Benno II.                                                  Bischof von Osnabrück (1068-1088)
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um 1020/25-27.7.1088
Löhningen  Kloster Iburg
(Schwaben)

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1917
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Benno II., Bischof von Osnabrück 1068-1088
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* um 1020/25, + 27. Juli 1088
Löhningen (Schwaben) Kloster Iburg

Wohl aus Ministerialengeschlecht stammend, erhielt Benno in Straßburg und auf der Reichenau durch Hermannus Contractus eine glänzende Ausbildung, bevor er in den Dienst des Bischofs Wilhelm von Straßburg trat, den er zwischen 1040 und 1044 auf einer Jerusalemreise begleitete. Zurückgekehrt, wirkte er als Lehrer in Speyer und Goslar. Bischof Azelin von Hildesheim (1044-1054) berief ihn als Scholaster der Domschule. Seine verwaltungstechnischen Begabung zeigte Benno auf einem Heereszug gegen die Ungarn 1051. Bald darauf wurde Benno Dompropst, bischöflicher vicedominus und Archipresbyter in Goslar. Hier knüpfte er anscheinend die alten Beziehungen zum Königshause wieder an, denn als vicedominus regis verwaltete er das Reichsgut um Goslar. Hochberühmt wegen seiner Fähigkeiten als Baumeister, die Benno bei Bauten in Goslar und Hildesheim, später auch in Osnabrück und Speyer bewiesen hat, zog ihn HEINRICH IV. zum Burgenbau heran. Um 1067/68 wirkte er auch als vicedominus des Erzbischofs Anno von Köln. Am 23. November 1068 bestellte ihn HEINRICH IV. zum Nachfolger Bennos I. von Osnabrück. Als Bischof sorgte er für die Mehrung des bischöflichen Tafelgutes, der Einkünfte aus bäuerlichen Abgaben, für die Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge und den Straßenbau. Die Befestigung der Iburg setzte Benno zu Beginn des Sachsenaufstandes (1073) verstärkt fort, doch wurde der königstreue Bischof aus seinem Bistum vertrieben. Seit Ende 1075 weilte er beständig in der Umgebung des Königs. Als Anhänger HEINRICHS IV. gehörte er 1076 zu den gebannten königlichen Räten. Am 28. Januar 1077 vermittelte Benno neben Liemar, Erzbischof von Bremen, Kanzler Gregor von Vercelli und Abt Hugo von Cluny den Ausgleich von Canossa. Im Investiturstreit gelang es Benno, der stets das päpstliche und königliche Vertrauen besaß, (nach mehreren Gesandtschaften 1078) 1079 Gregor VII. zur Neutralität zwischen König HEINRICH IV. und RUDOLF VON RHEINFELDEN zu bewegen. Auf der Synode von Brixen (1080) und auch während seiner letzten Romfahrt (1082-1084) verfolgte Benno eine Politik des Ausgleichs, die letztlich scheiterte. Im Streit  mit dem Kloster Corvey und Herford um die Zehntrechte überzeugten seine berüchtigten Fälschungen das in Worms tagende Fürstengericht (30. Oktober 1077) und den König. Benno erhielt den Kirchenzehnt aller Bewohner seines Bistums zugesprochen. Seinen Plan, auf der Iburg ein Kloster zu gründen, konnte er erst nach der Niederlage RUDOLFS VON RHEINFELDEN (15. Oktober 1080) verwirklichen. Zunächst mit Mönchen aus St. Alban von Mainz unter einem Abt aus St. Pantaleon von Köln besetzt, hatte das Kloster erst seit der Ansiedlung von Siegburger Mönchen im Jahre 1082 Bestand. Die letzten Jahre (1085-1088) verbrachte Benno auf der Iburg, wo er starb und entgegen den Ansprüchen des Domkapitels auch begraben wurde.



Black-Veldtrup Mechthild: Seite 211
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"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien."

Wohl schon 1062 war Benno, der spätere Bischof von Osnabrück, in Doppelfunktion als königlicher Vizedominus und bischöflicher Archipresbyter für die königliche und die geistliche Gerichtsbarkeit in Goslar zuständig - ein weiteres Indiz für die überaus enge Zusammenarbeit zwischen König und Bischof im Bistum Hildesheim.
 
 
 
 

Literatur:
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Black-Veldtrup Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1995  Seite 211 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I, Seite 4, 69,79,91,124,288/Band II 103,198,201-203,221,370,386,415,463,485,497/Band III 46,51,72,411,519,525,531-537 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 156,165 - Goez, Werner: Lebensbilder aus dem Mittelalter. Die Zeit der Ottonen Salier und Staufer. Primus Verlag Darmstadt 1998, Seite 202-214 - Wies, Ernst W.: Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft, Bechtle Esslingen 1996, Seite 75,78,95,97,100,102,115,176,186,203 -