Christian I. von Buch                                 Erzbischof von Mainz (1160-1161)(1165-1183)
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1130-25.8.1183
          Tusculum

Sohn des Grafen N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 1910
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Christian I. von Buch, Erzbischof von Mainz 1165-1183
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* um 1130, + 25. August 1183
                    Tusculum (Frascati)

Entstammte väterlicher- bzw. mütterlicherseits den thüringischen Grafengeschlechtern Buch und Beichlingen und verdankte die ersten Stationen seiner kirchlichen Laufbahn (Dompropst von Merseburg und Propst des Mainzer Mariengredenstiftes) sowie seine Wahl zum Mainzer Erzbischof 1160, die von Kaiser FRIEDRICH I. nicht bestätigt wurde, vor allem dem thüringischen Landgrafen Ludwig II. Statt Christian I. ließ FRIEDRICH I. 1161 den WITTELSBACHER Konrad zum Mainzer Oberhirten wählen. 1162 findet sichChristian als Mainzer Dompropst und wird im Herbst des Jahres in der Nachfolge Rainalds von Dassel zum Reichskanzler und (in Personalunion mit diesem Amt) zum Propst von St. Servaas in Maastricht bestellt.
Mit BARBAROSSAS 3. Italienzug (Ende 1163) beginnt Christians glänzende Karriere im Dienste des Reiches. Nach dem Abzug des Kaisers aus Italien Ende 1164 stellte sich der neue Gegen-Papst Paschalis III. unter Christians Schutz; spätestens seit Februar 1165 fungierte Christian, wiederum in der Nachfolge Rainalds, als Reichslegat, das heißt als kaiserlicher Statthalter, in Ober- und Mittelitalien, bemüht, in Toscana militärische Kräfte zur Eroberung Roms für Kaiser und Gegen-Papst zu gewinnen. Der Absetzung Erzbischof Konrads, der dem Gegen-Papst den Gehorsam verweigerte, verdankte Christian I. im September 1165 die Erhebung zum Mainzer Oberhirten; freilich fanden Investitur, Priester- und Bischofsweihe erst Ende 1166 bzw. im März 1167 statt, nachdem Christian I. erneut mit BARBAROSSA in Italien zusammengetroffen war. Auf diesem 4. Italienzug bewies Christian I. seine militärische Begabung, als er zusammen mit Rainald von Dassel bei Tusculum am 29. Mai 1167 die Römer schlug und damit den Einzug von Kaiser und Papst in Rom ermöglichte. Im Gegensatz zu Rainald und anderen prominenten Helfern FRIEDRICHS I. blieb er von der Seuche verschont, der im Sommer 1167 vor Rom der Großteil des kaiserlichen Heeres zum Opfer fiel, und ging Ende des Jahres als Vermittler zwischen Heinrich dem Löwen und den sächsisch-thüringischen Großen nach N-Deutschland; 1168 suchte er in Rouen zwischen dem englischen und französischen König zu schlichten.
In den Jahren von 1168 bis 1171 widmete er sich auch den Aufgaben seines Kirchenamtes; so war er bestrebt, Klöster und Stifter in ihrer wirtschaftlichen Stellung zu heben, doch führten insbesondere Verlehnungen und Verpfändungen von Kirchengut zu einer ruinösen Schwächung der ökonomischen Grundlage der Mainzer Diözese.
Auf Christians I. Vorschlag wurde auf einem Bamberger Fürstentag 1169 der junge HEINRICH VI. zum deutschen König gewählt. 1170 führte Christian I. eine Gesandtschaft an den Hof Kaiser Manuels II. in Byzanz; seit Ende 1171 bis zu seinem Tod 1183 wirkte Christian I. erneut als Reichslegat in Italien, bemüht, mit diplomatischen, kriegerischen und administrativen Mitteln Frieden zu stiften (zwischen Pisa und Genua in der sardinischen Frage), widerstrebende Kommunen niederzuwerfen (Belagerung Anconas) und den Auf- und Ausbau der Reichsverwaltung in Mittelitalien voranzutreiben. Offenbar war es Christian I., der mit Lernfähigkeit und Einsicht begabt, FRIEDRICH I. nach den diplomatischen und militärischen Fehlschlägen von 1175/76 zum Einlenken bewegte und selbst an vornehmster Stelle den Frieden von Venedig 1177 vorbereiten half, der BARBAROSSA und Alexander III. aussöhnte, einen Waffenstillstand mit den lombardischen Städten herstellte und das Bündnis mit Sizilien anbahnte, wobei ihm selbst der weitere Besitz seines Erzbistums verbrieft wurde. Als Generallegat und zugleich als Treuhändler des Papstes bei der Restitution des Patrimonium Petri nach 1177 stand Christian I. auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn.
Alte und neue Feinde, unter anderem Byzanz und die Markgrafen von Montferrat, die sich ihres Einflusses auf die oberitalienischen Städte beraubt sahen, verschworen sich gegen Christian I. und nahmen ihn im September 1179 in den Marken (Camerino) gefangen. Nach seiner Freilassung Ende 1180 war Christian I. erneut die wesentliche Stütze des Papstes gegen die Römer. Am 25. August 1183 wurde er bei der Entsetzung Tusculums ein Opfer des Sumpffiebers, worauf der Papst für alle deutschen Stiftskirchen eine 30-tägige Trauer anordnete. Christian I. ist neben Rainald von Dassel die Inkarnation des kraftvollen Prälaten der mittleren STAUFER-Zeit, der seine diplomatischen und militärischen Talente und die finanziellen Mittel seines Kirchenamtes voll in den Dienst des Reiches und seines Herrschers stellte.

Quellen:
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J. F. Böhmer - C. Will, Regg. der Ebf.e v. Mainz II, 1885 - P. Acht, Mainzer UB II, 1968/71 - D. Hägermann, Die Urkk. Ebf. Ch.s I. v. Mainz als Reichslegat Friedrich Barbarossas in Italien, ADipl 14, 1968, 202-301.

Literatur:
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C. Varrentrapp, Ebf. Ch. I. v. Mainz, 1867 - D. v. d. Nahmer, Die Reichsverwaltung in Toscana unter Friedrich I. und Heinrich VI. [Diss. Freiburg 1965] - D. Hägermann, Ebf. Ch. I. v. Mainz als Reichslegat Friedrich Barbarossas in Italien [Diss. Würzburg 1967] - Ders., Beitr. zur Reichslegation Ch.s v. Mainz in Italien, QFIAB 49, 1969, 186-238 - A. Haverkamp, Herrschaftsformen der Frühstaufer in Reichsitalien, 1-2, 1970-1971 - W. Schöntag, Unters. zur Gesch. des Ebm.s Mainz unter den  Ebf.en Arnold und Christian I. (1153-1183), 1973.


Christian I. war ein tüchtiger Heerführer und kluger Diplomat, der die kaiserlichen Interessen geschickt und tatkräftig in Deutschland, Italien und Byzanz vertrat. Er war Gesandter des Papstes Viktor IV. in Dänemark und wurde 1162 zum Reichskanzler ernannt. Als Anführer des kaiserlichen Heers in Italien besiegte er mit Rainald von Dassel am 29.5.1167 die Römer bei Tusculum und ermöglichte dem Kaiser den Einzug in Rom. Er war von 1171-1183 kaiserlicher Generallegat in Italien und war als solcher über ein Jahr der Gefangene des Markgrafen Konrad von Montferrat.
 
 
 
 

Literatur:
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Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 184, 187,194,202,206-209,211,216,219,222,226,243,246 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 39,40,78,207 - Engels, Odilo: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 134 A,142 A,156,213 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 108, 119,168,170,172,176,187,193 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 165,188,203,212,230,237,250,252,255,266,269,283,304 -