Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1865
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Haithabu
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Der bedeutende Fernhandelsplatz ist wahrscheinlich identisch
mit dem in den fränkischen Reichsannalen unter 804 erwähnten
„locum qui dicitur Sliesthorp“, gelegene Gebiet der Dänen, aber unweit
der Grenze zu den Sachsen. Im Sommer 804 als Aufenthaltsort des Dänen-Königs
Gudfred bezeugt, der hier Verhandlungen mit dem sich jenseits
der Elbe aufhaltenden KARL DEM GROSSEN
führte, wird Haithabu/Sliesthorp 808 'portus' genannt. Unsicher ist,
ob die Kaufleute aus dem zerstörten Reric in Haithabu oder an einem
anderen Ort angesiedelt wurden. Mit Erlaubnis König
Horiks I. errichtete der heilige Ansgar eine Kirche in Haithabu
(archäologisch noch nicht nachgewiesen), die den Handelsplatz zum
bevorzugten Ziel christlicher Kaufleute, zum Beispiel aus Dorestad und
dem sächsisch-norddeutschen Raum, werden ließ. Unter Horik
II. erlitt das Christentum auf Betreiben des Comes von Sliaswich
(Haithabu oder die Landschaft S.?) einen Rückschlag, wurde aber nach
dessen Sturz erneut zugelassen.
Der Sieg HEINRICHS I. überKönig
Knuba 934 bei Schleswig/Haithabu führte zur Verschiebung
der deutschen Grenze bis in dieses Gebiet, in dem ein Markgraf eingesetzt
und sächsische Siedler angesiedelt wurden, deren Lokalisierung jedoch
nicht gesichert ist. 974 schlug OTTO II. bei
Schleswig einen dänischen Aufstand nieder, zur Sicherung der Grenze
wurde eine Burg errichtet. Die Anlage des Halbkreiswalles um Haithabu und
des Verbindungswalles westlich von Haithabu steht vielleicht in Zusamemnhang
mit der Vorbereitung des dänischen Aufstandes. Bei dem dänischen
Überfall im Jahre 983 wurde die Burg niedergebrannt, das umstrittene
Grenzgebiet wieder dänisch. Die Bedeutung Haithabus ging wahrscheinlich
wegen der Versandung des Hafens im 11. Jh. zugunsten Schleswigs zurück,
wo größere Schiffe landen konnten. Die Zerstörungen um
die Mitte des 11. Jh. (Norweger 1050 und/oder Slaven 1066) beschleunigten
den Niedergang Haithabus.
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