Adalgoz von Osterburg                              Erzbischof von Magdeburg (1107-1119)
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    -12.6.1119
     Magdeburg

Sohn des Grafen Werner I. der Ältere von Veltheim und einer nementlich unbekannten Schwester des Grafen Wiprecht II. von Groitzsch
 

Fenske Lutz: Seite 49,142,165,215-220
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Mit Herrand von Halberstadt waren damals der Halberstädter Domprost Adalgoz, sein Verwandter, und vermutlich weitere wegen ihrer antikaiserlichen Haltung vertriebene Kanoniker nach Magdeburg gekommen, wo ihnen Erzbischof Hartwig Aufnahme gewährte.
Die Teilnahme Adalgoz', des späteren Magdeburger Erzbischofs, über die die Translatio sancti Modoaldi berichtet, wird wohl weniger mit der königlichen Gesandtschaft, sondern mehr mit den Klagen des Halberstädter Domkapitels gegen Bischof Friedrich in Zusammenhang stehen. Adalgoz wurde als Dompropst durch Friedrich aus Halberstadt vertrieben, fand in Magdeburg Aufnahme und wird 1105 auf Initiative König HEINRICHS zurückgekehrt sein.
Nachfolger Heinrichs wurde Adalgoz, dem der König im Juni 1107 während eines Aufenthalts in Straßburg die Investitur erteilte. Adalgoz war Angehöriger des Domkapitels von Halberstadt gewesen und hatte zuletzt den Rang des Dompropstes eingenommen. Adalgoz entstammte der Ehe Werners I. (des Älteren) von Veltheim mit einer Schwester Wiprechts von Groitzsch. Im Oktober 1106 nahm er an der Gesandtschaft teil, die im Auftrag König HEINRICHS nach Guastalla in N-Italien reiste.
Wie sein Amtsvorgänger auf dem Magdeburger Erzstuhl war Adalgoz ein entschiedener Gegner HEINRICHS IV. gewesen, scheute sich aber nicht, nach dem Tode des Kaisers von dessen Sohn die Investitur anzunehmen. Dadurch zog sich Adalgoz durch die Umstände seiner Erhebung den Unwillen Papst Paschalis' II. zu, der ihn in einem Brief tadelte, das Gebot der Synode übertreten zu haben. Um sein Vergehen zu sühnen, wurde er aufgefordert, persönlich nach Rom zu kommen. Soweit man sehen kann, hat Adalgoz dieser Aufforderung nicht Folge geleistet. Trotzdem müssen sich die Beziehungen des Magdeburger Erzbischofs zur Kurie normalisiert haben da Paschalis II. dem Erzbischof das Pallium überbringen ließ. Adalgoz gehörte in den folgenden Jahren zu den geistlichen Fürsten, die sich oft am Hofe HEINRICHS V. nachweisen lassen. Als sich das anfangs gute Verhältnis HEINRICHS V. zum ostsächsischen Adel vom Jahre 1112 an zu verschlechtern begann und sich im Spätjahr 1114 ein über O-Sachsen hinausreichendes Bündnis gegen den Kaiser bildete, war der Magdeburger Erzbischof der letzte, der den Bruch mit HEINRICH vollzog. Als einziger aus dem Kreis der ostsächsischen Großen hatte er noch der Aufforderung des Kaisers Folge geleistet, sich Weihnachten 1114 zu einem Fürstentag in Goslar einzufinden, war aber von dort, angeblich um sich einer drohenden Verhaftung zu entziehen, nachts geflüchtet, worauf er gemeinsam mit anderen führenden Vertretern des sächsischen Adels von einem Rat reichstreuer Fürsten verurteilt wurde.
Adalgoz war der Gründer des regulierten Chorherrenstifts Neuwerk und trug damit zur Förderung der Augustinerchorherrenregel in O-Sachsen wesentlich bei. Beziehungen bestanden auch zum Kloster Hirsau, denn von dort ließ Adalgoz nach dem Tode Abt Hildebolds von Berge im Jahre 1113 den Hirsauer Profeßmönch Hugo als Nachfolger kommen.
Mit Adalgoz von Magdeburg und Reinhard von Halberstadt hatten zwei der sich auflehnenden Reichsfürsten ihre Stellung der königlichen Investitur zu verdanken. Sie waren gerade deswegen in Konflikt mit Paschalis II. geraten, denn sie hatten damit gegen grundlegende päpstliche Forderungen und Gebote verstoßen. Unter den veränderten Bedingungen einer erneuten Koalition zweier unterschiedlicher politischer Kräfte bedeutete dies für die betroffenen Bischöfe, dass sie sich, um den nun lästigen Tatbestand der Laieninvestitur zu tilgen, auf einer Synode in Goslar durch einen päpstlichen Legaten die Verzeihung Paschalis' II. für ihren Ungehorsam gegenüber den wichtigsten Synodalbeschlüssen der Zeit gewähren lassen mußten. Vertreter der ostsächsischen Adelsopposition von hohem Rang waren also 1115 darauf angewiesen, in eigener Sache die Versöhnung mit der römischen Kurie zu erwirken.
 
 
 
 

Literatur:
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Claude, Dietrich: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert. Böhlau Verlag Köln Wien 1972, Seite 391-411 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 46,49,129,142,165 A.352,187,191, 195,214,215-220,227,263,335,347,358,359 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 190,193 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 458 -