Alfons III. der Große                            König von Leon-Asturien-Galizien (866-910)
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848-20.12.912
      Zamora
 

Sohn des Königs Ordogno I. von Asturien
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 394
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Alfons III. der Große, König von Asturien 866-Dezember 910
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Sohn von Ordono I.

Nach der Niederwerfung verschiedener Aufstände von Galiciern und Basken verlegte er die Hauptstadt des Königreiches nach Leon. Da die von den Christen geförderten Aufstände der Muladis in al-Andalus, besonders die des Ibn Marwan in Merida und der Banu l-Qasim im Ebrotal, zu einer Schwächung der islamischen Herrschaft führten, konnte Alfons die Neubesiedlung des Nordens von Portugal in Angriff nehmen. Gegen 878 wurde die westliche Grenze des Königreiches bis zum Mondego vorgeschoben, und es wurden unter anderem die Städte Coimbra, Porto, Braga und Viseu wieder besiedelt. Das Emirat von Cordoba versuchte, dieser territorialen Ausweitung entgegenzutreten. Seine Offensive gegen die Ebene von Leon wurde jedoch bei Polvoraria zum Stehen gebracht und bei Valdemora zurückgeschlagen. Nach einer Reihe von Feldzügen mit unentschiedenen Ausgang schloß Alfons einen Friedensvertrag mit Cordoba, der gemeinsam mit dem Aufstand des 'Umar ibn Hafsun im peribetischen Andalusien Alfons' Besiedlungspläne begünstigte. Die Besiedlung der verlassenen Gebiete der nördlichen Submeseta schritt aufgrund des Bevölkerungsüberschusses der Gebirgsgegenden des Norden und der mozarabischen Einwanderung aus dem Süden schnell bis zum Duero voran, an dem eine Befestigungslinie errichtet wurde. Die letzten Jahre von Alfons' Leben waren durch Wirren gezeichnet: Der König wurde 910 durch eine Verschwörung seiner Söhne entthront und nach Bodes verbannt, wo er kurz darauf starb. Unter der Herrschaft von Alfons verdoppelte Asturien seine territoriale Ausdehnung, und sein politisches Zentrum verlagerte sich vom Gebirge (Oviedo) in die Ebene (Leon); die Grenze wurde bis zum Duero und zum Mondego vorgeschoben, und die Wiederbesiedlung ermöglichte die Nutzung der Gebiete zwischen der kantabrischen Kordillere und den beiden genannten Flüssen.
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Alfons III. der Große folgte 866 als König von Leon-Asturien-Galizien und des Baskenlandes, setzte sich gegen zwei kurzfristige Gegen-Könige durch, gewann 868 die Schlachten von Toro und Zamora, wodurch er diese zwei Festungen behauptete. Er verbündete sich mit Navarra und führte viele Plünderungs- und Eroberungsfeldzüge durch, eroberte 871 Coimbra und Nordportugal bis zum Mondego und Teile von Kastilien dazu, sicherte das Campos Goticos und Leon, letzteres die wichtigste Festung des Reiches im Süden. Später geriet er mit Navarra wegen der Baskenprovinzen in Streit, behauptete sie und machte Navarra formal zum Vasallen. Alfons mußte mehrere von den Mauren unterstützte Rebellionen, besonders in den Randgebieten, unterdrücken, dazu Erhebungen der Söhne und der Stände, da er versuchte, die Macht der übergroßen Stände entscheidend einzudämmen, entging etlichen Mordanschlägen, siegte 898 in der Schlacht bei Grajal und 904 in der Schlacht bei Zamora gegen die Mauren und nannte sich zeitweise sogar Kaiser. Er inhaftierte 907 den erneut rebellierenden, von Kastilien unterstützten, Sohn Garcias, weigerte sich ihn freizulassen, woraufhin sich die anderen Söhne und die Frau gegen ihn wandten. Alfons resignierte letztlich, um einen verheerenden Bürgerkrieg zu vermeiden und teilte 910 das Erbe auf, was auch ein Sieg des Feudaladels war. Er schrieb eine bedeutende Chronik, war nochmals gegen die Mauren erfolgreich und war ein fähiger Regent mit großer Ausstrahlung.

Vones Ludwig:
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“Geschichte der Iberischen Halbinsel”

Als Alfons III. seinem Vater auf dem Thron folgte, hatte er bereits als Verantwortlicher für die Wiederbesiedlung der Stadt Orense und ihrer Umgebung Erfahrungen bei der Repoblacion neuer Gebiete sammeln können. Der junge König rückte an die Spitze eines Reiches, dessen Drängen zur Expansion - bald wurde der Duero, schließlich der Mondego Grenzfluß - kaum noch durch das in der Defensive verharrende Emirat gebremst werden konnte. Alfons griff die Politik Ordonos I. wieder auf, der ebenfalls die muwalladun und insbesondere die aufständischen Mozaraber in Toledo gezielt unterstützt, dessen Politik allerdings mit der Niederlage in der Schlacht am Guadacelete 854 einen entscheidenden Rückschlag erlitten hatte. In dieser Epoche wurde die Repoblacion der Zone zwischen den Flüssen Mino und Duero, des gesamten Duero-Tals mit den Städten Zamora, Toro und Simancas sowie die Absicherung der in Kastilien verlaufenden Ostgrenze durch ein System von Burgen vorangetrieben. Gleichzeitig war ein reger Umzug mozarabischer Siedler aus den südlichen Regionen zu verzeichnen, der angesichts der Menschenknappheit sehr willkommen war und eine weitere Verstärkung westgotischer Tradition ermöglichte. Als Muhammad 878 angesichts des Vordringens der Christen im Norden und der zunehmenden Unterstützung der Rebellionen der muwalladun durch das asturische Reich eine Strafexpedition unternahm, um die alten Zustände wiederherzustellen, endete dies mit einem Sieg Alfons'III. bei Polvoraria. Dem Emir blieb nichts anderes übrig, als einen Waffenstillstand einzugehen, ein Zustand, der in den folgenden Jahren wiederholt Kriegszüge des asturischen Königs mit tiefen Einbrüchen in den al-Andalus nach sich zog und schließlich zu einer erneuten arabischen Niederlage in der Schlacht am Berg Oxifer führte.
Da das arabische Lager auch weiterhin vornehmlich mit der Lösung seiner inneren Schwierigkeiten beschäftigt war, konnte das asturische Reich bis zum Ende der Regierung Alfons'III. in eine neue Phase der Konsolidierung eintreten. Diese Phase war von einem erneuten Aufleben des Neogotismus gekennzeichnet, der jetzt seinen literarischen Ausdruck in den bereits erwähnten Werken der Hofchronik fand, die in ihren Ursprüngen wohl auf die Initiative des Königs selbst zurückzuführen ist. Ebenso charakteristisch ist wiederum die Verbindung zum Kult um den Apostel Jakob, dessen Förderung sich Alfons angelegen sein ließ. Dem Beispiel Alfons' II. folgend, hatte er in Santiago de Compostela anstelle der Grabeskapelle eine große Basilika errichten lassen, die am 6. Mai 899 durch eine feierliche Zeremonie im Beisein des Königs, seiner Gemahlin sowie zahlreicher weltlicher und geistlicher Würdenträger geweiht wurde. Entsprechend den Gepflogenheiten war die Bedeutung der Kirche anläßlich des Festaktes auch durch kirchliche Schenkungen und Besitzbestätigungen beträchtlich angehoben worden, doch läßt sich das genaue Ausmaß ihrer gewiß außergewöhnlich reichen Dotierung nicht mehr abschätzen, da die überkommenen Zeugnisse durch eine spätere Fälschungstätigkeit innerhalb der Compostellaner Diözese weitgehend entstellt sind.
In Parallele zu diesen Vorgängen vollzog sich gemäß dem Fortschreiten der Repablacion die allmähliche Verlagerung des politischen Schwergewichts von Oviedo nach dem in der Ebene südlich der kantabrischen Kordillere gelegenen Leon, das 856 von Ordono I. wiederbesiedelt, mit einem königlichen palatium ausgestattet, als Sitz eines Bistums eingerichtet und seit 875 durch Alfons III. weiter zur Hauptstadt ausgebaut worden war.
Alfons III. hatte darüberhinaus seine Stellung nicht nur durch erfolgreiche Eroberungszüge, die ihn 901 gar in die unmittelbare Umgebung von Sevilla führen sollten, sondern auch durch zukunftsträchtige politische Verbindungen zu festigen gewußt. Neben den Bündnissen mit den aufrührerischen Kräften des al-Andalus ist in dieser Hinsicht hauptsächlich seine 869 geschlossene Ehe der aus dem navarresischen Königshaus stammenden Jimena zu verweisen, vielleicht sogar eine Nachfahrin jener Leodegundia, Tochter Ordonos I., die einst der Pamploneser Dynastie angehörenden Fürsten Jimeno zur Frau gegeben worden war. Ein solcher Rückhalt bei dem ebenfalls in heiklen Beziehungen zu den Banu Qasi stehenden und für arabischen Druck anfälligen Königreich konnte Alfons III. nur nützlich sein, da er zu Beginn seiner Regierung, aber sporadisch auch späterhin mit Aufständen führender Adliger in Galicien, den baskischen Provinzen und Kastilien fertig werden mußte.
Nicht immer waren die partikularistischen Bestrebungen einzelner Grafen so einfach zu lösen, wie im Falle des Pepobladors von Coimbra, Hermenegildo Gutierres, dessen Tochter Elvira mit Ordono, dem Zweitgeborenen Alfons' III., verheiratet wurde. Der kastilische Graf Diego Rogriguez, dessen Aktivitäten die Besiedlung des späteren Kerns der Stadt Burgos zu verdanken ist (884), zeigte zumindest Tendenzen, die oberste Befehlsgewalt des asturischen Königs abzustreifen und mußte zur Botmäßigkeit gebracht werden. Vor allem jedoch die eigenen Söhne, von denen jeder mit der Verwaltung eines Reichsteils betraut war und die alle um die Regelung der Nachfrage bangten, rebellierten schließlich, tatkräftig unterstützt durch den kastilischen Grafen Munio Nunez, gegen ihren Vater und entmachteten ihn völlig. Alfons III. zog sich freiwillig in die Verbannung nach Boides zurück und überließ seinen Nachkommen das politische Feld. Sein Tod im Jahre 910 bedeutete das Ende des Königreiches Asturien.
 
 
 
 

  oo Jimena von Navarra, Tochter des Königs Garcias I.
             -   912
 
 
 
 

Kinder:

  Ordogno II. König von Galicien
  um 873- nach 1.924

  Garcias I. König von Leon-Asturien
  um 871-19.1.914

  Ramiro I. Titularkönig
        -   920

  Fruela II. König von Leon-Asturien-Galicien
  um 875- 3.925

  Gonzalo Abt von Oviedo
          -   920
 
 
 
 

Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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