Jüngerer Sohn des Grafen Otto von Are-Hochstaden
und
der
Adelheid von Hochstaden, Tochter von Graf Gerhard II.
Csendes Peter: Seite 108-110
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"Heinrich VI."
Nach dem Tode Philipps von Heinsberg war noch im ausgehenden
Jahr 1191 vom Domkapitel Lothar, der
Bruder Dietrichs von Hochstaden, eines treuen kaiserlichen Parteigängers,
gewählt worden. Doch unter dem Druck der Grafen von Berg und Altena,
zwischen Wupper, Agger und Ruhr besitzmächtig, die auch in der Vergangenheit
stets großen Einfluss auf die Kölner Wahl ausgeübt hatten,
wurde Lothar
zum Verzicht gezwungen.
Auch in Lüttich hatte es eine Bischofswahl gegeben.
Nach einer Doppelwahl wurde Kaiser HEINRICH VI.
angerufen, der die Wahl gemäß den Bestimmungen des Wormser Konkordats
durch Fürstenspruch für ungültig erklären ließ.
Er traf eine völlig unerwartete Entscheidung. Er setzte Lothar
von Hochstaden, Propst von St. Cassius in Bonn und Domdechant
von Lüttich, der erst kurz zuvor als Erzbischof von Köln
gescheitert
war und den HEINRICH jetzt auch noch
zu seinem Kanzler ernannte, als Bischof von Lüttich
ein. Wie die Quellen berichten, betonte der STAUFER,
dass er bei diesem seinen Vorgehen lediglich seinem Recht und dem Ansehen
des Reiches, aber auch dem Vorbild seines Vaters gemäß gehandelt
habe.
Nur ein kleiner Teil der Lütticher Domherren ließ
sich zur Anerkennung Lothars bewegen.
Von den adeligen Streitparteien akzeptierte Balduin von Hennegau die Ernennung
und erlangte auch die Belehnung mit dem Reichslehen Flandern. Heinrich
von Brabant hingegen weigerte sich, dem Bischof den Lehenseid zu leisten.
Denn es war nicht allein das herrische Vorgehen und die kränkende
Zurücksetzung, die den BRABANTER bewegten. Hinter der Nominierung
Lothars
stand mehr. Die HOCHSTADENER verfügten über Besitz an
Ahr und Erft, standen im Gegensatz zu den benachbarten Grafen von Berg
und konnten somit dem Kaiser eine Region sichern, die nunmehr von Lüttich
bis an den Rhein reichte. Es lässt sich leicht vorstellen, dass dieser
neue Plan kaiserlichen Fußfassens am Niederrhein während des
Italienzugs vom Herrscher mit Graf Diether entwickelt worden war. Die Besetzung
des Kölner Erzstuhls wäre natürlich das primäre Ziel
gewesen, doch musste auch die nunmehrige Lösung für beide Teile
von Vorteil sein.
Es wurde allerdings sehr schnell deutlich, dass sich
die Betroffenen - Albert von Löwen, der Herzog von Brabant, die Grafen
von Berg - zum Widerstand formierten. Albert, der erwählte
Bischof, begab sich unverzüglich nach Rom, obwohl der Kaiser die Grenzen
sperren ließ, und brachte den Fall vor den Papst. Coelestin konnte
von sich aus das Vorgehen des Kaisers nicht tolerieren. So erlangte Albert
eine Bestätigung seiner Wahl und vermochte bei seiner Rückkehr
diese Legitimierung ins Treffen zu führen. Der Papst hatte zugleich
Bruno von Köln aufgetragen, Albert zum Bischof zu weihen, aber
auch für den Fall, dass sich dieser aus Furcht vor dem Kaiser dazu
außerstande sähe, den Erzbischof von Reims ermächtigt,
die Weihe vorzunehmen. Bruno griff tatsächlich diesen Ausweg auf.
So empfing Albert am 19. September 1192 in Reims die Bischofsweihe
und konnte von zahlreichen Lehensträgern der Kirche von Lüttich
den Eid entgegennehmen. Verständlicherweise war der Kaiser aufs höchste
erbost. Am 24. September hielt er sich bereits in Lüttich auf, um
die Stellung Lothars zu sichern. Da
er gegen Alberts Anhänger gleichzeitig gewaltsam vorging, huldigte
sogar Heinrich von Brabant und fand sich zu einem Friedensschluss mit Balduin
von Hennegau bereit. Somit schien die kaiserliche Autorität unwidersprochen
durchgesetzt. Da wurde am 24. November vor den Toren von Reims Albert
von deutschen Rittern erschlagen. Die allgemeine Reaktion war ungeheuer.
Sofort wurden gegen die HOCHSTADENER und den Kaiser selbst die schwersten
Anschuldigungen erhoben. Es schien klar, dass die Grafen von Hochstaden
ihre errungene Position mit einer Gewalttat hatten verteidigen wollen und
dies kaum ohne Zustimmung des Herrschers gewagt hätte. Lothar
beteuerte unter Eid seine Unschuld, doch wurde ihm nicht geglaubt. Coelestin
sprach die Exkommunikation aus und erklärte ihn all seiner Pfründen
für verlustig. Der Gebannte begab sich nach Rom, um seine Lossprechung
zu erlangen, die selbstverständlich mit dem Verzicht auf Lüttich
verbunden war. In Rom ist der HOCHSTADENER auch 1194, bei einem
zweiten Aufenthalt, von dem er sich die völlige Absolution erhoffte,
gestorben.
Toeche, Theodor: Seite 217,224,230,244,260
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"Kaiser Heinrich VI." Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1965
Schon war Lothar von Hochstaden,
ein Propst des Bonner Cassiusstiftes, welches in fortwährendem
Rangstreit mit dem Kölner Domkapitel gelegen zu haben scheint, rechtmäßig
gewählt. Aber erschreckt durch die Drohungen der bergischen Partei,
leistete er noch spät Verzicht und machte einem Gliede jener Familie,
dem Propste Bruno, Platz.
Lothar von Hochstaden
dagegen war hochgebildet, aus einem edlem und sehr reichen Geschlecht,
in kräftige Mannesalter. Von lebhaftem Ehrgeiz getrrieben, hatte er
schnell eine Reihe geistlicher Würden erlangt. Von dem großen
Ansehen, dessen er genoß, und von seiner Ergebenheit für den
Kaiser hatte seine Erwählung zum Erzbischof von Köln soeben
Zeugnis gegeben, bei welcher er nur der Gewalt der kaiserfeindlichen brabantischen
Partei noch zuletzt hatte weichen müssen. Die Zahlung von 3.000 Mark
Silber, welche Graf Dietrich dem Kaiser bot, senkte die Waage vollends
zu Lothars Gunsten. Um die unwürdige
Bestechung zu verdecken, gab
HEINRICH VI.
dem Propste die durch Dieters Tod erledigte Kanzlerstelle. Zwei
Tage darauf, am 13. Januar, sprach er in der Lütticher Sache die Entscheidung.
Auf einer feierlichen Fürstenversammlung am 13.
Januar 1192 erklärte der Kaiser den Propst
Lothar von Hochstaden
zum Bischof von Lüttich. Ein lauter Aufruhr folgte seinen Worten.
Vergebens schwur Lothar von
Hochstaden in Lüttich und dann in Köln aufs heilige
Sakrament, unwissend an der Tat zu sein. In großer Angst floh er
auf die bischöfliche Burg Huy, rief die Grafen von Hennegau
und Looz zu sich, wiederholte ihnen am 27. Dezember den Eid seiner Unschuld
und bat den Ersteren um Rat und Hilfe. Dieser versprach ihm die dem Lehnsherrn
schuldige Unterstützung und riet auf der Burg in Sicherheit zu bleiben,
die Schritte des Herzogs von Brabant abzuwarten und eiligst durch Boten
den Kaiser um seinen Willen zu befragen.
Inzwischen hatten sich die mächtigen Verwandten
des Gemordeten, die Herzoge von Brabant und Limburg und ein großer
Teil des Adels bei Köln versammelt. Auch Erzbischof Bruno kam dazu.
Alle schworen Rache an dem Grafen Dietrich von Hochstaden und einen Bund
gegen den Kaiser.
HEINRICH VI. wurde
laut und öffentlich als Urheber der tat angeklagt. Heinrich von Brabant
eilte zum Grafen von Hennegau und beteuerte, nichts gegen das Bistum Lüttich
im Schilde zu führen; nur gegen Lothar,
der sei sein Todfeind. Und so allgemein war die Überzeugung von Lothars
Schuld, daß Balduin, der Tags zuvor den Eid desselben gehört
und ihm Hilfe zugesagt hatte, sich mit dem BRABANTER verbündete.
Die Mörder wurden von Papst Cölestin exkommuniziert,
Lothar
von Hochstaden aller geistlicher Würden entsetzt [zeugt
in HEINRICHS Urkunden vom 19. April
1194 als Lotharius de Hochstaden mit
seinem Bruder Graf Dietrich.].
Gleich nach der Zusammenkunft der Fürsten in Köln
war die Fehde des Herzogs von Brabant gegen den Grafen von Hochstaden losgebrochen.
Im Januar 1193 befand sich die ganze Grafschaft in der Gewalt des Feindes;
nur die Burg Ahr, die noch heute trotzig vom Felsen in das enge
gewunden Waldtal niederschaut, widerstand. Lothar
von Hochstaden war mutlos an den Hof des Kaisers geflüchtet
[Lothar sucht nachher in Rom die Gnade
des Papstes, erkrankt und stirbt daselbst.].
Literatur:
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Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche
Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 108,109, 147,174A,207,215,218 -
Toeche Theodor: Kaiser Heinrich VI. Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1965 Seite 217,224,230,244,260 -