Älteste Tochter des Marquess Heinrich Grey von
Dorset und der Franziska Brandon von Suffolk, Tochter von Herzog
Karl; Enkelin der Herzogin Marie Tudor von Suffolk,
der Schwester von König Heinrich VIII.
Frauen der Weltgeschichte: Seite 197
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Jane Grey
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1535- 1554
Als am 7. Juli 1553 die Kutsche der Lady Sidney vor dem
Landhaus der Jane Grey zu Chelsea hielt,
wusste die 17-jährige Jane
wohl
schon, welch wichtige Botschaft ihr die Schwägerin bringen würde:
sie solle auf Weisung des Regentschaftsrates unverzüglich nach London
zurückkehren und dort den Befehl des Königs erwarten. Dieser
König, Edward VI., lag im Sterben.
Das Haupt des Regentschaftsrates war der Herzog von Northumberland, ein
ehrgeiziger Streber, der schon manche Köpfe hatte rollen lassen, ehe
er den kränkelnden König völlig beherrschte. Als er das
Ende des Königs nahen sah, hatte er eilig seinen Sohn Guilford
mit Jane vermählt; sie war die
Enkelin des Herzogs von Suffolk, ihre Mutter war eine Enkelin Heinrichs
VII. Obwohl die Ansprüche Janes
auf den englischen Königsthron also nur schwach waren, wagte es ihr
Schwiegervater, der Herzog von Northumberland, den sterbenden Monarchen
zu einem verhängnisvollen Rechtsbruch zu verleiten: Er schloss seine
beiden Schwestern Maria und Elisabeth
von
der Thronfolge aus. Am Tage nach ihrer Ankunft in London wurde Jane
Grey zur Königin von England ausgerufen. Sie empfing
den Treueschwur der Lords und zog nach alter Sitte am Tage vor der Krönung
mit großem Gepräge in den Tower ein. Maria,
die rechtmäßige Königin, die von der Geschichte den Beinamen
"die Blutige" erhielt, sammelte nach der Krönung ein Heer, zog in
London ein und warf, 10 Tage nach der Thronbesteigung,
Jane und ihren Gatten in den Kerker. Jane
sah
von
einem Fenster ihrer Zelle der Hinrichtung ihres Gatten zu und bestieg dann
selber, voller Todesverachtung und in erhabener Frömmigkeit, das Blutgerüst.
Ihr Königstraum war ein Kurzdrama im Stile Shakespeares, dessen Großvater
zu eben dieser Zeit als Bauer in Snitterfield bei Stratford saß.
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Thiele Andreas:
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"Erzählende genealohgische Stammtafeln"
Jane Grey, Großnichte
von
König Heinrich VIII. Tudor,
wurde 1553 auf Betreiben von Vater und Schwiegervater und deren Anhang
Thronerbin und Königin von England, scheiterte bald gegen Maria
Tudor ("10-Tage-Königin") und wurde mit ihrem Mann zum
Tode verurteilt, was aber ausgesetzt wurde. Sie war 1553/54 im Tower inhaftiert.
Jane Grey
war eine hübsche, sehr gebildete und politisch
durchaus ambitionierte junge Frau.
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Johanna Grey, eine
eifrige Protestantin, wurde durch den Einfluss des Vaters und des Schwiegervaters
vom königlichen Cousin Eduard VI.
unter Umgehung seiner Halbschwestern Maria
und Elisabeth zur Erbin bestimmt und
am 10.7.1553 in London zur Königin ausgerufen. Am 19. Juli 1553 wurde
sie durch ihre Cousine Maria I. verdrängt.
Da sich Johanna weinend gegen die Krone
gewehrt hatte, wurde sie zunächst nicht zum Tode verurteilt. Sie wurde
im Tower inhaftiert und nach einem Aufstand ihres Vaters gemeinsam mit
ihrem Mann hingerichtet.
Baker Timothy: Seite 43-64
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"Die Plantagenet"
Lady Jane Grey hatte
nur ein kurzes, abenteuerliches Leben; es dauerte ganze 17 Jahre lang;
von 1537 bis 1554. Sie war die Enkelin von Maria,
der jüngeren Schwester Heinrichs VIII.,
die kurze Zeit mit Ludwig XII. von Frankreich
und danach mit einem Mann ihrer eigenen Wahl, dem Herzog von Suffolk, verheiratet
gewesen war. Obwohl vom Namen her eine GREY,
war Jane in bezug auf Aussehen und
Temperamt eine TUDOR. Als Thronerbin
war sie in dem Bewusstsein erzogen worden, niemanden untertan zu sein.
Während ihrer Kindheit wurde sie viel getadelt und geschlagen, ihre
Zuflucht und ihr einziger Trost war die Gesellschaft ihres Privatlehrers.
Sie wuchs auf mit nichts als Verachtung für ihr Milieu im Herzen und
war eine mustergültige Schülerin und Protestantin. Einmal traf
sie Roger Ascham an, als sie Plato las "mit soviel Begeisterung, wie wenn
es sich um eine lustige Erzählung Boccacios gehandelt hätte".
Im Alter von 13 Jahren sprach sie fließend Griechisch, Hebräisch
und Latein sowie mehrere moderne Sprachen und korrespondierte mit den bedeutendsten
Theologen Englands wie auch des Kontinents.
Die Thronbesteigung Janes beschwor
eine Krise herauf, denn Prinzessin Maria
war entschlossen, ihren auf dem Testament Heinrichs
VIII. beruhenden Anspruch geltend zu machen. Northumberland
machte den Versuch, das Land in Janes
Namen zu vereinigen; da die meisten Leute aber seinem Vorhaben misstrauten,
hielten sie sich absichtlich zurück und warteten lieber den Ausgang
seiner Bemühungen ab. Um das Problem zu beseitigen, versuchte Northumberland
Maria
gefangen zunehmen; sie konnte sich ihm aber entziehen. Als ein Umschwung
zugunsten der Popularität
Marias
eintrat, landete nicht sie, sondern Northumberland im Tower und sie besteig
am 19. Juli 1553 den Thron. Obgleich Jane zum
Tode verurteilt wurde, ließ sie die Königin erst ein Jahr später
hinrichten, nachdem sich ihr Vater an einer Rebellion beteiligt hatte.
Ranke Leopold von: Seite 83-88
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"Geschichte Englands"
Heinrich VIII. hatte
in seiner Thronfolgeordnung die Nachkommen seiner älteren nach Schottland
vermählten Schwester als Fremde übergangen, die Nachkommen der
jüngeren, Maria von Suffolk, aber
nach seinen eigenen Kindern als erbberechtigt anerkannt. Die ältere
Tochter Marias,
Frances, war
mit Heinrich Grey von Dorset, der schon den Titel von Suffolk erlangt
hatte, vermählt und hatte 3 Töchter, von denen die älteste
Johanna
Grey war. Eben auf diese, mit der der Herzog von Northumberland
einen seiner Söhne vermählte, richtete er nun die Aufmerksamkeit
des Königs und bewog ihn, sie seinen Schwestern vorzuziehen. Nicht
eigentlich auf sie selbst jedoch so sehr, als auf ihre männlichen
Nachkommen ging die ursprüngliche Absicht
Eduards
VI. Noch hatte bisher nie eine Königin kraft eigenen Rechts
in England regiert, und auch jetzt wollte man das vermeiden. Eduard
verordnete,
dass, wenn er selbst ohne männliche Nachkommen sterbe, die männlichen
Erben der Lady Frances, und wenn auch sie deren keine hinterlasse,
die der Lady Johanna nachfolgen sollten.
Er hoffte noch zu erleben, dass ein solcher 18 Jahre alt würde, in
welchem derselbe die Regierung unmittelbar nach ihm antreten könne.
Träte sein Tod früher ein, so solle einstweilen
Johanna
selbst
nicht als Königin, sondern als Regentin die Verwaltung führen,
jedoch gebunden an einen noch von ihm einzusetzenden Regierungsrat.
Allein die Krankheit Eduards
VI. entwickelte sich rascher, als man gemeint hatte. In dem
letzten Augenblick wurde er noch bewogen, nicht den männlichen Erben
der Lady Johanna,
sondern ihr selbst und ihren männlichen Erben die Nachfolge zuzusprechen.
Lady Johanna Grey hatte
bisher ihre Tage in den Studien zugebracht. Denn Vater und Mutter waren
streng und fanden immer etwas an ihr zu tadeln; ruhige Stunden innerer
Genugtuung dagegen gewährte ihr der Unterricht eines immer gleich
wohlwollenden Lehrers, der sie in die Gelehrsamkeit und in die Beschäftigung
mit der Literatur einführte: über ihrem Plato sitzend, vermisste
sie die Jagdlust nicht, deren andere im Park pflegten. Sie lebte auch in
ihrem ehelichen Verhältnis, das sie nicht eben glücklich machte,
noch in dieser von der Welt abgewandten Sinnesweise, als sie eines Tages
nach Sion beschieden wurde, wo sie eine große und glänzende
Versammlung fand. Noch wusste sie nichts vom Tode des Königs. Wie
wurde ihr zumute, als man ihr eröffnete, Eduard
VI. sei gestorben; damit das Reich vor dem papistischen Glauben
und der Regierung seiner beiden nicht guten Schwestern gesichert werde,
habe er sie, Lady Johanna, zu seiner
Erbin erklärt und als nun die Großwürdenträger des
Reiches ihre Knie senkten und sie als ihre Königin verehrten. Zuweilen
hatte man ihr schon von ihrem Anrecht an den Thron geredet, doch hatte
sie nicht viel darauf geachtet. Als es jetzt damit Ernst wurde, wurde ihre
ganze Seele davon übernommen; sie stürzte zu Boden und brach
in heftige Tränen aus. Ob ihr ein volles Recht zur Krone zustehe,
konnte sie nicht beurteilen: was sie fühlte, war ihre Unfähigkeit,
zu regieren. Den nächsten Tag begab sie sich zu Wasser nach dem Tower
und nahm die Huldigungen an, die man ihr darbrachte. Die Herolde verkündeten
ihre Thronbesteigung in der Hauptstadt.
Indem die zugunsten von Johanna
Grey versuchte Kombination auf starken popularen Widerstand
stieß, brach sie, von oben her, in sich selbst zusammen. Wenn die
neue Königin ein so gutes Recht hatte, wie man ihr sagte, so wollte
sie es mit niemandem teilen, auch nicht mit ihrem Gemahl. Sie wolle nicht
als eine Kreatur der DUDLEYS und als
ein Werkzeug ihres Ehrgeizes erscheinen; nur zum Herzog wolle sie ihn ernennen,
nicht als König neben sich krönen lassen. Man erkennt darin ihren
hohen Begriff vom Königtum und seinem göttlichen Recht; aber
man begreift auch, dass der Zwiespalt, der hierüber in der Familie
ausbrach, auf die Mitglieder des geheimen Rates einwirken musste, von denen
doch nur einige mit Northumberland vollkommen einverstanden waren, die
übrigen allein dem Übergewicht seiner Macht nachgegeben hatten.
Indem der Herzog bewaffneten Zuzug von London erwartete, trat daselbst
ein vollkommener Umschwung ein: auf Veranlassung des geheimen Rates wurde
Maria
als Königin ausgerufen und ihm selbst die Aufforderung zugefertigt,
sich ihr zu unterwerfen. Schon hatte die Flotte, welche die Flucht Marias
zu verhindern bestimmt war, für sich erklärt, die Truppen, welche
in den Grafschaften aufgeboten worden, um sie zu bekämpfen, traten
auf ihre Seite; im Feldlager Northumberlands gewann dieselbe Meinung die
Oberhand. Der Herzog fühlte sich nicht fähig, ihr zu widerstehen.
Er ließ sich von ihr selbst ergreifen, wie die anderen. Man erlebte
das außerordentliche Schauspiel, dass der Mann, welcher ausgezogen
war, um Maria zu vernichten, jetzt
in seinem Lager ihre Thronbesteigung verkünden ließ. Er hat
den Herold begleitet und den Namen Maria selbst
ausgerufen. Wie sich auch der Herzog anstellte, er konnte weder seine Freiheit
noch sein Leben retten. Bald darauf zog Maria
unter
dem Zujauchzen des Volkes in London ein. Johanna
Grey blieb als Gefangene im Tower, den sie als Königin
betreten hatte.
Nach der Niederschlagung des Aufstandes von Sir Thomas
Wyatt, bekam
Maria
jetzt Anlass, sich
der northumbrischen Faktion vollends zu entledigen.
Johanna Grey, deren Name wenigstens genannt worden war, ihr
Vater Suffolk, ihr Oheim Thomas Grey wurden hingerichtet, wie denn auch
Wyatt und eine große Zahl der Gefangenen ihre Rebellion mit dem Leben
büßten.
21.5.1553
oo Lord Guilford Dudley
1530-12.2.1554 hingerichtet
Literatur:
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Baker Timothy: Die Plantagenet in Die großen
Dynastien, Karl Müller Verlag 1996 Seite 43-64 - Fraser Antonia:
Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite
407,452,454,456,457,459 - Lavater-Sloman Mary: Elisabeth I. Herrin
der Meere, Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988 Seite 106,108,110,120
- Neale John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen Diederischs
Verlag München 1994 Seite 31,35,36,46,65,453 - Panzer Marita
A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 2001 Seite 9,10,12,65,66-73,95,96 - Tamussino
Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag
Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 257 - Wende Peter: Englische
Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag
C.H. Beck München 1998 Seite 53,58,63,77 -
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Panzer Marita A.: Seite 66-74
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"Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors."
Heinrich VIII. hatte
in seinem Testament die Thronfolge festgelegt. Zunächst erbte sein
Sohn Eduard das Königreich und
nach diesem, so keine weiteren legitimen Nachkommen von ihm vorhanden,
dessen Halbschwestern Maria, Königin
Katharinas Tochter, und Elisabeth,
Königin Anna Boleyns Tochter.
Vierte in der Erbfolge war Lady Jane Grey,
Großnichte Heinrichs VIII. und
Urenkelin Heinrichs VII. Jane, geboren
im Oktober 1537 in Bradgate (Leicestershire), wuchs im öniglichen
Zmfeld auf. Sie kam als Neunjährige in den Haushalt Königin
Katharina Parrs und erhielt dort eine ausgezeichnete Erziehung,
die später im elterlichen Haus fortgesetzt wurde. Die junge Lady war
eine eifrige Schülerin von John Aylmer, dem späteren Bischof
von London, und 1550 berichtete der Humanist Roger Ascham, dass er sie
bei einem Besuch Zuhause beim Lesen Platos im griechischen Original vorfand,
während sich die übrige Familie dem Jagdvergnügen hingab.
Ascham lobte ihre unglaubliche Beherrschung der griechischen Sprache in
Wort und Schrift; zudem sprach und schrieb Jane
Französisch, Italienisch sowie Latein und fügte dann als Fünfzehnjährige
dieser Sprachenpalette noch Hebräisch hinzu. Die brillante junge Frau
erzählte dem gelehrten Humanisten, dass ihre Eltern ihre Wissbegier
nicht schätzten und sie deshalb mit Püffen für Nachlässigkeiten
beim Sticken oder in ihrem Benehmen drangsalierten.
Jane verspürte daher große Erleichterung und Befriedigung,
als sie endlich unter die Aufsicht ihres Lehrers Aylmer kam, der ihr die
geistigen Schätze der antiken Welt eröffnete. Bereits als Fünfzehnjährige
korrespondierte Lady Jane Grey mit
dem gelehrten Reformator Heinrich Bullinger in Zürich. Dessen Schüler
John Ulmer besuchte sie daraufhin einmal in England und schrieb anschließend
an seine Schweizer Freunde Briefe voller Bewunderung über Janes
hohen Bildungsgrad und ihre Liebenswürdigkeit.
König Eduard VI.
starb, erst sechzehnjährig, nach längerem Leiden am 6. Juli 1553.
Der Protektor des Königreiches, John Dudley Herzog von Northumberland,
hielt jedoch den Tod des jugendlichen Monarchen geheim, denn er musste
erst seine Vorbereitungen für die Thronfolge treffen. Northumberland
gehörte der protestantischen Partei an und wünschte daher keine
Katholikin, wie die Halbschwester des verstorbenen Königs, Lady
Maria, auf Englands Thron. Da sich Eduard
VI. unter dem Einfluss seiner Mentoren zu einem überzeugten
Protestanten entwickelt hatte, war bereits Mitte 1552 zweifelsfrei klar
geworden, dass die Zukunft des Protestantismus in England an diesem schwächlichen
und schon dem Tode geweihten Kindkönig hing.
John Dudley hatte deshalb nach einem Weg gesucht, um
die Thronfolge von den TUDORS auf sein
eigenes Haus zu übertragen. In Lady Jane,
der ältesten Tochter von Henry Grey, des Herzogs von Suffolk,
und dessen Gemahlin Francis Brandon, der Nichte Heinrichs
VIII., fand er die geeignete Prätendentin. Zumal die schöne,
zierliche und hellhaarige Lady Jane Grey,
die außerdem charaktervoll, hochgebildet und eben vor allem protestantisch
war, schon lange in bestimmten Kreisen als zukünftige Königin
- allerdings als Gattin König Eduards VI.
- gehandelt wurde.
Die beiden ehrgeizigen Familien GREY und DUDLEY
beschlossen nun, sich durch eheliche Bande zu vereinen und betrieben deshalb
die Heirat zwischen Jane Grey und Guildford
Dudley. Zwar widersetzte sich die Braut zunächst dieser geplanten
Vermählung, wurde aber schließlich mit väterlicher Gewalt
zum Gehorsam gezwungen. So fand die glänzende Hochzeit am 21. Mai
1553 in Durham House, der Londoner Residenz des Herzogs von Northumberland,
statt.
Als König Eduard VI.
wenige Wochen nach dieser Eheschließung starb, hielt man seinen Tod
zwei Tage lang geheim und versuchte Lady Maria,
der Thronfolgerin nach dem Testament Heinrichs
VIII., habhaft zu werden. Diese, gewarnt von Anhängern,
konnte jedoch fliehen und sich damit dem feindlichen Zugriff entziehen.
Drei Tage nach dem Tode Eduards
VI., am 9. Juli 1553, brachte man die von einer Krankheit noch
nicht völlig genesene Lady Jane Grey
nach London. Dort hatten sich Janes
Gatte, ihre Eltern und Schwiegereltern sowie die Mitglieder des Kronrats
versammelt. Einige der anwesenden Herren beugten vor der noch völlig
Ahnungslosen das Knie, küssten ihr die Hand und betitulierten sie
als ihre "Souveränin". Jetzt bekam die verwirrte Jane
- wie sie später aussagte - große Angst. Der Herzog von Northumberland,
ihr Schwiegervater, verkündete nun offiziell den Tod König
Eduards VI. und teilte der Öffentlichkeit mit, dass dieser
noch Vorsorge getroffen habe, sein Königreich vor den Katholiken zu
bewahren. Seine Majestät habe im Juni 1553 freiwillig und ohne jeglichen
Zwang eine Anordnung unterzeichnet, in der er
Lady Jane Grey die Krone Englands zuerkannte und seine katholische
Halbschwester Maria von der Thronfolge
ausschließe. Das Dokument sein von sechsundzwanzig Peers unterschrieben
und damit anerkannt worden. Nach dieser Verlautbarung knieten alle Anwesenden
nieder und huldigten Lady Jane Grey
als der neuen Königin Englands. Die tief erschrockene Fünfzehnjährige
fiel daraufhin ohnmächtig zu Boden, erhob sich allerdings nach kurzer
Zeit ohne jegliche Hilfe und begann, von trüben Ahnungen überwältigt,
zu weinen. Allmählich beherrschte Lady Jane
Grey ihre Erregung und spach zu den Anwesenden mit fester Stimme:
"Die Krone gehört rechtmäßig nicht mir und behagt mir daher
nicht. Lady Maria ist die legitime
Erbin." Plötzlich redeten alle auf die klarsichtige junge Frau ein,
bis diese schließlich dem allgemeinen Drängen nachgab und die
Krone mit den Worten akzeptierte: "Wenn mir diese Gabe nach dem Gesetz
gehören soll, dann möge mir die Göttliche Majestät
den Verstand und die Gande gewähren, damit ich sie zu Seinem Ruhm
und Gefallen sowie zum Vorteil des Königreiches regiere." Nach dieser
knappen Rede nahm Jane Grey auf dem
Thron Platz und Northumberland leistete der neuen Königin den Treueid.
Den Tag darauf, am 10. Juli 1553, wurde
Jane Grey in einer sorgfältig geplanten Prozession in der
königlichen Barke zum Tower von London gebracht. Hier verkündete
man offiziell ihre Thronbesteigung und die junge Frau unterzeichnete das
Dokument ihrer Proklamation mit "Jane, die Königin". Nach einem
Gottesdienst in der Kapelle St. John gab es ein großes Bankett, dann
zog sich die Königin mit ihrem Gemahl in die Privatgemächer zurück.
Am 12. Juli händigte man der Königin die Kronjuwelen
aus und sie probierte die Krone, damit diese für ihre Krönung
passend gemacht werden konnte. Offenbar kam es an diesem Tag zu einer Auseinandersetzung:
Janes Gemahl, Guildford Dudley,
forderte für sich die Verleihung des Königstitels. Die Königin
weigerte sich jedoch und verwies auf eine spätere Entscheidung in
dieser Angelegenheit durch das Parlament.
Inzwischen riefen auf den Londoner Plätzen und in
den umliegenden Ortschaften königliche Herolde Jane
zur neuen Königin aus. Aber die Bevölkerung bejubelte ihre Thronbesteigung
nicht, ein deutscher Augenzeuge berichtete, dass "das Volk nichts als Kummer
und Sorgen zeige". Denn viele Londoner waren überzeugt, dass Lady
Maria die eigentliche Thronerbein sei und daher galt die allgemeine
Sympathie auch dieser Tochter Heinrichs VIII.
aus erster Ehe. Zudem war die neue Königin
Jane in der Bevölkerung überhaupt nicht bekannt. Alle
sahen in ihr nur die Marionette des verhassten Protektors Northumberland.
Marias Anhängerschaft
hatte sich inzwischen im osten des Landes unter Waffen versammelt und auf
Wunsch Königin Janes musste Northumberland
selbst an der Spitze ihrer Truppen in den Kampf ziehen. Der Herzog unterlag,
da viele seiner Soldaten sich nächtens davongemacht und auf Marias
Seite geschlagen hatten. Maria siegte
und wurde im ganzen Land zur Königin ausgerufen. Die verräterischen
Lords, auch die Mitglieder des Kronrats, schwenkten nun schnell um und
selbst Northumberland soll unter Tränen öffentlich Maria
gehuldigt haben.
Königin Jane,
in völliger Unkenntnis über diese Entwicklung, saß am 19.
Juli beim Abendessen, da stürzte plötzlich ihr Vater herein,
riss mit eigenen Händen den Baldachin über ihrem Sessel herunter
und schrie: "Ihr seid nicht mehr Königin!" Dann rannte er hinaus und
rief noch im Tower Maria zur neuen
Königin aus. Seine Tochter überließ er ihrem Schicksal.
Diese blieb allein mit ihrem Gatten und nur wenig Dienerschaft im Tower
zurück. Allmählich zogen Wachen auf und es war ersichtlich, dass
Lady Jane Grey als Gefangene angesehen
wurde. Zudem ließ die neue Königin den Herzog von Northumberland,
seine Söhne und Janes Vater inhaftieren.
Nun baten beide Herzoginnen um das Leben ihrer Gatten und Söhne, aber
für Jane zu sprechen oder sie
zu besuchen, unternahm offenbar niemand einen Versuch.
Königin Maria I. zweifelte
noch, wie sie Jane behandeln solle,
welche sie aus gemeinsamer Jugendzeit gut kannte. So verzieh sie zunächst
Janes Mutter und setzte Janes
Vater auf freien Fuß, Jane
selbst aber blieb noch in Haft. Am 18. August fand die Verhandlung gegen
Northumberland und seine Mitverschwörer statt. Elf wurden zum Tode
verurteilt, aber nur drei am 22. August hingerichtet, darunter der Herzog
von Northumberland, Lady Janes Schwiegervater.
Nun drängte der kaiserliche Gesandte die neue Königin, auch Lady
Jane Grey hinrichten zu lassen, da sie ansonsten niemals sicher
regieren könne, solange diese noch am Leben sei und zum Mittelpunkt
etwaiger Verschwörungen werden könne. So wurde Lady
Jane Grey mit ihrem Gemahl am 14. November 1553 wegen Hochverrats
verurteilt, ihr Leben aber blieb zunächst noch verschont und viele
wähnten sie daher als gerettet. Da brachen unglücklicherweise
im Winter drei Aufstände aus. Die so genannte Wyatt-Rebellion galt
als die gefährlichste dieser Erhebungen und ihr hatte sich Janes
unbelehrbarer Vater angeschlossen. Einige der herumziehenden
Aufrührer proklamierten in jedem Ort, durch den sie kamen, Lady
Jane Grey als Königin. Aber mit diesen Aktionen erhielt
Jane den Thron nicht zurück, sondern man bewirkte vielmehr,
dass Königin Maria der umgehenden
Exekution ihrer Cousine unter dem Druck der Ereignisse zustimmte. Als diese
von ihrer bevorstehenden Hinrichtung informiert wurde, meinte die kaum
Sechszehnjährige ergeben: "Ich bin bereit und froh, meine elenden
Tage zu beenden."
Am Montag, den 12. Februar 1554, wurde die Hinrichtung
der ehemaligen Königin samt ihrem Gemahl festgesetzt. Königin
Maria schickte ihren Kaplan Dr. Feckenham, der Jane
Grey noch zum katholischen Glauben bekehren sollte, doch diese
blieb standhaft bei ihrem protestantisch-calvinistischen Bekenntnis.
Kurz vor ihrem Tode verfasste Lady
Jane Grey noch Briefe an ihren Vater, dem sie seine Schuld an
ihrem Tod verzieh, sowie an ihre Schwetser Katherine, der sie ihr Griechisches
Testament mit den Worten "Es wird dich lehren zu leben und zu sterben"
übersandte. Außerdem beschenkte sie den obersten Offizier des
Towers mit einem in Samt gebundenen Gebetbuch, in das sie einen Abschiedsgruß
in schöner, klarer Handschrift hieingeschrieben hatte.
Vor seiner Hinrichtung wünschte Guildforfd Dudley,
seine Gemahlin nochmals zu sehen. Diese verweigerte aber eine letzte Zusammenkunft,
da sie in ihrer religiösen Vorbereitung auf den eigenen nahen Tod
nicht mehr gestört sein wollte. Jane
stand allerdings Abschied nehmend am Fenster, als ihr Gemahl nur wenige
Augenblicke vor ihr zum Schafott geführt und sein enthaupteter Körper
zurückgebracht wurde. Da weinte sie um ihren erst achtzehnjährigen
Ehemann, den sie nie geliebt hatte.
Kurz darauf formierte sich ihr Begleitzug. Lady
Jane Grey, das Gebetbuch in der Hnad, schritt zwischen Kaplan
Feckenham und Sir John Bridges, dem Leutnant des Towers, der Richtstätte
entgegen. Dahinter kamen ihr Kindermädchen Ellen und eine Frau Tilney,
die "wundervoll weinte", wie ein Augenzeuge berichtete. Die Zuschauerschaft
erwies sich als zahlreich. Denn jeder, dem es gelungen war, eine Erlaubnis
zu erwirken, war anwesend. Man bewunderte Janes
gefasste Haltung, die trockenen Auges zum Schafott ging. Sachte
führte sie der Leutnant des Towers am Arm, während sie in ihrem
Gebetbuch lesend über den Rasen schritt. Auf dem Gerüst fragte
die ehemalige Königin Sir John Bridges, ob sie nun sagen dürfe,
was sie bewege. Nach der Erlaubnis, hielt sie mit ruhiger, bestimmter Stimme
ihre Abschiedsrede, die uns mehrfach überliefert ist: "Ihr guten Leute,
ich stehe hier, um zu sterben, und nach dem Gesetz bin ich auch dazu verurteilt.
Mein Vergehen gegen ihre Königliche Hoheit, welches nun als Hochverrat
erachtet wird, geschah ausschließlich auf Anordnung anderer; aber
es war niemals mein eigenes Bestreben, sondern herbeigeführt durch
den Rat derjenigen, von denen man ein größeres Verständnis
der Angelegenheit hätte erwarten dürfen, als ich es habe, die
ich wenig vom Gesetz weiß, und noch weniger von den Ansprüchen
auf die Krone. Daher wasche ich heute meine Hände in Unschuld vor
Gott und auch vor euch guten Christenmenschen."
Anschließend kniete Jane
nieder und betete alle neunzehn Verse des 51. Psalms. Als sie
Kaplans Feckenhams Erschütterung bemerkte, beugte sie sich zu ihm
und küsste ihn. Einen Augenblick standen sie Hand in Hand. Dann halfen
die Frauen, Janes Kleidung am Hals
zu öffnen. Der Henker trat vor, kniete nieder und fragte: "Vergeben
Sie mir, Madam?" Sie antwortete: "Sehr gerne", und fragte den Henker: "Werden
Sie mir den Kopf abschlagen, noch bevor ich mich auf den Block gelegt habe?"
Dieser verneinte. Lady Jane verband
sich mit einem Taschentuch die Augen und tastete mit den Händen nach
dem Richtblock. Da sie aber zu weit von diesem entfernt stand, rief sie
laut: "Wo ist er? Was soll ich tun?" Völlig erstarrt, rührte
sich zunächst niemand, um ihr zu helfen, erst nach einigen Augenblicken
wurde sie zum Richtblock geführt. Dort kniete die junge Frau nieder,
streckte die Arme seitwärts aus und betete mit klarer Stimme: "Herr,
in deine Händ empfehle ich meinen Geist." Kurz darauf erfolgte der
tödliche Schlag.
Die Hinrichtung der unschuldigen Jane
Grey wird, gemäß ihrer Biographin Agnes Strickland,
für immer das schrecklichste Ereignis in der Geschichte aller Herrscherinnen
England bleiben. Das tragische Schicksal dieser "Neun-Tage-Königin"
rührte auch viele Literaten. So verasste der Engländer Nicholas
Rowe 1715 das Trauerspiel "Tragedy of Lady Jane Gray", das 1758 eine deutsche
Bearbeitung durch Christoph Martin Wieland erfuhr. Zudem wurde Lady
Jane Grey in der Folgezeit als standfeste Protestantin und bewunderte
Gelehrte verehrt, so dass ihre nachgelassenen Briefe und Schriften mehrer
Drucklegungen erfuhren.