Johanna (Jane) Grey                                  Königin von England (1553)
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1537-12.2.1554 hingerichtet
Bradgate Tower London
 

Älteste Tochter des Marquess Heinrich Grey von Dorset und der Franziska Brandon von Suffolk, Tochter von Herzog Karl; Enkelin der Herzogin Marie Tudor von Suffolk, der Schwester von König Heinrich VIII.
 

Frauen der Weltgeschichte: Seite 197
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Jane Grey
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1535- 1554

Als am 7. Juli 1553 die Kutsche der Lady Sidney vor dem Landhaus der Jane Grey zu Chelsea hielt, wusste die 17-jährige Jane wohl schon, welch wichtige Botschaft ihr die Schwägerin bringen würde: sie solle auf Weisung des Regentschaftsrates unverzüglich nach London zurückkehren und dort den Befehl des Königs erwarten. Dieser König, Edward VI., lag im Sterben. Das Haupt des Regentschaftsrates war der Herzog von Northumberland, ein ehrgeiziger Streber, der schon manche Köpfe hatte rollen lassen, ehe er den kränkelnden König völlig beherrschte. Als er das Ende des Königs nahen sah, hatte er eilig seinen Sohn Guilford mit Jane vermählt; sie war die Enkelin des Herzogs von Suffolk, ihre Mutter war eine Enkelin Heinrichs VII. Obwohl die Ansprüche Janes auf den englischen Königsthron also nur schwach waren, wagte es ihr Schwiegervater, der Herzog von Northumberland, den sterbenden Monarchen zu einem verhängnisvollen Rechtsbruch zu verleiten: Er schloss seine beiden Schwestern Maria und Elisabeth von der Thronfolge aus. Am Tage nach ihrer Ankunft in London wurde Jane Grey zur Königin von England ausgerufen. Sie empfing den Treueschwur der Lords und zog nach alter Sitte am Tage vor der Krönung mit großem Gepräge in den Tower ein. Maria, die rechtmäßige Königin, die von der Geschichte den Beinamen "die Blutige" erhielt, sammelte nach der Krönung ein Heer, zog in London ein und warf, 10 Tage nach der Thronbesteigung, Jane und ihren Gatten in den Kerker. Jane sah von einem Fenster ihrer Zelle der Hinrichtung ihres Gatten zu und bestieg dann selber, voller Todesverachtung und in erhabener Frömmigkeit, das Blutgerüst. Ihr Königstraum war ein Kurzdrama im Stile Shakespeares, dessen Großvater zu eben dieser Zeit als Bauer in Snitterfield bei Stratford saß.
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Thiele Andreas:
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"Erzählende genealohgische Stammtafeln"

Jane Grey, Großnichte von König Heinrich VIII. Tudor, wurde 1553 auf Betreiben von Vater und Schwiegervater und deren Anhang Thronerbin und Königin von England, scheiterte bald gegen Maria Tudor ("10-Tage-Königin") und wurde mit ihrem Mann zum Tode verurteilt, was aber ausgesetzt wurde. Sie war 1553/54 im Tower inhaftiert. Jane Grey war eine hübsche, sehr gebildete und politisch durchaus ambitionierte junge Frau.
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Johanna Grey, eine eifrige Protestantin, wurde durch den Einfluss des Vaters und des Schwiegervaters vom königlichen Cousin Eduard VI. unter Umgehung seiner Halbschwestern Maria und Elisabeth zur Erbin bestimmt und am 10.7.1553 in London zur Königin ausgerufen. Am 19. Juli 1553 wurde sie durch ihre Cousine Maria I. verdrängt. Da sich Johanna weinend gegen die Krone gewehrt hatte, wurde sie zunächst nicht zum Tode verurteilt. Sie wurde im Tower inhaftiert und nach einem Aufstand ihres Vaters gemeinsam mit ihrem Mann hingerichtet.

Baker Timothy: Seite 43-64
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"Die Plantagenet"

Lady Jane Grey hatte nur ein kurzes, abenteuerliches Leben; es dauerte ganze 17 Jahre lang; von 1537 bis 1554. Sie war die Enkelin von Maria, der jüngeren Schwester Heinrichs VIII., die kurze Zeit mit Ludwig XII. von Frankreich und danach mit einem Mann ihrer eigenen Wahl, dem Herzog von Suffolk, verheiratet gewesen war. Obwohl vom Namen her eine GREY, war Jane in bezug auf Aussehen und Temperamt eine TUDOR. Als Thronerbin war sie in dem Bewusstsein erzogen worden, niemanden untertan zu sein. Während ihrer Kindheit wurde sie viel getadelt und geschlagen, ihre Zuflucht und ihr einziger Trost war die Gesellschaft ihres Privatlehrers. Sie wuchs auf mit nichts als Verachtung für ihr Milieu im Herzen und war eine mustergültige Schülerin und Protestantin. Einmal traf sie Roger Ascham an, als sie Plato las "mit soviel Begeisterung, wie wenn es sich um eine lustige Erzählung Boccacios gehandelt hätte". Im Alter von 13 Jahren sprach sie fließend Griechisch, Hebräisch und Latein sowie mehrere moderne Sprachen und korrespondierte mit den bedeutendsten Theologen Englands wie auch des Kontinents.
Die Thronbesteigung Janes beschwor eine Krise herauf, denn Prinzessin Maria war entschlossen, ihren auf dem Testament Heinrichs VIII. beruhenden Anspruch geltend zu machen. Northumberland machte den Versuch, das Land in Janes Namen zu vereinigen; da die meisten Leute aber seinem Vorhaben misstrauten, hielten sie sich absichtlich zurück und warteten lieber den Ausgang seiner Bemühungen ab. Um das Problem zu beseitigen, versuchte Northumberland Maria gefangen zunehmen; sie konnte sich ihm aber entziehen. Als ein Umschwung zugunsten der Popularität Marias eintrat, landete nicht sie, sondern Northumberland im Tower und sie besteig am 19. Juli 1553 den Thron. Obgleich Jane zum Tode verurteilt wurde, ließ sie die Königin erst ein Jahr später hinrichten, nachdem sich ihr Vater an einer Rebellion beteiligt hatte.

Ranke Leopold von: Seite 83-88
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"Geschichte Englands"

Heinrich VIII. hatte in seiner Thronfolgeordnung die Nachkommen seiner älteren nach Schottland vermählten Schwester als Fremde übergangen, die Nachkommen der jüngeren, Maria von Suffolk, aber nach seinen eigenen Kindern als erbberechtigt anerkannt. Die ältere Tochter Marias, Frances, war mit Heinrich Grey von Dorset, der schon den Titel von Suffolk erlangt hatte, vermählt und hatte 3 Töchter, von denen die älteste Johanna Grey war. Eben auf diese, mit der der Herzog von Northumberland einen seiner Söhne vermählte, richtete er nun die Aufmerksamkeit des Königs und bewog ihn, sie seinen Schwestern vorzuziehen. Nicht eigentlich auf sie selbst jedoch so sehr, als auf ihre männlichen Nachkommen ging die ursprüngliche Absicht Eduards VI. Noch hatte bisher nie eine Königin kraft eigenen Rechts in England regiert, und auch jetzt wollte man das vermeiden. Eduard verordnete, dass, wenn er selbst ohne männliche Nachkommen sterbe, die männlichen Erben der Lady Frances, und wenn auch sie deren keine hinterlasse, die der Lady Johanna nachfolgen sollten. Er hoffte noch zu erleben, dass ein solcher 18 Jahre alt würde, in welchem derselbe die Regierung unmittelbar nach ihm antreten könne. Träte sein Tod früher ein, so solle einstweilen Johanna selbst nicht als Königin, sondern als Regentin die Verwaltung führen, jedoch gebunden an einen noch von ihm einzusetzenden Regierungsrat.
Allein die Krankheit Eduards VI. entwickelte sich rascher, als man gemeint hatte. In dem letzten Augenblick wurde er noch bewogen, nicht den männlichen Erben der Lady Johanna, sondern ihr selbst und ihren männlichen Erben die Nachfolge zuzusprechen.
Lady Johanna Grey hatte bisher ihre Tage in den Studien zugebracht. Denn Vater und Mutter waren streng und fanden immer etwas an ihr zu tadeln; ruhige Stunden innerer Genugtuung dagegen gewährte ihr der Unterricht eines immer gleich wohlwollenden Lehrers, der sie in die Gelehrsamkeit und in die Beschäftigung mit der Literatur einführte: über ihrem Plato sitzend, vermisste sie die Jagdlust nicht, deren andere im Park pflegten. Sie lebte auch in ihrem ehelichen Verhältnis, das sie nicht eben glücklich machte, noch in dieser von der Welt abgewandten Sinnesweise, als sie eines Tages nach Sion beschieden wurde, wo sie eine große und glänzende Versammlung fand. Noch wusste sie nichts vom Tode des Königs. Wie wurde ihr zumute, als man ihr eröffnete, Eduard VI. sei gestorben; damit das Reich vor dem papistischen Glauben und der Regierung seiner beiden nicht guten Schwestern gesichert werde, habe er sie, Lady Johanna, zu seiner Erbin erklärt und als nun die Großwürdenträger des Reiches ihre Knie senkten und sie als ihre Königin verehrten. Zuweilen hatte man ihr schon von ihrem Anrecht an den Thron geredet, doch hatte sie nicht viel darauf geachtet. Als es jetzt damit Ernst wurde, wurde ihre ganze Seele davon übernommen; sie stürzte zu Boden und brach in heftige Tränen aus. Ob ihr ein volles Recht zur Krone zustehe, konnte sie nicht beurteilen: was sie fühlte, war ihre Unfähigkeit, zu regieren. Den nächsten Tag begab sie sich zu Wasser nach dem Tower und nahm die Huldigungen an, die man ihr darbrachte. Die Herolde verkündeten ihre Thronbesteigung in der Hauptstadt.
Indem die zugunsten von Johanna Grey versuchte Kombination auf starken popularen Widerstand stieß, brach sie, von oben her, in sich selbst zusammen. Wenn die neue Königin ein so gutes Recht hatte, wie man ihr sagte, so wollte sie es mit niemandem teilen, auch nicht mit ihrem Gemahl. Sie wolle nicht als eine Kreatur der DUDLEYS und als ein Werkzeug ihres Ehrgeizes erscheinen; nur zum Herzog wolle sie ihn ernennen, nicht als König neben sich krönen lassen. Man erkennt darin ihren hohen Begriff vom Königtum und seinem göttlichen Recht; aber man begreift auch, dass der Zwiespalt, der hierüber in der Familie ausbrach, auf die Mitglieder des geheimen Rates einwirken musste, von denen doch nur einige mit Northumberland vollkommen einverstanden waren, die übrigen allein dem Übergewicht seiner Macht nachgegeben hatten. Indem der Herzog bewaffneten Zuzug von London erwartete, trat daselbst ein vollkommener Umschwung ein: auf Veranlassung des geheimen Rates wurde Maria als Königin ausgerufen und ihm selbst die Aufforderung zugefertigt, sich ihr zu unterwerfen. Schon hatte die Flotte, welche die Flucht Marias zu verhindern bestimmt war, für sich erklärt, die Truppen, welche in den Grafschaften aufgeboten worden, um sie zu bekämpfen, traten auf ihre Seite; im Feldlager Northumberlands gewann dieselbe Meinung die Oberhand. Der Herzog fühlte sich nicht fähig, ihr zu widerstehen. Er ließ sich von ihr selbst ergreifen, wie die anderen. Man erlebte das außerordentliche Schauspiel, dass der Mann, welcher ausgezogen war, um Maria zu vernichten, jetzt in seinem Lager ihre Thronbesteigung verkünden ließ. Er hat den Herold begleitet und den Namen Maria selbst ausgerufen. Wie sich auch der Herzog anstellte, er konnte weder seine Freiheit noch sein Leben retten. Bald darauf zog Maria unter dem Zujauchzen des Volkes in London ein. Johanna Grey blieb als Gefangene im Tower, den sie als Königin betreten hatte.
Nach der Niederschlagung des Aufstandes von Sir Thomas Wyatt, bekam Maria jetzt Anlass, sich der northumbrischen Faktion vollends zu entledigen. Johanna Grey, deren Name wenigstens genannt worden war, ihr Vater Suffolk, ihr Oheim Thomas Grey wurden hingerichtet, wie denn auch Wyatt und eine große Zahl der Gefangenen ihre Rebellion mit dem Leben büßten.
 
 
 
 

 21.5.1553
  oo Lord Guilford Dudley
      1530-12.2.1554 hingerichtet
 
 
 
 

Literatur:
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Baker Timothy: Die Plantagenet in Die großen Dynastien, Karl Müller Verlag 1996 Seite 43-64 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 407,452,454,456,457,459 - Lavater-Sloman Mary: Elisabeth I. Herrin der Meere, Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988 Seite 106,108,110,120 - Neale John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen Diederischs Verlag München 1994 Seite 31,35,36,46,65,453 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 9,10,12,65,66-73,95,96 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 257 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 53,58,63,77 -
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Panzer Marita A.: Seite 66-74
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"Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors."

Heinrich VIII. hatte in seinem Testament die Thronfolge festgelegt. Zunächst erbte sein Sohn Eduard das Königreich und nach diesem, so keine weiteren legitimen Nachkommen von ihm vorhanden, dessen Halbschwestern Maria, Königin Katharinas Tochter, und Elisabeth, Königin Anna Boleyns Tochter. Vierte in der Erbfolge war Lady Jane Grey, Großnichte Heinrichs VIII. und Urenkelin Heinrichs VII. Jane, geboren im Oktober 1537 in Bradgate (Leicestershire), wuchs im öniglichen Zmfeld auf. Sie kam als Neunjährige in den Haushalt Königin Katharina Parrs und erhielt dort eine ausgezeichnete Erziehung, die später im elterlichen Haus fortgesetzt wurde. Die junge Lady war eine eifrige Schülerin von John Aylmer, dem späteren Bischof von London, und 1550 berichtete der Humanist Roger Ascham, dass er sie bei einem Besuch Zuhause beim Lesen Platos im griechischen Original vorfand, während sich die übrige Familie dem Jagdvergnügen hingab. Ascham lobte ihre unglaubliche Beherrschung der griechischen Sprache in Wort und Schrift; zudem sprach und schrieb Jane Französisch, Italienisch sowie Latein und fügte dann als Fünfzehnjährige dieser Sprachenpalette noch Hebräisch hinzu. Die brillante junge Frau erzählte dem gelehrten Humanisten, dass ihre Eltern ihre Wissbegier nicht schätzten und sie deshalb mit Püffen für Nachlässigkeiten beim Sticken oder in ihrem Benehmen drangsalierten. Jane verspürte daher große Erleichterung und Befriedigung, als sie endlich unter die Aufsicht ihres Lehrers Aylmer kam, der ihr die geistigen Schätze der antiken Welt eröffnete. Bereits als Fünfzehnjährige korrespondierte Lady Jane Grey mit dem gelehrten Reformator Heinrich Bullinger in Zürich. Dessen Schüler John Ulmer besuchte sie daraufhin einmal in England und schrieb anschließend an seine Schweizer Freunde Briefe voller Bewunderung über Janes hohen Bildungsgrad und ihre Liebenswürdigkeit.
König Eduard VI. starb, erst sechzehnjährig, nach längerem Leiden am 6. Juli 1553. Der Protektor des Königreiches, John Dudley Herzog von Northumberland, hielt jedoch den Tod des jugendlichen Monarchen geheim, denn er musste erst seine Vorbereitungen für die Thronfolge treffen. Northumberland gehörte der protestantischen Partei an und wünschte daher keine Katholikin, wie die Halbschwester des verstorbenen Königs, Lady Maria, auf Englands Thron. Da sich Eduard VI. unter dem Einfluss seiner Mentoren zu einem überzeugten Protestanten entwickelt hatte, war bereits Mitte 1552 zweifelsfrei klar geworden, dass die Zukunft des Protestantismus in England an diesem schwächlichen und schon dem Tode geweihten Kindkönig hing.
John Dudley hatte deshalb nach einem Weg gesucht, um die Thronfolge von den TUDORS auf sein eigenes Haus zu übertragen. In Lady Jane, der ältesten Tochter von Henry Grey, des Herzogs von Suffolk, und dessen Gemahlin Francis Brandon, der Nichte Heinrichs VIII., fand er die geeignete Prätendentin. Zumal die schöne, zierliche und hellhaarige Lady Jane Grey, die außerdem charaktervoll, hochgebildet und eben vor allem protestantisch war, schon lange in bestimmten Kreisen als zukünftige Königin - allerdings als Gattin König Eduards VI. - gehandelt wurde.
Die beiden ehrgeizigen Familien GREY und DUDLEY beschlossen nun, sich durch eheliche Bande zu vereinen und betrieben deshalb die Heirat zwischen Jane Grey und Guildford Dudley. Zwar widersetzte sich die Braut zunächst dieser geplanten Vermählung, wurde aber schließlich mit väterlicher Gewalt zum Gehorsam gezwungen. So fand die glänzende Hochzeit am 21. Mai 1553 in Durham House, der Londoner Residenz des Herzogs von Northumberland, statt.
Als König Eduard VI. wenige Wochen nach dieser Eheschließung starb, hielt man seinen Tod zwei Tage lang geheim und versuchte Lady Maria, der Thronfolgerin nach dem Testament Heinrichs VIII., habhaft zu werden. Diese, gewarnt von Anhängern, konnte jedoch fliehen und sich damit dem feindlichen Zugriff entziehen.
Drei Tage nach dem Tode Eduards VI., am 9. Juli 1553, brachte man die von einer Krankheit noch nicht völlig genesene Lady Jane Grey nach London. Dort hatten sich Janes Gatte, ihre Eltern und Schwiegereltern sowie die Mitglieder des Kronrats versammelt. Einige der anwesenden Herren beugten vor der noch völlig Ahnungslosen das Knie, küssten ihr die Hand und betitulierten sie als ihre "Souveränin". Jetzt bekam die verwirrte Jane - wie sie später aussagte - große Angst. Der Herzog von Northumberland, ihr Schwiegervater, verkündete nun offiziell den Tod König Eduards VI. und teilte der Öffentlichkeit mit, dass dieser noch Vorsorge getroffen habe, sein Königreich vor den Katholiken zu bewahren. Seine Majestät habe im Juni 1553 freiwillig und ohne jeglichen Zwang eine Anordnung unterzeichnet, in der er Lady Jane Grey die Krone Englands zuerkannte und seine katholische Halbschwester Maria von der Thronfolge ausschließe. Das Dokument sein von sechsundzwanzig Peers unterschrieben und damit anerkannt worden. Nach dieser Verlautbarung knieten alle Anwesenden nieder und huldigten Lady Jane Grey als der neuen Königin Englands. Die tief erschrockene Fünfzehnjährige fiel daraufhin ohnmächtig zu Boden, erhob sich allerdings nach kurzer Zeit ohne jegliche Hilfe und begann, von trüben Ahnungen überwältigt, zu weinen. Allmählich beherrschte Lady Jane Grey ihre Erregung und spach zu den Anwesenden mit fester Stimme: "Die Krone gehört rechtmäßig nicht mir und behagt mir daher nicht. Lady Maria ist die legitime Erbin." Plötzlich redeten alle auf die klarsichtige junge Frau ein, bis diese schließlich dem allgemeinen Drängen nachgab und die Krone mit den Worten akzeptierte: "Wenn mir diese Gabe nach dem Gesetz gehören soll, dann möge mir die Göttliche Majestät den Verstand und die Gande gewähren, damit ich sie zu Seinem Ruhm und Gefallen sowie zum Vorteil des Königreiches regiere." Nach dieser knappen Rede nahm Jane Grey auf dem Thron Platz und Northumberland leistete der neuen Königin den Treueid.
Den Tag darauf, am 10. Juli 1553, wurde Jane Grey in einer sorgfältig geplanten Prozession in der königlichen Barke zum Tower von London gebracht. Hier verkündete man offiziell ihre Thronbesteigung und die junge Frau unterzeichnete das Dokument ihrer Proklamation mit "Jane, die Königin". Nach einem Gottesdienst in der Kapelle St. John gab es ein großes Bankett, dann zog sich die Königin mit ihrem Gemahl in die Privatgemächer zurück.
Am 12. Juli händigte man der Königin die Kronjuwelen aus und sie probierte die Krone, damit diese für ihre Krönung passend gemacht werden konnte. Offenbar kam es an diesem Tag zu einer Auseinandersetzung: Janes Gemahl, Guildford Dudley, forderte für sich die Verleihung des Königstitels. Die Königin weigerte sich jedoch und verwies auf eine spätere Entscheidung in dieser Angelegenheit durch das Parlament.
Inzwischen riefen auf den Londoner Plätzen und in den umliegenden Ortschaften königliche Herolde Jane zur neuen Königin aus. Aber die Bevölkerung bejubelte ihre Thronbesteigung nicht, ein deutscher Augenzeuge berichtete, dass "das Volk nichts als Kummer und Sorgen zeige". Denn viele Londoner waren überzeugt, dass Lady Maria die eigentliche Thronerbein sei und daher galt die allgemeine Sympathie auch dieser Tochter Heinrichs VIII. aus erster Ehe. Zudem war die neue Königin Jane in der Bevölkerung überhaupt nicht bekannt. Alle sahen in ihr nur die Marionette des verhassten Protektors Northumberland.
Marias Anhängerschaft hatte sich inzwischen im osten des Landes unter Waffen versammelt und auf Wunsch Königin Janes musste Northumberland selbst an der Spitze ihrer Truppen in den Kampf ziehen. Der Herzog unterlag, da viele seiner Soldaten sich nächtens davongemacht und auf Marias Seite geschlagen hatten. Maria siegte und wurde im ganzen Land zur Königin ausgerufen. Die verräterischen Lords, auch die Mitglieder des Kronrats, schwenkten nun schnell um und selbst Northumberland soll unter Tränen öffentlich Maria gehuldigt haben.
Königin Jane, in völliger Unkenntnis über diese Entwicklung, saß am 19. Juli beim Abendessen, da stürzte plötzlich ihr Vater herein, riss mit eigenen Händen den Baldachin über ihrem Sessel herunter und schrie: "Ihr seid nicht mehr Königin!" Dann rannte er hinaus und rief noch im Tower Maria zur neuen Königin aus. Seine Tochter überließ er ihrem Schicksal. Diese blieb allein mit ihrem Gatten und nur wenig Dienerschaft im Tower zurück. Allmählich zogen Wachen auf und es war ersichtlich, dass Lady Jane Grey als Gefangene angesehen wurde. Zudem ließ die neue Königin den Herzog von Northumberland, seine Söhne und Janes Vater inhaftieren. Nun baten beide Herzoginnen um das Leben ihrer Gatten und Söhne, aber für Jane zu sprechen oder sie zu besuchen, unternahm offenbar niemand einen Versuch.
Königin Maria I. zweifelte noch, wie sie Jane behandeln solle, welche sie aus gemeinsamer Jugendzeit gut kannte. So verzieh sie zunächst Janes Mutter und setzte Janes Vater auf freien Fuß, Jane selbst aber blieb noch in Haft. Am 18. August fand die Verhandlung gegen Northumberland und seine Mitverschwörer statt. Elf wurden zum Tode verurteilt, aber nur drei am 22. August hingerichtet, darunter der Herzog von Northumberland, Lady Janes Schwiegervater. Nun drängte der kaiserliche Gesandte die neue Königin, auch Lady Jane Grey hinrichten zu lassen, da sie ansonsten niemals sicher regieren könne, solange diese noch am Leben sei und zum Mittelpunkt etwaiger Verschwörungen werden könne. So wurde Lady Jane Grey mit ihrem Gemahl am 14. November 1553 wegen Hochverrats verurteilt, ihr Leben aber blieb zunächst noch verschont und viele wähnten sie daher als gerettet. Da brachen unglücklicherweise im Winter drei Aufstände aus. Die so genannte Wyatt-Rebellion galt als die gefährlichste dieser Erhebungen und ihr hatte sich Janes unbelehrbarer Vater angeschlossen. Einige der herumziehenden Aufrührer proklamierten in jedem Ort, durch den sie kamen, Lady Jane Grey als Königin. Aber mit diesen Aktionen erhielt Jane den Thron nicht zurück, sondern man bewirkte vielmehr, dass Königin Maria der umgehenden Exekution ihrer Cousine unter dem Druck der Ereignisse zustimmte. Als diese von ihrer bevorstehenden Hinrichtung informiert wurde, meinte die kaum Sechszehnjährige ergeben: "Ich bin bereit und froh, meine elenden Tage zu beenden."
Am Montag, den 12. Februar 1554, wurde die Hinrichtung der ehemaligen Königin samt ihrem Gemahl festgesetzt. Königin Maria schickte ihren Kaplan Dr. Feckenham, der Jane Grey noch zum katholischen Glauben bekehren sollte, doch diese blieb standhaft bei ihrem protestantisch-calvinistischen Bekenntnis.
Kurz vor ihrem Tode verfasste Lady Jane Grey noch Briefe an ihren Vater, dem sie seine Schuld an ihrem Tod verzieh, sowie an ihre Schwetser Katherine, der sie ihr Griechisches Testament mit den Worten "Es wird dich lehren zu leben und zu sterben" übersandte. Außerdem beschenkte sie den obersten Offizier des Towers mit einem in Samt gebundenen Gebetbuch, in das sie einen Abschiedsgruß in schöner, klarer Handschrift hieingeschrieben hatte.
Vor seiner Hinrichtung wünschte Guildforfd Dudley, seine Gemahlin nochmals zu sehen. Diese verweigerte aber eine letzte Zusammenkunft, da sie in ihrer religiösen Vorbereitung auf den eigenen nahen Tod nicht mehr gestört sein wollte. Jane stand allerdings Abschied nehmend am Fenster, als ihr Gemahl nur wenige Augenblicke vor ihr zum Schafott geführt und sein enthaupteter Körper zurückgebracht wurde. Da weinte sie um ihren erst achtzehnjährigen Ehemann, den sie nie geliebt hatte.
Kurz darauf formierte sich ihr Begleitzug. Lady Jane Grey, das Gebetbuch in der Hnad, schritt zwischen Kaplan Feckenham und Sir John Bridges, dem Leutnant des Towers, der Richtstätte entgegen. Dahinter kamen ihr Kindermädchen Ellen und eine Frau Tilney, die "wundervoll weinte", wie ein Augenzeuge berichtete. Die Zuschauerschaft erwies sich als zahlreich. Denn jeder, dem es gelungen war, eine Erlaubnis zu erwirken, war anwesend. Man bewunderte Janes gefasste Haltung, die trockenen Auges zum Schafott ging. Sachte führte sie der Leutnant des Towers am Arm, während sie in ihrem Gebetbuch lesend über den Rasen schritt. Auf dem Gerüst fragte die ehemalige Königin Sir John Bridges, ob sie nun sagen dürfe, was sie bewege. Nach der Erlaubnis, hielt sie mit ruhiger, bestimmter Stimme ihre Abschiedsrede, die uns mehrfach überliefert ist: "Ihr guten Leute, ich stehe hier, um zu sterben, und nach dem Gesetz bin ich auch dazu verurteilt. Mein Vergehen gegen ihre Königliche Hoheit, welches nun als Hochverrat erachtet wird, geschah ausschließlich auf Anordnung anderer; aber es war niemals mein eigenes Bestreben, sondern herbeigeführt durch den Rat derjenigen, von denen man ein größeres Verständnis der Angelegenheit hätte erwarten dürfen, als ich es habe, die ich wenig vom Gesetz weiß, und noch weniger von den Ansprüchen auf die Krone. Daher wasche ich heute meine Hände in Unschuld vor Gott und auch vor euch guten Christenmenschen."
Anschließend kniete Jane nieder und betete alle neunzehn Verse des 51. Psalms. Als sie Kaplans Feckenhams Erschütterung bemerkte, beugte sie sich zu ihm und küsste ihn. Einen Augenblick standen sie Hand in Hand. Dann halfen die Frauen, Janes Kleidung am Hals zu öffnen. Der Henker trat vor, kniete nieder und fragte: "Vergeben Sie mir, Madam?" Sie antwortete: "Sehr gerne", und fragte den Henker: "Werden Sie mir den Kopf abschlagen, noch bevor ich mich auf den Block gelegt habe?" Dieser verneinte. Lady Jane verband sich mit einem Taschentuch die Augen und tastete mit den Händen nach dem Richtblock. Da sie aber zu weit von diesem entfernt stand, rief sie laut: "Wo ist er? Was soll ich tun?" Völlig erstarrt, rührte sich zunächst niemand, um ihr zu helfen, erst nach einigen Augenblicken wurde sie zum Richtblock geführt. Dort kniete die junge Frau nieder, streckte die Arme seitwärts aus und betete mit klarer Stimme: "Herr, in deine Händ empfehle ich meinen Geist." Kurz darauf erfolgte der tödliche Schlag.
Die Hinrichtung der unschuldigen Jane Grey wird, gemäß ihrer Biographin Agnes Strickland, für immer das schrecklichste Ereignis in der Geschichte aller Herrscherinnen England bleiben. Das tragische Schicksal dieser "Neun-Tage-Königin" rührte auch viele Literaten. So verasste der Engländer Nicholas Rowe 1715 das Trauerspiel "Tragedy of Lady Jane Gray", das 1758 eine deutsche Bearbeitung durch Christoph Martin Wieland erfuhr. Zudem wurde Lady Jane Grey in der Folgezeit als standfeste Protestantin und bewunderte Gelehrte verehrt, so dass ihre nachgelassenen Briefe und Schriften mehrer Drucklegungen erfuhren.