Alfons II. der Keusche                           König von Aragon (1162-1196)
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1154-26.4.1196
     (Lex. 25.4.1196)

Ältester Sohn des Grafen Raimund Berengar IV. von Barcelona und der Petronella von Aragon, Erbtochter von König Ramiro II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 392
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Alfons II., der Keusche, König von Aragon und Graf von Barcelona
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* 1154, + 25. April 1196

Hieß als Erstgeborener ursprünglich Ramon nach seinem Vater Ramon Berenguer IV., mußte aber nach dessen Tod (1162) seinen Namen gegen den seines Bruders Alfons (nach Alfons I. von Aragon) austauschen. Auf Betreiben seiner Mutter Petronilla sollte an der Spitze der Krone Aragon die Tradition der königlichen Familie von Aragon und nicht die des Grafenhauses von Barcelona fortgesetzt werden. Indem Alfons die königliche Grablege in San Juan de la Pena und die gräfliche in Ripoll aufgab und in Poblet eine neue für seine Familie schuf, suchte er eine der Vereinigung von Aragon und Katalonien nunmehr angemessene Tradition einzuleiten. Unter ihm fiel die Grafschaft Roussillon an das Haus BARCELONA (1172), und die Grafschaften Ampurias und Urgell (1188) wurden so stark an BARCELONA gebunden, dass dadurch die Formierung zum Prinzipat Katalonien in ihr letztes Stadium treten konnte. Der Heimfall  der ledig gewordenen Grafschaft Provence (1168) löste Konflikte mit dem Grafenhaus von Toulouse aus und beförderte entscheidend die schon länger in Gang befindliche katalanische Expansion in S-Frankreich. Die Grafschaften bzw. vicomtes Provence, Carlat (zur Hälfte), Carcassonne/Beziers, Nimes, Foix, Razes, Millau, Gevaudan, Bigorre und Bearn waren von Alfons abhängig. Gleichzeitig setzte er die Expansion nach Süden fort; er eroberte Caspe, gründete Teruel und beteiligte sich 1177 an der Belagerung Cuencas, womit er die von seinem Vater übernommene Lehnsabhängigkeit vom kastilischen König abstreifte. Sein Vertrag von Cazola (1179), der die weitere Reconquista der Halbinsel zwischen Kastilien und Aragon aufteilte, und das Ende der Datierungspraxis in Katalonien nach den Regierungsjahren der französischen Könige auf der Synode zu Tarragona (1180) lassen den Willen zu vollständiger politischer Eigenständigkeit erkennen. Die wechselvolle Bündnispolitik gegenüber Kastilien, Navarra und Leon sowie sein ursprünglicher Plan, die byzantinische Kaiser-Tochter Eudoxia zu heiraten, leiteten die Grundzüge der späteren Außenpolitik schon ein.
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Alfons II. der Keusche folgte 1162 dem Vater als Graf von Barcelona, Gerona, Besalu, Osona, Cerdagne, Ripoll und Valespierre, 1166-1167 und 1181 Graf von Provence und ab 1173 König von Aragon, Graf von Ribagorza und Sobrarbe. 1162 tauchte ein Abenteurer auf und behauptete Alfons I. von Aragon zu sein, der nach jahrzehntelanger Irrfahrt im Orient zurückgekehrt sei; er fand zeitweise großen Zulauf, da Alfons I. im Bewußtsein der Zeit sehr verklärt wurde. 1163 wurde er hingerichtet. Alfons geriet in schroffen Gegensatz zur expandierenden Grafschaft von Toulouse, gewann gegen sie die Grafschaft Roussillon, die Vicomte Nimes huldigte ihm ebenso wie andere südfranzösische Herrschaften, woraus sich später viel Streit zwischen den Königen von Aragon und Frankreich ergab. Er bekriegte die königlichen Vettern in Navarra, im Süden das maurische Königreich Valencia, das Interessengebiet von Aragon war. Er schüttelte die formale kastilische Hoheit ab und gewann Saragossa zurück, förderte den Dritten Stand, der in Aragon zuerst in Europa große politische Bedeutung erlangte und eroberte Teruel. Er legte nach jahrelangen Streitigkeiten mit Kastilien die beiderseitigen Interessenssphären im maurischen Spanien fest und sicherte sich den Raum Valencia; 1181 unterstellte sich Bearn seiner Herrschaft. Nach dem Zeugnis der Troubadoure, deren großer Gönner er war, war er einer der weisesten Monarchen, zupackend und fähig und dichtete selbst.

Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“

Nach dem Tode seines Vaters (1162) erkannte Alfons II. diese Vereinbarung, die unweigerlich die Investitur und damit die Zementierung des von der staufischen Kanzlei verfochtenen lehnsrechtlichen Standpunkt nach sich gezogen hätte, nicht an. Doch an dieser Stelle muß berücksichtigt werden, dass Alfons II., als er im Oktober 1162 formell in Huesca die Nachfolge seines Vaters antrat, erst 8 Jahre alt war und die einsetzende Regentschaft unter dem als Schutz verstandenen Einfluß König Heinrichs II. Plantegenet, also Englands, stand, bevor 1163 eine Erneuerung der päpstlichen Schutznahme, vielleicht sogar in Ausdeutung des Testaments Alfons' I. el Batallador eine päpstliche Zustimmung zur Königserhebung als Dank für die Anerkennung Alexanders III. erfolgte.  Heinrich II. war mit Eleonore, der Erbin von Aquitanien und Nichte von Alfons' Großmutter Agnes verheiratet, einer der herrschsüchtigsten und politisch begabtesten Frauen des 12. Jahrhunderts, die ihrerseits Rechte auf Toulouse einbrachte. Bereits Ende 1154 hatte Raimund Berengar IV. bei einer Zusammenkunft in Jaca die weitreichenden Pläne Ludwigs VIII. von Frankreich in Erfahrung gebracht, 1158 ein Bündnis mit England vorgezogen und lieber die Vormundschaft Heinrichs II. in Kauf genommen. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass Alfons II. nach dem Tod Raimund Berengars III. von Provence (1166) im Jahr 1167 die Herrschaft in der provencalischen Grafschaft übernehmen mußte.
Welche Gefahr andererseits ein Ausgleich mit den STAUFERN für die aragonesischen Ansprüche in sich barg, trat dabei deutlich zutage. Denn Alfons II. konnte sich der Grafschaft nur bemächtigen, indem er die Rechte seiner Cousine Dulcia, der Tochter Raimund Berengars III., beiseite schob. Da Dulcia 1165 unter dem Eindruck der Verweigerung Aragons mit Raimund VI., dem präsumptiven Erben der Grafschaft Toulouse, verlobt worden war, hätte der Erbfall rein rechtlich gesehen eigentlich zugunsten des Tolosaner Grafenhauses eintreten müssen, womit der angestrebte Aufbau einer okzitanischen Gesamtherrschaft über die französich-burgundischen Grenzen hinweg in greifbare Nähe gerückt wäre. Dies war um so mehr der Fall, als sich der Graf von Toulouse sowohl auf Herrschaftsrechte in Saint-Gilles als auch auf die mächtigen, eigene Rechte verfechtende Herren von Les Baux stützen konnte. Darüber hinaus hatte er durch die Eheschließung mit der nunmehrigen Grafen-Witwe Richeza die Beziehungen zu den STAUFERN erneut gefestigt und sich dafür sogar 1165/66 von seiner bisherigen Gemahlin Konstanze, der Schwester des französischen Königs Ludwig VII., getrennt.
Angesichts der staufisch-tolosanischen Übereinstimmung blieb Alfons II., wollte er erfolgreich sein, nichts anderes übrig, als in der Provence seine Herkunft nach Kräften zur Geltung zu bringen. Im Jahr 1167 trat er als Markgraf von der Provence auf und nahm dort bewußt Hoheitsrechte wahr, bevor er 1168 seinen jüngeren Bruder Raimund Berengar IV. zum Grafen der Provence bestellte, dabei aber peinlich darauf achtete, dass sein eigener Herrschaftsanspruch als marchio oder dux Provincie vorrangig blieb. Diese Linie, die in rechtlicher Hinsicht letztlich auf die Umdeutung der Grafschaft zu einem Lehen der Krone Aragon hinauslief, behielt er bei, als 1181 Raimund Berengar IV. starb. Sancho I. von der Provence war ebenfalls ein jüngere Bruder Alfons' II., der beim ersten Anzeichen einer eigenständigen Politik abgesetzt und entfernt wurde, bevor nach einer zeitweiligen Verwaltung durch den Grafen von Foix seit 1189 mit Alfons I. von der Provence der zweite Sohn des aragonesischen Königs das Grafenamt übernahm.
Johannes Fried hat deutlich gemacht, wie wenig die 1178 vollzogene Krönung BARBAROSSAS zum König von Burgund und die damit verbundene Machtdemonstration des römischen Kaisertums ihren Eindruck auf Alfons II. und Raimund Berengar verfehlten. Zwar waren die Klagen Raimunds V. vor BARBAROSSA 1170 erfolglos geblieben, so dass 1172 das Verlöbnis Raimunds VI. mit Dulcia gelöst und dieser wegen der besseren Erfolgsaussichten mit Ermesinde, der Erbin der Grafschaft Melgueil, verheiratet wurde. Und das seit 1171 bestehende Bündnis des Grafen von Tolouse mit dem Grafen von Forcalquier und den Herren von Les Baux war 1173 durch die Vermittlung Heinrichs II. von England zu einem Waffenstillstand gebracht worden, der zum Frieden von Tarascon 1176 - ähnlich wie 1125 - zu einer Kompensation der Toosaner Forderungen geführrt hatte. Doch hatte BARBAROSSA 1174 die provencalisch-aragonesische Suzeränität über die Grafschaft Forcalquier rückgängig gemacht und damit seine mißachtete und von Aragon durch die Vermeidung der Investitur bewußt ausgehöhlte Stellung als Lehnsherr erneut zur Geltung gebracht.
Mit dieser eindeutigen Kampfansage des Kaisers ging eine seit längerem vorbereitete Umorientierung der Politik Alfons' II. einher, die seine Position insgesamt beträchtlich stärken sollte. 1174 ist das Jahr, in den der aragonesische König die Schwertleihe erhielt, in dem die Annäherung Aragons an Kastilien durch die Heirat Alfons' II. mit der Infantin Sancha, die auf den als Bestätigung von Tudejen gedachten Vertrag von Lerida (1157) zurückging, besiegelt wurde und in dem auch die defensive Abweisung der kastilischen Ansprüche auf Suzeränität über Zaragoza und das regnum Caesaraugustanum, wie es ein Abkommen 1158 festgelegt hatte, erfolgen sollte. Während zu dieser Zeit die Großen des Languedoc - unter ihnen auch der Vizegraf von Beziers - zunehmend in den Bannkreis des Grafen von Toulouse gerieten, konnte Aragon nach Maria von Bearn, die nach dem Tod ihres Bruders Gaston als Erbin der Vizegrafschaft vor 1164 Wilhelm von Montcada geheiratet hatte, gleichfalls den Vizegrafen Centulle von Bigorre, der 1175 das Val d'Aran erhielt, und den Grafen Roger-Bernhard von Foix in vasallitische Abhängigkeit bringen. Da die 1177 zwischen Alfons VIII. und der englischen Königstochter Eleonore geschlossene Ehe Kastilien endgültig in das englisch-aragonesische Bündnissystem einbezog, Aragon den Rücken freimachte und die staatsrechtliche Gleichstellung beider Reiche auf der lehnsrechtlichen Ebene in Cuenca und Cazola einvernehmlich hergestellt wurde, konnte Alfons II. an gezielte Maßnahmen gegen den kaiserlichen Einfluß denken.
Die wirkungsvollste dieser Maßnahmen, die Verheiratung Raimund Berengars IV. von der Provence mit der byzantinischen Prinzessin Eudoxia aus dem Kaiserhaus der KOMNENEN, kam indessen nicht zur Ausführung, da der provenzalische Bräutigam unter dem Eindruck der Arelater Krönung einen Rückzieher machte. Die Braut, eine Nichte Kaiser Manuels, deren politischer Wert schon sehr bald durch den Sturz des byzantinischen Kaiserhauses beträchtlich sank, wurde endlich mit Graf Wilhelm VIII. von Montpellier verheiratet, dem sie eine Tochter gebar - und dadurch wurde sie die Großmutter König Jakobs I. von Aragon! Trotz der beeindruckenden Selbstdarstellung BARBAROSSAS in Arles, die in Anwesenheit der gesamten hohen Geistlichkkeit und des stauferfreundlichen Adels geschah - zu nennen wären die Grafen von Toulouse, Forcalquier und Valence, der Dauphin sowie der Herr von Les Baux -, behielt Aragon den längeren Atem. Und es sieht fast nach staufischem Verständigungswillen aus, wenn Wilhelm II. von Forcalquier schon im November 1178 dem aragonesischen König den Vasalleneid leisten muß.
Auf jeden Fall festigte sich der aragonesisch-katalanische Einfluß im Midi nach 1178 wieder in zunehmendem Maße, zumal die auf dem III. Laterankonzil 1179 im Zeichen der wiedergewonenen kirchlichen Einheit beschlossene Ketzerbekämpfung in diesem Raum den Vizegrafen von Beziers wieder in die Arme Alfons' II. trieb. Die große kriegerische Auseinandersetzung mit Toulouse und seinen Verbündeten endete wiederum mit einem 1185 ausgehandelten Vertrag, der 1190 in Tarascon erneuert wurde und der im Kern die Bestätigung der Rechte Aragons über die Provence sowie im Gegenzug die Anerkennung der Rechte des Tolosaners über die Grafschaft Melgueil enthielt.
Wie empfindlich allerdings Aragon auf staufische Einflußnahme in seinem Machtbereich reagierte, zeigte sich 1189/90, als das Eheprojekt zwischen der Infantin Berenguela, die damals als Erb-Tochter angesehen wurde, und Konrad von Rothenburg den Bruch der Allianz zwischen Kastilien und Aragon in einer solchen Unversöhnlichkeit eintreten ließ, dass Alfons II. angesichts einer selbst nach der Geburt des Infanten Ferdinand (29. September 1189) möglichen staufischen Erbfolge im Nachbarreich zur Seele der antikastilischen Koalition auf der Iberischen Halbinsel wurde.
 
 
 
 

18.1.1174
   oo Sancha von Kastilien, Tochter des Königs Alfons VII.
        21.9.1154- 9.1208
 
 
 
 

9 Kinder:

  Eleonore
         - nach 24.2.1226

 1202
  oo Raimund VI. Graf von Toulouse
       27.10.1156-2.8.1222

  Konstanze
  um 1179--23.6.1222

    1198
  1. oo Emmerich König von Ungarn
          1174-30.11.1204

  19.8.1209
  2. oo FRIEDRICH II. ROGER
        26.12.1194-13.12.1250

  Sancha
  1211-   1241

  oo Raimund VII. Graf von Toulouse
       1197-27.9.1249

  Alfons II. Graf von Provence
  um 1180- 2.1209

  Ferdinand Abt von Monte Aragon
  um 1190-   1249

Er mischte 1213 als übler Intrigant in vielen Regentschaftsstreitigkeiten mit und führte unzufriedene Barone an.

  Dulcia Nonne zu Sijena
        -

  Peter II. der Katholische
  1176-13.9.1213 gefallen

  Raimund Berengar
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Literatur:
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Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 132 - Vones Ludwig: Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 279,502 -
 
 
 
 
 
 
 
 


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