Begraben: Westminster
Postumer Sohn des Grafen Edmund
Tudor von Richmond und der Margarete
Beaufort, Tochter von Herzog Johann
II. von Somerset
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2054
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Heinrich VII., König von England 1485-1509
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* 28. Januar 1457, + 21. April 1509
Pembroke
Richmond (Grafschaft Surrey)
Begraben: Westminster
Einziger postum geborener Sohn von Edmund, Earl of Richmond (Sohn von Owen Tudor und Katharina, Witwe König Heinrichs V.), und Margarete (1443-1509), Tochter von Johann Beaufort (LANCASTER)
oo 18.1.1486 Elisabeth von York
Obwohl ihm König Eduard
IV. das Earldom Richmond entzogen hatte, wurde Heinrich
als Anwärter auf die Krone betrachtet und 1462-1469 dem Gewahrsam
des Earl od Pembroke, William Herbert, anvertraut. Nach der Zerschlagung
der restaurierten LANCASTER-Monarchie
(1471) wurde Heinrich von seinem Onkel
Jasper
Tudor in die Bretagne gebracht. Erst nach
Richards Usurpation (1483) errang Heinrich
Anerkennung für seine Thronansprüche, die er durch seine Landung
in England und den Sieg bei Bosworth (1485) durchsetzte. Durch seine Heirat
sicherte er die Loyalität der für seine Regierung unentbehrlichen
ehemaligen ‚Yorkists‘.
Heinrich VII. hat
das Regierungs- und Ämterwesen weniger durch Neuschöpfungen als
durch den Ausbau vorhandener Ansätze geprägt. Sein Regierungsstil
war gleichwohl rigoroser als derjenige Eduards
IV.; auf einer breiteren Basis beruhend, mußte er nicht
auf die Interessen weniger Großer Rücksicht nehmen. Von sprichwörtlicher
Wachsamkeit und großem Arbeitseifer unterdrückte der König
konspirative Umtriebe rasch und in exemplarischer Weise. Die Vernichtung
der Heerhaufen des Kronprätendenten Lambert Simnel (1487) gilt als
letzte Schlacht der sogenannten Rosenkriege. Heinrichs
VII. Außenpolitik zielte vor allen Dingen auf Isolierung
pseudo-yorkistischer Bestrebungen von
ihren kontinentalen Hintermännern. Nach einem Frankreich-Feldzug (1492)
verzichtete er auf weitere Expansion; die friedlichen Beziehungen zu Frankreich
ermöglichten auch ein Abkommen mit dessen Bundesgenossen Schottland,
bekräftigt 1503 durch die Heirat der Tochter Margarete
mit Jakob IV., dem dynastischen Ansatzpunkt
für die englisch-schottische Union von 1603.
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Lexikon der Renaissance: Seite 328
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Heinrich VII., König von England seit 1485
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* 28.1..1457, + 21.4.1509
Pembroke Castle Richmond
(Wales)
(Surrey)
Sohn Edmund Tudors, Graf von Richmond
Als Erbe des Hauses LANCASTER
nach dessen Sturz durch Eduard IV.
in die Bretagne gerettet, kehrte Heinrich
1485 nach England zurück und konnte mit seinem Sieg über Richard
III. in der Schlacht Bosworth (1485) die Rosenkriege beenden. Heinrich
VII. wurde zum König ausgerufen und heiratete die Tochter
Eduards IV., Elisabeth
von York, die legale YORK-Erbin.
Damit vereinigte er die Reste der beiden Kriegsparteien und begründete
die Dynastie TUDOR. Er ordnete das
durch die Rosenkriege zerrüttete Reich und begünstigte das erstarkende
Städtebürgertum sowie den neuen verbürgerlichten Adel (Förderung
der Tuch- und Wollproduktion sowie Handel und Schiffahrt). Heinrich
VII. brach die Macht der Barone und machte den König zum
größten Großgrundbesitzer. Mit diesem Ausbau der königlichen
Macht legte er den Grundstein für ein absolutistisches Königtum
in England.
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Heinrich VII., aus
zwei Bastardlinien stammend, war zeitlebens kränklich und nicht besonders
kräftig, aber zäh und ein gewiefter, verantwortungsvoller Regent.
Er galt nach dem Ende der Häuser LANCASTER
und BEAUFORT ab
1471 als Erbe aller Ansprüche dieser Häuser und wurde von seinem
Onkel Jasper
Tudor geschützt und erzogen, lebte in ständiger Angst
vor Mordanschlägen im bretonischen Exil, dann in Paris, versuchte
1483 erstmals, England zu erobern und scheiterte kläglich, kam 1485
erneut mit geringen Kräften ins Land, fand aber nur wenige Anhänger
und besiegte am 22.8.1485 durch den Verrat der Stanleys
König
Richard III. in der Schlacht bei Bosworth, was als Gottesurteil
ausgelegt wurde und den Rosenkrieg beendete. Er wurde auf dem Schlachtfeld
zum König von England ausgerufen, seine Ansprüche waren
letztlich nur konstruiert und er musste als Usurpator angesehen werden,
da berechtigtere Prätendenten da waren. Anfangs, obwohl er keine große
Ausstrahlung hatte, war er beim Volk wegen seiner abenteuerlichen Karriere
recht beliebt, wurde mehr und mehr misstrauisch, verschlossen und unzugänglich
wegen seines Schicksals: zeitlebens eigentlich auf der Flucht, durch Attentate
und Prätendenten bedroht wegen seiner umstrittenen rechtlichen Position.
In den Rosenkriegen ging ein Großteil des alten normannisch-englischen
Adels zugrunde, was
Heinrich VII. zur
Stärkung der Krone ausnutzte, in dem er diesen Besitz und den von
geächteten Baronen einzog. Er heiratete aus legitimistischen Gründen
die YORK-Erbin
Elisabeth
und
vereinte damit symbolisch die zwei verfeindeten königlichen Linien
wieder. Heinrich VII. galt mit seiner
pragmatischen, nüchternen Regierungsweise als einer der bedeutendsten
englischen Könige überhaupt, stellte als fähiger Finanzmann
und kluger Organisator das englische Königtum wieder auf sehr stabile
Füße und verschaffte seinem Sohn eine gesicherte Nachfolge.
Er wurde von seiner Mutter und seinem Onkel Jasper
Tudor stark beeinflusst. In der Zeit von 1486-1497 kam es zu Erhebungen
von anderen Prätendenten und Abenteurern, die von den YORKS,
aber auch von Frankreich, Schottland und Spanien unterstützt wurden.
1499 ließ er den letzten YORK-Sproß
Eduard
Plantagenet von Warwick ermorden und erreichte mit geschickter
Hand die allmähliche Pazifizierung des Landes, sicherte die Krone
für sich und sein Haus durch Verträge mit Spanien, Frankreich,
Schottland und Dänemark. Er förderte die englischen Kaufleute
und Fischer durch Handelsverträge mit Florenz und Fischfanglizenzen
in den isländischen Gewässern. Er erkannte, dass Englands Macht
vom Meer abhing und ließ eine erste große Flotte bauen. Er
sanierte die Staatsfinanzen vorbildlich und hinterließ dem Sohn einen
Staatsschatz von 150.0000 Pfund, er verstärkte die Positionen der
Friedensrichter, die er aus der Gentry rekrutierte, um damit die Macht
der adligen Sheriffs einzuschränken.
Heinrich
VII. richtete einen königlichen Rat mit richterlichen Funktionen
ein, die sogenannte "Sternkammer" (Star Chamber), und öffnete England,
das kulturell und lebensstilmässig noch recht mittelalterlich-roh
war, entscheidend dem Humanismus und der Renaissance. Er siechte zuletzt,
früh erschöpft von einem stressvollen Leben. Seinem Sohn hinterließ
er seinen Despotismus.
18.1.1486
oo Elisabeth von York, Tochter des Königs
Eduard IV.
11.2.1466-11.2.1503
7 Kinder:
Arthur Prinz von Wales
20.9.1486-2.4.1502
Margarete Tudor Eventualerbin
29.11.1489-18.10.1541
8.8.1503
1. oo Jakob IV. König von Schottland
17.3.1473-9.9.1513
1514
2. oo Archibald II. Douglas Graf von Angus
- 1527 - 1557
1528
3. oo Heinrich I. Stuart Lord von Methven
1501- 1551
Heinrich VIII.
28.6.1491-21.8.1547
Marie Tudor Eventualerbin
März 1497-26.7.1533
13.8.1514
1. oo Ludwig XII. König von Frankreich
27.6.1462-1.1.1515
1515
2. oo 2. Karl Brandon Herzog von Suffolk
um 1480- 8.1545
Elisabeth
-
Edmund
Febr. 1499- Aug.1500
Katharina
Jan. 1500- 1503
Literatur:
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Baker Timothy: Die Plantagenet in Die großen
Dynastien, Karl Müller Verlag 1996 Seite 43-64 - Baumann Uwe:
Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch
Verlag GmbH 1991 Seite 10,12,15,17, 20,26,35,38,50,57,61,66,99,100 - Brouwer
Johan: Johanna die Wahnsinnige. Glanz und Elend einer spanischen Königin.
Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 57 - Ehlers Joachim:
Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 385
- Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515.
Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 454 - Ferdinandy Michael
de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 Seite 367 - Fraser
Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim
1995 Seite 23-476 - Horst, Eberhard: Die spanische Trilogie Isabella-Johanna-Teresa
Claasen Verlag GmbH Düsseldorf, 1989 Seite 127,188,215 - Jurewitz-Freischmidt
Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen
um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 112,152 -
Kendall
Paul Murray: Richard III. König von England Mythos und Wirklichkeit,
Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 170-456 - Krieger Karl-Friedrich:
Heinrich VII. (1485-1509) in Peter Wende: Englische Könige und Königinnen.
Seite 15-29 - Neale John E. Elisabeth I. Königin von England.
Eugen Diederischs Verlag München 1994 Seite 19,67,72,146, 320,453
- Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag
GmbH Augsburg 1995 Seite 13-15,17-19,23,25,28-34,35-38, 41-42,52,56,59,65,78,99,125,131,135,389,398,400
- Schreiber Hermann: Die Stuarts. Genie und Unstern einer königlichen
Familie. Bechtermünz Verlag GmbH Eltville am Rhein 1995 Seite 15,44,125
- Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der
Renaissance Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 46,78,82,111,116,134,142,145,154,157,286,288
- Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen
Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 17,29,35,109 -
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Baker Timothy: Seite 43-64
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"Die Plantagenet"
"King Harry of the golden crown, our loved one, conquers.
Poets are in better heart, that the world prospers and little Richard is
killed"
Auf diese Weise begrüßte ein walisischer Barde
den Sieg von Bosworth im Jahre 1485: Der letzte PLANTAGENET-König
war wegen seiner Vergehen niedergestreckt und seine verstümmelte Leiche
auf Anordnung Heinrich Tudors nackt
zur Schau gestellt und in ein anonymes Grab geworfen worden. Nur wenige
hatten den Tod Richards III. vorausahnen
können. Das von Heinrich angeführte
Heer war von Karl VIII. von Frankreich
ausgehoben worden, der die Gelegenheit wahrnehmen wollte, einige bei ihm
im Exil lebende, lästig gewordene Engländer loswerden und damit
gleichzeitig Richard III. zu provozieren.
Nach der Landung in S-Wales hatte die kleine Streitmacht aus Frankreich
nur wenig Unterstützung vorgefunden; ihr Vormarsch auf London war
wohl auch eher von dem Wunsch ihres Anführers, dem französischen
Förderer zu gefallen, denn von der Hoffnung auf Erfolg getragen. Heinrichs
Verwandte und deren Anhänger stellten sich erst dann auf seine Seite,
als er durch seinen Sieg König geworden war und ihm ganz England zujubelte.
Heinrich
VII. hatte viel aufs Spiel gesetzt, er sollte niemals wieder
ein so hohes Risiko eingehen; die Fähigkeiten aber, die er bei der
Vorbereitung und Leitung des Feldzuges, bewiesen hatte, waren kein einmaliger
Zufall, sondern sollten hinfort seine Regierungsweise bestimmen.
Heinrich VII. (1495-1509)
war ein Usurpator. Trotz der in seinem Auftrag zu einem späteren Zeitpunkt
konstruierten Thronansprüche hatte er kein Anrecht auf die Krone,
derer er sich mit Gewalt bemächtigt hatte. Sein Großvater Owen
ap Mereddyd (Meridith) ap Tudur (Theodor) stammte von einer weniger
bedeutenden walisischen Familie ab, für die Heinrich
V.
Interesse gezeigt hatte; durch das Wohlwollen des Königs hatte er
einen Posten am königlichen Hof vermittelt bekommen. Nach dem Tode
Heinrichs
V. nahm dessen Witwe, Katharina von
Valois, Owen zum Ehemann und hatte
mit ihm mehrere Kinder. Der älteste Sohn, Edmund,
wurde dem Wunsch seines Halbbruders Heinrich VI.
gemäß mit der reichen Erbin Margarete
Beaufort verheiratet, deren Familie Ansprüche auf die Thronfolge
anzumelden hatte, die aber ihren Vorfahren wegen mangelnder Königswürde
abgesprochen worden waren. Margarete gebar
Heinrich
Tudor am 28. Januar 1457 im Schloss von Pembroke - drei Monate
nach dem frühzeitigen Tod ihres Gatten - im Alter von nur 13 Jahren;
die Geburt war sehr schwer gewesen, so dass das Baby nur durch Kaiserschnitt
in die Welt gesetzt werden konnte. Sie sollte noch 52 Jahre lang leben
und sich zweimal wiederverheiraten. Heinrich sollte
jedoch ihr einziges Kind bleiben. Heute ist bekannt, dass eine frühe
Mutterschaft nicht nur für die Mutter selbst negative Konsequenzen
haben, sondern auch die Gesundheit und die Zeugungsfähigkeit des Kindes
beeinträchtigen können. Da diese Folgen bis in die zweite und
dritte Generation Auswirkungen haben können, liefert der Hergang der
Geburt
Heinrichs
vielleicht eine Erklärung
für die Unfähigkeit seiner Dynastie, die Erbfolge zu sichern.
Obwohl Heinrich seine frühe Kindheit
offensichtlich bei seiner Mutter verbrachte, wurde seine Erziehung im Jahre
1462 einem Grafen anvertraut, der ihn sieben Jahre lang betreute; im Anschluss
daran wurde er von seinem väterlichen Onkel Jasper,
dem Earl von Pembroke, aufgezogen. Seine englischen königlichen Enkel
sollten ebenfalls als Waisen groß werden. Diese gemeinsame Erfahrung
ist vielleicht mit ein Grund dafür, dass er und seine Familie, ganz
im Gegensatz zu den
PLANTAGENET, unfähig
waren, anderen Menschen Zuneigung entgegenzubringen. Den politischen Interessen
seines Onkels Pembroke hatten sie es zuzuschreiben, dass beide 13 Jahre
lang im Exil leben mussten, so dass die Versuche der letzten PLANTAGENET,
"den einzigen und letzten Spross der Brut Heinrichs
VI." gefangen zunehmen, fehlschlugen. Aus dem Exil kehrte er
dann 1485 zurück.
Wenn Heinrich VII.
den Anspruch auf die Krone von seiner Abstammung her abgeleitet hatte,
so war nicht er selbst, sondern seine Mutter der eigentliche Thronfolger.
Sie, die für seine Rückkehr eine Verschwörung angezettelt
hatte, wurde belohnt und erhielt in der neuen Regierung den einer Königinmutter
entsprechenden Status; obwohl man ihr Ehrerbietung entgegenbrachte, hatte
sie dennoch nur geringen Einfluss. Auf zwei Gebieten jedoch - in religiösen
und Bildungsfragen - hatte sie freie Hand; ein Großteil ihrer Berühmtheit
ist auf ihre Anstrengungen in diesen Bereichen zurückzuführen.
In einem Zeitalter, in dem die Unzufriedenheit mit der katholischen Kirche
immer stärker anschwoll und das orthodoxe Christentum immer mehr in
Zweifel gezogen wurde, lebte sie ihren Zeitgenossen Frömmigkeit vor.
Sie hatte erkannt, dass die Wissenschaft Dienerin des Glaubens sein konnte
und förderte insbesondere die Vertreter humanistischer Lehren durch
Geschenke, Ämter und die Einrichtung von Colleges an der Universität
von Cambridge. Heinrich VII. vertraute
ihrer Obhut einige der Erben großer Besitztümer an, und Magnatenfamilien
baten sie um Überwachung der Erziehung ihrer Söhne. Sie war nicht
die erste in England, die den Wert des Lernens zu schätzen wusste.
Ihr Erziehungsdrang trug jedoch dazu bei, dass das Land mit den Veränderungen
auf dem Festland Schritt halten konnte, und versetzte die Engländer
in die Lage, ihren kontinentalen Verbündeten als Gleichgestellte gegenübertreten
zu können. Die Fürsorge, die sie ihren Projekten und Schützlingen
angedeihen ließ, war für sie vielleicht Kompensation für
die mangelnde Zuneigung zwischen ihr und ihrem Sohn: ihr Verhältnis
war korrekt, aber ohne jede Zuneigung. Für Margarete
Beaufort wird er "mein eigener süßer und liebster
König und meine einzige Freude auf Erden" gewesen sein, aber Zeichen
von Liebe, die aus den Worten und Taten weniger erhabener Menschen ersichtlich
sind, können bei ihnen nicht festgestellt werden, wenn man die ihnen
erbrachten stereotypen Zärtlichkeiten außer acht lässt.
In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass ihre Grabstätte - die
im neuen Stil der Renaissance ausgeführt wurde - von ihren Testamentsvollstreckern
und nicht von ihrem Sohn bezahlt wurde, obwohl sie in seiner Nähe
in der von ihm errichteten, herrlichen Kapelle in Westminster beigesetzt
ist.
Heinrich VII. war
ein schlanker, gut gebauter und starker Mann von überdurchschnittlicher
Größe. Sein Gesicht war blass und seine Haarfarbe war - wie
die der ganzen Dynastie - rot. Auch aus seiner walisischen Abstammung schlug
er Kapital: Er führte das rote Drachenbanner und nahm den roten Drachen
in seinen Schild auf. Damit wollte er den Eindruck erwecken, er sei der
Erbe des britischen Heldenkönigs Artus und gekommen, um das goldene
Zeitalter wiederherzustellen. Diesem Plan entspricht auch, dass er seinen
Erstgeborenen Arthur
nannte;
solche Anspielungen trugen allerdings nur wenig zur Stärkung seiner
Stellung bei.
Bevor Heinrich in
London einmarschierte, nahm er den 10-jährigen Neffen und Erben Richards
III., Eduard Plantagenet, den Earl von Warwick, gefangen und
warf ihn in den Tower. Gleichzeitig befreite er seine zukünftige Braut,
Elisabeth
von York, eine der Nichten
Richards
III. und älteste Tochter
Eduards
IV., aus der Gefangenschaft. Obwohl ihr Anspruch auf die Krone
zweifelhaft war, bestand Heinrich
auf
seinem erklärten Ziel. Da das Paar entfernt verwandt war, wurde für
ihre Eheschließung der päpstliche Dispens erforderlich; bevor
dieser jedoch vorlag, war Heinrich
bereits gekrönt und berief sein erstes Parlament ein. So war er bereits
bei der Hochzeit König durch Sieg, Sakrament und von Rechts wegen.
Nun bestand keine Veranlassung mehr für die Behauptung, sein Amt wäre
auf den besseren Anspruch seiner Ehefrau zurückzuführen. Die
Heirat sollte mithelfen, die Spaltung innerhalb des Königreichs zu
beseitigen. Die dadurch symbolisierten Liebesbande schlugen sich für
kurze Zeit auch in der Wirklichkeit nieder; das von dem Herrscherhaus angenommene
Wappenbild aus einer roten (LANCASTER)
und einer weißen (YORK) Rose
sollte auf Dauer daran erinnern. Die Geburt des Sohnes
Arthur ließ aus der Geste handfeste Realität werden,
was sich insbesondere daran zeigte, dass diejenigen, die sich im Jahre
1487 mit Waffengewalt gegen ihn auflehnten, ohne Chance waren, sich durchzusetzen.
Heinrich wollte den
Frieden wahren und ein Wiederaufleben der Spaltung des Reiches verhindern,
die seine Vorgänger in den Ruin geführt hatte. Dabei bewies er
bessere Führungsqualitäten als sie, und seine Familie sollte
darin seinem Vorbild folgen. Rivalisierenden Thronanwärtern wurde
mit Großzügigkeit begegnet, solange sie dies nicht als Schwäche
auslegten und sich gegen ihn verschworen. Es bestand nicht der geringste
Zweifel, wer die Autorität innehatte. Er und seine Familie waren die
Herrscher und erwarteten Gehorsam. Diese Haltung schlug jedoch nicht in
Tyrannei um, da die Krone nicht über die Mittel verfügte, ohne
Unterstützung ihrer Untertanen handeln zu können. Die Entscheidungen
der TUDOR
stimmten mit den Forderungen derjenigen überein, auf denen ihre Macht
beruhte, und ließ diese - trotz gegenteiliger Behauptungen - nur
selten unberücksichtigt. Die Dynastie besaß die Eigenschaft,
sich mit den Interessen einer bestimmten Gruppe ihrer Untertanen zu identifizieren,
und diese Fähigkeit wurde zuerst bei ihrem Begründer offenbar.
Bei seiner Thronbesteigung war Heinrich
VII.
auf sein Amt völlig unvorbereitet. Als Junge hatte
er eine so große Lernbegabung gezeigt, die seine Erzieher immer wieder
erstaunt hatte. Seine Ausbildung wurde jedoch durch die Flucht des Onkels
auf den Kontinent abgebrochen, so dass in späteren Zeiten nur festgestellt
werden konnte, dass er "nicht bar jeglicher Bildung" war. Er beherrschte
auch mehrere Sprachen. Im Exil hatte er die Armut erlebt und die Seichtheit
von Versprechungen kennen gelernt. Er hatte zwar seine Zähigkeit unter
Beweis gestellt, an organisatorischer Erfahrung aber gebrach es ihm völlig.
Deshalb stimmt es nicht verwunderlich, dass er zu Anfang einige Leistungen
seiner Vorgänger nicht richtig einzuschätzen vermochte, obwohl
er diejenigen in seinem Dienst behielt, die für jene Neuerungen verantwortlich
waren. Dieses Manko war ihm bewusst, und er bemühte sich, es durch
Fleiß auszuräumen. Sein bemerkenswertes Gedächtnis war
ihm bei dem Vorsitz in seinem Rat eine große Hilfe, so dass ein prüfender
Blick auf die wichtigsten Staatsdokumente genügte, um sie dann sofort
korrigieren und unterzeichnen zu können. Vieles von dem, was er fälschlicherweise
über Bord geworfen hatte, wurde, als er von seinem Wert überzeugt
war, wiedereingeführt. Mit der Zeit wurden auch die nach seiner Thronbesteigung
unterbrochenen Reformen von neuem aufgenommen.
Um 1500 ließen sowohl seine Gesundheit als auch
seine Regierungsfähigkeit nach, wodurch sein Rückzug von der
alltäglichen Verwaltungsarbeit beschleunigt wurde; er hatte aber seine
Leute gut ausgewählt: "Keiner wagte es, die Oberhand über ihn
zu gewinnen." Seine Regierung folgte auch weiterhin bis zu seinem Tode
den von ihm bestimmten Richtlinie. Sein innen- wie auch außenpolitisches
Ziel war es, sein Haus und damit seinen Staat zu schützen, und darin
war er erfolgreich. Er starb nicht mittellos - eine bemerkenswerte Leistung,
die 300 Jahre lang keinem anderen englischen König gelungen war -
und hinterließ Heinrich VIII.
ein kleines Vermögen. Seinen größten Triumph aber konnte
er auf dem Gebiet der Diplomatie verzeichnen. Als Usurpator war er von
seinen Landsleuten nur kühl empfangen worden, bei seinem Tode jedoch
hatte er das Ansehen eines Mannes, den man nicht gerne gehen lässt.
Dies alles hatte er erreicht, obwohl er nur in den Krieg gezogen war, wenn
es unerlässlich erschien. Das Ehebündnis, das er zwischen seiner
Tochter Margarete und Jakob
IV. von Schottland zustande brachte, sollte sich als entscheidend
erweisen, da nach dem Aussterben der TUDOR-Familie
der Erbe der englischen Krone von ihm kommen sollte.
Der Hof Heinrichs VII.
lebte bescheidener als die Höfe auf dem Festland, was nicht auf Geiz,
sondern einzig darauf zurückzuführen war, dass England kein wohlhabender
Staat war. Heinrich VII. war umgänglich,
liebenswert und gastfreundlich und vergaß trotz seiner Leidenschaft
für Tennis und Kartenspiel nicht, "dass er seine königliche Majestät
wahren" musste. Er ließ seinen Lieblingspalast in Richmond "nach
der neuesten Art mit allen Annehmlichkeiten" umbauen. Sein Behagen am guten
Leben schloss jedoch nicht aus, dass er ernsthaften religiösen Überzeugungen
nachhing. Er duldete die Ordensregeln der Franziskaner und leistete der
Heiligsprechung seines Onkels Heinrich VI.
Vorschub, indem er die Kapelle der Jungfrau in der Westminsterabtei so
umgestalten ließ, dass das zukünftige Heiligengrab dort untergebracht
werden konnte. Letztlich aber wurde nicht Heinrich
VI. dort neu beigesetzt, sondern die Kapelle - das schönste
Denkmal Heinrichs VII. - diente als
seine eigene letzte Ruhestätte.