Sohn des N.N.
Fenske Lutz: Seite 172-179
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen
Sachsen"
Es wurde bereitsbdarauf hingewiesen,
daß
Bischof Reinhard mit dem späteren Grafengeschlecht
verwandt war. Allerdings besitzen wir für diese Verwandtschaft kein
unmittelbar zeitgenössisches Quellenzeugnis, sondern nur die zeitlich
spätere Nachricht innerhalb des Berichts über die Gründung
des Klosters Reinhausen, der kurz nach 1150, spätestens aber 1156
verfaßt wurde.
In seinem Fundationsbericht legt der Autor eingangs die
Genealogie der Stifterfamilie dar und berichtet dabei unter anderem, eine
Schwester Bischof Udos von Hildesheim namens Richenza sei von Gerold von
Immenhausen entführt und geheiratet worden. Da aus dieser Ehe keine
Nachkommenschaft hervorgegangen sei, habe Propst
Reinhard, der spätere Halberstädter Bischof,
ihren Besitz erworben und diesen seinem Neffen, den Grafen
Poppo von Blankenburg, zur Hochzeit
geschenkt.
Nicht nur König KONRAD
III. hatte zugunsten des Klosters eingegriffen und den sächsischen
Herzog Heinrich den Löwen im Dezember 1146 angewiesen, Abt Wibald
bei der Reorganisation des Korveyer Klosterguts zu unterstützen und
seinen Lehnsmann Poppo von Blankenburg zu
veranlassen, die von ihm und seinen Söhnen verursachten Schäden
wiedergutzumachen, da sie der Abtei per violentiam Güter entzrissen
hätten [DK III 162 Seite 294. Poppo wird
dabei als
homo tuus, das heißt als Vasall Heinrichs des Löwen
bezeichnet.]. Auch Papst Eugen III. schrieb 1147 in dieser Angelegenheit
an Bischof Rudolf von Halberstadt und beauftragte ihn, dafür
zu sorgen, daß die Korvey von Poppo von Blankenburg
und seinen Söhnen Reinhard und Konrad entfremdeten Güter in Gröningen
und Kroppenstedt zurückerstattet würden.
Graf Hermann I. von Winzenburg hatte das Kanonikerstift
Reinhausen in ein Kloster umgewandelt und zu dessen Weihe Bischof
Reinhard von Halberstadt eingeladen. Mit dieser Einladung hatte
er sogar besondere Erwartungen verbunden, denn er hoffte, der Bischof würde
dem Kloster bei dieser Gelegenheit eine größere Schenkung machen.
Bischof
Reinhard vollzog zwar die Klosterweihe, die Wünsche des
Grafen wurden jedoch insofern enttäuscht, als das Schenkungsgut nur
von geringer Größe war [die diesbezügliche Erwartung Graf
Hermanns dürfte einen sehr realen Hintergrund gehabt haben, den die
Schenkung des Bischofs in Gestalt zweier Wälder stammte aus dem Besitz
Gerolds von Immenhausen, den Reinhard
käuflich erworben hatte. Gerold aber war durch seine Heirat mit Richenza,
einer Schwester Graf Hermanns, eine beträchtliche Besitzausweitung
gelungen. Deswegen wird man vermuten dürfen, daß sich unter
den an Bischof Reinhard verkauften
Gütern auch Grundbesitz befand, der aus dem Heiratsgut seiner Gattin
und damit aus dem Besitz der Grafen von Reinhausen stammte.].
Nach dem Tode des Stifters, Graf Hermann (+ 1122), war
das Kloster dem Zugriff weltlicher Machthaber ausgesetzt. Unter denjenigen,
die damals unrechtmäßig Klosterbesitz an sich rissen, befand
sich auch
Graf Poppo von Blankenburg. Da Abt
Reinhard die Personen, über die er um 1150 berichtete, persönlich
kannte, ist seine Mitteilung, Graf Poppo von Blankenburg
sei
ein Neffe Bischof Reinhards
gewesen, als völlig glaubwürdig anzusehen, obwohl
nicht sichtbar wird, ob diese Verwandtschaftsbeziehung agnatisch oder kognatischen
Charakters war. Deswegen trägt dieses Verwandtschafstverhältnis
kaum dazu bei, genauere Kenntnisse über die Herkunft Poppos
zu gewinnen. Er muß, als er 1123/24 erstmals in einer Halberstädter
Urkunde als Zeuge auftrat, noch recht jung gewesen sein, wie man aus seinen
darüber hinaus bekannten Lebensdaten - er lebte noch 1165 -
erschließen kann. Zuerst 1133 führte er in der urkundlichen
Überlieferung den herkunftsgebenden Namen nach der Blankenburg.
Quellenbelege aus dem frühen 12. Jahrhundert weisen darauf hin, daß
diese damals im Besitz Herzog Lothars gestanden
haben dürfte. Poppo war Vasall Lothars von
Süpplingenburg, denn da sich die
Blankenburg zuvor im Besitz von Ministerialen des Herzogs befand,
wird Lothar ihn
mit der Burg belehnt haben. Nicht feststellbar ist dabei, ob die Blankenburg
aus
allodialer Wurzel der SÜPPLINGENBURGER
hervorging oder vielleicht ein halberstädtisches Lehen gewesen ist.
Als der Besitz LOTHARS später
über die Erbtochter Gertrud
an die WELFEN
gelangte, wurde Poppo von Blankenburg Vasall
Heinrichs des Stolzen und Heinrichs des Löwen. Nach allem, was sich
erkenenn läßt, sind die Grafen von Blankenburg und Regenstein
als Lehnsgrafen LOTHARS III.
und Heinrichs des Löwen aufgestiegen, weil LOTHAR
sie entweder als Herzog oder als König mit Komitatsrechten im Harzgau
belehnt haben dürfte. Dabei scheinen ihnen die ersten Schritte von
Bischof
Reinhard, dem Onkel Poppos, gebahnt worden
zu sein. Vermutlich war Reinhard in Sachsen stammesfremd. Er hatte
jedoch, wovon noch die Rede sein wird, sächsische Verwandte. Auch
die Stammeszugehörigkeit seines Neffen ist unbekannt. Der Personenname
Poppo ist in Sachsen nicht gebräuchlich,
während er bei den Geschlechtern O-Frankens häufiger auftritt.
Versucht man die verschiedenen Auffassungen, die zur Frage der Herkunft
Poppos geäußert
worden sind, zu deuten, so wird man folgern können, daß Bischof
Reinhard mit Poppo,
dem späteren Grafen von Blankenburg, einen nicht aus Sachsen
stammenden Neffen nach O-Sachsen holte und diesen durch Zuwendungen von
Grundbesitz förderte. Eine derartige "Verwandtenpolitik" scheint in
dieser Zeit zu den traditionellen Vorrechten neu investierter Bischöfe
gehört zu haben.
Giese Wolfgang: Band I Seite 305-307
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"Reichsstrukurprobleme unter den Saliern - der Adel in
Ostsachsen" in: Die Salier und das Reich
Im neuen Verschwörerkreis sind Lothar
von Süpplingenburg, sächsischer Herzog seit 1106,
Markgraf Rudolf von Stade, der sächsische Pfalzgraf Friedrich von
Sommerschenburg, Graf Wiprecht von Groitzsch, Landgraf Ludwig von Thüringen,
die verwitwete Markgräfin Gertrud, die letzte BRUNONIN, und Bischof
Reinhard von Halberstadt namhaft zu machen. Den militärischen
Gegenaktionen des Kaisers war diese aufrührerische Gruppe nicht gewachsen,
sie mußte sich bedingungslos unterwerfen und teilweise empfindliche
Bestrafungen hinnehmen.
Wie schon zu Beginn dieses Aufstandes durch die Gegnerschaft
Reinhards von Halberstadt erkennbar,
standen nun auch die Kirchenreformkreise in offener Gegnerschaft zu ihrem
einstigen Günstling.
Literatur:
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Assing Helmut: Brandenburg, Anhalt und Thüringen
im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften.
Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997 Seite 139 - Die Salier
und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I
Seite 7,305-307/Band II Seite 337-341,344-349,351,458,492,498 - Fenske,
Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen.
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 164-194 - Giese,
Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer
Zeit, Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979 Seite 189 - Giese, Wolfgang:
Reichsstrukurprobleme unter den Saliern - der Adel in Ostsachsen, in Die
Salier und das Reich, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992 Band I Seite
305-307 - Pätzold Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie
und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln Weimar
Wien 1997, Seite 28,182,184,192 - Schulze Hans K.: Das Reich und
die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag,
Seite 63,458,466 -