Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1613
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Paderborn
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I. BISTUM
1. Gründung und Aufbau
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Paderborn und der Bereich
an den Lippequellen 10 km nördlich Paderborns
waren im 8. und früheren 9. Jh. der zentrale Raum der karolingischen
Sachsenmission, der zwischen 777 und 804 achtmal als Platz der Reichsversammlungen
bzw. Synoden diente. Der 776 über den Paderquellen mit palatium und
Kirche erbauten Pfalzburg hatte KARL DER GROSSE
seinen Namen (urbs Karoli) verliehen.
Hier begannen 777 in Anwesenheit KARLS Massentaufen
der Sachsen. Nach der Zerstörung der Anlage 778 verflogen die Hoffnungen
auf einen schnellen Missionserfolg; der Name Karlsburg wurde zugunsten
des angelsächsischen Patrisbrunna aufgegeben. Der zweite Wiederaufbau
nach abermaliger Zerstörung (794) zielte mit dem Bau einer großen,
799 geweihten Basilika auf Einrichtung eines Bistums. Nachdem KARL
799 Papst Leo III. feierlich in Paderborn
empfangen hatte, wurde das Bistum im Beisein des Papstes und von 15 Bischöfen
gegründet und dem Erzbistum Mainz unterstellt. Zu dessen Provinz gehörte
das Bistum Würzburg, dem man die sich in Kilians-Patrozinien im Paderborner
Land widerspiegelnde Patenschaft über Paderborn
übertrug. Paderborns
erster Bischof, der Sachse Hathumar (+ 815), wurde in Würzburg
erzogen.
836 bewirkte Bischof Badurad (815-862) die Überführung
der Reliquien des heiligen Liborius aus Le Mans nach Paderborn.
Hinter Liborius traten seit ca. 1000 die älteren Patrozinien (Maria,
Kilian, Stephanus) zurück. Inzwischen hatte das Bistum Immunität
und Königsschutz (822) mit Vogteigerichtsbarkeit (881) und freie Bischofswahl
(885) erhalten. Durch die Gründung des Klosters Corvey (822) und der
Frauenstifte Herford (um 800) und Böddeken (836) war das Bistum gefestigt
worden und zählte um 820 im Raum zwischen Warburg und Herford, Höxter
und Paderborn rund 20 Pfarren.
Dennoch konsolidierte sich das Bistum erst unter Meinwerk
(1009-1036). Er vermehrte den Grundbesitz durch Schenkung seiner Erbgüter
und Zuerwerb von Gütern des dynastischen Adels und kleinerer Grundherren,
er sicherte dem Bistum die Grafschaften der Diözese, die gleichzeitig
durch Übertragung an Ministeriale entfeudalisert wurden. Mit der Überlassung
der Reichsklöster Helmarshausen (1017) und Schildesche (1019) durch
König HEINRICH II. und den Neugründungen
von Abdinghof (1015/31) und Busdorf (1036) durch Meinwerk erhöhte
sich die Zahl der bischöflichen Eigenklöster und Eigenstifte
auf 6.
Während des Investiturstreits schnitten sich im
Bereich der Bistums Paderborn überregionale
Interessen, weil Paderborn einerseits Zwischenglied für die königliche
Politik in Ostsachsen, andererseits Vorfeld der sächsisch-gregorianischen
Opposition war. Auch im 12. Jh. blieb das Bistum Paderborn Konfliktfeld
zwischen den sächsischen Großen im Osten (Heinrich der Löwe)
und den westfälisch-rheinischen im Westen (Grafen von Werl, Erzbischof
von Köln). Nach der Absetzung Heinrichs des Löwen (1180) geriet
Paderborn unter den Druck des Erzbischofs von Köln, der, seit 1180
durch herzogliche Rechte legitimiert, mit dem Erwerb von Lehen und durch
Städtebau das Bistum einschnürte. Die Paderborner Bischöfe
wehrten sich vor allem mit Städtegründungen (13 eigene
bis 1350, 7 weitere in Verbindung mit dem Landesadel) und Städteerwerb
aus den Händen des Lokaladels (6 Städte), scheuten aber auch
die Fehde nicht (vor allem Bischof Simon I.; 1247-1277).
Die ständischen Kräfte, bis um 1270/80 als
Verfassungsinstitut ausgebildet, stützten das bedrängte Territorium.
Nach der Niederlage des Erzbischofs von Köln bei Worringen (1288)
verständigten sich Köln und Paderborn
über den westlichen Grenzpunkt am Hellweg (Salzkotten; 1294), während
die Wesergrenze über den Kopf des Bischofs durch braunschweigisch-kölnische
Abmachungen festgelegt worden war (1260). Im Norden (Herrschaft Lippe,
Grafschaft Pyrmont, Grafschaft Ravensberg) und im Süden (Grafschaft
Waldeck) deckten sich Diözese und Territorium nicht.
Von 199 Pfarren der Diözese, seit 1231 auf 17 Archidiakonate
verteilt, gehörten um 1500 nur 84 zum Territorium. Für die Festigung
des Territoriums (Amtsverfassung, Kauf der Herrschaften Brakel und Büren
wie der Grafschaft Dringen) waren besonders die Bischöfe Bernhard
V. (1321-1341) und Balduin (1341-1361) verantwortlich. Die Konsolidierung
zeigte sich auch verfassungsrechtlich ("Privilegium Bernhardi" für
den landständischen Adel 1326, Privilegien für die führenden
Städte Paderborn und beide Städte Warburg 1327). Zu einem letzten,
jedoch gescheiterten Versuch, das Paderborner
Territorium
dem Erzbistum Köln zu inkorporieren, kam es mit päpstlicher Zustimmung
1429 unter Erzbischof Dietrich von Moers (1414-1463).
2. Bischöfe
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Unter den Paderborner Bischöfen
ragt besonders Meinwerk hervor, der von der Paderborner
Tradition wegen seiner territorialen Politik als "zweiter Begründer"
des Bistums gewürdigt wird. Ihm widmete Abt Konrad von Abdinghof um
1160 eine Vita, die ihn als Vorbild für die bischöfliche Politik
des 12. Jh. beansprucht. Unter seinen Nachfolgern verdienen der kunstsinnige
IMMEDINGER Immad (1051-1076; Immad-Madonna) und Bernhard I. (1127-1160)
als Klostergründer Erwähnung. Neben der "Vita Meinwerci" ist
die Weltchronik ("Cosmidromius") des Gobelin Person als wichtiges Zeugnis
der Paderborner
Geschichtsschreibung anzusehen.
Die Paderborner
Domschule, der eine bedeutende Bibliothek angegliedert war, erlebte ihre
Blütezeit im 9. und 11. Jh. v.a. unter Bischof Immad.
Ein Monasterium gehörte seit dem 9. Jh. zur Dom-
und Pfalzburg; die vita communis löste sich im 11. Jh. auf. Die Domkanoniker
erhielten ihre Kurien im Ostteil der Domimmunität, während der
Westteil bischöflich blieb. Seit dem frühen 14. Jh. erwarb nach
dem Auszug des Bischofs das Domkapitel den bischöflichen Besitz und
die meisten bischöflichen rechte in der Freiheit. Ursachen für
den Aufstieg des Bistums im 8./9. Jh. wie im 11. Jh. waren die Gunst des
Königtums und die Bedeutung des Paderborner
Raumes für die Reichspolitik. Während sich die engen Beziehungen
HEINRICHS II. zu Paderborn
in seinem Paderborner Königskanonikat spiegelten, verblasste die Rolle
des Bistums Paderborn nach der Auflösung der königlichen
Machtstellung um den Harz seit dem späteren 11. Jh.
Das arme Bistum Paderborn
erhielt erst von OTTO III. größere
Zuwendungen, unter anderem Grafenrechte im Padergau. HEINRICH
II. schuf durch freigiebige Zuwendungen die Voraussetzungen
für eine längere Aufnahme und Bewirtung des Hofes und verband
sich das Domkapitel durch den Vorbehalt einer Hofkapellanspfründe
sowie einer Domherrenstelle für sich selbst und seine Gemahlin, die
1002 in Paderborn gekrönt worden war.
| Hathumar | 795-09.08.815 |
| Badurad | 815-17.09.862 |
| Luthard | 862-03.05.887 |
| Biso | 887-09.09.908 |
| Dietrich I. | 908-08.12.916 |
| Unwan | 917-20.07.935 |
| Dodo | 935-26.07.960 |
| Volkmar | 960-17.02.981 |
| Rothar | 981-06.03.1009 |
| Meinwerk | 1009-05.06.1036 |
| Ruthard (Rudolf) von Büren | 1036-07.11.1051 |
| Immad | 1051-27.10.1076 |
| Poppo von Holte | 1076-28.11.1084 |
| Heinrich I. von Assel | 1084-1090 |
| Heinrich II. von Walbeck | 1084-15.10.1127 |
| Bernhard I. von Ösede | 1127-16.07.1160 |
| Ebergisel | 1160-28.09.1178 |
| Siegfried | 1178-10.02.1186 |
| Bernhard II. von Ösede | 1186-23.04.1203 |
| Bernhard III. | 1203-28.03.1223 |
| Thomas Oliver | 1224-1225 |
| Willibrand von Wildeshausen | 1225-1227 |
| Bernhard IV. zur Lippe | 1227-14.04.1247 |
| Simon I. zur Lippe | 1247-07.06.1277 |
| Otto von Rietberg | 1277-23.10.1307 |
| Günther von Schwalenberg | 1307-15.05.1310 |
| Dietrich II. von Itter | 1310-20.09.1321 |
| Bernhard V. zur Lippe | 1321-30.01.1341 |
| Balduin von Steinfurt | 1341-31.03.1361 |
| Heinrich III. Spiegel von Desenberg | 1361-21.02.1380 |
| Simon II. von Sternberg | 1380-25.01.1389 |
| Ruprecht von Jülich-Berg | 1390-29.07.1394 |
| Johann I. von Hoya | 1394-14.11.1398 |
| Bertram Arvassani | 1399-24.11.1401 |
| Wilhelm von Jülich-Berg | 1401-13.04.1415 |
| Dietrich III. von Mörs | 1415-14.02.1463 |
| Simon III. zur Lippe | 1463-07.03.1498 |
| Hermann I. von Hessen | 1498-27.09.1508 |
| Erich von Braunschweig-Lüneburg | 1508-14.05.1532 |
| Hermann II. von Wied | 1532-25.01.1547 |
| Rembert von Kerßenbroich | 1547-12.02.1568 |
| Johann II. von Hoya | 1568-05.04.1574 |
| Salentin von Isenburg | 1574-05.09.1577 |
| Heinrich IV. von Sachsen-Lauenburg | 1577-22.04.1585 |
| Theodor von Fürstenberg | 1585-04.12.1618 |
| Ferdinand I. von Bayern | 1618-13.09.1650 |
| Theodor Adolf von der Recke | 1650-30.01.1661 |
| Ferdinand II. von Fürstenberg | 1661-26.06.1683 |
| Hermann Werner Wolf von Metternich zu Gracht | 1683-21.05.1704 |
| Franz Arnold Wolf von Metternich zu Gracht | 1704-25.12.1718 |
| Clemens August von Bayern | 1719-06.02.1761 |
| Sedisvakanz | 1761-1763 |
| Wilhelm Anton von der Asseburg | 1763-26.12.1782 |
| Friedrich Wilhelm von Westphalen | 1782-06.01.1789 |
| Franz Egon von Fürstenberg | 1789-03.08.1802 |
| Franz Egon von Fürstenberg | 1802-1825 |
| Friedrich Clemens von Ledebur | 1825-1841 |
| Richard Dammers | 1841-1844 |
| Franz Drepper | 1844-1855 |
| Konrad Martin | 1855-1879 |
| Sedisvakanz | 1879-1882 |
| Franz Kaspar Drobe | 1882-1891 |
| Hubert Simar + 1902 | 1882-1899 |
| Wilhelm Schneider | 1900- |