Sancho I. Ramirez                                  König von Aragon (1063-1094)
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1034-4.6.1094
          Huesca
 

Sohn des Königs Ramiro I. von Aragon aus seiner 1. Ehe mit der Gilberga von Comminges, Tochter von Graf Bernhard Roger
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1352
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Sancho I. Ramirez, König von Aragon (1064-1094) und von Pamplona (seit 1076)
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     + 4. Juni 1094
      Huesca

Sohn König Ramiros I. von Aragon und der Gisberga-Ermensinde

1. oo um 1064 Isabella von Urgell (+ 1068), Tochter Graf Ermengols III.

2. oo Felicia von Roucy

Söhne:
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von 1.:
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Peter I. von Aragon

von 2.:
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Alfons I.
Ramiro II. von Aragon

Seit 1061/62 von seinem Vater an der Regierung des Grafschaftsgebietes (Titel: regius filius) beteiligt, trat er dessen Nachfolge nach der Schlacht von Graus (8. März 1064) an. Wahrscheinlich durch eine Legationsreise des Kardinals Hugo Candidus (1063-1067) beeinflußt, unterstützte er den Anschluß der aragonesischen Kirche an die römische Kirchenverfassung, kommendierte sich und sein Reich anläßlich einer Romereise 1068 Gott und dem heiligen Petrus, wohl auch, um seine Herrschaft im Innern gegen eine Adelsopposition zu stärken. 1071 leitete er endgültig, ausgehend vom Klosterzentrum S. Juan de la Pena, den Übergang der aragonesischen Kirche zum römischen Ritus ein. 1088/89 vertraute er das Königreich vollgültig dem päpstlichen Schutz an, wohl ohne lehnsrechtliche Bindung einzugehen, aber mit der Absicht, den Bestand seines Reiches abzusichern.Es gelang Sancho Ramirez, 1076 nach der Ermordung Sanchos IV. von Navarra-Pamplona die Regionen des Königreiches Pamplona westlich des Aragon zu inkorporieren (unter Ausgliederung der Grafschaft Navarra mit Pamplona selbst, Estella, Albar, Tafalla, für die Sancho Ramirez Alfons VI. einen Lehnseid leisten mußte), woraufhin er nun auch den pamplonischen Königstitel führte, während er unter anderem Rioja, Vizcaya, Alava an Alfons VI. von Leon-Kastilien als Kompensation abtrat (1087). Erfolgreich trieb Sancho Ramirez die Reconquista in Richtung des Ebrotales voran, traf jedoch beim Kampf um das Reich von Zaragoza auf die Konkurrenz Alfons' VI., obwohl er bis vor Huesca gelangte, so daß erst sein Nachfolger dieses Gebiet erobern konnten.
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Sancho I. Ramirez folgte 1063 seinem Vater als König von Aragon und wurde 1086 päpstlicher Vasall, was zu jahrhundertelangen Streitigkeiten zwischen den Königen und Päpsten führte. Er bekriegte die Mauren, besonders die Emire von Saragossa, eroberte 1076 Navarra, ermordete seinen Cousin Sancho IV. und behauptete es gegen Kastilien, das nur die baskischen Provinzen erhielt. Er half Kastilien und machte 1086 die verlorene Schlacht bei Zalaka gegen den ALMORAWIDEN-Kalif Ben Jussuf von Marokko mit, die einen schweren Rückschlag für die Reconquista bedeutete. Sancho Ramirez eroberte Barbastro, Grados und Arguedas und fiel vor dem belagerten Huesca.
 
 
 
 

    1065
  1. oo Isabella von Urgel, Tochter des Grafen Armengol III.
 -1070      -20.12.1071

  2. oo Felicie von Roucy, Tochter des Grafen Hilduin de Montdidier
                -   1121 (24.4.1086 Isenburg)
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Peter I.
  1069-28.9.1104

2. Ehe

  Alfons I. der Streitbare
  um 1073-7.9.1134

  Ramiro II. der Mönch
        -16.8.1147
 
 
 

Literatur:
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Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 -
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“

Da die Nachfolge im aragonesischen Reich durch das Testament Ramiros I. eindeutig geregelt war und darüber hinaus Sancho Ramirez seit 1062 als Mitregent den Titel eines regis filius führte, traten bei der Machtübernahme trotz der möglicherweise existierenden Probleme keine Schwierigkeiten auf. Wenig günstige Perspektiven eröffnete allerdings der rasche Verlust Barbastros und der dabei zu beklagende Tod Ermengols III., dessen Wert als Bünsnispartner kaum zu überschätzen war. Es kann nur auf den ersten Blick überraschen, dass sich Sancho Ramirez auf der Suche nach Hilfe weniger nach Westen, wo der Tod Ferdinands I. von Kastilien-Leon zu einer vorübergehendne Machtzersplitterung geführt hatte, oder an Sancho IV. als an den Papst im fernen Rom wandte, standen doch unabhängig vom gegenwärtigen Zustand der Reiche die leonesischen, schon 1067 durch eine Attacke auf Zaragoza unterstrichen, und navarresischen Suprematieansprüche nach wie vor  ungeklärt im Raum. Die Frage, welchen Einfluß die in Aragon seit 1028 wirksame cluniacensische Klosterreform oder die Legationsreise des Kardinals Hugo Candidaus in den Jahren 1063 bis 1067 mit dem Ziel, innerhalb der aragonesischen Kirche für den Anschluß an die römische Kirchenverfassung zu werben, auf das Denken und die Handlungen des jungen Königs ausgeübt haben könnten, harrt bis heute noch einer endgültigen Klärung. Dennoch ist die Romreise Sanchos im Jahre 1068, auf der er sich und sein Reich Gott und dem heiligen Petrus kommendierte, sowohl als Zeugnis einer tiefen inneren Frömmigkeit anzusehen, die schon im Testament seines Vaters zum Ausdruck gekommen war, als auch als Versuch zu werten, sich die notwendigen innen- und außenpolitische Rückendeckung für zukünftige Schachzüge zu verschaffen. Nicht ganz außer acht gelassen werden sollte allerdings der mögliche Aspekt einer inneren Führungsschwäche. Wenn sein Vater tatsächlich noch lebte, konnten sich oppositionelle Kreise durchaus auf ihn berufen. Der Schritt von 1068 war demgegenüber geeignet, solche Stimmen durch das Votum einer höheren Autorität zum Schweigen zu bringen. Es kann nicht übersehen werden, dass Sanncho Ramirez erst seit dem Juni 1069 - also nach dem 8. Mai 1069 - in seinen original überlieferten Urkunden offiziell den Titel eines Dei gratia Aragonense führte.
Als dann 1071, zuerst in Gestalt des Klosterzentrums San Juan de la Pena, der Übergang der aragonesischen Kirche zum römischen Ritus eingeleitet und durch eine Schutznahme für die großen Konvente in Aragon und Sobrare abgerundet wurde, war eine Wahl bereits 1068 verabredete, neue Stufe der Bindung an das Papsttum erreicht, die durch die Übertragung der Kirchenaufsicht an den Abt Frotard von St. Pons de Thomieres ergänzt wurde. Sie erfuhr ihre Vollendung, als das Königreich selbst 1088/89 in voll rechtlichem Sinne dem Schutz des Apostelfürsten und des Papstes anvertraut wurde, ohne dass eine oft angenommene Lehnsnahme schlüssig nachzuweisen wäre.
Zudem sollte beachtet werden, in welch engem Zusammenhang die Vorgänge im kirchlich-religiösen Bereich mit der politischen Entwicklung standen. Als 1076 Sancho IV. von Navarra durch seinen Halbbruder Ramon ermordet wurde, war Aragon imstande, in gleicher Weise wie Alfons VI. von Kastilien-Leon auf den Hilferuf der navarresischen Königsanhänger hin als Schutzmacht aufzutreten. Während der kastilisch-leonesische König, ebenso wie Sancho Ramirez ein Vetter des Ermordeten, durch die Rioja bis nach Calahorra vorrückte, besetzte der aragonesische König den Norden des Landes und ließ sich zum König von Pamplona erklären. Erst von diesem Augenblick an führte Sancho Ramirez den vollen Titel eines "Königs von Gottes Gnaden der Aragonesen und Pamplonesen", was nochmals die theoretischen Grundlagen des Königtums in ein klärendes Licht rückt. Seit 1076, seit der Vereinigung der beiden Reiche, lebte in Aragon der Königstitel von Pamplona-Navarra fort. Mit Alfons VI. einigte sich Sancho Ramirezzwar darauf, das navarresische Reich zu teilen und die Rioja, Vizcaya, Alava, Teile von Guipuzcoa sowie einige Gebeite seiner Herrschaft zu überlassen, doch begann dieser, nun wieder den althergebrachten leonesischen Kaisertitel mit allen seinen hegemonialen Implikationen zur Geltung zu bringen. Dies wirkte sich für Aragon am nachteiligsten auf dem Gebiet der Reconquiasta aus, wo man in sich Zukunft nicht nur dem Cid als Verbündeten des Taifen von Zaragoza gegenübersah, sondern auch die Konkurrenz Alfons' VI. beim Kampf um das Reich Zaragoza zu spüren bekam. Ein Versuch zur Eroberung der Stadt scheiterte 1086 nur deshalb, weil die Invasion der ALMORAVIDEN den "Kaiser aller Völker Spaniens" zwang, sich den maurischen Heerscharen bei az-Zallaqa/Sagrajas in den Weg zu stellen.
Die vernichtende Niederlage Alfons' VI. und das Überhandnehmen der almoravidischen Bedrohung wirkte einigend auf den kastilisch-leonesischen und den aragonesischen Herrscher ein. Das Problem Pamplona-Navarra wurde 1087 gelöst, indem die Rioja und die Gebiete südlich des Flusses Ega wie Maranon, Alava und die Vizcaya endgültig Alfons VI. übertragen wurden während panplonesische Reichsteile westlich des Aragon Sancho Ramirez zufallen sollten. Eine Ausnahme bildete die bei dieser Gelegenheit geschaffene Grafschaft Navarra mit ihren Hauptorten Pamplona, Estella, Aibar und Tafalla, die der einer Bastardlinie des Königshauses von Pamplona-Navarra entstammende Sancho Sanchez, Herr von Erro, erhielt. Für diese Grafschaft, deren neuer Herr mit einer Tochter der navarresischen Infantin Urraca, Schwester Sanchos IV. und Gattin des Grafen Garca Ordone von der Rioja, verheiratet war, mußte Sancho Ramirez Alfons VI. den Lehnseid leisten, so dass der alte Suprematiegedanke nicht wiederbelebt werden konnte. Die kurze Zeit später in die Wege geleitete päpstliche Schutznahme diente aus der Sicht der aragonesischen Landesgeschichte somit auch der Absischerung der 1087 erreichten Reichsbildung für den Fall, dass nach einem Abklingen der Almoravidengefahr die von Alfons VI. keineswegs aufgegebenen Hegemonialansprüche erneut vorgebracht wurden und den Bestand der aragonesischen Herrschaft bedrohten.
Als Sancho Ramirez 1094 starb, hatte er seine Herrschaft durch die Reconquista, die er bis vor die Mauern von Huesa vorangetrien hatte, sowie die Einverleibung der pamplonesischen Reichsteile nicht nur wesentlich erweitert, sondern auch die Grundlagen seines Königtums gegen Eingriffe von außen, soweit möglich, abgesichert.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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