Ältester Sohn des Grafen
Raimund Berengar IV. von Barcelona und der Petronella
von Aragon, Erbtochter von König
Ramiro II.
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 392
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Alfons II., der Keusche, König von Aragon und Graf
von Barcelona
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* 1154, + 25. April 1196
Hieß als Erstgeborener ursprünglich Ramon
nach seinem Vater Ramon Berenguer IV.,
mußte aber nach dessen Tod (1162) seinen Namen gegen den seines Bruders
Alfons
(nach Alfons I. von Aragon) austauschen.
Auf Betreiben seiner Mutter Petronilla
sollte an der Spitze der Krone Aragon die Tradition der königlichen
Familie von Aragon und nicht die des Grafenhauses von Barcelona
fortgesetzt werden. Indem Alfons die
königliche Grablege in San Juan de la Pena und die gräfliche
in Ripoll aufgab und in Poblet eine neue für seine Familie schuf,
suchte er eine der Vereinigung von Aragon und Katalonien nunmehr angemessene
Tradition einzuleiten. Unter ihm fiel die Grafschaft Roussillon an das
Haus
BARCELONA (1172), und die Grafschaften Ampurias und Urgell (1188)
wurden so stark an BARCELONA gebunden,
dass dadurch die Formierung zum Prinzipat Katalonien in ihr letztes Stadium
treten konnte. Der Heimfall der ledig gewordenen Grafschaft Provence
(1168) löste Konflikte mit dem Grafenhaus von Toulouse aus und beförderte
entscheidend die schon länger in Gang befindliche katalanische Expansion
in S-Frankreich. Die Grafschaften bzw. vicomtes Provence, Carlat (zur Hälfte),
Carcassonne/Beziers, Nimes, Foix, Razes, Millau, Gevaudan, Bigorre und
Bearn waren von Alfons abhängig.
Gleichzeitig setzte er die Expansion nach Süden fort; er eroberte
Caspe, gründete Teruel und beteiligte sich 1177 an der Belagerung
Cuencas, womit er die von seinem Vater übernommene Lehnsabhängigkeit
vom kastilischen König abstreifte. Sein Vertrag von Cazola (1179),
der die weitere Reconquista der Halbinsel zwischen Kastilien und Aragon
aufteilte, und das Ende der Datierungspraxis in Katalonien nach den Regierungsjahren
der französischen Könige auf der Synode zu Tarragona (1180) lassen
den Willen zu vollständiger politischer Eigenständigkeit erkennen.
Die wechselvolle Bündnispolitik gegenüber Kastilien, Navarra
und Leon sowie sein ursprünglicher Plan, die byzantinische
Kaiser-Tochter Eudoxia zu heiraten, leiteten die Grundzüge
der späteren Außenpolitik schon ein.
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Alfons II. der Keusche
folgte 1162 dem Vater als Graf von Barcelona, Gerona, Besalu, Osona, Cerdagne,
Ripoll und Valespierre, 1166-1167 und 1181 Graf von Provence und ab 1173
König von Aragon, Graf von Ribagorza und Sobrarbe. 1162 tauchte ein
Abenteurer auf und behauptete Alfons I. von Aragon
zu sein, der nach jahrzehntelanger Irrfahrt im Orient zurückgekehrt
sei; er fand zeitweise großen Zulauf, da
Alfons I. im Bewußtsein der Zeit sehr verklärt wurde.
1163 wurde er hingerichtet. Alfons geriet
in schroffen Gegensatz zur expandierenden Grafschaft von Toulouse, gewann
gegen sie die Grafschaft Roussillon, die Vicomte Nimes huldigte ihm ebenso
wie andere südfranzösische Herrschaften, woraus sich später
viel Streit zwischen den Königen von Aragon und Frankreich ergab.
Er bekriegte die königlichen Vettern in Navarra, im Süden das
maurische Königreich Valencia, das Interessengebiet von Aragon war.
Er schüttelte die formale kastilische Hoheit ab und gewann Saragossa
zurück, förderte den Dritten Stand, der in Aragon zuerst in Europa
große politische Bedeutung erlangte und eroberte Teruel. Er legte
nach jahrelangen Streitigkeiten mit Kastilien die beiderseitigen Interessenssphären
im maurischen Spanien fest und sicherte sich den Raum Valencia; 1181 unterstellte
sich Bearn seiner Herrschaft. Nach dem Zeugnis der Troubadoure, deren großer
Gönner er war, war er einer der weisesten Monarchen, zupackend und
fähig und dichtete selbst.
Vones Ludwig:
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„Geschichte der Iberischen Halbinsel“
Nach dem Tode seines Vaters (1162) erkannte Alfons
II. diese Vereinbarung, die unweigerlich die Investitur und
damit die Zementierung des von der staufischen
Kanzlei verfochtenen lehnsrechtlichen Standpunkt nach sich gezogen hätte,
nicht an. Doch an dieser Stelle muß berücksichtigt werden, dass
Alfons
II., als er im Oktober 1162 formell in Huesca die Nachfolge
seines Vaters antrat, erst 8 Jahre alt war und die einsetzende Regentschaft
unter dem als Schutz verstandenen Einfluß König
Heinrichs II. Plantegenet, also
Englands, stand, bevor 1163 eine Erneuerung der päpstlichen Schutznahme,
vielleicht sogar in Ausdeutung des Testaments Alfons'
I. el Batallador eine päpstliche Zustimmung zur Königserhebung
als Dank für die Anerkennung Alexanders III. erfolgte.
Heinrich II. war mit Eleonore,
der Erbin von Aquitanien und Nichte von Alfons'
Großmutter
Agnes
verheiratet, einer der herrschsüchtigsten und politisch begabtesten
Frauen des 12. Jahrhunderts, die ihrerseits Rechte auf Toulouse einbrachte.
Bereits Ende 1154 hatte Raimund Berengar IV.
bei einer Zusammenkunft in Jaca die weitreichenden Pläne
Ludwigs VIII. von Frankreich in Erfahrung gebracht, 1158 ein
Bündnis mit England vorgezogen und lieber die Vormundschaft Heinrichs
II. in Kauf genommen. Vor diesem Hintergrund wird verständlich,
dass Alfons II. nach dem Tod Raimund
Berengars III. von Provence (1166) im Jahr 1167 die Herrschaft in der provencalischen
Grafschaft übernehmen mußte.
Welche Gefahr andererseits ein Ausgleich mit den
STAUFERN für die aragonesischen Ansprüche in sich
barg, trat dabei deutlich zutage. Denn Alfons
II. konnte sich der Grafschaft nur bemächtigen, indem er
die Rechte seiner Cousine Dulcia, der Tochter Raimund Berengars III., beiseite
schob. Da Dulcia 1165 unter dem Eindruck der Verweigerung Aragons mit Raimund
VI., dem präsumptiven Erben der Grafschaft Toulouse, verlobt worden
war, hätte der Erbfall rein rechtlich gesehen eigentlich zugunsten
des Tolosaner Grafenhauses eintreten müssen, womit der angestrebte
Aufbau einer okzitanischen Gesamtherrschaft über die französich-burgundischen
Grenzen hinweg in greifbare Nähe gerückt wäre. Dies war
um so mehr der Fall, als sich der Graf von Toulouse sowohl auf Herrschaftsrechte
in Saint-Gilles als auch auf die mächtigen, eigene Rechte verfechtende
Herren von Les Baux stützen konnte. Darüber hinaus hatte er durch
die Eheschließung mit der nunmehrigen Grafen-Witwe Richeza die Beziehungen
zu den STAUFERN erneut gefestigt und
sich dafür sogar 1165/66 von seiner bisherigen Gemahlin Konstanze,
der Schwester des französischen Königs
Ludwig VII., getrennt.
Angesichts der staufisch-tolosanischen
Übereinstimmung blieb Alfons II.,
wollte er erfolgreich sein, nichts anderes übrig, als in der Provence
seine Herkunft nach Kräften zur Geltung zu bringen. Im Jahr 1167 trat
er als Markgraf von der Provence auf und nahm dort bewußt Hoheitsrechte
wahr, bevor er 1168 seinen jüngeren Bruder Raimund
Berengar IV. zum Grafen der Provence bestellte, dabei aber peinlich
darauf achtete, dass sein eigener Herrschaftsanspruch als marchio oder
dux Provincie vorrangig blieb. Diese Linie, die in rechtlicher Hinsicht
letztlich auf die Umdeutung der Grafschaft zu einem Lehen der Krone Aragon
hinauslief, behielt er bei, als 1181 Raimund Berengar
IV. starb. Sancho I. von der Provence
war ebenfalls ein jüngere Bruder Alfons'
II., der beim ersten Anzeichen einer eigenständigen Politik
abgesetzt und entfernt wurde, bevor nach einer zeitweiligen Verwaltung
durch den Grafen von Foix seit 1189 mit Alfons
I. von der Provence der zweite Sohn des aragonesischen Königs
das Grafenamt übernahm.
Johannes Fried hat deutlich gemacht, wie wenig die 1178
vollzogene Krönung BARBAROSSAS zum
König von Burgund und die damit verbundene Machtdemonstration des
römischen Kaisertums ihren Eindruck auf Alfons
II. und Raimund Berengar
verfehlten. Zwar waren die Klagen Raimunds V. vor BARBAROSSA
1170 erfolglos geblieben, so dass 1172 das Verlöbnis Raimunds VI.
mit Dulcia gelöst und dieser wegen der besseren Erfolgsaussichten
mit Ermesinde, der Erbin der Grafschaft Melgueil, verheiratet wurde. Und
das seit 1171 bestehende Bündnis des Grafen von Tolouse mit dem Grafen
von Forcalquier und den Herren von Les Baux war 1173 durch die Vermittlung
Heinrichs
II. von England zu einem Waffenstillstand gebracht worden, der
zum Frieden von Tarascon 1176 - ähnlich wie 1125 - zu einer Kompensation
der Toosaner Forderungen geführrt hatte. Doch hatte BARBAROSSA
1174 die provencalisch-aragonesische Suzeränität über die
Grafschaft Forcalquier rückgängig gemacht und damit seine mißachtete
und von Aragon durch die Vermeidung der Investitur bewußt ausgehöhlte
Stellung als Lehnsherr erneut zur Geltung gebracht.
Mit dieser eindeutigen Kampfansage des Kaisers ging eine
seit längerem vorbereitete Umorientierung der Politik Alfons'
II. einher, die seine Position insgesamt beträchtlich stärken
sollte. 1174 ist das Jahr, in den der aragonesische König die Schwertleihe
erhielt, in dem die Annäherung Aragons an Kastilien durch die Heirat
Alfons'
II. mit der Infantin Sancha,
die auf den als Bestätigung von Tudejen gedachten Vertrag von Lerida
(1157) zurückging, besiegelt wurde und in dem auch die defensive Abweisung
der kastilischen Ansprüche auf Suzeränität über Zaragoza
und das regnum Caesaraugustanum, wie es ein Abkommen 1158 festgelegt hatte,
erfolgen sollte. Während zu dieser Zeit die Großen des Languedoc
- unter ihnen auch der Vizegraf von Beziers - zunehmend in den Bannkreis
des Grafen von Toulouse gerieten, konnte Aragon nach Maria von Bearn, die
nach dem Tod ihres Bruders Gaston als Erbin der Vizegrafschaft vor 1164
Wilhelm von Montcada geheiratet hatte, gleichfalls den Vizegrafen Centulle
von Bigorre, der 1175 das Val d'Aran erhielt, und den Grafen Roger-Bernhard
von Foix in vasallitische Abhängigkeit bringen. Da die 1177 zwischen
Alfons
VIII. und der englischen Königstochter
Eleonore geschlossene Ehe Kastilien endgültig in das englisch-aragonesische
Bündnissystem einbezog, Aragon den Rücken freimachte und die
staatsrechtliche Gleichstellung beider Reiche auf der lehnsrechtlichen
Ebene in Cuenca und Cazola einvernehmlich hergestellt wurde, konnte Alfons
II. an gezielte Maßnahmen gegen den kaiserlichen Einfluß
denken.
Die wirkungsvollste dieser Maßnahmen, die Verheiratung
Raimund
Berengars IV. von der Provence mit der byzantinischen
Prinzessin Eudoxia aus dem Kaiserhaus der KOMNENEN,
kam indessen nicht zur Ausführung, da der provenzalische Bräutigam
unter dem Eindruck der Arelater Krönung einen Rückzieher machte.
Die Braut, eine Nichte Kaiser Manuels,
deren politischer Wert schon sehr bald durch den Sturz des byzantinischen
Kaiserhauses beträchtlich sank, wurde endlich mit Graf Wilhelm VIII.
von Montpellier verheiratet, dem sie eine Tochter gebar - und dadurch wurde
sie die Großmutter
König Jakobs I.
von Aragon! Trotz der beeindruckenden Selbstdarstellung BARBAROSSAS
in Arles, die in Anwesenheit der gesamten hohen Geistlichkkeit und des
stauferfreundlichen
Adels geschah - zu nennen wären die Grafen von Toulouse, Forcalquier
und Valence, der Dauphin sowie der Herr von Les Baux -, behielt Aragon
den längeren Atem. Und es sieht fast nach staufischem Verständigungswillen
aus, wenn Wilhelm II. von Forcalquier schon im November 1178 dem aragonesischen
König den Vasalleneid leisten muß.
Auf jeden Fall festigte sich der aragonesisch-katalanische
Einfluß im Midi nach 1178 wieder in zunehmendem Maße, zumal
die auf dem III. Laterankonzil 1179 im Zeichen der wiedergewonenen kirchlichen
Einheit beschlossene Ketzerbekämpfung in diesem Raum den Vizegrafen
von Beziers wieder in die Arme Alfons' II.
trieb. Die große kriegerische Auseinandersetzung mit Toulouse und
seinen Verbündeten endete wiederum mit einem 1185 ausgehandelten Vertrag,
der 1190 in Tarascon erneuert wurde und der im Kern die Bestätigung
der
Rechte Aragons über die Provence sowie im Gegenzug die Anerkennung
der Rechte des Tolosaners über die Grafschaft Melgueil enthielt.
Wie empfindlich allerdings Aragon auf staufische
Einflußnahme in seinem Machtbereich reagierte, zeigte sich 1189/90,
als das Eheprojekt zwischen der Infantin Berenguela,
die damals als Erb-Tochter angesehen wurde, und Konrad
von Rothenburg den Bruch der Allianz zwischen Kastilien und
Aragon in einer solchen Unversöhnlichkeit eintreten ließ, dass
Alfons
II. angesichts einer selbst nach der Geburt des Infanten
Ferdinand (29. September 1189) möglichen staufischen
Erbfolge im Nachbarreich zur Seele der antikastilischen Koalition auf der
Iberischen Halbinsel wurde.
18.1.1174
oo Sancha von Kastilien, Tochter des Königs
Alfons VII.
21.9.1154-
9.1208
9 Kinder:
Eleonore
- nach
24.2.1226
1202
oo Raimund VI. Graf von Toulouse
27.10.1156-2.8.1222
Konstanze
um 1179--23.6.1222
1198
1. oo Emmerich König von Ungarn
1174-30.11.1204
19.8.1209
2. oo FRIEDRICH II. ROGER
26.12.1194-13.12.1250
Sancha
1211- 1241
oo Raimund VII. Graf von Toulouse
1197-27.9.1249
Alfons II. Graf von Provence
um 1180- 2.1209
Ferdinand Abt von Monte Aragon
um 1190- 1249
Er mischte 1213 als übler Intrigant in vielen Regentschaftsstreitigkeiten mit und führte unzufriedene Barone an.
Dulcia Nonne zu Sijena
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Peter II. der Katholische
1176-13.9.1213 gefallen
Raimund Berengar
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Literatur:
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Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H.
Beck München 1994, Seite 132 - Vones Ludwig: Geschichte der
Iberischen Halbinsel im Mittelalter 711-1480. Reiche - Kronen - Regionen.
Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher
der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig
2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 279,502 -