Sohn des Königs Ordogno
I. von Asturien
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 394
********************
Alfons III. der Große, König von Asturien
866-Dezember 910
---------------------------
Sohn von Ordono I.
Nach der Niederwerfung verschiedener Aufstände von
Galiciern und Basken verlegte er die Hauptstadt des Königreiches nach
Leon. Da die von den Christen geförderten Aufstände der Muladis
in al-Andalus, besonders die des Ibn Marwan in Merida und der Banu l-Qasim
im Ebrotal, zu einer Schwächung der islamischen Herrschaft führten,
konnte Alfons die Neubesiedlung des
Nordens von Portugal in Angriff nehmen. Gegen 878 wurde die westliche Grenze
des Königreiches bis zum Mondego vorgeschoben, und es wurden unter
anderem die Städte Coimbra, Porto, Braga und Viseu wieder besiedelt.
Das Emirat von Cordoba versuchte, dieser territorialen Ausweitung entgegenzutreten.
Seine Offensive gegen die Ebene von Leon wurde jedoch bei Polvoraria zum
Stehen gebracht und bei Valdemora zurückgeschlagen. Nach einer Reihe
von Feldzügen mit unentschiedenen Ausgang schloß Alfons
einen
Friedensvertrag mit Cordoba, der gemeinsam mit dem Aufstand des 'Umar ibn
Hafsun im peribetischen Andalusien Alfons'
Besiedlungspläne begünstigte. Die Besiedlung der verlassenen
Gebiete der nördlichen Submeseta schritt aufgrund des Bevölkerungsüberschusses
der Gebirgsgegenden des Norden und der mozarabischen Einwanderung aus dem
Süden schnell bis zum Duero voran, an dem eine Befestigungslinie errichtet
wurde. Die letzten Jahre von Alfons'
Leben waren durch Wirren gezeichnet: Der König wurde 910 durch eine
Verschwörung seiner Söhne entthront und nach Bodes verbannt,
wo er kurz darauf starb. Unter der Herrschaft von Alfons
verdoppelte Asturien seine territoriale Ausdehnung, und sein politisches
Zentrum verlagerte sich vom Gebirge (Oviedo) in die Ebene (Leon); die Grenze
wurde bis zum Duero und zum Mondego vorgeschoben, und die Wiederbesiedlung
ermöglichte die Nutzung der Gebiete zwischen der kantabrischen Kordillere
und den beiden genannten Flüssen.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Alfons III. der Große
folgte
866 als König von Leon-Asturien-Galizien und des Baskenlandes, setzte
sich gegen zwei kurzfristige Gegen-Könige durch, gewann 868 die Schlachten
von Toro und Zamora, wodurch er diese zwei Festungen behauptete. Er verbündete
sich mit Navarra und führte viele Plünderungs- und Eroberungsfeldzüge
durch, eroberte 871 Coimbra und Nordportugal bis zum Mondego und Teile
von Kastilien dazu, sicherte das Campos Goticos und Leon, letzteres die
wichtigste Festung des Reiches im Süden. Später geriet er mit
Navarra wegen der Baskenprovinzen in Streit, behauptete sie und machte
Navarra formal zum Vasallen. Alfons
mußte
mehrere von den Mauren unterstützte Rebellionen, besonders in den
Randgebieten, unterdrücken, dazu Erhebungen der Söhne und der
Stände, da er versuchte, die Macht der übergroßen Stände
entscheidend einzudämmen, entging etlichen Mordanschlägen, siegte
898 in der Schlacht bei Grajal und 904 in der Schlacht bei Zamora gegen
die Mauren und nannte sich zeitweise sogar Kaiser. Er inhaftierte 907 den
erneut rebellierenden, von Kastilien unterstützten, Sohn Garcias,
weigerte sich ihn freizulassen, woraufhin sich die anderen Söhne und
die Frau gegen ihn wandten. Alfons resignierte
letztlich, um einen verheerenden Bürgerkrieg zu vermeiden und teilte
910 das Erbe auf, was auch ein Sieg des Feudaladels war. Er schrieb eine
bedeutende Chronik, war nochmals gegen die Mauren erfolgreich und war ein
fähiger Regent mit großer Ausstrahlung.
Vones Ludwig:
************
“Geschichte der Iberischen Halbinsel”
Als Alfons III. seinem
Vater auf dem Thron folgte, hatte er bereits als Verantwortlicher für
die Wiederbesiedlung der Stadt Orense und ihrer Umgebung Erfahrungen bei
der Repoblacion neuer Gebiete sammeln können. Der junge König
rückte an die Spitze eines Reiches, dessen Drängen zur Expansion
- bald wurde der Duero, schließlich der Mondego Grenzfluß -
kaum noch durch das in der Defensive verharrende Emirat gebremst werden
konnte. Alfons griff die Politik Ordonos
I. wieder auf, der ebenfalls die muwalladun und insbesondere
die aufständischen Mozaraber in Toledo gezielt unterstützt, dessen
Politik allerdings mit der Niederlage in der Schlacht am Guadacelete 854
einen entscheidenden Rückschlag erlitten hatte. In dieser Epoche wurde
die Repoblacion der Zone zwischen den Flüssen Mino und Duero, des
gesamten Duero-Tals mit den Städten Zamora, Toro und Simancas sowie
die Absicherung der in Kastilien verlaufenden Ostgrenze durch ein System
von Burgen vorangetrieben. Gleichzeitig war ein reger Umzug mozarabischer
Siedler aus den südlichen Regionen zu verzeichnen, der angesichts
der Menschenknappheit sehr willkommen war und eine weitere Verstärkung
westgotischer Tradition ermöglichte. Als Muhammad 878 angesichts des
Vordringens der Christen im Norden und der zunehmenden Unterstützung
der Rebellionen der muwalladun durch das asturische Reich eine Strafexpedition
unternahm, um die alten Zustände wiederherzustellen, endete dies mit
einem Sieg Alfons'III. bei Polvoraria.
Dem Emir blieb nichts anderes übrig, als einen Waffenstillstand einzugehen,
ein Zustand, der in den folgenden Jahren wiederholt Kriegszüge des
asturischen Königs mit tiefen Einbrüchen in den al-Andalus nach
sich zog und schließlich zu einer erneuten arabischen Niederlage
in der Schlacht am Berg Oxifer führte.
Da das arabische Lager auch weiterhin vornehmlich mit
der Lösung seiner inneren Schwierigkeiten beschäftigt war, konnte
das asturische Reich bis zum Ende der Regierung Alfons'III.
in eine neue Phase der Konsolidierung eintreten. Diese Phase war von einem
erneuten Aufleben des Neogotismus gekennzeichnet, der jetzt seinen literarischen
Ausdruck in den bereits erwähnten Werken der Hofchronik fand, die
in ihren Ursprüngen wohl auf die Initiative des Königs selbst
zurückzuführen ist. Ebenso charakteristisch ist wiederum die
Verbindung zum Kult um den Apostel Jakob, dessen Förderung sich Alfons
angelegen
sein ließ. Dem Beispiel Alfons' II.
folgend, hatte er in Santiago de Compostela anstelle der Grabeskapelle
eine große Basilika errichten lassen, die am 6. Mai 899 durch eine
feierliche Zeremonie im Beisein des Königs, seiner Gemahlin sowie
zahlreicher weltlicher und geistlicher Würdenträger geweiht wurde.
Entsprechend den Gepflogenheiten war die Bedeutung der Kirche anläßlich
des Festaktes auch durch kirchliche Schenkungen und Besitzbestätigungen
beträchtlich angehoben worden, doch läßt sich das genaue
Ausmaß ihrer gewiß außergewöhnlich reichen Dotierung
nicht mehr abschätzen, da die überkommenen Zeugnisse durch eine
spätere Fälschungstätigkeit innerhalb der Compostellaner
Diözese weitgehend entstellt sind.
In Parallele zu diesen Vorgängen vollzog sich gemäß
dem Fortschreiten der Repablacion die allmähliche Verlagerung des
politischen Schwergewichts von Oviedo nach dem in der Ebene südlich
der kantabrischen Kordillere gelegenen Leon, das 856 von Ordono
I. wiederbesiedelt, mit einem königlichen palatium ausgestattet,
als Sitz eines Bistums eingerichtet und seit 875 durch Alfons
III. weiter zur Hauptstadt ausgebaut worden war.
Alfons III. hatte
darüberhinaus seine Stellung nicht nur durch erfolgreiche Eroberungszüge,
die ihn 901 gar in die unmittelbare Umgebung von Sevilla führen sollten,
sondern auch durch zukunftsträchtige politische Verbindungen zu festigen
gewußt. Neben den Bündnissen mit den aufrührerischen Kräften
des al-Andalus ist in dieser Hinsicht hauptsächlich seine 869 geschlossene
Ehe der aus dem navarresischen Königshaus
stammenden Jimena zu verweisen, vielleicht
sogar eine Nachfahrin jener Leodegundia,
Tochter Ordonos I., die einst der Pamploneser
Dynastie angehörenden Fürsten Jimeno zur Frau gegeben worden
war. Ein solcher Rückhalt bei dem ebenfalls in heiklen Beziehungen
zu den Banu Qasi stehenden und für arabischen Druck anfälligen
Königreich konnte Alfons III. nur
nützlich sein, da er zu Beginn seiner Regierung, aber sporadisch auch
späterhin mit Aufständen führender Adliger in Galicien,
den baskischen Provinzen und Kastilien fertig werden mußte.
Nicht immer waren die partikularistischen Bestrebungen
einzelner Grafen so einfach zu lösen, wie im Falle des Pepobladors
von Coimbra, Hermenegildo Gutierres, dessen Tochter Elvira
mit Ordono, dem Zweitgeborenen Alfons'
III., verheiratet wurde. Der kastilische Graf Diego Rogriguez,
dessen Aktivitäten die Besiedlung des späteren Kerns der Stadt
Burgos zu verdanken ist (884), zeigte zumindest Tendenzen, die oberste
Befehlsgewalt des asturischen Königs abzustreifen und mußte
zur Botmäßigkeit gebracht werden. Vor allem jedoch die eigenen
Söhne, von denen jeder mit der Verwaltung eines Reichsteils betraut
war und die alle um die Regelung der Nachfrage bangten, rebellierten schließlich,
tatkräftig unterstützt durch den kastilischen Grafen Munio Nunez,
gegen ihren Vater und entmachteten ihn völlig. Alfons
III. zog sich freiwillig in die Verbannung nach Boides zurück
und überließ seinen Nachkommen das politische Feld. Sein Tod
im Jahre 910 bedeutete das Ende des Königreiches Asturien.
oo Jimena von Navarra, Tochter des Königs
Garcias I.
- 912
Kinder:
Ordogno II. König von Galicien
um 873- nach 1.924
Garcias I. König von Leon-Asturien
um 871-19.1.914
Ramiro I. Titularkönig
-
920
Fruela II. König von Leon-Asturien-Galicien
um 875- 3.925
Gonzalo Abt von Oviedo
- 920
Literatur:
-----------
Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel
im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1993 -