Begraben: Magdeburg
Sohn des Grafen Herbert von Gennep und der Hedwig
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1233
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Norbert von Xanten, Erzbischof von Magdeburg
------------------------- Gründer des Ordens
der Prämonstratenser
* zw. 1080 und 1085, + 6. Juni 1134
Xanten am Rhein bzw. Magdeburg
Gennep an der Maas
Begraben: Magdeburg 11. Juni 1134 im Kloster Unser Lieben
Frauen
1626/27 Translation nach Prag (Strahov). Am 28. Juli
1582 von Gregor XIII. heiliggesprochen.
1. Leben und Wirken
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Als nachgeborener Sohn des Heribert von Gennep
und seiner Gemahlin
Hadewig wurde Norbert
für den geistlichen Stand bestimmt und im jugendlichen
Alter in das St. Viktorstift zu Xanten aufgenommen. Im Gefolge Erzbischof
Friedrichs I. von Köln nahm er 1110/11 am Zug HEINRICHS
V. nach Rom teil, wo er Zeuge der Verhandlungen mit Paschalis
II. wurde. 1113 lehnte er das ihm vom Kaiser angebotene Bistum Cambrai
ab. Im Mai 1115 soll Norbert, der sich
unter dem Eindruck der römischen Ereignisse der päpstlichen Partei
genähert hatte, auf dem Ritt zum Frauenstift Vreden ein Bekehrungserlebnis
gehabt haben, das ihn veranlaßte, sich noch im gleichen Jahr, nach
Aufenthalt in der Abtei Siegburg, zugleich zum Diakon und Priester
weihen zu lassen. Nach spektakulärem Bruch mit den reformunwilligen
Kanonikern von St. Viktor in Xanten führte er nach dem Vorbild des
Eremiten Liudolf, des späteren Abtes von Lonnig, und der eremitisch-asketisch
ausgerichteten Regularkanoniker von Klosterrath (Rolduc) auf dem Fürstenberg
bei Xanten ein Eremitenleben, mit dem er Buß- und Reformpredigt
verband. Am 28. Juli 1118 hatte er sich wegen dieser am Ideal der Vita
apostolica ausgerichteten, offenbar nicht als für seinen Stand angemessen
angesehenen Lebensweise von der von dem päpstlichen Legaten Kuno von
Praeneste geleiteten Synode zu Fritzlar zu verantworten. Da diese sie nicht
billigte, begab er sich nach dem Verzicht auf Pfründe und Besitz als
Pilger über Huy nach St-Gilles-du-Gard, wo er von Gelasius II. die
Erlaubnis zur "Wanderpredigt" erhalten haben dürfte, die er wunderwirkend
und friedensstiftend, aber dennoch nicht unangefochten, mit wenigen Gefährten
(u.a. Hugo von Fosse) in N-Frankreich (Valenciennes) und der Maasgegend
so ausübte, dass sich ihm zahlreiche Männer und Frauen (Cohortes
feminarum) anschlossen. Vielleicht auf Anraten Calixts II., dem er in Reims
bzw. Laon begegnet sein kann, sicher aber auf Betreiben Bischof Bartholmäus'
von Laon erklärte er sich zur Niederlassung in dessen Diözese
bereit, ohne jedoch die Predigt aufgeben zu wollen. Nach dem fehlgeschlagenen
Versuch, das Stift St-Martin in Laon zu reformieren, wählte er für
seine Niederlassung Premontre, wo seit dem Frühjahr 1129 mit Hilfe
des Bischofs Bartholomäus und Billigung Papst Calixts II. die Keimzelle
des künftigen Prämonstratenserordens, eine eremitisch orientierte,
nach der Augustinerregel im Sinne des Ordo novus lebende "Kanonikergemeinschaft",
entstand, der bis zur Trennung nach 1137/40 auch Frauen als Sorores angehörten.
Im Winter 1125/26 wurde der auf einer Reise nach Regensburg und Rom gefestigte,
seine Mitbrüder befremdende Entschluß Norberts deutlich,
die Leitung der ihn als "Eigenkloster" (Weinfurter) übertragenen Stifte
- nach Premontre, Floreffe, Cappenberg, Vivieres sowie St-Martin in Laon
und St. Michael in Antwerpen - aufzugeben und sich als Bischof in den Dienst
von Kirche und Reich zu stellen. Im Sommer 1126 wurde er - auf der Rückreise
von Rom - in Speyer nach Ablehnung des ihm im April des gleichen Jahres
angebotenen Würzburger Bischofsstuhls anstelle des von
LOTHAR III. favorisierten Konrad von Querfurt zum Erzbischof
von Magdeburg gewählt. In Magdeburg, wo er am 18. Juli 1126 seinen
Einzug hielt, versuchte er, das Erzbistum zu sanieren und dessen Klerus
zu reformieren, wogegen sich dieser im Bündnis mit Adel und Bürgerschaft
so massiv wehrte, dass Norbert
in
das Kloster Berge und das Augustinerstift Neuwerk fliehen mußte.
Neben der Reform älterer Klöster wie Ammensleben und Nienburg
gelang ihm die Umwandlung des Magdeburger Stiftes Unser Lieben Frauen und
des magdeburgischen Eigenklosters Pöhlde in "Prämonstratenserklöster"
sowie die Neugründung von Gottesgnaden bei Calbe. 1131 bzw. 1133 erwirkte
er von Innozenz II. die Bestätigung der dem Erzbistum Magdeburg in
der OTTONEN-Zeit verliehenen Privilegien,
ohne freilich die damit verbundenen Ansprüche gegenüber er polnischen
Kirche durchsetzen zu können. Die Tätigkeit für das Erzbistum
wurde durch zahlreiche Reisen im Dienste des Reiches unterbrochen, die
letzte führte ihn nach Rom, wo er am 4. Juni 1133 - in Vertretung
des Erzbischofs von Köln als Erzkanzler für Italien -
an der Krönung LOTHARS III. teilnahm.
Nach einem längeren Umweg über SW-Deutschland und das Rheinland
kurz vor Ostern 1134 zurückgekehrt, verstarb der bereits bei seiner
Reise Erkrankte am 6. Juni in Magdeburg, wo er am 11. Juni auf Veranlassung
des Kaisers nicht im Dom, sondern in der Kirche des Stiftes Unser Lieben
Frauen beigesetzt wurde.
2. Persönlichkeit und Bedeutung
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Trotz der Ausbildung in Xanten, Köln, Siegburg,
vielleicht auch in Laon, reger Perdigertätigkeit und Kontakten mit
Persönlichkeiten wie Bernhard von Clairvaux, Rupert von Deutz und
Gerhoch von Reichersberg hat Norbert
keine literarische Tätigkeit entfaltet, die es erlaubt, sich von ihm
und seiner Anschauung ein zuverlässiges Bild zu machen. Sein Leben
und Wirken sowie das Urteil seiner Zeitgenossen lassen jedoch auf einen
selbstbewußten und eigenwilligen Charakter schließen. Auch
wenn sein Wirken als Reformer, Ordensgründer und Kirchenfürst
nicht zum Abschluß kam, ist er durch Vorbild und Predigt, die Durchführung
und Festigung der Kanonikerreform sowie die Tätigkeit für Kirche
und Reich zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des 1. Drittels
des 12. Jh. geworden.
Quellen:
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Vita Norberti A (MGH SS XII, 1856), 663-703 und B (AASS
Jun I, Antwerpen 1865), 807-845 [dt.: GdV 64, 1941, 3-96; Ausgew. Q. zur
dt. Gesch. des MA 22, 1973, 443-541] - Liber de miraculis S. Mariae Laudunansis
[teilw. MGH SS XII, 1856, 654-660] - Cont. Praemonstr. (MGH SS VI, 1844),
447-456 - Add. Fratr. Cappenburgensium (MGH SS XII, 1856), 704-706 - Vita
Godefridi Cappenburgensis (ebd.), 513-530.
Literatur:
-----------
Bibl. SS IX, 1050-1068 - DIP VI, 332-335 - DSAM XI, 412-416
- LCI VIII, 68-71 - LThK VII, 1030f. - W. M. Grauwen, Norbertus, 1978 [Dt.
Neubearb. mit erw. Bibliogr. v. L. Horstkötter, 1986] - Ders., AnalPraem
62, 1986, 78-84; 63, 1987, 5-25, 64, 1988, 5-18, 273-287; 65, 1989, 152-161,
162-165; 66, 1990, 48-53, 123-202; 67, 1991, 5-22, 23-42, 105-109, 175-186.
187-197, 198-206 - N. v. X., hg. K. Elm, 1984 [Bibliogr.: 315-318] - St.
Weinfurter, N. v. X. und die Entstehung des Prämonstratenserordens
(Barbarossa und der Prämonstratenserorden, 1989), 67-100.
Literatur:
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Claude, Dietrich: Geschichte des Erzbistums Magdeburg
bis in das 12. Jahrhundert. Böhlau Verlag Köln Wien 1972 Teil
2, Seite 1-38
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