Hrabanus Maurus                                       Erzbischof von Mainz (847-856)
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780-4.2.856
Mainz Mainz

Begraben: Mainz, St. Alban

Sohn des Waluram und der Waltrat; Bruder des Grafen Guntram
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 144
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Hrabanus Maurus, Erzbischof von Mainz
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* um 780, + 4. Februar 856
Mainz        Mainz

Begraben: Mainz, St. Alban

Eltern: Fränkische Adlige Waluran und Waltrat, in oder um Mainz

Wohl spätestens 791 Oblate im Kloster Fulda, 801 Diakon, 814 zum Priester geweiht. Hrabanus, der unter Abt Baugulf (779-802) kurze Zeit am Hofe KARLS DES GROSSEN und vor allem bei Alkuin in Tours weilte, wurde zur weiteren Vertiefung der Kenntnisse von Abt Ratger erneut zu Alkuin, von dem er den Beinamen Maurus (Lieblingsschüler des heiligen Benedikt) erhielt, gesandt und noch vor dem Tod Alkuins (804) zum Lehrer in Fulda bestellt. Unter dem Konflikt zwischen dem Konvent und Abt Ratger (vgl. Supplex libellus, Beschwerdeschrift der Fuldaer Mönche, 812; Zweitfassung, 816/17, CCM I, 319-327) litt auch Hrabanus, der in Carm. 20 Ratger um die Rückgabe wertvoller Bücher bat. Nach der Absetzung Ratgers 817 begann unter Abt Aigil (818-822) Hrabanus' große Zeit als Lehrer und Verfasser zahlreicher Bibelerklärungen und mehrerer Werke über Fragen der kirchlichen Praxis. 822 Abt von Fulda, blieb er geistiger Anziehungspunkt für Mönche (zum Beispiel Otfrid von Weißenburg, Walahfrid Strabo, Lupus von ferrieres) des Ost- und Westfrankenreiches. Von seinem ausgeprägten Sinn für Verwaltung zeugen die seit 824 regelmäßigen Eintragungen verstorbener Mönche in die Fuldaer Totenannalen, das Verzeichnis der Namen aller Konventualen von 825, die schon zuvor einsetzende fortlaufende Archivführung, die auf Hrabanus' Veranlassung begonnenen Cartulare mit topographisch geordneten Abschriften von Urkunden über Grundbesitz des Klosters, seine Sorge um Ausbau der Bibliothek und um Pflege der Schrift (Übergang von der angelsächsischen zur karolingischen Minuskel, Ende der 20-er Jahre), Kirchen- und Kapellenbau sowie der Erwerb zahlreicher Reliquien. Reichspolitischer Verfechter der Reichseinheit, ergriff  Hrabanus 832-835 für LUDWIG DEN FROMMEN, nach 840 für LOTHAR Partei. Nach dessen Niederlage (bei Fontenoy) resignierte er 841/42 als Abt und zog sich auf den Petersberg bei Fulda zurück. Zwischen 843 und 845 (?) mit Ludwig dem Deutschen versöhnt (Widmung einiger Werke), wurde Hrabanus Juni 847 zum Erzbischof von Mainz erhoben. Unter seiner Leitung fanden die Mainzer Synoden von 847, 848 (Verurteilung Gottschalks von Orbais) und 852 statt. Er beteiligte sich an den Auseinandersetzungen um Erzbischof Ebo von Reims, am Abendmahlstreit zwischen Paschasius Radbertus und Ratramnus von Corbie und blieb bis zu seinem Tode literarisch tätig.

Editionen:
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MPL 107-112 (überwiegend Abdruck der ersten Gesamtausg. G. Colvener, 3 Bde, Köln 1626/27) - MGH Epp. Karol. V, 379-531 - MGH PP II, 154-258 - AnaHym 50, 180-209 - Abschriftenslg. zahlreicher verlorener Hss. von J.B. Enhuber (Clm 15024).

Literatur:
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Brunhölzel I, 325-340; 554-556 - DSAM XII, 1-10 - Repfont V, 561-563 - TRE XV, 606-610 - Verf.-Lex. IV, 166-196.


Mitterauer Michael: Seite 209
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"Karolingische Marken im Südosten"

Glöckner hat es wahrscheinlich gemacht, dass es sich beim Sohn Ruperts III. um den unter dem Namen Robert "der Tapfere" bekannten Ahnherrn der westfränkischen ROBERTINER handelt. Er nimmt an, dass sich Rupert wie viele andere ostfränkische Große beim Tod Kaiser LUDWIGS für dessen Sohn LOTHAR entschied und dadurch in Gegensatz zu König Ludwig dem Deutschen geriet. War Rupert wirklich ein Neffe des Hrabanus Maurus, dann findet diese Annahme neue Stützung. Auch Hrabanus nahm gegen den König Stellung. Er verlor aus diesem Grunde seine Fuldaer Abtei. Durch seine Haltung wurde sicherlich auch die seines damals noch ziemlich jugendlichen Neffen bestimmt.