Begraben: Fontevrault
Ältester Sohn des Grafen
Gottfried V. Plantagenet von Anjou und der Mathilde
von England, Tochter von König
Heinrich I.
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2050
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Heinrich II., König von England 1154-1189
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* 25. März 1133, + 6. Juli 1189
Le Mans
Chonon
Begraben: Fontevrault
Stammte aus dem Haus PLANTAGENET (Vater: Gottfried [Geoffrey] Plantagenet, Graf von Anjou [Angers], Mutter Kaiserin Mathilde)
oo 1152 Eleonore, Erbin des Herzogtums Aquitanien
Kinder:
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Wilhelm
Heinrich der Jüngere
Richard I. Löwenherz
Geoffrey
Johann (Ohenland)
Johanna (oo Wilhelm von Sizilien)
Eleonore (oo Alfons VIII. von Kastilien)
Mathilde (oo Heinrich der Löwe)
Von seinem Vater erhielt Heinrich
II. 1149 das Herzogtum Normandie, 1151 erbte er das Anjou.
1153 landete er - in Verfolgung des Thronanspruchs seiner Mutter - in England,
schloß mit König Stephan von Blois
eine Nachfolgevereinbarung und wurde nach Stephans
Tod zum König gekrönt. Eine seiner ersten öffentlichen Handlungen
war die Sicherung der Erbfolge für seinen ältesten Sohn Wilhelm
(+ 1156), sodann für Heinrich
den Jüngeren. Sowohl in seinem englischen wie kontinentalen
Machtbereich bemühte sich Heinrich II. nachdrücklich
um die Wiederherstellung und Ausdehnung der Herrschaftsrechte. 1157 leistete
Malcolm
IV., König von Schottland, ihm den Huldigungseid. Im selben
Jahr nötigte Heinrich II. die
Fürsten des nördlichen und südlichen Wales zur Unterwerfung
und Anerkennung der unter den normannischen Königen Englands gemachten
Eroberungen. 1158 erbte Heinrich II.
von seinem Bruder Gottfried die Bretagne.
1160 gelang ihm der Rückerwerb von Grenzgebieten der Normandie.
In England setzte Heinrich II.
den
Kampf für eine Wiederherstellung der unter Heinrich
I. intakten, während der Regierungszeit Stephans
von Blois aber entfremdeten Kronrechte fort. Die Konstitutionen
von Clarendon (1164), die das Verhältnis von geistlicher und weltlicher
Gewalt regelten, erregten den Widerspruch einiger Prälaten, insbesondere
des Erzbischofs von Caterbury, Thomas Becket. Der durch persönliche
Antipathie verschärfte Konflikt gipfelte in der Ermordung Beckets
(1170), der das Interdikt folgte. Nach Heinrichs
II. Buße kam es zu Verhandlungen zwischen dem König
und Alexander III., die zur Beilegung der rechtlichen und kirchenpolitischen
Streitpunkte führten. Die Eroberungen, die
Heinrich II. in Irland machte, boten dem Papsttum Gelegenheit,
die noch wesentlich nach den überkommenen irischen Gewohnheiten verfaßte
irische Kirche unter römische Kontrolle zu bringen.
Hauptetappen der Irlandexpansion Heinrich
II. waren:
1155 eine erste Intervention, um seinen Bruder Wilhelm
Langschwert mit einem Herrschaftsgebiet zu versorgen;
1170 - ohne direkte Beteiligung des Königs - eine
erfolgreiche Invasion normannischer Barone aus dem südlichen Walles,
zwecks Unterstützung des vertriebenen Königs von Leinster; Dermot
mac Mrrough, mit anschließender anglonormannischer Ansiedlung
in Irland.
1171 erschien Heinrich II.
persönlich in Irland und ließ sich dort von Normannen wie Iren
huldigen.
Als Sieger zurückgekehrt, verfügte Heinrich
II. über die beste Ausgangsposition für seine in der
Normandie stattfindenden Verhandlungen mit den päpstlichen Legaten,
durch die er seine schwierige persönliche Situation nach Beckets Ermordung
überwand. 1172 bestätigte Alexander III. ihn als Herrn über
Irland. Die Verlobung Johanns mit Alice,
der Tochter Humberts II. von Maurienne und Savoyen, löste 1173-1174
wegen der reichen kontinentalen Mitgift einen Aufstand der älteren
Prinzen aus, die von ihrer Mutter Eleonore,
den Königen von Frankreich und Schottland sowie von einigen Aristokraten
in Heinrichs Herrschafstbereich unterstützt
wurden, wohingegen der Großteil der Aristokratie loyal zum König
stand, der sich 1174 erfolgreich durchsetzte.
Das letzte Jahrzehnt der Regierung Heinrichs
II. stand unter ungünstigen Vorzeichen:
Sein Schwiegersohn Heinrich der Löwe mußte
nach seinem Sturz Exil in England nehmen (1182-1184). Nach dem Tode der
Söhne Heinrich (+ 1183) und Geoffrey
(+ 1186) schlossen sich Richard
und Johann gemeinsam mit König
Philipp II. August von Frankreich zu einer Verschwörung
gegen ihren Vater zusammen. Nach Ausbruch des offenen Krieges (1188) zeigten
sich Philipp und Richard
überall siegreich; Heinrich II.
starb besiegt und gedemütigt. Bleibende Hinterlassenschaft
der Regierung Heinrichs II. waren Regierungs-,
Verwaltungs- und Rechtsreformen. Das Finanzwesen beruhte auf dem Exchequer,
während das Gerichtswesen an die Stelle der älteren, stärker
gewohnheitsrechtlichen und oft willkürlichen Verfahrensweisen nun
einheitlichere, zunehmend auch durch Gesetzgebung geregelte Prozeßreformen
setzte, wobei die beiden processory assizes (Besitzverordnungen),
nämlich novel disseisin (1166) und mort d'ancestor
(1176), sich als am langlebigsten erwiesen.
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Heinrich II. Courtmantle
war athletisch, mutig, gebildet, cholerisch, hart und ein Schürzenjäger.
Er wurde 1151 Graf von Anjou, Touraine und Maine, Herzog
der Normandie, 1152 Herzog von Poitou-Aquitanien-Guyenne, 1153
durch den Frieden von Wallingford englischer Thronerbe und 1154 König
von England und Herrscher im "Angevinischen Reich". Er setzte die Heiligsprechung
von Eduard III. dem Bekenner durch
und gewann bald alle königlichen Rechte und Besitzungen zurück,
die während des Thronkrieges von den Baronen okkupiert worden waren.
Von 1155 bis 1162 war sein Freund und Saufkumpan Thomas Becket Kanzler,
der anschließend zum Erzbischof von Canterbury und Primas ernannt
wurde. Der Erlaß der Konstitutionen von Clarendon 1164, die die Kompetenzen
der kirchlichen Gerichtsbarkeit einschränkten und die Appellation
an das Papsttum untersagte, führte zum Konflikt mit der Kirche. Seitdem
brach ein erbitterter Streit mit Becket, der fliehen mußte und wohl
auf Heinrichs Veranlassung 1170 im
Dom von Canterbury ermordet wurde, aus. Heinrich
wurde
exkommuniziert, unterwarf sich 1172 der Kirchenstrafe (öffentliche
Auspeitschung) und mußte die antikirchliche Gesetzgebung einschränken.
Er geriet oft in Gegensatz zu seiner intrigenreichen, ehrgeizigen Frau,
die immer wieder die Söhne gegen Heinrich
aufstachelte und setzte sie ab 1172 gefangen. 1172 begann er mit der Unterwerfung
von Irland, stand ständig gegen Frankreich und Schottland und gewann
Vexin/Pontoise
von Frankreich zurück, versuchte 1159 Toulouse zu erobern und gewann
die Hoheit darüber, unterwarf Aufstände in Wales und Schottland,
verbündete sich unter anderem mit Savoyen, Provence und Kastilien-Leon,
gewann 1166 die Bretagne und beherrschte damit den größten
Teil Frankreichs. Er hielt sich im Schisma zurück und näherte
sich aus taktischen Gründen Kaiser FRIEDRICH
I. BARBAROSSA. Er engte durch Rechts- und Gerichtsreformen die
baroniale Gerichtsbarkeit entscheidend ein, baute das Gewohnheitsrecht
ab, schuf die Grundlagen des "Common Law" und führte Geschworenengerichte
ein. Heinrich war der mächtigste
und bedeutendste englische König. Sein Leben endete in furchtbaren
Zerwürfnissen mit seinen Söhnen, hinter denen die erwachende
Kraft des kapetingischen Königtums
stand; da er sich durch die Aufnahme des geächteten Heinrichs des
Löwen auch mit dem Kaiser verfeindet hatte, drohte ihm die politische
Isolation. Heinrich fiel im Kampf gegen
aufständische Barone.
Da die Schatzkammer leer war, raubten die Diener des
Königs, da sie nicht entlohnt werden konnten, dessen Kleider und machten
sich aus dem Staube, die Leiche nackt zurücklassend.
Baker Timothy: Seite 43-64
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"Die Plantagenet"
Als König Stephan
kinderlos starb, sicherte sich Heinrich
das gesamte Erbe seiner Mutter und nahm seinem jüngeren Bruder ungerechtfertigterweise
Anjou und Maine ab. Demzufolge war er bereits mächtiger als alle seine
Vorfahren, bevor er noch einen der großartigsten Schachzüge
der Geschichte durchführte und sich mit Eleonore
von Aquitanien nach ihrer Scheidung von Ludwig
VII. von Frankreich verehelichte. Mit einem Schlag wechselte
Poitou und die Territorien südlich der Gascogne den Besitzer, und
Heinrichs
Regierungsgebiet
umfaßte den gesamten Westen Frankreichs. Die Bretagne kam später
durch die Eheschließung eines seiner Söhne hinzu, die keltischen
Stammeshäuptlinge von Wales und Irland wurden gezwungen, seine Oberlehnsherrschaft
anzuerkennen. Auf diese Weise dehnte sich das Angevinische Reich immer
mehr aus; es erstreckte sich von den Höhenzügen an der schottischen
Grenze bis hin zu den Weinbergen am Fuße der Pyrenäen und umfaßte
in Frankreich mehr Land als dessen eigener König besaß. Heinrich
II., der erste PLANTAGENET,
der England regierte, war der mächtigste Herrscher in Europa. Keiner
seiner Nachfolger hatte eine solche Macht auf dem Festland. Niemand konnte
seine Heldentaten vergessen.
Ein einziger Mann hielt dieses Reich zusammen, das keine
nationale Basis besaß und weder sprachlich noch rechtlich eine Einheit
bildete. An der Spitze Englands hatten seit der Eroberung durch die Normannen
französisch sprechende Herrscher gestanden; während französisch
sprechende Herrscher zur teutonischen Einflußsphäre gehörte
und dort das Gewohnsrecht und die langue d'oil vorherrschten, wurden in
Aquitanien fast überall das Römische Recht und die langue d'oc
praktiziert. Im Europa der Feudalzeit war eine solche Unterschiedlichkeit
an der Tagesordnung, denn das Gebiet war unter verschiedenen Familien aufgeteilt
und die Gesellschaft pyramidenförmig zusammengesetzt mit kleinen Landeigentümern
als Vasallen größerer Herren, von denen die mächtigsten
ihre Ländereien vom König selbst als Lehen erhielten.
Eine gewisse Einmaligkeit war der Kirche zu verdanken,
die die lateinische Sprache benutzte und an jeden christlichen Herrscher
bestimmte Forderungen richtete. Die verhängnisvolle Schwäche
des Angevinischen Reiches lag darin, dass es sich nicht reibungslos in
das feudale System eingliederte. Heinrich II.
war
nur in England Souverän. Obwohl er der mächtigste Mann südlich
des Kanals war, war er dennoch theoretisch Kronvasall des Königs von
Frankreich. Ein solcher Vasall, der England als Macht hinter sich hatte,
stellte für das französische Königshaus eine tödliche
Bedrohung dar. Daraus ergab sich ein ständiger Konfliktstoff, der
letztendlich nur durch einen Verzicht der englischen Könige auf alle
Ansprüche auf dem Kontinent oder durch die Zerstörung der französischen
Monarchie hätte beendet werden können. Der spätere "Hundertjährige
Krieg" war lediglich eine Episode in der Geschichte einer langen Auseinandersetzung,
die mit der Eroberung der englischen Krone durch einen Normannen begonnen
hatte. Die Rivalität zwischen den PLANTAGENET
und
den KAPETINGERN, die durch viele fruchtlose
Verträge unterbrochen wurden, führte W-Europa im Mittelalter
ins Verderben.
"Bald in Irland, bald in England, bald in der Normandie
sollte er eher fliegen, anstatt mit Schiff und Pferd zu reisen", rief der
französische König aus, den die phänomenale Tatkraft Heinrichs
II. verwirrte. Aber auch Heinrich,
der ein turbulentes Leben führte, war darauf angewiesen, sich auf
jene zu stützen, die aus der Kontinuität des Reiches den größten
Nutzen ziehen würden, nämlich seine eigenen Kinder. Es wurde
eine Art Familienbund gegründet, durch den Eleonore
und
später ihr zweiter Sohn Richard
Aquitanien, der älteste Sohn Heinrich als
Verbündeter seines Vaters die Krone, der dritte Sohn Gottfried
die Bretagne und der jüngste, Johann,
die Grafschaft Irland erhalten sollten. Es war ein gewagtes Experiment,
vielleicht die einzig mögliche Lösung, die jedoch von ihrer Loyalität
abhing. Das Reich war wie ein glitzerndes Schmuckstück, dessen einzelne
Steine nur locker gefaßt waren. Die Nachbarn begehrten es, und wenn
die Eigentümer selbst sich nicht darüber einig waren, würden
sie es ihnen entreißen und die Juwelen gingen verloren.
Die einzigartige Stärke der PLANTAGENET,
die unter Stephan geschwächt worden
war, lag in der englischen Krone. Die Krone machte sie vor Gott für
Krieg und Gerechtigkeit verantwortlich. Sie setzte sie in die Lage, als
Gleichgestellte mit den französischen Königen zu verkehren, und
in Paris waren sie ob ihrer Macht gefürchtet. In England genoß
die Monarchie bereits ein einmaliges Ansehen, das die Dynastie sich zunutze
machte und das niemals nachließ. Die vor der Eroberung üblichen
Krönungsfeierlichkeiten, die bis heute im großen und ganzen
die gleichen geblieben sind, verpflichteten nicht nur den König seinem
Volk, sondern verliehen ihm gleichzeitig eine von Gott gesegnete Autorität.
Daraus ergab sich der alte, regelmäßig zur Schau gestellte Anspruch,
der König könnte Skofulosekrankheiten durch Handauflegen heilen.
Heinrich II. sollte bald schon die
Stellung seiner Familie noch weiter verstärken, indem er die Heiligsprechung
König Eduards des Bekenners bewirkte,
als dessen Erbe sich Wilhelm der Eroberer angesehen
hatte. Die KAPETINGER mußten
noch ein weiteres Jahrhundert warten, bis sie sich ihres ersten Heiligen,
Ludwig IX., rühmen konnten.
Wilhelm der Eroberer
hatte England ein einzigartiges Verwaltungssystem gegeben, das auf der
regelmäßigen Eintreibung von Steuern basierte, und hatte das
Land erfolgreich unter seinen Nachfolgern aufgeteilt, deren Verpflichtung
gegenüber der Krone damit abgesichert war. Heinrich
I. hatte die Macht des Königs gestärkt, und Heinrichs
II. erste Aufgabe lag darin, sie zu festigen und auszubauen.
Die innere Ordnung wurde wiederhergestellt. Er war bald schon in der Lage,
noch weiter zu gehen, denn er bot die Gewähr, dass die königliche
Gerechtigkeit für alle freien Menschen gleichermaßen galt. Trotz
des Widerstandes seitens des Klerus, aus dem sich die tragische Auseinandersetzung
mit seinem ehemaligen Freund, dem Erzbischof Becket, entwickelte, konnte
sich Heinrich
durchsetzen. Das von
ihm geschaffene rechtliche Fundament wurde niemals zerstört. Diese
Tatsache allein reicht schon aus, den ersten
PLANTAGENET-König,
der vielleicht der größte war, mit Wilhelm
dem Eroberer
zu den Begründern Englands zu zählen.
Für Heinrich
selbst war die Arbeit in England lediglich Mittel zum Zweck, denn er war
mehr darauf aus, sein gesamtes Reich im Griff zu behalten und in Europa
Eindruck zu machen. Er war schließlich und endlich kein Engländer,
obwohl Heinrich I. eine ehemalige englische
Prinzessin geheiratet hatte und somit Mathilde
und
allen nachfolgenden Regenten das Blut der alten, auf die Sachsen im 6.
Jahrhundert zurückgehenden Königslinie übermittelt hatte.
Heinrich
II. war französischer Abstammung und hatte eine aus dem
Süden kommende Frau. Die beiden Söhne, die ihn ablösten,
waren wie die meisten ihrer Nachfolger in England geboren; es mußten
jedoch nochmals 200 Jahre vergehen, bis am Hof englisch gesprochen wurde.
Die PLANTAGENET
vermischten sich mit
den europäischen Königshäusern, denn die Schwiegersöhne
Heinrichs II. regierten in Sachsen, Sizilien und Kastilien.
Vor Richard II. Ende des 14. Jahrhunderts
hatte kein englischer König des Mittelalters eine einheimische Mutter,
und bis in die letzten Jahre um 1460 gab es auch keine Königin, die
von Geburt Engländerin war.
Die Probleme Heinrichs II.,
die sich daraus ergaben, dass er England unter Kontrolle halten und gleichzeitig
seine Stellung auf dem Kontinent festigen wollte, übertrugen sich
auf alle seine Erben. Seine Tugenden und Fehler prägten zum Teil auch
wieder deren Leben, und seine Prioritäten wurden allgemein, aber mit
unterschiedlichem Erfolg, weiterverfolgt. Es liegt eine gewisse Ironie
in der Tatsache, dass die Plantagenet hauptsächlich wegen ihrer Funktion
beim Aufbau der englischen Regierung und des Inselstaates selbst geschätzt
werden, obgleich doch so viele von ihnen ihr Herz eigentlich jenseits des
Kanals verloren hatten.
Die Persönlichkeit Heinrichs
II. steht klarer vor uns als die
anderen PLANTAGENET. Sein Aussehen
war nicht so angenehm wie das der meisten Familienmitglieder; er war untersetzt,
von mittlerer Größe, rothaarig, hatte Sommersprossen und harte,
graue Augen, die bei Wutanfällen blutunterlaufen waren. Es muß
sein energiegeladenes Temperament gewesen sein, das ihn zu "einer Person,
die die Menschen 1.000 mal anstarrten", machte. Er trug sein Haar kurz,
schritt in einem kurzen Umhang einher, dem er seinen Beinamen "Kurzmantel"
verdankt, erledigte sehr viel im Stehen, ruhte sich hauptsächlich
während der Jagd aus und redete im Gottesdienst, wo er auch wegen
nervöser Zappelei auffiel. Mit seinem Wissensdurst, hartem Geschäftssinn,
erstklassigem Gedächtnis und seiner klugen Menschenkenntnis war Heinrich
einer der befähigsten Männer für das Königsamt. Seinem
Hof, der viel unterwegs war, machte er das Leben schwer.
Die schöne und heißblütige Eleonore
von Aquitanien, die nach ihrer im Einverständnis mit dem
als Mönch lebenden König Ludwig vollzogenen
Scheidung Heinrichs Vermögen vermehrte,
war ebenfalls eine dominierende Persönlichkeit. Mit seinem Alter von
19 Jahren war Heinrich ebenfalls jünger
als seine Braut, aber schon früh mit den Amtsgeschäften betraut.
Eleonore war - wie ihr neuer Gatte
auch - gebildet, ungestüm und unfähig, eine Kränkung hinzunehmen.
Mit ihren Kapriolen hatte sie Ludwig
in
Abenteuer gestürzt; sie hatte ihn auf einem Kreuzzug begleitet und
ihn durch ihr schlechtes Betragen verärgert. Man kann annehmen, dass
sie Heinrich, dem sie 8 Kinder schenkte,
zu Anfang liebte; sie konnte es ihm jedoch nicht verzeihen, dass er ihr
nicht treu war. Die Königin lebte dann zurückgezogen in Poitou,
wo sie sich der Literatur und der Minne widmete. Sie stellte für den
überaus empfindlichen Adel eine große Herausforderung dar und
bediente sich ihrer Söhne, um gegen Heinrich
zu arbeiten. Eine solche Frau konnte jeden Hoffnungsfunken auf Einigkeit
in der Familie auslöschen.
Eigensinn und hitziges Temperament waren das Verderben
Heinrichs
II. In England büßte er nach dem Mord an Becket,
der von vier Rittern, die einen Wutausbruch ihres Herrn gegen den Erzbischof
mitbekommen hatten, ausgeführt worden war, fast den Thron ein. Als
seine Söhne erwachsen wurden, lebte er sehr bald schon in stetiger
Unruhe, da er nie sicher sein konnte, ob nicht der eine oder andere mit
Unterstützung der Mutter und des darauf lauernden französischen
Königs einen Aufstand gegen ihn anzetteln würde.
Heinrich,
der lieber Titel als wirkliche Macht verlieh, forderte sie geradezu heraus
und zog ihren Haß auf sich. Vergeblich versuchte er, Rebellionen
niederzuschlagen und die Königin gefangenzunehmen. Das Intrigenspiel
wurde von Paris aus immer wieder neu gesponnen. Als scharfen Kritiker der
Kirche wurde ihm von den Chronikschreibern nur wenig entgegengebracht:
Eleonore
war
mit seinem Oberlehnsherrn verheiratet gewesen, und sie erachtete es als
richtig, dass nun der habgierige Vater von seiner eigenen Nachkommenschaft
bestraft wurde. Da sich seine Familie aus Undankbarkeit und Kurzsichtigkeit
gegen ihn stellte, war er schließlich gezwungen, beim französischen
König Philipp August Schutz zu suchen. Er starb in Le Mans
und bot noch ein klassisches und mitleiderregenden Beispiel für gebrochenen
Stolz, indem er ausrief: "Schande über einen eroberten König!"
18.5.1152
oo 2. Eleonore von Aquitanien, Tochter des
Herzogs Wilhelm X.
1122-1.4.1204
Kinder:
Wilhelm
17.8.1153- 1156
Heinrich (III.)
28.2.1155-11.6.1183
Mathilde
1155-28.6.1189
1.2.1168
oo 2. Heinrich der Löwe Herzog von Sachsen
1129-6.8.1195
Richard I. Löwenherz
8.9.1157-6.4.1199
Gottfried II. Herzog der Bretagne
23.9.1158-19.8.1186
Eleonore
13.10.1162-21.10.1214
1177
oo Alfons VIII. König von Kastilien
11.11.1155-6.10.1214
Johanna
10.1164-24.9.1199
Angers
13.2.1177
1. oo Wilhelm II. König von Sizilien
1154-16.11.1189
1196
2. oo 4. Raimund VI. Graf von Toulouse
27.10.1156-2.8.1222
Johann Ohneland
24.12.1167-19.10.1216
Illegitm von Rosamunde Clifford
- 1171 ermordet
Wilhelm II. Longespee Graf von Salisbury
- 1226
siehe bei Ordner Grafen Salisbury-Longspee
Gottfried Bischof von Lincolm (1173-1189)
- 1212 Erzbischof
von York (1189-1212)
Er war eine treue Stütze seiner königlichen
Brüder.
Literatur:
-----------
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Wiesbaden 1993, Seite 11,12,21,55,56,111,115,203 - Die Staufer im
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Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft
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