Begraben: Lambach
Sohn des Grafen Arnold II. von Lambach-Wels und
der Regilla von Verdun, Tochter von Graf Gottfried
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 94
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Adalbero, Bischof von Würzburg (seit 1045)
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* ca. 1010/15, + 6. Oktober 1090
Lambach an der Traun
Sohn des Kärntner Markgrafen (seit 1035) Arnold (+ 1055) und der Reginlind aus ostfränkischem Geschlecht, Letzter des österreichischen Mannesstammes WELS-LAMBACH
Würzburger Domschüler, schon früh
- vermutlich als Hofkaplan HEINRICHS III.
- mit den späteren Bischöfen Gebhard (von Salzburg) und Altmann
(von Passau) befreundet, vom König am 29. Juni 1045 zum Bischof
bestellt. Gründete mehrere Klöster (unter anderem Stift Neumünster
in Würzburg) und förderte den Dombau.1048 empfing Adalbero
HEINRICH III. in Würzburg,
nahm an kaiserlichen Synoden teil (1049 in Mainz mit Leo IX., 1052 in Bamberg),
während die isolierte Nachricht, er sei (mit dem Abt Hugo von Cluny)
1051 Taufpate HEINRICHS IV. gewesen,
fragwürdig bleibt. Von 1057 an hält er sich häufiger am
Königshof auf.
Der ebenso reformeifrige wie königstreue Reichsbischof
wurde jedoch durch den Ausbruch des Investiturstreites zum entscheidenden
Gregorianer. Nachdem er das Wormser Absagemanifest vom 24. Januar 1076
noch widerstrebend unterzeichnet hatte, brach er mit dem exkommunizierten
König, schloss sich der Fürstenopposition an und ließ sich
nach Canossa (1077) auf keinen Ausgleich ein. Er beteiligte sich im März
1077 an der Forchheimer Wahl und der Mainzer Krönung des Gegen-Königs
RUDOLF, konnte aber in seine königstreue, im August von
RUDOLF
vergeblich belagerte Bischofsstadt nicht zurückkehren.
HEINRICH IV. erklärte Adalbero
1085
für abgesetzt und erhob den Bamberger Domscholaster
Meinhard (+
1089), 1089 den Würzburger Domherrn Emehard (+ 1105) zum
Gegen-Bischof. Dank einem militärischen Erfolg HERMANNS
kehrte Adalbero 1086 für kurze
Zeit nach Würzburg zurück und wurde von der kaiserlichen Partei
auch publizistisch erbittert bekämpft. Nachrichten über Weiheakte
weisen ihn Ende 1088 in Comburg, 1089 im heimatlichen Lambach, 1090 in
Salzbach nach.
Quellen:
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Vita v. einem Lambacher Mönch um 1200, hg. I. Schmale-Ott,
Quellen und Forsch. Zur Gesch. des Bm.s Würzburg 8, 1954; dazu A.
Lhutsky, Quellenkunde zur ma. Gesch. Österreichs, 1963, 210f.
Literatur:
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DHGE s.v. – LThK s.v. – NDB s.v. – K. Hallinger, Gorze-Kluny,
1950/51, 320-331 u.ö. – A. Wendehorst, StGreg 6, 1959/61, 147-164
– Ders., Das Bm. Würzburg I, Germania sacra NF I, 1962, 100-117 [mit
Qq. Und Lit.] – W. Goez, Frk. Lebensbilder 6, 1975, 30-54.
Vater: Arnold II., Markgraf der Kärntner Mark
Mutter: Reginlind (? Aus ostfränkischem oder lothringischen Geschlecht)
Domschule Würzburg.
1045 zum Bischof von Würzburg ernannt.
Schwerpunkt des Wirkens zunächst in der Würzburger
Diözese
1057 Neugründung des Stifts Neumünster, Umwandlung
des Kollegiatsstifts St. Peter und Stephan in eine Benediktinerabtei, Reformierung
der Abtei Münsterschwarzach im Sinne der Gorzer Reform („zweiter Gründer“).
Nach 1056 häufig in der Umgebung König
HEINRICHS IV.
Als kompromißloser Anhänger der Kirchenreform
seit 1076 Entfremdung von HEINRICH IV.
Maßgebliche Beteiligung an der Wahl des Gegen-Königs
RUDOLF VON RHEINFELDEN.
Mußte 1077 aus dem königstreuen Würzburg
weichen.
1086 kurzfristige Rückkehr.
Schlug alle Versöhnungsangebote des Königs
ab.
Einer der wenigen konsequenten Gegner HEINRICHS
IV.
Starb in seiner zum Benediktinerkloster umgewandelten
Familiengründung Lambach.
Literatur:
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NDB 1; Lebensbilder Franken 6; Germania Sacra 1.
Bischof von Würzburg. F. Vita Adalberonis
SS 12, 129 und unten zu 1601 18/2
Bischof 1045, resigniert 1088
1089 15/9 Einweihung des Benediktinerklosters Lambach
Vita 136
+ 6/10 1090 und in Lambach begraben;
1061 18/2 Regensburg König
HEINRICH IV. bestätigt Lambach auf Intervention seines
getreuen Würzburger Bischofs Adalbero
den Markt in Wels und den Zoll in Lambach eo iure, quo parentes eius
scilicet avus Arnoldus et pater eius Arnoldus et frater suus marchio Gotfridus
und zuletzt der Bischof selbst besaßen DD 6, 90 ff. n 70.
Der Todestag ist in den Nekrologen von Admont, St. Lambert,
Asbach, Kremsmünster, St. Florian und Traunkirchen überliefert.
1045 Bischof von Würzburg (MG.SS.XII.129ff.
seine Lebensdaten), resigniert 1088.
Stiftet Kloster Lambach, wo er starb: 6.X.1090
(MG.SS.XII.136;
Nec.II.304 Admont; 339 St. Lambert; IV.97 Asbach; 229
Kremsmünster; 271,285,316 St. Florian; 434 Traunkirchen).
Die Verwandtschaft Adalberos
mit
HEINRICH III. kann nur als denkbar
angesehen werden, ist aber genealogisch nicht nachweisbar. Letzter noch
von HEINRICH III. ernannter Würzburger
Bischof und Nachfolger Brunos wurde Adalbero
(1045-1090), dessen Amtszeit weit in den Investiturstreit hineinreicht,
an dem er auch aktiv teilnahm. Über die Umstände seiner Erhebung
ist nichts bekannt.
Adalbero
stammte aus dem Hause der Grafen von Lambach an der Traun.
Sein Vater Arnold II. war seit 1035 Markgraf der Kärntner Mark,
sein Bruder Arnold III., Graf im Rotagau, ein anderer Bruder war Gottfried,
Graf im Paltental und Markgraf der Kärntner Mark.
Adalberos Mutter
Reginlind
stammte wahrscheinlich aus Lothringen und war vermutlich die Tochter des
Grafen Gottfried von Verdun, und damit eine Schwester Adalberos von Verdun
und eine Nichte Erzbischof Adalberos von Reims.
Seiner um 1200 verfassten Vita zufolge übergab ihn
sein Vater schon früh der Würzburger Domschule, die wie wir sahen,
in der Amtszeit Bischof Meginhards unter dem Scholaster Pernulf
großes Ansehen besaß. In seine Jugendzeit reicht vermutlich
seine Freundschaft zu Erzbischof Gebhard von Salzburg und Bischof Altmann
von Passau zurück, ohne dass sich jedoch ein gemeinsamer Lebensabschnitt
im Werdegang der drei Bischöfe nachweisen ließe, es sei denn
Adalbero
wäre, wie seine beiden Freunde, auch Mitglied der Hofkapelle gewesen.
Weitere Hinweise auf einen solchen Hofdienst lassen sich für
Adalbero jedoch nicht finden, denn
die Nachricht beim Zeitgenossen Marianus Scotus,
Adalbero
sei neben Hugo von Cluny Pate
HEINRICHS
IV. gewesen, wird man kaum als solchen Hinweis werten dürfen,
da Adalbero bei der Taufe des Kaisersohnes
1050 längst Bischof war.
Diese letztere Nachricht ist allerdings ein wichtiges
Zeugnis für das Verhältnis des Bischofs zu HEINRICH
III. und damit wieder die Bedeutung des Würzburger Bischofssitzes
im Reichsepiskopat. Im Reichsdienst ist der Bischof in der Regierungszeit
HEINRICHS
III. kaum hervorgetreten. Deutlich wird jedoch eine energische,
wenngleich nicht immer erfolgreiche Erwerbungspolitik, die ihn zeitweise
in Gegensatz zu Bischof Gunther von Bamberg und zum Kloster Fulda brachte.
Bezeichnend für diese Politik, aber auch für den Typus des Reichsbischofs
jener Zeit, den Adalbero
darstellte,
ist die, in ihrer vollen Bedeutung allerdings bezweifelte Behauptung Adams
von Bremen: Solus erat Wirciburgensis episcopus, qui dicitur in episcopatu
suo neminem habere consortem, ipse cum teneat omnes comitatus parochiae,
ducatum provintiae gubernat episcopus.
Seine reformfreundliche Haltung, die aus seiner kirchlichen
Tätigkeit, besonders der Reform des bischöflichen Eigenklosters
Münsterschwarzach und seiner eigenen Gründung Lambach an der
Traun, aber auch aus seinem Freundschaften hervorgeht, hat ihn später
bereits in einem sehr frühen Stadium des Investiturstreites auf die
Seite Gregors VII. geführt, in dessen Anhängerschaft er bis zur
Konsequenz seiner Vertreibung aus dem Bistum Würzburg verharrte.
Er starb am 6. Oktober 1090 in seiner Kärntner
Heimat in seinem Kloster Lambach, nachdem er Würzburg 1086 endgültig
hatte verlassen müssen.
Sieht man von Adalberos
politisch desintegrativer Haltung für das Reich im Investiturstreit
ab, ergibt sich das Bild eines durch genealogische und freundschaftliche
Verbindungen den Süden und Westen des Reiches überspannenden
Bischofs. Durch seine Eltern mit den mächtigsten bayerischen und lothringischen
Familien verwandt und dem Kaiserhaus durch seine Patenschaft für HEINRICH
IV. auch persönlich eng verbunden, waren auch für
Adalbero
alle Voraussetzungen für eine übergreifend reichspolitische Wirksamkeit
gegeben, zumal ihm Freundschaften zu Gebhard von Salzburg, Altmann von
Passau und Gundekar I. von Eichstätt die notwendigen Verbindungen
im Episkopat verschafften. Diese Möglichkeiten zu nutzen, verhinderte
jedoch die kompromisslose Haltung des Bischofs in der nun heraufziehenden
grundsätzlichen Auseinandersetzung dieses Zeitalters.
Fenske Lutz: Seite 140
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen
Sachsen"
Noch 1086 war ein sächsisches Heersaufgebot durch Thüringen südwärts nach O-Franken gezogen, wo man mit den südwestdeutschen Gegnern des Kaisers zusammentraf und die vereinigten Streitkräfte das kaiserliche Heer bei Pleichfeld besiegten, woraufhin Erzbischof Hartwig den aus Würzburg vertriebenen Bischof Adalbero unter feierlichen Formen in seine Bischofsstadt geleitete.
Moritz Joseph: Seite 25-36
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"Kurze Geschichte der Grafen von Formbach, Lambach und
Pütten"
Markgraf Gottfried von Lambach und Pütten, Adalbero
Bischof von Würzburg und Herr von Wels, zwei Söhne des Grafen
Arnold II. von Wels und Lambach
Literatur:
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Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077)
Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 303,304,
307,320,384 - Bosl, Karl: Bosls Bayerische Biographie, Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 1983 Seite 4 - Brunos Buch vom Sächsischen
Kriege. Übersetzt von Wilhelm Wattenbach, Phaidon Verlag Essen 1986,
Seite 48,110,112 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter,
Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I, Seite 296/Band II Seite 98,137,227-229,232,235,240,
246,531/Band III Seite 311,331,392-394 - Fenske, Lutz: Adelsopposition
und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck &
Ruprecht Göttingen 1977, Seite 50,95,133,140,217,246,291 - Finckenstein,
Albrecht Graf Finck von: Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß
des ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056), Jan Thorbecke Verlag
Sigmaringen 1989 Seite 87,159 - Goez, Werner: Lebensbilder aus dem
Mittelalter. Die Zeit der Ottonen Salier und Staufer. Primus Verlag Darmstadt
1998, Seite 215-223 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen
und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar
1992, Seite 70,89,102,176,212,259 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher
des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 1. - 7. Band,
Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 - Moritz, Joseph:
Die Grafen von Formbach, Lambach und Pütten, Abhandlung der baierischen
Akademie der Wissenschaften München 1803 Seite 25-36 - Pohl
Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von
Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 95,108,122,128,217 - Wies,
Ernst W.: Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft,
Bechtle Esslingen 1996, Seite 118,124,138,1253,202 -