vor Novara den Tod fand, während der von der Opposition eingeladene Markgraf Hugo von der Provence sein italienisches Königtumn aufzubauen begann. Rudolf II. zog sich aus Italien zurück und lieferte auch im November 926 in Worms die ihm 921 von italienischen Großen als Herrschaftssymbol übergebene Heilige Lanze persönlich an König HEINRICH I. aus. Er erneuerte dabei offenbar ein älteres Lehnsverhältnis Hoch-Burgunds gegenüber dem Ostfränkischen Reich ARNULFS 'von Kärnten' und erhielt dafür südschwäbische Gebiete. Die damit angebahnten guten Beziehungen zu den OTTONEN führten Ende 929 zur Ehe von Rudolfs Bruder Ludwig mit der Schwester von OTTOS I. Gemahlin Edgith. Durch den Tod Kaiser LUDWIGS DES BLINDEN, dessen Söhne als illegitim und daher nicht nachfolgeberechtigt galten, erhielt Rudolf II. (über seine Mutter, Halbschwester LUDWIGS) Erbansprüche auf Nieder-Burgund, die aber durch König Rudolf von W-Franken/Frankreich mittels Inbesitznahme des Lyonnais (Lyon) und Viennois (Vienne) weitgehend blockiert wurden. Indem Rudolf II. einer neuen Einladung nach Italien nicht folgte (931/32) und dafür König Hugos Verzicht auf Ansprüche in Nieder-Burgund erhielt, verbesserte er seine Position, doch erst beim Dreikönigstreffen mit HEINRICH I. und Rudolf an der Chiers 935 scheint der Weg zum Erbantritt grundsätzlich geebnet worden zu sein. Erlebt hat Rudolf II. ihn nicht mehr. Sein Sohn Konrad erreichte ihn mit Unterstützung OTTOS I. ab 942.
Quellen:
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MGH DD Rudolfinger [mit Einl. von Th. Schieffer], 1977
- Fonti 37, 1910.
Literatur:
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Burgund, IV [bes. Poupardin, Fournal, Büttner, Mayer,
HEG I, Boehm] - R. Pokorny, Eine bfl. Promissio aus Belley und die Datierung
des Vereinigungsvertrages von Hoch- und Niederburgund (933?), DA 43, 1987,
45ff. - E. Hlawitschka, Die verwandtschaftl. Verbindungen zw. dem hochburg.
und dem niederburg. Kg.shaus (Ders., Stirps regia, 1988), 269ff. - Ders.,
Die Kg.sherrschaft der burg. Rudolfinger, ebd. 299ff.
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Althoff Gerd: Seite 368
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„Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferun“
K 25
Me: 11.7. Rodulfus rex + 937 Rudolf II., König von Burgund
(Es.) Rudolf
war der Vater der 2. Gemahlin OTTOS DES GROSSEN,
Adelheid,
und ist aus diesem Grund ins ottonische
Gedenken aufgenommen worden. Adelheid
sorgte nach ihrer Heirat dafür, dass für ihre Verwandten das
Totengedenken geleistet wurde; s. dazu ausführlich oben S. 163f.
Zu seinen sonstigen Kontakten zu HEINRICH
I. und zu den Eingriffen OTTOS DES
GROSSEN in Burgund, der nach dem Tode Rudolfs
dessen
Sohn Konrad (K 38) unter sein Rektorat
stellte; vgl. Pourpardin, Le royaume de Bourgogne, S. 29ff; Hlawitschka,
Die verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen dem hochburgundischen und
niederburgundischen Königshaus, S.28-57; Die Urkunden der burgundischen
Rudolfinger, Historisch-diplomatische Einleitung, S. 8ff.
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Diener, Ernst: Seite 75
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"Könige von Burgund aus dem Hause der Welfen"
in: Genealogisches Handbuch zur Schweizer Geschichte
I. Band: Hoher Adel Zürich 1900-1908
3. Rudolf II., König von Hoch-Burgund 912-937, von
Italien 920-926, auch von Nieder-Burgund seit 933
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Heiratet 922 (921? vgl. Trog, p. 37) Berta
von Alamannien, vgl. Annales Sangall. maiores SS I 78 und St.
Galler Mitteil. 19, 282 mit Note 201; ferner Liudprandi Antapodosis SS
III 299:
Rodulfus rex superbissimus
Burgundionibus imperabat. Cui in augmentum potentiae hoc accesit, ut potentissimi
Suevorum ducis Bruchardi (sic) filiam, nomine Bertam,
sibi coniugio copularet. - Rudolf + 937
VII. 11. und wurde zu St. Maurice bestattet, vgl. Contin. Reginonis
SS I 617; Annal. Flaviniac. et Laus. SS III 152; Flodoardi Annal. SS III
384; Herm. Contract. SS V 113: Agauni apud sanctum Mauricium sepultus est;
Ekkehardi chronic. univers. SS VI 189; Sigeberti chronica SS VI 347 (zu
936); Auctarium Garstense SS IX 566; Modern. regum Francor. Actus SS IX
381, 382 (zu 936); Ann. necrol. Fuldens. SS 13, 195 (zwischen 937 V 31.
und X. 30); Annal. Laus. SS 24, 780: 937 hobiit Rodulfus
rex, filius
Ruodolfi regis.
Den 11. Juli als Todestag überliefern das Necrol. Merseburg.,
(Zeitschr. f. Archivkunde I 117) und Anniv. praepos. Turic. (Necrol. I
550), während das Reichenauer Necrologium den 13. Juli angibt
(Necrol. I 277).
Noch im Dezember 937 in 2. Ehe mit Hugo
von Italien vermählt, wurde Berta
947 IV. 10. zum zweitenmal Witwe (Köpke und Dümmler, Otto der
Große p. 110f., p. 141). 962 IV. 1. stiftet Berta
das Kloster Payerne, consentientibus filiis meis, Conrado gloriosissimo
rege nec non et Rodolpho duce ... pro anima domini mei beati Rodulphi
regis et pro anima filii mei Burchardi episcopi ...... et Othonis
gloriosissimi regis, nec non pro anima filiae meae reginae Adheleidae et
filiorum meorum Conradi serenissimi regis et Rodolphi ducis (Orig. Guelf.
II. Probat. p. 124 ff.; Gallia christ. XV Instrum. col. 130 ff.). Sie starb
an einem 2. Januar (Jahrzeitbuch der Kirche zu Schwarzenbach, Ktn. Luzern,
im Geschichtsfreund III 195: Berchte regine Burgundie)
und wurde zu Payerne beigesetzt (Odilonis epitaph. Adalheidae SS IV 641),
wo Bartholomäus v. Spielberg, Propst zu Solothurn, 1519 das Grab im
Chor gesehen und die Grabschrift kopiert hat (Th. Probst im Anz. f. Schw.
Gesch. I 306 ff.). Über zwei apokryphe Siegel Bertas
s. Anz. f. Schw. Gesch. u. Altkde. 1858 p. 49 ff. und Tafel V 1, 2.
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Rappmann Roland/Zettler Alfons: Seite 434
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"Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken
im frühen Mittelalter"
RUDOLF II. VON BURGUND
Necr. B 13.7. "Ruodolfus rex", König von Burgund 911/12-937, + 11./13.7.937
Literatur:
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Trog, Rudolf I.; Poupardin, le royaume de Bourgogne Seite
29-65, Seite 371 ff.; Grütter, Rudolf II. von Hochburgund; Büttner,
Heinrichs I. Südwest- und Westpolitik Seite 49ff.; Biographisches
Wörterbuch 2 Spalte 2391 f.; Kahl, Die Angliederung Burgunds, bes.
Seite 18f.; Die Urkunden der burgundischen Rudolfinger Seite 3-8; Die Klosatergemeinschaft
von Fulda 2,1 Seite 317 K 37; Boehm, Geschichte Burgunds, besonders Seite
109 fff.; Althoff, Adels- und Königsfamilien Seite 493f. und
K 25. Zum Todestag: Poupardin, ebd. Seite 65 Anmerkung 2; Genealogisches
Handbuch zur Schweizer Geschichte 1 Seite 76f.; Köpke-Dümmler,
Otto der Große Seite 110 Anmerkung 3.
Rudolf war der Sohn
König
Rudolfs I. von Hoch-Burgund. Er heiratete um 921/22 Berta,
die Tochter des schwäbischen Herzogs Burkhard II. und dessen Gemahlin
Reginlind; zur Datierung der Hochzeit vgl. Schmid, Zur amicitia Seite 140
Anmerkung 83.
Zu Rudolfs Verhältnis
zu HEINRICH I., Schwaben und dessen
Herzögen sowie zur Übergabe der hl. Lanze siehe neben der oben
erwähnten Literatur auch Zotz, Breisgau Seite 92 Anmerkung 178 sowie
neuerdings Schmid, Zur amicitia, besonders Seite 139f. und Ders., Die Urkunde
Seite 7f.
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In der Schlacht bei Winterthur 919 wurde Rudolf
II. von Burchard II. von Schwaben besiegt und mußte ihm
Thur- und Zürichgau abtreten. In der Folgezeit unterstützte ihn
dieser als sein Schwiegervater in Italien nicht ganz uneigennützig.
Durch den Sieg bei Fiorenzuola 922 gegen BERENGAR
I. von Friaul erwarb er die italienische Krone. Nach der 926
verlorenen Schlacht von Novara, in der der Schwiegervater fiel, wurde Rudolf
vom
Grafen
Hugo von Vienne zum Rückzug und zum Verzicht auf Italien
gezwungen. Er wurde von HEINRICH I. als
König in Hoch-Burgund anerkannt und bekam Aargau und das Bistum Basel
mit Stadt dazu, was Schwaben schwächte. Eventuell trat ihm Hugo
von Italien Nieder-Burgund ab, um sich ganz auf Italien und
den Erwerb der Kaiserkrone konzentrieren zu können; eine echte Vereinigung
beider Burgunds war nicht erkennbar. 935 traf er mit dem deutschen
König HEINRICH I. und Rudolf von
Frankreich zusammen, wobei er auf Lothringen verzichtete und
HEINRICH I. die einst angeblich Konstantin gehörige Heilige
Lanze als Symbol der Herrschaft über Italien überließ.
Büttner Helmut:
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"Geschichte des Elsaß I" 1991
Vom Jahre 912/13 ab hatte der burgundische König Rudolf II. unabhängig nach O und NO seine Macht auszudehnen sich bemüht unter geschickter Ausnutzung der unsicheren Verhältnisse im Gebiet des schwäbischen Herzogtums. Bis Zürich war Rudolf II. schon vorgedrungen. Als 917 Burchard das Herzogtum Schwaben errichtet hatte, mußte er sich bald gegen den vordringenden König von Burgund wenden; 919, in der Schlacht bei Winterthur, setzte er dem Vorstoß Rudolfs II. ein Ende. Rudolf II. verstand es aber, den bisherigen Gegner sofort als Freund und Bundesgenossen umzuwandeln; er heiratete im Jahre 922 Berta, die Tochter Herzog Burchards. Zwischen beiden Männern bestand für den Rest ihres Lebens ein enges Einvernehmen, beide stützten sich gegenseitig in ihrer Politik. Mit dem burgundischen König Rudolf II. war HEINRICH I. wohl im Jahr 926 zu einem guten Verhältnis gekommen. Rudolf II. übergab ihm damals oder schon 922 die heilige Lanze. HEINRICHS Sohn OTTO setzte die guten Beziehungen seines Vaters fort, denn Rudolf II. sandte noch zur Gründung der neuen Stiftung in Magdeburg aus St. Maurice die Reliquien des heiligen Innocentius.
Eickhoff Ekkehard: Seite 408
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"Theophanu und der König"
Adelheid war eine WELFIN, die Tochter König Rudolfs II. von Hoch-Burgund. Ihre Mutter, die Königin Berta, war die Tochter des Herzogs Burchard II. von Schwaben. Adelheid muß in ihrer Kindheit am burgundischen Königshof Genf, Lausanne und die Städte des Alpenraumes um den Genfer See kennengelernt haben; sie hat die Landschaften um den See später immer wieder besucht. - Ihr Vater, König Rudolf, war seit langem in die wechselvollen Machtkämpfe in Italien verstrickt. Dieser Angriff nach Süden war für Adelheid schicksalhaft. Lange vor ihrer Geburt war König Rudolf von einer lombardischen Adelsgruppe ins Land gerufen und zum König gewählt worden. Aber schon wenig später wurde er von dem Markgrafen Hugo von der Provence aus Italien verdrängt. Dieser KAROLINGER wurde 926 in Pavia zum König erhoben, und König Rudolf unternahm keinen Versuch mehr, in den Süden zurückzukehren.
Schneidmüller Bernd: Seite 81-89,104
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"Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung."
Rudolf I. starb vermutlich
am 25. Oktober 912. Die neuere Personenforschung hat ihm eine ansehnliche
Familie zugewiesen. Unklar sind Name und Herkunft seiner Gattin, angeblich
eine Dame namens
Willa, vielleicht
eine Tochter König Bosos von der Provence?
Mehr wissen wir über zwei Söhne (Rudolf,
Ludwig)
und zwei Töchter,
Judith und Waldrada.
Da der erste
welfische König neben
seinem Nachfolger
Rudolf II. offensichtlich
noch einen weiteren Sohn Ludwig hinterließ,
ist für den Wandel der königlichen Thronfolge im 10. Jahrhundert
von besonderer Bedeutung. Erstmals in der Geschichte des frühen Mittelalters
wurden das Königamt entgegen bewährtem fränkischen Brauch
- nicht unter den beiden regierungsfähigen Söhnen geteilt. 912
etablierte sich in Burgund das Nachfolgerecht des Erstgeborenen und die
Einheit des jungen Königreichs.
Daß Rudolf II.
912 seinem gleichnamigen Vater - nach unserem Kenntnisstand unangefochten
- im Königtum folgte, gehört gewiß zu den größten
Leistungen des ersten welfischen Königs.
Die ein Vierteljahrhundert währende Herrschaft Rudolfs
II. (912-937) markiert freilich nicht allein die Verstetigung
des welfischen Königtums in Hoch-Burgund.
Vielmehr schuf Rudolf die Voraussetzung
für ein gesamtburgundisches Reich (Arelat) vom Jura über die
Westalpen und das Rhonetal bis in die Provence. Er lernte aber auch die
Möglichkeiten und Grenzen dynamischer Expansion und wechselnder politischer
Schwerpunkte kennen, welche die spätkarolingische
Welt prägte. Anfangs schienen die Handlungsspielräume nach Süden
(Nieder-Burgund, Provence); Südosten (Italien) und Nordosten (Alemannien)
offen. Doch bals erfuhren Rudolf II.
und sein Sohn Konrad (937-993) in der
fortschreitenden Formulierung des west- und ostfränkischen Reiches
die Grenzen ihrer Entfaltung. Anscheinend wußte Rudolf
die
Auseinandersetzungen um das ostfränkische Königtum noch für
sich zu nutzen. Mit dem fränkischen KONRADINER
KONRAD I (911-918) und dem sächsischen
LIUDOLFINGER HEINRICH I. (918-936) waren dort Exponenten genau
jener karolingerzeitlichen Aristokratie
aufgestiegen, der auch die WELFEN entstammten.
Weil KONRAD und HEINRICH
ihre
Anerkennung im ostfränkischen Reich erst mühsam erkämpfen
mußten, nutzte Rudolf einen Wechsel
im schwäbischen Herzogtum 917 aus, um seine Herrschaft bis in den
Thurgau auszudehnen. Doch 919 unterlag er dem neuen Herzog Burchard I.
in der Schlacht bei Winterthur. Der Friede wurde in einer bündnisstiftenden
Ehe zwischen Burchards Tochter Berta
und König Rudolf II. beschlossen
(wohl 922).
Erfolgreicher als das schwäbische Abenteuer verlief
Rudolfs Vorstoß nach Oberitalien und dei Übernahme
der italienischen Königsherrschaft. Formen und Motive ergaben sich
aus den karolingerzeitlichen Erfahrungen
einer über die noch flüchtigen Reichsgrenzen hinweg agierenden
Aristokratie. Eine in Opposition zum Kaiser BERENGAR
I. stehende Adelsgruppe begab sich Ende 921 zu Rudolf
II. und bot ihm die italienische Königskrone an. Der WELFEgriff
rasch zu und amtierte schon im Februar 922 in Pavia als König. Seine
italienischen Königsurkunden, in reicherer Zahl als burgundische Stücke
überliefert, belegen die Durchsetzung in Oberitalien bis 924. Viel
bunter als die formalisierten Diplome erzählt Bischof Liudprand von
Cremona (+ 970/72) in seiner engagiert-persönlichen Geschichtsschreibung
von politischen Ränken, Verrat, Sex und Mord als Mittel zur Macht
in jener Zeit. Ihm ist auch die lange Schilderung von
Rudolfs Königsweg nach Italien und ins Bett der Markgräfin
Irmingard von Ivrea zu verdanken, nüchtern im Anfang und blumig
am Ende.
Mit Kaiser BERENGAR I.
mußte Rudolf zwangsläufig
die Entscheidung suchen: "Er wurde von allen bereitwillig aufgenommen,
ließ BERENGAR vom ganzen Reich
nichts außer Verona übrig und regierte das ganze Reich kräftig
drei Jahre lang. In diesen drei Jahren schien König
Rudolf also den einen gut, den anderen eine Last. Darum wollte
die eine Hälfte des Volkes Rudolf,
die andere BERENGAR. Also rüsteten
sie zu einem heftigen Bürgerkrieg. Weil Wido, der Bischof von Piacenza;
Anhänger BERENGARS war, stellten
sie sich 12 Meilen von Piacenza entfernt bei Fiorenzuola zur Schlacht auf.
Liudprand konnte jetzt nur noch das furchtbare Gemetzel unter Verwandten
und Brüdern am 17. Juli 923 beklagen, das hilfreich-rücksichtslose
Eingreifen von Rudolfs Schwager Bonifaz und schließlich die Niederlage
BERENGARS
schildern:
"Damals wurden so viele getötet, daß bis heute noch eine vorübergehende
Knappheit an Rittern besteht." BERENGAR
flüchtete nach verona. Für einige Zeit schienen sich Rudolf
und
BERENGAR
gar die Herrschaft zu teilen, bis der Kaiser 924 von seinen
Gefolgsleuten ermordet wurde.
Damit hatte sich der WELFE noch
lange nicht behauptet. Wieder war es eine italienische Adelsgruppe um den
Mailänder Erzbischof, die 926 einen neuen Aristokraten, Hugo
von Arles, als König ins Land riefen. Als treibende Kraft
nannte Liudprand die schöne Markgräfin Irmingard von Ivrea,
welche die Fleischeslust schwacher Männer im Kampf um die italienische
Krone geschickt zu nutzen verstünde. Anstelle des blinden Kaisers
LUDWIG III. (+ 928), faktisch Inhaber der Herrschaft im niederburgundischen
Reich, war Hugo längst zum eigentlichen
Rivalen Rudolfs erwachsen. Um seinem
Ausgriff nach Italien zu begegnen, rief der WELFE
den Schwiegervater, Burchard I. von Schwaben, zum italienischen Feldzug
auf. Über Mailand kam der Herzog nach Novara und wurde dort im April
926 erschlagen. Dieses einschneidenden Ereignis beendete nicht allein die
eigenständige schwäbische Italienpolitik, sondern nötigte
Rudolf
zum
raschen Rückzug nach Burgund, das im Sommer 926 von den heidnischen
Ungarn heimgesucht wurde. Der italienischen Königsherrschaft
Hugos
von Arles stand nichts mehr im Weg; im Juli 926 wurde er in
Pavia gekrönt.
Zweimal, 919 in Schwaben und 926 in Oberitalien, war
Rudolf
in
seine Schranken verwiesen worden. Im November 926 nahm der König am
Hoftag des ostfränkischen Herrschers HEINRICH
I. in Worms teil. Hier wurde das schwäbische Herzogtum
von Rudolfs
Schwiegervater an den Franken
Hermann ausgegeben. Bei diesem Herrschertreffen vollzog sich offensichtlich
ein bedeutsamer politischer Interessenausgleich zwischen dem
LIUDOLFINGER und dem WELFEN,
der auf die nächsten Jahrzehnte wirkte. Bekräftigt wurde das
Freundschaftsbündnis neun Jahre später bei einem erneuten Herrschertreffen,
nun unter Einbeziehung
König Rudolfs von
W-Franken.
Rudolf II. lieferte
nämlich - eher 926 als 935 - seinem ostfränkischen Kollegen die
heilige Lanze aus. Als heruasragende und siegverheißende Reliquie
mit dem Nagel vom Kreuz Christi war sie, später als Mauritius-Lanze
umgedeutet, eine der wichtigsten Herrschaftszeichen des Mittelalters. Bis
heute hat sich eine heilige Lanze unter den Insignien des Alten Reichs
in der Schatzkammer der Wiener Hofburg erhalten. Allerdings paßt
die Schilderung der von Rudolf II.
übergebenen Lanze nicht mit dem in Wien verwahrten Stück zusammen.
Nach dem Bericht Liudprands besiegelte die Lanzenübergabe
jedoch nur ein Freundschaftsbündnis zwischen Rudolf
II. und HEINRICH I., in
dem der LIUDOLFINGER für die begehrte
Reliquie die welfischen Eroberungen
in Schwaben zwischen Aare, Jura und Reuß bis nach Basel anerkannte.
Falls die Lanze überhaupt 926 und nicht beim Grenztreffen der drei
nordalpinen Könige 935 an der Chiers übergeben wurde, könnte
man in Rudolfs Reise nach Worms bestenfalls
ein Entgegenkommen in der Gleichrangigkeit sehen.
Räumliche, politische und personelle Nähe zum
ostfränkischen Königtum prägte die Zukunft des burgundischen
Reichs. Zum Freundschafts- trat offenbar schon bald ein Ehebündnis.
929 hatte König HEINRICH I. für
seinen Sohn OTTO I. um eine englische
Prinzessin geworben. König Aethelstan schickte
zwei Schwestern zur Auswahl auf den Kontinent, Eaditha/Edgith
und Adiva/Adgiva. Während OTTO
Edgith
auswählte, scheint ihre jüngere Schwester Adgiva
damals mit Ludwig, dem Bruder König
Rudolfs II. von Burgund, vermählt worden zu sein. Der Verschwägerung
von WELFEN und LIUDOLFINGERN
929/30 entsprach das burgundsiche Interesse an OTTOS
Thronfolge wie eine Übeersendung von Reliquien des hl. Innocenz durch
Rudolf
II. an König OTTO I.
zur Ausstattung des frisch gegründeten Magdeburger Moritz-Klosters
937, Keimzelle des späteren Erzbistums.
Aggressiver vermochte der welfische König nach Süden
vorzudringen. Beim Tod Kaiser LUDWIGS DES BLINDEN
928
nutzte er vielleicht verwandtschaftlich begründete Erbansprüche
auf Nieder-Burgund und schuf die Voraussetzungen für ein umfassendes
gesamtburgundsiches Königreich, das erst in der nächsten generation
deutlicher entgegentritt.
Während LUDWIG DES BLINDEN
illegitimer Sohn Karl Konstantin 928
auf seine Grafschaft Vienne beschränkt blieb, erhielt sich znächst
die faktische Regentschaft Hugos von Arlesim
niederburgundischen Reich. Seit 926 amtierte er als italienischer König.
Als Rudolf II. von einer italienischen
Adelsopposition gegen Hugo 932 erneut
zur Übernahme des Königtums eingeladen wurde, sicherte man die
gegenseitigen Herrschaftssphären zwischen Hugo
und dem WELFEN vertraglich ab: "Damals
schickten die Italiener Boten nach Burgund, damit Rudolf
käme. Als König Hugo das
erfuhr, sandte er ebenfalls gesandte an ihn und übergab Rudolf
alls
Land, das er in Gallien vor Antritt des Königtums innehatte, und erhielt
von ihm die eidliche Versicherung, niemals mehr nach Italien zu kommen."
Welches Land Hugo genau an den WELFEN
abtrat, wissen wir nicht. Der Weg zur Vereinigung Hioch- und Nieder-Burgunds
und zur Begründung des gesamtburgundischen Königreichs von Basel
bis zur Mittelmeerküste war noch lang. Doch Rudolf
II. hatte in beständigen, nicht immer glücklichen
Expansionsversuchen die burgundische Reichsbildung aus spätkarolingischer
Zeit
zu einem ersten Abschluß gebracht.
Wie bei jedem Herrscherwechsel mußte sich die Festigkeit
von Reich und Dynastie bewähren, als Rudolf
am
12.
oder 13. Juli 937 starb und in St-Maurice/Agaune beigesetzt wurde.
922
oo 1. Bertha von Schwaben, Tochter des Herzogs
Burchard II.
um 907-2.1.966
12.12.937
2. oo 7. Hugo König von
Italien
um 880-10.4.948
Kinder:
Adelheid
ca 932-16./17.12.999
1. oo Lothar König von Italien
926/28-22.11.950
951
2. oo 2. OTTO I. König des Deutschen Reiches
23.11.912-7.5.973
Konrad der Friedfertige
um 923-19.10.993
Rudolf Graf im Elsaß nach 955
937/38-26.1. um 973
Heinrich I. Bischof von Lausanne (985-1019)
-
Hugo Bischof von Genf (990-1025)
-
Illegitim
Burchard I. Bischof von Lyon (949-963)
-26.6.963
Literatur:
-----------
Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im
Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der
Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 155,158,163,368
K 25 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat.
W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 51,52,65,88
-
Beumann,
Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite
34,37,40,42,50,56-58,67 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 65 - Diener, Ernst: Könige
von Burgund aus dem Hause der Welfen. in: Genealogisches Handbuch zur Schweizer
Geschichte I. Band: Hoher Adel Zürich 1900-1908 Seite 73-82 - Die
Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991,
Band I, Seite 184, 186,207/Band III Seite 485 - Diwald Helmut: Heinrich
der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches, Gustav Lübbe Verlag
Bergisch Gladbach 1994 Seite 315-512 – Ehlers Joachim/Müller
Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige
des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München
1996 Seite 43 - Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König,
Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 20,377,408,411 - Giese, Wolfgang:
Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit.
Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 88-90,102-104 - Glocker
Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik.
Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 23,35,71,80,82,84,174,271
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Rudolfinger. Zum Erscheinen eines neuen MGH-Diplomata-Bandes. In: Historisches
Jahrbuch der Görresgesellschaft 100 1980 Seite 444-456 - Hlawitschka,
Eduard: Die verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen dem hochburgundischen
und dem niederburgundischen Königshaus. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte
Burgunds in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts, in: Schlögl,
Waldemar und Peter Herde: Grundwissenschaften und Geschichte, Festschrift
für Peter Acht; Kallmünz 1976 (Münchener historische Studien:
Abteilung geschichtliche Hilfswissenschaften Band 15) Seite 28-57 - Hlawitschka,
Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962),
in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard
Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 64,74,82-85,87-90,92,103,130,143,156,184,186,191,200,243,248,250,258,260,273,278,289,291,300
-
Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich
an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968
Seite 82, 189,216 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln
der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands.
Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke
Verlag Sigmaringen 1987, Seite 47,65,67,91 - Holtzmann Robert: Geschichte
der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München
1971 Seite 18,72,76,79,95-103, 125,137 - Rappmann Roland/Zettler
Alfons: Die Reichenauer Mönchsgemeinschaft und ihr Totengedenken im
frühen Mittelalter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998, Seite 434
- Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher
Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 265-268,280,282,301
- Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart
Berlin Köln 1992 Seite 195,206,209 -
Schmid Karl: Gebetsgedenken
und adliges Selbstverständnis im Mittelalter. Ausgewählte Beiträge,
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