Begraben: Hildesheim, Domkrypta
Sohn des Dienstmannes Ratmund
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1531
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Godehard, Bischof von Hildesheim seit 1022
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* 960/61, + 5. Mai 1038
Begraben: Hildesheim, Domkryta
Godehardstammte aus einer Dienstmannenfamilie des Kollegiatstifts Niederaltaich in Bayern, wurde dort in der Stiftskirche erzogen, von Erzbischof Friedrich von Salzburg zum Subdiakon geweiht und zu weiterer Ausbildung nach Salzburg geholt. Nach seiner Rückkehr nach Niederaltaich wurde er hier zum Propst gewählt. Als das Stift in ein Benediktinerkloster umgewandelt wurde, legte Godehardam 21. Dezember 991 das Mönchsgelübde ab und wurde bald darauf zum Prior ernannt; wenig später empfing er die Priesterweihe. Bereits damals von den Ideen der Gorzer Reform erfüllt, wurde er an 27. Dezember 996 zum Abt seines Klosters gewählt, das er in kurzer Zeit durch intensive Bautätigkeit, Mission und Kolonisierung zum Zentrum der Klosterreform in Nieder-Bayern ausbaute. Unter dem Eindruck dieser Erfolge wies Herzog Heinrich IV. von Bayern, der spätere Kaiser HEINRICH II., Godehard1001 zusätzlich die Abtwürde von Tegernsee zu, um auch dort die Reform durchzusetzen; er hatte hier aber offenbar weniger Erfolg, denn bereits nach einem Jahr kehrte er wieder nach Niederaltaich zurück, setzte sich jedoch auch weiterhin für Tegernsee ein (so z. B. DD H. II. 231, 431). 1005 eröffnete HEINRICH II. Godehard ein weiteres Wirkungsfeld, indem er ihn im Dienste der Reformpolitik auch noch zum Abt von Hersfeld bestellte. Hier hatte Godehard dank seiner Energie und Ausdauer trotz anfänglichen Widerstrebens der Mönche vollen Erfolg. Als er nach 7-jähriger Leitung des Klosters 1012 nach Niederaltaich zurückkehrte, waren die vita communis und die Klosterschule in Hersfeld intakt, und Godehard, der in diesen Jahren häufig in der Umgebung des Königs weilte, stand bei HEINRICH II. in so hoher Gunst, dass er ihn nach dem Tode Bischof Bernwards von Hildesheim im November 1022 als dessen Nachfolger vorsah. Nach anfänglichen Zögern gab Godehard dem Wunsch des Kaisers nach und wurde nach seiner Wahl am 2. Dezember 1022 in der Kapelle der Pfalz Grone von Erzbischof Aribo vom Mainz zum Bischof geweiht. In seiner Bischofsstadt als Freund des Kaisers freudig begrüßt, hat Godehard sich ihr und seiner Diözese auch sogleich mit voller Kraft gewidmet, zumal er sich unter dem Nachfolger HEINRICHS II., dem ihm ferner stehenden KONRAD II., mehr und mehr vom Reichsdienst zurückzog, um sich ganz auf seine Diözese zu konzentrieren. Obwohl ihn lange Zeit der sogenannte Gandersheimer Streit in Anspruch nahm, in dem Godehard nur mit Mühe die Rechte Hildesheims gegen Mainz verteidigen konnte, blieb er als Bischof der alte Reformer, der sich jetzt unermüdlich um die Erneuerung des religiösen Lebens seiner Diözese bemühte, aber auch deren materielle Voraussetzungen mit bedachte. So galt der Domschule wie dem Domkapitel seine besondere Sorge, ebenso dem Bau des von Bischof Bernward gegründeten Michaelskloster wie auch dem eigenen Dom, dem er ein neues Westwerk schuf. Zahlreiche weitere Bauten gehen auf ihn zurück: Nach seinen Biographen soll er mehr als 30 Gotteshäuser in seiner Diözese errichtet haben. Bald nach seinem Tod setzte die Verehrung als Heiliger ein. Nach seiner Kanonisierung (1131) und der feierlichen Erhebung seiner Gebeine (1132) wurde 1133 von Bischof Bernhard das Benediktinerkloster St. Godehard gegründet: das bleibende Denkmal seiner Verehrung in Hildesheim.
Quellen:
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MGH SS II, 167-196, 196-216; 12, 639-652 - UB des Hochstifts
Hildesheim und seiner Bf.e, ed. K. Janicke, I, 1896.
Literatur:
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NDB VI, 495ff. [W. Berges] - A. Bertram, Gesch. des Bm.s
Hildesheim I, 1899 - H. Goetting, Die Hildesheimer Bf.e von 815 bis 1221
(GS NF 20, 1984) - Der Schatz von St. G., Ausst. Kat., Hildesheim 1988.
B 47
Lü: 4.5. Godehardi eps + 1038 Hildesheim
Godehard von Hildesheimwurde
ins Lüneburger Necrolog als Heiliger eingetragen.
Zu seinem Wirken als Reformer und Abt in Niederaltaich,
Tegernsee,
Kremsmünster
und Hersfeld, sowie als Bischof von Hildesheim vgl. Biographisches
Wörterbuch 1, Spalte 904f.; NDB 6, Seite 495ff.; LThK 4, Spalte 1034f.
und FW B 179.
Vater: Ratmund, Dienstmann und Hauptverwalter von Niederaltaich
Grundausbildung in Niederaltaich;
anschließend drei Lehrjahre bei Erzbischof Friedrich
von Salzburg und bei Liutfried in Passau.
Nach Priesterweihe 993 Seelsorger.
996 Nachfolger des zurückgetretenen Abtes Erchambert
Wiedeherstellung der benediktinischen Regel, wirtschaftliche
Stärkung der Abtei und kolonisatorische Bestrebungen.
Zusätzlich 1001-1002 Abt von Tegernsee, 1005-1012
Abt
von Hersfeld, 1007-1013 Abt von Kremsmünster
Reformen im Sinne des Bernhardinischen Geistes und wirtschaftliche
Reorganisation.
1022-1038 Bischof von Hildesheim
klösterliche-benediktinische Reform
Pflege von Wissenschaft und Künsten, Kirchenbauten
Wirkung der Gotthard-Schule (Niederaltaicher Reformgeist)
durch seine Schüler in Böhmen, Mähren Kärnten, Italien
und Ungarn.
1131 Heiligsprechung.
Literatur:
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NDB 7; LThK 4; G. Schwaiger, Der hl. G., Abt v. Niederaltaich
u. Bf. V. Hildesheim, in: Bavaria Sancta III, 1973
Trillmich Werner:
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"
Bernwards frommer Nachfolger Godehard, ein Bayer niederer Herkunft, hatte sich als Abt von Niederaltaich und gestrenger Reformer im Auftrage HEINRICHS II. durch Wiedereinführung der Benediktinerregel in Tegernsee, Kremsmünster und Hersfeld Ansehen erworben. Auch er förderte die Künste, verband neugegründete Klöster mit Musterwirtschaften und mehrte das Kirchengut durch kolonisatorische Maßnahmen.
Finckenstein Finck von: Seite 97
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"Bischof und Reich"
Godehard, der aus
einer Ministerialenfamilie des Klosters Niederaltaich stammte, ist, durch
Erzbischof Friedrich von Salzburg gefördert, Propst und später
Abt
von Niederaltaich geworden, bis er als Reformabt in Tegernsee
und vor allem Hersfeld bewährt auf Vorschlag HEINRICHS
II. für Hildesheim zum Bischof gewählt wurde.
Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im
Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der
Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 299
B 37 - Bosl, Karl: Bosls Bayerische Biographie, Verlag Friedrich
Pustet Regensburg 1983 - Finckenstein, Albrecht Graf Finck von:
Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des ottonisch-frühsalischen
Reiches (919-1056), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1989 Seite 97 -
Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg.):
Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1997, Seite 12,13A,119 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und
seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 - Weinfurter, Stefan:
Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich
Puset Regensburg 1999, Seite
22,34,89,117,126,151,171,178-180 -