Burchard                                                    Bischof von Worms (1000-1025)
------------
    -20.8.1025
 

Sohn des N.N.; Bruder des Bischofs Franco von Worms
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 946
********************
Burchard I., Bischof von Worms seit April 1000
---------------
* um 965, + 20. August 1025

Stand "wahrscheinlich in einem genealogischen Zusammenhang mit den führenden Grafen- und Adelsgeschlechtern des nördlichen Hessen", die "im Gebiet der oberen Eder Besitz- oder Grafschaftsrechte" besaßen und gleichzeitig Beziehungen zu St. Florin in Koblenz unterhielten (W. Metz).

In Koblenz, vielleicht in St. Florin, erzogen (canonice nutritus), besuchte er aus Studiengründen weitere Orte, scheint aber nicht, wie nach einer Notiz bei Johannes Trithemius häufig angenommen worden ist, in Lobbes ausgebildet worden zu sein (V. Bubenheimer). Erzbischof Willigis (975-1011) berief ihn nach Mainz, erhob ihn zum Propst des restaurierten Kanonikerstiftes St. Viktor, weihte ihn am 10. März 997 zum Priester und machte ihn zu suae camerae magistrum et civitatis primatem. König OTTO III. schenkte 994 und 995 dem clericus Burchard Güter im Hessengau (DD O. III. 148, 184), "um oder nach 995" nahm der König Burchard in die Hofkapelle auf (J. Fleckenstein). Nach dem Tode seines Kanzlers, des Bischofs Hildebald von Worms (+ 4. August 998), bestimmte OTTO III. Burchards Bruder Franko, der ebenfalls der Hofkapelle angehörte und ein besonders eng vertrauter Freund OTTOS III. war, zum Nachfolger (+ 28. August 999). OTTO setzte zunächst von Italien aus zwei andere Mitglieder der Hofkapelle, Herpo von Halberstadt und Razo aus Bremen, als Bischöfe ein, die noch vor ihrer Amtsübernahme starben. Schließlich bestellte OTTO III., wohl auf Drängen Erzbischof Willigis' von Mainz, den von seinem Bruder als Nachfolger empfohlenen Burchard zum Bischof von Worms und ließ ihn im April 1000 auf der Rückreise von Polen in Heiligenstadt durch Willigis weihen. Burchard I. blieb zeitlebens ein treuer Helfer OTTOS III. und seiner Nachfolger. Er nahm am Italienzug OTTOS III. im Winter 1001/02 und am zweiten Italienzug HEINRICHS II. 1013/14 teil und war auf zahlreichen Reichssynoden sowie der Provinzialsynode in Seligenstadt (1023) anwesend. Anfang Juni 1002 unterstützte Burchard I. zusammen mit Willigis die Wahl Herzog Heinrichs von Bayern zum König erst, nachdem dieser dem Bischof versprochen hatte, ihm den Herzog Otto von Kärnten verbliebenen Grafenbesitz in Worms zu übertragen, da Otto - obwohl die Grafenrechte seit 979 an die Bischöfe von Worms übergegangen waren (D O. II. 199) - nach seiner Rückkehr aus Kärnten (985) die alten Rechte erneut beanspruchte. Burchard I. hatte bei seinem Amtsantritt die entfestigte Stadt in einem desolaten Zustand vorgefunden, von Fehden erfüllt, von einem Teil der cives verlassen und von den Parteigängern Ottos verunsichert. Burchard I. befestigte nun nicht nur sofort den Bischofshof gegen den SALIER, sondern wünschte, den Rechtszustand von 979 wiederherzustellen und die als Kämmerer in Mainz kennengelernte ungeteilte Stadtherrschaft zu erlangen. Mit Willigis' und HEINRICHS II. Hilfe gelang ihm dies 1002. Herzog Otto trat seinen Grundbesitz und seine Rechte in Worms im Tausch mit dem Königshof Bruchsal an Burchard I. ab (D H II. 20). Dadurch  wurde Worms "befreit" und der Herrschaft der Bischofskirche unterstellt. An Stelle der geschleiften SALIER-Burg ließ Burchard I. das Stift St. Paul, genannt ecclesiam ob libertatem civitates, errichten. Burchard I. baute auch wie Willigis in Mainz einen neuen Dom, der am 9. Januar 1018 im Beisein HEINRICHS II. geweiht wurde. Ferner verlegte er die Stiftskirche St. Andreas in die Stadt (südwestliche des Domes), gründete als drittes Stift St. Martin und reformierte das Nonnenkloster Marienmünster, wo er seine Schwester Mathilde als Äbtissin einsetzte. In Anlehnung an die drei Stifter und die Domkirche teilte er die Stadt in vier Pfarren ein und legte damit den Grund für die Aufgliederung der städtischen Verwaltung, die er von seinen Ministerialen wahrnehmen ließ. Der Vereinheitlichung und Sicherung der Rechtsverhältnisse in den bischöflichen Grundherrschaften vor allem außerhalb des Wormser Stadtbezirkes dienten die durch HEINRICH II. verbriefte Abgrenzung vogteilicher und gräflicher Gerichtsgewalt und die Schlichtung der Streitigkeiten zwischen der Wormser und der Lorscher familia (DD H. II. 319, 501). Doch galt Burchards I. Hauptsorge der kirchlichen und weltlichen Rechtseinheit innerhalb des Bistums und der bischöflichen familia. Sein "Decretum" und seine "Lex familiae Wormatiensis ecclesiae" zielten ausdrücklich darauf, die aus der Rechtsvielfalt entstandene Rechtsverwirrung und -unsicherheit durch Aufzeichnung von kirchlichen und Gewohnheitsrecht und durch Rechtssatzung zu beseitigen. Burchard I., dessen Rechtskunde und Charakter viel gerühmt wurde (discretus in appetendo, fortis in tolerando, iustus in iuditio, D H. II. 393), hatte den von seinen Verwandten zurückgesetzten SALIER KONRAD erzogen und seine Wahl 1024 unterstützt. Kurz nach dem Empfang König KONRADS in Worms (Juli 1025) ist Burchard I. gestorben. Über sein Leben berichtet die von einem Wormser Geistlichen, vielleicht dem Domschulmeister Ebbo, geschriebene "Vita Burchardi", die starke Anleihen bei Alberts von Metz Schrift "De diversitate temporum libri duo" macht.

Quellen und Literatur:
--------------------------
Vita Burchardi ep. Wormatiensis, MGH SS IV, 829-846 - Q. zur Gesch. der Stadt Worms III, hg. H. Boos, 1893, 97-126 und XXVIf. - Ders., UB der Stadt Worms I, 1886.

Literatur:
-----------
ADB III, 563f. - DHGE X, 124ff. - Hauck III, 437-442 - Manitius II, 56-61 - HRGI, 541-543 - LThK II, 783f. - NDB III, 28f. - Verf.-Lex. I, 1121-1127 - S, Hirsch, JDG H. II., 3 Bde, 1862-1875 - H. Bresslau, JDG Ko. II, 2 Bde, 1879-1884 - H. Grosch, B. I., Bf. v. Worms [Diss. Leipzig 1890] - H. Boos, Gesch. der rhein. Städtekultur I, 1897, 235-309 - A.M. Koeniger, B. I. v. Worms und die dt. Kirche seiner Zeit (1000-1025), 1905 - M. Uhlirz JDG O III., 1954 - H. Büttner, Zur Stadtentwicklung von Worms im Früh- und HochMA (Fschr. F. Steinbach, 1960), 389-407 - J. Fleckenstein, Die Hofkapelle der dt. Kg.e, II (MGH Schr. 16/II, 1966), 79, 86-89 - G. Theuerkauf, B. v. Worms und die Rechtskunde seiner Zeit (Frühma. Stud. 2, 1968), 144-161 - U. Bubenheimer, Der Aufenthalt B.s v. Worms im Kl. Lobbes als Erfindung des Johannes Trithemius, ZRGKanAbt 58, 1972, 320-337 - W. Metz, Zur Herkunft und Verwandtschaft B.s I. v. Worms, HJL 26, 1976, 27-42.


Der Hesse Burchard sollte seinem Bruder Franco als Bischof von Worms folgen, doch dies verhinderten einflussreiche Ratgeber des Kaisers, die fürchteten, dass Burchard eine ähnliche Bedeutung erringen würde. Er wurde erst nach der Rückkehr des Kaisers aus Polen zum Bischof von Worms bestimmt und in Heiligenstadt im nördlichen Thüringen von Erzbischof Willigis geweiht. Am 20. Juni 1000 bekam das Bistum Worms auf Bitte Bischof Burchards eine Vergrößerung seines Besitzes durch die Schenkung der Güter des Propstes von Boppard Nannichinus. Burchard stand an der Spitze der Wormser und Mainzer Hilfstruppen, die im Jahre 1002 zur Verstärkung der kaiserlichen Truppen in Italien eintrafen. Da inzwischen der Kaiser in Paterno gestorben war, wurden seine Scharen bei Lucca in ein blutiges Gefecht verwickelt. Er war der Erzieher des Kaisers KONRAD II. und verdrängte 1002 die SALIER mit der Unterstützung des Kaisers HEINRICH II. aus ihrer bisherigen Residenz Worms und ließ die Stadt durch Ummauerung sichern.

Trillmich Werner: Seite 134
**************
"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Bischof Burkhard (1000-1025), der Bruder seines Vorgängers Franko, entstammte einem vornehmen hessischen Geschlecht. Erst in Koblenz, dann in Lobbes an der Maas hatte er eine sorgfältige theologische Ausbildung erhalten und Lothringens benediktinisch strenges Mönchtum kennen gelernt. Später trat er zu Mainz in den Dienst von Erzbischof Willigis und fand Aufnahme in die königliche Hofkapelle. Verwaltungsgeschick und ungewöhnliche Rechtskenntnisse zeichneten ihn aus. Der geistlichen Gerichtsbarkeit fehlte es seit dem Ende der KAROLINGER-Zeit an einer modernen, handlichen Sammlung verbindlicher Rechtsätze. Nicht minder richtungsweisend war Burkhards Lex familiae Wormatiensis ecclesiae, die erste uns erhaltene Zusammenstellung des Hof- und Dienstrechts einer großen geistlichen Grundherrschaft. Sie diente in erster Linie der bischöflichen Verwaltung und Vermögenssicherung, sorgte aber auch für den Schutz der Hintersassen gegen Willkür und Gewalttaten. Die Wormser Domschule besaß seit Bischof Hildibald (979-998) hohes Ansehen. Herzog Ottos Sohn Konrad geriet 1002 in Rheinfranken durch übereiltes Eintreten für die Kandidatur seines konradinischen Schwiegervaters in Gegensatz zu Bischof Burkhard, der die günstige Gelegenheit zum Erwerb der Wormser Grafenburg nutzte. Er ließ sie abreißen, um an ihrer Stelle die St. Paulus-Kirche zu errichten.

Görich Knut: Seite 134,136-139
***********
"Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus."

Die Kontingente der Kölner und Mainzer Erzbischöfe, die Bischöfe von Worms und Würzburg sowie des Abtes von Fulda waren die Masse des Heeres, das zu OTTOS Unterstützung über die Alpen zog. Die Anführer der eingetroffenen Heeresabteilungen standen denn auch alle in besonderer Nähe zum Kaiser. Fast alle waren vor ihrer Erhebung zum Bischof Mitglied der Hofkapelle gewesen. Burchard war der Bruders des OTTO hochgeschätzten Bischofs Franco von Worms; kurz vor seinem Tod hatte noch Franco selbst seinen Bruder als Nachfolger empfohlen [Engels weist darauf hin, dass der Bericht über die Designation Burchards durch seinen Bruder nicht unbedingt historische Tatsache sein muss; möglicherweise versuchte der Autor der Vita Burchardi, mit dieser Nachricht die Nominierung von einer weltlichen auf eine kirchliche zu verlagern.]. Heribert von Köln und die Bischöfe von Konstanz, Worms und Würzburg sowie Abt Erkanbald von Fulda unterstützten den Kaiser innerhalb weniger Jahre mehrfach im Süden. Dieser besonderen Belastung entsprach auch eine besondere Förderung durch den König: Burchard von Worms, den OTTO III. schon vor seiner Erhebung zum Bischof reich beschenkt hatte, erhielt zwei Gefolgsleute OTTOS samt deren Besitz zu eigen sowie das Kastell Weilburg. Burchard war als Teilnehmer des dritten Italienzuges ab Juni 1000 erneut belegt.
Burchard von Worms gehörte zu den Bischöfen, deren Aufgebot im Anmarsch war und sich in der Nähe von Lucca befand, als sie dort kurz nach dem 24. Januar 1002 sie Nachricht vom Tod OTTOS III. erhielten.
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 - Beumann, Helmut: Die Ottonen, Verlag W. Kohlhammer, 1991 - Boshof Egon: Die Salier, Verlag W. Kohlhammer Suttgart Berlin Köln 1987 - Bresslau, Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. 3 Bände Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1879 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 14,68,229/Band III Seite 12,22, 28,58,350-359,520-524 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 20,84,101 - Erkens Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1998 - Görich Knut: Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite 134,136-139 - Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II. 1. und 2. Band, Verlag von Duncker & Humblot Berlin 1864 - Metz, Wolfgang: Zur Herkunft und Verwandtschaft Bischof Burchards I. von Worms, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 26 Seite 27-42 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg.): Otto III. – Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 176-409 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 Seite 134 - Uhlirz, Karl: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Otto II. und Otto III. 1. und 2. Band. Verlag Duncker & Humblot Berlin 1967 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite 48,52,72,74,92,151,154,161,201,231 - Wolfram Herwig: Kaiser Konrad II. Kaiser dreier Reiche. Verlag C.H. Beck München 2000 -