Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1153
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Asturien
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Königreich von 718-910
Die Kernzelle des Königreiches ist in den Ausläufern
der Picos de Europa anzusiedeln. Hier suchten auf der Flucht vor dem muslimischen
Vormarsch einige Mitglieder der hispano-gotischen Aristokratie unter der
Führung eines gewissen Pelayo
Zuflucht: In dieser unwirtlichen Gegend lebten die Asturer, ein erst unlängst
christianisiertes Volk, das wie seine Nachbarn, die Kantabrer und die Basken,
den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Neuerungen erst der Römer,
dann der Westgoten sehr ablehnend gegenüberstand. Pelayo
gelang es 718, eine Einigung zwischen seiner Gruppe und einigen Bergstämmen
zu erreichen, die ihn als ihren Anführer anerkannten und ihre Feindseligkeit
nun nicht gegen die Neuankömmlinge, sondern gegen die Muslime richteten.
Möglicherweise bewirkte das kleine Scharmützel von Covadonga
(722), dass sich das Ansehen des fremden Caudillo unter den Asturern festigte,
wozu auch das geringe Interesse beitrug, das die Walis von Cordoba diesem
so weit von den Zentren von al-Andalus entfernten Widerstandsherd beimaßen.
Alfons
I. eröffnete das, was man als die zweite Epoche des asturischen
Königreiches bezeichnen könnte (739-757). Diesem Monarchen gelang
es, die tatsächliche Kontrolle über die begrenzten, im Norden
der Kantabrischen Kordillere gelegenen Gebiete vom Eo bis zum Anso zu erringen,
und siedelte in diese dünn bevölkerte Zone die Mehrheit der christlichen
Gemeinden um, die sich in der nördlichen Meseta befanden. Diese Einwanderer
aus dem Süden verbreiteten unter den eingeborenen Gebirgsbewohnern
die in dem untergegangenen hispano-gotischen Staat herrschende Lebensweise.
Die dritte Phase (791-842) wird geprägt von der Ausbildung der ideologischen
Grundlagen, die den Kampf gegen den Islam rechtfertigen, und fällt
mit der Regierungszeit von Alfons II.
zusammen, der - ermutigt von einigen wenigen aus Meseta stammenden Klerikern
und Adligen, welche in der asturischen Monarchie die legitime Nachfolgerin
der westgotischen sahen - die entstehenden politischen und kirchlichen
Strukturen des Königreiches nach den hispano-gotischen Vorbildern
reorganisierte. Von dem Augenblick an, in dem der Hof von Oviedo diese
hypothetische Verbindung mit dem Hof von Toledo übernahm, erhielt
der Kampf gegen das Emirat das politisch-religiöse Ziel, das ihm bis
dahin gefehlt hatte; aus einem bloßen Aufstand gegen eine fremde
Macht verwandelte er sich in die große Unternehmung, das Gebiet der
Halbinsel aus den Händen des Islams zurückzugewinnen, um die
verlorengegangene Einheit der westgotischen Hispania wiederherzustellen.
Die Reconquista hatte begonnen. Zwischen 850 und 911 lief die vierte und
letzte Phase der politischen Entwicklung des asturischen Staates ab. Während
dieser Zeit verdoppelte das Königreich unter der Herrschaft von Ordono
I. und Alfons III. seine
territoriale Ausdehnung auf Kosten des zur selben Zeit von starken Unruhen
erschütterten al-Andalus, verlegte es seine Südgrenze von den
südlichen kantabrischen Gebirgshängen hin bis an die Flüsse
Duero und Mondego und schuf die Grundlagen für die Wiederbesiedlung
der zwischen diesen beiden Linien gelegenen Gebiete. Die Hauptstadt wurde
von Oviedo nach Leon verlegt.
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Der spanische Thronfolger führt seit 1388 den Titel
"Prinz von Asturien".
| Pelayo König von Asturien (718/22- 737) |
| Favila König von Asturien (737- 739) |
| Alfons I. der Katholische König von Asturien (739- 757) |
| Fruela I. König von Asturien (757- 768) |
| Aurelio König von Asturien (768- 774) |
| Silo König von Asturien (774- 783) |
| Mauregato König von Asturien (783- 788) |
| Bermudo I. König von Asturien (788- 791) |
| Alfons II. der Keusche König von Asturien (791- 842) |
| Ramiro I. König von Asturien (842- 850) |
| Ordogno I. König von Asturien (850- 866) |
| Alfons III. der Große König von Asturien (866- 910) |