Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 476
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Meißen
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II. BISTUM
Das Bistum Meißenwurde
968 im Zusammenhang mit dem großangelegten Konzept der Ostmission
Kaiser OTTOS I. als Suffragan von Magdeburg
gegründet. Seine Diözese reichte von der Ostgrenze der Bistümer
Merseburg und Zeitz im Muldegebiet nach Osten bis in den Oderraum, dessen
kirchliche Organisation im 10. Jh. noch nicht festgelegt war. Wenn auch
die von Kaiser OTTO III. beschriebene
O-Grenze entlang der Oder, die auch Nordböhmen einschloss, niemals
verwirklicht wurde, so umfasste der Sprengel desMeißnerBischofs
doch ein sehr großes Gebiet von der Mulde bis zur Oder und
zum Queis, vom Erzgebirge bis in den Raum südlich von Berlin. Als
W-Grenze wurde 1017 die Mulde festgelegt, um 1070 bezog das Bistum
Meißen den ursprünglich zu Brandenburg gehörigen
Raum bis zur Schwarzen Elster in seine Diözese ein.
Von 57 Pfarrkirchen im frühen 11. Jh. stieg die
Zahl im Zuge der deutschen Ostsiedlung auf über 1.200. Die Gliederung
der Diözese in Archidiakonate ist nach 1200 nachzuweisen, sie blieb
bis zur Reformation unverändert. Königliche Schenkungen von Burgwarden
seit 1006 verschafften dem Bistum einen Grundbesitz, den es 1040 durch
Urkundenfälschung um den Burgward Wurzen, vor 1222 durch Kauf
um die Herrschaft Stolpen und im letzten Viertel des 13. Jh. durch Verdrängung
der Herren von Mügeln aus ihrer Herrschaft vergrößerte.
Grenzverträge mit dem König von Böhmen in der Oberlausitz
1241 und dem Markgrafen von Meißen im Wurzener Land 1284 sicherten
den Territorialbestand des sich herausbildenden Hochstiftsgebietes, für
dessen Festigung der Bischof 1250 sogar zur Exkommunikation des Markgrafen
griff.
Im späten Mittelalter zogen sich die Bischöfe
jedoch vor der Übermacht der Markgrafen aus ihrem Kathedralort zurück
und residierten seit 1400 auf ihrer Burg Stolpen, seit etwa 1500
bevorzugten sie ihre Stadt Wurzen als Residenz. Unterdessen gelang es dem
Markgrafen dank ihrer guten Beziehungen zur Kurie, das Bistum stärke
runter ihre Botmäßigkeit zu bringen. Nachdem der Versuch Kaiser
KARLS IV. gescheitert war, das Bistum aus dem Magdeburger Metropolitanverband
aus- und dem Prager einzugliedern, erreichten die WETTINER 1399 die Exemtion.
Zwischen 1399 und 1500 ging das Besatzungsrecht für alle Domherrenstellen
an sie über, während ihr Versuch, auch die Besetzung des Bischofsstuhls
in die Hand zu bekommen, abgewehrt wurde. Dessen ungeachtet wurden die
Bischöfe bei Aufrechterhaltung ihrer formalen Reichsunmittelbarkeit
stärker in den meißnisch-sächsischen Territorialstaat einbezogen,
zu Landtagen eingeladen, in Ratsdienste genommen und in ihrem politischen
Status den Landständen angenähert, was auf ihre Mediatisierung
hinauslaufen sollte. Dazu ist es jedoch vor der Reformation nicht gekommen.
Bei der Leipziger Teilung der wettinischen Länder 1485 wurde eine
wettinische Oberhoheit über das Hochstift beansprucht, die im gemeinsamen
Besitz beider Linien blieb.
Die Gefährdung des Bistums
Meißen erschien während dieser Jahre so groß, dass
Bischof
Eid 1015 flehentlich darum bat, ihn nicht in Meißen, sondern
in Colditz an der Zwickauer Mulde zu begraben. Seinen Sprengel bildeten
der Großgau Daleminzien zwischen Mulde und Elbtal, Nisan zwischen
Meißen und dem Elbsandsteingebirge, das Bautzener und Görlitzer
Land Milzane und seit 995 auch die Lausitz an der mittleren Spree. Das
geistliche Vermögen beschränkte sich vermutlich auf wenige sorbische
Höfe und kleine Burgwarde wie Püchau. Die Bischöfe Burkhard
und Folkold sind zwar Hofkapellane gewesen, Eid Magdeburger Domherr,
Eilward (1016-1023), Bruder des Markgrafen, aber die Christianisierung
zu fördern, waren diese tüchtigen Männer außerstande.
Meißens
Bedeutung verringerte sich sogar derartig, dass kaum die Namen ihrer Nachfolger
bekannt sind. Selbst im zentral gelegenen Lommatzsch bestand ein berühmtes
heidnisches Quellheiligtum unbehelligt weiter.
| Burkhard | 948/70-01.07.972 |
| Volkrad (Folkold) | 972-23.08.992 |
| Eid I. | 992-20.12.1015 |
| Eilward (Hildward) | 1016-23.04.1023 |
| Hukprecht | 1023-05.04.1024 |
| Dietrich I. | 1024-06.04.1046 |
| Eid II. | um 1040 |
| Meinward | 1046-05.05.1051 |
| Bruno I. | 1046-1061 |
| Rainer | 1051-15.04.1066 |
| Krafto | 1066 |
| Benno von Woldenberg | 1066-16.06.1106 |
| Sedisvakanz | 1106-1108 |
| Hartwig | 1108-27.06.1118 |
| Grambert | 1118-31.05.1125 |
| Godebald | 1125-31.08.1140 |
| Reinward | 1140-24.07.1146 |
| Berthold | 1146-20.07.1149 |
| Albrecht I. | 1149-1152 |
| Bruno I. (II.) | 1152-10.06.1154 |
| Gerung | 1154-20.11.1170 |
| Martin | 1170-17.07.1190 |
| Dietrich II. von Kittlitz | 1191-29.08.1208 |
| Bruno II. (III.) von Borsendorf | 1209-1228 |
| Heinrich | 1228-24.06.1240 |
| Konrad I. | 1240-07.01.1258 |
| Albrecht II. von Motschen | 1258-26.07.1266 |
| Witicho I. von Kamenz | 1266-06.03.1293 |
| Bernhard von Kamenz | 1293-12.10.1296 |
| Albrecht III. Burggraf von Leisnig | 1297-03.03.1312 |
| Witicho II. von Kolditz | 1312-26.07.1341 |
| Wilhelm | 1312-1341 |
| Johann II. von Eisenberg | 1341-05.01.1370 |
| Konrad II. von Kichberg-Wallhausen | 1370-26.05.1375 |
| Dietrich III. | 1370-1373 |
| Johann II. von Genzenstein | 1375-1379 |
| Nikolaus I. Ziegenbock | 1379-11.02.1392 |
| Johann III. von Kittlitz | 1393-1398 |
| Thimo von Kolditz | 1399-26.12.1410 |
| Rudolf von der Planitz | 1411-23.06.1427 |
| Johann IV. Hoffmann | 1427-26.03.1451 |
| Kaspar von Schönberg | 1451-26.04.1463 |
| Dietrich III. (IV.) von Schönberg | 1463-12.04.1476 |
| Johann V. von Weißenbach | 1476-07.11.1487 |
| Johann VI. von Saalhausen | 1487-10.04.1518 |
| Johann VII. von Schleinitz | 1518-13.10.1537 |
| Johann VIII. von Maltitz | 1538-30.11.1549 |
| Nikolaus II. von Karlowitz | 1550-1555 |
| Johann IX. von Haugwitz | 1555-05.01.1581 |