Begraben: Mainz, Dom
Sohn des Grafen Bardo und der Alfrad
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1458
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Bardo, Erzbischof von Mainz
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* um 980, + 10. oder 11. Juni 1051
Oppershofen Dornloh
(Wetterau)
Begraben: Mainz, Dom
Sohn einer Familie vielleicht aus dem konradinischen Sippenbereich. Bardowurde Mönch in Fulda, Dekan und Leiter der Klosterschule, Propst in St. Andreas/Neuenberg. Kaiser KONRAD II. übertrug ihm 1029 Kloster Werden, auf Intervention der Kaiserin Gisela im Frühjahr 1031 Hersfeld, am 30. Mai 1031 das Erzbistum Mainz (Weihe am 29. Juni 1031). Seinen Aufstieg verdankte er wahrscheinlich der Verwandtschaft mit der Kaiserin. Anders als sein Vorgänger Aribo trat Bardo reichspolitisch wenig hervor. Bemerkenswert ist die Teilnahme am Feldzug HEINRICHS III. gegen Böhmen 1040/41, vielleicht in Wahrnehmung seiner Metropolitanrechte. Bardo war monastisch stark geprägt. In Fragen der Kirchenorganisation und des Landesausbaus sowie mit der Gründung des Stifts St. Johannis/Mainz und des Klosters auf dem Jakobsberg vor der Stadt setzte er die seit Erzbischof Willigis (975-1011) entfalteten Initiativen fort. Der 1009 abgebrannte Dom in Mainz wurde erneuert und in Anwesenheit Kaiser KONRADS II. am 10. November 1036 geweiht. In Auseinandersetzungen um Hoheitsrechte in der Stadt, am Mittelrhein, in Hessen und Thüringen behauptete sich Bardo zunächst mühsam gegen Burggrafen und Vögte, sicherte aber durch Übertragung der Befugnisse an Verwandte einigermaßen die Positionen der Mainzer Kirche. Hingegen vermochte er trotz der Krönung von HEINRICHS III. Gemahlin Agnes am 12. November 1043 das Mainzer Krönungsrecht nicht gegen Köln zu behaupten. Während der bedeutenden Mainzer Synode im Oktober 1049 wurde von ihm die Eintracht von Kaiser und Papst mitgetragen. In Mainz und Fulda entstandene Vita rühmen seine fromme Bescheidenheit und förderten so die Heiligenverehrung; die reformerische Grundeinstellung der Verfasser führte wohl zur hagiographischen Überbewertung. Bardos reformfreundliche Haltung selbst verursachte gewiß wiederholt zu beobachtenden Schwierigkeiten mit den Suffraganen.
Quellen:
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Vita s. Bardonis auctore Vulculdo, MGH SS XI, 317-321
- Jaffe, BRG III, 247-254 - Vita Bardonis maior, MGH SS XI, 321-342 - Jaffe,
BRG III, 529-564 - M. Stimming, Mainzer UB I, 1932, 174-182
Literatur:
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NDB I, 586 - Hauck III, 602f. - H. Büttner, Die
Mainzer Synode vom Okt. 1049. Mainzer Kalender 1949, 53-59 - L. Falck,
Mainz im frühen und hohen MA, 1972, 66, 72, 84ff. u.ö.
B 58
Lü: 11.6. Bardo aps + 1051 Mainz
Bardo, der Verwandte
und Günstling der Kaiserin Gisela,
gehört zu den Bischöfen, die als Berater und Vertraute KONRADS
II. und HEINRICHS III. gelten
können und deren Auftauchen im Lüneburger Necrolog daher von
besonderer Bedeutung für die Beurteilung der Beziehungen der BILLUNGER
zum Königtum ist. Er signalisiert eine Annäherung der BILLUNGER
an das Königtum in der frühen SALIER-Zeit;
s. dazu oben S. 123.
Allgemein zu Bardo
vgl. NDB 1, S. 586; LThK 1, Sp. 1243; Fleckenstein, Hofkapelle 2, S. 164
und 239f. sowie FW B 159.
Trillmich Werner: Seite 167, 275
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"
Propst Bardo, ein
Verwandter der
Königin Gisela,
schenkte im März 1025, als der König in Fulda weilte, diesem
einen kunstreichen, kostbar verzierten Klappsessel. Von den Leistungen
des Mönches zeigte sich der Herrscher beeindruckt, so dass er ihn
auf Giselas Bitten für größere
Aufgaben vormerkte.
Auf Empfehlung seiner Gemahlin entschied sich der Kaiser
schließlich für deren Verwandten und Schützling Bardo,
obwohl der etwa 50-jährige Fuldaer Mönch, seit 1029 Abt von
Werden, erst Anfang 1031 mit der Leitung des noch bedeutenderen
Klosters Hersfeld betraut worden war. In der Kapelle hatte er niemals
Dienst getan. Diplomatie lag ihm wenig. Als schlichter, aufrechter, monastischer
Seelsorger würde er seinem Herrn im Dienste des Reiches gewiß
nicht zuwider handeln. Er war verläßlich, aber fest entschlossen,
sich politisch zurückzuhalten, Zu Pfingsten, am 30. Mai, vollzog KONRAD
Bardos Investitur.
Seine Weihe erfolgte am Aposteltage, dem 29. Juni. Unmittelbar nach seiner
eigenen Inthronisation weihte er selbst den Bischof Severus von Prag. Viele
Bischöfe mißbilligten die Entscheidung des Kaisers. Auch die
Hofkapelläne fühlten sich der wenig fürstlichen Erscheinung
ihres neuen Erzkapellans, dem es an der Geschäftserfahrung fehlte,
weit überlegen. Nicht einmal sein einfacher Predigtstil entsprach
höfischer Art. Nur langsam gelang es Bardo,
sich durch Uneigennützigkeit, Geduld und ruhige Würde wachsendes
Ansehen zu erwerben. Der Papst allerdings bestätigte ihn sofort, übersandte
ein Pallium und bevollmächtigte den neuen Erzbischof sogar, sonst
Rom vorbehaltene Prozesse innerhalb der eigenen Kirchenprovinz in dringenden
Fällen selbst zu entscheiden.
Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im
Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der
Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 123,305
B 58 -
Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter,
Jan Thorbecke Verlag 1991, Band II Seite 36,49,52, 58,123,434,525/Band
III Seite 3-5,16,32,49,102,380,383-391,393,517, 519,521 - Erkens,
Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers.
Verlag Friedrich Puset Regensburg 1998, Seite 201,211 -