Elisabeth I.                                              Königin von England (1558-1603)
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7.9.1533-24.3.1603
Greenwich Richmond
 

Einzige Tochter des Königs Heinrich VIII. von England aus seiner 2. Ehe mit der Anna Boleyn, Tochter von Graf Thomas von Wiltshire
 

Lexikon der Renaissance: Seite 224
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Elisabeth I., seit 1558 Königin von England und Irland
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* 7.9.1533, + 24.3.1603
Greenwich   Richmond

Tochter Heinrichs VIII. (Haus TUDOR) aus der Ehe mit Anna Boleyn

Elisabeth I. stand in der Thronfolge auf dem 3. Platz hinter ihren Halbgeschwistern Eduard und Maria, sie war in ihrer Jugend mehrfach ernsthaft an Leben und Freiheit bedroht. Während der Gegenreformation unter Maria I. richtete sich die Hoffnung der englischen Protestanten auf Elisabeth I. Als Königin umgab sie sich mit fähigen Ratgebern, behielt sich aber alle wichtigen Entscheidungen selbst vor. Auf kirchenpolitischem Gebiet fand unter Elisabeth der Anglikanismus seine endgültige Ausprägung; der königlichen Suprematie und deren Garantie durch das Episkopat kamen entscheidende Bedeutung zu. Da von katholischer Seite die Legitimität der Herrschaft Elisabeths I. angefochten wurde und durch ihre Ehelosigkeit die Nachfolgefrage offenblieb, war Maria Stuart als potentielle katholische Kronprätendentin eine ständige Gefahr; Elisabeth I. ließ sie 1587 hinrichten. Elisabeth I. protegierte die überseeische Expansion, deckte Piratenaktionen gegen spanische Bersitzungen und unterstützte den Aufstand in den Niederlanden, konnte aber einen offenen Konflikt mit Spanien bis 1585 hinauszögern. Der Versuch Philipps II., 1588 mit der Großen Armada in England zu landen, wurde durch die kleine, aber kampfkräftige königliche Flotte und die uneingeschränkte Unterstützung der Landesverteidigung durch das Bürgertum abgewehrt. Beim weiteren Kampf gegen Spanien bevorzugte Elisabeth I. eine zurückhaltende, kräfteschonende Strategie; nur ausnahmsweise wurde England offensiv (1589,1595/97). In der Unterhausdebatte um die Vergabe königlicher Monopole zeigten sich 1601 erstmals Gegensätze zwischen der Krone und bürgerlich-neuadligen Klassenkräften. Elisabeth I. sah sich zu einem Kompromiß genötigt. Die stark von ihrer Persönlichkeit geprägten 45 Regierungsjahre Elisabeths I. bildeten Höhepunkt und Abschluß der Herrschaft der Dynastie TUDOR und eine Blütezeit der englischen Nationalkultur.
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Frauen der Weltgeschichte: Seite 148
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Elisabeth I. von England
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7.IX.1533-24.III.1601

Die "jungfräuliche Königin" regierte ihr Land mit beispiellosem Erfolg über 44 Jahre. Englands Aufstieg in dieser Zeit war wesentlich ihrer Politik zu verdanken, der klugen Weisheit ihrer Regierung. Als sie die Herrschaft antrat, schwankte das aufgestörte Land unentschieden zwischen zwei Religionen in einem Zustand der Lebensunsicherheit, der den Regierungen ihrer drei Vorgänger verhängnisvoll gewesen war. Ohne Krieg, mit kühl abwägender Berechnung, gab Elisabeth ihrem Land Ruhe und Stetigkeit der Religionsausübung in der Sonderform der Anglikanischen Kirche. Die Ungewißheit der Thronfolge vermochte sie, selber in ihrer Legitimität zur Krone angreifbar und durch ihre Rivalin Maria Stuart bedrohlich gefährdet, so zu beseitigen, dass ihr Nachfolger nahezu einhellige Zustimmung fand. Das "melancholische" Temperament des Engländers erfuhr unter ihrer Regierung eine grundlegende Wandlung. Initiative, Selbstvertrauen, kühne Unternehmungslust, Nationalstolz erwachten und  griffen in die Welt hinaus. 26 Jahre erhielt sie dem Lande den Frieden, und die darauffolgenden 18 Jahre des Krieges waren für das Volk nahezu dem Frieden gleich: Der Feind konnte England nicht erreichen, und der lange Seekrieg mit Spanien hatte inneren Aufschwung und äußere Entfaltung zur Folge. Die wachsam und überlegen, mit größter Selbstbeherrschung gelenkte Entwicklung der Dinge rechtfertigte Elisabeths Glauben an die Zeit. Was die Generation ihrer Jugend aufgewühlt hatte, war verstummt, neue Ideale waren aufgetaucht. Englands Größe - so urteilt die Geschichte - wurzelt in den 44 Jahren der Herrschaft Elisabeths. Als Charakter war die Königin anfechtbar, ein Mensch mit vielen Schwächen und Fehlern. Als Königin ihres Landes aber war sie eine eigenwillige, stark persönlich geprägte Gestalt von hoher Überlegenheit.
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Elisabeth I. litt zeitlebens unter dem Makel ihrer Geburt, galt sie doch nach der Hinrichtung ihrer Mutter jahrelang als unehelich, für die katholische Welt zeitlebens; es gab sogar Stimmen, die meinten, Heinrich sei nicht ihr Vater. Sie war sehr gut ausgebildet, sprachbegabt, musizierte gut und gern und war ihrer Schwester Maria verhaßt, da sie auf sich alle Hoffnungen derer vereinte, die die Papisten ablehnten. Zeitweise wie eine Gefangene gehalten, wurde sie letztlich doch als Erbin anerkannt und 1558 Königin. Ihr Verhalten schwankte zwischen steifer Hofetikette und recht derben Sitten wie Saufen, Spucken und Fluchen. Sie konnte großzügig und generös sein, aber auch kleinlich, nachtragend und reizbar, sie litt wohl sehr unter der von ihr sich selbst auferlegten Keuschheit, wobei sie eventuell das Schicksal ihrer Mutter und Stiefmutter vor Augen hatte. Sie war keine Schönheit, konnte sehr charmant sein, liebte Schmuck und modische Kleidung und konnte sich bei ihrer Garderobe sehr verirren, denn 70-jährig trug sie noch bis zum Nabel ausgeschnittene Kleider, handelte politisch klug, überstürzte nie eine Entscheidung, konnte allmählich das Land beruhigen, setzte 1571 mit der Uniformitätsakte endgültig die anglikanische Hochkirche durch und wurde 1570 als letzte europäische Fürstin päpstlich gebannt. Sie provozierte mit der Uniformitätsakte erste puritanische Gemeinden und eine verstärkte Auswanderung, wie es auch schon unter Maria I. geschah. Sie fand immer wieder Männer, die England zur Seegroßmacht machten. 1577-1580 umsegelte Francis Drake die gesamte Welt und wurde der Mitbegründer der englischen Seemacht und des Freibeutertums gegen Spanien. 1584 gründete Sir Walter Raleigh zu Ehren der Königin die Kolonie Virginia in Amerika. 1600 entstand die "Ostindische Kompanie", womit aber auch die Rivalität zu den Niederlanden begründet wurde, deren Befreiungskrieg Elisabeth I. ab 1573 aktiv gefördert hatte. 1572 kam das sensationelle Bündnis mit Frankreich zustande, das bis 1584 hielt. In der Zeit von 1568-1587 gab es mehrere Verschwörungen und Aufstände zugunsten von Maria Stuart, die ab 1568 ihre Gefangene war. Ihre Hinrichtung führte zum Krieg mit Spanien. Die gegen England entsandte spanische Armada unterlag der englischen Flotte 1588 in der entscheidenden Kanalschlacht bei Gravelingen. 1589 scheiterte der Versuch, Portugal zu befreien, 1595 beherrschten irische Aufstände die englische Politik, 1596-1601 dominierte der Schönling und Hasardeur Robert Devereux Graf von Essex, der 1601 offen rebellierte und hingerichtet wurde. Handel und Schiffahrt erlebten einen großen Aufschwung und die deutsche Hanse wurde aus ihrer bisher führenden Stellung im englischen Handel verdrängt, ihr Londoner Kontor 1598 eingezogen. Elisabeth I. hatte viele harte Auseinandersetzungen mit den Parlamenten um Kompetenzen und Vorrang, bewahrte wohl eine königliche Vorrangstellung, verstärkte durch häufige Einberufung das Selbstbewußtsein des Parlaments, in dem sich das puritanische Element immer mehr verstärkte. Sie sorgte für gute finanzielle Verhältnisse und erließ die ersten sozialen Gesetze. Da Elisabeth unvermählt blieb ("die jungfräuliche Königin"), akzeptierte sie zuletzt ihren Großneffen Jakob VI. Stuart als Erben. Kein englischer König hinterließ so tiefe Spuren in der Seele des Volkes wie sie.
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Da ihr Vater Heinrich VIII. offensichtlich an Syphilis litt, sich bei ihr aber im Gegensatz zu ihren Halbgeschwistern dafür keine Anzeichen fanden, kam das Gerücht auf, dass sie nicht Heinrichs Tochter sei.

Baker Timothy: Seite 43-64
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"Die Plantagenet"

Bei ihrer Thronbesteigung war Elisabeth I. (1558-1603) 25 Jahre alt. Von ihrer Erscheinung her glich sie mehr Heinrich VII. als ihrem Vater. Nach der Hinrichtung ihrer Mutter im Jahre 1536 hatte ihr Heinrich VIII. die Legitimität abgesprochen; acht Jahre später aber, als er freundlicher und praktischer eingestellt war, sprach er sie ihr von neuem zu und akzeptierte sie als einen seiner Erben. Die Tatsache, dass sie Thronanwärterin war, hatte die junge Prinzessin in den Mittelpunkt der Hoffnungen und Pläne anderer gestellt. Obwohl nicht nachgewiesen wurde, dass sie selbst daran beteiligt war, wurde sie im Jahre 1554 für einige Zeit in den Tower gesteckt und nach ihrer Freilassung streng überwacht. Als Kind hatte sie ihre Lehrer durch ihre schnelle Auffassungsgabe sowie durch Lerneifer und -freude hoch erfreut.
Sehr bald sprach sie sowohl Französisch, Griechisch, Italienisch und Latein wie auch Englisch fließend und konnte Spanisch verstehen. Wie ihr Vater, war auch sie musikalisch und tanzte leidenschaftlich gern. Sie teilte seine Begeisterung fürs Reiten, die Jagd und das Kartenspiel und liebte im Gegensatz zu ihm, auch Schach. Sie war als Protestantin groß geworden, und nichts hatte ihren Glauben erschüttert. Elisabeth erbte einen Krieg, und sie sollte auch ihrem Nachfolger einen ungelösten Konflikt hinterlassen. Die Unkosten, die der Unterhalt des Heeres und der Kriegsflotte mit sich brachte, machten es ihr nicht nur unmöglich, neue Paläste zu errichten, sondern zwangen sie dazu, sich auf andere zu stützen, wenn sie ihr Vergnügen haben wollte. Ihre königlichen Vorfahren hatten Rundreisen durch das Land nur gelegentlich unternommen, Elisabeth aber führte solche Unternehmungen fast jeden Sommer durch. Jene aber, die aufgrund ihres Standes oder ihres Reichtums dazu ausersehen waren, sie zu unterhalten, scheuten keine Ausgaben. Die Häuser, die vor Elisabeths Ankunft neu gegründet wurden, nahmen einen fast legendären Charakter an, wie ihre Nachkömmlinge Burghley, Kirby, Longleat, Wollaton, Hardwick und Montacute zeigen. Die außergewöhnlich hohe finanzielle Belastung hielt sie nicht davor zurück, in Aktiengesellschaften (jointstock Companies) Geld zu investieren, so dass sie an vielen gewagten Unternehmungen beteiligt war, unter anderem auch an der Weltumsegelung von Sir Francis Drake in den Jahren 1577 und 1580. Allerdings finanzierte  sie keine Pläne, die möglicherweise keinen Gewinn abwerfen hätten können; so trug sie auch nichts zur Besiedlung Nordamerikas bei.
Es gab Jahre, in denen England ohne Krieg lebte und wo auch keine Engländer an irgendeinem anderen Ort in Europa, Afrika oder Amerika kämpften. Die sogenannten Friedenszeiten bargen jedoch immer die Gefahr neu ausbrechender Feindschaften in sich. Diese waren ursprünglich nicht auf die Politik Englands zurückzuführen, sondern darauf, dass Königin Maria in den Streit zwischen Frankreich und Spanien eingegriffen hatte, wodurch das Land die Auswirkungen dieser Rivalität im gesamten restlichen Jahrhundert zu spüren bekam. Der unrühmliche Feldzug von 1557 hatte England Ausgaben abverlangt, die es schwer verkraften konnte; der Verlust von Calais im Jahre 1558 hatte dem Ansehen Englands einen harten Schlag versetzt, obwohl das Land damit gleichzeitig von einem immer mehr zur Belastung gewordenen Außenposten befreit wurde.
Elisabeth erkannte den Irrsinn dieses Krieges und war offensichtlich dazu entschlossen, den Fehler ihrer Halbschwester nicht zu wiederholen; die Entscheidung lag jedoch nicht immer bei ihr allein: Die internationale Lage machte manchmal ein Eingreifen Englands erforderlich, das sie höchst ungern durchführte. Um sie zu provozieren, schoben die Franzosen den Anspruch Marias, der Königin von Schottland, auf den englischen Thron vor und setzten sich für eine Ehe der schottischen Königin mit ihrem in England geborenen Cousin Henry, Lord Darnley, ein. Dadurch sollte ihr Anspruch gestärkt werden, den sie dem englischen Gesetz zufolge als Ausländerin nicht hatte. Maria zeigte sich in ihrem Amt als Königin von Schottland als unfähig und wandte sich 1568 hilfesuchend an Elisabeth, weil sie ihren eigenen Thron wieder zurückgewinnen wollte. Dies lag aber keineswegs im Interesse Elisabeths; sie setzte deshalb ihre Rivalin 19 Jahre lang gefangen. Obwohl bekannt war, dass Maria eine unzulängliche Regentin war und Ehebruch begangen hatte, war sie doch Ausgangspunkt eines Verschwörungsnetzes mit dem Ziel, Elisabeth zu töten. Bevor Elisabeth sich aber den Namen einer Königsmörderin erwarb, wollte sie Maria jedoch lieber so lange wie möglich am Leben lassen. Der Aufstand der Niederländer gegen die Oberherrschaft der Spanier zog schließlich Elisabeth in den Krieg mit Spanien hinein, obwohl sie die angebotene Krone abgelehnt hatte. Ihr ehemaliger Schwager Philipp reagierte darauf, indem er einen Überfall vorbereitete und den Thronanspruch der schottischen Königin unterstützte. Im Jahre 1587 mußte Maria dann hingerichtete werden. Ein Jahr später, 1588, schickte Philipp die Armada, die England erobern sollte. Dieser Drohung gab Elisabeth jedoch nicht nach, sondern zeigte als Reaktion das zweifellos beeindruckendste Beispiel ihrer Führungsqualität:
"Ich habe mich immer so verhalten, dass ich unter der Führung Gottes mit fester Kraft und Vertrauen auf die loyalen Herzen und den guten Willen meiner Untertanen gesetzt habe. Und deshalb befinde ich mich heute unter euch, nicht zu meiner Erholung oder zu meinem Vergnügen, sondern weil ich entschlossen bin, in der Hitze des Gefechtes mit euch zu leben oder zu sterben; um für meinen Gott und für mein Königreich und für mein Volk meine Ehre und mein Blut auch im Staub einer schwachen und kraftlosen Frau habe, aber ich besitze Herz und Leib eines Königs und eines Königs von England! Und ich empfinde tiefste Abscheu darüber, dass Parma oder Spanien oder irgendein europäischer Prinz es wagen sollte, in die Grenze meines Königreiches einzufallen."
Die Armada war zu diesem Zeitpunkt, als sie sich mit diesen Worten in Tilbury an die Truppen wandte, bereits besiegt, was aber noch nicht bekannt war. Die Gefahr war gebannt; da es ihr aber an den notwendigen Mitteln fehlte, konnte Elisabeth den Krieg nicht erfolgreich zu Ende bringen. Zweifellos war das eine Schwäche, was aber ihre wahre Leistung nicht schmälern sollte: Sie hatte sich gegen eine große Übermacht als Königin durchgesetzt, ihr Land und ihren Thron gerettet und beides intakt an ihren Nachfolger übergeben.
Elisabeths Handhabung der religiösen Probleme, ihre Heiratspolitik und die Regelung der Nachfolge müssen vor dem Hintergrund des Krieges beurteilt werden. Der Ungewißheit im Bereich der Religion mußte im England des Jahres 1558 volle Beachtung geschenkt werden. Unter Maria Tudor waren die Messe wiedereingeführt, die englische Sprache aus dem Gottesdienst verbannt und einige Ordenshäuser neu gegründet worden. Diese Veränderungen wurden von einigen zwar als reaktionär eingestuft, wären jedoch akzeptiert worden, wenn sie nicht mit einem stark intoleranten Verhalten einher gegangen wären, durch das viele hervorragende Persönlichkeiten dazu gezwungen wurden, auf dem Festland Sicherheit, Nächstenliebe und Glaubensbrüder zu finden. Männer verschiedener Überzeugungen beobachteten nun die Handlungsweise Elisabeths. Die Tatsache, dass sie einen Gottesdienst ohne Abendmahlzwang wünschte, wurde von den Protestanten positiv bewertet; sie waren aber enttäuscht darüber, dass sie offensichtlich nur dazu bereit war, der Kirche den Status quo vom Januar 1547 zurückzugeben. Im Parlament wurde deutlich gemacht, dass weitere Schritte erforderlich seien, und Elisabeth stimmte der Wiedereinführung von fast allen unter Eduards VI. Regierung durchgesetzten Veränderungen zu. Nachdem das Parlament seine Stimme erhoben und sie sich zu Konzessionen bereit erklärt hatte, mußte das Problem in Angriff genommen werden, was sie auch mit viel Verständnis und der Unterstützung von Erzbischof Parker tat, der ihre Abneigung von Extremen teilte. Als "Haupt der Kirche von England" machte sie sich frei von dem Appell der Katholiken und den Forderungen der Protestanten und nahm Modifizierungen vor, die trotz ihrer Entstehungsgeschichte niemanden zufriedenzustellen vermochten. Ein Aufstand im Jahre 1569, ihre Exkommunikation 1570, auf die zuerst Drohungen und dann Kriege von seiten katholischer Staaten erfolgten, führten dazu, dass die freundliche Einstellung, die sie anfänglich gegenüber ihren katholischen Untertanen zutage legte, ins Gegenteil umschlug. Dieser Umschwung wurde um so deutlicher, nachdem diese sich von den nachfolgenden Päpsten zur Rebellion anstacheln ließen und gegenüber spionageverdächtigen Priestern eine beinahe an Verrat grenzende Haltung einnahmen. Die gleichen Ereignisse brachten die Protestanten zu der Überzeugung, dass sie der Religionsregelung zustimmen mußten. Das Überleben der Königin und Englands selbst war der Durchsetzung der anglikanischen Kirche zu verdanken. Was als Experiment begonnen hatte, wurde fest eingeführt, und die Tatsache, dass mit Maß erneuert worden war, stellte den Eckpfeiler der Leistung Elisabeths dar.
Nachdem der Earl von Devon 1556 und Kardinal Pole 1558 ohne Nachkommen gestorben waren, war der Thronanspruch der PLANTAGENETerloschen. Ihr Tod machte der seit 1485 auf der Dynastie lastenden Bedrohung ein Ende, das Problem der Nachfolge aber war nach wie vor gegenwärtig. Um Streit zu vermeiden und um ihrer Familie die Krone zu erhalten, war eine Eheschließung Elisabeths erforderlich geworden. Sie blieb jedoch trotz der Bitten ihrer Ratgeber und dem Drängen vieler sich als Bräutigam anbietender Kandidaten unverheiratet. Vor ihrer Machtergreifung hatte sie mehrere vorteilhafte Angebote abgelehnt, weil sie höchstwahrscheinlich die Gefahren eines negativ beurteilten kontinentalen Ehebundes erkannt hatte. Die Heirat von Königin Maria war für sie ein warnendes Beispiel. Es ist nicht auszuschließen, dass die Vernachlässigung des Kindes Elisabeth oder die späteren Erfahrungen, die sie durch die unzweideutigen Annäherungsversuche des Lord Admiral Seymour gemacht hatte, dazu führten, dass ihr jede enge Beziehung zu einem Mann verachtenswert erschien. Die Art und Weise aber, wie sie im Bereich der Diplomatie mit ihrer Heirat Politik machte, läßt die Vermutung zu, dass sie ihr ganzes Gefühl auf die Erhaltung ihres Königreiches konzentrierte. Zu ihren Bewerbern zählten neben ihrem Schwager ein schwedischer Prinz, zwei kaiserliche Erzherzöge, ein deutscher Herzog, zwei französische Prinzen, ein schottischer Graf und mehrere ihrer eigenen Untertanen. Sie offenbarte jedoch nur gegenüber einem von ihnen, nämlich Robert Dudley, ein Zeichen echter Zuneigung; da er aber sehr ehrgeizig und außerdem der Sohn des Herzogs von Northumberland war, waren seine Absichten fraglich. Der Tod seiner von ihm vernachlässigten Frau, die unter mysteriösen Umständen starb, machten ihn noch unglaubwürdiger. Die Hochzeit mit Dudley hätte ihren Thron in Gefahr gebracht. Als Entschädigung für das entgangene Königsamt schenkte sie ihm dafür die Grafschaft Leicester. Trotz der Gerüchte über ihre intime Beziehung wußte sie die Bedeutung ihrer Jungfräulichkeit bei Verhandlungen über eine Eheschließung zu schätzen; sie hätte es für charakterlos erachtet, wenn sie alles der Liebe wegen aufs Spiel gesetzt hätte.
Die Tatsache, dass Elisabeth sich dem Zwang zur Notwendigkeit beugte, wurde ihr hoch angerechnet. Angesichts der zahlreichen Feinde Englands wurde ihre Standhaftigkeit zum Symbol. Sie war allein mit England verheiratet. Elisabeths Verhältnis zu ihren Untertanen wurde als Liebesbeziehung aufgefaßt: In ihren Augen blieb "Gloriana" ewig jung; um die tiefen Spuren, die Krankheit und Alter hinterlassen hatten, zu überdecken, bediente sie sich der Kleider, Schmuck und Kosmetika. Sie förderte den "Gloriana"-Kult und trug damit dazu bei, dass die Künste einen gewaltigen Auftrieb nahmen und England an die europäische Kulturfront rückte: In der Architektur gab es Robert Smythson, in der Musik die Madrigalschreiber John Dowland, Thomas Tallis, Orland Gibbons, Thomas Morley und William Byrd, in der Malerei die Miniaturisten Nicholas Hiliard und Isaac Oliver, in der Dichtkunst Sir Philip Sydney und Edmund Spenser und in der Schauspielkunst Christopher Marlowe, Thomas Kyd und vor allem William Shakespeare. Auch wenn ihre Religionsregelung die Anbetung der Muttergottes untersagte, fand England in ihr die jungfräuliche Königin. Ihr zu Ehren erhielt die erste englische Kolonie in Amerika den Namen Virginia. Obwohl sie sich die Ehefreuden selbst versagt hatte, nahm sie es anderen, die sie genossen, übel; diejenigen, die sie ohne ihre Zustimmung wahrnahmen, ließ sie ihr Mißfallen deutlich spüren. Die heimlichen Ehe der Schwestern von Lady Jane Grey und das Verhalten ihrer anderen englischen Verwandten ließen diese als Erben ausscheiden und führten dazu, dass der Sohn der schottischen Königin Maria, der Protestant Jakob VI., 1603 als alleiniger Nachfolger in Frage kam.
Über die während ihrer Regierungszeit auftretenden Probleme von mannigfaltiger Natur waren Elisabeths Ratgeber nur selten einer Meinung. Nicht zuletzt deshalb traf sie die Entscheidungen - manchmal nach Winkelzügen und oft gegen den Willen ihres Rates - immer selbst. Es war ihr Glück, dass sie in Sir William Cecil, dem späteren Lord Burghley, einen scharfsichtigen Staatsmann und gleichgesinnten Geist gefunden hatte. Sie schenkte jedoch auch ihm so selten ihr Vertrauen, dass sogar er für gewöhnlich ihre Absicht nicht genau kannte. Der Tod Burghleys im Jahre 1598 setzte einer 40-jährigen Partnerschaft ein Ende, und sein Platz blieb dann auch leer. In den ihr noch verbleibenden Jahren gab Elisabeth das Beispiel "einer Dame, die von der Zeit überrascht worden war", wie sie einmal nicht zu Unrecht charakterisiert worden war. Sie hatte sich zwar immer noch fest in der Hand, ihre Erschöpfung zeichnete sich aber immer deutlicher ab. Obgleich sie auch in früheren Zeiten Fehler begangen hatte, hatte keiner so verheerende Auswirkungen wie der, als sie Robert Devereux, den Earl von Essex, zu ihrem Günstling erwählte, was mit dessen Hinrichtung im Jahre 1601 endete. Der weniger attraktive Robert Cecil, der bucklige Sohn Burghleys, blieb dann unangefochten an der Spitze ihres Rates. Er war es auch, der Jakob VI. von Schottland nach dem Tode der Königin am 24. März 1603 willkommen hieß.
Elisabeth wurde wie die meisten Mitglieder der Dynastie im Familienmausoleum, der Kapelle Heinrichs VII. in der Westminsterabtei, beigesetzt. Obwohl viele ihrer Zeitgenossen darüber geklagt hatten, dass "Ihre Majestät alles nur halb tat", wurde ihr Wert im Vergleich zu ihrem Nachfolger aus dem Hause STUART erst richtig deutlich; im 17. Jahrhundert wurde ihr Andenken als das letzte Glied einer begabten Familie immer höher in Ehren gehalten
 
 
 

Literatur:
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Baker Timothy: Die Plantagenet in Die großen Dynastien, Karl Müller Verlag 1996 Seite 43-64 - Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten.  Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 37,60,91,93, 102,103,125,128,131,136 - Bäumler Ernst: Amors vergifteter Pfeil. Kulturgeschichte einer verschwiegenen Krankheit, R. Piper GnbH & Co. KG, München 1989 Seite 73,76,80 - Ferdinandy Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 Seite 185,187,285,303,353-359,363,376, 393-403 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 112-483 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 250,269,274, 280,287,293,313,319,335,389,395 - Lavater-Sloman Mary: Elisabeth I. Herrin der Meere, Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988 - Lottes Günter: Elisabeth I. (1558-1603) in Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VII. bis Elisabeth II. Verlag C. H. Beck München 1998 Seite 75-94 - Mahoney Irene: Katharina von Medici. Königin von Frankreich. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 50-395 - Neale John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen Diederischs Verlag München 1994 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 9.10, 13,39,43,46,53,54,61,65,66,72,76,77,89,91,93-110,116-118,170,173,256 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 165,239,251,262, 297,299,305,463 - Schreiber Hermann: Die Stuarts. Genie und Unstern einer königlichen Familie. Bechtermünz Verlag GmbH Eltville am Rhein 1995 Seite 24,26,31,34,40,60,65,68-78,87, 91,103,111 - Taillander Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Heinrich IV. Der Hugenotte auf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 50-452 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 160,265 - Vercors: Anna Boleyn. 40 entscheidende Monate in Englands Geschichte Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 -