Sohn des N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 694
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Thietgaud (Theutgard, Theotgard), Erzbischof von Trier
847-863/68
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+ 27. Januar 868
Versuchte, vielleicht durch die von Ebo von Reims geweihten Kleriker und durch pseudoisidorisches Gedankengut beeinflußt, den Primat in der Belgica I und II zu erreichen, scheiterte aber gegenüber seinem Rivalen Hinkmar von Reims. Mit Erzbischof Gunthar von Köln unterstützte er König Lothar II. in dessen Ehestreit, wohnte den drei Synoden in Aachen (Januar 860-April 862) bei und geriet in der Folge auch in Konflikt mit Papst Nikolaus I. Auf der Metzer Synode (Juni 863) mit einer Legation an den Papst betraut, wurde er zusammen mit Gunthar von Nikolaus I. im Oktober 863 in Rom exkommuniziert und abgesetzt. Trotz zeitweiser Unterstützung Kaiser LUDWIGS II. erreichte er weder bei Nikolaus I. noch bei Papst Hadrian II. seine Wiedereinsetzung. Hadrian II. ließ ihn Ende 867 nur zur Laienkommunikation zu und wies ihm den Aufenthalt im Kloster des heiligen Gregor auf den Clivus Scauri in Rom zu. Dort starb Thietgaud 868 (Nekrolognotiz des Klosters St. Maximin: cf. GP X, 36 Nr. *45); über schreckliche Todesvisionen berichtet die Vita Gregorii des Johannes Diaconus (92. J.).
Quellen:
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GP X/1, 28 Nr. *20-36; Nr. *45 [E. Boshof] - A. Goerz,
Mittelrhein. Reg., I, 1876 [Ndr. 1974], 163 Nr. 570-188 Nr. 663 - Johannes
Diaconus, S. Gregorii Magni Vita, MPL 75, 237
Literatur:
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H. Schmidt, Trier und Reims in ihrer verfassungsrechtl.
Entwicklung, ZRGKanAbt 18, 1929, I-III, 77-105 - J. Heydenreich, Die Metropolitangewalt
der Ebf.e v. Trier 1938, 86f., 111-121, 148 Nr. 27-31 [Reg.] - H. Fuhrmann,
Einfluß und Verbreitung des pseudoisidor. Fälschungen, 1972-1974,
197-199, 225 - W. Hartmann, Die Synoden der Karolingerzeit im Frankenreich
und in Italien, 1989, 274-284 - W. George, Ebf. Gunthar v. Köln und
die Konflikte um das Reich Kg. Lothars II., JbKGV 66, 1995, 1-33 - K. Herbers,
Leo IV. und das Papsttum in der Mitte des 9. Jh.