Stammtafel im Anhang Band IX des Lexikons des Mittelalters
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 855
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I. DIE GRAFSCHAFT ARAGON
Im äußeren Nordwesten des heutigen Aragon bildete sich zu Beginn des 9. Jahrhunderts eine vom Emir von Cordoba unabhängige und eng mit dem karolingischen Reich verbundene Grafschaft unter dem einheimischen Grafen Aznar I. Galindez (um 809-820). Bald führte der Einfluß der Araber des Ebrotals und der des benachbarten Königreiches Navarra zu einem "Staatsstreich" von regionalem und antifränkischen Charakter unter der Führung von Garcia Galindez dem Bösen (um 820-844), der die Grafschaft um 820 von der fränkischen Vormundschaft befreite. Zu dieser Zeit umfaßte die Grafschaft die Täler von Hecho, Canfranc, Borau, Aisa und Araguas, zu denen bald die von Anso und Acumuer hinzukommen sollten. Unter dem Grafen Galindo I. Aznarez (um 844-867) zwangen die Könige von Pamplona dem ihnen benachbarten Aragon ihren Schutz beziehungsweise ihre Oberlehnsherrschaft auf, was die Heirat von Aznar II. Galindez (um 867-893) mit Onneca Garces von Pamplona erklärt. Ein Sohn der beiden, Graf Gallindo II. Aznarez (893-922), bemühte sich um den Beistand der Muslime von Huesca, des Grafen Garcia Sanchez von Gascogne und des Grafen Bernhard Unifred von Ribagorza, aber er konnte sich dem navarresischen Einfluß nicht entziehen und heiratete schließlich Sancha Garces aus der königlichen Familie von Pamplona. Es gelang ihm jedoch, ein eigenständiges Bistum für Aragon zu schaffen (922). Seine Tochter und Erbin Andregoto Galindez (922-970) heiratete den König von Pamplona, Garcia Sanchez I. (925-970), wodurch die aragonesische Grafschaft mit den Gebieten des navarresischen Königshauses vereinigt wurde, obgleich das gräfliche Aragon seine politische und administrative Einheit bewahrte und von einem Grafen, der Aragon vom Hof von Pamplona zu Lehen erhalten hatte, verwaltet wurde. Der Sohn von Andregoto und Garcia Sanchez I., Sancho II. Garces (970-994), König von Pamplona und besitzender Graf von Aragon, vollendete die Besetzung eines großen Teils von Sobrarbe, die sein Vater zwischen 943 und 948 begonnen hatte. Sancho III. Garces (1000-1035), ein Enkel des Vorgenannten, herrschte über das gesamte aragonesische Gebirgsland, nachdem er (zwischen 1018 und 1025) das Gebiet von Ribagorza einverleibt hatte.
II. DAS KÖNIGREICH ARAGON
Sancho III. beteiligte seine Söhne an der Regierung; er übertrug dabei Ramiro die Angelegenheiten von Aragon und Gonzalo die von Sobrarbe-Ribagorza; diese Infanten folgten ihrem Vater 1035 in den jeweiligen Gebieten nach. Der von Ramiro I. (1035-1063) regierte Teil umfaßte hauptsächlich die alte Grafschaft Aragon. Auf dieser territorialen Grundlage sollten Ramiro I. und sein Sohn Sancho Ramirez das Königreich Aragon errichten. Ramiro I., der niemals den Königstitel führte, vermehrte seine Rechte durch Eingliederung von Loarre, Samitier, Ruesta, Petilla, Sos, Sangüesa und nach dem Tod seines Bruders Gonzalo (um 1045), des Gebiets von Sobrarbe-Ribagorza. Als Ramiro I. versuchte, Graus zu besetzen, wurde er 1063 von den Mauren getötet, die die Stadt mit Unterstützung kastilischer Truppen Ferdinands I. verteidigten. Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, höhere Steuereinnahmen sowie der Ausbau des Heerwesens und der Landesverfassung bildeten die Grundlagen, von denen aus Sancho Ramirez (1063-1094), der bereits den Königstitel führte, und Peter I. (1094-1104) die Eroberung des Gebietsstreifens zwischen den Vorpyrenäen und dem Ebrotal durchführten. Die maurische Front stützte sich auf Tudela, Huesca, Barbasto und Fraga-Lerida - ein großer Halbkreis, dessen Zentrum Zaragoza war. Der aragonische Vormarsch richtete sich auf diese vier Stellungen. In annähernd einem Vierteljahrhundert wurde ein Gebiet von rund 9.000 km² besetzt, das eine wirtschaftliche Ergänzung des Gebirgslandes darstellte und dessen Eroberung mit dem Aufschwung des Handels und des städtischen Lebens in den Zentren Jaca, Huesca und Barbastro zusammenfiel. Ein wichtiger Faktor für den aragonesischen Machtgewinn dieser Jahre war die Eingliederung des nördlich des Ebro gelegenen Navarra durch Sancho Ramirez infolge der Ermordung des navarresischen Herrschers Sancho IV. Garces (1076). Die dritte große Phase der aragonesischen Eroberung, die Besetzung des Ebrotals, war das Werk von Alfons I. "el Batallador" (1104-1134), der sich die Eingliederung von Lerida und Zaragoza zum Endziel seiner Eroberungspolitik gesetzt hatte. Eine innere Krise des maurischen Königreiches Zaragoza (Tod von al-Mustain, 1100) ausnutzend, eroberte Alfons I. mit Unterstützung aragonesischer, navarresischer, katalanischer und bearnesischer Truppen Zaragoza (18. Dezember 1118) sowie Tudela, Tarazona und mehrere Festungen in der Sierra del Moncayo (1119). Die spektakuläre Expansion endete mit der der Niederlage vor Fraga (17. Juli 1134), der der rasche Tod Alfons I. folgte. Die Ortschaften und Städte des von Alfons I. eroberten Gebiets hatten sich auf Grund von Verträgen ergeben, die das Verbleiben muslimischer Siedler im gesamten Ebrotal garantierten, wo der Ackerbau mittels Bewässerungsanlagen blühte. In den neuen Gebieten ließen sich auch französische und katalanische Siedler nieder; den Grenzorten wurden Privilegien gewährt, die die Entstehung einer örtlichen caballeria begünstigten.
III. DIE KRONE ARAGON
Alfons I. starb kinderlos,
bestimmte aber, dass das Königreich zu gleichen Teilen den Ritterorden
der Ritter vom Heiligen Grab, der Johanniter und der Templer zufallen sollte.
Dieses außergewöhnliche Testament rief eine innere Krise hervor,
die die Navarresen nutzten, um sich von Aragon zu trennen, die Kastlier,
um ins Ebrotal einzudringen, und die Araber, um einige verlorengegangene
Positionen zurückzuerobern. Aber der Adel, der Klerus und die Gemeinden
des Königreiches beendeten diese Krise, indem sie einen der kirchlichen
Laufbahn bestimmten Bruder des Verstorbenen zum König wählten,
Ramiro
II. "el Monje" (1134-1137). Um die anstehenden Probleme zu lösen,
begann Ramiro II. Verhandlungen mit
Navarra und Kastilien; er heiratete Agnes von
Poitiers (1136) und bekam eine Tochter Petronilla.
Der König verlobte diese dem katalanischen Grafen Raimund Berengar
IV., der damit das Königreich Aragon erhalten sollte (Barbasto
1137). Als politisches Motiv für diese Verbindung ist wohl die Tatsache
anzusehen, dass sowohl die Aragonesen wie die Katalanen die kastilische
Vorherrschaft fürchteten und die Expansion beider in die gleiche Richtung
ging. Das Resultat des Verlobungsvertrags war die Geburt eines neuen politischen
Gebildes, der Krone Aragon. Sie bestand damals aus dem aragonesischen Gebieten
nördlich des Ebro und den katalanischen Grafschaften. Der erste Herrscher
der Krone Aragons, Raimund Berengar IV. (1137-1162),
vereinbarte mit Alfons VII. den Rückzug
der kastilischen Truppen aus dem Ebrotal (Vertrag von Carrion 1140) und
die Aufteilung des muslimischen Spanien, wobei Valencia, Denia und Murcia
der katalano-aragonesische Eroberung vorbehalten wurden (Vertrag von Tudellen
1151). Er selbst leitete die Eroberung von Tortosa (1148), Lerida, Fraga
und Mequinenza (1149), womit die künftigen Grenzen Kataloniens festgelegt
waren. Sein Sohn Alfons II. (1162-1196)
festigte die katalano-aragonesische Herrschaft jenseits der Pyrenäen
(Provence, Millau, Gevaudan, Rouergue), verleibte der Krone des Roussillon
ein (1172) und schloß die Eroberungen Aragons mit der Besetzung von
Caspe und der Wiederbesiedlung von Tereul (1170) ab, verzichtete aber in
einem Abkommen mit Alfons VIII. von Kastilien
auf seine Anrechte auf Murcia (Vertrag von Cazorla 1179). Der dritte
Graf-König, Peter II. (1196-1213),
heiratete Maria von Montpellier (1204)
und verband so diese französische Herrschaft mit der Krone Aragon.
Mit seinem Tod bei Muret (1213) endete die Expansionspolitik der Krone
jenseits der Pyrenäen und es begann ein neuer Abschnitt: die große
Expansion auf der Halbinsel und im Mittelmeerraum, die sein Sohn Jakob
I. (1213-1276) eröffnen sollte.
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war die Wirtschaft im
Bereich der Krone Aragon vorwiegend agrarisch, sie verfügte jedoch
an der katalonischen Küste über eine Anzahl von urbanen Zentren
(Barcelona, Perpignan, die Ortschaften der Maresme) mit deutlich kommerzieller
und gewerblicher Ausrichtung. Besondere Bedeutung hatte die Textilproduktion.
Die entwickelte Wirtschaft Kataloniens und vor allem der Einfluß
seines Handels erklären, dass die erste bedeutende Unternehmung des
Königs die Eroberung von Mallorca (1229) und Ibiza (1235) war, erste
Etappe der mediterranen Expansion der Krone Aragon. Die Eroberung des Pais
Valenciano 1232-1245, das als selbständiges Königreich galt,
gleichberechtigt neben Aragon und Katalonien, gab der Krone ihren dritten
Gliedstaat. Die Balearen wurden ausschließlich mit Katalanen besiedelt,
das Pais Valenciano mit Katalanen und Aragonesen, wobei die ersteren in
der Mehrheit waren. Hier ist der Grund für die sprachliche und ethnische
Einheit des Katalanischen Landes (Paies catalanes: Katalonien, Valencia,
Balearen) bis heute zu suchen. 1265-1266 nahm
Jakob I. das gegen Alfons X.
rebellierende Königreich Murcia ein, besiedelte es neu mit Katalanen
und trat es in Erfüllung des Vertrages von Cazorla wieder an Kastilien
ab. Während seiner Regierungszeit entwickelten sich feste Handelsbeziehungen
zu den Sultanaten N-Afrika (vor allem Marokko, Tlemcen, Tunis). Auf institutionellem
Gebiet bildeten sich in dieser Zeit die Cortes aus; die Gemeinden erwarben
sich eine gewisse Autonomie. Bei seinem Tod teilte
Jakob I. seine Königreiche unter seine Söhne auf:
Der älteste, Peter, bekam Aragon,
Katalonien und Valencia; der zweite Jakob,
erbte die Inseln Mallorca und Ibiza, die Grafschaften Roussillon und Cerdana
und die Herrschaft Montpellier. Peter III. "el
Grande" (1276-1285) schlug den Aufstand des katalanischen Adels
nieder (1280) und verleibte in Wahrnehmung der Interessen seiner Frau,
der STAUFERIN Konstanze,
Sizilien der Krone Aragon ein. Die Annexion Siziliens brachte ihm in Konflikt
mit der französischen Monarchie und dem Papst, die die Ansprüche
der ANJOU auf die Insel befürworteten.
Um mit diesen Schwierigkeiten im Äußeren fertig werden zu können,
mußte Peter die innere Front
stärken und die Unterstützung der Bevölkerung gewinnen:
in Aragon bestätigte er die Privilegien des Adels, in Katalonien stärkte
er die Macht der Gemeinden und der Cortes, wodurch es zu einem echten System
der Teilung der Regierungsgewalt zwischen den Cortes und dem König
kam (Paktismus). All dies ermöglichte ihm eine expansive Politik:
Der Umfang des heutigen Aragon wurde mit der Einnahme von Albarracin vorgeformt,
die Expansion im Mittelmeer mit der Besatzung von Malta, Gozz, Ischia,
Djerba und der Kerkennaisinseln fortgesetzt. Eine französische Invasion
wurde zurückgeschlagen (1285). Jakob II.
von Mallorca wurde wegen Unterstützung der französischen
Invasoren sein Königreich entzogen; es wurde der Krone Aragon eingegliedert
(1285). Auf Peter III. folgte in Aragon,
Katalonien, Valencia und Mallorca sein Erstgeborener Alfons
III. (1285-1291) und in Sizilien sein anderer Sohn Jakob.
Alfons
verfolgte Jakob gegenüber eine
Politik des Beistandes und des Schutzes, was ihm die Feindschaft der
ANJOU, Frankreichs und des Heiligen Stuhls einbrachte, aber
er wußte dieser Bedrohung mit den Mitteln der Diplomatie zu begegnen.
Wie sein Vater konnte
Alfons III. seine
Außenpolitik nur durchhalten, indem er Innern den Forderungen des
Adels nachgab (Privileg der Union 1287). Diesem Herrscher wird die Eroberung
von Menorca (1287) verdankt und der Erwerb der nominellen Rechte auf Murcia,
die ihm der kastilische Thronprätendent Alfons
de la Cerda gewährte, da ihn
Alfons
III. in seiner Rivalität zu Sancho
IV. von Kastilien unterstützte. Nach dem Tod von König
Alfons folgte ihm sein Bruder Jakob
von Sizilien als Jakob II.
nach (1291-1327). Dessen 35 Regierungsjahre
und die 10 seines zweitgeborenen Sohnes und Nachfolgers
Alfons
IV. des Gütigen bilden den Höhepunkt der mediterranen
Hegemonie der Krone Aragon. Jakob II.
versuchte, die direkte Herrschaft über Sizilien und Mallorca zu bewahren,
was ihm während einiger Jahre gelang, bis er im Vertrag von Anagni
(1295) auf Sizilien verzichten und das Königreich Mallorca seinem
Onkel Jakob zurückgeben mußte,
der ihn allerdings als Lehnsherrn anerkannte. Die positive Seite des Vertrags
bildete der Frieden mit der französischen Monarchie und das Zugeständnis
des Papstes, Sardiniens und Korsika der Krone Aragon abzutreten. Dies war
ein Weg, die außenpolitischen Probleme zu lösen, ohne dynastische
Interessen zu verletzen, da die Sizilianer erwartungsgemäß den
Vertrag ablehnten und einen Bruder von Jakob II.,
Friedrich
I. (III.) von Sizilien (Trinacria), 1296 zum König wählten,
der die Insel halten und seinen Nachfolgern übergeben konnte. Nachdem
die franko-angevinische Bedrohung gebannt war, unterstützte König
Jakob die Ansprüche seines Schützlings Alfons
de la Cerda auf den kastilischen Thron und eroberte im Kampf
gegen Ferdinand IV. von Kastilien das
Königreich Murcia (1296 und 1300), von dem er die Gebiete von Alicante,
Orihuela und Vuillena einbehielt. Im Mittelmeerraum wurden die wirtschaftlichen
Beziehungen zu N-Afrika von den Katalano-Aragonesen intensiviert; die Ansprüche
auf Sardinien wurden durch einen Eroberungsfeldzug unter der Führung
des Infanten Alfons durchgesetzt (1323-1324);
eine Expedition katalano-aragonesischer Söldner (die Almogavares)
bemächtigte sich, fast völlig selbständig handelnd, der
Herzogtümer Athen und Neopatras (1311/18). Während seiner Regierungszeit
wurde die Autorität der Monarchie in Katalonien durch die vollständige
Eingliederung der Grafschaften Urgel und Ampurias in den Besitz der königlichen
Familie gestärkt, obwohl unter der Herrschaft Alfons
IV. (1327-1336) die ersten Anzeichen einer Wirtschaftskrise
auftraten. Dessenungeachtet plante der König noch einen Kreuzzug gegen
Granada, den er aber nicht ausführte, und erschöpfte sich in
einem langen Seekrieg gegen Genua, die Rivalin der Katalanen im westlichen
Mittelmeer. Während die Pest mit ihren Begleiterscheinungen wütete,
bemühte sich Peter IV. der Zeremoniöse,
Sohn und Nachfolger Alfons IV., die
politische Macht der Krone Aragon zu erhalten und noch zu vergrößern.
Er gliederte das Königreich Mallorca wieder ein (1343-1344), kämpfte
gegen Genua und die mit Venedig verbündeten aufständischen Sarden,
plante die Eheverbindung der Königin Maria von Sizilien mit einem
Mitglied seiner Familie und verband die Herzogtümer Athen und
Neopatras mit der Krone (1379). Diese ehrgeizige Außenpolitik, der
sogenannte "reintegracionismo mediterraneo", hatte auch ihre innenpolitischen
Konsequenzen, als der Adel von Aragon und Valencia versuchte, der Monarchie
seinen Standpunkt aufzuzwingen und mit Waffengewalt unterworfen wurde (1348).
Ein derartiger Erfolg hätte das Vorspiel für eine autoritäre
Regierung sein können, hätten den König nicht die enormen
Kosten seiner Außenpolitik immer wieder gezwungen, mit den Ständen
in den Cortes zu paktieren. Notwendig war die Hilfe der Cortes in dem langen
und erschöpfenden Kampf mit Kastilien unter
Peter I. (" Krieg der beiden Peter" 1356-1368). Im Verlauf des
Konfliktes drohte das militärische und wirtschaftliche Übergewicht
Kastiliens die Krone Aragon zu erdrücken, aber mit diplomatischem
Geschick verstand es Peter IV., den
kastilisch-aragonesischen Kampf in einen innerkastilischen Bürgerkrieg
zu verwandeln, indem er Peter I. mit
seinem Rivalen Heinrich von Trastamara konfrontierte,
der ihn schließlich vernichten sollte. Der Sohn von
Peter IV., Johann I. (1387-1396),
erbte eine Gruppe erschöpfter Königreiche, die sich in einer
tiefen wirtschaftlichen Krise befanden; vielleicht hielt er deshalb Frieden
mit seinen Nachbarn und mit dem traditionellen Feinden der Krone Aragon.
Einen Rückgang der katalano-aragonesischen Herrschaft im Mittelmeerraum
konnte er nicht verhindern: Verlust von Athen (1388) und Neopatras (1390),
Aufstand Sardiniens (1391). Sein Bruder und Nachfolger Martin
I. (1396-1410) schickte den Erben
der Krone, Martin den Jungen, Witwer
der Königin Maria von Sizilien,
in den Kampf gegen sardische Rebellen; der Erstgeborene siegte zwar, fand
aber auf der Insel den Tod (1410). Dadurch blieb die Krone Aragon, der
damals Sizilien wieder dauerhaft einverleibt wurde, ohne Erben, und der
Tod Martins I. eröffnete eine
Periode des Kampfes und der politischen Diskussion um seine Nachfolge.
Die aragonesischen Cortes setzten angesichts der Unentschlossenheit der
katalanischen Ständeversammlung im Kompromiß von Caspe den von
ihnen favorisierten kastilischen Kandidaten Ferdinand von Antequera durch,
der sich der Unterstützung durch Papst Benedikt XIII. erfreute und
zudem die Mittel hatte, um Stimmen und Gefolgsleute kaufen zu können.
Ferdinand
I. (1412-1416), der erste. König der Krone Aragon aus dem
Hause
TRASTAMARA, schlug eine Erhebung seines unterlegenen katalanischen
Rivalen Jakob von Urgel nieder (1413) und festigte die katalano-aragonesische
Macht auf Sizilien und Sardinien (1414). Wegen seines Anspruchs, weitgehend
ohne die Cortes zu regieren, geriet er in Konflikt mit den Forderungen
des katalanischen Adels und Patriziats (1414). Auch sein Erstgeborener
Alfons
V. der Großmütige (1416-1458, als König von
Sizilien
Alfons I.) hatte Schwierigkeiten
mit den Cortes von Katalonien und übertrug sehr bald die Regierung
dieses Gebietes seiner Frau Maria
als
Statthalterin, ab 1452 Galceran de Requesens und 1454 seinem Bruder Johann
von Navarra. Während eines großen Teils seiner Regierungszeit
wurden auch Valencia und Aragon von seinem Bruder
Johann, Mitkönig von Navarra, regiert (seit 1425). Alfons
mischte sich oft in die inneren Angelegenheiten Kastiliens ein, wo seine
Brüder die Adelspartei anführten, die der autoritären Politik
des Günstlings Alvaro de Luna feindlich gegenüberstand. Aber
vor allem widmete er seine Anstrengungen einem unzeitgemäßen
Hegemoniestreben, das die Mittel seines Reiches erschöpfte: Er griff
Korsika an (1420), führte einen Seekrieg gegen Genua (ab 1454), zerstörte
den Hafen von Marseille (1324) und erreichte im Kampf gegen fast alle italienischen
Staaten die Eingliederung Neapels (1442). Im östlichen Mittelmeer
schadete seine Aggressivität gegen die Türken und gegen Ägypten
dem katanischen Handel. Innerhalb Kataloniens gab er vor, die Forderungen
der Remensas (unfreie Bauern) gegen die Landbesitzer zu unterstützen,
während er gleichzeitig auf Mallorca mit Härte gegen den Aufstand
der Forans (Bauern) vorging. In Barcelona, wo die Parteien der Biga und
Busca im Kampf um die Macht lagen, entschied er sich für die volksnähere
Busca. Auf dem Höhepunkt der wirtschaftlichen, sozialen und politischen
Krise kamen der Hochadel und das Patriziat, die jahrhundertelang Katalonien
gemeinsam mit dem König regiert hatten, zu der Überzeugung,
dass die Wurzel des Übels in der Dynastie zu suchen war, die durch
den Kompromiß von Caspe an die Macht gelangt war, das Regierungssystem
des Paktismus nicht respektierte, sich mit baskischen Beratern umgab und
den Herrschaftsschwerpunkt verlagert hatte. Nachfolger AlfonsV.
waren
in Neapel sein unehelicher Sohn Ferrante
und
für die Krone Aragon sein Bruder Johann II.
(1458-1479). Dieser hatte sich während seiner Statthalterschaft
die Feindschaft der katalanischen Oberschicht zugezogen, da er die Remensa-
und Buscafreundliche Politik seines Bruders unterstützt hatte. Zudem
hatte ihn seine Politik der Einmischung in die Angelegenheiten Navarras
und sogar Kastiliens davon abgehalten, sich um die eigentlichen Belange
der Krone zu kümmern. Das Beharren auf dieser Politik und seine autoritäre
Haltung gegenüber den katalonischen Cortes erklären, warum
sich Johann II. in Katalonien einer
Erhebung gegenüber sah, aus der sich ein 10-jähriger Bürgerkrieg
entwickeln sollte (1462-1472), in dessen Verlauf sich der wirtschaftliche
Verfall der Krone Aragon vollendete und sich gleichzeitig das Zentrum des
Handels von Barcelona nach Valencia verlagerte. Der Konflikt endete mit
einem Kompromiß, bei dem sich die Monarchie verpflichtete, das traditionelle
Regierungssystem in Katalonien zu respektieren. Während des Kampfes
verheiratete Johann II. seinen Erben
Ferdinand
mit
der Prinzessin Isabella von Kastilien
(1469), und sowohl diese wie auch ihr Gatte wurden 1475 zu Königen
von Kastilien ausgerufen. Kurz darauf ermöglichte der Tod
Johanns II. seinem Nachfolger Ferdinand
II. dem Katholischen (1479-1516), die Krone Aragon der Krone
von Kastilien an die Seite zu stellen. Der neue König bestätigte
den Paktismus (1481), regelte das Remensa-Problem (1486), gliederte die
Grafschaften Roussillon und Cerdana, die sein Vater eingebüßt
hatte, wieder der Krone ein (1493), eroberte Neapel (1504) und erweiterte
die Krone Aragon um Oran, Bougie und Tripolis. Mit KARL
I. (V.) (1516-1556) aus dem Hause HABSBURG
löste sich die Krone Aragon praktisch auf, da jedes Königreich
direkt dem Souverän unterstand, wenn auch unter den spanischen
HABSBURGERN
("Austrias") ein Oberster Rat von Aragon (Concejo Supremo de Aragon) mit
Vertretern von Aragon, Katalonien, Mallorca und Sardinien weiterbestand.
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Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Das Königreich Aragon, das sich in seinen Ursprüngen
aus dem Gebiet der Täler von Hecho und Canfranc entwickelt hatte,
die vom Aragon Subordan und dem eigentlichen Aragon bewässert wurden.
Die günstige Lage dieser und einiger später hinzukommender Täler,
die einerseits an ihren Eingängen durch Engpässe geschützt
waren, andererseits an alten römischen Verkehrswegen lagen und dadurch
intensive Verbindungen zur Francia aufrechterhalten konnten, bildete die
Voraussetzung sowohl für die Ausbildung geistiger Zentren wie der
Klöster Siresa, Navasal und San Martin de Cercito als auch für
die Entstehung einer eigenständischen Grafschaft, die seit Anfang
des 9. Jahrhunderts zunehmend ins Licht der Geschichte trat.
Die ersten aragonesischen Grafen gerieten indes schon
bald unter die Schutzherrschaft ihrer übermächtigen Nachbarn,
der Könige von Pamplona, konnten aber andererseits im Schatten dieser
Herrscher durch eine kluge Heiratspolitik eine in mancher Hinsicht unabhängige
Stellung aufbauen. Nicht nur mit dem wali von Huesca und dem Grafenhaus
von der Gascogne konnten auf dieser Basis enge Kontakte geschlossen werden,
sondern auch mit den Grafen von Ribagorza, wodurch eine erste Verbindung
zu den Gebirgstälern im Osten hergestellt und die Richtung künftiger
Expansion vorbestimmt wurde. Erst der fehlgeschlagene Versuch, den Dynastiewechsel
in Pamplona zu Beginn des 10. Jahrhunderts zu benutzen, um parallel zu
einer Erneuerung des Klosterwesens und zur Gründung eines Bistums
Aragon die volle Unabhängigkeit von der einstigen Schutzmacht zu erlangen,
führte wieder zu einer stärkeren Einschränkung der politischen
Handlungsfreiheit, ohne dass jedoch die Herrschaft über die Grafschaft
direkt angetastet wäre. Nicht zu verhindern war allerdings, dass Aragon
auf längere Sicht immer mehr in den Sog der pamplonesischen Zentralgewalt
geriet und schließlich durch die Heirat der Tochter Graf Galindos
II. mit Garcia Sanchez von Pamplona die
Grafschaft, als Dotum an das Könighaus ging. Zwar wurde die Ehe nach
einiger Zeit wegen zu naher Verwandtschaft aufgelöst, doch wurde zugleich
die volle Legitimität der daraus hervorgegangenen Nachkommenschaft
anerkannt, so dass die Grafschaft an Garcias
Sohn Sancho II. Garces Abarca überging. Dieser übernahm
mit Erreichen der Volljährigkeit die Herrschaft über Aragon,
führte fortan aber aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Herrscherhaus
von Pamplona-Navarra den Königstitel, wobei die Grafschaft unter der
Oberhoheit seines königlichen Vaters verblieb. Als Sancho Abarca
schließlich Urraca, die Tochter des kastilischen Grafen
Fernan Gonzales, heiratete, übertrug er ihr die Grafschaft als
Morgengabe und leitete damit eine Entwicklung ein, die dadurch gekennzeichnet
war, dass das Gebiet der Grafschaft, freilich in Unterordnung unter Pamplona,
wie Eigengut behandelt wurde, bevor es unter Sancho
el Mayor, der es aus der Gewalt der zwischenzeitlich eingefallenen
AMIRIDEN-Herrscher
befreien mußte, ebenso wie die Grafschaft Sobrarbe und Ribagorza,
die Region von Serrablo und das vorher muslimische Ufer des Flusses Cinca
völlig dem Königreich Pamplona-Navarra angegliedert und von der
Reconquista abgeschnitten wurde.
Grafen von Aragon
| Aznar I. Galindez Graf von Aragon (um 809- 820) |
| Garcias der Böse Graf von Aragon (820- 844) |
| Galindo I. Aznar Graf von Aragon (844- 867) |
| Aznar II. Galindez Graf von Aragon (867- 893) |
| Galindo II. Aznar Graf von Aragon (893- 922) |
HAUS NAVARRA
| Ramiro I. König von Aragon (1035-1063) |
| Sancho I. Ramirez König von Aragon (1063-1094) |
| Peter I. König von Aragon (1094-1104) |
| Alfons I. der Streitbare König von Aragon (1104-1134) |
| Ramiro II. der Mönch König von Aragon (1134-1137) |
| Petronella Königin von Aragon (1137-1173) |
HAUS BARCELONA
| Raimund Berengar IV. von Barcelona König von Aragon (1137-1162) |
| Alfons II. der Keusche König von Aragon (1162-1196) |
| Peter II. der Katholische König von Aragon (1196-1213) |
| Jakob I. der Eroberer König von Aragon (1213-1276) |
| Peter III. der Große König von Aragon (1276-1285) |
| Alfons III. der Prächtige König von Aragon (1285-1291) |
| Jakob II. der Gerechte König von Aragon (1291-1327) |
| Alfons IV. der Gütige König von Aragon (1327-1336) |
| Peter IV. der Zeremoniöse König von Aragon (1336-1387) |
| Johann I. der Jäger König von Aragon (1387-1396) |
| Martin I. der Menschliche König von Aragon (1396-1410) |
HAUS TRASTAMARA
| Ferdinand I. der Gerechte König von Aragon (1412-1416) |
| Alfons V. der Prächtige König von Aragon (1416-1458) |
| Johann II. König von Aragon (1458-1479) |
| Ferdinand II. der Katholische König von Aragon (1479-1516) |