Sohn des Grafen Werner von Moldenburg
Verwandter des Bischofs Bernward von Hildesheim
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1916
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Benno, Bischof von Meißen seit 1066
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+ 1105/07 (genauer Zeitpunkt
unbekannt)
Weihe des Nachfolgers Herwig zwischen 11. Juni und 15. April 1107
Benno ist wahrscheinlich
identisch mit dem gleichnamigen königlichen Kapellan, dessen
Bruder Christoph im Nordthüringgau begütert (MGH D H IV., 84)
und 1053 Graf im Ostfalengau war (MGH D H. III., 310). Zur Zeit seiner
Erhebung zum Bischof war Benno Kapellan
und Kanoniker des Pfalzstifts St. Simon und Judas in Goslar. Zunächst
gelegentlich an den Reichsgeschäften beteiligt, leistete er 1073 und
1075 den königlichen Aufgeboten gegen die aufständischen Sachsen
keine Folge, wurde im September 1075 von HEINRICH
IV. unter der Beschuldigung des Hochverrats gefangengesetzt
und fehlte deshalb auf dem Wormser Hoftag vom 24. Januar 1076. Der Haft
entkommen, schlug er sich nach 1077 zu den Anhängern RUDOLFS
VON SCHWABEN, der 1079 für das Bistum Meißen urkundete.
Mit anderen antikaiserlichen Bischöfen wurde Benno
1085
von der Mainzer Synode gebannt und verlor sein Bistum an den von Vratislav
von Böhmen gestützten kaiserlichen Gegen-Bischof Felix.
Darauf erkannte Benno Clemens III.
an, wurde von diesem absolviert und konnte sich
HEINRICH
IV. wieder nähern. 1088 unangefochten im Besitz des Bistums,
vermittelte er in diesem Jahr den Frieden zwischen dem Kaiser und Hartwig
von Magdeburg, Werner von Merseburg und Gunther von Naumburg. Nach Lampert
von Hersfeld (zu 1075) war Benno ein unkriegerischer Mann. Seine
Haltung während des sächsischen Aufstands und nach 1085 deutet
auf eine um diplomatische Lösungen bemühte Politik. Bei seinen
Beziehungen zu HEINRICH IV. und dessen
Verbündeten Vratislav II. hatte Benno
zu berücksichtigen, dass die Landschaft Nisani und die Oberlausitz,
in denen die Masse der Besitzungen des Bistums lag, unter böhmischer
Herrschaft standen. Nach 1095 wird Benno
nicht mehr genannt.
Die Verehrung von Bennos
Grab im Meißner Dom ist seit 1285 bezeugt; Heiligsprechung 31. Mai
1523 (auf Betreiben Herzog Georgs des Bärtigen von Sachsen); Erhebung
der Gebeine 1524. Im Jahre 1576 Überführung nach München
(seit 1580 begraben Frauenkirche), dessen Stadtpatron Benno wurde.
Die 1512 von Hieronymus Emser im Zuge der Kanonisationsbemühungen
herausgegebene Vita ist für die Biographie Bennos
ohne Wert; auf Benno verweisende Eintragungen
in mehreren ehemals Hildesheimer Handschriften sind literarische Fälschungen
des ersten Drittels des 16. Jh.
Literatur:
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BWbDG I, 230 - LThK II, 206 - NDB II, 52 - O. Lange,
Bf. B. v. M. Mitt. des Vereins für Gesch. der Stadt Meißen I,
H, 5, 1886, 1-38 - J. Kirsch, Beitr. zur Gesch. des Hl. B., Bfs v. M. [Diss.
München 1911], 28ff. - P. Lehmann, Zur Überlieferung von Bernward
und B. (abgedr. in: Ders., Erforsch. des MA 4, 1961), 257-263 - H.W. Klewitz,
Kgtm., Hofkapelle und Domkapitel im 10. und 11. Jh., Au 16, 1939, 14ß-143,
152 - W. Schlesinger, Kirchengeschichte Sachsens im MA I, 1962. 118-131
(Mitteldt. Forsch. 27/1) - W. Petke, Zur Herkunft Bf. B.s v. M., AZ 66,
1970, 11-20 - H. Dobbertin, Ekbert II. v. Braunschweig (+ 1090) und Bf.
B. v. M. (+ 1106) in einer Hildesheimer Sage, Braunschweig. Jb. 59, 1978,
153-157 [unkrit.]
Schölkopf Ruth:
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"
Ein weiterer Bischof dieser Familie war ein Benno comes in Woltenberth prope Goslariam. Er war Bischof Bernward sanguine junctus. Benno wurde im Kloster S. Michaelis in Hildesheim erzogen, 1054 als dessen 3. Abt gewählt und 1066 zum Bischof von Meißen ordiniert.
Black-Veldtrup Mechthild: Seite 235,236
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"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien."
Objekt der Schenkung vom 13. März 1062 war eine Besitzung, die HEINRICH IV. von Benno, einem königlichen Kapellan und Kanoniker von St. Simon und Juda, dessen Bruder Graf Christoph (der mit dem 1053 erwähnten Grafen im Ostfalengau identifiziert wird) und Christophs Sohn Dietmar übertragen worden war. Das Petersstift zu Goslar war also 1062 noch nicht vollendet; das Erbgut der Grafenfamilie war, wie es scheint, Bestandteil der Gründungsausstattung. Die Familie, die durch die Person Bennos dem Königtum schon nahe verbunden war, verstärkte diese Bindung durch die Übertragung ihres Besitzes an HEINRICH IV. für die salische Neugründung St. Peter in Goslar. Benno ist möglicherweise mit jenem Namensträger identisch, der im ältesten Güterverzeichnis des Stiftes St. Simon und Juda als Schenker von acht Hufen in Hetlo und als frater noster überliefert ist. Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass er 1066 zum Bischof von Meißen ernannt wurde.
FREIE PRESSE 14.06.2002
Ehrentag für den heiligen Benno
Jedes Jahr am 16. Juni begeht die katholische Christenheit
den Ehrentag des heiligen Benno von Meißen. Er ist der Patron
von Altbayern, München, Berlin und Görlitz, der Fischer und Tuchmacher,
außerdem spendet er fruchtbaren Regen, wehrt Wolkengüsse ab,
Überschwemmungen, Trockenheit und Pest. Von 1066 bis 1106 war er Bischof
von Meißen.
Die Nachrichten über Benno sind spärlich
und oft widersprüchlich. Allgemein gilt, dass er dem Geschlecht der
Grafen von Woldenburg entstammt und 1010 in Hildesheim geboren wurde. Der
Fünfjährige kam zur Erziehung zu seinem Oheim, dem gelehrten
Bischof Bernward von Hildesheim. Der gab ihn 1031 ins Kloster, wo er 1040
zum Priester geweiht und zwei Jahre später zum Abt des Klosters
St. Michael in Hildesheim erhoben wurde [Persönlicher Einwurf:
Bernward
kann seinen Verwandten 1031 nicht ins Kloster gegeben haben, da er bereits
1022 verstorben war.]. Auf Vorschlag seines Freundes Anno, dem späteren
Erzbischof von Köln, wurde er 1066 zum Bischof von Meißen
gewählt.
Er versah sein Amt klug, umsichtig, gerecht und barmmherzig.
Alle Jahre bereiste er sein Bistum und gab fast alle Einkünfte den
Armen. Übrigens soll er die ersten Weinreben in Meißen gepflanzt
haben. Er legte großen Wert auf eine würdige Messgestaltung
und führte den feierlichen Chorgesang in die Messfeiern ein. Durch
sein hohes Ansehen fiel dem Meißner Stift manche Schenkung zu, selbst
solche vom Kaiser.
Als Bischof war er auf der einen Seite Reichsfürst
mit den entsprechenden Verpflichtungen der Krone gegenüber, auf der
anderen Geistlicher, dem Papst in Gehorsamkeit unterworfen. Um sein Missionswerk
nicht zu gefährden, suchte er sich aus den Machtkämpfen seiner
zeit, vor allem aus dem Investiturstreit, dem Streit um die Einweisung
in ein kirchliches Amt zwischen Kaiser und Papst, herauszuhalten. Das brachte
ihm jedoch die Feindschaft von Kaiser HEINRICH
IV. ein. Der ließ ihn 1074/76 wegen Unzuverlässigkeit
gefangensetzen. Benno floh mit anderen und schloss sich im Investiturstreit
Papst Gregor VII. an. Daraufhin wurde er auf der Synode von Mainz
im Jahre 1085 seines Amtes enthoben und gebannt.
Nach dem Tod von Papst Gregor VII. unterwarf er sich
in Italien dem Gegen-Papst Clemens III. und erhielt sowohl dessen als auch
HEINRICHS
IV. Verzeihung, konnte aber erst 1088, nach dem Tod seines Nachfolgers,
Bischof Felix, in sein Bistum wieder eingesetzt werden.
Als er von Prag, wo er sich beim Herzog Wratislaw von
Böhmen aufgehalten hatte, nach Meißen zurückkehrte und
an der Elbe übernachtete, soll in einem zu dieser Zeit gefangenen
großen Fisch der Kirchenschlüssel wiedergefunden worden sein,
den Benno bei seiner letzten Entfernung von Meißen in den
Fluß werfen ließ. Aus diesem Grunde wird er als Bischof abgebildet
mit einem Fisch in der linken Hand, der im Maul einen Schlüssel trägt.
Benno starb zwischen 1105 und 15. April 1107
in
Naumburg. Seine Gebeine wurden erst 1270 im Dom zu Meißen beigesetzt.
Seit 1497 betrieben die Landesherren und das Meißener Domlapital
seine Heiligsprechung, die aber erst 1523 erfolgte, wogegen Luther mit
seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen
soll erhoben werden" eiferte.
1539, nach Herzog Georgs Tod, hörte mit anderen
katholischen Gebräuchen in Meißen auch die Verehrung des heiligen
Benno
auf. Seine Gebeine wurden nach Stolpen, dann nach Wurzen gebracht. 1576
wurden sie nach München überführt. Dort verfügte 1580
Herzog Albrecht von Bayern, daß die Reliquien in der Münchener
Frauenkirche beizusetzen sind. Des Bischofs Mitra befindet sich im Altar
der Dresdner Kathedrale.
Bis heute wird in München am 16. Juni der Bennotag
begangen.
Literatur:
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Black-Veldtrup Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077)
Quellenkritische Studien. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1995Seite
235,236 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung
im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977,
Seite 71 A. 244,110 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche
Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 Seite 112,178,310,3 68 - Schölkopf,
Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien
und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens -