Begraben: Stiftskirche Admont (Steiermark)
Sohn des Grafen Chadolt und der Azala
Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1163
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Gebhard, Erzbischof von Salzburg seit 1060
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* um 1025, + 15. Juni 1088
auf Hohenwerfen (an der Salzach)
Begraben: Stiftskirche Admont (Steiermark)
Einem vornehmen schwäbischen Geschlecht (Eltern:
Chadolt und Azala) entstammend, wurde Gebhard
für die geistliche Laufbahn bestimmt und erhielt seine
Ausbildung vermutlich in Salzburg, wo er am 4. März 1055 zum Priester
geweiht wurde. Als Leiter der kaiserlichen Kapelle (summus capellanus)
nahm er unter HEINRICH III. eine bedeutende
Stellung ein. Wohl seit jener Zeit datiert seine Bekanntschaft mit Bischof
Adalbero von Würzburg und Altmann (später Bischof von Passau),
denen er zeitlebens verbunden blieb. Auch nach dem Tod HEINRICHS
III. blieb Gebhard dem
salischen Haus treu ergeben. Von September 1058 bis Dezember
1059 ist er als Leiter der deutschen Kanzlei bezeugt. 1060 wurde
ihm das wegen seiner Brückenfunktion nach Italien bedeutsame Erzbistum
Salzburg übertragen. Im Auftrag des deutschen Hofes unternahm
er im Winter 1062 eine Gesandtschaft nach Konstantinopel. 1075 unterstützte
er
HEINRICH IV. gegen die aufständischen
Sachsen. Der Wormser Synode (Januar 1076) blieb er jedoch demonstrativ
fern. Seither stand er auf der Seite der sich formierenden fürstlichen
Opposition. Gebhard gehörte zu
den Teilnehmern des Fürstentages von Tribur (Oktober 1076) und war
an der Wahl Rudolfs von Schwaben zu
Forchheim (15. März 1077) beteiligt. Zum Schutze des Bistums vor Übergriffen
bayerischer Anhänger des Königs ließ er feste Burgen in
Salzburg, Werfen und Friesach errichten. Nachdem eine Einigung mit HEINRICH
IV. an der Unbeugsamkeit Gebhards
gescheitert war, suchte Gebhard im
Herbst 1077 in Schwaben und darauf in Sachsen Zuflucht. Als Wortführer
der Sachsen trat Gebhard bei den Verhandlungen
zu Kaufungen (1081) und Gerstungen-Berka (1085) auf. Gebhards
Autorschaft an den sogenannten Sachsenbriefen läßt sich jedoch
nicht mit Sicherheit erweisen. In Form eines an Bischof Hermann von Metz
gerichteten Briefes (MGH L.d.L. I, 261-279) verteidigte er kompromißlos
den Standpunkt der Gregorianer. Nach 9-jährigem Exil gelang ihm erst
im Sommer 1086 die Rückkehr in sein Bistum, das inzwischen ein kaiserlicher
Gegen-Bischof
(Berthold von Moosburg) unterstellt worden war.
Gebhard, dem auch
auf königlicher Seite Achtung entgegengebracht wurde, war ein entschiedener
Anhänger der kirchlichen Reformbewegung und der wohl bedeutendste
Parteigänger Gregors VII. in Deutschland. Im Zuge einer Reorganisation
der Salzburger Kirche hob Gebhard den
Slavenzehnten auf und errichtete 1072 mit päpstlicher und königlicher
Zustimmung ein bischöfliches Eigenbistum in Gurk. Als Stützpunkt
der monastischen Reform in seiner Diözese erfolgte 1074 die Gründung
des Klosters Admont im Ennstal.
Quellen:
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Vita v. einem Admonter Mönch aus dem 12. Jh., MGH
SS II, 33-49; dazu: A. Lhotsky, Q.kunde zur ma. Gesch. Österreichs,
1963, 214f. - AASS Jun. 6, 147-154 - W. Hauthaler-F. Martin, Salzburger
UIB 2, 1916, 160-180.
Literatur:
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GHGE XX, 224-227 - GP I, 17-19 - Hauck III, passim -
LThK IV, 556 - Manitius III, 25f. - NDB VI, 116 - RI III, 2, Nr. 144, 196,
250, 273 - Wattenbach-Holtzmann-Schmale II, 559-562 - C. Mirbt, Die Publizistik
im Zeitalter Gregors VII., 1894, 21-23 - W. Erben, Unters. zur Gesch. des
Ebf.s G., Mitt. der Ges. für Salzburger LK 53, 1913, 1-38 - A. Fauser,
Die Publizisten des Investiturstreites, 1935, 25-28 - W. Ohnesorge, Die
Byzanzreise des Ebf.s G. v. Salzburg und das päpstl. Schisma i. J.
1062, Hjb 75, 1956, 153-166 [= Ders., Abendland und Byzanz, 1958, 342-363]
- O.-H. Kost, Das östl. Niedersachsen im Investiturstreit (Stud. zur
Kirchengesch. Niedersachsens 13, 1962), 111f., 102 [zur Verfasserschaft
der Sachsenbriefe] - J. Fleckenstein, Die Hofkapelle der dt. Kg.e II (MGH
Schr. 16/II, 1966), 240f, 259f. - W. Steinböck, Ebf. G. v. Salzburg
(Veröff. des Hist. Inst. der Univ. Salzburg, 1972) - J. Fleckenstein,
Ebf. G. v. Salzburg als Repräsentant der Reichskirche und Gegner des
Kg.s im Investiturstreit (Salzburg in der europ. Gesch. [Salzburger Dokumentationen
19, 1977]), 11-28 - H. Dopsch, Gesch. Salzburgs I, 1981-1984, 232-251,
1254ff. [Lit.].
Black-Veldtrup Mechthild: Seite 320
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"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien
"
Zur Gruppe der jüngeren Generation der Hofkapellane
HEINRICHS III. zählte außer
Altmann auch dessen Freund Gebhard, den Agnes
nach früheren Tätigkeiten als summus capellanus HEINRICHS
III. und als deutscher Kanzler in der Zeit ihrer Regentschaft
im Jahre 1060 zum Erzbischof von Salzburg erhob. Sowohl Gebhard
wie Adalbero von Würzburg gehörten 1072 zu den Reformern, die
mit HEINRICH IV. in Konflikt gerieten.
Literatur:
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Black-Veldtrup Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077)
Quellenkritische Studien. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1995
Seite 320 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan
Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 296,300,519,521,542/Band II Seite 17,108,130,132,138-140,337,340,536/Band
III Seite 441 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung
im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977,
Seite 50,95,96,110,200,217,249,335,357 - Giese, Wolfgang: Der Stamm
der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner
Verlag Wiesbaden 1979, Seite 45,52,150,171,174-176,181 - Pohl Walter:
Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta
Vacha, Verlag Styria, Seite 95,108,118,122,128,254 -
Wies, Ernst W.: Kaiser Heinrich IV. Canossa und
der Kampf um die Weltherrschaft, Bechtle Esslingen 1996, Seite 49,78,124,153,196,202
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