Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1399
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Konstanz, Bistum
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I. BISTUM
Eine zu vermutende spätrömische Befestigung
mit dem wohl auf
Kaiser Constantius II. (337-361)
zurückgehenden Namen Constantia bildete die topographische
Grundlage, um nahe dem Ausfluß des Rheins aus dem Bodensee an der
Wende vom 6. zum 7. Jh. einen Bischofssitz zu errichten und mit ihm zugleich
die Tradition des spätantiken Bischofssitzes Windisch zu verbinden.
Durch seine Lage sollte er die nur schwach christianisierten alemannischen
Landschaften nördlich von Hochrhein und Bodensee mit den bereits frühchristlichen
Gemeinden aufweisenden Landschaften südlich dieser Linie vereinen.
Die Gründung geschah offensichtlich unter Mitwirkung des alemannischen
Herzogs Gunzo ebenso wie unter derjenigen des Merowinger-Königs
Dagobert I. Ausgestattet wurde das neue Bistum mit Königsgut,
das vor allem südlich von Konstanz ('Bischofshöri')
und um Arbon im Thurgau gelegen war. Der sich allmählich herausbildende
Sprengel des Bistums reichte im Hochmittelalter von Breisach im Westen
bis Ulm im Osten und von den Alpen im Süden bis zum mittleren Neckar
im Norden. Deutliche Konturen erhielt das Bild von der frühen Geschichte
des Bistums erst im Laufe des 8. Jh. Geprägt wurde diese Epoche vor
allem durch das Verhältnis der Konstanzer Bischofskirche
einmal zu dem unter Abt Otmar um 720 gegründete Kloster St. Gallen
und zum anderen zu den um 724 gegründeten Inselkloster Reichenau.
Von 736 bis 782 verwalteten Konstanzer Bischöfe zugleich als
Äbte des Klosters Reichenau in Personalunion, und von 759 bis 854
war das Kloster St. Gallen der Konstanzer
Bischofskirche geradezu einverleibt.
Einen Höhepunkt erlebte das Bistum unter Bischof Salomo III. (890-919),
der, zugleich Abt von St. Gallen, Notar, Kapellan, schließlich Kanzler
der Herrscher des späten 9. und des frühen 10. Jh., das Ansehen
seines Bistums in vielerlei Hinsicht mehren konnte. Vergleichbare Bedeutung
hatten sodann Bischof Konrad (934-975), der sich vor allem auf die
Ausgestaltung seines Bischofssitzes konzentrierte, und Bischof Gebhard
(979-995), der Gründer des ersten bischöflichen Eigenklosters
Petershausen. Beide Bischöfe sind 1123 bzw. 1134 heiliggesprochen
worden. Charakteristisch für die 1. Hälfte des 11. Jh.
ist die erneute Verbindung mit dem Königtum; mehrere aufeinanderfolgende
Bischöfe waren zuvor Mitglieder der königlichen Hofkapelle gewesen.
Nach der Mitte des 11. Jh. hatten die Herrscher bei jeder Bischofseinsetzung
mit dem Widerspruch des zu einer eigenständigen Kraft herangewachsenen
Domkapitels zu rechnen. Das zeigte sich erstmals an dem Protest des Domkapitels
gegen den von HEINRICH IV. aufotroyierten
Bischof
Karlmann (1069-1071) und an der ausgeprägten Stellungnahme des
Kapitels für Gregor VII. und seine Ideen, allen voran die durch ihre
Werke bedeutsam gewordenen Domherren Bernhard, Bernold und Wolferad. Die
Folge waren 1084 die Wahl eines dem Papsttum und den Gedanken der Reform
anhängenden Bischofs (des ZÄHRINGERS Gebhard III.) und
der Beginn einer Doppelbesetzung des Bischofsstuhles. Die STAUFER-Zeit
bedeutete den Höhepunkt der Konstanzer Bischofsgeschichte
des Hochmittelalters. In der Pfalz des ihm eng verbundenen Bischofs
Hermann I. (von Arbon, 1138-1165) hat FRIEDRICH
BARBAROSSA 1153 mit Papst Eugen III. den 'Konstanzer
Frieden'
geschlossen. Der Herrscher dankte 1155 'seinem' Bischof durch die Gewährung
eines umfassenden Privilegs für die Konstanzer
Bischofskirche. Bischof Diethelm (von Krenkingen, 1189-1206)
hat das Bistum noch einmal aufs engste mit dem staufischen
Herrscherhaus verbunden. Das 13. Jh. war für die Bischöfe vor
allem gekennzeichnet durch eine Stärkung der Macht des Domkapitels
und durch die Auseinandersetzung mit dem Rat der Bischofsstadt. Die Folge
war die Anlage der bischöflichen 'Residenzen' im Vorfeld von Konstanz
(Meersburg, Gottlieben), die in Krisenzeiten immer wieder aufgesucht werden
konnten. Gleichzeitig haben die Bischöfe in der 2. Hälfte des
13. Jh. die Besitzungen und die Herrschaftsrechte des Hochstiftes noch
einmal entscheidend gemehrt, vor allem im Bereich des Zusammenflusses von
Aare und Hochrhein. Der als 'Mäzen' von Dichtern und Künstlern
bedeutsame Bischof Heinrich II. von Klingenberg (1294-1306) veranlasste
als erster die Anlage eines Gesamturbars über das bischöfliche
'Territorium'. Das 14. Jh. erhielt seine Prägung durch die seit der
Jahrhundertwende stetig wiederkehrenden Doppelwahlen und die Einbeziehung
des Bistums in den Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum. Die Situation
wurde durch die kaisertreue Haltung der dementsprechend auch mit dem Interdikt
belegten Stadt im Gegensatz zu derjenigen des schließlich obsiegenden
Bischofs
Nikolaus I. von Frauenfeld (1334-1344) noch verschärft. Die Folge
war ein weiterer Niedergang des Hochstifts ebenso wie ein zunehmender Zerfall
der Sitten innerhalb des Klerus. Die Situation der Spaltung wiederholte
sich, als sich im Gefolge des Schismas 1384-1410 erneut jeweils zwei Bischöfe
gegenüberstanden. Bald überwog indessen die römische Obödienz.
Indem die Eidgenossen von Süden her bis 1460 entscheidende Teile der
Diözese ihrer Herrschaft unterwarfen, gerieten die Bischöfe von
Konstanz
immer mehr in die Auseinandersetzung zwischen den Eidgenossen einerseits
und dem Reich und Österreich andererseits. Dieser Dauerkonflikt offenbarte
sich am deutlichsten im sogenannten Bischofsstreit (1474-1480), der zwischen
Domkapitel und Papst um das Recht auf Bestimmung der Bischofsnachfolge
entbrannt war. Das Ende des Mittelalters wurde geprägt durch die Gestalt
des gebürtigen Eidgenossen Bischof Hugo von Hohenlandenberg (1496-1530),
der ebenso wie Bischof Heinrich IV. von Hewen (1436-1462) das Verdienst
hatte, auf den verschiedensten Gebieten reformerisch tätig zu sein
und ähnlich wie der Bischof des Konzils, Otto von Hachberg (1410-1434),
als Mäzen zu wirken.
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Trillmich Werner: Seite 113
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"
Die schwäbische Kirche gehörte zum Erzbistum
Mainz. Im Schutze der von Königsgut umgebenen Pfalz Bodman am Überlinger
Zipfel des Bodensees hatten Franken um 590 das Bistum
Konstanz errichtet, Deutschlands räumlich ausgedehnteste
Diözese. Es war nur bescheiden dotiert, namentlich am Untersee, im
Hegau und um Arbon im Thurgau. Für den Handelsplatz neben der Bischofsburg
besaß es Markt-, Zoll- und Münzrecht. Zum Romzuge stellten die
Bischöfe tüchtige Hirten aus vornehmen, schwäbischen Geschlechtern,
einige mönchischen Standes, weniger Vasallen als Kloster Reichenau.
Unter den LIUDOLFINGERN beschränkte
sich ihre Tätigkeit fast nur auf den eigenen Sprengel. Einem Vertrauensmann
aus der Hofkapelle übertrug als erster deutscher König
HEINRICH II. die Konstanzer Bischofswürde.
| Bubulcus | 517- 534 |
| Cromatius | 534- 552 |
| Maximus | 552- 583 |
| Rudolf I. | 583- 589 |
| Ursinus | 589- 606 |
| Gaudentius | 606- 613 |
| Sedisvakanz | 613- 615 |
| Johann I. | 615- 632 |
| Martianus | 632- 642 |
| Boso | 642- 676 |
| Gangulf | 676- 681? |
| Fidelis | 681?- 689? |
| Theobald | 689?- 708 |
| Audoin | 708- 736 |
| Rudolf II. | 736- 739 |
| Ehrenfried | 739- 748 |
| Sidonius | 748- 760 |
| Johann II. | 760- 781 |
| Egino | 781- 811 |
| Wolfleoz | 811- 839 |
| Salomo I. | 839- 871 |
| Patecho | 871- 873 |
| Gebhard I. | 873- 875 |
| Salomo II. | 875- 890 |
| Salomo III. von Ramschwag | 891- 920 |
| Rothing von Veringen | 920- 934 |
| Konrad I. von Altdorf | 935- 975 |
| Gaminolf | 976- 979 |
| Gebhard II. von Bregenz | 979- 995 |
| Landbert | 995-1018 |
| Ruthard | 1018-1022 |
| Haimo | 1022-1026 |
| Warmund von Dillingen | 1026-1034 |
| Eberhard I. von Kyburg-Dillingen | 1034-1046 |
| Dietrich | 1047-1051 |
| Rumold von Bonstetten | 1051-1069 |
| Karlmann | 1069-1071 |
| Otto I. von Lierheim + 1086 | 1071-1080 |
| Berthold I. | 1080-1084 |
| Gebhard III. von Zähringen | 1082-1095 |
| Arnold von Heiligenberg | 1086-1103 |
| Sedisvakanz | 1103-1105 |
| Gebhard III. von Zähringen | 1105-1110 |
| Ulrich I. von Kyburg-Dillingen | 1110-1127 |
| Ulrich II. von Castell + 1140 | 1127-1139 |
| Hermann I. von Arbon | 1139-1166 |
| Otto II. von Habsburg | 1166-1174 |
| Berthold II. von Bußnang | 1174-1183 |
| Hermann II. von Fridingen | 1183-1189 |
| Diethelm von Krenkingen | 1190-1206 |
| Werner von Staufen | 1206-1209 |
| Konrad II. von Tegernfeld | 1209-1233 |
| Heinrich I. von Waldburg-Thann | 1233-1248 |
| Eberhard II. von Waldburg-Thann | 1248-1274 |
| Rudolf III. von Habsburg-Laufenberg | 1274-1293 |
| Friedrich I. von Hohenzollern | 1293 |
| Heinrich II. von Klingenberg | 1293-1306 |
| Gerhard von Benars | 1306-1318 |
| Rudolf IV. von Montfort-Feldkirch | 1318-1333 |
| Nikolaus I. von Kreutzingen | 1334-1344 |
| Ulrich III. Pfefferhart | 1344-1351 |
| Johann III. von Windeck | 1351-1356 |
| Ulrich IV. von Fridingen | 1356 |
| Heinrich III. von Brandis | 1356-1383 |
| Mangold von Nellenburg | 1384 |
| Nikolaus II. von Riesenburg | 1384-1387 |
| Burkhard II. von Löwen | 1387-1398 |
| Friedrich II. von Nellenburg + 1399 | 1398 |
| Marquard von Randeck | 1398-1407 |
| Adalbert Blarer von Giersperg + 1441 | 1407-1411 |
| Otto III. von Baden-Hachberg-Nöteln | 1411-1434 |
| Friedrich III. von Hohenzollern | 1434-1436 |
| Heinrich IV. von Löwen | 1436-1462 |
| Burkhard II. von Randeck | 1462-1466 |
| Hermann III. von Breitenlandberg | 1466-1474 |
| Ludwig von Freiberg + 1484 | 1474-1479 |
| Otto IV. von Sonnenberg | 1479-1490 |
| Thomas Berlower | 1490-1496 |
| Hugo von Hohenlandenberg | 1496-1529 |
| Balthasar Merklin | 1529-1531 |
| Hugo von Hohenlandenberg | 1531-1532 |
| Johann IV. von Lupfen | 1532-1537 |
| Johann V. von Weza | 1537-1548 |
| Christoph Metzler von Andelberg | 1548-1561 |
| Marcus Sittich von Hohenems + 1595 | 1561-1589 |
| Andreas von Österreich-Burgau | 1589-1600 |
| Johann Georg von Hallwyl | 1601-1604 |
| Jakob von Fugger | 1604-1626 |
| Sixtus Werner von Praßberg und Altensummerau | 1626-1627 |
| Johann VI. von Waldburg | 1628-1644 |
| Johann Franz I. von Praßberg und Altensummerau | 1645-1689 |
| Marquard Rudolf von Rodt | 1689-1704 |
| Johann Franz II. von Stauffenberg | 1704-1740 |
| Damian Hugo von Schönborn | 1740-1743 |
| Kasimir Anton von Sickingen | 1743-1750 |
| Franz Konrad von Rodt | 1750-1775 |
| Maximilian Christoph von Rodt | 1775-1800 |
| Karl Theodor von Dalberg | 1800-1803 |
| BISCHÖFE | |
| Karl Theodor von Dalberg | 1803-1817 |
| Ignaz Heinrich von Wessenburg-Ambringen | 1817-1827 |
| Bernhard Johann Heinrich Boll | 1827-1836 |
| Ignaz Anton Demeter | 1836-1842 |
| Hermann von Vicari | 1842-1868 |
| Sedisvakanz | 1868-1882 |
| Johann Baptist Orbin | 1882-1886 |
| Johann Christian Roos | 1886-1896 |
| Georg Ignaz Komp | 1898 |
| Thomas Körber | 1898- |