Reinhard von Blankenburg                         Bischof von Halberstadt (1106-1123)
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    -2.3.1123
 

Sohn des N.N.
 

Fenske Lutz: Seite 172-179
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Es wurde bereitsbdarauf hingewiesen, daß Bischof Reinhard mit dem späteren Grafengeschlecht verwandt war. Allerdings besitzen wir für diese Verwandtschaft kein unmittelbar zeitgenössisches Quellenzeugnis, sondern nur die zeitlich spätere Nachricht innerhalb des Berichts über die Gründung des Klosters Reinhausen, der kurz nach 1150, spätestens aber 1156 verfaßt wurde.
In seinem Fundationsbericht legt der Autor eingangs die Genealogie der Stifterfamilie dar und berichtet dabei unter anderem, eine Schwester Bischof Udos von Hildesheim namens Richenza sei von Gerold von Immenhausen entführt und geheiratet worden. Da aus dieser Ehe keine Nachkommenschaft hervorgegangen sei, habe Propst Reinhard, der spätere Halberstädter Bischof, ihren Besitz erworben und diesen seinem Neffen, den Grafen Poppo von Blankenburg, zur Hochzeit geschenkt.
Nicht nur König KONRAD III. hatte zugunsten des Klosters eingegriffen und den sächsischen Herzog Heinrich den Löwen im Dezember 1146 angewiesen, Abt Wibald bei der Reorganisation des Korveyer Klosterguts zu unterstützen und seinen Lehnsmann Poppo von Blankenburg zu veranlassen, die von ihm und seinen Söhnen verursachten Schäden wiedergutzumachen, da sie der Abtei per violentiam Güter entzrissen hätten [DK III 162 Seite 294. Poppo wird dabei als homo tuus, das heißt als Vasall Heinrichs des Löwen bezeichnet.]. Auch Papst Eugen III. schrieb 1147 in dieser Angelegenheit an Bischof Rudolf von Halberstadt und beauftragte ihn, dafür zu sorgen, daß die Korvey von Poppo von Blankenburg und seinen Söhnen Reinhard und Konrad entfremdeten Güter in Gröningen und Kroppenstedt zurückerstattet würden.
Graf Hermann I. von Winzenburg hatte das Kanonikerstift Reinhausen in ein Kloster umgewandelt und zu dessen Weihe Bischof Reinhard von Halberstadt eingeladen. Mit dieser Einladung hatte er sogar besondere Erwartungen verbunden, denn er hoffte, der Bischof würde dem Kloster bei dieser Gelegenheit eine größere Schenkung machen. Bischof Reinhard vollzog zwar die Klosterweihe, die Wünsche des Grafen wurden jedoch insofern enttäuscht, als das Schenkungsgut nur von geringer Größe war [die diesbezügliche Erwartung Graf Hermanns dürfte einen sehr realen Hintergrund gehabt haben, den die Schenkung des Bischofs in Gestalt zweier Wälder stammte aus dem Besitz Gerolds von Immenhausen, den Reinhard käuflich erworben hatte. Gerold aber war durch seine Heirat mit Richenza, einer Schwester Graf Hermanns, eine beträchtliche Besitzausweitung gelungen. Deswegen wird man vermuten dürfen, daß sich unter den an Bischof Reinhard verkauften Gütern auch Grundbesitz befand, der aus dem Heiratsgut seiner Gattin und damit aus dem Besitz der Grafen von Reinhausen stammte.].
Nach dem Tode des Stifters, Graf Hermann (+ 1122), war das Kloster dem Zugriff weltlicher Machthaber ausgesetzt. Unter denjenigen, die damals unrechtmäßig Klosterbesitz an sich rissen, befand sich auch Graf Poppo von Blankenburg. Da Abt Reinhard die Personen, über die er um 1150 berichtete, persönlich kannte, ist seine Mitteilung, Graf Poppo von Blankenburg sei ein Neffe Bischof Reinhards gewesen, als völlig glaubwürdig anzusehen, obwohl nicht sichtbar wird, ob diese Verwandtschaftsbeziehung agnatisch oder kognatischen Charakters war. Deswegen trägt dieses Verwandtschafstverhältnis kaum dazu bei, genauere Kenntnisse über die Herkunft Poppos zu gewinnen. Er muß, als er 1123/24 erstmals in einer Halberstädter Urkunde als Zeuge auftrat, noch recht jung gewesen sein, wie man aus seinen darüber hinaus bekannten Lebensdaten - er lebte noch 1165 - erschließen kann. Zuerst 1133 führte er in der urkundlichen Überlieferung den herkunftsgebenden Namen nach der Blankenburg. Quellenbelege aus dem frühen 12. Jahrhundert weisen darauf hin, daß diese damals im Besitz Herzog Lothars gestanden haben dürfte. Poppo war Vasall Lothars von Süpplingenburg, denn da sich die Blankenburg zuvor im Besitz von Ministerialen des Herzogs befand, wird Lothar ihn mit der Burg belehnt haben. Nicht feststellbar ist dabei, ob die Blankenburg aus allodialer Wurzel der SÜPPLINGENBURGER hervorging oder vielleicht ein halberstädtisches Lehen gewesen ist. Als der Besitz LOTHARS später über die Erbtochter Gertrud an die WELFEN gelangte, wurde Poppo von Blankenburg Vasall Heinrichs des Stolzen und Heinrichs des Löwen. Nach allem, was sich erkenenn läßt, sind die Grafen von Blankenburg und Regenstein als Lehnsgrafen LOTHARS III. und Heinrichs des Löwen aufgestiegen, weil LOTHAR sie entweder als Herzog oder als König mit Komitatsrechten im Harzgau belehnt haben dürfte. Dabei scheinen ihnen die ersten Schritte von Bischof Reinhard, dem Onkel Poppos, gebahnt worden zu sein. Vermutlich war Reinhard in Sachsen stammesfremd. Er hatte jedoch, wovon noch die Rede sein wird, sächsische Verwandte. Auch die Stammeszugehörigkeit seines Neffen ist unbekannt. Der Personenname Poppo ist in Sachsen nicht gebräuchlich, während er bei den Geschlechtern O-Frankens häufiger auftritt. Versucht man die verschiedenen Auffassungen, die zur Frage der Herkunft Poppos geäußert worden sind, zu deuten, so wird man folgern können, daß Bischof Reinhard mit Poppo, dem späteren Grafen von Blankenburg, einen nicht aus Sachsen stammenden Neffen nach O-Sachsen holte und diesen durch Zuwendungen von Grundbesitz förderte. Eine derartige "Verwandtenpolitik" scheint in dieser Zeit zu den traditionellen Vorrechten neu investierter Bischöfe gehört zu haben.

Giese Wolfgang: Band I Seite 305-307
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"Reichsstrukurprobleme unter den Saliern - der Adel in Ostsachsen" in: Die Salier und das Reich

Im neuen Verschwörerkreis sind Lothar von Süpplingenburg, sächsischer Herzog seit 1106, Markgraf Rudolf von Stade, der sächsische Pfalzgraf Friedrich von Sommerschenburg, Graf Wiprecht von Groitzsch, Landgraf Ludwig von Thüringen, die verwitwete Markgräfin Gertrud, die letzte BRUNONIN, und Bischof Reinhard von Halberstadt namhaft zu machen. Den militärischen Gegenaktionen des Kaisers war diese aufrührerische Gruppe nicht gewachsen, sie mußte sich bedingungslos unterwerfen und teilweise empfindliche Bestrafungen hinnehmen.
Wie schon zu Beginn dieses Aufstandes durch die Gegnerschaft Reinhards von Halberstadt erkennbar, standen nun auch die Kirchenreformkreise in offener Gegnerschaft zu ihrem einstigen Günstling.
 
 
 
 

Literatur:
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Assing Helmut: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997 Seite 139 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 7,305-307/Band II Seite 337-341,344-349,351,458,492,498 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 164-194 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit, Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979 Seite 189 - Giese, Wolfgang: Reichsstrukurprobleme unter den Saliern - der Adel in Ostsachsen, in Die Salier und das Reich, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1992 Band I Seite 305-307 - Pätzold Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997, Seite 28,182,184,192 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 63,458,466 -