Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 904
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Toul
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II. BISTUM UND HOCHSTIFT
1. Früh- und Hochmittelalter
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Die Diözese an oberer Mosel, Maas und Meurthe entsprach
weitgehend dem Stammesgebiet der 'Leuci'. Erster verbürgter Bischof
in der mit Unsicherheiten behafteten frühmittelalterlichen Bischofsliste
ist Auspicius (um 471). In der KAROLINGER-Zeit
exponierte Stellung des reformorientierten Bischofs Frothar (813-849);
Nähe zum Herrscherhaus; benachbarte königliche Pfalzen Gondreville
und Savonniere). Die seither formell fixierte Zugehörigkeit zum Trierer
Metropolitanverband war spätestens seit dem Ende des 13. Jh. faktisch
bedeutungslos. Im 10. Jh. wurde der nur begrenzt wirksame Kult der heiligen
Bischöfe Mansuatus und Aper propagiert und für die Touler
Kirche ein Apostolizitäts-Anspruch erhoben. Von Bischof
Gerhard bis zum Beginn des 12. Jh. (Abfassung der 'Gesta episc.
Tull.', MGH SS VIII) stammten die in die Politik der OTTONEN
und SALIER eingebundenen Bischöfe
aus dem Reich, wobei das Grenzbistum, die Stadt und das stets sehr bescheidene
Hochstift, dessen Anfänge auf das 7. Jh. zurückgehen, nur ein
geringes politisches Gewicht besaßen. Charakteristisch für
Toul ist der Gegensatz zwischen den großen Ausdehnung des
Bistums zum einen und dem geringen Gewicht von Kathedralstadt und Hochstift
zum anderen. Überaus stark war die Beteiligung der zahlreichen geistlichen
Gemeinschaften des Bistums an der Kloster- und Kirchenreform des 10.-11.
Jh., die ihren Höhepunkt unter Bischof Bruno erreichte (Papst
Leo IX.) und mit einer seit dem 11. Jh. stark intensivierten innerdiözesanen
Tätigkeit der Bischöfe einherging. Eine Ausweitung des Netzes
geistlicher Institutionen seit der Mitte des 11. Jh. erfolgte zunächst
mit der adligen Gründung zahlreicher Benediktinerpriorate, seit Ende
des 11. Jh. breiteten sich dann die Reformorden im Bistum aus. Von 1107
bis nach der Mitte des 13. Jh. wurden vom Kapitel dem lothringischen Adel
entstammende Bischöfe gewählt. Seit dem 12. Jh. ist - trotz der
persönlichen Autorität und den Kontinuitäten im Bischofsamt
- eine zunehmende territoriale Konkurrenz der Bischöfe gegenüber
den aufstrebenden Herzögen von Lothringen festzustellen, die im Osten
und Süden des kleinen Hochstifts ihre Herrschaft festigten (Nähe
der späteren Residenz Nancy). bereits ab 1178 wurde der Burgort Liverdun
zum wichtigsten bischöflichen Stützpunkt ausgebaut (Stift, Münzstätte,
Befreiung der Bewohner). Einblick in die bischöfliche Grundherrschaft
gibt ein um 1286 verfasstes Einkünfterecht.
2. Spätmittelalter
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Die Situation war von Stagnation und ständiger Gefährdung
des Hochstifts angesichts der übermächtigen Konkurrenz des Adels
überschattet. Die Beziehungen der Bischöfe zum Reich verloren
nach der Mitte des 13. Jh. weiter an Bedeutung; bis zum Ende des Jahrhunderts
fanden in der Region deutsch-französischer Herrschertreffen statt.
Seit dem Ende des 13. Jh. führte die überwiegende Besetzung des
Bischofsstuhles durch das Papsttum zu häufig kurzen Episkopaten meist
landfremder bzw. schwacher Bischöfe und zu einem nachhaltigen Macht-
und Autoritätsverlust der Oberhirten.
Vom 10. Jh. an werden Archidiakone genannt, für
die seit dem 11. Jh. räumlich fixierte Zuständigkeitsbereiche
im Bistum bezeugt sind. Das Subsidienregister von 1402 nennt 6 Archidiakonate
(darunter das mit St. Gangolf verbundene Großarchidiakonat für
Toul und sein Umland; die Archidiakone residierten
im Domkapitel), 23 Dekanate und etwa 680 Pfarreien.
Das entlegene, arme Toul
war ebenfalls vom Adel ausgestattet, bevogtet und beschirmt. Königliche
Gnadenerweise gab es außer der Immunitätsverleihung nur selten.
Toul gehörten seit 1011 Ländereien
westlich der Maas um Vaucouleurs und Commercy mit Forst-, Jagd- und Grafenrechten.
Fast alle Bischöfe förderten monastische Neuerungen und überließen
die theologische Führung ihren Klöstern, obwohl sie selbst eine
sorgfältige Ausbildung genossen hatten. Berthold von Toul (996-1019)
trat in der Luxemburger Fehde zusammen mit Heimo von Verdun für HEINRICH
II. ein. Beide Bischöfe ließen ihre Residenzen neu
befestigen und durch vorgelagerte Burgen sichern. Hermann von Toul (1019-1026),
ein Neffe des Lütticher Dompropstes, kam wie Heimo aus der berühmten
Schule Notkers von Lüttich. Obwohl kein Freund der Askese, förderte
er den hochbegabten, frommen und zuchtvollen Bruno von Egisheim,
der seit 1007 als Domherr seinem Kapitel angehörte.