Begraben: zunächst Predigerkirche zu Langley, später
Westminster Abbey zu London
Einziger Sohn Eduards, des Schwarzen
Prinzen von Wales und der Johanna von
Kent, Erb-Tochter von Graf Edmund
Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 811
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Richard II., König von England 1377-1399
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* 6. Januar 1367, + 1400 (wahrscheinlich 14. Februar)
Begraben: Dominikanerkirche, King’s Langley (Buckinghamshire) Seit 1413 Westminster Abbey
2. Sohn von Eduard dem Schwarzen Prinzen, dem ältesten Sohn von Eduard III. und Johanna, Tochter von Edmund, Earl of Kent
1. oo 20. Januar 1382 Anna von Luxemburg, Tochter Kaiser KARLS IV.
2. oo 12. März 1396 Isabella, Tochter König Karls VI. von Frankreich
Nachdem sein älterer Bruder Eduard
(* 1364) bereits 1371 gestorben war, wurde Richard
nach
dem Tod des Schwarzen Prinzen (8. Juni 1376) der Erbe des englischen Thrones.
Am 20. November 1376 zum Prince of Wales ernannt, folgte er seinem
Großvater
Eduard III. (+ 21. Juni 1377)
im Alter von zehn Jahren auf den Thron und wurde am 16. Juli 1377 gekrönt.
Trotz seiner Minderjährigkeit wurde kein Regent oder Protector of
England mit der Regierung des Königreiches beauftragt. Seit dem Zeitpunkt
seiner Thronbesteigung besaß Richard II.
rechtmäßig die volle königliche Gewalt, obwohl zwischen
1337 und 1380 eine Reihe von Ratversammlungen die meisten der täglichen
Regierungsgeschäfte übernahm. Sein Königtum erfuhr während
der Peasants' Revolt von 1381 eine bemerkenswerte Anerkennung durch die
aufständischen Bauern, die von ihm als Zeichen der Loyalität
die Hinrichtung seiner führenden Minister forderten. Seine mutige
Haltung bei der Abwehr der Rebellen erhöhte seine Anerkennung. Seit
dieser Zeit übernahm er verstärkt persönliche Verantwortung
in der Regierung. Formal wurde er jedoch erst im Mai 1389 mündig,
nach den politischen Krisen von 1386-1388, die ihre Ursprünge in den
Feindseligkeiten der Aristoktratie gegen Richards
II. Regierungsform und die Auswahl seiner Freunde und Ratgeber
hatten. Richards II. Heirat mit Anna
von Luxemburg war Teil eines politischen Versuchs, eine Allianz
zwischen England und der traditionelle mit den VALOIS
verbundenen Dynastie der LUXEMBURGER
zustande zu bringen. Der Erfolg blieb jedoch aus. Richard
II. faßte aber eine große Neigung zu Anna,
und ihr Tod 1394 erschütterte ihn so stark, daß er den Sheen
Palace, wo sie gestorben war, bis auf die Grundmauern zerstören ließ.
Die Ehe war kinderlos. Seine zweite Heirat mit der siebenjährigen
Isabella war Teil eines Abkommens mit
Frankreich, das einen 28-jährigen Waffenstillstand während des
Hundertjährigen Krieges vorsah. Diese Ehe endete faktisch 1399 mit
Richards II. Absetzung und blieb natürlich
ebenfalls kinderlos. Verhandlungen über Isabellas
Rückkehr führten in den ersten Regierungsjahren Heinrichs
IV. zu Meinungsverschiedenheiten zwischen England und Frankreich.
Richards II. Herrschaft nach 1397 stieß
in England auf Abneigung, und einige Zeitenossen klagten sie als tyrannisch
an. Seine Herrschaft brach bei der Invasion Englands durch seinen Vetter
Heinrich Bolingbroke im Juli 1399 zusammen,
der Richard II. in N-Wales gefangennahm,
wahrscheinlich am 16. August 1399. Richard II.
wurde im Tower wie ein Gefangener eingekerkert, und am 29. September 1399
erklärten die Stände des Königreiches ihn für abgesetzt.
Er blieb in Gefangenschaft und wurde bald zum Pontefract Castle
in Yorkshire gebracht, das Heinrich IV.
gehörte. Es ist ziemlich sicher, daß Richard
II. Anfang 1400 (wahrscheinlich am 14. Februar) utner
ungeklärten Umständen gestorben ist, obwohl sogar während
der Regierung Heinrichs V. die Gerüchte
nicht verstummen wollten, daß er noch am Leben sei.
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Richard II. folgte
seinem Großvater Eduard III. unter
der Vormundschaft seiner drei Oheime. Beim Wat-Tyler-Aufstand 1381 verhielt
sich Richard sehr mutig. Er geriet
wegen seiner Günstlingswirtschaft in schroffen Gegensatz gegen die
Barone und das Parlament, der 1387/88 mit der Hinrichtung einiger Günstlinge
durch das "Grausame Parlament" unter Thomas von
Gloucester zum Ausbruch kam. 1389 schüttelte er die Bevormundung
der Barone ab, regierte zeitweise maßvoll und war gegen Schottland
und Irland erfolgreich. 1394 war er der Thronkandidat einiger deutscher
Reichsfürsten, schloß
1396 mit Frankreich einen Waffenstillstand
auf 28 Jahre und begann ab 1397 ein Terrorregime gegen die "Lords Appelants",
Verwandte und das Parlament. 1398 vom parteiischen Parlament von Shrewsbury
für frei von allen gesetzlichen Bindungen erklärt, begann eine
neue Günstlingswirtschaft. 1399 wurde er vom bedrohten Cousin Heinrich
Bolingbroke Graf von Lancaster in eine Falle gelockt, inhaftiert,
durch das Parlament abgesetzt und ermordet.
Baker Timothy: Seite 43-64
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"Die Plantagenet"
Viele PLANTAGENET
offenbarten als Erwachsene ganz andere Eigenschaften als ihre Väter
hatten. Ihr Aussehen und ihre emontionale Reaktionsweise blieben gleich,
während ihre politischen Fähigkeiten von Johann
bis Eduard III. stets schwankten. Sie
zeigten sich nur eine Generation lang als stabil; mit der Thronbesteigung
Richards
II. (1377-1399), gerieten sie jedoch wieder ins Schwanken. Richard,
der im Schatten eines Helden aufgewachsen war, sehnte sich nach einem Friedensschluß
mit Frankreich. Er war kein Feigling, sondern bewies sehr schnell den vom
Großvater ererbten Instinkt für königliches Verhalten,
indem er während des Bauernaufstandes den empörten Mob zu besänftigen
wußte. Er setzte sein Herz daran, England und Irland zu behaupten
und zeigte sich als hervorragender Förderer der Kunst. Die von ihm
vertretene intelligente, wenn auch eigennützige politische Linie zeigte
ihn als Vorläufer der TUDOR. Er
brachte aber die Magnaten gegen sich auf und stieß alle, deren Stolz
und finanzieller Gewinn von einem Krieg herrührten, vor den Kopf.
Seine Politik wurde durch schlechtes Urteilsvermögen zunichte gemacht,
denn der König vertaute dem Rat einiger Freunde, die jedoch sehr schnell
von einer Magnatengruppe, den sogenannten Lords Appelant, entmachtet wurden.
Als Richard schließlich wieder
die Macht erlangt hatte, nahm er Rache und regierte als absoluter Herrscher,
wodurch er für alle gefährlich wurde.
Der glanzvolle und überempfindliche Richard
II. war als Monarch unvergleichlich selbstbewußt. Seine
Anschaffungen, die er am Hofe machte, hatten denkwürdigen Charakter
und reichten von Taschentüchern und Eßgabeln, die wahrscheinlich
von dem von ihm bewunderten kultivierten französischen Hof stammten,
bis hin zur Banketthalle in Westminster. Von ihm stammt die erste königliche
Signatur; ebenfalls von ihm stammen die ersten gemalten Porträts,
die ihn mit Krone und Schmuck, kastanienbraunem Haar und blassem, ästhetischen
Antlitz in rot- oder gelbgoldener Rüstung, kniend, wie er es
gerne tat, oder mit unergründlichem Blick auf dem Thron sitzend zeigen.
Es ist schwer, das Leid, das ihm widerfahren ist, darzustellen. Er mußte
die Schikanen seiner Onkel ertragen, die durch das Schicksal Eduards
II. alarmiert waren, und seinen jungen Freund, Robert de Vere,
mittellos auf dem Festland sterben lassen. Auch seinen alten Vertrauten
Sir Simon Burley, konnte er nicht retten, der ihm schon während der
Krönungsfeierlichkeiten beigestanden hatte, als er als Junge ohnmächtig
geworden war. Richard klammerte sich
an seine erste Frau, Anne von Böhmen,
und ließ einen Flügel des Palastes, in dem sie starb, abreißen.
An ihrem Begräbnis griff er sogar einen unverschämten Adligen
tätlich an. Auch in seinem höchsten Triumph fühlte er keinen
Frieden in sich. Richard II. war groß
gewachsen, aber von fast zarter Statur und für Turnierkämpfe
ungeeignet. Vielleicht war Neid der Beweggrund für den verhängnisvollen
Fehler, den er mit der Verbannung seines Vetters Henry
Bolingbroke, dem Sohne Johanns von
Gaunt, und dem Einzug des Herzogtums Lancaster nach dem Tode
seines Onkels beging.
Die Arroganz, die Richard
in den letzten Monaten seines Lebens an den Tag legte, läßt
die Vermutung zu, dass er nicht mehr voll zurechnungsfähig war. Sorglos
machte er sich nach Irland auf und ermöglichte es somit seinem Vetter,
den Besitz der Grafschaft Lancaster und anschließend auch die Krone
für sich zu erstreiten. Richard,
der im Stich gelassen und wahrscheinlich auch hintergangen worden war,
gab in Wales auf und wurde nach London gebracht, wo eine Versammlung Anklage
gegen ihn erhob und dabei von aufrührerischen Kräften noch angespornt
wurde. Der kinderlose König wurde zur Abdankung gezwungen und später
als Förster verkleidet aus dem Tower hinweggeschafft. Wie im Jahre
1327 bei Eduard II., so gab es auch
in seinem Fall Befreiungsversuche, die innerhalb weniger Wochen dazu führten,
dass Richard auf mysteriöse Art
und Weise im Schloß von Pontefract in der Grafschaft von Yorkshire
zu Tode kam. Der Leichnam wurde später in ein schon zu seinen Lebzeiten
hergerichtetes Grab in Westminster verlegt, wo Richard
und
Anne
als in Bronze gearbeitetes Paar, von neuem Händchen haltend, dargestellt
sind.
Die Tatsache, dass Richards
II. Ruhm verblaßt ist, sollte uns nicht darüber hinwegtäuschen,
dass er gefährlicher war als jeder andere unglückliche König.
Man könnte argumentieren, dass seine Beseitigung langfristig für
England nur Positives gebracht hat; für die PLANTAGENET
bedeutete er aber das Ende. Die Kontinuität war unterbrochen, der
Thron ging an den Erben eines dritten Sohnes weiter. Die Nachfolgeschaft
des zweiten Sohnes Eduards III. bestand
1399 lediglich aus einer Tochter; deren Linie, die sich mit den männlichen
Nachkommen eines vierten Sohnes, des Herzogs von York, verband, sollte
aber später ihren einwandfreien Thronanspruch behaupten können.
Der Usurpator wollte jegliche Unruhe vermeiden und verkündete deshalb,
der Ahne der LANCASTER, Edmund
Crouchback, sei der ältere und nicht der jüngere Bruder
Eduards I. gewesen. Mit dieser Ungültigkeitserklärung
aller Regentschaften der letzten Zeit hatte er seine Familie noch mehr
in Verruf gebracht, wenn ihm überhaupt jemand Glauben geschenkt hätte.
Richards
Absetzung konnte nicht damit entschuldigt werden, dass er sich den LANCASTERS
gegenüber schlecht verhalten und einen seiner Onkel, einen Lord Appelant,
ermordet hatte. Der Welt größter Dramatiker sollte die Ereignisse
von 1399 als Bruch mit der natürlichen, gottgegebenen Ordnung darstellen,
für den Krone und Adel in den restlichen Jahren des Mittelalters mit
ihrem Blut bezahlen mußten. Shakespeares historischer Zyklus macht
deutlich, wie die Dynastie sich allmählich dem Abgrund näherte.
Wohl kein Land ist in der Lage, einen vergleichbaren Dramenstoff zu liefern.
1382
1. oo Anna von Luxemburg, Tochter des Kaisers
KARL IV.
11.5.1366-7.6.1394
Schloß Sheen
Sie stand wegen ihrer Güte und Nächstenliebe in hohem Ansehen.
4.11.1396
2. oo Isabella von Frankreich, Tochter des Königs
Karl VI.
9.11.1389-13.9.1409
Literatur:
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Baker Timothy: Die Plantagenet in Die großen
Dynastien, Karl Müller Verlag 1996 Seite 43-64 - Calmette,
Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag
München 1996 Seite 50,62,73 -
Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs
im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 258,265,267,273,275,277,303
- Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis
Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 298,303,313,321
- Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515.
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 352,357,364,377,393 - Fraser
Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim
1995 Seite 216 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche
Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer
2000 Seite 202,208,211 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen
der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron.
Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 21-23 - Le Goff Jacques:
Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 755 - Neale
John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen Diederischs Verlag
München 1994 Seite 411,425,437 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters
in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 352,362
- Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag
München 1995 Seite 275,315, 317,334,403,482,512 - Veldtrup,
Dieter: Zwischen Eherecht und Familienpolitik. Studien zu den dynastischen
Heiratsprojekten Karls IV., Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit
Verlag Fahlbusch/Hölscher/Rieger Warendorf 1988 -
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Veldtrup Dieter:
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„Zwischen Eherecht und Familienpolitik“
RICHARD II. König von England
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* 6.1.1377, + 14.2.1400
Bordeaux Pontrefact Castle/Mittelengland
Begraben: zunächst Predigerkirche zu Langley, später Westminster Abbey zu London
Sohn von Eduard Prince of Wales (der Schwarze Prinz) und
der Johanna von Kent
1.) - ... 1. Jahreshälfte 1377
Maria von Frankreich
* 27.2.1370, + 6.1377
Paris
Tochter von König Karl V. dem Weisen und der Johanna
von Bourbon
2.) - ... 1377/79
Philippa oder Elisabeth
Töchter von Johann von Gaunt, Herzog von Lancaster
und seiner 1. Frau Blanca von Lancaster
3.) - ... 18.3.1379
Catharina Visconti von Mailand
* um 1360, + 17.10.1404
Tochter von Bernabo und der Beatrix della Scala von Verona
4.) ~ ... 2.5.1381, 1. oo London14.1.1382
Anna von Luxemburg
* 11.7.1366, + 7.6.1394
Prag Schloß
Sheen bei Richmond/Surrey
Begraben: Westminster Abbey zu London
Tochter von KARL IV. und seiner 4. Frau Elisabeth von
Pommern
5.) 2. oo symbolisches Beilager Calais 1.(4.)11.1396
Isabella von Frankreich
* 9.11.1389, + 13.9.1409
Paris Blois
Begraben: Abtei Saint-Laurent zu Blois
Tochter von König Karl VI. dem Weisen und der Isabeau
von Wittelsbach
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