Begraben: Magdeburger Dom
Sohn des N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1468
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Giselher, Bischof von Merseburg 970-981
----------- Erzbischof von Magdeburg seit 981
+ 25. Januar 1004
Begraben: Magdeburger Dom
Von ostsächsischer adliger Herkunft wurde Giselher von OTTO I. in die Hofkapelle aufgenommen. Als Günstling OTTOS II. konnte er seine Promotion zum Erzbischof gegen Ohtrich, Kandidat des Domkapitels, durchsetzen, was zugleich die Aufhebung des Bistums Merseburg besiegelte. Nach Ausbruch des Aufstandes der Lutizen (983) kehrte Giselher aus Italien nach Sachsen zurück. Im Thronfolgestreit unterstützte er lange Heinrich den Zänker. Bis 993 war Giselher an Verhandlungen mit Polen und Böhmen beteiligt. Der beginnende Einflußverlust zeigte sich 995 in der Aufwertung des Bistums Meißen. Die im Akt von Gnesen (1000) gipfelnden politischen Veränderungen im östlichen Mitteleuropa wirkten sich bereits auf der Synode von Pavia 997 aus, die die Promotion Giselhers zum Erzbischof für illegal erklärte. Die römische Synode von 998/99 beschloß dann in Anwesenheit OTTOS III. faktisch die Rückkehr Giselhers in sein altes Bistum Merseburg, was den Weg für die Errichtung einer polnischen Kirchenhoheit freimachte, von der in nur kirchenrechtlicher Hinsicht das Bistum Posen ausgenommen war. Mit geschickter dilatorischen Schritten konnte Giselher die endgültige Absetzung als Erzbischof bis zu seinem Tode verhindern.
Literatur:
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D. Claude, Gesch. des Ebm.s Magdeburg bis in das 12.
Jh., T. 1 (Mitteldt. Forschung 67, I, 1972), 136ff.
Görich Knut: Seite 140,150,162-169,175-180
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"Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus."
Die Bischöfe Ramward von Minden, Suitger von Münster,
Eid von Meißen sowie Erzbischof Giselher
von Magdeburg dürften wegen des permanenten Kriegszustandes
mit den slawischen Stämmen keine Kontingente in den Süden entsandt
haben - wobei im Falle Giselhers
noch mit seiner Gegnerschaft zu OTTOS III.
Plan zur Wiederherstellung des Bistums Merseburg zu rechnen ist.
Thietmar von Merseburg berichtet, Markgraf Ekkehard von
Meißen habe seinen Ärger darüber, dass OTTO
III. Erzbischof Giselher von Magdeburg
ihm in allem vorgezogen habe, zunächst nur insgeheim, dann
ganz offen gezeigt. In einer am 23. März 1000 in Magdeburg ausgestellten
Urkunde bezeichnet der Kaiser den Markgrafen als noster amabilis marchio,
ein ungewöhnlich deutlicher Ausdruck persönlicher Wertschätzung.
Berücksichtigt man ferner, dass sich das Verhältnis zwischen
dem Kaiser und Erzbischof Giselher
zu diesem Zeitpunkt wegen der Merseburger Frage bereits entscheidend verschlechtert
hatte, so steht außer Frage, dass die Bemerkung Thietmars das Verhältnis
während der vormundschaftlichen Regierung charakterisiert, als Giselher
tatsächlich großen Einfluß am Hof hatte, Ekkehard
dagegen nicht.
Seite 162-169
So wenig also über ein Zerwürfnis zwischen
Giselher und OTTO
III. wegen der Gnesenpläne feststellbar ist, so scharf
prallen jedoch im Konflikt um das Bistum Merseburg die Gegensätze
zwischen Kaiser und Erzbischof aufeinander. 968 von OTTO
I. gegründet, wurde das Magdeburger Suffraganbistum Merseburg
981 von OTTO II. und Papst Benedikt
VII. aufgelöst. Dabei wurde eine Aufteilung der Diözese auf die
Bistümer Magdeburg, Halberstadt, Meißen und Zeitz beschlossen
sowie der seit 971 als Merseburger Bischof amtierende Giselher
als Nachfolger des 981 verstorbenen Erzbischofs Adalbert von Magdeburg
eingesetzt, obwohl sich das Domkapitel für Ohtrich entschieden
hatte. Wird schon Giselhers Sukzession
vom Schatten der Unrechtmäßigkeit verdüstert - Thietmar
spricht von ungeheuren Bestechungssummen -, so war auch die Aufhebung
des Bistums Merseburg selbst und die Translation des Bischofs auf einen
anderen Sitz eine kirchenrechtlich ungewöhnliche Maßnahme, die
unter Berufung auf historische Vorbilder gerechtfertigt wurde. Eine Hauptursache
für die Suppression des Bistums war der langjährige Widerstand
des Bischofs Hildeward von Halberstadt (968-996) gegen die mit der Gründung
Merseburgs verbundene Verkleinerung seiner Diözese; vielleicht war
das verhältnismäßig kleine Bistum Merseburg auch den mit
der Missionsaufgabe verbundenen Belastungen nicht gewachsen. Ein Hauptimpuls
für die 981 gefundene Lösung war aber sicher der persönliche
Ehegeiz Giselhers. 16 Jahre nach der
Auflösung des Bistums wurde im Februar 997 die Merseburger Frage auf
einer Synode unter Vorsitz von Papst Gregor V. erneut belebt: Giselher
wurde - übrigens vergeblich - wegen unkanonischen Verlassens seiner
Diözese Merseburg und Invasion der Magdeburger Kirche zur Satisfaktion
nach Rom bestellt. Die Initiative, die Entscheidung von 981 zu revidieren,
ging vermutlich von OTTO III. selbst
aus. Für den Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Angelegenheit dürfte
ausschlaggebend gewesen sein, dass Bischof Hildeward von Halberstadt etwa
vier Monate zuvor am 25. November 996 gestorben war, Hildewards Widerstand
gegen die Verkleinerung seiner Diözese durch die Gründung des
Erzbistums Magdeburg und seiner Suffragane hatte entscheidenden Anteil
an der Suppression Merseburgs. Als Nachfolger setzte OTTO
III. seinen Kapellan Arnulf ein, der ein verläßlicher
Anhänger des Kaisers blieb. Damit waren andere Ausgangsvoraussetzungen
für die Wiederherstellung Merseburgs geschaffen: Die Besetzung des
Bistums mit einem Vertrauten OTTOS III. setzte
den Schlußpunkt hinter die Reihe der Halberstädter Bischöfe
Bernhard und Hildeward, die die kirchenpolitische Neuordnung im Zusammenhang
mit der Gründung des Erzbistums Magdeburg und seiner Suffragane nach
Kräften behindert hatten. Unter diesen Umständen konnte der Kaiser
eine leichtere Durchsetzung seiner Ziele erwarten. Denn der Widerstand
gegen die Aufhebung Merseburgs war trotz der Autorität OTTOS
II. und des neuen Erzbischofs Giselher
zwischen 981 und 997 nicht verstummt. Schon die Synode im September 981
hatte Anlaß gehabt, Giselher
ausdrücklich gegen den Vorwurf der cupiditas in Schutz zu nehmen.
Gerade diese Anschuldigungen standen fast zwei Jahrzehnte später Anfang
Januar 999 wiederum zur Verhandlung an, als ein römisches Konzil unter
Vorsitz Gregors V. und im Beisein OTTOS III.
die Merseburger Frage erneut bereit. Gegen Giselher
wurde die Anklage der ambitio und avaritia sowie der Vorwurf der fehlenden
invitatio und electio durch Klerus und Volk von Magdeburg erhoben. Aber
nicht nur in den päpstlichen Konzilsakten, sondern auch in den Werken
Bruns von Querfurt und Thietmars von Merseburg, die beide während
Giselhers
Amtszeit an der Magdeburger Domschule erzogen worden sind, wird
der Erzbischof scharf angegriffen. Während Brun die Hauptschuld für
die Merseburger Suppression bei OTTO II.
sucht und Giselher nur indirekt erwähnt,
indem er von der Bereicherung des ohnehin in Prunk und Pracht stehenden
Magdeburger Erzbistums spricht und als Motiv
OTTOS
II. die ambitio suorum und den amor hominis - also die Rücksichtnahme
auf Giselhers Ehrgeiz - angibt, verschweigt
Thietmar den Anteil OTTOS II. fast
gänzlich und sieht dafür im Erzbischof keinen Hirten, sondern
einen "stets auf Emporkommen gerichteten Krämer", der sein Ziel mittels
hemmungsloser Bestechung erreicht habe. Gewiß ist Thietmars Darstellung
parteiisch, seine Vorwürfe gegen Giselher
sind jedoch im wesentlichen durch Brun von Querfurt abgedeckt, so dass
sie berechtigter und weniger übertrieben sein dürften als gemeinhin
angenommen wird. In der gleichlautenden Kritik Bruns und Thietmars muß
man den Beleg für eine "sächsische Opposition gegen Giselher"
sehen, ohne dass jedoch klar ist, wer die treibende Kraft hinter den Merseburger
Restitutionswünschen war. Die Vorwürfe gegen Giselher
dürfte
auch OTTO III. inhaltlich als berechtigt
erkannt haben, denn spätestens seit der Januarsynode 999, vielleicht
sogar bereits seit der Paveser Synode im Februar 997 arbeitete er beharrlich
auf die Wiederherstellung des Bistums Merseburg und die Rückkehr
Giselhers
in sein altes Bistum, bei Nichtentkräftung der Vorwürfe sogar
auf dessen Deposition hin. Das Problem wurde zu Lebzeiten des Kaisers nicht
mehr gelöst, obwohl es noch im Jahr 1000 bei einer Begegnung OTTOS
III. mit Giselher
und danach auf mehreren, leider nur schlecht dokumentierten
Synoden in Magdeburg, Quedlinburg und Aachen im Zentrum stand. Auch HEINRICH
II. griff die Merseburger Frage auf und forderte Giselher
nur wenige Tage vor dessen Tod am 25. Januar 1004 auf, nach Merseburg
zurückzukehren; kurz darauf verfügte HEINRICH
II. die Wiederherstellung des Bistums.
Welche Motive OTTO III.
zu seiner unnachgiebigen Haltung gegenüber Giselher
gedrängt
haben, ist nicht eindeutig erkennbar. Die Vermutung, er habe mit Giselher
den mächtigen Gegner seiner Gnesenkonzeption ausschalten wollen, führt
deshalb nicht weiter, weil Giselhers
Gegnerschaft und als Voraussetzung dafür die Zugehörigkeit Posens
zu Magdeburg überhaupt nicht erwiesen sind. Stattdessen ist anzunehmen,
dass sich
OTTO III. die vorgebrachten
Bedenken gegen den problematischen Amtsantritt Giselhers
als
Magdeburger Erzbischof zueigen gemacht hatte. Laut Thietmar hatte schon
die Kaiserin Theophanu auf ihren Sohn
dahingehend eingewirkt, dass er das Bistum noch zu Lebzeiten
Giselhers
oder nach dessen Tod wiederherstellen solle - eine Initiative, die Theophanu
während der Vormundschaftsregierung noch für kurze Zeit verfolgt
haben dürfte. Die Einsetzung Arnulfs als Bischof von Halberstadt ebnete
dann den Weg für die Lösung des Problems. Fragt man nach weiteren
Einflüssen, denen OTTO III. bei
der Lösung dieser Frage ausgesetzt gewesen sein könnte, so gerät
natürlich auch Brun von Querfurt ins Blickfeld: Er war im Juni 997
von OTTO in die Hofkapelle geholt worden,
begleitete den Kaiser auf seinem 2. Italienzug und trat im Frühjahr
998 in das Kloster SS. Bonifacio e Alessio auf dem Aventin ein, war also
zum Zeitpunkt der Januarsynode 999 in Rom. Es ist sehr gut denkbar, dass
sich Brun als entschiedener Gegner der Suppression des Bistums Merseburg
bei OTTO III. nachdrücklich für
die Revision der Entscheidung von 981 einsetzte und ihn in seiner Haltung
gegen Giselher bestärkte. Während
diese Möglichkeit bisher unbeachtet blieb, vermutete Holtzmann, Gregor
V. und mit ihm auch die Mehrheit der deutschen Geistlichkeit hätten
die Aufhebung des Bistums "aus Reformgeist" verurteilt. Auch kann OTTOS
eigene
Religiösität zu seinem Entschluß beigetragen haben, die
von Brun als Vergehen am heiligen Laurentius, dem Schutzpatron Merseburgs,
empfundene Suppression rückgängig machen zu wollen. Schließlich
hätte die Wiederherstellung Merseburgs auch den nützlichen Effekt
einer Vermehrung des Reichskirchenguts zur Folge gehabt - ein Motiv, das
schon für OTTO III.
durchaus eine
Rolle gespielt haben kann.
Für die Frage nach Giselhers
Haltung zu einer eventuellen Oppositionsbewegung in Sachsen
ist entscheidend, dass er im Falle eines Erfolges der von Papst und Kaiser
verfolgten Politik mit einer Verkleinerung seiner Magdeburger Diözese,
vielleicht sogar mit einer Deposition zu rechnen hatte. Giselhers
Widerstand
gegen jede Schmälerung des einmal erreichten Besitzstandes dürfte
seinen Grund aber auch im "Eheband" mit der eigenen Bischofskirche und
der Gewissensüberzeugung gefunden haben, dereinst auf die Fürsprache
des Kirchenpatrons im Jüngsten Gericht angewiesen zu sein. Diese Haltung
brachte ihn sicher in Opposition zum Kaiser und verhinderte die Restitution
des Bistums Merseburg zu seinen Lebzeiten. Schließlich hatte auch
OTTO I. seinen Plan der Gründung
eines Erzbistums Magdeburg nicht gegen den Widerstand von Erzbischof Wilhelm
von Mainz und Bischof Bernhard von Halberstadt durchsetzen können,
die sich erfolgreich der damit verbundenen Verkleinerung ihrer Diözesen
widersetzt hatten. Auch Giselhers Nachfolger
Tagino weigerte sich trotz seiner HEINRICH
II. gegebenen Zustimmung zur Wiederherstellung Merseburgs, die
neun ehemals Merseburger Burgwarde wieder herauszugeben. Nicht weniger
wichtig für
Giselhers Position
war sicher, dass er selbst in das kleinere und ärmere Bistum hätte
zurückkehren, schlimmstenfalls sogar mit völligem Amtsverlust
hätte rechen müssen. Dieser bedrohlichen Entwicklung dürfte
er mit jeder erfolgversprechenden Möglichkeit zur Festigung seiner
Position entgegengewirkt haben - und sei es durch Annäherung an oppositionelle
Adelskreise.
Dieser Methode hatte sich Giselher
schon einmal erfolgreich bedient: 984 unterstützte er nicht etwa die
ottonische
Vormundschaftsregierung, sondern Heinrich
den Zänker und stand schon daher auch in Beziehung zu Markgraf
Liuthar und Graf Wilhelm II. Was den Grund für Giselhers
damalige
Parteinahme betrifft, so wurde zur Diskussion gestellt, dass er um Sicherung
der östlichen Reichsgrenze besorgte Erzbischof in der bedrängten
Lage nach dem Slawenaufstand von 983 nicht ein unmündiges Kind, sondern
einen tatkräftigen Herzog an der Reichsspitze sehen wollte. Es liegt
aber noch ein anderer möglicher Grund für seine Entscheidung
nahe: Wenn Thietmars Bericht über die Absicht der Kaiserin
Theophanu, die Suppression Merseburgs rückgängig zu
machen, richtig ist - und die in späteren Quellen ganz unabhängig
voneinander erhobenen Vorwürfe gegen Giselhers
persönlichen
Ehrgeiz und die kirchenrechtliche Fragwürdigkeit des Einsetzungsverfahrens
von 981 sprechen für einen lebhaften Widerstand gegen den Magdeburger
Erzbischof -, dann mußte er um seine neue Stellung bangen, falls
die ottonische Partei über den
Zänker obsiegen sollte. Es entsprach daher seinen ureigensten
Interessen, dass sich Giselher damals
dem Zänker angeschlossen hat: Ihn konnte er durch seine Hilfe ebenfalls
zur Unterstützung verpflichten - Unterstützung gegen die Wiederherstellung
des Bistums Merseburg. Tatsächlich ruhten die diesbezüglichen
Pläne ja auch während der Vormundschaftsregierung, vielleicht
hatte eine diesbezügliche Abmachung bei dem nicht mehr zufriedenstellend
rekonstruierbaren Ausgleich mit dem Zänker im Jahr 985 eine Rolle
gespielt, möglicherweise wurde der Konflikt mit dem Magdeburger Erzbischof
wegen der prekären Lage an der Slawengrenze nicht weiter ausgefochten.
Eine ähnliche Konstellation wiederholte sich 1002
nach dem Tod
OTTOS III.: Dass sich
Giselher in Frohse nach einer Besprechung
mit Markgraf Liuthar gegen die Thronkandidatur Ekkehards von Meißen
wandte, paßt in das Bild der Beziehungen zwischen dem Erzbischof
und Markgraf Liuthar. Jedoch lag - im Gegensatz zu der Lage vor OTTOS
Tod - keine Interessenidentität mehr zwischen ihnen vor. Während
die sächsischen Adligen um Liuthar
Herzog
Heinrich IV. von Bayern unterstützten, wandte sich Giselher
zunächst dem schwäbischen Herzog Hermann II. zu. Diese
Parteinahme überrascht zwar auf dem ersten Blick, ist im Grunde aber
nicht seltsam, sondern erklärt sich wiederum aus Giselhers
bedrohter Magdeburger Lage: Mit diesem Entschluß wollte er wahrscheinlich
- analog zu seiner Parteinahme für den Zänker
984 - den Thronkandidaten Hermann II. im Gegenzug dazu verpflichten, die
Merseburger Angelegenheit nicht weiter zu verfolgen. Gerade das aber hätte
Giselher
von
Ekkehard kaum erwarten dürfen: Seit der Erzbischof 995 die Stärkung
des Bistums Meißen hatte hinnehmen müssen, war sein politischer
Wirkungskreis nicht unerheblich beschnitten und seine Beziehungen zu Ekkehard
nachhaltig gestört. Von ihm konnte Giselher
offenbar keine Unterstützung erwarten, weshalb er sich in Frohse
gegen die Thronkandidatur des Markgrafen wandte und anfangs Herzog Hermann
II. von Schwaben unterstützte. Denn auch eine Parteinahme zugunsten
des Bayern-Herzogs dürfte ihm nicht sinnvoll erschienen sein:
HEINRICH II. war mit der Position OTTOS
III. vertraut und zeigte dann auch im Jahr 1004, dass er die
Frage im Sinne seines Vorgängers lösen wollte. Eine wichtige
Erklärung für seine Haltung liefert die Nachricht, er habe sich
eidlich zur Trennung der Magdeburger und Merseburger Kirche verpflichtet,
indessen ist nicht auszumachen, wann und gegenüber wem HEINRICH
II. diese Verpflichtung eingegangen war und ob sie schon für
seine Haltung im Jahr 1002 bestimmend war. Jedenfalls hatte Giselher
offensichtlich Grund zu der Befürchtung, dass die Merseburger Frage
unter HEINRICH II. nicht von der Tagesordnung
verschwinden würde; wahrscheinlich schloß er sich deshalb nicht
von vornherein dem von Liuthar und seinem Umkreis favorisierten Bayern-Herzog
an. Die Verbindung mit der sächsischen Adelsopposition hätte
zwar noch Giselhers Position gegenüber
OTTO
III. stützen können, entsprach jedoch nicht mehr der
neuen Konstellation nach des Kaisers Tod.
Seite 175-180
Dagegen büßte Giselher
seine zunächst einflußreiche Stellung tatsächlich
seit 994 rasch ein und stand dann der Merseburger Frage wegen in einem
Dauerkonflikt mit dem Kaiser. Dass Kaiserin Adelheid
bei OTTO III. zumindest vorübergehend
in Ungnade fiel, dürfte namentlich für Erzbischof
Giselher von Magdeburg nachteilig gewesen sein, der seine Stellung
bei Hof besonders auf das Vertrauen der Kaiserinwitwe gestützt hatte.
Giselhers Verhältnis zu den sächsischen Herrschern hatte zuvor
Höhen und Tiefen gekannt. Bei OTTO II.
stand er zweifellos in besonders hohem Ansehen. Die Annahme, dass dies
unverändert auch für die Zeit der Vormundschaftsregierung nach
dem Tod OTTOS II. gegolten habe, bestimmt
gemeinhin das Bild von Giselhers Tätigkeit
in diesem Zeitraum. Indessen sind daran einige Zweifel angebracht: Selbst
während der Vormundschaftsregierung lassen sich nämlich verschiedene
Phasen für Giselhers Stellung
unterscheiden. Im Thronstreit mit Heinrich dem
Zänker stand er 984/85 zumindest kurzzeitig auf der Seite
des Bayern-Herzogs gegen OTTO III.
Es überrascht kaum, dass seine Vertrauensstellung darunter gelitten
hat: In den Urkunden OTTOS III. taucht
er erst 987 an wenig hervorgehobener Stelle als Intervenient wieder auf.
In einer am 1. Mai 991 ausgestellten Urkunde wird er mit auszeichnenden
Worten bedacht; im Jahr zuvor hatte sich Giselher
am
Feldzug gegen die Slawen beteiligt und im Sommer 991 zog er erneut gegen
sie - möglicherweise ein Grund für die anerkennenden Worte. Nach
dem Tod der Kaiserin Theophanu am 15.
Juni 991 scheint Giselhers Einfluß
während der Vormundschaftsregierung der Kaiserin-Witwe
Adelheid bis September 994 zugenommen zu haben: Wenigstens intervenierte
er 992 und 993 fünf Mal und erhält sechs Schenkungen für
Magdeburg, vier davon auf Intervention der Kaiserin
Adelheid. Die Annahme, Giselher
habe sich vor allem auf das Vertrauen Adelheids
gestützt, ist daher nicht unbegründet. Mit Beginn
der selbständigen Regierung
OTTOS III.
trat Giselher als Intervenient jedoch
völlig zurück, und von zwei Schenkungen im Jahr 997 und 1000
abgesehen - die letzte bezeichnenderweise zum Seelenheil von Adelheid
- erfreute sich auch keiner Zuwendungen des Kaisers mehr. Mit
einiger Plausibilität lassen sich also für die Zeit der Vormundschaftsregierung
drei Phasen in Giselhers
Verhältnis
zum Hof unterscheiden: Eine erste bis Anfang/Mitte 987, die von der Irritation
über seine Parteinahme für Heinrich den Zänker bestimmt
war; die zweite Phase reicht bis zum Tod Theophanus
und
gipfelt, wie die auszeichnende Erwähnung im Mai 991 zeigt, in der
Wiederannäherung Giselhers an
den Hof. Die dritte Phase fällt in die Zeit der Vormundschaftsregierung
unter der Kaiserin Adelheid und dürfte
mit OTTOS Mündigkeit im September
994 geendet haben. Mit der Entfernung Adelheids
vom Hof wird auch Giselher
seinen Einfluß auf die Politkgestaltung verloren haben.
Finckenstein Finck von: Seite 120
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"Bischof und Reich"
Bosos Nachfolger wurde Bischof
Giselher (971-981), der einer adligen Familie Sachsens aus der
Gegend um Güsten bei Aschersleben entstammte. Giselher war in den
Konvent des Moritzklosters in Magdeburg eingetreten, wahrscheinlich unter
Abt Anno, da dieser später als Bischof von Worms Giselhers
Promotion zum Bischof von Merseburg förderte. Aus dem Moritzkloster
ist Giselher in die Hofkapelle übernommen
worden, zu deren custos er aufstieg. Da er sich zum Zeitpunkt seiner Ernennung
zum Bischof von Merseburg in der Umgebung des Kaisers in Italien befand,
konnte seine Weihe durch Erzbischof Adalbert von Magdeburg erst
im Juni 972 in Magdeburg vorgenommen werden.
Ohne sich mit der Übernahme dieses Amtes völlig
aus der Reichspolitik auf die Belange seines Bistums zurückzuziehen,
trat Giselher im letzten Lebensjahr
OTTOS I. in den Reichsgeschäften
deutlich zurück, in denen er nur auf der Synode in Ingelheim in der
Umgebung des Kaisers nachweisbar ist. Dies änderte sich mit dem Regierungsantritt
OTTOS II., dessen Gunst der Bischof in hohem Maße besessen
hat. Reiche Schenkungen, auch solche auf Fürsprache der Kaiserin
Theophanu, die Giselher
für sein Bistum wegen seiner "beständigen und treuen Dienste"
erhielt, zeugen dafür. Auf dem unglücklich endenden Italienzug
980 hat er den Kaiser, für den er in diplomatischer Mission tätig
gewesen ist, begleitet und ist mit Unterbrechung von kaum einem Vierteljahr
bis zum Sommer 983 bei ihm in Italien geblieben. Obwohl er also, wie W.
Schlesinger zurecht hervorhebt, "in diesen entscheidenden Jahren zu den
bevorzugten Beratern des Kaisers" gehört hat, hat er als Bischof von
Merseburg auch tatkräftig am Ausbau des Bistums gearbeitet und sich
gegen Übergriffe seiner Nachbarn, des Markgrafen Thietmar und des
Bischofs von Halberstadt, zu behaupten gewußt.
Die Gelegenheit des Todes von Erzbischof Adalbert
von Magdeburg 981 hat OTTO II.
benutzt, um eine Umorganisation der Kirchenprovinz vorzunehmen. Vielleicht
schon zu Lebzeiten OTTOS I., sicher
aber wohl seit 979/80 sind Pläne erkennbar, das für seine Aufgabe
als Missionsbistum zu kleine Merseburg aufzuheben und zur Stärkung
des Erzbistums und der Bistümer Zeitz, Meißen und Halberstadt
zu verwenden. Wie weit Giselher
diesen Plänen seine Hand geboten, ja sie sogar gefördert
hat, ist unklar. Thietmars Bericht über diese Vorgänge ist wegen
seiner Parteinahme gegen Giselher, dessen Nachfolger er später
in Merseburg wurde, nur mit Vorsicht zu verwerten. Immerhin ist nach den
Untersuchungen Schlesingers und Claudes zu vermuten, dass die sachlich
gewiß begründbaren Pläne zur Supression Merseburgs durch
Giselhers Ehrgeiz, der durch die Aussicht auf eine eventuelle Nachfolge
Erzbischof Adalberts in Magdeburg beflügelt wurde, weitere
Anstöße erhielten. Dem Wunsch des Kaisers entsprechend entschied
eine Synode, die am 10. und 11. September 981 in Rom stattfand, auf Aufhebung
des Bistums Merseburg. Die dadurch bewirkte Auflösung der kirchenrechtlich
sonst unauflöslichen Bindung Bischof Giselhers
an sein Bistum ermöglichte dem Kaiser nun die Ernennung
Giselhers zum Nachfolger Erzbischof
Adalberts. Nach Erledigung dieser kirchenrechtlichen Voraussetzungen
hat Erzbischof Giselher
dann auch besitz- und verwaltungsrechtliche Seite der Merseburger
Supression in kürzester Zeit bewältigt.
Giselher
war eine deutliche Ausprägung eines nach Herkunft und Amtsführung
in dieser Zeit nicht gerade seltenen Typs im Reichsepiskopat: überwiegend
reichspolitisch tätig, aber auch um die Verwaltung und den wirtschaftlichen
Ausbau des eigenen Bistums besorgt, im seelsorgerischen und missionarischen
Bereich dagegen zurückhaltend. Sein integrativer Beitrag zur Entwicklung
des Reiches muß daher in seiner Tätigkeit in der Reichspolitik
gesehen werden, die vor allem in seiner Magdeburger Zeit dann noch deutlicher
hervortrat.
Bemühungen um eine Wiederherstellung des Bistums
Merseburg werden seit 997 in den Quellen wieder greifbar. Dennoch gelang
es Erzbischof Giselher bis zu seinem
Tode am 25. Januar 1004, alle Versuche abzuwehren, ihn wegen des
kanonisch anfechtbaren Merseburger Suppressionsverfahrens zur Aufgabe des
Magdeburger Erzstuhles und Wiedereinnahme des Merseburger Bischofssitzes
zu zwingen.
Literatur:
-----------
Althoff, Gerd: Otto III., Primus Verlag, Darmstadt
1997, Seite 45,65,70,87-91,128,136,147,152 -
Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln, Seite 119,123,128,132, 134,139,146,149-151,154,163
- Claude, Dietrich: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das
12. Jahrhundert. Böhlau Verlag Köln Wien 1972, Seite 136-213
- Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta
Stuttgart 1996, Seite 21-520 - Finckenstein, Albrecht Graf Finck
von: Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des
ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1989 Seite 120 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das
Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden
1979, Seite 25,27,106,112, 143,145 - Görich Knut: Otto III.
Romanus Saxonicus et Italicus. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite
140,150,162-169,175-180 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das
Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte
in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995, Seite 24,39,42,77,145,291,350,421,435,441,445,450,459
- Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg.): Otto
III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997,
Seite 170-174,179A,183,193,380,411 - Thietmar von Merseburg: Chronik.
Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 76,86,96-102,106,120,124-128,134,152,154,160,162,168,176,178,184,
188,208,234-238,244,260,282,298,460 -