Boso                                                        Bischof von Merseburg (968-970)
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    -1.11.970
 

Begraben: Merseburg, Domkirche
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 479
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Boso, 1. Bischof von Merseburg (seit 968)
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     + 1. November 970

Begraben: Merseburg, Domkirche St. Johannes des Täufers, vor dem Hauptaltar

Bayerischer Herkunft, im Kloster St. Emmeram in Regensburg ausgebildet, trat als Kapellan in den Königsdienst und unternahm, durch OTTO DEN GROSSEN mit kirchlichen Einkünften in Zeitz, Memleben, Dornburg und Kirchberg versehen, Missionsversuche östlich der Saale im Land der Sorben. Bei Zeitz rodete er einen Wald und errichtete eine steinerne Kirche (967 Buosenrod), vielleicht eine weitere bei Altenburg (967 Buosendorf). Für die Missionierung schrieb er Texte in slavischer Sprache, "wahrscheinlich ... in Regensburg übersetzte Beichtformeln und Lehrtexte" (W. Schlesinger). Aufgrund seiner Verdienste um die Slavenmission ließ ihn OTTO DER GROSSE 968 bei der Begründung der Kirchenprovinz Magdeburg zwischen den neugegründeten Bistümern Merseburg und Zeitz wählen; Boso entschied sich für Merseburg und wurde am 25. Dezember 968 von Erzbischof Adalbert von Magdeburg zum Bischof geweiht. Noch unter Boso stattete OTTO I. das Merseburg mit Gütern bei Merseburg, mit der Burg Magdeborn im Schkeuditz-Gau und mit der Radegzundenkirche bei dem königlichen Hof zu Helfta im Hassegau aus. Boso starb auf einer Reise in seine Heimat Bayern.

Quellen:
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Thietmar, Chron. II, 22, 36, 37 - MGH DD O I, 366, 373 a; O II. 366.

Literatur:
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ADB III, 188f. - DHGE IX 1325-1327 - LThK II, 621f. - NDB II, 482 - Hauck III, 95-99 - W. Schlesinger, Kirchengesch. Sachsens im MA I, 1962 - J. Fleckenstein, Die Hofkapelle der dt. Kg.e II., 1955, 44, 52-55 - D. Claude, Gesch. des Ebm.s Magdeburg bis in das 12. Jh. I, 1972, 20, 117f., 224.


Althoff Gerd: Seite 331
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                                B 154

Me:      1.11.        Boso eps         +   970   Merseburg

(Es.) Boso stammte aus St. Emmeram in Regensburg, war Mitglied der Hofkapelle OTTOS DES GROSSEN und erwarb sich als Bischof Verdienste in der Slawenmission; vgl. Thietmar II, 36; Fleckenstein, Hofkapelle 2, Seite 44; Schlesinger, Kirchengschichte Sachsens 1, Seite 44f.
Zum Todesdatum: Thietmar II, 36.


Finckenstein Finck von: Seite 119
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"Bischof und Reich"

Bischof Boso, der aus bayerischem Adel stammte und aus dem Kloster St. Emmeram hervorgegangen war, ist nach vorübergehendem Dienst in der Hofkapelle schon bald nach 950 mit der Mission im Sorbenland östlich der Saale betraut worden, in der er nach Thietmars Bericht sehr erfolgreich war. Den missionarischen Wirkungsbereich Bosos erschließt W. Schlesinger aus der materiellen Grundlage, die der König diesem Unternehmen gab und die aus den Einkünften der Kirchen von Memleben, Kirchberg bei Jena, Zeitz und Merseburg bestand. Aufschlussreich ist Thietmars Nachricht, dass OTTO I. Boso die Wahl unter den 968 neugegründeten Bistümern Merseburg, Meißen und Zeitz überlassen hatte, sie also offenbar für gleichwertig ansah, und Boso sich für Merseburg entschied, das ihm aus seiner Kenntnis der Verhältnisse am interessantesten erschienen sein muß. Für die Einrichtung und den inneren Ausbau seiner Diözese, in der er Thietmar zufolge durch Rodungen und Anlage von Siedlungen auch kolonisatorisch tätig war, aber auch Unterstützung durch reiche Schenkungen von seiten des Königs erhielt, blieben ihm nicht einmal zwei Jahre Zeit.
Am 1. November 970 starb er auf einer Reise in seine bayerische Heimat, in das Kloster St. Emmeram, zu welchem der Kontakt offenbar nicht abgebrochen war. Herkunft und Werdegang dieses ersten Merseburger Bischofs führen in Zusammenhänge in der böhmischen und sorbenländischen Mission. Boso hatte der engeren Umgebung Bischof Michaels von Regensburg angehört, der von Herzog Boleslav gerufen, die Veitskirche in Prag geweiht und dadurch alte Beziehungen Regensburgs zum böhmischen Raum wiederhergestellt hatte. In Regensburg waren auch Lehrtexte für den Missionsgebrauch in das Slavische übersetzt worden, deren Tradition Boso selbst eigene Texte übersetzt hat. Von diesen Voraussetzungen her muss in Bosos Tätigkeit im Sorbenland ein durchaus planvoller Vorgang gesehen werden, der über die Mission zur Integration der slavisch-sächsischen Verbindung in den neugebildeten Marken durch Boso im kirchlichen Bereich ein weiteres, bayerisches Element hinzugefügt wurde.
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 234,331 B 154 -
Claude, Dietrich: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis ins 12. Jahrhundert, Mitteldeutsche Forschungen 67, Böhlau Verlag Köln 1972 Band I Seite 20,117f., 224 - Finckenstein, Albrecht Graf Finck von: Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1989 Seite 119 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 -